Nachdem wir in den vorangegangenen Tagen schon aeusserst langsam, aber immerhin gemuetlich unterwegs waren, wurde es in der vorletzten Nacht unerfreulich. Wir trieben nach Nordosten, das Schiff torkelte im Schwell, das Schlagen der Segel zerrte an den Nerven. Wir hatten sehr schwache Winde, mit denen wir die entgegenlaufende Stroemung kaum aussegeln konnten. Die Stimmung an Bord litt. Sollen wir umdrehen und nach Panama zuruecksegeln, sollen wir einen Nothafen in Kolumbien anlaufen? Keine der Optionen ueberzeugte und ohne Wind muessten wir ja auch erst einmal nach Kolumbien oder Panama kommen. Zwischendurch segelten wir ab und zu eine Stunde auf einem annehmbaren Kurs und schoepften Hoffnung.
Mit wenig Wind und nach Osten treibend ging es in die letzte Nacht, nachdem wir am Nachmittag segeln konnten. Gegen Mitternacht konnte ich wieder Fahrt aufnehmen, das Schiff umdrehen und nach Suedwesten segeln. Nobbi segelte in seiner Wache langsam aber bestaendig. Als ich um vier die Wache uebernehme, blitzt es am Horizont, Nobbi murmelte irgendwas von Wetterleuchten und verschwindet in seiner Koje. Die Blitze kommen immer naeher, jetzt sehe ich nicht mehr nur die Strobe-Lights am Himmel, jetzt hoere ich den Donner und sehe die Blitze um mich herum schnellen. Unheimlich. In meinem Podcast sagt jemand man muesse seine Komfortzone verlassen, ich wuensche mich sehnlichst in meine Komfortzone, die garantiert gewitterfrei ist. Ich beneide Nobbi darum, dass er schlaeft und hoffe dass die Zeit vergeht und das Gewitter mitnimmt. Dann springt der Wind um, wir segeln jetzt nicht mehr nach Westen, sondern ploetzlich nach Osten. Ich wecke Nobbi. Keine Minute zu frueh. Nun kommt der Regen mit satten Schauerboeen. Nobbi rollt das Vorsegel weg, ich steuere die Boeen aus. Minuten spaeter bin ich klatschnass. Zeit zum Jacke anziehen blieb nicht. Schliesslich laesst der Wind nach, es regnet nur noch gleichmaessig und nicht mehr als wuerden wir unter einem Hochdruckreiniger hindurch segeln. Nobbi darf wieder ins Bett und ich beobachte das Geschehen von drinnen. Acht Stunden spaeter regnet es noch immer, endlich ist der Panamadreck vom Deck gespuelt. Seit dem Gewitterschauer haben wir nun starken Nordostwind und segeln zuegig nach Suedwesten. Endlich geht es voran, auch wenn das kein Wetterbericht vorhergesagt hat.
Eine Nacht mit Wal
Gestern segelten wir langsam aber stetig in die richtige Richtung. Leider verabschiedete sich abends der Wind. Die ganze Nacht hatten wir absolute Flaute. Zum Teil war es richtig unheimlich, weil es so still war, dass wir jeden springenden Fisch und jeden piepsenden Vogel hoeren konnten. Es war unglaublich dunkel. Eine Gruppe von Walen verbrachte Teile der Nacht neben uns, zunaechst hoerte ich sie nur atmen, dann trieben sie neben uns. Unheimlich und schoen, wann verbringt man schon mal eine Nacht mit einem Wal? In der Ferne blinkte ein Licht, zunaechst dachten wir an einen anderen Segler, weil viele Segler ein Blitzlicht im Mast Top fahren, doch dann tauchten weitere Lichter auf, vermutlich markierten sie ein Fischernetz oder Langleinen, zum Glueck sind wir davon weggetrieben. Als es hell wurde, war es so neblig, dass wir den Horizont nicht sehen konnten. Das Grau von Meer und Himmel ging ineinander ueber. Jetzt ist es wieder schoen sonnig und die Wasseroberflaeche kraeuselt sich. Von Segelwind koennen wir noch nicht sprechen, doch der Wetterbericht verspricht Wind fuer heute Nacht. Wir freuen uns drauf.
Fuer alle, die unsere Ankunftszeit noch nicht getippt haben: morgen ist die Deadline. Teilnahme per Mail.
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Tierisch langsam
Gestern Mittag schlief der Wind ein. Fuenfzehn Stunden dauerte die Flaute bis heute Morgen der Wind zurueckkam. Nachmittags war die Wasseroberflaeche absolut glatt, nicht das leichteste Kraeuseln war zu sehen. Sonne und Wolken spiegelten sich im Meer. Da sahen wir zwei kleine Flossen synchron auftauchen. Und wieder. Eine kleine Schildkroete schwamm auf uns zu, tauchte auf, sah uns mehrfach an und ueberholte uns. Wir sind also so langsam, dass wir von Schildkroeten ueberholt werden. Nachts landete ein kleiner schwarzer Vogel bei uns im Cockpit und blieb mehrere Stunden. Zunaechst wollte er unbedingt auf dem Cockpitboden sitzen, Nobbi konnte ihn waehrend seiner Wache ueberreden an Deck umzuziehen und als ich die Wache dann wieder uebernommen habe, flog er schliesslich davon.
Unser langsames Tempo hat auch Vorteile, wir konnten heute Morgen baden. Als Nobbi die Badeleiter runterklettert mache ich Witze, dass er erst mal testen solle ob die Haie hungrig sind. Nobbi badet ausgiebig, dann bin ich dran. Ich bin gerade die Leiter hinunter geklettert als hinter uns die charakteristischen Flossen eines Hais auftauchen. So schnell bin ich noch nie die Badeleiter hochgeklettert. Bis heute Mittag konnten wir gut segeln, jetzt sind wir wieder langsamer als jede Schildkroete. Gerade haben wir Kaffee getrunken und frisch gebackene Franzbroetchen gegessen, heute Abend gibt es Griessbrei mit Mango zum Nachtisch. Wenn wir schon so langsam sind, koennen wir es geniessen, dass das Kochen so problemlos moeglich ist. Derweil ueberlegen wir, wie lange wir duempeln wollen. Bekannte haben uns heute Nacht elegant ueberholt, unter Motor. Im Gegensatz zu ihnen haben wir aber viel zu wenig Diesel um ihn jetzt schon zu verbrauchen. Wir benoetigen noch Diesel falls wir auf die Galapagos zutreiben, um gegebenenfalls Schiffen ausweichen zu koennen, damit wir unsere Batterien laden und Wasser machen koennen, wenn Sonne und Wind nicht ausreichen und fuer das Einlaufen in den Marquesas. Vor uns liegen noch 4000 Meilen, da koennen noch viele ungeplante Dinge passieren und daher duerfen wir unsere Dieselreserven nicht aufbrauchen. Unser Notfallplan ist ein Stopp in Kolumbien zum Tanken. Wenn moeglich wollen wir das jedoch vermeiden. Noch geben wir nicht auf.
Auf den Las Perlas haben wir leider sehr viel Plastikmuell gesehen, am Strand, in den Mangroven und im Wasser. Plastikflaschen, Kanister, Tueten, Loeffel, Babywindeln, die ganze Palette. Auch an den ersten beiden Segeltagen haben wir immer wieder Kanister und Flaschen gesehen. Heute haben wir zum Glueck erst eine Flasche gesichtet, auch wenn eine Flasche eine zu viel ist und man den groessten Anteil des Muells vermutlich nicht sieht. Das Meer leuchtet blau, atmet leicht und erscheint unendlich gross. Gerade eben ist ein grosser brauner Wal neben uns abgetaucht. Ich setze mich jetzt ins Cockpit, hoffe, dass er wiederkommt und beginne ein neues Buch
Hinaus auf den Pazifik
Der Abschied von den Las Perlas faellt uns schwer. Die wilden, schoenen Inseln gefallen uns. Die Inseln sind felsig und dicht mit Baeumen bestanden. In dieser Jahreszeit sind viele der Baeume kahl und von tausenden von Voegeln bevoelkert. Bei Flut erinnern die Inseln ein wenig an schwedische Schaeren, bei Ebbe werden ueberall Straende sichtbar, viele davon sind weiss. Die Las Perlas sind nur wenig bevoelkert, die meisten Inseln sind unbewohnt. Die Inseln gehoeren den Tieren. Das Wasser ist vergleichsweise trueb, aber voll Fisch. Schwaerme von kleinen und grossen Fischen tummeln sich unterm Boot, vom Dinghi sehen wir Stachelrochen und mehrere Krebse suchen Asyl auf der Badeleiter. Pelikane, Toelpel, Fregattvoegel, Papageien und Moewen kontrollieren den Luftraum.
Wir schliessen uns Momo und Seahawk an und segeln mit ihnen zur Insel Espiritu Santo. Rainer mit seinen Gaesten Thomas und Thomas kennen wir aus Shelter Bay, Thomas ist mit uns durch den Kanal gefahren. Wir verbringen gemeinsam lustige Abende und erkunden die Insel. Gerne haetten wir noch mehr Zeit mit ihnen verbracht, doch wir entscheiden, dass es fuer uns Zeit ist weiterzuziehen. Wir suchen uns einen Ankerplatz ganz im Sueden der Isla del Rey an der Muendung eines kleinen Flusses, essen unseren Snapper, den wir einem Fischer abgekauft haben, verbringen hier eine sehr ruhige Nacht, baden im klaren Wasser und starten von hier am Dienstagmorgen, den 9. April.
Kaum sind wir unterwegs zeigt sich neben uns der grosse schwarze Ruecken eines Wals. Zunaechst freuen wir uns, dass wir bei recht schwachem Wind gut segeln koennen. Doch in den naechsten Stunden beginnt ein staendiger Wechsel aus wenig Wind und Flaute. Das waere nicht so schlimm, wenn wir nicht einen recht starken Strom haetten, der uns nach Nordwesten in den Golf von Panama hineinversetzt. Die Stimmung ist auf dem Tiefpunkt als wir mitten in der Nacht rueckwaerts aufs Verkehrstrennungsgebiet (die Autobahn fuer die grossen Schiffe zum Panamakanal) zutreiben. Zu allem UEberfluss sind ueberall um uns herum Fischer die Zick-Zack fahren oder Kreise drehen. Schliesslich machen wir die Maschine an, um von dem Verkehrstrennungsgebiert und den Fischern freizukommen. Am zweiten Tag klappt es schon besser mit dem Segeln in die richtige Richtung, auch wenn wir uns noch einmal unter Motor von einem Verkehrstrennungsgebiert befreien muessen. Nun sind wir weit genug von den Hauptschifffahrtsrouten entfernt und der Strom zieht uns nach Westen. Heute Nacht und heute Vormittag sind wir schoen gesegelt, im Moment treiben wir.
Es gibt immer wieder etwas zusehen, zum einen scheinen wir auf der Hauptroute nach Suedamerika zu segeln und gelegentlich kommt ein Frachter vorbei, zum anderen haben wir viele tierische Besucher. Ein cleverer Toelpel fischt nachts im Licht unserer Steuerbordlaterne, Delfine machen einen kurzen Besuch, in der Ferne springt ein Wal und eben hat ein Baby-Manta einen Bauchklatscher kurz hinter unserem Boot gemacht. Die Stimmung an Bord ist gut, da es so ruhig ist haben wir hervorragend geschlafen und ich lese bereits das vierte Buch.
Die Las Perlas
Die Las Perlas sind eine kleine Inselgruppe im Golf von Panama. Diese Inseln wollen wir noch sehen bevor wir Panama endgültig verlassen und uns auf den weiten Weg nach Französisch Polynesien machen.
Als wir losfahren spiegeln sich die Wolken im Wasser. Es weht kein Lüftchen. Schlechte Bedingungen zum Segeln, hervorragende zum Tiere beobachten. Wir haben Glück, wir sehen sehr viele Vögel. Pelikane, Fregattvögel und Tölpel sind in großen Gruppen unterwegs. Riesige Fischschwärme bringen die ansonsten spiegelglatte Wasserfläche zum Kochen. Wir beobachten Delfine bei der Jagd und bei tollkühnen Sprüngen. Eine kleine Abordnung kommt neugierig ganz dicht ans Boot. Eine Gruppe Pilotwale zieht vorbei und in der Ferne springt ein großer Wal aus dem Wasser. Was für ein tierisches Willkommen im Pazifik!
Das Kinoprogramm endet nicht bei Einbruch der Dunkelheit. Das Meer leuchtet. Zuerst sehen wir es in den Speigatten (das sind die Ausflüsse, die Wasser von Deck ableiten). Es leuchtet grün. Wir setzten uns mit baumelnden Beinen an die Kante und genießen das Spektakel. Das Meer glitzert als würden Millionen kleiner Diamanten darin schwimmen. Die kleinen Fische ziehen eine leuchtende Spur hinter sich her, wenn sie neben uns auf und ab schwimmen. Nähert sich ein größerer Jäger spritzen die kleinen Fische auseinander, alle mit einem leuchtenden Schweif. Feuerwerk unter Wasser. Magisch und wunderschön.
Dabei fing unser Trip auf die Las Perlas gar nicht so gut an. Vorgestern waren wir schön über zwei Stunden unterwegs, als wir feststellten, dass wir Wasser im Schiff haben. Nicht viel, aber zu viel um es zu ignorieren. Wir stoppen den Motor, suchen nach der Stelle wo es hineinkommt und entscheiden uns umzukehren. Nachmittags fällt der Anker in La Playita vor Panama. Drei Meilen vom Balboa Yachtclub, wo wir morgens gestartet sind. Wir liegen einfach zu tief im Wasser. Mari ist überladen. Wir trimmen sie um, finden die undichte Stelle und dichten sie ab.
Gestern wagen wir einen neuen Versuch. Maris Bilge ist knochentrocken und wir sind zufrieden.
Pazifikvorbereitungen – der Endspurt
Wir sind soweit. Wir sind tatsächlich fertig. Irgendwie kommt es für uns unerwartet, wir haben heute den letzten Punkt auf unserer ToDo-Liste abgehakt. Nun heißt es lossegeln, bevor neue Posten auf der Liste auftauchen.
Die letzten Tage haben wir eingekauft, aufgeräumt, weggestaut und gewaschen. Wir haben Übung im Taxifahren, inzwischen fahren wir zum halben Preis. Am Sonntag landen wir auf der Suche nach einem Supermarkt in einem Shoppingcenter. Später lernen wir, dass dies eine der größten Malls Amerikas ist. Sehr praktisch wenn man eigentlich nur einen Supermarkt sucht. Hier gibt es alles und wir brauchen nichts. Wir kaufen einen Badeanzug und eine Badehose, essen Steaks und finden schließlich auch einen Supermarkt. Montag waren wir auf der Suche nach Obst und Gemüse und haben auf dem Weg zum Markt einige kleine Stände entdeckt. Auf dem Markt sind wir deshalb nie angekommen. Nicht alles läuft so unkompliziert. Als wir Montagmorgen mit unserer schmutzigen Wäsche vor der Waschmaschine stehen, erfahren wir, dass diese seit Sonntag kaputt ist. Prima. Nun stehen wir mit der schmutzigen Wäsche, aber ohne Taschen und Schuhe auf der Pier. Wir fragen nach einem Waschsalon. Allgemeines Kopfschütteln. Schließlich bringen wir die Wäsche auf dem Weg zum Einkaufen in eine Wäscherei und ich gehe mit einer angebrochenen Waschmittelflasche im Gepäck einkaufen. Dienstag können wir die Wäsche wieder abholen. Wir sind in einem Viertel, in dem Touristen besser nicht im Dunkeln unterwegs sind und finden hier die beste Gemüseauswahl. Sehr günstig kaufen wir Brokkoli, Rotkohl, Ananas, Melonen und Bananen. Nun ist das Boot voll und wir werden nicht verhungern. Wir sind gespannt wie lange die Paprikas durchhalten und ob alle Mangos gleichzeitig reif werden.
Wir haben genügend frischen Lesestoff und die MP3 Player sind mit Musik und Podcasts gefüttert. Gestern saßen wir lange an der Bar und haben das schnelle Internet ausgiebig genutzt um Dinge nachzusehen, Emails zu schreiben und zu telefonieren. Abends haben wir uns gefreut Freunde von der Atlantikseite zu treffen, die erst gestern durch den Kanal gekommen sind.
Heute Morgen mussten wir feststellen, dass wir einen Bananendieb an Bord haben. Nobbi hat ihn auf frischer Tat ertappt. Ein frecher schwarzer Vogel hat Löcher in unsere Bananen gepickt. Unser Rumgewedel, mit dem wir ihn verscheuchen wollten, hat ihn kaum gestört. Er hat eine Pause am Mast gemacht und ist nur widerwillig aufs Nachbarboot umgezogen. Die Zahl unserer Bananen wurde drastisch reduziert. Dann essen wir eben Mango und Ananas.
Anschließend hatten wir einen Grundkurs in Entschleunigung. Gleich morgens wollten wir ausklarieren und uns anschließend auf den Weg zu den Las Perlas machen. Im Hafenbüro gab es jedoch ein kleines Problem. Das Passwort der Mitarbeiterin war abgelaufen, deshalb konnte sie sich leider nicht im System anmelden. Wir haben erst einige Zeit in der Halle gewartet und später einem Beamten beim Ausschneiden von Etiketten zugesehen. Nach gut zwei Stunden wurden wir dann noch einmal gefragt wie unser Boot heißt. Schließlich gab es doch eine „Zarpe“ für uns. Die Zarpe ist das Papier, das bestätigt, dass wir Panama mit Ziel Marquesas verlassen. Bei der Immigration ging es ganz schnell. Zack hatten wir unseren Ausreisestempel im Pass. Mittags waren wir wieder am Balboa Yacht Club. Zu spät um die 40 Meilen zu den Las Perlas im Hellen zurückzulegen. Kurzentschlossen haben wir unsere Abfahrt auf morgenfrüh verschoben.
Es wurde Beschwerde eingereicht, weshalb unsere Leser nicht, wie auf dem Weg zu den Kap Verden, unsere Ankunftszeit tippen dürfen. Ihr dürft.
Hier gibt es also die Informationen die ihr für eure detaillieren Berechnungen benötigt. Wir starten von den Las Perlas, Panama. Unser Ziel sind die Marquesas in Französisch Polynesien, unser Landfall wird vermutlich auf Hiva Oa sein. Die Strecke ist fast 4000 Meilen lang und wir werden die Galapagosinseln wahrscheinlich südlich passieren. Da wir noch ein bis zwei Nächte am Anker auf den Las Perlas verbringen wollen, sind wir noch nicht sicher, wann wir lossegeln. Gebt den Ankunftstag in Hiva Oa und die Uhrzeit (Ortszeit!), basierend auf der Abfahrt am Samstag den 6. April 10 Uhr morgens (Ortszeit Panama), an. Sollten wir später oder früher absegeln, werden eure Berechnungen berichtigt. Falls wir kurz entschlossen irgendwo anders hinsegeln, werden die Angaben mit einer geheimen Formel korrigiert. Schickt uns eure Tipps per Mail (gewertet werden nur Schätzungen, die bis zum 14. April eingehen), die genausten Vorhersagen werden mit einer Postkarte belohnt.
Panama City
Nach der Kanalpassage liegen wir im Balboa Yacht Club an der Boje. Das hört sich edel an, ist aber der Platz an dem die Arbeitsboote liegen. Hier ist ein ständiges Kommen und Gehen. Die Boote der Agenten fahren zu den großen Schiffen, die auf der Reede fahren. Ersatzteile und Gemüse werden geliefert. Die Lotsenboote bringen den Lotsen zu den großen Schiffen oder holen sie wieder ab. Urlauber werden mit dem Motorboote zu den vorgelagerten Inseln gebracht. Außerdem liegen wir unmittelbar an der Einfahrt zum Kanal und zum Hafen. Die großen Schiffe fahren so dicht vorbei, dass man das Gefühl hat sie anfassen zu können. Während die Großen nur leise brummen, machen die kleinen Boote der Agenten viel Lärm und noch mehr Welle. Immer wieder müssen wir uns und unsere Tassen festhalten. Uns gefällt es trotzdem. Hier gibt es so viel zu sehen, eigentlich können wir einfach im Cockpit sitzen bleiben und das Leben um uns herum beobachten.
Natürlich wollen wir Panama City erkunden. Das Taxiboot bringt uns an Land und auch wieder zurück zum Boot. Tag und Nacht. Ein „Moie-Moie, Marisol“ auf Kanal 6 reicht und schon kommt das Boot angerauscht.
Wir besuchen das Besucherzentrum auf den Miraflores Schleusen und beobachten das Schleusen von der Dachterrasse aus. Wir haben Glück, ein Kreuzfahrer wird geschleust, der gerade in die Kammer passt. Das ist spannend. Wir sehen den Lotsen auf der Brücke hin und her laufen und das Personal des Kreuzfahrers, das Zeit für eine Zigarette findet oder die Gelegenheit nutzt sich zu sonnen. Ein Autotransporter und kleinere Containerschiffe folgen. In der Ferne sehen wir große Neo-Panamax Schiffe durch die neue Schleuse gehen. Die Gastanker und großen Containerschiffe passen nicht in die Miraflores Schleuse. Wir freuen uns, dass auch drei Segelboote, so wie wir, im Päckchen geschleust werden.
Die Altstadt Panamas ist schön. Ein Teil wurde bereits renoviert, es gibt jedoch noch viele Projekte. Zum Teil stehen nur noch die Außenmauernder ehemals schöner Häuser. Wir bummeln durch die Straßen, Essen auf schattigen Plätzen und genießen den Ausblick auf das moderne Panama beim Einbruch der Dunkelheit von einer Bar auf einer Dachterrasse. In der Altstadt befindet sich auch das Kanalmuseum, das unser Kanal-Erlebnis abrundet. Wir erfahren viel über die Geschichte Panamas, den Kanalbau, das Leben innerhalb der US-Kanalzone, die Übergabe des Kanals an Panama und die Erweiterung des Kanals. Das Museum ist informativ, modern und befindet sich in einem sehr schönen Haus.
Im Parque Natural Metropolitano hoffen wir ein Faultier zu sehen. Wir machen eine kleine Wanderung durch den Park, genießen den Ausblick auf die Stadt und entdecken tatsächlich ein Faultier, ein Agouti und einen Nasenbären. Den anderen Tieren ist es wohl zu heiß. Uns auch.
Wir sind bei unserer panamaischen Verwandtschaft eingeladen und verbringen gemeinsam einen sehr schönen Abend mit dem besten Ceviche der Reise.
Zwischendurch haben wir kleineres Bootsgetüddel erledigt, irgendwas ist immer. Meine USB-Steckdose hat jetzt wieder Strom und der Kasten für die Gasflaschen ist wieder dicht. Während unserer Kanalfahrt ist dort Wasser eingedrungen. Diese Schwachstelle ist uns erst jetzt aufgefallen, als wir im Kanal mit 6 Personen im Cockpit und Full-Speed das Heck 30 cm tiefer gelegt hatten.
Gestern haben wir Otti verabschiedet. Nun sind wir wieder zu zweit an Bord, damit beginnt für uns der Endspurt der Vorbereitungen für unsere Pazifikbesegelung.
In den Schleusen
Wir sind total begeistert wie viele nette Menschen in Deutschland am Computer ausgeharrt haben und unsere Durchfahrt beobachtet haben. Vielen Dank für die tollen Fotos.
Philipp hat uns diesen tollen Film gebastelt, der die Fahrt durch die Miraflores Schleuse zeigt. Philipp und Mareike machen tolle Törns mit ihrem Boot „Müggele“ und bringen von ihren Reise schöne Videos mit. Reinschauen lohnt sich: http://www.Müggele.de .





Panamakanal – der Transit
Am Sonntag bekommen wir Besuch. Wir haben Verwandte in Panama, die die Chance nutzen und unser Boot anschauen möchten. Gemeinsam besuchen wir Fort San Lorenzo am Rio Chagres und verbringen einen schönen Tag zusammen.
Sonntag kommt auch Cara an Bord. Sie hat einen Aushang am schwarzen Brett gemacht, wir haben ihr eine Nachricht geschrieben, sie am Mittwoch getroffen und nach ein paar Minuten beschlossen, dass sie als Linehandlerin mitkommt. Für sie ist es bereits die dritte Kanaldurchfahrt.
Montagmorgen sollen unsere Leinen und Fender an Bord kommen. Sie kommen spät und wir werden nervös. Mit etwas Verspätung, aber immer noch rechtzeitig treffen sie ein.
Thomas aus Schweden macht unsere Crew komplett, wir haben uns im Shoppingbus auf dem Weg nach Colon kennengelernt. Nun sind wir zu fünft.
Während wir noch am Steg liegen kommt via Funk die Ansage, dass der Lotse um viertel nach drei an Bord kommt, wir brauchen uns also nicht zu beeilen. Wir essen belegtes Baguette, fahren aus dem Hafen und legen uns an den Anker. Es ist immer noch früh und schaukelt ordentlich. Wir verkürzen die Wartezeit mit Kaffee und Kuchen. Wir verstehen uns gut und die Zeit vergeht schnell. Wir lernen, dass Thomas mit einem Eisbären reist (kein echter) und machen Eisbärenfotos für die Familie. Der Eisbär ist eine Art familiärer Wanderpokal und wurde ihm von seiner Schwester ins Gepäck geschmuggelt. Tatsächlich kommt Julio um kurz nach halb vier an Bord und schon geht es los. Julio ist „Advisor“. Kleine Boote, wie wir, bekommen keinen echten Lotsen, sondern einen Advisor. Angestellte der Kanalbehörde haben die Möglichkeit in ihrer Freizeit als Advisor zu arbeiten und so zusätzlich Geld zu verdienen.
Mit uns reisen zwei weitere Segelboote. Vor der ersten Schleuse sollen wir ein Päckchen bilden und die Boote zusammenbinden. Eigentlich keine komplizierte Aufgabe, doch die Situation ist einigermaßen chaotisch. Schließlich fahren wir hinter einem großen Schiff und einem Schlepper in der Schleusenkammer. Nun werden wir drei Stufen hinauf in den Gatunsee geschleust. Die Aufgabe der Linehandler ist es, die Leinen gleichmäßig stramm zuhalten und Boote so in der Mitte der Schleuse zu halten.
Kurz hinter der Schleuse mache ich im Eiltempo Abendessen. Thomas springt ein. Er brät das Fleisch während ich ans Ruder gehe, wir sollen direkt hinter den Schleusen ankern. Das kommt plötzlich. Julio bekommt etwas zu essen (Couscous mit Tomaten dazu Rinderfilet) und schon wird er abgeholt. Wir trinken zunächst ein Ankunftsbier, essen, sitzen noch etwas im Cockpit und gehen bald ins Bett. Uns fehlt eine Koje. Zwei schlafen im Vorschiff, zwei im Salon, das Achterschiff ins vollgestaut. Deshalb macht Nobbi es sich im Cockpit gemütlich. Kaum liegen wir alle im Bett beginnt es zu regnen, Nobbi zieht auf den Fußboden im Salon um. Die Nacht ist für uns alle unruhig und um halb sechs zu Ende. Um viertel vor sechs sollen wir uns melden und erfahren wann es weiter geht. Niemand meldet sich. Nobbi geht baden und putzt den Log-Geber. Wir trinken Kaffee und essen das beste Bananabread. Wir haben es von Spencer bekommen, nachdem Rainer ihm verraten hat, dass wir es so sehr mögen. Sehr lecker. Wir warten. Wir essen Rührei und warten. Um viertel nach neun kommt schließlich unser Advisor Luis an Bord. Fast 30 Meilen bis zu den Schleusen auf der Pazifikseite. Die Landschaft ist schön und ab und zu kommt ein interessantes Schiff vorbei. Mittags gibt es Gulasch. Ich bin froh, dass ich am Montagmorgen vorgekocht habe. Unter Deck ist es sehr heiß.
Wir verlieren den Anschluss an die beiden anderen Yachten, sie sind größer und schneller. Unsere arme Mari liegt tiefer im Wasser als je zuvor. Sechs Personen an Bord, zusätzlich Gepäck, Leinen und Fender, Proviant für den Pazifik und das alles in Süßwasser. Die anderen Boote müssen schließlich warten, dass der Gegenverkehr die Engstelle Gaillard Cut passiert hat und wir schließen auf. Wieder verbinden wir uns zu einem dreier Päckchen, wieder ist es chaotisch. Auf dem mittleren Boot kann anscheinend niemand eine Leine belegen oder einen Knoten machen. In der Pedro Miguel Schleuse werden wir eine Stufe abwärts geschleust, eine Meile später in der Miraflores Schleuse geht es in zwei Stufen hinab. Um kurz nach vier öffnet sich schließlich das letzte Schleusentor und damit das Tor zum Pazifik.
Am Balboa Yacht Club geben wir unsere gemieteten Leinen und Fender an ein kleines Boot ab und machen unsere Mari an einer Boje fest. Wir freuen uns über die glückliche Ankunft und darüber, dass wir Glück hatten mit unseren Linehandlern. Cara und Thomas werden vom Taxiboot abgeholt.
Wir setzen uns ins Cockpit, trinken Sekt, stoßen auf die Ankunft im Pazifik an und fallen reichlich angetüddelt und sehr müde in die Koje.
Zum letzten Beitrag sind noch einige Fotos hinzugekommen.
Wir bedanken uns bei Joachim, Martin, Rolf, Frauke, Mareike, Philipp und Nicola für die tollen Fotos aus dem Schleusen. Sobald wir all die Bilder heruntergeladen haben reichen wir sie nach.
Der Panamakanal
Wann geht ihr durch? Das ist die beherrschende Frage. Gemeint ist der Panamakanal. Die meisten Segler die hier liegen warten auf ihren Transit durch den Kanal.
Hat man einen Termin, wird es Zeit sich um die Planung zu kümmern. Jedes Boot braucht zusätzlich zum Captain vier Linehandler. Da wir im Moment zu dritt an Bord sind, mein Vater Otti besucht uns, brauchen wir nur noch zwei weitere Linehandler. Außerdem muss man sich über die Proviantierung Gedanken machen. Der Advisor, der Lotse der an Bord kommt, hat Anrecht auf eine warme Mahlzeit und die Crew hat auch Hunger. Es gilt also sechs Personen zwei Tage zu bekochen.
Unser Termin ist am Montag den 25. März, eingekauft haben wir am Freitag, zwei Linehandler sind gefunden und morgen werden die vorgeschriebenen Leinen und Fender gebracht. Wir sind bereit.
Der Kanal ist die Abkürzung vom Atlantik in den Pazifik. Schiffe die nicht durch den Kanal fahren wollen, müssen den Umweg um Südamerika herum machen und durch die Magellanstraße fahren. Der Kanal verbindet den Atlantik bzw. die Karibik im Osten mit dem Pazifik im Westen. Er verläuft aber von Nord nach Süd und der Eingang auf der Atlantikseite liegt sogar westlicher als Ausgang auf der Pazifikseite. Verwirrt? Da hilft nur ein Blick auf die Karte.
Die Arbeiten am Kanal begannen 1881 unter Ferdinand de Lesseps. Der Erbauer des Suezkanals wollte einen schleusenlosen Kanal bauen, beim Suezkanal hatte es schließlich gut funktioniert. Dieses Unterfangen ging furchtbar schief und endete in einem finanziellen Fiasko. Bis 1889, als der Bau gestoppt wurde, starben 22.000 Menschen vor allem an Gelbfieber und Malaria. 1902 wurde das gesamte Projekt an die USA verkauft. 1914 wurde der Kanal mit dem aufgestauten Gatunsee und Schleusen schließlich fertiggestellt. Auch in dieser zweiten Bausphase starben mehr als 5000 Menschen. Ende des Jahres 1999 wurden der Kanal und die Kanalzone an Panama zurückgegeben. Seitdem verwaltet die Kanalgesellschaft den Kanal.
Natürlich kann man das Treiben in den Schleusen via Webcam verfolgen: http://www.pancanal.com und dann unter dem Punkt Multimedia. Wenn uns jemand dort zufällig entdeckt macht bitte einen Screenshot. Wir würden und sehr über Bilder freuen. Nach jetzigem Zeitplan sind wir am Montagabend, also nach deutscher Zeit mitten in der Nacht, in der Gatun-Schleuse und am Dienstagnachmittag, in Deutschland also abends, in der Miraflores-Schleuse.
Wir haben letzte Kleinigkeiten erledigt und machen nun, gemeinsam mit Otti, Urlaub. Wir haben mehrere kleine Streifzüge durch den angrenzenden Regenwald unternommen und sind begeistert von der Tierwelt. Der Coati, der Nasenbär, hat sich heute Morgen wieder gezeigt, wir haben Blattschneideameisen beobachtet und haben viele Affen gesehen und gehört. Die Brüllaffen sind so klein und so laut. Das Krokodil im Hafenbecken hat auch wieder für Aufregung gesorgt und vom Strand aus haben wir eine Schildkröte gesichtet.




