Ein Ausflug in den hohen Norden

Wir haben für drei Tage ein Auto gemietet und wollen uns den Norden der Nordinsel ansehen. Am Freitag übernehmen wir das Auto und fahren zügig nach Norden. Wir wollen bis ans Cape Reinga und anschließend nach Kaitaia, wo wir übernachten werden. 330 km liegen vor uns. Für Leute die in den letzten Monaten selten schneller als mit 6 kn unterwegs waren ist das eine weite Strecke. Cape Reinga liegt weit im Norden einer schmalen Landzunge, der nördlichste Punkt Neuseelands ist jedoch das North Cape ungefähr 30 Meilen weiter östlich.
Es macht Spaß durch die Landschaft zu fahren. Es ist nur wenig Verkehr, die Straßen sind gut und die Umgebung sehr abwechslungsreich. Wir sehen viele Obstplantagen, meterhohe Hecken, Wälder und viele Kuhweiden. Rinder haben die Schafe für die Neuseeland so berühmt ist inzwischen in viele Regionen abgelöst. Während man mit Schafen kaum noch Geld verdienen kann lohnt sie die Rinderhaltung.
Ab und zu halten wir, laufen ein paar Schritte und machen Fotos. Wir biegen zu einem Strand ab, laufen durch die Dünen und überlegen baden zu gehen. Schließlich verzichten wir, das Wetter ist durchwachsen. Bis auf zwei kurze Schauer ist es trocken, doch große dunkle Wolken jagen über den Himmel. Immer wieder bietet sich ein neuer grandioser Ausblick auf die schöne Landschaft. Grüne Hügel, dunkle Wälder, goldene Dünnen, kleine Seen und Bäche. Das Kap samt seinem Leuchtturm hüllt sich in dichten Nebel. Hier treffen sich Tasman See und Pazifik. Wir können beide nur hören. Die Wellen der Tasman See sehen wir 140m unter uns an die Felsen donnern. Da die Sicht so schlecht ist, sparen sich viele Touristen den Weg zum Leuchtturm und wir haben ihn ganz für uns allein.
Auf dem Rückweg halten wir, weil uns ganz viele Schafe entgegenkommen. Frisch geschoren sollen sie die Weide wechseln. Sie haben allerdings andere Pläne als ihre Besitzer und die Hunde alle Pfoten voll zu tun, sie auf den richtigen Weg zu treiben.
Wir haben ein Zimmer in Kaitaia gebucht, die Adresse finden wir ohne Probleme, doch wo ist unser Gastgeber? Alle Fenster und Türen sind offen, doch wir finden niemanden. Wir setzen uns auf die Terrasse und trinken ein Bier. Nobbi entdeckt ihn schließlich, er schläft in seiner Garage.
Abends finden wir ein nettes Restaurant in Kaitaia. Der Ort hat 5000 Einwohner, ist nicht gerade aufregend und gewinnt keinen Schönheitspreis, auf der Hauptstraße tummeln sich jedoch einige Restaurants.
Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zum 90-Miles-Beach, der allerdings nicht 90 Meilen sondern 90 Kilometer lang ist. Er zieht sich die gesamte Westküste der schmalen Landzunge entlang fast bis Cape Reinga. Wir folgen einer Straße mit vielen Kurven durch eine hügelige Landschaft. Selten ist ein Auto vor oder hinter uns. Schließlich erreichen wir Kohukohu, einen kleinen Ort am Hokianga Harbour. Hokianga Harbour ist ein tiefer Fjord an der Westküste. Wir setzten mit einer kleinen Fähre nach Rawene über. Am Eingang des Fjords bei Omapere unternehmen wir eine kleine Wandung. Von der ehemaligen Signalstation hat man einen tollen Ausblick auf die Dünen auf der Nordseite des Fjords und die sich brechenden Wellen in der Einfahrt. Gut, dass wir nicht mit dem Boot hierhergekommen sind.
Quer über die Insel wieder zurück an die Ostküste zur Bay of Islands mit Zwischenstopps an verschiedenen kleinen Wasserfällen. Mal treffen wir Neuseeländische Familien beim Baden, mal lauter Wohnmobile und dann sind wir wieder ganz allein. Wir halten an heißen Quellen, in denen man auch baden kann. Wir sind nicht überzeugt, eine wenig gepflegte Umgebung und die Warnung vor krankmachenden Amöben schrecken uns ab, so entscheiden wir uns gegen ein Bad.
Abends freuen wir uns zurück auf Mari zu sein, wir waren nur eine Nacht nicht an Bord, aber es kommt uns länger vor.
Am Sonntag lassen wir es ruhig angehen und fahren über Waitangi nach Kerikeri. Wir nehmen eine kleine Seitenstraße, die über einen Golfplatz führt uns immer wieder die Möglichkeit bietet anzuhalten und über die Bay of Islands zu gucken. Eine weitere geplante Abkürzung stellt sich als verbotene Privatstraße heraus, wir fahren lieber außen rum.
In Kerikeri steht das älteste Haus Neuseelands und das älteste Steinhaus. Hübsch ist es hier. Wir machen einen schönen Spaziergang zu einem Wasserfall. Als der Weg in einem Wald führt in dem auch Kauri-Bäume stehen, muss man eine Schranke passieren, an der man die Schuhe reinigt und desinfiziert. Es gibt nur noch wenige Kauris und die verbliebenen Exemplare werden durch einen Pilz bedroht.
Wir sehen Pukekos, eine Art hübsche blaue Hühner, und Fasanen. An einem Seerosenteich badet eine Ente. Schafgabe, Gänseblümchen, Löwenzahn, Disteln, Hahnenfuß. Dass ich so viele Arten bestimmen kann, ist kein gutes Zeichen. Mein Wissen kommt aus dem Bestimmungskurs heimische Blütenpflanzen. Heimisch bei uns, nicht in Neuseeland. Schon auf unseren Wanderungen in der Umgebung Opuas und auf unserem Ausflug zum Kap ist uns aufgefallen, dass wir sehr viele Pflanzen, die wir aus Mitteleuropa kennen, sehen. Die Anzahl der eingeschleppten Arten ist sehr groß, etwa 1800 sollen es sein, mal wurden sie absichtlich eingeführt, mal unabsichtlich zum Bespiel mit Saatgut. Neuseeland hat durch seine abgeschiedene Lage eine ganz eigene Flora entwickelt. Viele der Arten (ca. 85%) sind endemisch, das heißt sie kommen nur hier vor. Es gibt Schätzungen, dass von der ursprünglichen Vegetation nur jede fünfte Art überlebt hat.
Bei den Tieren sieht es ähnlich aus. Ein Viertel der Vogelarten ist bereits ausgestorben. In Neuseeland gab es bis zum Eintreffen der Maoris, abgesehen von Fledermäusen, keine Landsäugetiere. Die Maoris brachten Ratten auf ihren Kanus mit. Die Engländer haben gleich einen ganzen Zoo eingeführt. Während Schafe und Kühe auf Weiden gehalten werden, wurden Hirsche, Ziegen und Fasanen ausgewildert um sie dann jagen zu können. Possums (Kusus, nicht Opossums) wurden aus Australien eingeführt um einen Fellhandel zu etablieren. Als sich die Kaninchen explosionsartig vermehrten, wurden Hermeline und Wiesel freigelassen, um die Kaninchen-Plage zu bekämpfen. Hermeline und Wiesel haben nun wiederum keine Feinde und vermehren sich fröhlich. Die heimischen Vögel sind nicht an die Jäger angepasst und so ist der flugunfähige Kiwi ein leichtes Opfer. Bei dem was die Engländer hier in kürzester Zeit angerichtet haben, kann man ganz toll lernen wie man es nicht macht.
Es gibt große Programme, die die Population vom Kusus in Schach halten sollen, die dafür sorgen sollen, dass die Hirsche sich nicht weiter ausbreiten und die Leute dazu bringen sollen, endlich aufzuhören Pampagras in ihre Gärten zu pflanzen.
Da wir gerade bei den wenig erfreulichen Dingen sind. Neuseeland ist das Land, das am meisten Regenwald verloren hat (bezogen auf seine Größe). In Neuseeland steht nur noch 10 % des Waldes. Bei abgeholztem Regenwald habe ich bisher an Borneo oder Brasilien gedacht, nicht an Neuseeland.
Wir genießen unseren Spaziergang trotz der Überlegungen zu ausgestorbenen Pflanzen und finden in Kerikeri ein ausgesprochen hübsches Restaurant.
Einen Umweg über Neuseelands meist fotografierte Toilette bildet den Abschluss des touristischen Programms. In Kawakawa, einem kleinen Ort wurde die öffentliche Toilette von Hundertwasser gestaltet. Der eigentlich sehr unspektakuläre Ort vermarktet seine Toilette so gut wie nur möglich und so machen bunte Kacheln und Mosaike die hässliche Hauptstraße etwas netter. Sonntagnachmittag riecht der gesamte Ort nach Frittenfett und auch die historische Eisenbahn, die am Wochenende von hieraus fährt, kann man mich nicht wirklich begeistern. Man muss diese Toilette nicht gesehen haben. Übrigens, Neuseeland ist das Land der super sauberen öffentlichen Toiletten (immer mit Papier) und die in Kawakawa machen hier, trotz der vielen Besucher, keine Ausnahme.
Auf dem Rückweg beladen wir das Auto am Supermarkt mit allem, das wir nicht weit tragen wollen. So eine Gelegenheit müssen wir nutzen. Als mit unseren ganzen Einkäufen im Schlauchboot auf dem Weg zu Mari sind, geht der einzige Schauer des Tages über uns nieder. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen.

Auf dem Weg zum Kap:

 

Die Neuseeländer:

 

Unterwegs in Northland:

 

Hokianga Harbour:

 

Kerikeri:

 

Kawakawa und seine berühmten Toiletten:

Wanderung nach Russel

Als ich am Mittwoch aufwache, sehe ich durch das Luk über mir strahlendblauen Himmel. Es gibt keine Ausrede, wir wandern. Zunächst geht es den Küstenweg entlang nach Paihia. Leider gibt es heute keine Erdbeeren und für uns keine Erdbeerpause. Schon nach eineinhalb Stunden sind wir in Paihia und machen Mittagspause bei einer Pizzeria. Mit einer kleinen Fähre, nur für Fußgänger, setzen wir nach Russel über. Russel ist ein netter kleiner Ort. Fast etwas mondän. Russel war 1840 für kurze Zeit Neuseelands Hauptstadt, bevor Auckland zur Hauptstadt gewählt wurde. Die Kirche von 1836 ist Neuseelands älteste erhaltende Kirche. Die Geschichte Neuseelands ist jung, die Besiedlung wird auf etwa 1280 datiert, da war der Kölner Dom bereits im Bau. Geschichte steht heute jedoch nicht auf dem Programm. Wir bummeln durch die vielen kleinen netten Läden und ringen mit uns. Gerne würden wir ein Bild kaufen, aber eine Wandung mit Bild unterm Arm erscheint uns dann doch nicht so empfehlenswert.
Wir treten den Rückweg an. Zunächst geht es auf und ab, erst an der Straße entlang, dann durch den Wald. Wir sind froh, als wir auf einen langen Holzweg einbiegen, der uns, ohne jegliche Steigung zwischen den Mangroven entlang der Küste entlang führt. Der Weg ist abwechslungsreich, doch er zieht sich. Wir finden eine Tankstelle, stärken uns mit Apfelsaft und machen eine Pause zum Vögel beobachten und Füße ausruhen. Die letzten Kilometer haben es in sich, nicht nur, dass es auf und ab geht, unendlich viele Stufen warten darauf hoch und hinunter gestiegen zu werden. Das geht auf die müden Knie. Wir bewundern den Kauri-Wald und sind doch froh, als wir in Okiato ankommen. Von hier geht die Fähre nach Opua. Zurück auf dem Boot beschließen wir, dass die nächsten Wanderungen gemütlicher ausfallen sollen. Falls wir die Strecke noch einmal laufen, wählen wir die entgegengesetzte Richtung, dann warten die mühsamen Stufen zu Beginn auf uns.

Müde Waden, eine fleißige Kreditkarte und der Segleralltag

Jetzt sind wir bereits eineinhalb Wochen in Opua. Nach zwei Tagen am Steg sind wir an eine Boje umgezogen. Als wir eingewilligt haben an die Boje zu verholen, war uns nicht klar wie weit diese von der Marina entfernt liegt. Der Weg zur Marina ist nun 1km weit und bei windigem Wetter werden wir schon mal etwas nass im Schlauchboot, aber dafür ist der Platz sehr schön. Ursprünglich hatten wir eine Reservierung für einen Stegplatz in der Marina und im nächsten Jahr einen Platz an der Boje. Nun ist die Marina aber sehr voll, hätten wir am Steg liegen bleiben wollen, hätten wir mehrfach umziehen müssen, das war uns zu kompliziert.
Hier in der Bucht ist es sehr schön. Da wir uns mit jeder Tide drehen verändert sich der Ausblick ständig. Wir beobachten die Seevögel und die Wolken, die über die Hügel ziehen, sich schnell verändern oder auflösen. Und natürlich die Boote um uns herum. „Haustiere“ haben wir auch. Enten, die sich gerne füttern lassen.
Wir leben uns hier langsam ein. Die Tage vergehen schnell. Kleinigkeiten am Boot erledigen, mit der neuen Liste zum Schiffsausrüster gehen, Brownies im Marina-Café naschen, Fish and Chips am Fähranleger essen. Die Kreditkarte wird in diesen Tagen ausgiebig genutzt. Wir haben entschieden uns für die zweite Hälfte der Welt ein neues Großsegel zu gönnen. Den Luftfilter, der uns auf den Marquesas mit Wasser vollgelaufen ist, konnten wir hier bestellen, er wurde am nächsten Tag geliefert und ist bereits eingebaut. Unsere Motorfüße sind schon wieder eingerissen. Wir wollen das gleiche Produkt nicht noch einmal kaufen, denn wir haben die Füße doch schon einmal ersetzt. Nun haben wir hier eine Werkstatt gefunden, die uns andere Füße so anpasst, dass sie auf unsere Fundamente passen.
Im Radio läuft Werbung für Außenborder und Traktoren, das finden wir lustig. Verwirrend sind die Weihnachtslieder, nicht nur weil sich hier wirklich niemand Schnee wünscht, sondern auch weil wir trotz Lichterkette und Adventskalender mindestens zweimal am Tag verwirrt feststellen, dass bald Weihnachten ist. Im Radio wird „White Christmas 2020 in London“ verlost, Leute rufen an und erklären warum sie Weihnachten im Schnee gewinnen wollen. Weihnachtsurlaub in London ist bestimmt nett, aber sehr wahrscheinlich dürfte Schnee zu Weihnachten dort nicht sein…
Opua ist klein und die Seglerwelt in Opua noch kleiner. Im Fish and Chips-Laden treffen wir Segler mit denen wir in Panama und auf den Marquesas lustige Abende verbracht haben und von denen wir nicht dachten, dass wir sie wiedertreffen. So geht es ständig. Überall trifft man jemanden und quatscht sich fest. Gestern haben Katja und Stefan uns an Bord der Kama mit Pizza verwöhnt und wir hatten einen sehr netten Abend. Die Crew der Kama haben wir vor zwei Jahren in Brasilien kennengelernt und uns gefreut sie hier wiederzutreffen.
Hier in Opua gibt es einen kleinen General Store, dort gibt es fast alles, allerdings nicht zu Schnäppchenpreisen. Der Supermarkt ist in Paihia, auf dem Wanderweg entlang der Küste sind es dorthin 8 km. Wir genießen die tollen Ausblicke und wecken die müden Waden, die so viel Aktivität gar nicht mehr gewohnt sind. Unterwegs kaufen wir eine große Portion leckerer Erdbeeren (ja, hier ist Frühsommer!) und essen sie auf einer Bank mit Wasserblick. In Paihia sammeln wir bei der Tourismus Information zahlreiche Prospekte über ganz Neuseeland ein, kaufen einen Reiseführer, essen eine leckere Pizza, erstehen eine Neuseeländische SIM-Karte und statten dem Supermarkt einen Besuch ab. Hier kann man fast alles (bis auf Lakritz) kaufen, doch wir überlegen uns genau was in den Korb wandert, schließlich liegen 8 km Nachhauseweg vor uns. Auf dem Hinweg haben wir zwar überlegt, ob der Rückweg bei Hochwasser passierbar sein würde, waren dann aber etwas zu optimistisch, so dass wir weite Strecken über Felsen klettern mussten um trockene Füße zu behalten. Diese Tour hat uns zwei Tage Muskelkater beschert, inzwischen ist dieser wieder vergessen, wir haben einige Spaziergänge unternommen und sind nun bereit für die nächste Wanderung.
Und wenn wir denken, dass wir jetzt die wichtigsten Dinge erledigt haben, nun ganz in Ruhe unsere Liste abarbeiten können und die Umgebung ansehen, dann passiert etwas Unvorhergesehenes.

Ein unfreiwilliges Candlelight-Dinner
Vor ein paar Tagen hatten wir ungeplant ein sehr romantisches Abendessen im Kerzenschein. Unsere Batterien haben sich abgemeldet. Nachmittags wollte ich meinen Laptop laden und als ich den Inverter eingeschaltet habe, ging das Funkgerät aus. Nachdem wir zunächst dachten der Inverter macht Ärger, stellten wir schnell fest, dass die Spannung zusammenbricht sobald wir einen Verbraucher einschalten. Wir beschlossen in Ruhe zu essen und uns am nächsten Morgen um das Problem zu kümmern, also haben wir den Hauptschalter betätigt, das Schiff stromlos gemacht und hatten einen gemütlichen Abend im Kerzenschein. Wie gut, dass wir mit Gas kochen. Rohes Kartoffelgratin wäre wohl kein Erfolg geworden. Am nächsten Morgen haben wir die Batterien freigelegt und durchgemessen. Zwei waren ganz tot, die dritte hatte noch 30 %. Ein paar Stunden, einige Dinghifahrten, etwas Schlepperei (die Dinger wiegen je 30 kg) und 600 Euro später haben wir wieder Licht an Bord.

Der Held der Nacht
Unser Außenborder springt an, schnurrt und wir pendeln eifrig zwischen Boot und Hafen. So war es die ganze Woche. Dann wollten wir spät abends zurück zum Boot, es ist dunkel und der Honda springt nicht an. Nobbi zieht und zieht (so sehr, dass er sich eine Blase holt), kontrolliert und testet, baut die Zündkerze aus und wieder ein. Der Motor bleibt aus. Zum Rudern ist es zu weit, die meisten Schlauchboote rudern sich extrem schlecht und wir liegen weit entfernt von der Marina, außerdem haben wir Gegenwind. Eigentlich komisch, dass es nicht geregnet hat, sonst regnet es in solchen Momenten immer. Wir überlegen gerade, wen wir um Hilfe bitten könnten, da kommt ein Mann mit seinem Hund den Steg entlang. Der sieht sich unseren Motor im Taschenlampenlicht an und kann den Fehler auch nicht finden. Schließlich leiht er uns sein Dinghy für die Nacht. Wir binden unser Schlauchboot an sein Schiff, das am Steg liegt, und fahren mit dem fremden Boot zu Mari. Obwohl er uns nicht kennt, wir uns noch nie gesehen haben, gibt er uns sein Boot. Als wir es morgens zurückbringen, ausgerüstet mit Werkzeug und Ersatzteilen, hat er den Fehler an unserem Außenborder bereits gefunden. Der Zündkerzenstecker ist hinüber. Jeff ist unser Held, er hat uns nicht nur nachts gerettet, sondern unserem Außenborder (und unserem Portemonnaie) auch noch einen Werkstattaufenthalt erspart.
Wir waren so froh darüber, dass unser Honda wieder läuft (erst mal mit einer Notreparatur), dass es fast egal war, dass wir auf dem Weg zurück zu Mari klatschnass geworden sind. Das stürmische Wetter hat für Schwell und Wellen gesorgt, der böige Gegenwind hat des Rest erledigt.

Wenn das Wetter mitspielt, nicht Merkwürdiges passiert und wir Lust haben, unternehmen wir nun morgen eine längere Wanderung.

 

Glücklich in Opua angekommen

Die letzte Nacht auf See war gar nicht lustig, aber nach Ankunft in Opua bei herrlichstem Wetter ist sie schon fast vergessen. Böen mit acht Windstärken auf die Nase und eine kurze, steile Wellen haben die letzten Meilen unendlich mühsam gemacht.
Als wir mitten in der Nacht in die neuseeländische 12 Meilen Zone einfahren rufen wir brav Maritime Radio, erst vergeblich über UKW und dann über Kurzwelle. Wir sind ganz überrascht, dass sich sofort jemand meldet. „Herzlich Willkommen in Neuseeland“. Melden soll man sich in vielen Ländern, meistens antwortet jedoch niemand.
Bei Sonnenaufgang erreichen wir die Bay of Islands. Ein zauberhafter Sonnenaufgang verwöhnt uns nach der anstrengenden Nacht. Tausende Seevögel und unzählige Delfine begrüßen uns. Es ist Samstagmorgen und viele Neuseeländer verbringen den Tag auf dem Wasser. Angelboote, Kanus, Motoryachten, Fähren, Ausflugsboote und Segler soweit das Auge reicht.
In Opua machen wir am Quarantänesteg fest. Punkt zehn Uhr. Minuten später legt ein Dinghy neben uns an und die Zollbeamtin springt auf den Steg. Sie legt ein unglaubliches Tempo vor. Sie sitzt noch nicht am Tisch, da sind unsere Pässe schon gestempelt. Wir werden dafür gelobt, dass wir alle Papiere bereits ausgefüllt haben und uns ordnungsgemäß per Email (schon von Fiji) und per Funk angemeldet haben. Kaum ist sie weg kommt die Dame von der Biosecurity. Anders als die Frau vom Zoll kann sie nicht mit ihrem Boot umgehen, nach drei Versuchen klappt das Anlegen dann aber doch nicht. Fröhlich erzählt sie uns, dass sie gar nicht gerne Boot fährt. Maris Unterwasserschiff wird per Kamera auf Bewuchs kontrolliert und für sauber befunden. Wir haben Fotos von unserem frisch geputzten Unterwasserschiff im Logbuch, die sie toll findet und abfotografiert. Unsere Wanderschuhe werden kontrolliert, sie müssen sauber sein, insbesondere Samen und Pollen sollen nicht illegal nach Neuseeland einreisen. Unsere bereits geschälte und halbierte Zwiebel kassiert sie ein, sonst dürfen wir alle Lebensmittel behalten. Da wir wussten welche Lebensmittel wir nicht einführen dürfen, haben wir frisches Obst und Gemüse vorher aufgegessen. Nachdem die Biosecurity-Lady ein paar Schränke geöffnet und unsere Souvenirs für ungefährlich befunden hat, sind wir fertig. Sie hat zum Glück nicht gefragt ob wir einen Kopra-Sack als Souvenir in der Backskiste spazieren fahren. Für die Backskisten und die Bilge hat sie sich überhaupt nicht interessiert. Wir wollen uns nicht beschweren. Nicht mal eine Stunde nach Ankunft in Neuseeland sind wir ordnungsgemäß eingereist und können in die Marina verholen. Wir sind froh und dankbar, dass wir Neuseeland heil und glücklich erreicht haben. Wir haben nach über 20.000 Meilen (davon 9.900 allein in diesem Jahr) keine Schäden zu beklagen, nur Wartung und Pflege stehen auf der Liste.
Wir freuen uns viele Bekannte zu treffen, gehen lecker im Marina Café Essen, kaufen ein paar frische Sachen ein und schlafen ausgezeichnet. Eine Nacht ohne Nachtwachen ist auch eine schöne Sache.
Heute Morgen testet Nobbi unsere Heizung, sie springt klaglos an. Es war nicht so kalt, dass man dringend heizen musste, es gibt jedoch Gerüchte, dass das Wetter hier nicht immer so schön ist. Wir sind vorbereitet. Gestern und heute war das Wetter perfekt, wie im Sommer in Skandinavien. Nur, dass die Sonne mehr Kraft hat. Der Himmel ist blau und blitzblank, tagsüber warm (25 Grad) und nachts kühl (13 Grad). Wunderbarerweise soll es die nächsten Tage so schön bleiben.
Wir haben das Frischwasser am Steg reichlich genutzt, Mari hat eine Dusche bekommen, wir haben einige Leinen gewaschen und auch besagten Kopra-Sack gespült. Den Bootsausrüstern vor Ort haben wir einen ersten Besuch abgestattet, nun wissen wir, was wir hier alles kaufen können und müssen. Unsere Rettungsinsel können wir gleich morgen abgeben, die soll gewartet werden.
Nun freuen wir uns darauf die Umgebung anzusehen, in der Bay of Islands zu segeln, Ausflüge in Neuseeland zu planen und Flüge für unseren Deutschlandbesuch zu buchen.

Viele von waren schon einmal in Neuseeland. Wo ist es denn am Schönsten? Mari bleibt in Opua, wir werden mit Auto, Fähre, Flieger oder zu Fuß unterwegs sein. Für Bungeejumping bin ich nicht mutig genug und Hubschrauberflüge passen nicht ins Budget. Über Empfehlungen würden wir uns sehr freuen!

Endspurt nach Neuseeland

Die letzten beiden Tage war das Wetter recht ruppig. Sehr boeiger Wind, 5 Beaufort in Boeen 6 oder auch mal 7 und hoher Seegang haben uns durchgeschuettelt. Trotzdem sind wir ueberraschend gut hart am Wind vorangekommen, jeden Winddreher haben wir versucht auszunutzen und uns langsam an Neuseeland herangearbeitet. Heute Morgen haben Wind und Seegang nachgelassen, wir schmeissen die Maschine an und wittern unsere Chance die letzten 100 Meilen auf direktem Weg nach Neuseeland zu kommen.
Gestern haben wir das erste Mal einen Albatros gesehen. Der riesige Vogel umkreiste uns einige Zeit. Wir wurden gerade von Boeen mit sieben Windstaerken hart am Wind durchgeschuettelt, er flog entspannt und unbeeindruckt wunderschoene Manoever zwischen den Wellenkaemmen. Waehrend wir hier draussen nur zu Besuch sind, wohnt er hier.
Es ist kalt geworden, gerade haben wir 17 Grad gemessen (mittags!). Da es so trocken ist, ist es trotzdem sehr angenehm, der Taupunkt liegt bei 13 Grad. Nachts ziehen wir ueber die lange Unterwaesche nun den Teddyfleece und ich hatte in der vergangenen Nacht zum ersten Mal eine Muetze auf. Zu jedem Wachwechsel kochen wir eine Kanne Tee, so kommen wir wunderbar durch die Nacht. Tagsueber ist es windgeschuetzt in der Sonne sehr schoen, in T-Shirt und kurzer Hose kann man es gut aushalten.
Mal sehen wer Neuseeland zuerst sieht, als Preis winkt der Rest der letzten Tafel Schokolade. Das ist besonders fuer mich ein Anreiz die Augen offen zu halten. Ich bin gespannt, ob ueber Neuseeland, die beruehmte lange weisse Wolke auf uns wartet.
Noch knapp 70 Meilen liegen vor uns, wenn nicht irgendetwas Unvorhergesehenes passiert erreichen wir morgenfrueh Opua. Vorher wartet noch eine lange kalte Nacht auf uns, ich hoffe wir bekommen ein letztes Mal auf dieser Etappe diesen unglaublichen Sternenhimmel zusehen.

Leben in der Waschmaschine

Es ist bumpy. Das ist die Untertreibung schlechthin. Bumpy hoert sich irgendwie niedlich an. Der Seegang ist aber nicht niedlich. Der Profi nennt das eine ausgereifte Windsee. Es fuehlt sich an wie segeln durch Schlagloecher. Ziemlich grosse Schlagloecher. So gross, dass Mari hinein passt. Wir kreuzen nach Neuseeland. Was an einem sonnigen Nachmittag auf der Kieler Foerde schoenstes Segeln bedeutet, eine Kreuz hoch am Wind, Lage schieben, ist mit einem Wohnschiff auf einem Ozean mit Welle nicht so lustig. Man schlaeft einfach nicht gut, wenn man immer wieder von der Koje abhebt, in der Luft stehen bleibt und dann in die Koje zurueckfaellt.
Mari macht ihre Sache gut, zeigt dass sie segeln kann. Ihre Crew hat sich richtig Muehe gegeben, trimmt eifrig und freut sich ueber jede Meile in die richtige Richtung. Wie gut, dass unser Schiff am Wind segelt, an Tag neun wuerde man doch sehr ungern umdrehen. Wir wurden gerade von einem Tanker ueberholt, ich dachte der koennte uns vielleicht ein Stueckchen mitnehmen (ist ja nur so eine Idee), doch der ist auf dem Weg nach Ecuador. Am 12. Dezember soll er dort sein. Bis dahin waere ich ganz gerne in Neuseeland. Also weiter segeln.
Meine Nacht war aeusserst interessant. Die Wolken verzogen sich und so hatte ich viel Zeit mir den Sternenhimmel anzugucken, inklusive Sternschnuppen und Flugzeug. In Maris Wellen veranstalteten irgendwelche Meeresbewohner ein Feuerwerk ungewoehnlich intensiven Meeresleuchtens.
Ich hing achtern ueber dem Seezaun, nicht um die Fische zu fuettern, sondern auf der Jagd nach einem Geraeusch. Die Ursache fuer das leise Brummen habe ich nicht gefunden, hatte dafuer aber eine ungewoehnliche Begegnung, Nur wenige Meter hinter dem Boot zeigten sich die beiden Flossen eines Hochseehais. Das gut drei Meter lange Tier schwamm ein paar Minuten hinter uns her, verlor dann das Interessen und verschwand in der Dunkelheit.
Unsere Passage von Fiji begann sehr angenehm. Das Ausklarieren fand schnell und unkompliziert in der Marina statt, die Marina-Crew sang uns ein Staendchen, Mari bekam eine kleine Blumengirlande an den Bugkorb und dann ging es los. Die ersten Meilen bis zum Pass sind wir motort. Am Pass hat Fiji uns mit Delfinen verabschiedet und der Pazifik empfing uns mit 30 Knoten Wind, doch je groesser der Abstand zu Fiji wurde, umso ruhiger wurden die Bedingungen. Sechs schoene Tage segelten wir am Wind. Der erste Tag war noch ruppig, danach einfach fantastisch. Leichte Winde, wenig Seegang. Mari lief hervorragend am Wind. Erst ein bisschen weiter nach Westen, dann das Ziel Neuseeland direkt voraus. Schoenstes Segelwetter, trocken und sonnig. Dann verliess uns der Wind, der Motor musste ran. Auch ganz nett. Nach einer Woche schraegen Lebens, stete Fahrt auf glattem Wasser. Lediglich eine Front, die uns Gewitter und Regen brachte hielt uns fuer ein paar Stunden auf Trab.
Seit gestern ist der Wind wieder da, leider kommt er aus Sueden. Dort wollen wir hin. Seit gestern Nachmittag segeln wir so hoch am Wind, wie es geht. Das ist mal ungemuetlich mal sehr ungemuetlich. Im Gegensatz zu den ersten sechs Tagen unserer UEberfahrt haben wir diese gemeine Welle gegen uns und gelegentlich sogar Gegenstrom. Leider wird der Wind bis auf weiteres aus Sueden wehen, mal mehr, mal weniger stark. Im Moment sieht es aus als muessten wir nach Neuseeland kreuzen. Zwar sind es nur noch etwa 200 Meilen, die koennten aber ziemlich lang werden. Ist fuer Segler die kuerzeste Strecke zwischen zwei Punkten doch manchmal eine Zickzacklinie…

Aufbruch nach Neuseeland

Es geht los. Wir sind bereit zur Abfahrt. Sozusagen fix und fertig. Mari ist sauber, aufgeräumt und startklar und wir sind es auch. Gerade haben wir ausklariert, jetzt geht es los. Gute 1000 Meilen sind es nach Opua in Neuseeland. Wir rechnen mit ungefähr 10 Tagen Fahrtdauer.

Am Anker vor ein paar Tagen hatten wir entdeckt, dass mit unserer Rollanlage irgendetwas nicht stimmt. Deshalb sind wir einen Tag eher zurück in die Marina gefahren, um genügend Zeit zu haben, diese noch einmal genau anzusehen. Also, wieder das Vorsegel runter und die Rollanlage auseinander nehmen. Der Fehler ist schnell gefunden, eigentlich sind es sogar drei kleine, dann wieder zusammenbauen, Vorsegel wieder angeschlagen und aufgerollt. Nun scheint alles in Ordnung zu sein, sie besser rollt besser denn je.
Wir schreiben uns eine Liste mit lauter kleinen Aufgaben, die vor der Abfahrt erledigt werden wollen. Beim Abarbeiten kommen wir ordentlich ins Schwitzen, es ist schwül und es regnet häufig. Oft nicht lange, dafür umso heftiger. Dieses Wetter freut die Mücken, die ohnehin schon große Mückenpopulation vermehrt sich fleißig und ist ausgesprochen hungrig. Der Oldie-Radiosender sorgt dafür, dass wir durch unsere Erledigungen tanzen. Wir belohnen uns ausgiebig mit Kokos-Maracuja-Eis und Abendessen im Restaurant der Marina.

Fiji hat uns sehr gut gefallen. Tolle Ankerplätze, unendliche viele Inseln, schöne Riffe und extrem freundliche Menschen. Wir überlegen bereits, ob wir im nächsten Jahr wiederzukommen.
Vinaka Fiji!

Urlaub vom Marinaleben

Wir brauchen einen Tapetenwechsel. Die Vuda Marina ist nett, aber wir sind schon zu lange hier. Außerdem ist es staubig und sehr warm. Wir beschließen zu einer der vorgelagerten Inseln umzuziehen.
Wir legen uns vor Musket Cove vor Anker. Dies ist einer der beliebtesten Plätze Fijis. Auf der Insel Malolo Lailai gibt es einige Resorts und den Musket Cove Yacht Club. Wir sind nicht wegen des berühmten Clubs hier, sondern wegen des gut geschützten Platzes. Um die Insel tummelt sich eine ganze Gruppe kleinerer und größerer Riffe und sorgt für glattes Wasser. Damit man diese Riffe gut sieht empfiehlt es sich bei Sonne hineinzufahren. Wir haben dunkelgrauen Himmel und Sprühregen. Doch mit ein wenig Vorsicht und eingespielter Teamarbeit kommen wir gut an den Ankerplatz. Selbst bei schlechtem Wetter sieht man die Riffe gut.
Wir genießen den Wind am Ankerplatz, der das Schiff abkühlt. Nicht mal der Regen stört. Es ist schön wieder zu ankern. Wir lesen und baden. Ich backe Franzbrötchen und es gibt Falafel. Man könnte denken wir machen Urlaub. Doch natürlich gibt es auch wieder etwas zu tun. Am Relais der Ankerwinsch ist ein Kontakt korrodiert und wir putzen mal wieder unser Unterwasserschiff. Neuseeland möchte, dass wir mit sauberem Rumpf ankommen. Zum Glück ist Maris Bauch erfreulich sauber und wir hatten bereits bevor wir in die Marina gefahren sind geputzt. Das Marina Wasser hat einen schleimigen Saum am Wasserpass hinterlassen. Nach einer Stunde Hochleistungsschnorcheln waren wir platt, aber Mari ist schön sauber, sogar der Propeller glänzt. Das gefällt den Fischen bestimmt, da können sie sich mal spiegeln. Zwischen den Hotels und auf dem Ankerplatz ist reger Schiffsverkehr, Tauchboote, die kleinen Fähren, die Motorboote mit dem Personal, mehrere Arbeitsboote die eine Baustelle versorgen, es gibt den ganzen Tag etwas zusehen. Auch bei den Seglern herrscht Betrieb. Etwa fünfundzwanzig Boote liegen hier, aber es ist nicht voll. Sicher würden auch hundert und mehr Segler hier einen Platz finden. Wir haben uns etwas abseits einen schönen Platz gesucht und sind damit sehr zufrieden. Wir haben deutlich mehr Wind als erwartet und zwischendurch heftige Gewitter, unser Anker hält ausgezeichnet, Mari liegt ruhig und wir schlafen gut.
Gerne würden wir noch bleiben, gerne auch bei weniger wechselhaftem Wetter die Insel erkunden und ausgiebig schnorcheln, doch heute Morgen beschließen wir wieder in die Marina umzuziehen. Es sieht so aus, als könnten wir vielleicht am Dienstag starten. Falls das Wetter passt wollen wir dann bereit sein.
Nobbi holt den Anker hoch, ich stehe am Ruder. Kaum sind wir unterwegs setzt ein leichter Sprühregen ein. Ich ziehe mir eine dünne Regenjacke an und finde das alles ganz lustig. Bald geht der Sprühregen in Regen, dann in ernsthafte Schauer über. Jetzt finde ich es nicht mehr so lustig, es könnte mal wieder aufhören. Der Regen ist so stark, dass wir nichts mehr sehen und das Radar anmachen. Nobbi ist guter Dinge und berichtet „Das Regengebiet hat die Form von Südamerika, du fährst den Amazonas hoch“. Super. „Du bist jetzt auf der Höhe von Manaus“. Leider hört der Regen auch nicht auf, als ich die Anden überquert habe. Es regnet den gesamten Weg bis zur Vuda Marina drei Stunden ununterbrochen. Wir legen im Regen an. Dann hört es auf, pünktlich zu unserer Ankunft. Ich gehe erstmal duschen, ich bin ohnehin klatschnass.
Heute Nacht wird bei uns die Zeit auf Sommerzeit umgestellt. Um es etwas komplizierter zu machen stellt man nicht etwa mit Neuseeland gemeinsam die Uhr um, sondern gönnt sich eine verkürzte Sommerzeit. Am 13. Januar wird die Uhr schon wieder zurück gestellt. Wir haben schon heute Sommerzeit, weil Nobbi gestern den ganzen Tag dachte es sein Samstag und schon mal alle Uhren gestellt hat. Er ist aber nicht der einzige der sich eine eigene Uhrumstellung gönnt. Vodaphone ist letzte Woche in die Sommerzeit gewechselt. Seit letztem Samstag sind die Telefone uns also eine Stunde voraus. Warum auch immer.
Wenn der Wetterbericht so erfreulich bleibt, machen wir uns in drei Tagen auf den Weg nach Neuseeland, wenn nicht machen wir eben noch einmal „Urlaub“.

In Warteposition

Das Wetter bestimmt unsere Tage. Morgens schauen wir uns ausgiebig das Wetter an, dann verschieben wir die Abfahrt und überlegen wie wir den Tag verbringen. Am Sonntag hatten wir noch gedacht, dass wir vermutlich Dienstag losfahren könnten. Montagmorgen war nach einem Blick aufs Wetter klar, dass wir das nicht wollen. Ein Tief sollte uns das Leben auf dem Weg nach Neuseeland schwer machen, ein weiteres die Ankunft in Neuseeland.
Bettina und Erwin von der Sawadiva hatten einen Ausflug für Montag geplant und wir haben uns gefreut, dass wir sie begleiten durften. Zunächst sind wir nach Denarau in die Marina gefahren. Die zweite Marina in der Region liegt am Südende der Nadi Bay, während wir in der Vuda Marina auf der Nordseite der riesigen Bucht liegen. Die Marina Denarau erinnert uns an Disneyland, hier fahren die Fähren zu den vorgelagerten Inseln, es gibt Andenkenläden, Bars und Restaurants und einen Golfplatz, es könnte überall auf der Welt sein. Anschließend besuchen wir den „Garden of the sleeping Giant“. Die Berge, an dessen Fuß der Garten liegt, haben die Form eines schlafenden Riesen.
Der Orchideen Garten ist sehr schön angelegt und von alten hohen Bäumen wunderbar beschattet. Ein Pfad führt durch den Wald und zu einem Aussichtspunkt. Es tut gut mal wieder ein Stückchen zu gehen, die Waden freuen sich. Unterwegs sehen wir zwei Fohlen, die allein unterwegs sind uns ganz gemütlich vor uns die Straße queren. Wenn ihre Mütter das wüssten! Wir hatten einen ausgesprochen netten Tag zu viert.
Heute waren wir zum zweiten Mal in Lautoka, der nächsten Stadt. Dort gibt es viele Läden, ein Shoppingcenter, die Post, Restaurants und einen schönen großen Markt. Ich habe mich sogar zum Frisör getraut und es nicht bereut. Nobbi hat derweil Klatschzeitschriften gelesen und weiß jetzt alles über Prinz Charles. Die Ananas schmecken hervorragend und sind sehr günstig. Wir haben gleich sechs gekauft. Leider finden die Ameisen unsere Ananas auch lecker und so haben wir heute Schwimmunterricht für Ameisen angeboten. Ameisen an Bord auf dem Weg nach Neuseeland. Das hat uns gerade noch gefehlt.
Ansonsten vertreiben wir uns die Zeit mit kleinen Bootsarbeiten, spazieren zum Nachbarresort um festzustellen, dass es uns dort nicht besonders gefällt, treffen nette Leute und schwitzen vor uns hin.

In der Vuda Marina

Die restliche Strecke legen wir in zwei kleinen Etappen zurück. Wir verbringen eine Nacht in der Saweni Bay, baden noch einmal ausgiebig und putzen das Unterwasserschiff. Unser Antifouling ist erst ein halbes Jahr alt und das Schiff fast bewuchsfrei. Wir kratzen eine Handvoll Seepocken ab und wischen ein bisschen grünen Algenschleim weg. Sonst ist Maris Bauch schön sauber. Unter dem Boot treffen wir den größten Falterfisch, den ich je gesehen habe. Er lässt sich durch unsere Putzaktivitäten nicht vertreiben, scheint aber froh zu sein, als wir sein Element wieder verlassen. In der Saweni Bay sind wir, im Gegensatz zu den anderen Plätzen in der letzten Woche, nicht das einzige Boot. Wir lernen unsere Nachbarn kennen, ein nettes Paar aus Deutschland, das uns besuchen kommt.
Diwali, das Lichterfest der Hindus, beschert uns Samstag und Sonntag reichlich Feuerwerk. Von Einbruch der Dunkelheit bis Mitternacht leuchten die Raketen am Himmel.
Jetzt liegen wir in der Marina und vermissen das Ankern. Doch die Marina ist praktisch. Die Wäsche verschwindet in der Waschmaschine und die Dieselkanister werden gefüllt. Lauter kleine Dinge wollen vor der Abfahrt nach Neuseeland erledigt werden. Manche Kleinigkeiten sind dann doch nicht so schnell erledigt. Wir wollen das Vorstag etwas durchsetzen. Eigentlich wirklich keine große Sache. Wir rollen das Vorsegel von der Rollanlage ab, ziehen es runter und binden es da Deck fest. Dann bauen wir die Rollanlage auseinander, schieben die Trommel nach oben und schon können wir das Vorstag spannen. Nun noch schnell die Kugellager der Rollanlage fetten, die Anlage wiederzusammen bauen, die Fock wieder anschlagen. Und „schon“ sind wir fertig. Nun steht der Mast perfekt, Nobbi klettert noch einmal in den Mast und guckt sich das Ganze von oben an. Wir sind zufrieden.
Der Motor bekommt seine üblichen Streicheleinheiten, ein paar kleine Bimssteine haben sich im Kühlwasserfilter versammelt, das Schlauchboot ist wieder in seiner Tasche an Deck verzurrt und das UKW weiß wieder wo es ist. Seit Samoa hatte unser UKW keine GPS-Position mehr. Nach längerem Suchen haben wir herausgefunden, dass das Datenkabel innerlich korrodiert ist, nun bekommt das UKW vorübergehend die Daten vom anderen GPS-Gerät.
Ursprünglich wollten wir am Donnerstag oder Freitag lossegeln (also heute oder morgen), doch das Wetter überzeugt nicht, so haben wir beschlossen zu warten. Die Zeit nutzen wir für kleine Arbeiten und einen gründlichen Bootsputz. Vorhänge und Kissenbezüge sind gewaschen, das Vorschiff aus- und wieder eingeräumt. Nebenbei sortieren wir Dinge aus, die wir nicht brauchen oder nicht mehr spazieren fahren wollen. Selten schaffen wir es mit den aussortierten Dingen bis zum Mülleimer. „Schmeißt du das weg?“ Findet sich auf den knapp 100m vom Boot zum Marina-Gebäude kein neuer Eigentümer legen wir einfach alles auf die Büchersammlung, bisher war alles in weniger als einer halben Stunde verschwunden. Ganz egal ob Sonnenbrille, Nagellack, Segeltuch, Backpapier, Golden Sirup. Irgendjemand kann es gebrauchen. Nur mit den Büchern ist es hier schwierig. Die Büchersammlung ist zwar riesig, jedoch gibt es fast nur Bücher auf Schwedisch. Als ich auf die Waschmaschine gewartet habe, habe ich im „Handbuch für den ärztlichen Bereitschaftsdienst“ gelesen. Ganz interessant. Auf jeden Fall besser als der Mittelmeerführer von 1992.
In der Marina herrscht ein eifriges Kommen und Gehen. Viele Yachten bleiben aber auch und verbringen die Zyklon Saison hier. Man kann sein Boot hier im Wasser liegen lassen, aber es gibt auch die Möglichkeit sein Boot an Land in einem „Cyclon Pit“ zu parken. Dabei wird eine Grube für den Kiel ausgehoben. Umfallen kann das Boot bei Sturm so jedenfalls nicht.
Jeden Tag laufen Yachten aus, meistens mit Ziel Neuseeland oder Australien. Wer hier in der Marina ausklariert wird mit einem Blumenkranz am Bug und einem Ständchen der Marina-Crew verabschiedet. Sehr sympathisch wie wir finden.
Bisher waren wir nur einmal beim Supermarkt, ansonsten hatten wir noch keine Zeit die Marina zu verlassen. Damit wir keinen Marina-Koller bekommen, machen wir morgen einen kleinen Ausflug.