Ein Ausflug in den hohen Norden

Wir haben für drei Tage ein Auto gemietet und wollen uns den Norden der Nordinsel ansehen. Am Freitag übernehmen wir das Auto und fahren zügig nach Norden. Wir wollen bis ans Cape Reinga und anschließend nach Kaitaia, wo wir übernachten werden. 330 km liegen vor uns. Für Leute die in den letzten Monaten selten schneller als mit 6 kn unterwegs waren ist das eine weite Strecke. Cape Reinga liegt weit im Norden einer schmalen Landzunge, der nördlichste Punkt Neuseelands ist jedoch das North Cape ungefähr 30 Meilen weiter östlich.
Es macht Spaß durch die Landschaft zu fahren. Es ist nur wenig Verkehr, die Straßen sind gut und die Umgebung sehr abwechslungsreich. Wir sehen viele Obstplantagen, meterhohe Hecken, Wälder und viele Kuhweiden. Rinder haben die Schafe für die Neuseeland so berühmt ist inzwischen in viele Regionen abgelöst. Während man mit Schafen kaum noch Geld verdienen kann lohnt sie die Rinderhaltung.
Ab und zu halten wir, laufen ein paar Schritte und machen Fotos. Wir biegen zu einem Strand ab, laufen durch die Dünen und überlegen baden zu gehen. Schließlich verzichten wir, das Wetter ist durchwachsen. Bis auf zwei kurze Schauer ist es trocken, doch große dunkle Wolken jagen über den Himmel. Immer wieder bietet sich ein neuer grandioser Ausblick auf die schöne Landschaft. Grüne Hügel, dunkle Wälder, goldene Dünnen, kleine Seen und Bäche. Das Kap samt seinem Leuchtturm hüllt sich in dichten Nebel. Hier treffen sich Tasman See und Pazifik. Wir können beide nur hören. Die Wellen der Tasman See sehen wir 140m unter uns an die Felsen donnern. Da die Sicht so schlecht ist, sparen sich viele Touristen den Weg zum Leuchtturm und wir haben ihn ganz für uns allein.
Auf dem Rückweg halten wir, weil uns ganz viele Schafe entgegenkommen. Frisch geschoren sollen sie die Weide wechseln. Sie haben allerdings andere Pläne als ihre Besitzer und die Hunde alle Pfoten voll zu tun, sie auf den richtigen Weg zu treiben.
Wir haben ein Zimmer in Kaitaia gebucht, die Adresse finden wir ohne Probleme, doch wo ist unser Gastgeber? Alle Fenster und Türen sind offen, doch wir finden niemanden. Wir setzen uns auf die Terrasse und trinken ein Bier. Nobbi entdeckt ihn schließlich, er schläft in seiner Garage.
Abends finden wir ein nettes Restaurant in Kaitaia. Der Ort hat 5000 Einwohner, ist nicht gerade aufregend und gewinnt keinen Schönheitspreis, auf der Hauptstraße tummeln sich jedoch einige Restaurants.
Am nächsten Tag machen wir einen Abstecher zum 90-Miles-Beach, der allerdings nicht 90 Meilen sondern 90 Kilometer lang ist. Er zieht sich die gesamte Westküste der schmalen Landzunge entlang fast bis Cape Reinga. Wir folgen einer Straße mit vielen Kurven durch eine hügelige Landschaft. Selten ist ein Auto vor oder hinter uns. Schließlich erreichen wir Kohukohu, einen kleinen Ort am Hokianga Harbour. Hokianga Harbour ist ein tiefer Fjord an der Westküste. Wir setzten mit einer kleinen Fähre nach Rawene über. Am Eingang des Fjords bei Omapere unternehmen wir eine kleine Wandung. Von der ehemaligen Signalstation hat man einen tollen Ausblick auf die Dünen auf der Nordseite des Fjords und die sich brechenden Wellen in der Einfahrt. Gut, dass wir nicht mit dem Boot hierhergekommen sind.
Quer über die Insel wieder zurück an die Ostküste zur Bay of Islands mit Zwischenstopps an verschiedenen kleinen Wasserfällen. Mal treffen wir Neuseeländische Familien beim Baden, mal lauter Wohnmobile und dann sind wir wieder ganz allein. Wir halten an heißen Quellen, in denen man auch baden kann. Wir sind nicht überzeugt, eine wenig gepflegte Umgebung und die Warnung vor krankmachenden Amöben schrecken uns ab, so entscheiden wir uns gegen ein Bad.
Abends freuen wir uns zurück auf Mari zu sein, wir waren nur eine Nacht nicht an Bord, aber es kommt uns länger vor.
Am Sonntag lassen wir es ruhig angehen und fahren über Waitangi nach Kerikeri. Wir nehmen eine kleine Seitenstraße, die über einen Golfplatz führt uns immer wieder die Möglichkeit bietet anzuhalten und über die Bay of Islands zu gucken. Eine weitere geplante Abkürzung stellt sich als verbotene Privatstraße heraus, wir fahren lieber außen rum.
In Kerikeri steht das älteste Haus Neuseelands und das älteste Steinhaus. Hübsch ist es hier. Wir machen einen schönen Spaziergang zu einem Wasserfall. Als der Weg in einem Wald führt in dem auch Kauri-Bäume stehen, muss man eine Schranke passieren, an der man die Schuhe reinigt und desinfiziert. Es gibt nur noch wenige Kauris und die verbliebenen Exemplare werden durch einen Pilz bedroht.
Wir sehen Pukekos, eine Art hübsche blaue Hühner, und Fasanen. An einem Seerosenteich badet eine Ente. Schafgabe, Gänseblümchen, Löwenzahn, Disteln, Hahnenfuß. Dass ich so viele Arten bestimmen kann, ist kein gutes Zeichen. Mein Wissen kommt aus dem Bestimmungskurs heimische Blütenpflanzen. Heimisch bei uns, nicht in Neuseeland. Schon auf unseren Wanderungen in der Umgebung Opuas und auf unserem Ausflug zum Kap ist uns aufgefallen, dass wir sehr viele Pflanzen, die wir aus Mitteleuropa kennen, sehen. Die Anzahl der eingeschleppten Arten ist sehr groß, etwa 1800 sollen es sein, mal wurden sie absichtlich eingeführt, mal unabsichtlich zum Bespiel mit Saatgut. Neuseeland hat durch seine abgeschiedene Lage eine ganz eigene Flora entwickelt. Viele der Arten (ca. 85%) sind endemisch, das heißt sie kommen nur hier vor. Es gibt Schätzungen, dass von der ursprünglichen Vegetation nur jede fünfte Art überlebt hat.
Bei den Tieren sieht es ähnlich aus. Ein Viertel der Vogelarten ist bereits ausgestorben. In Neuseeland gab es bis zum Eintreffen der Maoris, abgesehen von Fledermäusen, keine Landsäugetiere. Die Maoris brachten Ratten auf ihren Kanus mit. Die Engländer haben gleich einen ganzen Zoo eingeführt. Während Schafe und Kühe auf Weiden gehalten werden, wurden Hirsche, Ziegen und Fasanen ausgewildert um sie dann jagen zu können. Possums (Kusus, nicht Opossums) wurden aus Australien eingeführt um einen Fellhandel zu etablieren. Als sich die Kaninchen explosionsartig vermehrten, wurden Hermeline und Wiesel freigelassen, um die Kaninchen-Plage zu bekämpfen. Hermeline und Wiesel haben nun wiederum keine Feinde und vermehren sich fröhlich. Die heimischen Vögel sind nicht an die Jäger angepasst und so ist der flugunfähige Kiwi ein leichtes Opfer. Bei dem was die Engländer hier in kürzester Zeit angerichtet haben, kann man ganz toll lernen wie man es nicht macht.
Es gibt große Programme, die die Population vom Kusus in Schach halten sollen, die dafür sorgen sollen, dass die Hirsche sich nicht weiter ausbreiten und die Leute dazu bringen sollen, endlich aufzuhören Pampagras in ihre Gärten zu pflanzen.
Da wir gerade bei den wenig erfreulichen Dingen sind. Neuseeland ist das Land, das am meisten Regenwald verloren hat (bezogen auf seine Größe). In Neuseeland steht nur noch 10 % des Waldes. Bei abgeholztem Regenwald habe ich bisher an Borneo oder Brasilien gedacht, nicht an Neuseeland.
Wir genießen unseren Spaziergang trotz der Überlegungen zu ausgestorbenen Pflanzen und finden in Kerikeri ein ausgesprochen hübsches Restaurant.
Einen Umweg über Neuseelands meist fotografierte Toilette bildet den Abschluss des touristischen Programms. In Kawakawa, einem kleinen Ort wurde die öffentliche Toilette von Hundertwasser gestaltet. Der eigentlich sehr unspektakuläre Ort vermarktet seine Toilette so gut wie nur möglich und so machen bunte Kacheln und Mosaike die hässliche Hauptstraße etwas netter. Sonntagnachmittag riecht der gesamte Ort nach Frittenfett und auch die historische Eisenbahn, die am Wochenende von hieraus fährt, kann man mich nicht wirklich begeistern. Man muss diese Toilette nicht gesehen haben. Übrigens, Neuseeland ist das Land der super sauberen öffentlichen Toiletten (immer mit Papier) und die in Kawakawa machen hier, trotz der vielen Besucher, keine Ausnahme.
Auf dem Rückweg beladen wir das Auto am Supermarkt mit allem, das wir nicht weit tragen wollen. So eine Gelegenheit müssen wir nutzen. Als mit unseren ganzen Einkäufen im Schlauchboot auf dem Weg zu Mari sind, geht der einzige Schauer des Tages über uns nieder. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen.

Auf dem Weg zum Kap:

 

Die Neuseeländer:

 

Unterwegs in Northland:

 

Hokianga Harbour:

 

Kerikeri:

 

Kawakawa und seine berühmten Toiletten: