Unser Jahr beginnt mit einem Feuerwerk. Am 1. Januar gibt es ein großes offizielles Feuerwerk, das ganz familienfreundlich um 20 Uhr stattfindet. Wir laufen zum Croix de Lorraine auf dem Hügel, von dort haben wir einen guten Blick. Auf die Idee sind auch viele andere gekommen und gemeinsam sehen wir uns das schöne Feuerwerk an.
Wir nutzen das schöne Wetter für einige Ausflüge und geraten regelrecht in Freizeitstress. Wir folgen kleinen Straßen durch die Berge und stellen fest, dass es in Nouméas Umgebung oft gar nicht so einfach ist ans Wasser zukommen. Dort wo wir ein Picknick machen wollten, treffen wir nur auf Zäune, überall „Gated Communities“, abgeschlossene Wohnanlagen.
Hier wohnt man hinter hohen Toren.
Im Süden, in der Nähe des Parc Riviere Bleu, wo es uns so gut gefallen hat, besuchen wir die Chute de Madeleine. Der Wasserfall läuft praktisch über, der kleine Fluss führt so viel Wasser, dass ein Teil des Weges gesperrt ist. Hier gibt es auch einen botanischen Spazierweg, auf dem viele der hier wachsenden Pflanzen erklärt werden. Es macht Spaß ein Stückchen zu laufen, es ist in der Sonne aber sehr warm, da passt uns so eine übersichtliche Runde gut ins Programm. Wir folgen der Straße noch ein wenig und werfen einen Blick auf die Baie de Prony mit der Ilot Casy in der Mitte, einem unserer liebsten Ankerplätze hier. Dann werden die Schlaglöcher immer größer und wir kehren um. Vor den „nids des poules“, den Schlaglöchern, warnen zahlreiche Schilder. Wir freuen uns über den netten Begriff, heißt es doch wörtlich übersetzt „Hühnernester“, und lernen einen neues französisches Wort.
Achtung Hühner! Ach nein, Schlaglöcher!
Eine lange Fahrt Richtung Norden führt uns nach Bourail. Die kleine Drei-Buchten-Wanderung bringt uns ordentlich zum Schwitzen und belohnt mit schönen Ausblicken. Am Schildkrötenstrand beobachten wir wie Naturschützer ein Nest mit Schildkröteneiern schützen. Fast zufällig machen wir am Rathaus in Farino eine Pause und genießen die fantastische Sicht über die Küste. Hier gibt es auf vielleicht 250 m Höhe eine schattige Terrasse, der ideale Ort für unser Picknick.
Ausblick vom Rathaus in Farino
Am nächsten Tag geht es wieder ganz in den Süden der Insel, diesmal fahren wir noch weiter am großen Stausee Lac Yaté entlang. Wir wollen uns den Staudamm ansehen. Seit 1959 wird hier ein Teil der Energie für Nouméa gewonnen. Der Stausee ist viel voller, als noch vor ein paar Wochen. Ein Wanderweg führt durchs Flussbett unterhalb des Damms, der ist aber zurzeit gesperrt, es zu gefährlich das Flussbett zu queren. Wir laufen nur ein Stückchen auf dem Wanderweg, der dem Fluss folgt. Auch hier sind wir wieder von der vielfältigen Flora beeindruckt, so viele interessante Pflanzen, so viele spannende und fremde Wuchsformen. Wir fahren bis zu dem kleinen Ort Yaté, wo der Fluss ins Meer mündet. Der Ort ist sehr klein und sehr ruhig, hier gibt es eine nagelneue LED-Straßenbeleuchtung und gerade wird ein Fußweg für knapp 2 Mio. Euro gebaut. Fußgänger sehen wir nicht. Wir machen uns auf den Rückweg und beobachten die Vögel am Aussichtspunkt.
Sicher habt ihr es schon bemerkt! Wegen des großen Erfolgs seines blauen Hemds, hat Nobbi nun auch noch eins in Rot bekommen!
Wir wünschen euch ein wunderbares, spannendes und schönes neues Jahr, sowie ein glückliches Händchen für die kleinen und großen Entscheidungen, die in 2023 anstehen. Uns wünschen wir eine schöne Fortsetzung unserer Reise und hoffen, dass die Zukunft in ähnlich goldenem Licht vor uns liegt, wie unsere Mari auf diesem Foto.
Fast täglich sind wir zu Fuß in Nouméa unterwegs, wir machen Besorgungen, gehen einkaufen oder unternehmen einfach einen Streifzug. Und immer wieder entdecken wir Neues. In Singapur hätten wir uns nicht über eine Hundewaschanlage gewundert, aber in Nouméa waren wir doch überrascht. Eine Art Badewanne mit Schlauch. Das funktioniert so ähnlich wie beim Auto, man hat die Wahl zwischen unterschiedlichen Programm, mit Shampoo, Anti-Parasiten-Shampoo und Trockenprogramm. Waschen und Föhnen darf man seinen Hund aber doch selber. Einmal sauberer Hund kostet etwa acht Euro. Centre d’Art lesen wir im Stadtplan, das hört sich doch an, als könnte es dort etwas zu sehen geben. Im Prinzip handelt es sich um einen Veranstaltungsraum mit einer Bühne und es gibt eine ganz kleine aber interessante Ausstellung. Wir verstehen es so, dass an der Entstehung der Ausstellung viele verschiedene Menschen beteiligt waren. Es geht um Kunst und Natur. Macht Natur Kunst? Was ist Kunst? Viele tolle Ideen, die mit einfachen Materialien umgesetzt wurden. Das Croix de Lorraine steht auf einem der vielen Hügel der Stadt und ist ein Denkmal für die Gefallenen der Weltkriege. Von hier bietet sich ein atemberaubender Ausblick über die Stadt. Auf dem Hügel gibt es tolle Grundstücke, wir entdecken unser Traumhaus oder eher gesagt unsere Traumterrasse. Das moderne Gerichtsgebäude fällt auf, einige Gebäudeteile stehen auf Stelzen am Hang. Vom Hügel aus, können wir uns auch die anderen Gebäude ansehen.
Gestern begann der Tag für uns richtig lustig. Als Nobbi mit einem Baguette in der Hand die Bäckerei verlässt, hört er hinter sich „Oh geil. Guck mal den Franzosen mit dem Baguette. Das ist Lebensart!“. Schon vor dem Frühstück wurde er fotografiert. Die „Aida Mar“ lag im Hafen von Nouméa und hatte lauter deutsche Touristen an Bord. Es war lustig mal wieder die Gespräche im Supermarkt verstehen zu können. Wir wussten schon zwei Tage vorher, dass die Aida kommt. Die Verwandtschaft einer Segler-Freundin ist gerade an Bord. Und Klatsch und Tratsch unter Seglern funktioniert auch über Ländergrenzen hinweg. Übrigens, der begeisterte Baguette-Fan hatte natürlich Recht. Wir genießen es, unsere Tage meistens mit einem leckeren Baguette zu beginnen. Das Baguette wurde kürzlich von der UNESCO zum Weltkulturerbe erklärt, wie gut wir das verstehen können.
Nach unserem Unfall am 19. Oktober sind wir einerseits froh, dass nichts Schlimmeres passiert ist aber doch betroffen, dass es ausgerechnet unsere Hydrovane erwischt hat. Sofort haben wir die kaputte Anlage gesichert. Am nächsten Tag (Tag 1 nach dem Unfall) bauen wir die beschädigte Windsteuerung ab, machen eine Bestandsaufnahme und schreiben eine Mail an Hydrovane. Einige Mails gehen hin und her. Zum Glück melden sie sich sofort. Wir brauchen einen neuen „main frame“, in diesem Gehäuse ist die Steuereinheit aufgehängt, die Windfahne und Ruder verbindet. Das benötige Ersatzteil ist lieferbar. Einige Schrauben wurden von imperial auf metrisch umgestellt, wir bekommen zusätzlich metrische Bolzen und Schrauben, damit es da keine Probleme gibt. Die Kommunikation ist etwas mühsam. Das Büro von Hydrovane ist an Kanadas Westküste, die Produktion sitzt in England und wir sind in Neukaledonien. Eleganter kann man sich kaum über den Globus verteilen. Mindestens bei einer Partei ist immer Nacht oder Wochenende. Endlich bekommen wir die Rechnung (Tag 6), überweisen sofort und freuen uns, dass das Paket nun bald, wenn das Geld eingegangen ist, verschickt werden kann. Trotz aller Hürden, denn wir ankern weit von Nouméa entfernt, haben nur ein kleines Datenvolumen mit wenig Guthaben (Telefongespräche ist Ausland sind nicht billig) und unsere deutschen Telefone funktionieren hier gar nicht (keine Verträge mit dem Netzanbieter) sind wir froh, das Problem so schnell in den Griff bekommen zu haben.
Die Windsteueranlage ist geknickt und wir sind es auch.
Der gebrochene Rahmen
Der Riss verläuft (natürlich) durch die Gewindebohrungen.
Nach ein paar Tagen wundern wir uns, dass wir noch keine Trackingnummer haben und fragen bei Hydrovane nach. Unser Geld ist noch gar nicht angekommen. Am 3. November (Tag 15 nach dem Unfall) rufen wir das erste Mal unsere Bank an. Die Mitarbeiterin ist freundlich und gut geschult. Eine Euro-Auslandsüberweisung in einer Nicht-EU Land (GB), sollte schnell gehen, könnte aber schon 4 bis 5 Tage dauern. Die Tage gehen dahin, wir bitten Hydrovane noch mal nachzuschauen, ob das Geld nicht inzwischen angekommen ist. Inzwischen kommunizieren wir bei Hydrovane direkt mit der Dame aus der Rechnungsabteilung. Sie ist sich sicher, das Geld ist nicht da. Am 9. November (Tag 21) rufen wir wieder unsere Bank an. Die Dame ist sehr freundlich, aber wir fühlen uns nicht erst genommen, als sie uns erklärt, Auslandsüberweisungen könnten schon mal 10 Tage dauern. Sie lässt sich überzeugen, dass es nicht normal ist, dass das Geld irgendwo verschwindet und richtet einen Suchauftrag ein. Es passiert nichts, das Geld taucht nicht bei Hydrovane auf und wir hören nichts von unserer Bank. Um das Ganze ein bisschen interessanter zu gestalten kann Nobbi zwischenzeitlich nicht mehr auf sein Konto zugreifen. An Tag 27 rufen wir wieder bei unserer Bank an. Diesmal hat Nobbi keine freundliche Mitarbeiterin am Telefon, die wenigstens so tut, als würde sie da jetzt aktiv werden, sondern einen einigermaßen unfreundlichen Mitarbeiter. Er Nobbi erklärt „es sei eben Fachkräftemangel, da könne man nicht erwarten, dass sich um unser kleines Anliegen schon jetzt gekümmert würde“. Niemand hätte sich damit bisher beschäftigt, wann das der Fall sei wisse er auch nicht. Nach einem interessanten Wortwechsel, in dessen Verlauf Nobbi dem Mitarbeiter erklärt, dass er es bemerkenswert fände, dass ein Bankmitarbeiter die Ansicht vertritt, es sei normal das 1000 Euro einfach verschwinden. Nach dem unerfreulichen Telefonat sind wir kein bisschen schlauer. Es ist nicht so einfach Nobbi so richtig wütend zu machen. Aber jetzt ist Schluss. Die Bank bekommt Beschwerde Emails auf allen verfügbaren Kanälen und ganz analoge Brief-Post. Das Familiennetzwerk druckt den Brief aus und wirft ihn ein. Nun kommt Bewegung in die Sache. Nobbi bekommt eine Email. Die Empfängerbank hat lauter Fragen und deshalb die Zahlung nicht weitergeleitet. Seit wann die Anfrage wohl vorliegt, wir werden es nie erfahren. Die offenen Punkte sind leicht zu klären: Ist Marisol ein Handelsschiff? Hat es eine IMO Nummer? Welcher Heimathafen? Sollen die Teile nach Afghanistan oder Iran ausgeführt werden? Kurz darauf meldet sich Hydrovane. Sie haben das Geld erhalten. Inzwischen haben wir unsere Rechnung ein zweites Mal bezahlt. Mit Kreditkarte in US Dollar. Sie buchen uns das Geld zurück. Auf den Kreditkartengebühren von fast 40 Dollar bleiben wir sitzen. Nachdem Theater ist für uns klar, das nächste Mal werden wir auf eine Kreditkartenzahlung bestehen, auch wenn Hydrovane die Zahlung per Überweisung vorzieht.
Endlich ist unser Paket unterwegs. Am 25. November (Tag 37) verlässt unser Paket Nottingham und macht eine interessante Reise (Reiseanbieter ist FedEx). Nottingham – Feltham – Stansted – Paris (26.11.) – weiter geht’s nach Indien, New Delhi (27.11) – China, Guangzhou – Singapur (28.11) – und erreicht am 29.11. schließlich Matraville bei Sydney. Bis nach Australien ging es also wirklich schnell. Jetzt wird es mühsam, unser Paket macht einen längeren Australienurlaub und trifft am 7.12. schließlich in Nouméa ein. Am 8. Dezember (Tag 50) taucht in der Nachverfolgung ein neuer Status auf: Verspätet „due to clearance reasons”. Unsere Sendung ist anscheinend beim Zoll. Nun passiert erstmal nichts, dann bekommen wir eine Mail, nicht etwa von FedEx, sondern von einem Agenten. Wir sollen Zollpapiere ausfüllen. Entweder füllen wir die Papiere aus und schicken sie an die Agentur, Preisliste liegt bei, oder wir gehen selbst ins FedEx-Büro. Alles natürlich auf Französisch. Wir hängen zu diesem Zeitpunkt gerade an einer Boje vor einer kleinen Insel in der Lagune und müssen erst nach Nouméa zurückfahren. Am Freitag den 16. Dezember laufen wir morgens zu FedEx. Dort füllen wir die Zollerklärung aus und geben auch eine Kopie unseres Zollpapiers fürs Boot ab, denn so ein Ersatzteil erfüllt eigentlich eindeutig die „Yacht in Transit“ Bedingungen und ist damit zollfrei. Dann ist erst mal Wochenende. Am Montag bekommen wir wieder eine französische Email der Agentur, die quasi FedEx entspricht (gleiches Büro, gleiche Mitarbeiter). Wir können unser Paket abholen. Die Mail kommt um 16.45, das Büro schließt um 17 Uhr. Am nächsten Tag laufen wir wieder zu Fedex, bezahlen einen kleinen Betrag Zoll. Warum wir worauf jetzt Zoll bezahlen, verstehen wir nicht so ganz. Vielleicht auf den Versand? Die Zollpapiere bekommen wir per Mail, immerhin acht Seiten. Inzwischen ist uns das auch alles ziemlich egal. Endlich bekommen wir unser Paket ausgehändigt und schleppen es nach Hause. Übrigens, wir hätten auch vereinbaren können, dass es uns in den nächsten Tagen geliefert wird… Als wir wieder an Bord sind erhalten wir eine Email von FedEx, dass unsere Lieferung wurde zugestellt wurde. So könnte man das auch beschreiben. Inzwischen sind 62 Tage seit unserem Unfall vergangen.
Zusammengefasst: Die Lieferung ist nach 3,5 Wochen eingetroffen. Das war ein Express Versand mit FedEx für 300 Euro. Dreieinhalb Wochen nach Neukaledonien ist gar kein schlechter Wert. Wir kennen unendlich viele Geschichten von Paketen, die irgendwo im Zoll hängenbleiben, die eine Weltreise machen und dann wieder in Deutschland auftauchen, die verschwinden oder nach Monaten doch noch ausgeliefert werden. Seit der Pandemie (die Dauerentschuldigung in vielen Bereichen) ist es noch schlimmer geworden. Manchmal läuft es auch super. 2019 haben wir ein Paket nach Neuseeland bekommen. 3 Tage von SVB (Bremen) nach Opua!
Wir bauen die Windsteueranlage wieder zusammen. Alles passt perfekt. Wir wollen erwähnen, dass wir sehr zufrieden mit der Kommunikation des Hydrovane-Teams waren, Fragen wurden schnell beantwortet und die Lieferung wurde auch von ihrer Seite verfolgt. Inzwischen haben wir uns die gebrochene Anlage schweißen lassen. Obwohl wir mehrfach gehört hatten, Aluguss könne man nicht schweißen. Charly hat ganze Arbeit geleistet, die Teile perfekt aufeinander gesetzt und nachbearbeitet, so dass sogar die Bolzen in die gebrochenen Gewinde passen. Welche Festigkeit das Teil hat? Das können wir nicht sagen, denn natürlich konnte der Riss nur von außen geschweißt werden. Im Notfall hätten wir mit dieser Reparatur die Überfahrt nach Australien gewagt. Für uns fühlte es sich gut an, eine Alternative zu haben, während etwas unklar war, ob es hier nun mit dem Liegeplatz klappt.
Die reparierte Anlage. Hier kann man die Schweißnaht gut erkennen.
Weihnachten waren wir segeln. Einfach so, zum Spaß. Das Wetter war viel segelbarer als angenommen, denn es sah erst so aus, als wäre gar kein Wind. Also haben wir die Gelegenheit genutzt, Ruder und Windfahne angebaut und die Hydrovane-Anlage getestet. Unsere „Ursel“ steuert hervorragend, genau wie wir es kennen. Wir sind sehr glücklich, damit ist das Team wieder komplett!
Wir wünschen euch ein schönes und besinnliches Weihnachtsfest. Den meisten von euch Lesern sind wir einige Stunden voraus. Während ihr vielleicht letzte Einkäufe macht, den Baum schmückt, mit dem Hund spazieren geht, die Kinder auf dem Spielplatz lüftet oder ein Geschenk verpackt, gehen wir nun gleich zum gemütlichen Teil über, genießen unser Festessen und sind gespannt, ob wir ein Dugong mit Weihnachtsmütze sehen.
Das Leben in der Marina Port Moselle hier in Nouméa ist ein wenig vergleichbar mit dem Leben in einer Reihenhaussiedlung. Anders als in vielen anderen Südsee Destinationen gibt es hier eine starke einheimische Seglerszene. In vielen Häfen in denen wir auf unserer Reise waren, liegen fast nur Langfahrer, die für einige Tage oder Wochen dort Station machen. Das ist hier anders. Fast alle Boote hier gehören Menschen, die in Nouméa leben. Eine weitere Besonderheit ist, dass sehr viele Boote dauerhaft bewohnt sind. Morgens machen sich die Bewohner von ihren Booten auf den Weg zur Arbeit und die Kinder gehen in den Kindergarten oder die Schule. Vor einigen Booten stehen Blumenkästen mit mehr oder weniger dekorativen Pflanzen und natürlich gibt es auch Haustiere. Mehrere Hunde wohnen auf unserem Steg, eine Katze ist besonders gerne nachts unterwegs und hinterlässt gelegentlich Tatzen-Abdrücke bei uns an Deck. Sein Fahrrad hängt man einfach über den Anker am Bug. Es gibt einen klaren Rhythmus. In der Woche liegen die meisten Boote auf ihren Liegeplätzen, an Wochenende fahren viele raus und genießen die schönen Plätze in der Umgebung der Lagune. Am Montag haben die Sommerferien begonnen und die Festtage stehen an, das merkt man. Viele Bewohner verreisen und haben Segel und Biminis abgeschlagen. Es ist etwas ruhiger als sonst.
Lustige Randbemerkung, wir kennen das schon aus anderen französischen Häfen, viele Paare duschen gerne gemeinsam. Eine, wie ich finde, nette und typisch französische Lösung ist das Schild an der Damendusche, dass man das gemeinsame Duschen in die Herrendusche verlegen soll. Ebenfalls typisch französisch und sehr sympathisch, werden solche Schilder eher als allgemeiner Hinweis verstanden.
Seit dem 10. Dezember gibt es das Fete de la Lumiere, das Lichterfest. Eine weitere Weihnachtsattraktion auf dem zentralen Platz. Um 19 h, bei Einbruch der Dunkelheit, geht’s los. Aus Lautsprechern erklingen Weihnachtslieder, fast jeder Baum und jede Palme ist beleuchtet, auf einem Weg tanzen Lichtpunkte, die die Farbe wechseln, eine Krake sitzt auf dem beleuchteten Museum und auf die Wand des Rathauses werden Weihnachtsornamente und Fotos von Passanten projiziert. Der besondere Clou: alle paar Minuten schneit es am Weihnachtsbaum! Wem es zu warm für Schnee ist, der kann ausprobieren wie es sich im Kalten anfühlt. In zwei Kühlcontainern sind eine kleine Rutsche, eine Curlingfläche und einige Eiswürfel aufgebaut bei -18 Grad. Die Schlange ist an den meisten Abenden lang, viele möchten sich für fünf Minuten abkühlen. Die Stadt lässt sich wirklich viel einfallen! Wir gehören zu den regelmäßigen Besuchern. Um halb sieben beginnt die Vorstellung am „Musik Pavillon“. Davon haben wir letzte Woche schon berichtet, Artisten, Tänzer oder Clowns treten auf. Anschließend führt der Nachhauseweg an den Lichtern vorbei. Als wir uns am Freitag das erste Mal in den Weihnachts-Lichtertrubel gestürzt haben, kamen wir so weihnachtlich gestimmt zurück, dass wir danach „Tatsächlich Liebe“ gesehen haben. Noch schöner als die Lichter zu betrachten ist es aber sich die Kinder anzusehen. Das Staunen, der Spaß wenn sie versuchen die Lichterpunkte zu jagen und die Aufregung, wenn sie ihren Wunschzettel in den Briefkasten vom Weihnachtsmann einwerfen. Bis Weihnachten werden wir uns abends sicherlich noch einige Male eine Ladung weihnachtlicher Gefühle abholen.
Wir stehen mit unseren Teebechern an Deck und beobachten einen Rochen, der unter Mari hindurch schwimmt. Noch vor dem Frühstück waren wir ausgiebig Schnorcheln und haben gerade unsere Handtücher auf den Seezaun gehängt. Es ist so klar, dass wir eigentlich nicht ins Wasser müssen um Fische zu beobachten. Nach fünf Wochen in der Marina, war es Zeit das Türkisitäts-Konto aufzufüllen. So bequem das Leben am Steg auch ist, wurde der Wunsch nach ein paar Tagen „draußen“ immer größer. Wir haben einige wunderbare Tage am Anker bzw. an der Boje verbracht. Obwohl wir die meisten Plätze, die wir besucht haben, schon kannten, gab es einiges zu entdecken. Letzten Samstag ging es los. In die Baie de Papaye, eine schöne Bucht der Hauptinsel, sind es nur einige Meilen. Nach zwei Nächten sind wir in die Nachbarbucht Baie de Maa umgezogen, dann ging es weiter nach Ilot Laregnere und auf dem Heimweg haben wir noch einen Stopp bei Ilot Maitre eingelegt. Wir beobachten die Hirsche in der Baie de Maa, werden an der Boje an Ilot Laregnere immer wieder von der Luftwaffe überflogen und sehen den Lotsenbooten zu, die die großen Schiffe in den Hafen bringen. Die Nächte waren ruhig und sternenklar. Lange saßen wir an Deck, haben uns Sterne, Planeten und Satelliten angeguckt. Mit dem Fernglas kann man sehr schön sehen wie Sterne weiß, blau, rot oder grün funkeln. Nobbi hat mir viele wahre Geschichten über Sternenbilder und einige etwas kreativere über ihre Benennung erzählt. Wie so oft hat das Seglerleben eine kleine Überraschung für uns. Unser Unterwasserschiff ist ganz schön stark bewachsen und scheint sich gar nicht an dem recht frischen Antifouling zu stören. Für sportliche Betätigung ist also gesorgt. Wir putzen Maris Bauch mit einem Pfannenwender aus Holz. Das hält fit. Am schönsten sind die Tage mit sehr wenig Wind, die wir an der Boje an Ilot Laregnere verbringen. Wir Schnorcheln mehrmals am Tag, schwimmen an den Strand der kleinen Insel und genießen die grandiosen Farben. Es ist unglaublich schön. Blau und türkis in allen Schattierungen. Als Kulisse die Hauptinsel Grand Terre mit ihren hohen Bergen, ausnahmsweise fast wolkenlos. Ausgiebig diskutieren wir die Frage, ob die Baby-Schlangen als niedliche gelten. Nobbi hat beim Schnorcheln lauter kleine, niedliche Schlangen gesehen. Ich finde sie faszinierend und sie sehen so perfekt aus, mit ihrer glänzenden Haut und dem eleganten Muster. Aber niedlich??? Von Nachrichten, Social Media und Co sind wir hier weitgehend abgeschnitten. Die interessante Preispolitik unserer Touristen-SIM-Karte sorgt dafür, dass wir nur ein kleines Datenpaket haben, das wir hauptsächlich nutzen um die Wettervorhersage abzufragen. Dass Frankreich im Fußball-WM-Finale steht wissen wir, als ein fünf Meter langes Motorboot mit einer 4 Meter großen Frankreich Flagge vorbeifährt. Das Sahnehäubchen auf dieser wunderbaren Woche ist die letzte Nacht bei Ilot Laregnere, als mehrere Dugongs im Mooringfeld unterwegs sind. Schade, dass es so dunkel ist. Wir hören ihr Prusten. Es scheinen vier Tiere zu sein, die immer wieder auftauchen. Schließlich kommen sie so dicht ans Boot, dass wir ihre Körper erkennen können. Gerne hätten wir noch ein paar Tage am Anker verbracht, das Wetter ist noch immer wunderbar, unser langerwartetes Paket ist jedoch in Nouméa angekommen und steckt beim Zoll fest. Wir müssen uns darum kümmern und deshalb liegen wir nun wieder an unserem Platz in der Marina.
Wer gewonnen hat? Eindeutig Frankreich.
Dies ist kein Baby, sondern ein mittelgroßes Exemplar. Niedlich?
Unsere Nachbarin macht einen Abendspaziergang auf dem SUP und bietet uns großzügig an ihre Spielzeuge wie Kanus und SUPs zu benutzen.
Der Parc Forestier feiert am 2. Advent seinen 60. Geburtstag. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen. Es gibt einen Shuttle der praktischerweise direkt bei uns „vor der Haustür“ abfährt. Die kleine Bimmelbahn ist weihnachtlich geschmückt. Ein riesiger Teddy, lauter Girlanden, Kugeln, Glöckchen und als Krönung eine Weihnachtskrippe direkt hinter dem Nummernschild. Weihnachtliche Musik spielt, ausgerechnet mit „Last Christmas“ werden wir beschallt. Wir müssen beide lachen und ich denke, dass wir Reisenden hier im Vorteil sind. Niemand, den wir kennen sieht uns mit einem Teddy-Zug und Weihnachtsliedern durch die Gegend gondeln. Übrigens hat die Bimmelbahn viel weniger Probleme mit den steilen Straßen als der Linienbus. Am heutigen Geburtstag ist der Eintritt frei. Im Park gibt es viele kleine und große Aktionen: Stände von verschiedenen Umweltorganisationen, Führungen, Kinder werden geschminkt, dürfen Ponyreiten und Schafe streicheln, Stelzenläufer begrüßen die Besucher, es gibt Theatervorstellungen und einen kleinen Markt. Am Eingang bemalt eine Frau unter den Augen der Besucher eine Wand. Schon das halbfertige Kunstwerk gefällt uns sehr. Wir lassen uns ein Riffschutzprojekt erklären und bekommen ein schönes Poster mit endemischen Bäumen geschenkt. Im Park machen wir einen ausgiebigen Spaziergang und genießen unser Picknick. Am meisten Zeit verbringen wir in der großen Voliere mit den heimischen Vögeln. Obwohl wir nun schon zum dritten Mal hier unterwegs sind, wird uns nicht langweilig. Als der Himmel sich dunkel färbt, machen wir uns auf den Weg zum Ausgang. Während wir auf den Bus warten, blitzt es bereits. Kaum sitzen wir im Bus beginnt es zu schütten. Perfektes Timing!
Die Zeit rennt. Der Kagu zündet heute schon die dritte Kerze an. Kurz vor Weihnachten läuft die Zeit irgendwie schneller als den Rest des Jahres, das ist in Neukaledonien nicht anders als im Rest der Welt. Wir sind beide eigentlich echte Weihnachtsfans, doch es ist so warm und sommerlich, dass nur zarte Weihnachtsgefühle aufkommen. Wir haben wieder unseren Salon geschmückt, die Lichterkette zaubert gemütliches Licht, rote Kugeln dürfen nicht fehlen und auch unseren Weihnachtsflamingo von Bonaire haben wir wieder aufgehängt. Nouméa ist in Sachen Weihnachtsdekoration durchaus konkurrenzfähig. Im Supermarkt hängen nicht nur an vielen Regalen Girlanden, sondern auch an den Kühltheken, viele Straßen sind mit schöner Weihnachtsbeleuchtung geschmückt worden und auf dem zentralen Platz steht ein Weihnachtsbaum samt Briefkasten vom Weihnachtsmann. Auf diesem Platz ist fast jeder Baum und jede Palme geschmückt, ein regelrechtes Lichtermeer, und es gibt jeden Abend eine kleine Vorführung für die ganze Familie, wie zum Beispiel Tanz oder Zirkus. Am ersten Advent waren wir auf einem hübschen Weihnachtsmarkt. Es wurden sehr schöne Dinge angeboten wie Schnitzereien, Aquarelle, Genähtes, Schmuck, also Kunsthandwerk im weitesten Sinne. Strahlendblauer Himmel und 30 Grad, dazu Weihnachtsbäume und Weihnachtsdeko. Wir waren anschließend am Strand. Uns gefällt die warme Vorweihnachtszeit, nur an Glühwein mögen wir nicht mal denken. Euch einen schönen dritten Advent!