Panamakanal – der Transit

Am Sonntag bekommen wir Besuch. Wir haben Verwandte in Panama, die die Chance nutzen und unser Boot anschauen möchten. Gemeinsam besuchen wir Fort San Lorenzo am Rio Chagres und verbringen einen schönen Tag zusammen.

 


Sonntag kommt auch Cara an Bord. Sie hat einen Aushang am schwarzen Brett gemacht, wir haben ihr eine Nachricht geschrieben, sie am Mittwoch getroffen und nach ein paar Minuten beschlossen, dass sie als Linehandlerin mitkommt. Für sie ist es bereits die dritte Kanaldurchfahrt.
Montagmorgen sollen unsere Leinen und Fender an Bord kommen. Sie kommen spät und wir werden nervös. Mit etwas Verspätung, aber immer noch rechtzeitig treffen sie ein.
Thomas aus Schweden macht unsere Crew komplett, wir haben uns im Shoppingbus auf dem Weg nach Colon kennengelernt. Nun sind wir zu fünft.
Während wir noch am Steg liegen kommt via Funk die Ansage, dass der Lotse um viertel nach drei an Bord kommt, wir brauchen uns also nicht zu beeilen. Wir essen belegtes Baguette, fahren aus dem Hafen und legen uns an den Anker. Es ist immer noch früh und schaukelt ordentlich. Wir verkürzen die Wartezeit mit Kaffee und Kuchen. Wir verstehen uns gut und die Zeit vergeht schnell. Wir lernen, dass Thomas mit einem Eisbären reist (kein echter) und machen Eisbärenfotos für die Familie. Der Eisbär ist eine Art familiärer Wanderpokal und wurde ihm von seiner Schwester ins Gepäck geschmuggelt. Tatsächlich kommt Julio um kurz nach halb vier an Bord und schon geht es los. Julio ist „Advisor“. Kleine Boote, wie wir, bekommen keinen echten Lotsen, sondern einen Advisor. Angestellte der Kanalbehörde haben die Möglichkeit in ihrer Freizeit als Advisor zu arbeiten und so zusätzlich Geld zu verdienen.
Mit uns reisen zwei weitere Segelboote. Vor der ersten Schleuse sollen wir ein Päckchen bilden und die Boote zusammenbinden. Eigentlich keine komplizierte Aufgabe, doch die Situation ist einigermaßen chaotisch. Schließlich fahren wir hinter einem großen Schiff und einem Schlepper in der Schleusenkammer. Nun werden wir drei Stufen hinauf in den Gatunsee geschleust. Die Aufgabe der Linehandler ist es, die Leinen gleichmäßig stramm zuhalten und Boote so in der Mitte der Schleuse zu halten.
Kurz hinter der Schleuse mache ich im Eiltempo Abendessen. Thomas springt ein. Er brät das Fleisch während ich ans Ruder gehe, wir sollen direkt hinter den Schleusen ankern. Das kommt plötzlich. Julio bekommt etwas zu essen (Couscous mit Tomaten dazu Rinderfilet) und schon wird er abgeholt. Wir trinken zunächst ein Ankunftsbier, essen, sitzen noch etwas im Cockpit und gehen bald ins Bett. Uns fehlt eine Koje. Zwei schlafen im Vorschiff, zwei im Salon, das Achterschiff ins vollgestaut. Deshalb macht Nobbi es sich im Cockpit gemütlich. Kaum liegen wir alle im Bett beginnt es zu regnen, Nobbi zieht auf den Fußboden im Salon um. Die Nacht ist für uns alle unruhig und um halb sechs zu Ende. Um viertel vor sechs sollen wir uns melden und erfahren wann es weiter geht. Niemand meldet sich. Nobbi geht baden und putzt den Log-Geber. Wir trinken Kaffee und essen das beste Bananabread. Wir haben es von Spencer bekommen, nachdem Rainer ihm verraten hat, dass wir es so sehr mögen. Sehr lecker. Wir warten. Wir essen Rührei und warten. Um viertel nach neun kommt schließlich unser Advisor Luis an Bord. Fast 30 Meilen bis zu den Schleusen auf der Pazifikseite. Die Landschaft ist schön und ab und zu kommt ein interessantes Schiff vorbei. Mittags gibt es Gulasch. Ich bin froh, dass ich am Montagmorgen vorgekocht habe. Unter Deck ist es sehr heiß.
Wir verlieren den Anschluss an die beiden anderen Yachten, sie sind größer und schneller. Unsere arme Mari liegt tiefer im Wasser als je zuvor. Sechs Personen an Bord, zusätzlich Gepäck, Leinen und Fender, Proviant für den Pazifik und das alles in Süßwasser. Die anderen Boote müssen schließlich warten, dass der Gegenverkehr die Engstelle Gaillard Cut passiert hat und wir schließen auf. Wieder verbinden wir uns zu einem dreier Päckchen, wieder ist es chaotisch. Auf dem mittleren Boot kann anscheinend niemand eine Leine belegen oder einen Knoten machen. In der Pedro Miguel Schleuse werden wir eine Stufe abwärts geschleust, eine Meile später in der Miraflores Schleuse geht es in zwei Stufen hinab. Um kurz nach vier öffnet sich schließlich das letzte Schleusentor und damit das Tor zum Pazifik.
Am Balboa Yacht Club geben wir unsere gemieteten Leinen und Fender an ein kleines Boot ab und machen unsere Mari an einer Boje fest. Wir freuen uns über die glückliche Ankunft und darüber, dass wir Glück hatten mit unseren Linehandlern. Cara und Thomas werden vom Taxiboot abgeholt.
Wir setzen uns ins Cockpit, trinken Sekt, stoßen auf die Ankunft im Pazifik an und fallen reichlich angetüddelt und sehr müde in die Koje.

Zum letzten Beitrag sind noch einige Fotos hinzugekommen.
Wir bedanken uns bei Joachim, Martin, Rolf, Frauke, Mareike, Philipp und Nicola für die tollen Fotos aus dem Schleusen. Sobald wir all die Bilder heruntergeladen haben reichen wir sie nach.