Die Königin der Levadas und der westlichste Punkt

Wir sind noch auf Madeira und haben einige Tage mit Baden und kleinen Wanderungen in der Umgebung verbracht, nebenbei am Boot getüddelt und immer wieder nette Segler kennengelernt.
Am Donnerstag haben wir wieder ein Auto gemietet und entscheiden uns für eine weitere Levada-Wanderung. Die Wahl fällt auf die Levada do Rei. Die Königslevada soll sich für eine zauberhafte Wanderung durch den Lorbeerwald anbieten. Diesmal könnrn wir keinen Rundwanderweg laufen, sondern wir wandern auf dem Hin- und Rückweg entlang der Levada. Wir werden nicht enttäuscht, die Levada do Rei bietet alles was man sich von einer Levada wünscht: einen Wasserfall, der einen duscht, einen Tunnel, dichten Lorbeerwald, eine Vielzahl blühender Pflanzen und grandiose Ausblicke. Die Wanderung führt bis zur Quelle der Levada, wo der Ribeiro Bonito, ein Wildbach, die Levada speist. Wir machen eine kleine Rast und Nobbi füttert die zutraulichen Madeira-Buchfinken mit Schokokeksen. Hier treffen wir eine portugiesische Familie, die den heutigen Feiertag für einen Familienausflug nutzt. Wir werden von ihnen ausgiebig mit Kuchen versorgt und treten frisch gestärkt den Rückweg an. Auf dieser Wanderung treffen wir, anders als bei den meisten anderen Touren die wir unternommen haben, häufiger andere Leute. Trotzdem ist es wahrlich nicht überlaufen. Während Nobbi am Wasserfall seine Jacke anzieht, denke ich „wird schon nicht so schlimm werden“ und werde ziemlich nass. Daraufhin höre ich einige Kommentare zur Nützlichkeit von Regenjacken. Wieder am Auto angekommen machen wir uns auf den Rückweg. Wir beschließen der irgendwie nett aussehenden Beschilderung zu einem Café zu folgen und erreichen nach etlichen Kilometern ein kleines Restaurant. Dort essen wir in der Sonne mit fantastischem Meerblick traditionell gegrilltes Hühnchen.
Bevor wir das Auto wieder abgeben wollen wir noch den westlichsten Punkt Madeiras Ponta do Pago besuchen. Deshalb entschließen wir uns eine Inselrundfahrt zu machen. Zunächst kommen wir auf der Schnellstraße flott voran und machen einen ersten Stopp in Calheta. Hier gibt eine kleine Marina, einen künstlichen Strand und einige Hotels. Wir essen ein Eis und schlendern über die Promenade, bevor es weiter geht. Eine kleine Straße führt in unendlich vielen Serpentinen immer weiter in den Westen der Insel. Madeira ist ohnehin nicht überlaufen, doch hier ist es leer. Nur gelegentlich kommt uns ein Auto entgegen. Die Straßenränder leuchten blau und weiß, sie sind gesäumt von Hortensien und Agapanthussen (oder heißt es Agapanthii?). Die Straße führt immer wieder durch lichte Eukalyptuswälder und es riecht leicht nach Hustenbonbons. In Ponta do Pago halten wir an einem Teehaus und machen einen Spaziergang zum Leuchtturm. Nach einem Abstecher nach Cabo zu einer kleinen Kapelle mit gigantischem Ausblick, wo wir viel Spaß mit ein paar ausgebüxten Ziegen haben, fahren wir zu nordwestlichsten Ecke nach Porto Moniz. Porto Moniz ist ein beliebter Ferienort und berühmt für seine natürlichen Schwimmbecken aus schwarzer Lava. Wir genießen den tollen Ausblick und beschließen eine Planänderung. Statt an der Nordküste zurück zu fahren (den Weg kennen wir schon) wollen wir die Hochebene Paul da Serra nochmal sehen. Dort hatte es uns schon während unserer Wanderungen besonders gut gefallen. Die Straße führt auf knapp 1000 m in die Wolken und das Thermometer sinkt auf 14 Grad. Wenig später ist es oberhalb der Wolken wieder sonnig und mit 19 Grad auch wieder deutlich wärmer. Wir halten immer wieder an und freuen uns über spektakuläre Ausblicke, die vielen Kühe und den blühenden Ginster. De Straße verläuft auf fast 1600 m, bis wir schließlich zum Encumeada Pass gelangen. Im Norden kann man entlang einer Schlucht aufs Meer sehen. Wir nehmen die Straße nach Süden und erreichen in Ribeira Brava wieder das Meer. Die Schnellstraße bringt uns zurück in den Osten der Insel. In Machico kaufen wir ein, bummeln durch die kleinen Straßen und essen am Hafen in einem netten Restaurant.
Madeira begeistert uns. Diese unglaubliche Vielfältigkeit, die verschiedenen Landschaften, die fantastische Pflanzenwelt und die grandiosen Ausblicke. Es gibt es noch unzählige Levadas an denen wir gerne entlang wandern würden, doch für uns wird es nun Zeit weiter zuziehen.