Unser Motor läuft wieder – Dr. Diesel weiß Rat

Ihr erinnert euch schwach, dass unser Motor nach dem Reparaturversuch noch immer schwarzes Kühlwasser spuckte, sobald wir die Drehzahl erhöhen. Wir hatten sehr begrenztes Vertrauen zu den Fähigkeiten des Mechanikers. Wie sich herausstellen sollte, nicht zu unrecht. Am Tag nach der Reparatur finden wir eine größere Menge Diesel unterm Motor. Wir machen also alles sauber, genau wie am Tag zuvor. Da hatten wir uns schon geärgert, dass er die Baustelle verlässt ohne aufzuräumen. Dann meldet er sich noch einmal, er hätte noch eine Idee, ob er noch mal vorbeikommen könne. Er kommt und schraubt die Düsen wieder ab. Es stellt sich heraus, dass er die Dichtungen nicht auf der Druckseite eingebaut hat. Genau genommen hatte er also keine Idee, sondern hat seinen Fehler ausgebügelt. Jetzt ist die Bilge wieder voll Diesel. Wir putzen den Motor systematisch und finden noch ein Leck, er hat die Rücklaufleitung nicht wieder richtig angeschraubt. Jetzt haben wir immerhin nur noch das ursprüngliche Problem und nicht zusätzlich noch eine Leckage in der Dieselleitung.

Wir entscheiden uns den Werfttermin abzuwarten. Auch wenn es schwer fällt. Vielleicht liegt es doch am Propeller. Nobbi steigt ins Hafenbecken und putzt wieder den Propeller. Wir filmen den Propeller um zu sehen, ob er richtig in Vorwärts- und Rückwärtsposition faltet. Wir können kein Problem ausmachen. Aber der Rumpf ist stark bewachsen und der Platz um den Propeller dadurch auch etwas begrenzt. Vielleicht gibt es einen Schaden, den wir so nicht erkennen können oder es liegt doch einfach am Bewuchs.
In der Werft stellen wir fest, dass der Propeller tiptop in Ordnung ist. Er wird poliert, abgeschmiert und beschichtet. Als wir mit sauberem Schiff zurück in die Marina fahren stellen wir sofort fest, dass das Problem nicht verschwunden ist. Kaum erhöhen wir die Drehzahl, ist das Kühlwasser voller schwarzer Partikel. Wir sind deprimiert.

Ich gehe ins Marina-Büro und bitte um einen Anruf bei einer Werkstatt, die wir uns bereits angesehen haben. Dort hatte man uns gesagt wir sollen uns melden sobald wir wieder im Wasser sind. Am gleichen Tag wird jemand kommen und sich das Problem ansehen, sagt uns die Marina-Mitarbeiterin. Wir warten also. Gehen abwechselnd duschen und einkaufen, wir können das Boot ja nicht alleine lassen. Als um vier noch niemand aufgetaucht ist geht Nobbi wieder ins Büro. Ein Anruf bei der Werkstatt ergibt, dass niemand mehr kommt und auch in den nächsten Tagen keine Zeit hat. Es wird jemand anders empfohlen, der auch keine Zeit hat, aber jemanden anderes empfiehlt… Das ist doof, wenn man nicht selbst telefoniert gehen alle Zwischentöne verloren und manchmal auch die Hälfte der Information. Nobbi schnappt den Namen Steeve auf und interveniert. Das ist doch der Mechaniker, der schon bei uns war. Nobbi besteht darauf, dass AME angerufen wird. Yoan von AME ist uns empfohlen worden. Und wir haben Glück, er will am nächsten Morgen um 0730h kommen.
Tatsächlich, am Samstagmorgen um sieben steht Yoan am Steg. Er hört sich unsere Geschichte an, lässt den Motor laufen, jagt die Drehzahl mal richtig hoch, fühlt, horcht und fragt. Dann holt er eine Art Stethoskop raus und kann sich so quasi die Zylinder einzeln anhören. Das Stethoskop bringt ihm den Spitznamen „Dr. Diesel“ ein. „Da stimmt was nicht mit der Kompression, aber ich denke es liegt am Auspuff“ ist sein Urteil. Er schüttelt den Kopf, dass sein Kollege da war, die Einspritzdüsen ausgebaut, aber keine Kompression gemessen hat, dass er den Dieselfilter nicht gewechselt hat, dass er den Ventildeckel hochgenommen hat, aber kein Ventilspiel gemessen hat.
Wir versuchen uns nicht zu ärgern, hatten wir doch Ostern versucht den Vorgänger dazu zu überreden den Abgaskrümmer abzunehmen, wir hatten ihn nicht runterbekommen. Jetzt sind wir froh, dass wir einen engagierten Profi an Bord haben, der fröhlich pfeift und sich nicht entmutigen lässt. Zwei der Bolzen sind völlig fest korrodiert. Über Kopf, mit allerlei Spezialwerkzeug, ganz viel Kraft und noch mehr Knowhow braucht er über zwei Stunden um Krümmer und Motor zu trennen. Der Krümmer ist dicht. Nur noch ein kleines Loch lässt die Abgase entweichen. Wenn man mehr Gas gibt, kommen die Gase nicht mehr aus dem Motor und drücken zurück, deshalb hört der Profi es dann Zylinder für Zylinder nach innen drücken.
Nachmittags kommt er mit einem frisch in Volvo-grün lackierten Ersatzteil wieder. Unser Krümmer war nicht nur dicht, sondern auch korrodiert. Der neue ist flott eingebaut, der Motor springt sofort an und schnurrt. Weit über 3000 Umdrehungen und keine schwarzen Schwaden in Sicht. An Bord von Marisol hört man Steine vom Herz des Skippers in die Bilge fallen.
Montagmorgen kommt Yoan wieder und stellt das Ventilspiel ein. Außerdem besorgt er uns noch einen neuen Dieselfilter, den er auch noch selbst vorbeibringt, als er hört, dass wir kein Auto haben. Montag (der 8. Mai) war übrigens ein Feiertag! Und das Einstellen der Ventile berechnet er nicht mal.
Wir können Yoan uneingeschränkt empfehlen: er weiß was er tut, er hat uns alles toll erklärt, er ist engagiert und sehr gewissenhaft, und ist ein sehr sympathischer Typ. (L’AME Yoan Fleurot 74.09.98).

Werfttage

Am Dienstag ging es in die Werft. Einmal diagonal durchs große Hafenbecken, keine Meile entfernt. Pünktlich um zehn hängen wir in den Gurten des Travel-Lifts. Der Moment des Kranens ist immer spannend, dass Maris Bauch bewachsen ist, wissen wir. In den letzten Wochen und Monaten haben wir das Unterwasserschiff immer wieder schnorchelnd geputzt, wir sind also über die starke Besiedelung mit Kalkröhrenwürmern nicht erstaunt. Zusätzlich wächst irgendwas, das an lange Haare erinnert auf Maris Bauch. Das kannten wir noch nicht.
Wir kratzen den Bewuchs ab und dann reinige ich das Schiff mit dem Hochdruckreiniger, während Nobbi den Propeller mit der Bohrmaschine poliert und ihn abschmiert. Wir haben einen Drehflügelpropeller, der geschmiert werden muss. Die Kalkröhren lassen sich gut abkratzen, problematisch sind die Seepocken, ihre Kalkbasis bleibt auf dem Rumpf. Wir haben tausende dieser Pockenfüße überall auf dem Rumpf verteilt. Zum Glück können wir den Rumpf immer wieder nass machen, dadurch staubt es nicht.
Wir wollen vorankommen und machen keine Pause. Als es um sechs dunkel wird, sind wir völlig fertig. Der Weg zu den Toiletten erscheint unendlich weit und wir sind zu müde zum Lesen oder Fernsehen.

Mari taucht auf.
Lange Haare. Das hatten wir noch nie.
Ein Rumpf – ein Lebensraum.
Ein Teil der Ernte.

Mittwoch haben wir ein straffes Programm. An der Kielsohle sind einige kleine Roststellen, die wir mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine blank schleifen, dann sofort mit Rostumwandler behandeln und schließlich mit Metallschutzfarbe überstreichen. Der Propeller bekommt eine Beschichtung mit PropOne, damit er möglichst lange frei von Bewuchs bleibt. Am Skeg des Ruders gibt es eine kleine Macke: schleifen, spachteln, schleifen, spachteln, schleifen. Das gute Wetter hilft sehr, alles trocknet ganz schnell.
Und dann sind da ja noch lauter Seepockenfüße. Ich kratze und kratze. Reste des altes Antifoulings und übrig gebliebenen Kalk der Würmer schleifen wir nass mit 120er Schleifpapier ab. Wie gut, dass hier neben jedem Platz ein Wasserhahn ist. Das Nassschleifen ist eine Sauerei, aber da es nicht staubt ganz angenehm. Außerdem kann man sich selbst immer mit abwaschen und abkühlen.
Nachmittags tragen wir noch die Grundierung auf. Mari sieht ganz hübsch aus mit silbernem Bauch. Einen kleinen Schreck bekommen wir, als sich die erste Farbrolle beim Malen auflöst, die nächste Rolle zerlegt sich auch. Nobbi sprintet zum Farbenladen, doch die Rollen werden erst wieder in zwei Monaten geliefert. Glücklicherweise finden wir im Farbschapp noch Rollen, die geeignet sind. Es geht doch nichts über eine gut sortierte Langfahrtyacht.
Heute haben wir viel geschafft und sind zwar müde, aber nicht so erschlagen wie am Abend zuvor. Und wir sind stolz auf uns. Die harte Arbeit hat sich gelohnt, wir liegen im Zeitplan. Wir träumen von einem entspannten Abend, doch dieser ist uns nicht vergönnt. Das Boot gegenüber wird gesandstrahlt. Es hat bereits nachmittags begonnen und ist so laut, dass wir uns anschreien müssen, um uns zu verständigen. Erst hoffen wir noch, dass sie irgendwann aufhören, leider tun sie das nicht. Gegen halb zehn machen sie eine Pause, wir gehen ins Bett. Um halb elf geht es weiter, bis halb eins nachts. Selbst mit geschlossener Luke ist es sehr laut, es ist unmöglich sich zu entspannen oder gar einzuschlafen. Um Viertel vor sechs lassen sie ihre Höllenmaschine wieder an, dann machen sie noch mal eine Pause, aber wir sind nun wach. Völlig gerädert starten wir in den neuen Tag, noch müder sind die beiden, die die halbe Nacht gearbeitet haben. Sie sehen furchtbar aus.

Kratzen, Schleifen, Waschen.
Silber ist auch schick!

Donnerstag hat Nobbi Geburtstag, doch die Feierlichkeiten sind sehr übersichtlich. Wir müssen heute nur noch Antifouling malen. Wir beginnen ein bisschen den Rumpf über der Wasserlinie zu putzen und entscheiden dann, dass wir das auch noch im Wasser machen können. Wir sind müde.
Das Antifouling malen geht zu zweit recht flott. Wenn uns nur die Arme nicht so wehtun würden. Die ganze Zeit wird übrigens gesandstrahlt, wir schreien uns also wieder an. Während des Mittagessens geht ein kleiner Schauer nieder und wir sind froh, dass Mari schon eine Schicht Antifouling bekommen hat. An dem kleinen Snack auf dem Werftgelände haben wir einen Sitzplatz unter einem Sonnensegel gefunden, das den Regen abhält. Das Essen ist super. Es wird in einem gebackenen Korb aus Brotteig serviert und ist liebevoll dekoriert. Mit einer Blüte aus einer Chili, Frühlingszwiebelringen und rosa Pfeffer. Zum Nachtisch gibt es Maracuja-Törtchen und Kaffee. Wenigstens ein kleines bisschen Geburtstagsgefühl.
Nachmittags bekommen Ruder, Vorderkante vom Kiel und Wasserpass eine zweite Schicht Antifouling. Dann räumen wir auf. Diese Ruhe abends, unglaublich erholsam. Wir sitzen hoch oben im Cockpit beim Sundowner und genießen den Blick auf Nouméa.

Fertig!

Freitagmorgen wird Mari vom Travel-Lift angehoben, damit wir die Stellen mit Antifouling malen können, an denen vorher die Stützen standen. Kurz warten, dass sie Farbe trocknet, dann geht es wieder ins Wasser. Genau 3 Tage nach dem wir aus dem Wasser gehoben wurden schwimmen wir wieder. Das wäre alles super gewesen, hätte es nicht den ganzen Morgen gegossen. Wir sind also ziemlich nass, als wir wieder in der Marina ankommen.

Nobbi malt im strömenden Regen. Ob die Farbe hält?

Insgesamt hat es gut geklappt, war aber unglaublich anstrengend. Das nächste Mal brauchen wir etwas mehr Zeit, weniger Seepocken oder Hilfe. Und weniger Lärm! Abgesehen vom letzten Morgen war das Wetter auf unserer Seite, in der Woche zuvor hat es sehr viel geregnet, wir aber hatten fantastisches Wetter.
Die Sodemo-Werft hat uns gefallen, alles lief sehr professionell und gut gelaunt ab. Die Stellplätze sind großzügig und haben einen Wasser- und Stromanschluss. Alle Boote können jederzeit ausgeparkt werden. Die Toiletten/ Dusche sind grenzwertig. Wir haben uns für eine Dusche unterm Wasserschlauch neben dem Boot entschieden. Es gibt hier keine merkwürdigen Vorschriften, selbst arbeiten und an Bord schlafen ist erlaubt. Die Leute, sowohl Mitarbeiter, als auch Kunden sind nett, die Stimmung ist angenehm. Und auch preislich war der Landausflug absolut im Rahmen.

Die Werft ist weniger auf Langfahrer eingestellt, als auf Einheimische. Man muss selbst für eine Leiter sorgen um an Bord zu kommen und seinen Hochdruckreiniger mitbringen. Hier kommt Carl vom Farbenladen ins Spiel. Bei ihm kann man beides mieten, Kunden bekommen es kostenlos ausgeliehen. Er ist ein netter Typ, der uns gut beraten hat und sich kümmert.
Wir sind in den Genuss eines ganz besonderen Services gekommen. Bert und Jacqueline haben uns jeden Tag besucht, mitgefiebert und uns mit Kaffee, Kuchen und frischem Baguette versorgt. Das war toll!

If I had a hammer

Das Haithema ist hier nach wie vor aktuell. In und um Nouméa ist das Baden weiterhin verboten. Wassersport wie surfen und kiten ist meistens erlaubt, nur alle paar Wochen verboten, wenn Jagd auf die großen Haie gemacht wird. Wir haben hier im Hafen noch keinen Hai gesehen. Doch ich hatte zu dem Hammerhai, den wir vor einigen Wochen gesehen haben, noch eine kleine Idee.

Bootsgetüddel

Freitagabend sind nur 24 Grad. Ich friere, habe aber überhaupt keine Ambitionen mir etwas Wärmeres anzuziehen. Ich versuche bei unseren Getränkezuständigen einen Glühwein zu ordern und werde ausgelacht.
Mitte der Woche hat es unglaublich geregnet und es gab ein paar Sturmböen. Wenn man gut geschützt in der Marina liegt, kann man sich das ganz in Ruhe ansehen.

Wir tüddeln am Boot rum. Ihr fragt euch was wir da die ganze Zeit machen? Wir uns auch. In den letzten Wochen und Monaten haben wir viele kleine und einige größere Dinge erledigt. Über die Neuverkabelung der Ankerwinsch mit dem Relais in der Vorschiffskabine und den Lageraustausch in der Steuersäule hatten wir schon berichtet. Die meisten Arbeiten sind nicht essentiell für die Seetüchtigkeit, aber wir möchten unsere Mari in einem einigermaßen guten Zustand halten. Tropensonne, hohe Luftfeuchtigkeit und Salzwasser sind eine Herausforderung fürs Material. Wir haben uns vor allem Aufgaben gewidmet, die Zeit, Durchhaltevermögen und Fingernägel erfordern. Die kleinen unspektakulären Aufgaben nehmen oft mehr Zeit in Anspruch als gedacht und wenn man unterschiedliche Werkzeuge braucht, kann man in wenigen Minuten das ganze Boot in eine Baustelle verwandeln.

Wir haben die Genua an Land ausgebreitet, kontrolliert und einige kleine Schäden mit Reparatur-Tape geflickt. Sie hat die besten Zeiten lange hinter sich, könnte uns aber noch wertvolle Dienste leisten. Einige Schränke, den Kartentisch, den Salontisch und den Bereich des Niedergangs haben wir lackiert. Spaß machen die kleinen Dinge, die Fächer für unsere Ferngläser oder die Tassen. Ansonsten sind die Bedingungen nicht ideal, zu feucht, zu warm und man muss verflixt aufpassen, dass man nicht auf frischlackierte Flächen fasst. Manchmal geben wir uns damit zufrieden, dass „da jetzt erstmal wieder Lack drauf ist“, manchmal schleift Nobbi eine Lackschicht wieder ab, weil es so heiß war, dass der Schweiß, der ihm aus dem Gesicht getropft ist, die Arbeit zunichte gemacht hat.
Zwei kleine Flächen am Aufbau haben wir weiß lackiert, vorher waren sie grau, aber graue Farbe hatten wir nicht an Bord. Die alte Traveller-Leine war nicht mehr schön, wir haben eine neue eingenäht und den Baumniederholer ersetzt. Arbeiten mit Leinen, Spleiß und Takling mache ich gern. Auch das Fetten der Winschen macht Spaß, man kommt flott voran. Die Sprayhood ist gereinigt und frisch imprägniert. Das ganze Sicherheitsequipment haben wir überprüft und getestet (ihr erinnert euch, dass wir einen der AIS Transponder aufgelöst hatten und das Lotsenboot uns retten wollte).
Die Mosquitonetze sind seit Monaten im Dauereinsatz. Ein paar Nähte nachzunähen war schnell erledigt. Die Klettstreifen in den Luken zu ersetzen stellte sich als eine langwierige Arbeit mit sehr geringem Spaßfaktor heraus. Innerhalb kürzester Zeit schmerzen die Arme, mit den Händen über dem Kopf arbeitet es sich einfach nicht schön, und warum klebt der Kleber, der die Klettstreifen nicht halten will, eigentlich so an den Fingern? Gerade stelle ich fest, dass die Nähmaschine noch weitere Einsätze hatte. Ein Polster im Vorschiff hat einen neuen Bezug bekommen, mit Urwaldmuster, und die Rettungsschlinge hat eine neue Segeltuch-Tasche bekommen. Die alte hatte sich weitgehend aufgelöst. Die Nähte des Biminis wollten auch mal wieder nachgenäht werden. Leider mag unsere Nähmaschine das Bimini nicht, hier war Handarbeit gefragt.
Das neue Handfunkgerät passt leider nicht in die Halterung des Vorgängers und um es am gewünschten Platz unterzubringen mussten wir etwas basteln. Nobbi wollte die neue Halterung einfach woanders anschrauben, das fand seine Frau aber nicht ausreichend schön.
Lauter kleine Elektroaufgaben stand auch auf der Liste, das AIS bekommt einen eigenen Sicherungsautomaten, eine Pumpe soll über eine andere Sicherung laufen, wir finden mal wieder ein totes Kabel (die Voreigner waren da großzügig), und die Echolote kann man nun separat abschalten. Nicht immer laufen die Arbeiten optimal. Wenn man aus Versehen das Kabel der Füllstandsanzeige des Wassertanks durchknipst, zeigt er „ganz voll“. Woher ich das weiß?
Der Motor hat nicht nur den üblichen Ölwechsel und neue Filter bekommen, sondern auch neues Kühlmittel und einen neuen Simmering in der Wasserpumpe. Die Motorarbeiten waren auch Teil unseres bordeigenen Fortbildungsprogramms. Wir versuchen immer mal die Aufgaben zu tauschen, wir wollen beide (fast) alles können. Nobbi zum Beispiel hat in letzter Zeit meist das Funken übernommen, das sonst meine Aufgabe ist, und ich habe unter Aufsicht Ölwechsel am Motor und Getriebe durchgeführt.
Die Fugenmasse um die Decksluken war verschimmelt. Eigentlich eine übersichtliche Aufgabe, Fugenmasse raus, neue rein. Leider war das alte Zeug sehr hartnäckig und wollte nicht gehen. Und dann war ich mit dem ersten Versuch nicht zufrieden und hab die neue Fugenmasse wieder raus gepult. Die Hebelklemmen im Cockpit wurden mit längeren Bolzen, die wir mit Epoxy eingegossen haben, neuverschraubt. Hoffen wir, dass das eine halbe Weltumsegelung hält.
Das Holz auf dem Sitz des Rudergängers war nun endgültig fällig. Wir haben es ersetzt und sind gespannt wie lange unsere selbstgebastelte Baumarktlösung hält. Die neuen Leisten sind etwas schmaler als die alten und es ist auch kein Teak, aber vielleicht funktioniert es bis wir die ideale Lösung finden.
Kleine Gelcoat-Reparaturen sind immer mal wieder fällig, Rostflecken kann man ständig entfernen (der Rost muss nicht mal vom eigenen Boot kommen, ein Nachbar mit einer Flex macht Freude) und mit dem Niro putzen wird man nie fertig. Das sind Dinge die zum Bootsleben einfach dazugehören, ungefähr wie Rasen mähen zum Leben im Haus mit Garten.
Manchmal hat man richtig Glück, bei der Fehlersuche im Motorraum verbrennt Nobbi sich die Finger. An einem Kabel, das natürlich auf keinen Fall heiß werden darf. Allerhöchste Zeit hier aktiv zu werden. Das hätte schief gehen können.
Nach einem sehr starken Regenguss hatten wir den Eindruck, dass ein paar Tropfen am Schott im Achterschiff runterlaufen. Gestern Morgen beschließen wir mit dem Wasserschlauch zu testen ob die Steuersäule dicht ist. Nobbi baut die Verkleidung ab und legt sich auf dem Rücken in die Achterkammer. Ich habe den besseren Job und halte den Wasserstrahl auf die Steuersäule. Bevor ich so richtig begonnen habe schreit er: „Das reicht. Hier ist das Leck“. Er ist ziemlich nass geworden, der Wasserstrahl hat ihn im Gesicht getroffen. Die Steuersäule ist dicht. Das Wasser kommt durch den Kabelkanal an der Schaltung. Nobbi lag genau darunter. Und schon haben wir eine neue Aufgabe. Heute haben wir das mit großzügigem Einsatz von Sikaflex abgedichtet.

Obwohl wir kaum Ersatzteile benötigten, sondern fast alles was wir brauchten an Bord hatten (Farben, Schrauben oder Kleinteile), haben wir die Schiffshändler doch ein wenig reicher gemacht. Die Preise sind hoch. Häufig SVB mal zwei oder gar mal drei. Das Gute: hier gibt es fast alles und wir sind in Frankreich, wir treffen also vor allem auf die uns bekannten europäischen Marken. Der größte Posten waren die neuen Batterien. Im November kamen wir abends zurück an Bord und mussten feststellen, dass unsere Batterien kochten. Ein Stromausfall nach dem anderen hatte wohl unserem Ladegerät den Rest gegeben. Fast 180 Euro für 5m Kabel für die Ankerwinsch sind uns auch noch in guter Erinnerung.

Sicherlich habe ich viele Dinge in der Aufzählung vergessen, aber ihr habt einen Eindruck bekommen. Unsere ToDo-Liste ist nie leer, es geht also immer so weiter.
Nächste Woche geht es in die Werft um das Unterwasserschiff zu reinigen, neues Antifouling aufzubringen und dann hoffentlich schnell wieder ins Wasser. Ich bin kein Fan vom Leben „on the hard“ und immer sehr froh, wenn wir wieder schwimmen.

Skulpturen

Auf unserer Reise in den Norden haben wir einige dieser geschnitzten Skulpturen fotografiert. Viele davon beim leider geschlossenen Kulturzentrum in der Nähe von Hienghène. Sie dienen der Ahnenverehrung, als Schmuck vor Häusern und in Dörfern. Sie erzählen ganze Geschichten, bilden Szenen des täglichen Lebens und viele Pflanzen und Tiere ab. Einige sind sehr eher einfach gehalten, die meisten jedoch beeindruckende Kunstwerke.

Eine überraschende Einladung und graue Schiffe

Am Samstag waren wir, wie so oft, auf dem Markt. Wir sitzen mit unserem Espresso an einem kleinen Tisch und beobachten das Treiben. Eine ältere Dame sucht einen Platz, doch es ist alles gut belegt. Ich biete ihr einen Stuhl an unserem Tisch an. Erst möchte sie nicht, aber dann setzen sie und ihre Freundin sich doch zu uns an den Tisch. Sie wollen wissen woher wir kommen und was wir in Nouméa machen. Sie kommen aus einem Dorf im Norden und freuen sich, dass wir schon so viel von der Insel gesehen haben. Nun wollen sie uns unbedingt auf einen Kaffee einladen. Wir versuchen freundlich abzulehnen, aber lernen, dass das nicht geht. Es sei „Costume“, der Brauch, wir sollen ihre Gäste sein. Ich krame also mein ganzes Französisch zusammen und bedanke mich für den Kaffee und dafür, dass wir in ihrem Land sein dürfen. Das war anscheinend genau die richtige Reaktion, ein Strahlen geht über das Gesicht der beiden. Sie erzählen von ihrem Leben im Norden und davon wie teuer das Leben in Nouméa im Vergleich ist, von Obst und Gemüse aus dem eigenen Garten und dem Jagen, von ihren Reisen in die Nachbarländer und nach Frankreich. Ihnen gefällt es, dass es immer mehr Ehen zwischen Kanaks und Weißen gibt und, dass in Neukaledonien so viele verschiedene Gruppen zusammen leben. Und sie sind stolz darauf, dass ihre Kinder Englisch sprechen und die Enkel Englisch und Japanisch lernen. Innerhalb kürzester Zeit lernen wir unglaublich viel über das Leben der Kanaks im Norden und trauen uns Fragen zu stellen, die die beiden geduldig beantworten. Allein für dieses nette Gespräch hat es sich gelohnt, dass wir so fleißig, wenn auch nicht so erfolgreich wie erhofft, Französisch gelernt haben.

Den Sonntag verdrömeln wir äußerst erfolgreich. Nach dem Frühstück gehen wir auf den Markt, auf dem Rückweg bleiben wir bei Freunden hängen, quatschen und trinken Kaffee. Als wir um zwei schließlich zurück an Bord sind gibt es ein Baguette zum Mittag und wir machen eine kleine Siesta. Beim Nachmittagsspaziergang auf die Mole treffen wir die Freunde vom Vormittag wieder, finden einen netten Platz auf einem Steg an der Marina-Tankstelle und essen zusammen ein Eis. Schon ist auch der Nachmittag rum. Abends gibt es ein Omelett und anschließend einen spannenden Krimi im Bordkino. Nichtstun für Fortgeschrittene.

Seit Ende letzter Woche liegen hier lauter Kriegsschiffe. Zunächst fallen uns drei französische große Graue auf. Es sind nicht die beiden, die immer hier stationiert sind, sondert ein Hubschrauberträger und zwei Fregatten. Am Freitag hatten wir bereits beobachtet wie eins der Schiffe eine neue Ankerkette bekommt. Immer eine Länge, also 25m, hing am Kran. Gestern Abend hörten wir ein tiefes Typhon und wussten, dass wieder ein interessantes Schiff angekommen ist. Auf dem Aufbau unserer Mari stehend konnten wir zwei weitere große graue Schiffe beim Einlaufen beobachten. Grund genug uns die Angelegenheit noch mal von Nahem anzusehen. Bei den Neuankömmlingen handelt es sich um die USS Oakland und die HMS Spey, also US-amerikanische und britische Gäste.
Die französische Fregatte La Fayette dürfen wir besichtigen. Ein junger Mann führt unsere kleine Gruppe über das Schiff und wir erfahren, dass zwei der Schiffe auf der „Mission Jeanne d’Arc“ sind, einer Ausbildungsfahrt für Offiziersanwärter rund um die Welt. Hier in Nouméa treffen sie auf verschiedene andere Schiffe für die internationale Übung „Croix du Sud“. In den nächsten Tagen werden also noch weitere Schiffe erwartet. Wir werden über das Schiff geführt, der angehende Maschinist erzählt nicht nur begeistert vom Antrieb (4 Maschinen!) des Schiffes, sondern erklärt auch die Aufgabenverteilung auf der Brücke, die Waffensysteme an Bord, die relative Unsichtbarkeit auf dem Radar und das Leben an Bord. Alles verstehen wir nicht, trotzdem ist es sehr interessant. Wie schon bei unserem letzten Besuch bei der französischen Marine sind wir begeistert von der Freundlichkeit der jungen Männer und Frauen.
Die Oakland ist ein ungewöhnliches Schiff. Ein Trimaran. Von achtern ziemlich hässlich, von vorne schnittig. Wir wollen wissen, was es kann und Google hilft uns weiter. Die Fregatte der Independence-Klasse ist schnell. Sehr schnell, maximal 45kn, leer noch schneller, ergibt die Recherche. Der fast 130 m lange Trimaran ist hauptsächlich aus Alu und der Wasserstrahlantrieb bekommt seine Kraft aus Dieselmotoren und Gasturbinen. Natürlich ist auch dieses Schiff ordentlich bewaffnet, aber da kenn ich mich nicht gut aus und es interessiert mich auch wenig. Interessanter finde ich die anderen Features, zum Beispiel hat es eine RoRo-Rampe, um schnell Fahrzeuge aufnehmen zu können, und Platz für Helikopter und Drohnen.
Wir stellen fest, dass wir tatsächlich einen Verwandten dieses Schiffes aus der Handelsschifffahrt kennen. Die Olsen-Schnellfähren zwischen den Kanaren sind quasi die Vorfahren dieser flotten Kriegsschiffe.

Die große Erde oder der Kiesel

Die Hauptinsel Grande Terre hat den Spitznamen Caillou, was Kiesel oder Steinchen bedeutet. Das kleine Kieselchen gehört allerdings zu den größeren Inseln im Pazifik. Im Südteil der Insel waren wir schon ziemlich viel unterwegs. Wir würden gerne auch etwas vom nördlichen Teil sehen.
Seit wir das Auto abgeholt haben ist das Wetter mäßig, die Vorhersage für die nächsten Tage ist schaurig. Wir wollten gerne eine Tour an die Ostküste unternehmen, aber können uns zunächst nicht entscheiden. Sollen wir bei so schlechtem Wetter wirklich fahren?
Wir entscheiden uns trotzdem eine Tour zu machen und buchen nach einigem Hin und Her zwei Übernachtungen. Am Samstag starten wir zeitig. Vor uns liegen 370 km, eine Strecke die uns auf deutschen Autobahnen nicht lang vorkäme, aber die Berichte über die Straßenverhältnisse sind gemischt. Zunächst geht es 170 km die Westküste entlang bis Bourail. Diese Strecke kennen wir schon, hier waren wir vor einigen Wochen zum Wandern. Unterwegs legen wir eine kleine Teepause ein, ansonsten wollen wir Meilen machen. Nach Bourail biegen wir ab, hier geht es für uns quer über die Insel an die Ostküste. Ein Gebirge, das sich über die ganze Insel zieht, teilt die fast 400km lange Insel in einen feuchten Osten und einen trockenen Westen. Die höchsten Berge sind bis zu 1600m hoch, die Straße verläuft aber die meiste Zeit in einem Flusstal und schlängelt sich zwischen den Bergen durch.

Teepause am Kofferraumbuffet

An der Ostküste folgen wir der Straße nach Norden. Hier ist noch weniger los, als auf der Straße an der Westküste. Meistens ist die Straße gut ausgebaut, dicht an der Küste oder über Brücken aber nur einspurig. Es gibt nur wenige Orte, aber immer wieder machen Schilder darauf aufmerksam, dass man das Gebiet eines Tribus, eines Stammes, durchfährt und langsam fahren soll. Die kleinen Häuser und Hütten stehen oft etwas von der Straße entfernt und wer sich nicht auskennt, könnte sonst übersehen, dass er gerade quasi mitten im Ort ist. An einigen Stellen wird das Fußballspiel auf der Straße unterbrochen, damit wir passieren können. Vor vielen Häusern stehen kleine Stände, auf denen Obst, Gemüse, Pflanzen, Muscheln oder Körbe aus Palmenblättern angeboten werden, das Geld legt man in eine Box oder Spardose. Also wie bei uns Zuhause. Entgegen kommende Autos und Fußgänger grüßt man, Kinder winken begeistert zurück. In den Dörfern sehen wir Frauen in Gruppen zusammensitzen und klönen. Auch sie winken fröhlich zurück. Samstagnachmittag scheint eine gute Zeit für ein Treffen zu sein, überall ein ähnliches Bild.

Den ganzen Tag drohen dunkle Wolken, aber es bleibt bis kurz vor unserem Ziel trocken. In einem Teil der Strecke wird die Straße gerade erneuert und immer wieder fehlt für einige Kilometer die Fahrbahndecke. Bei starkem Regen könnte das ein Problem für unser kleines Auto werden.
Immer wieder halten wir an und werfen einen Blick auf die wilde Küste. Die dunkelgrüne üppige Vegetation weckt Regenwaldgefühle. Die Pflanzenwelt bietet ihre ganze Vielfalt auf um uns zu begeistern. Hohe Bäume und Schlingpflanzen, breite Kronen und schlanke Nadelbäume, riesige Blätter, Epiphyten, Palmen, Baumfarne und lange Gräser. Um die kleinen Häuser stehen Bougainvillea und Hibiskus-Hecken, in den Gärten wachsen Papaya, Bananen und Taro.
Etwas traurig stimmt uns der Müll. An fast allen kleinen Rastplätzen fallen uns die vielen grünen Bierdosen („Number One“) auf. Nicht nur die Mülleimer laufen über, auch die Parkbuchten sind gepflastert von platten Dosen. Uns fällt es deshalb besonders auf, weil es sonst fast überall in Neukaledonien sehr sauber ist.

Nachmittags erreichen wir Hienghène, unser Ziel für heute. Inzwischen regnet es etwas, trotzdem fahren wir zuerst zum Aussichtspunkt. Von hier hat man den perfekten Blick auf die Henne, einen Felsen im Meer, der aussieht wie ein Huhn auf seinem Nest. Immer wieder hatten wir gehört, dass Hienghène so schön sei. Jetzt verstehen wir es. Schwarze, steile Felsen ragen direkt an der Küste aus dem grünen Wald. Davor ein Riff, das sogar bei Regenwetter leuchtet und kleine weiße Strände.

Die berühmte Henne

Wir haben hier ein Zimmer in einer Pension gemietet. Das Zimmer ist sehr spartanisch und mit zwei Betten eingerichtet, ein Spiegel oder eine Nachtischlampe wäre schön gewesen. Es ist sauber und wir schlafen gut, aber es ist kein Ort an dem man sich aufhalten möchte. Die Terrasse des angeschlossenen Restaurants ist da viel attraktiver und das Essen landestypisch und lecker. Mir gefällt der Kürbis, der in Kokosmilch gekocht wurde, Nobbi mag den Choux kanak, den „Kanaken-Kohl“, der an Spinat erinnert, besonders gern. Vor dem Essen gehen wir noch ein paar Schritte und sehen uns die Marina an. Die kleine Marina und die Boote, die hier liegen sind total heruntergekommen. Ein trauriges Bild. Auch der Anleger, das (ehemalige?) Marktgebäude und ein leerstehendes Restaurant sind verfallen und strahlen wenig Hoffnung aus.

Unser Zimmer, rechts im Anbau…
Die traurige Marina

Am nächsten Morgen gießt es. Wir legen zunächst eine Pause auf der Restaurant-Terrasse ein. Wenn man trocken sitzt, ist der Ausblick sehr schön. Lust nass zu werden haben wir nicht. Als der Regen nachlässt, fahren wir los. Zunächst geht es nach Norden, nach einigen schönen Aussichtspunkten regnet es wieder stärker und wir drehen um. Heute nehmen wir eine andere Traverse. Dieser Weg über die Berge zurück an die Westküste gefällt uns noch besser als der Hinweg. An der Westküste dominieren Buschwerk und Weiden mit wenigen großen Bäumen. Dies ist das Land der Kühe und Cowboys. Hier ist es meist trocken und heiß. Heute ist es grau und nieselt. Wir haben noch etwas Zeit und finden ein Café an einer Tankstelle, essen extrem leckere Eclairs und beobachten das ländliche Leben. Für diese Nacht haben wir eine ganz tolle Unterkunft via AirBnB gefunden. Sylvia, unsere Gastgeberin ist sehr nett und gibt sich viel Mühe sich mit uns zu unterhalten. Sie wohnt in einem schönen Haus und wir verbringen einen gemütlichen Abend auf ihrer Terrasse.

Wunderschönes AirBnB mit fantastischer Terrasse samt Pool und Katzen,

Am Montag machen wir uns auf den Rückweg nach Nouméa. In Bourail sind wir gerade aus dem Auto gestiegen, als der Regen einsetzt als hätte jemand die Dusche eingeschaltet. Wir fliehen zurück ins Auto und sind trotzdem durchnässt. Auf der Höhe von Farino ist es gerade trocken, wir setzen uns auf eine Bank vorm Rathaus, machen ein kleines Picknick und beobachten wie es in der Ebene unter uns schauert. Die letzten zwei Stunden unserer Fahrt regnet es immer wieder heftig. Aquaplaning bekommt eine ganz neue Bedeutung, wir kommen ganz schön ins Schwimmen. Ich bin froh, dass Nobbi so gute Nerven hat. Glücklicherweise haben wir genügend Zeit es ruhig angehen zu lassen. Immer wieder tun sich auch auf der „Autobahn“ riesige Pfützen auf und es hat bereits die ersten Unfälle gegeben. Wir erreichen nachmittags die Marina und hören im Radio von schweren Überschwemmungen auf der Straße, auf der wir wenige Stunden zuvor unterwegs waren.

Auch wenn wir uns über etwas besseres Wetter gefreut hätten, hat sich die Tour gelohnt. Wir haben weitere Facetten dieser tollen Insel kennenlernen dürfen und können bestätigen: an der Ostküste sieht es ganz anders aus.

Besuch im Hafenbecken

Die Unterwasserwelt der Marina ist erstaunlich artenreich. Seit Wochen versuche ich die schwarze Schlange, die in den Korallen zwischen Steg A und B lebt zu fotografieren. Erfolglos. Mal sichte ich die Schlange, habe aber kein Telefon dabei, mal liege ich auf der Lauer und sie zeigt sich nicht. Dann reflektiert die Wasseroberfläche so sehr, dass die Schlange kaum zu sehen ist. Anders ging es mir bei diesem wunderschönen Rochen, er gab mir Gelegenheit ein Bild zu machen.

Neben den dauerhaften Bewohnern, wie den vielen kleinen Rifffischen, schaut gelegentlich auch mal ein größerer Meeresbewohner vorbei. Neulich war eine große Schildkröte im Hafenbecken unterwegs, eine kleinere zeigt sich regelmäßig in der Nähe der Tankstelle. Und vor einigen Wochen schwamm ein Delfin ein paar Runden. Leider ist der ein Frühaufsteher, ich habe ihn verschlafen.

Parc des Grand Fougères

Die Ursache unserer Motorprobleme haben wir noch nicht geklärt, trotzdem (oder gerade deshalb!) steht uns der Sinn nach Abwechslung. Gern hätten wir über die Ostertage ein Auto gemietet, bekommen kurzfristig aber keins. Also haben wir uns nun für eine Woche ein Auto gegönnt und möchten einige Ausflüge machen. Leider hat der Wettergott kein Herz für uns, die Vorhersage verspricht schlechtes Wetter.

Gestern haben wir eine tolle Wanderung im Parc des Grand Fougères gemacht. Der Park ist etwa 120 km und zwei Stunden entfernt. Für die ersten 110 km braucht man etwa eineinhalb Stunden, die letzten 10 km windet sich eine schmale, ungeteerte Piste mit großen Schlaglöchern durch den Wald. Wunderschön! Auf der kleinen Straße treffen wir kein anderes Auto und haben das Gefühl ganz weit weg in der Wildnis zu sein, so wundern wir uns über die 15 Autos auf dem Parkplatz und die große und gepflegte Anlage mit Parkrezeption, Toiletten, Duschen und Picknickplätzen.

Wir entscheiden uns für eine 7,5 km lange Runde, die drei Stunden dauern soll. Der Weg ist perfekt ausgeschildert und sehr schön. Der Wald ist dicht und abwechslungsreich. Kleine Sträucher und hohe Bäume, Palmen, Kaori und die namensgebenden Baumfarme. Fougères heißen die Baumfarne, acht endemische Arten dieser sehr alten Gewächse gibt es in Neukaledonien. Wir freuen uns über die guten Wege, weniger Meter später wird es matschig. „Solange es nicht regnet“ sind wir uns einig „ist es in Ordnung“. Es beginnt zu regnen. Wir finden an einem überdachten Picknickplatz Schutz, essen die Hälfte des Proviants und setzen unseren Weg fort, als es aufhört zu regnen. Immer wieder quert der Weg kleine Bäche. Es gelingt uns mehr oder weniger trocknen Fußes auf die andere Seite zu kommen. Gelegentlich mit einem beherzten Sprung. Aufwärts geht’s ganz gut, bergab wird es nun zunehmend rutschig. Trockenere Wegpassagen werden von aufgeweichten, matschigen Pfaden abgelöst. Der Matsch findet den Weg in unsere Schuhe. Wir verlassen „unseren“ Weg und machen einen Abstecher zum „Herz von Farino“. In den Stromschnellen gibt es eine Kuhle in Herzform. Ein kräftiger Schauer geht nieder als wir am nächsten Picknickplatz unsere Brote aufessen. Wir sind sehr dankbar für das große Dach. Als wir zurück auf unserem Weg sind, suchen wir den nächsten geschützten Platz auf und verarzten die Blasen an unseren Füssen. Der Schlamm, der in die Schuhe geraten ist, hat empfindlich gescheuert. Wir sind begeistert vom leuchtend grünen Wald und den vielen Vögeln. Es beginnt wieder zu regnen, wir sind bald nass. Immerhin ist der Regen warm und da der Hut das Gesicht trocken hält ist es nicht so schlimm. Nach drei Stunden sind wir zurück am Parkplatz, säubern uns und ziehen andere Schuhe an. Die Wanderung war als „sehr einfach“ eingestuft. Für uns hat das heute völlig ausgereicht.
Der Regen hört auf und wir laufen noch ein wenig in der Nähe der Parkrezeption herum, sehen uns die „Baumsammlung“ an. Einen Weg an dem verschiedene Baumarten, Palmen und Baumfarne erklärt sind. Baumfarne und Palmen sind keine Bäume, auch das wird hier anschaulich erklärt. Und wir beobachten Vögel. Hier gibt es die wunderschönen grünen Tauben. Bei uns haben Tauben ja ein etwas zweifelhaftes Image, hier gibt es gleich mehrere besondere Vertreter. Darunter die sehr hübsche grüne Taube und die Notous, eine sehr große Taubenart. Bei haben wir auch auf unserer Wanderung gesehen, genau wie die neukaledonische, die zu den schlausten Vögeln gehören soll und auch Werkzeuge benutzt. Die Vögel bieten uns ein regelrechtes Konzert und zeigen sich auch bereitwillig. Wir vermissen die Kamera mit dem Tele. Und dann zeigen sich auch noch einige Flughunde und machen das Spektakel perfekt. Der Ausflug hat sich sehr gelohnt und die drei Euro Eintritt haben wir gerne bezahlt.

Auf dem Rückweg, begleitet von heftigen Regenschauern, wurde es schnell dämmerig und dann bald dunkel. In den Tropen geht das sehr schnell. Wir wundern uns über die hohe Anzahl an unbeleuchteten Autos auf der Fernstraße und sind froh, als wir heil wieder an der Marina ankommen.

Vorgestern waren wir in Dumbea zum Wandern. Diesmal haben wir uns getraut den Fluss zu überqueren und eine entspannte Runde gedreht. Hier gibt es nicht so einen beeindruckenden Wald, aber auch viele Vögel und Schmetterlinge. Außerdem haben wir viele potentielle Badeplätze entdeckt.

Flohmarkt in Nouméa

Ostern war es hier sehr ruhig. Nichts los im Restaurant nahe der Marina, kaum Menschen auf den Stegen und ganze viele freie Liegeplätze, weil die Segler die Tage am Anker verbracht haben.
Am Wochenende zuvor haben wir uns ins Gewusel gestürzt. An jedem ersten Sonntag im Monat findet ein großer Flohmarkt auf dem Place de Cocotiers statt. Auch wenn wir nichts kaufen wollen, macht es Spaß sich unters Volk zu mischen. Der Flohmarkt ist überraschend groß, sehr bunt und gut besucht. Hauptsächlich werden Kleidung und Spielsachen angeboten, ein wenig Gerümpel und Dinge, die man nicht unbedingt vermuten würde wie Ski-Ausrüstungen. Und Live-Musik gab es auch. Für Pazifik-Verhältnisse klang es ungewöhnlich schief und unmelodisch, wurde aber sehr enthusiastisch vorgetragen. Das Auge hört schließlich auch mit, auf den Fotos sieht man nicht, dass nicht alle das gleiche Lied gespielt haben.

Ein kleines Verkaufstalent
Think Pink! Diese Kombination aus Kleid und Imbisswagen!
Enthusiastisch vorgetragene Live-Musik
Die Dirigentin mit stylischem Outfit

Nobbi musste dringend mal wieder zum Friseur. Der Haarschnitt ist in Ordnung, aber lange nicht so gut, wie der in Hiva Oa. Wie nach jedem Friseurbesuch überlegen wir, ob wir noch einmal dorthin zurück segeln sollen.

Nobbi hat eine Frisur wie ein Cagou
Frisch frisiert!