Ausflug ins Naturschutzgebiet „Rivière Bleue“

Am Dienstagmorgen teilen wir uns auf, ich fange ein Baguette und Nobbi holt das gemietete Auto ab. Überraschenderweise war es gar nicht so einfach ein Auto zu bekommen, doch wir sind am Montag noch einmal im Büro vorbeigegangen und hatten schließlich Glück.

Unsere erste Autotour soll uns ins Naturschutzgebiet Rivière Bleue führen, das etwa eine Stunde östlich von Nouméa liegt. In Nouméa ist noch ziemlich viel Verkehr, der dann schnell weniger wird als wir die Stadt hinter uns lassen. Nach einiger Zeit ist so wenig Verkehr, dass man die entgegen kommenden Autos grüßt. Die Fahrt ist schön, wir halten ab und zu an um Fotos zu machen.
Am Parkeingang zahlen wir eine (überschaubare) Gebühr und bekommen einen Plan. Außerdem werden wir gefragt was wir vorhaben. Ein Teil des Parks kann mit dem Auto befahren werden, es gibt viele Wanderwege, Mountainbike Trails und Kanutouren. 1959 wurde ein Staudamm gebaut, dessen Stausee vom Rivière Blanc und vom Rivière Bleue gespeist wird. Der Naturpark liegt im Westen des entstandenen Stausees, dem Lac de Yaté. Der See teilt den Park, der Teil südlich des Sees darf mit dem Auto befahren werden. Auf die andere Seite kommt man über eine Fußgängerbrücke, dort gibt es einen Shuttlebus mit dem man verschiedene Wanderwege erreichen kann und den man am Eingang des Parks bucht. Wir entscheiden uns für eine gemütliche Runde mit dem Auto, steuern verschiedene Aussichtspunkte an, laufen ab und zu ein Stück, machen ein Picknick und gönnen uns ein Fußbad. Uns gefällt es hier ausgesprochen gut, eine sehr abwechslungsreiche Vegetation, sehr viele verschiedene Vögel, der See, der „weiße“ Fluss, viele Bäche, Brücken aus Holz und immer wieder ein toller Blick auf die Bergkette im Norden begeistern uns. Außerdem sind wir ganz beeindruckt von der Infrastruktur des Parks: Picknicktische und Hütten, Grills in denen Feuerholz bereit liegt und gut ausgeschilderte Wege für ganz unterschiedliche Bedürfnisse. Von Rollstuhl geeigneten Picknickplätzen mit Zugang zum Wasser bis zu sehr anspruchsvollen Wanderungen wird alles abgedeckt.
Wir kommen bestimmt wieder, für uns gibt es hier noch viel zu entdecken.

Ein Besuch bei der Französischen Marine oder Rattenbleche mit Tricolore

Die Tage vergehen mit unspektakulärem, langweiligem und nervigen Getüddel, wir werden darüber berichten wenn es Ergebnisse gibt. Diese Woche standen außerdem ein Besuch beim Zoll, ein Gang zum Schiffshändler und das Besorgen einer Gasflasche auf dem Programm.
Doch auch der Alltag hält auch immer wieder Highlights bereit, wie eine leckere Bowl auf dem Place de Cocotiers. Dies ist ein beliebter Platz um die Mittagspause zu verbringen, nicht nur die Tische an den Restaurants und Buden sind stark frequentiert, auch auf den Rasenfläche kann man sehr schön im Schatten sitzen. Wir geraten, angezogen von der extrem kitschigen Weihnachtsdeko, in einen interessanten Laden, in dem es außer Plastik aus China auch verschiedene Haushaltwaren, gute Werkzeuge und Heiligenfiguren gibt. Weder die blinkenden Bären mit Weihnachtsmütze, noch eine neue Gallionsfigur haben es an Bord geschafft, nur einen Liter Terpentin haben wir gekauft. Es macht uns einfach Spaß durch die Läden zu streifen.
Gestern war Tag der offenen Tür auf dem Marine Stützpunkt hier in Nouméa. Es war wirklich interessant die kleine Basis zu besichtigen. Wir haben einen Rundgang durch die verschiedenen Werkstätten gemacht. In jeder Werkstatt gab es etwas zu sehen, zum Beispiel einen aufgesägten Motor, und Mitarbeiter, die Fragen beantwortet haben. Die Logistikabteilung hat ihre Gerätschaften vom Kran bis zum Gabelstapler vorgeführt und bei der Feuerwehr konnte man Feuer löschen üben. An vielen kleinen Ständen wurden T-Shirts verkauft, für eine Ausbildung bei der Marine geworben und Getränke verkauft. Kinder durften versuchen Wurfleinen in Körbe zu werfen, man konnte Nachtsichtgeräte ausprobieren und sich Waffen erklären lassen. Wir haben festgestellt, dass die Französischen Seenotretter, genau wie die DGzRS in Deutschland, kleine Sammelschiffe aufstellen. An die Seenotretter geht auch ein Teil der Erlöse dieser Veranstaltung. Den ganzen Tag gab es verschiedene Vorführungen und Übungen, die kleinen Boote und der Hubschrauber waren immer wieder im Einsatz.
Am allerbesten hat es uns natürlich gefallen, dass die Schiffe besichtigt werden konnten. Hier liegen eine ältere Fregatte und ein Versorger. Wir entscheiden uns für den Versorger und stellen uns für die Führung an. An Deck können wir uns schon umsehen, während wir warten. Während des ausführlichen Rundgangs sehen wir uns nicht nur an Deck um, besuchen die Mannschaftsmesse, die Unterkünfte der Crew und die Kabine des Kapitäns, wir dürfen auch aufs Oberdeck und die Brücke. Wir verstehen nicht alles, aber doch genug, um einen guten Eindruck zu bekommen und sind beeindruckt von der modernen Brücke. Nobbi ist neidisch und hätte nun auch gerne ein Control Panel, das Druck und Temperatur an jedem Zylinderkopf anzeigt. Das schönste Detail sind die Rattenbleche in den französischen Farben. Wir haben keine Rattenbleche an Bord, aber wenn wir welche hätten, dann würde ich das Marisol-Logo draufmalen.

Mittagspause auf dem Place de Cocotiers

Ein Wochenende im Grünen

Nach viel Bootsgetüddel wird es Zeit für ein wenig Freizeitprogramm. Die bordeigene Agentur schlägt ein typisch neukaledonisches Wochenendvergnügen mit Wandern und PiqueNique vor. Am Samstag geht’s nach Ouen Toro. Der Bus bringt uns zur gleichnamigen Endhaltestelle. Von dort laufen wir auf den Hügel, der einen tollen Blick über die Lagune und die Stadt bietet und an dessen Hängen sich Wanderwege verschiedener Schwierigkeitsgrade schlängeln. Der Ausblick ist toll, wir sehen viele Vögel und sind begeistert von dem netten Flecken mitten in der Stadt.
Unsere Verpflegung besteht aus einer Packung Lava-Kekse (Familien-Slang für Oreo), deshalb unterbrechen wir den Rückweg in einem netten Restaurant. Der Weg von Ouen Toro zurück zur Marina führt uns immer am Wasser entlang durch drei lange Buchten, nur ganz am Ende geht’s einmal über den Berg. Wieder an Bord haben wir ziemlich platte Füße, was uns nicht von einem Sonntagsausflug am nächsten Tag abhält. Diesmal geht’s in den Parc Forestier, in dem wir vor ein paar Wochen schon einmal waren. Uns gefällt es wieder gut bei den Kagus und den Flughunden. Auf dem kleinen Wanderweg durch den Wald sehen wir lauter leuchtend blaue Schmetterlinge, schaffen es aber nicht sie zu fotografieren. Heute sind wir perfekt vorbereitet und haben unser PiqueNique dabei. Wir machen es wie die Einheimischen und suchen uns eine hübsche Bank für die Mittagspause. Die Tiere kennen das. Ein Pfau frisst unsere Baguettekrümel vom Boden, noch während wir auf der Bank sitzen.

Alte Steine und Urlaubstage

Nobbi versucht mich dazu zu überreden das Bier zum Boot zu tragen. Angeblich ist es ganz leicht. Die enthaltende Kohlensäure lässt die Dosen schweben. Alternative Physik? Ich habe meine Zweifel an dieser Theorie und überlasse ihm den Biertransport. Ihr bekommt einen Eindruck wie er sich seinen neuen Spitznamen „Quasselflosser“ ehrlich verdient hat, den er auch noch selbst erfunden hat. Wie ihr seht, sind wir wieder in Nouméa. Die Nahrungsmittelvorräte wollen aufgefüllt werden, unser Konservenvorrat war seit unserer Abfahrt in Bremen nicht so minimiert.
Unsere langsame Rückfahrt nach Nouméa hat uns an viele schöne Plätze gebracht. Wir hatten wunderschöne ruhige Nächte, in denen wir die Sterne durchs Luk über unserer Koje sehen konnten, und haben Delfine, Haie, ein scheues Dugong und sehr viele Schildkröten gesehen.
Wir hängen noch einen Tag in der Baie d´Uitoe dran und machen einen Spaziergang am Strand. Am nächsten Morgen geht es wieder zeitig los. Wir kommen so gut voran, dass wir bis in die Baie Papaye fahren und nun praktisch wieder in Sichtweite von Nouméa sind. Wir haben die große Bucht für uns allein, wenn man von den muhenden Kühen absieht. Von hier unternehmen wir einen Tagesausflug zur Ilot Signal, machen an einer Boje fest und gehen ausgiebig schnorcheln. Am Riff ist viel los, wir beobachten das Leben an einer kleinen Putzerstation und treffen eine große Muräne. Die Fische scheinen zu wissen, dass sie sich hier im Schutzgebiet befinden und nicht geangelt werden darf. Für die Nacht ist leichter Westwind angesagt. Wir beschließen wieder an die Hauptinsel umzuziehen und ankern hinter der Insel T`Ndu. Unseren vorigen Ankerplatz können wir von hier sehen. Die gesamte Rückfahrt und das Ankermanöver werden von heftigem Regen begleitet. In Signal hatten wir aus dem Trocknen die „Blauhandtücher“ beobachtet, eine Gruppe Urlauber mit identischen blauen Handtüchern, die furchtbar nass werden aber trotzdem fröhlich singen. Nun werden wir ausgiebig geduscht. Wir hängen unsere Handtücher im Regen auf, so werden sie mal Frischwasser gespült.
Als wir am nächsten Tag an Land rudern um uns die Füße zu vertreten, fällt uns sofort das interessante Gestein ins Auge. Ähnliche Formationen hatten wir am Tag zuvor in der Baie Papaye entdeckt und deshalb ein wenig recherchiert. Stromatolithen sind Sedimentgesteine. Und tatsächlich sehen sie nicht nur spannend aus, sondern sind auch sehr interessant. Es handelt sich vermutlich um die ersten durch Organismen aufgebauten Strukturen, so entstanden Riffe, lange bevor die Natur die Korallen erfunden hat. Sie sind die ältesten Fossilien und bis zu 3,5 Milliarden Jahre alt. Die schmale, 1.3km lange und 70m hohe Insel T’Ndu ist praktisch ein riesiges Fossil. Als das Riff entstand gehörte es quasi noch zu Australien, wo Neukaledonien kürzlich von 80 Millionen Jahren abgebrochen ist. Interessant was man aus Versehen unterwegs alles lernt (unser Wissen stammt aus dem Revierführer, und einer kleinen Internetrecherche mit Wikipedia und Co).
Ein wunderbarer Sonnentag lädt zu einem erneuten Inseltag ein. Wir fischen eine Boje an der Ilot Laregnere, wo wir schon einmal waren. Zwei echte Urlaubstage verbringen wir hier. Wir schnorcheln so lange, dass wir abends früh auf dem Sofa einschlafen. Wieder sind wir total begeistert, was wir hier auf der Seegraswiese und am Riff zu sehen bekommen. Die Schildkröte die uns jedes Mal begleitet ist sozusagen die Kirsche auf der Sahne.
Am zweiten Tag wird es voll. Richtig voll. Ein echter Langfahrtklassiker, bei uns ist Dienstag, bei allen anderen Allerheiligen und Feiertag. Wir sehen uns das Getümmel einige Stunden an bzw. sind ein Teil dieses wunderbaren ersten Novembers, dann lösen wir unsere Leine von der Boje und segeln in die Baie Maa. Von dort geht’s am nächsten Tag nach Nouméa, wo wir jetzt in der Marina liegen.

In den Einträgen die seit unserem letzten Nouméa-Aufenthalt entstanden sind habe ich lauter Fotos ergänzt. Unterwasserfotos gibt es erstmal nicht mehr. Das Gehäuse ist endgültig undicht und die Kamera hat ihr letztes Schnorcheln leider nicht überlebt.

Zur Baie de St. Vincent

Platsch. Klonk. Schwapp. Spritz. Wir schauen uns an. Das ist nicht das erste Mal in Neukaledonien, dass wir von der Unterwasserwelt geweckt werden. Wer unter Wasser klopft wissen wir leider nicht. Nobbi öffnet das Fenster, das wir heute Nacht bei einsetzendem Regen schließen mussten, und wir beschließen noch eine Runde zu schlafen.
Nach einem ausgiebigen Morgenbad und einem gemütlich Frühstück machen wir uns auf den Weg. Heute liegt eine kurze Etappe vor uns. Die Strecke ist abwechslungsreich. In der großen Baie de St. Vincent liegen viele kleine und größere Inseln, so wechselt die Aussicht ständig. Zunächst ist es windstill, die Wolken spiegeln sich im Meer, dann kommt Wind auf. Ein Delfin schaut kurz vorbei, hat dann aber andere Verpflichtungen. Ein 190 m langer Bulkcarrier, ein Schiff das Schüttgut transportiert, ankert auf der Tontouta Reede und wird beladen. Auf jeder Seite liegen zwei Bargen, die schiffseigenen Kräne schaufeln den Inhalt der Bargen (vermutlich Erz) in die Laderäume. Sophie, Julien und Rhumb Matilda, die drei Schlepper, fahren mit den leeren Bargen davon und bringen volle zum Schiff. Wir haben viel zu gucken, passieren das Schiff und biegen hinter einer kleinen Insel ab, wir ankern heute in der Baie d´Uitoe.
Gestern haben wir nach einer Woche Ouano wieder verlassen. Wir hatten einige windige Tage, an denen wir dort gut lagen, uns aber doch über die starke Thermik gewundert haben. Der Wind stimmte selten mit der Vorhersage überein, schon gar nicht mit der Prognose für diesen Ort. Mit der Erfahrungen der vorigen Tage, der Wettervorhersage für weiter draußen liegende Orte und einem Blick auf die Topografie konnten wir uns selbst eine Vorhersage basteln und die riet uns zu bleiben.
Eine Wanderung hat uns besonders gut gefallen, vielleicht gerade deshalb, weil wir geringe Erwartungen hatten. Der Weg führte entlang der Mangroven am Ufer der Bucht, das hörte sich nicht so aufregend an. Doch wir wurden mal wieder überrascht. Der Pfad schlängelte sich durch salzige Wiesen, einen kleines Wäldchen, die unterschiedlichen Mangrovenarten wurde auf Schildern erklärt, wir passierten kleine Teiche mit Seerosen und entdeckten Blümchen auf trocknen Wiesen. Ein kleiner Aussichtspunkt auf einer Anhöhe ermöglichte einen schönen Blick über die Bucht. Rundum zufrieden kehrten wir zurück zum Boot. Kaum hatten wir das Boot zusammengefaltet und verpackt, da wehte der Wind auch schon wieder mit 25 bis 30kn aus Nord entgegen der Vorhersage, die wenig Wind aus Südost versprach.
Gestern wollten wir nun endlich weiterziehen und sind deshalb früh aufgestanden. Wir wollen uns langsam auf den Weg zurück nach Nouméa machen, d.h. nach Südosten. Von dort kommt hier fast immer der Wind, der meistens tagsüber auffrischt. Also stehen wir um halb sechs auf, trinken Kaffee und beginnen dann unsere schlammige Ankerkette aus dem Grund zuziehen. Diesmal wählen wir die innere Route dichter am Festland und als der Wind gegen neun deutlich zunimmt, biegen wir in die Baie de St. Vincent ab. Die Inseln in der Bucht bieten guten Schutz gegen den vorherrschenden Wind und bieten interessante Durchfahrten. Wir hofften unsere Delfinfamilie von der Hinfahrt wiederzutreffen, hatten jedoch kein Glück. Dafür sehen wir mehrere Seeschlangen. Die Tiere sind faszinierend, aber ich finde sie auch irgendwie unheimlich. Die Tiere können lange tauchen, müssen aber zum Atmen an die Oberfläche, schließlich sind es keine Fische, sondern Reptilien. Weltweit gibt es etwa 55 Arten, 14 davon sind in Neukaledonien unterwegs.
Die große Ile Ducos bietet an ihrer Nordseite einen schönen Ankerplatz in der Baie de Moustique. Als wir den Anker fallenlassen, sehen wir einen Rochen dreimal hintereinander aus dem Wasser springen. Wir nehmen die Begrüßung als gutes Omen und verbringen hier eine ruhige Nacht. So viel Unterwasserleben wie hier in Neukaledonien haben wir bisher nur an ganz wenigen Plätzen erlebt.

Ein schöner Tag mit jähem Ende

Auf der kleinen Pier hatten wir am Tag zuvor Damien kennengelernt. Er lebt mit seiner Frau Ruth auf einem Segelboot und ist schon länger in Neukaledonien. Er bietet uns sofort an, uns am nächsten Tag mit dem Auto in den Ort La Foa mitzunehmen. Eigentlich brauchen wir nicht unbedingt einkaufen, aber wir haben Lust auf einen Ausflug. Und so schließen wir uns den beiden am Mittwoch an. Wir werden mit allerlei Tipps versorgt und in der Ortsmitte abgesetzt.
La Foa ist ein netter Ort. Wir laufen erst die Hauptstraße runter und biegen dann in niedliche, kleine Nebenstraßen ab. Hübsche Häuser stehen in üppigen Obstgärten. In der Touristeninformation werden wir freundlich empfangen, wir sehen uns die eiserne Brücke von 1906 an, die es sogar aufs Wappen geschafft hat, und gehen ganz in Ruhe einkaufen. Anschließend laufen wir mit unseren vollgepackten Taschen zum Schwimmbad, hier soll es ein gutes Restaurant geben. Das Schwimmbad ist super modern, jede deutsche Gemeinde wäre neidisch. La Foa scheint wohlhabend zu sein. Auch Rathaus, Schule und Polizeiwache sehen top aus. Tatsächlich überrascht uns das Restaurant mit tollem Essen. Es ist brechend voll. Wir sitzen quasi mitten im Schwimmbad, direkt neben dem Becken in dem gerade Aquagymnastik stattfindet und Kinder auf einer aufgepumpten Matte spielen. Hier hätten wir nie mit so ausgezeichnetem Essen gerechnet, sondern eher mit Pommes-rot-weiß. Damien und Ruth sammeln uns schließlich wieder ein und zusammen genießen wir eine fröhliche Rückfahrt.
Der Spaß endet jäh, als unsere Boote in Sicht kommen. Der Wind hat aufgefrischt, auf der Ankerbucht sind kleine Schaumkronen und Mari liegt nicht im Wind. Unser geliebtes Boot und Zuhause liegt merkwürdig dicht an einem anderen Boot, das an einer Mooring hängt. Nobbi und Damien fahren mit dem größeren Dinghy zu den Booten und versuchen Mari zu befreien. Mari hängt mit der Windsteueranlage in der Mooring-Leine und im Bugkorb des anderen Boots fest. Den beiden Männern gelingt es schließlich Mari zu befreien und neu zu verankern. Was genau passiert ist können wir nur vermuten. Der Anker ist wohl geslippt. Zum ersten Mal in all den Jahren, in denen wir unsere Mari segeln. Das andere Schiff, in dem wir hängen geblieben sind, ist aus Stahl und hat zum Glück keinen größeren Schaden davon getragen. Bei uns jedoch ist die Windsteueranlage gebrochen. Unser wichtigstes Ausrüstungsstück. Wir sind froh, dass es nicht schlimmer gekommen ist. Kein Schaden am Heck, an der Badeleiter, den Solarpanels, am Bimini, am Windgenerator. Nobbi hat mit vollem Körpereinsatz um unsere Mari gekämpft und sich ein paar Schnitte an den Füßen zugezogen, als er auf der Muschelbesetzten Mooring-Leine stand. Die Windsteueranlage haben wir bereits auseinander genommen, festgestellt welche Teile wir ersetzen müssen und mit Hydrovane Kontakt aufgenommen. Mal sehen, wann wir Ersatz bekommen können.
Wir sind Damien unendlich dankbar für seine Hilfe und seinen beherzten Einsatz. Mit so einer Situation nicht alleine zu sein ist Gold wert und in so einer Situation einen erfahrenen und tatkräftigen Segler an seiner Seite zu haben ist unbezahlbar.

Delfine, Wrack und Wanderschuhe

Segelt man innerhalb der Lagune weiter nach Nordwesten, nähert sich das Außenriff immer weiter Grande Terre, der Hauptinsel, an. Irgendwann wird es zwischen Riff und Insel so flach, dass hier für größere Boote die Welt zu Ende ist. Wer weiter an der Küste entlang segeln möchte muss hier das schützende Riff durch einen der vielen Pässe verlassen. Kurz vor der Sackgasse zwischen Riff und Insel liegt die Halbinsel Ouano, unser nächster Ankerplatz. Wir segeln ganz ruhig dahin. Das Wasser der Lagune leuchtet türkis und wir bekommen Delfinbesuch. Eine kleine Familie aus vier Tieren begleitet uns. Die drei erwachsenen Tiere wollen dem Delfinbaby anscheinend ein Segelboot zeigen. Eins der Tiere scheint großen Spaß am Spiel mit Mari zu haben, immer wieder schwimmt es ganz dicht vorm Bug, dreht sich auf den Rücken und schwimmt Bauch oben an Maris Bug. Wir können uns gar nicht stattsehen.
Auf dem Außenriff liegt ein Riff, das weit zu sehen ist. Durchs Fernglas stellen wir fest, dass das Schiff schon länger dort liegt, an vielen Stellen sieht man nur noch die Spanten. Später recherchieren wir, dass die „Ever Prosperity“ 1965 hier aufgelaufen ist. Das Verrückte an der Geschichte, es gibt noch ein zweites Wrack am Außenriff, nur wenige Meilen entfernt. Das Schiff hieß ebenfalls „Ever Prosperity“ und fuhr unter dem Kommando desselben Kapitäns. Was für ein Unglücksrabe!
Als wir durch die schmale Durchfahrt zum Ankerplatz fahren, sind wir froh über die gute Betonnung und die gute Sicht, zwischen kleinen Riffen und Sandbänken können wir gut erkennen wo es tief genug ist.
Auf den Ankerplatz hinter Ouano sind wir aufmerksam geworden als wir in der Touri-Info in Noumea ein Faltblatt mit Wanderwegen auf der Landspitze mitgenommen haben. Diese Wege machen wir am nächsten Tag unsicher. Als erstes freuen wir uns über einen Müllcontainer und Wasserhähne. Gelegenheit seinen Müll zu entsorgen hat man an nicht so vielen Orten in der Umgebung. Wir folgen dem Wanderweg den Strand entlang und verlassen den ausgeschilderten Weg, weil wir nur mal kurz um die nächste Ecken gucken wollen und um die dahinter natürlich auch. Der Ausblick über die Küste ist beeindruckend. In der Ferne sieht man die weiße Gischt der brechenden Welle auf dem Außenriff, das flache Wasser leuchtet in allen Tönen von hellgrün bis türkis, das tiefere dunkelblau. Die Konturen der Riffe zeichnen sich in braun ab und hier und da liegt eine dekorative Insel mit weißem Strand herum. Wir kehren auf den Wanderweg zurück, entdecken das Beobachtungsdeck, eine Holzterrasse, von den man auch einen guten Blick hat und steigen dann auf den Hausberg. Also, Haushügel. Die Erhebung ist nur gute hundert Meter hoch, bietet aber einen schönen Rundumblick. Neben der Aussicht begeistert uns die Vegetation. Hier ist es sehr trocken und zwischen den gelblichen Gräsern wachsen viele interessante Blumen. Zum Abschluss sehen wir uns auf dem Campingplatz um, auf dem es ein Restaurant geben soll. Das Restaurant ist montags und dienstags geschlossen, aber der Wirt sehr nett. Alternativ machen wir unsere Pause unter einer Palme am Strand, bevor wir wieder an Bord rudern.

Rifftage

Heute gab es Pfannkuchen zum Frühstück, schließlich ist Sonntag. Da wir in Frankreich sind, entscheide ich mich für schön dünne Crêpes, dazu gibt es Apfelmus. Das Apfelmus stammt aus Neuseeland, wird dort als Soße verkauft, die angeblich perfekt zu Schweinebraten passt, und enthält echte Früchte. Steht auf dem Etikett!

Am Dienstag haben wir Nouméa verlassen und uns ein paar schöne Rifftage eingelegt. Erst lagen wir eine Nacht an Ilot Maître. Auf der kleinen Insel ist ein Hotel mit Wasserbungalows und am Riff gibt es 20 Festmacher-Bojen. Nur an solchen darf man sein Boot vertäuen, denn Ankern ist zum Schutz der Korallen verboten. Auch wenige Meilen weiter, an der Ile Laregnere gibt es ein Bojenfeld. Hier haben wir zwei Nächte verbracht. Es war recht windig, immer wieder haben uns Böen geschüttelt und der Schwell ist gelegentlich übers Riff gelaufen. Wir hatten trotzdem schöne Tage. Am Freitag sind wir dann nach Ilot Mbé Kouen gesegelt. Die Mini-Insel liegt auf einem großen Riff, das einen großzügigen, gut geschützten Ankerplatz bietet.

Hier gibt es unglaublich viele Schildkröten. An dem schönen Platz an der Ile Laregnere hatten wir oft drei Schildkröten direkt neben dem Boot. Sie sind sehr aufgeschlossen und wir durften mit ihnen Schnorcheln. Sie haben sich durch unsere Anwesenheit nicht beim Fressen stören lassen.
Das Schnorcheln war überhaupt sehr schön, immer wieder gab es etwas Interessantes zu sehen, große Stachelrochen, Kalmare, eine Seeschlange, die kleine Fische aus Löchern jagt, große Fische unter unserem Boot und viele bunte Rifffische. . Haie gibt es hier auch, allerdings haben wir uns nicht unter Wasser getroffen. Einer schwamm ums Boot, den anderen haben beim Spazierengehen auf dem Riffdach gesehen. Das Wasser hat 24 Grad, das ist eine angenehme Badetemperatur, nach längerem Schnorcheln ist es aber schön, sich wieder in der Sonne aufzuwärmen

Das Wetter an diesem Wochenende war ausgesprochen schön. Sonne satt bei moderatem Wind. Als wir Freitagmittag unseren Ankerplatz bei Ilot Mbé Kouen ausgesucht haben, war Mari das dritte Boot in der Bucht. Uns war klar, dass viele Segler aus Nouméa die schönen Tage nutzen würden und so füllte sich das Ankerfeld langsam. Für uns hieß das Unterhaltungsprogramm, wir ankerten schließlich in der ersten Reihe. Fast jedes Boot hatte Spielzeug dabei: Kanus, SUPs, Kites und Wing Foils. Und natürlich ganz viele Beiboote mit noch mehr Hunden. Es wurde gebadet, geschnorchelt und getaucht. Natürlich haben auch wir einen Ausflug auf die Insel gemacht. Auf dem winzigen Eiland war richtig was los. Sogar nachts. Gleich mehrere Zelte wurden für die Nacht aufgebaut. Uns hat die fröhliche, entspannte Atmosphäre gefallen und wir fanden es zur Abwechslung ganz schön so viele Segler zutreffen.

Heute haben wir den schönen Platz verlassen. Es war so herrlich sonniges Wetter, da wollten wir segeln. Vor dem Wind ging es nach Nordwesten. Viel zu schnell hatten wir unseren angepeilten Ankerplatz erreicht und so sind wir einfach weitergesegelt. Die Lagune ist hier recht flach und leuchtet türkis, dazu ein leuchtendblauer Himmel, einige flauschige weiße Wolken stauen sich an den hohen Bergen, die eine beeindruckende Kulisse bieten. Mein ganz persönliches Sahnehäubchen auf diesem schönen Tag ist etwa drei Meter lang und direkt neben uns abgetaucht. Ein Dugong! Ich finde diese freundlichen Meeressäuger extrem sympathisch.
Jetzt liegen wir an einem ruhigen Ankerplatz, der Wind ist eingeschlafen und es sieht aus, als dürften wir uns über eine sehr ruhige Nacht freuen. Wir sind nicht das einzige Boot hier, allerdings das einzige bewohnte. Obwohl das nicht richtig ist. Von einem Boot schauen nur noch die Masten und etwa 20 cm vom Rumpf aus dem Wasser, vermutlich sind also viele Fische eingezogen. Das andere Boot wirkt, als würde es dem gesunkenen bald folgen, es wirkt aufgegeben und die Wasserlinie macht einen ziemlich fragilen, rostigen Eindruck. Morgen geht es weiter, unsere Mari möchte nicht länger auf einem Schiffsfriedhof wohnen.

Stadtleben in Nouméa

Die Tage in Noumeá vergehen schnell. Morgens geht’s als erstes in den Supermarkt oder zur Bäckerei um ein Baguette fürs Frühstück zukaufen, ein bisschen Bootsgetüddel, ein paar Erledigungen, ein Plausch mit anderen Seglern.
Es wird Zeit für ein wenig Kulturprogramm. Direkt neben der Marina auf einem großen Parkplatz findet die Foire du Pacifique statt. Eine Messe mit Gästen aus Wallis und Futuna und Vanuatu. Auf dem Gelände gibt es Stände mit Tourismus-Infos, Kunsthandwerk, Kleidung, Blumen, Pflanzen, Gemüse und ganz viel Essen. Auf der Bühne gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Tänzen und Musik. Wir treiben uns gleich zwei Nachmittage auf dem Gelände herum, beobachten das Treiben, lachen mit den Leuten vom Gemüsestand, die uns jedes Mal wenn wir vorbeikommen einen großen Korb Gemüse verkaufen wollen, zunächst ernsthaft, schließlich als Scherz, wir müssen alle schon lachen wenn der Verkäufer „légumes“ ruft und schauen was auf der Bühne passiert. Eine Band aus Vanuatu macht tolle Musik, eine Gruppe aus Wallis führt interessante, aber etwas ermüdende Tänze auf, irgendjemand aus dem Rathaus hält eine endlose Rede und die Gruppe aus Nouméa reißt mit ihren rhythmischen Tänzen das Publikum mit. Mit platten Füßen geht es schließlich wieder zurück zum Schiff, allerdings nicht allein. Eine Schnitzerei hat ein neues Zuhause gefunden.
In Nouméa gibt es ein Aquarium, da es in einem Teil der Stadt liegt, den wir bisher noch nicht kennen, nutzen wir die Gelegenheit. Wir nehmen mal wieder den Bus und sehen uns zunächst das Aquarium an. Die Lebensbereiche Mangroven, Seegras, Riff und Tiefsee werden vorgestellt. Das Haus ist stolz auf seine fluoreszierenden Korallen und die Nautilusse, mir gefällt der Oktopus am besten. Hinterher beobachten wir am Plage Anse Vata die Wassersportler. Surfer und Wingfoiler haben bei frischem Wind sichtbar ihren Spaß.
Als wir auf dem Place des Cocotiers ein Kokoseis essen, fällt unser Blick aufs Musée de la Ville. Das könnten wir uns auch ansehen. Warum nicht sofort? Das kleine Museum zeigt die Geschichte Nouméas und ist in einem schönen historischen Gebäude, das zunächst eine Bank und dann das Rathaus war, untergebracht.
Will man mehr über ein Land lernen, sind offizielle Kultureinrichtungen interessant, bessere Einblicke bekommt man jedoch wenn man am richtigen Leben teilnimmt. Wir wollen drei Postkarten verschicken, da die Hauptpost in unmittelbarer Nähe der Marina ist, machen wir einen kurzen Abstecher um Briefmarken zu kaufen. Wie gut, dass wir Zeit haben. Wir ziehen die Nummer 511 und stellen fest, dass es nur sehr langsam vorangeht. Ich bin ungeduldig und würde lieber weitergehen, doch Nobbi beschließt, dass wir bleiben. Eine Frau, die ein Paket verschicken will diskutiert endlos was es kostet und die Dame hinterm Schalter packt es neu, jemand anders hat Probleme mit einer Überweisung. Die meisten haben Zeit, es geht alles sehr ruhig und sehr langsam vor sich. Die, die es eilig haben, drängeln sich ohne Nummer vor, was meistens geduldet wird. Eine Mitarbeiterin läuft zwischen den Kunden hin und her und entschuldigt sich, dass es so lange dauert. Eine Familie sitzt im Wartebereich, ist vor uns gekommen und bleibt dort einfach sitzen. Kinder spielen auf dem Fußboden. Als wir schließlich dran sind ist es ganz einfach, drei Briefmarken nach Deutschland, die Dame hinterm Schalter ist ausgesprochen nett, freut sich darüber, dass wir versuchen Französisch zu sprechen, klebt die Marken sogar auf die Postkarten und wirft sie für uns ein. Nach 54 Minuten ist der Postbesuch erledigt.
Bevor wir in Nouméa Wurzeln schlagen wird es Zeit die Marina wieder zu verlassen und ein wenig segeln zugehen.