Was esst ihr eigentlich, wie proviantiert ihr euch? Schreib doch mal darüber! Tatsächlich habe ich schon ein paar Mal begonnen und bin dann wieder davon abgekommen und an meinem Perfektionismus gescheitert. Nun beginne ich einfach mitten drin und in Zukunft soll es auf der Seite einen Unterpunkt zum Thema Futter an Bord geben.
Ob wir auch Island Cabbage haben wollen hatte Robert in Pentecost gefragt. Sehr gerne habe ich geantwortet, auch wenn ich nur eine diffuse Vorstellung hatte, was das sein könnte. Den neukaledonischen „Kanaken-Kohl“ mochten wir gern. Robert brachte uns sein hübsches Bündel Blätter. Was macht man nun damit. Eine kurze Internetrecherche ergab, dass es sich bei Island Cabbage um eine Vielzahl verschiedener Pflanzen handeln kann. Ich entscheide mich für eine Spinat-ähnliche Zubereitung mit Südsee-Blubb. Das hatte uns mit Taroblättern schon so gut geschmeckt, auf Samoa haben wir es das erste Mal gegessen. Die Blätter habe ich gründlich gewaschen, in Streifen geschnitten und blanchiert (sicher ist sicher, Vanuatu hat eine Vielzahl unerfreulicher Parasiten im Angebot). Dann habe ich Zwiebelstückchen und Knoblauchscheiben in Olivenöl angedünstet, die Blätter hinzugegeben, das Ganze mit reichlich Kokosmilch abgelöscht und mit Salz und Pfeffer gewürzt. Uns hat es sehr geschmeckt. Dazu gab es Reis und Mango-Chutney.
Das Landdiving oder Naghol gehört wohl zu den international bekanntesten Bildern von Vanuatu. Junge Männer, die mit Lianen an den Fußgelenken von einem hölzernen Turm springen. Der Vorläufer des Bungeejumpings. Hier, im Süden der Insel Pentecost, findet jährlich dieses Ritual statt, das der Demonstration der Männlichkeit, der Bitte um eine gute Yams-Ernte, dem Aufrechterhalten alter Traditionen und heute auch dem Ankurbeln des Tourismus gilt. Von April bis Juni wird samstags gesprungen. Aus logistischen Gründen gibt es jetzt einen Sprungplatz in der Nähe des Flughafens, den anderen Turm haben wir bereits von unserem Ankerplatz mit dem Fernglas entdeckt. Wir haben uns bereits in Port Vila erkundigt, da wir etwas widersprüchliche Angaben finden. Die Dame im Tourismusbüro schreibt uns die Bucht auf, in der wir ankern sollen, und versorgt uns mit Telefonnummern und Emailadressen. Als wir die Bucht an Pentecosts Westküste erreichen sind wir erstaunt, wir hatten mit weiteren Yachten gerechnet und finden eine leere Bucht vor. Insgesamt sind so früh in der Saison aber auch erst wenige Boote in Vanuatu unterwegs, soweit wir das einschätzen können. Ich schreibe eine E-Mail an den Spokesman des Dorfes, dass wir gerne das Naghol sehen möchten. Schnell trifft eine Antwort ein und bald darauf sitzt Bartholomew in unserem Cockpit, er hat sich von einem jungen Mann mit dem Kanu vorbei paddeln lassen. Wir erzählen, dass noch ein weiteres Boot ankommen wird (wir haben uns in Port Vila kennengelernt und sind in Kontakt geblieben) und wir zu viert dabei sein wollen. Wenig später treffen Alison und Andy mit ihrer „Venture Lady“ ein und Bartholomew besucht auch sie an Bord. Es gibt etwas Verwirrung wann es am nächsten Morgen losgehen soll, daher werden wir zur Beratung ins Nakamal, das Versammlungshaus des Dorfes gebeten. Für uns und die Kinder gleichermaßen interessant.
Am nächsten Morgen treffen wir uns um acht am Strand. Von hier geht es auf der Ladefläche eines Pick-ups nach Ratap, das oberhalb gelegene Dorf. Mit uns reisen noch eine Handvoll Leute, darunter zwei Mädchen, die zuerst schüchtern sind. Die Kleine neben mir nimmt dann aber Körperkontakt auf und kuschelt sich an mich. Im Dorf angekommen, warten wir zunächst auf die anderen Touristen, die mit dem Flieger ankommen sollen. Wir dachten, es gäbe viel mehr Zuschauer, tatsächlich ist das ganze Dorf jedoch für acht Besucher auf den Beinen. Die Wartezeit macht Spaß, wir lernen den Chief kennen und schütteln viele Hände. Das kleine Guesthouse, in dem man übernachten kann sollen wir besichtigen, wir sehen uns die Kavapflanzen mitten im Dorf an und neben dem Kassenhäuschen hängt eine Schlange auf einem Baum. Und wir haben Gelegenheit uns den Turm in Ruhe anzusehen. Ein toter Baum bildet die Basis, um die der Turm gebaut wurde. Das ist Männersache, Frauen dürfen beim Bau nicht beteiligt sein und dürfen auch nicht auf den Turm klettern. Zu den Seiten ist der Turm mit Lianen abgespannt. In jedem Jahr wird ein neuer Turm aufgebaut, dieses Jahr ist er fast zwanzig Meter hoch. Natürlich muss ich ein Foto „Mari und der Naghol-Turm“ machen, auch wenn Mari da unten in der Bucht doch sehr klein ist, gehört das zu den ganz besonderen Bootsportraits.
Um acht geht’s am Strand los
Der Turm – 20 m hoch
Der Lianen-Spleiß
Eine Sage zum Naghol erzählt von einem Paar, dass sich streitet, die Frau läuft schließlich von ihrem Mann weg und er verfolgt sie. Sie klettert auf einen Banyan-Baum und als ihr Mann ihr nachfolgt springt sie in die Tiefe. Er nimmt an, dass sie in den Tod gestürzt ist, möchte nicht ohne sie leben und springt hinterher. Der Mann stirbt, die Frau jedoch überlebt, weil sie sich Lianen an die Knöchel gebunden hat. Ursprünglich sollen Frauen gesprungen sein, irgendwann haben das dann die Männer übernommen, auch weil sie sich nicht von den Frauen austricksen lassen wollen.
So lustig kann es sein Fotos anzugucken!
Die Aufregung der Dorfbewohner als der Truck mit den vier anderen Besuchern naht, ist rührend. Es folgt eine offizielle Begrüßung mit Blumenkränzen. Die Männer bekommen außerdem eine Tasche umgehängt, darin sollen sie Geschenke mitbringen wenn sie das nächste Mal wieder kommen. Außerdem werden wir gebeten, allen Menschen die wir kennen vom Dorf Ratap und dem Naghol zu erzählen und dafür Werbung zu machen. Das tun wir sehr gerne!
Dann gibt es für jeden eine Trinknuss und das eigentliche Ritual beginnt. Sechs Jungen und Männer springen heute. Der Jüngste, der den Sprung aus geringster Höhe macht, beginnt, der erfahrenste Springer ist als letztes dran. Die anderen Dorfbewohner singen und tanzen zur Unterstützung, auf der einen Seite die Männer, auf der anderen Seite die Frauen. Alle tragen traditionelle Kleidung, wobei Kleidung insbesondere für die Männer ein irreführender Begriff ist. Penisköcher ist wohl das richtige Wort für diese minimale Art der Bekleidung. Die Jungs tragen ein Blatt, das in ein Band eingesteckt wird, das um die Taille geschlungen ist. Die Männer tragen ein Futteral aus Stoff, das in einen Ledergurt eingeschoben wird. Die Frauen haben eine Art „Bastrock“ an und dazu eine Kette aus Grünpflanzen um den Hals. Die Selbstverständlichkeit, der Stolz und die Lässigkeit mit der die wenige Kleidung würdevoll getragen wird, gefallen uns. Zurück zum Sprung. Einige Männer lockern den Boden in der Landezone immer wieder auf. Die vorbereiteten Lianen werden sortiert. Die ausgewählten Lianen wurden am Tag zuvor geschnitten, die Enden werden zerfasert, um sie an die Knöchel zu knoten. Diese Enden sind mit Bananenblättern umwickelt. Der Springer steigt auf den Turm und klettert auf seine Absprungvorrichtung, andere Männer helfen nun die Blätter zu entfernen und die Lianen zu befestigen. Sorgfältig wird kontrolliert, dass die Lianen sich nicht am Turm verhaken, der Chief überwacht das Ganze vom Boden aus. Schließlich steht der Springer auf seinem Absprungplatz, er wird laut angefeuert, reckt die Hände in den Himmel, biegt sich nach hinten, verschränkt die Hände vor der Brust und springt. Sofort nach dem der Springer auf der Erde aufgekommen ist, wird er von anderen Männern aufgerichtet, die Lianen werden von den Fußgelenken geschnitten und er wird vom Ladeplatz geleitet. Die Lianen sind zwar flexibel und auch der Absprungplatz gibt nach, trotzdem sieht es gefährlich aus und ist es auch. Die Lianen enden nur einen halben Meter über dem abfallenden Landeplatz. Der Springer kommt also immer auf der Erde auf. Die Springer sind stolz, wenn sie es geschafft haben. Die erfahrenen Männer in der Landezone loben die Sprünge. Die Springer werden hoch angesehen in ihrer Dorfgemeinschaft. Das Ganze wiederholt sich bei jedem Sprung, immer höher klettern die Männer auf den Turm und tatsächlich springt der letzte ganz besonders elegant. Diesen letzten Sprung gucke ich mir einfach nur an, ich will ihn voll und ganz genießen, kein Video, kein Foto, einfach ganz direkt auf die interne Festplatte für besondere Erinnerungen.
Vor jedem Sprung wird die Erde aufgelockert.
Er betritt seine Absprungvorrichtung.
Die erfahrenen Männer passen auf, dass die Lianen nicht verschlungen sind.
Die Männer auf halber Höhe halten die Lianen frei.
Ein Junger Springer auf dem Turm
Der Springer reckt die Armen in den Himmel
Der entschlossene Absprung
Er springt!
Im Sprung!
Der Sprung!
Der Springer wird in Empfang genommen.
Sie richten den Springer auf.
Die Liane wird vom Fuß geschnitten.
Ob er in den nächsten Jahren auch springen wird?
Hinterher gibt es ein traditionelles Mittagessen Laplap aus Yams und Taro mit Süßwasserkrabben. Laplap ist das Nationalgericht Vanuatus. Taro oder Maniok werden geraspelt und die Gemüsemasse wird in einem Bananenblatt im Ofen gegart. Das Laplap kann auch aus Kochbananen oder Brotfrucht sein. Hier gab es zwei Versionen aus Taro und aus Yams. Voller toller neuer Eindrücke machen wir uns auf den Rückweg. Wieder sitzen wir auf der Ladefläche und wieder ist die Geschwindigkeit in Anbetracht der Straßenverhältnisse ganz schön sportlich. Wohlbehalten und müde erreichen wir den Strand an dem unser Dinghi wartet.
Das Naghol sehen zu können, hat uns sehr gefreut. Wir hatten gehofft, dass es klappt, aber manches Mal spielen Wind und Wetter bei Seglerplänen einfach nicht mit. Die Freude und Neugier der Dorfbewohner, die Natürlichkeit mit der sie ihre Traditionen präsentieren, das ergreifende Ritual, das zu touristisches Zwecken durchgeführt wird, aber kein professionelles Tourismus-Event ist, hat uns viel Spaß gemacht und uns berührt. Sehr gerne kommen wir der Bitte nach für einen Besuch in Ratap zu werben, uns hat es sehr gefallen!
Wir ankern in der weiten Homo Bay im Südwesten der Insel Pentecost. Vor dem langen steinigen Strand liegen wir schön ruhig. Von draußen sieht es zunächst nicht so aus. Die Überfahrt von Ambrym war bumpy, in der Düse zwischen Ambrym und Pentecost war der Wind sehr böig und der Seegang unangenehm. Bis kurz vorm Ankerplatz waren wir sehr schnell und sehr ungemütlich unterwegs. Glücklicherweise stellt sich der Platz dann doch als angenehm heraus, kurz vorm Strand nimmt der Seegang ab und nun schaukeln wir nur ganz leicht.
Robert paddelt mit dem Kanu zu uns und freut sich, dass wir ihn an Bord einladen. Ob er mal nach vorne gehen darf, aufs Vorschiff? Vom Bug aus winkt er seinen Freunden an Land zu. Er fragt, ob wir Obst haben möchten und verspricht später wieder zu kommen. Wir werden reichlich versorgt. Fünf Papayas, vier Kokosnüsse, vier Pampelmusen und ein Bündel „Island Cabbage“ hat er dabei, als er zurückkehrt. Außerdem bringt er seinen kleinen Sohn mit und hat zwei Teenies im Schlepptau. Kennt ihr das, junge Männer, die sich mit irgendwelchen tollen Autos fotografieren lassen? Hier übernimmt Mari heute die Rolle des heißen Sportwagens. Alle wollen einmal aufs Vorschiff und den Freunden am Strand winken.
In der großen Bucht liegen drei Dörfer und es gibt einen erstaunlich regen Bootsverkehr. Da sind zum einen die kleinen Motorboote, die durch die Bucht flitzen und zum anderen die kleinen Frachter. Als wir ankommen liegt ein Schiff vor Anker und Waren werden auf kleine Boote umgeladen. Am zweiten Abend fährt ein Frachter zwischen uns und dem Strand durch. Es ist stockdunkel und wir sind froh, dass wir kurz vorher das Ankerlicht eingeschaltet haben. Das Schiff hat eine Klappe am Bug und fährt einfach auf den Strand. Das ganze Dorf ist auf den Beinen. Taro in Säcken wird verladen, immer kommt noch jemand mit einem Sack auf dem Rück angerannt. Und auch in unserer letzten Nacht ankert wieder ein Schiff in der Bucht.
Endlich haben wir sonniges Wetter. Wir nutzen die Chance und waschen am nächsten Morgen Wäsche, nach den vielen feuchten Tagen hat sich einiges angesammelt. Mittags wandern wir am Strand entlang und wollen uns ansehen, welche Waren hier umgeschlagen werden. Reis, Fischdosen und Frühstückscracker werden in die kleinen Motorboote verladen. Wir wollen wissen, ob die Waren mit einem der Schiffe, die wir gesehen haben, gekommen sind und erfahren von einem Mann, dass es sich um einer Hilfslieferung der Regierung handelt. Er koordiniert die Verteilung auf die kleinen Gemeinden. Nicht nur die Schäden durch die Wirbelstürme (Pentecost wurde zuletzt 2020 getroffen), auch die schnell wachsende Bevölkerung stellt die kleinen Dorfgemeinschaften vor Probleme.
Auf dem Rückweg laufen wir durch die Dörfer und werden überall nett begrüßt. Dass wir uns für das Angebot des kleinen Ladens interessieren, sorgt für allgemeines Gekicher, wir sollen uns das Nachbargeschäft, quasi Bootsausrüster und Baumarkt, auch noch ansehen. Immer wieder werden wir aufgefordert zu fotografieren, ob wir die beiden Damen bitte fotografieren könnten und die Jungs beim Fußball-Training? Die Kinder laufen gerne ein Stückchen mit uns, helfen das Schlauchboot aus dem Wasser an Land zu ziehen oder zurück ins Wasser zu schieben. Insbesondere die Mädchen sind zu Beginn oft schüchtern, tauen aber schnell auf. Als wir einmal nur drei Kinder am Strand treffen, nehmen wir sie ein Stückchen im Dinghi mit. Unsere schnelle wachsende Popularität ist uns selbst etwas unheimlich, aber es ist schon sehr rührend wenn eine Kinderschar winkt, wenn man ins Schlauchboot klettert.
Wir verlassen Gaspard Bay und die Dugongs um nach Port Sandwich zu segeln. Port Sandwich ist eine tiefeingeschnittene Bucht nur wenige Meilen nördlich und einer der sichersten Ankerplätze Malakulas. Bei der Ausfahrt zwischen den kleinen Inseln und Riffen schiebt uns der Strom und malt lauter Wirbel und kleine Wellen aufs Wasser. Beim Segelsetzen bricht Nobbi die Winschkurbel ab, ansonsten verläuft die Ausfahrt herrlich unspektakulär. Auf See erwartet uns merkwürdig konfuser Seegang. Die Ozeanwelle wird verziert von lauter kleinen zackigen, spitzen kleinen Wellen. Einige Meilen werden wir durchgeschüttelt bis wir ins ruhige Wasser von Port Sandwich abbiegen. Vor der Einfahrt sehen wir einen Wal, der leider abtaucht und sich nicht genauer ansehen lassen will. Wir ankern hinter Planters Point, eines der beiden anderen Boote die hier liegen, kennen wir schon aus Port Vila. Auf dem hellen Strand und sogar auf der verfallenen Pier sind lauter Kühe unterwegs und wir hören viele Hühner.
Es regnet und regnet und regnet. Sehr ergiebig und am nächsten Tag auch. Wir wollen uns trotzdem den Ort Lamap ansehen und gehen einfach los. Die „Straße“, eine Schotterpiste, versinkt ab und zu komplett in einer Pfütze. Wir kommen an schönen Gärten und gepflegten Häusern vorbei, ein paar Kinder winken uns, einige Frauen sammeln Muscheln. Im Ort sitzen viele Männer zusammen, die ziemlich Kava beduselt wirken und es riecht, als würde hier auch irgendetwas geraucht werden. Die Frauenrunde an der Kirche ist fröhlicher und findet uns in unserer Regenkleidung ziemlich lustig. Der Ort Lamap wirkt etwas traurig, wir sehen viele leerstehende, verlassene Häuser und Ruinen ohne Dach. Das schlechte Wetter trägt natürlich dazu bei. Auffällig sind die vielen Tiere, überall Kühe, Schweine und Hühner. Die Kühe stehen theoretisch auf eingezäunten Weiden, steigen aber ganz souverän über den Zaun um uns genauer in Augenschein zu nehmen.
Am Laden treffen wir David, der uns erzählt, dass der Laden geschlossen hat weil der Besitzer schläft. Das ist zumindest das, was wir verstehen. Ansonsten ist er bester Dinge und findet einfach alles „Nambawan“. Also super gut, number one, sozusagen top magic. In Vanuatu gibt es eine Vielzahl von Sprachen und Dialekten. Tatsächlich hat Vanuatu die höchste Sprachdichte der Welt. 109 Sprachen um genau zu sein, das haben wir im Museum gelernt. Letztes Jahr waren es noch 110, nun ist der letzte Sprecher gestorben. Die 320.000 Ni-Vans (die Einwohner Vanuatus) verständigen sich auf Bislama, Vanuatu Pidgin English. Außerdem werden Englisch und Französisch gesprochen, bis zur Unabhängigkeit 1980 wurde Vanuatu von einem Englisch-Französischen Condominium verwaltet. 95 % der Worte in Bislama sind englischen Ursprungs. Geschrieben werden sie etwa wie ein deutsches Grundschulkind englische Worte buchstabieren würde. Uns ist diese Sprache sehr sympathisch. Gesprochen verstehen wir nur einige Worte, aber man lernt schnell dazu und lesen kann man es mit etwas Übung ganz gut. Auf unserem Spaziergang treffen wir wieder auf einige nette Beispiele. Auf diesem Brett am Laden zum Beispiel lesen wir, dass der Besitzer Mehl zum Brotbacken vorrätig hat (Flawa – flour). Blong und long dienen als Verbindungsworte und Präpositionen. Berühmt ist die Tusker (Bier) Werbung Bia blong Yumi. Unser Bier. Bier für dich und mich. Schön finde ich auch den Aufruf zum Umweltschutz „Protektem Envaeronment blong Yumi“.
Eine nette Frau winkt uns aus ihrem Garten zu und schickt ihren Mann vor, er soll mit uns sprechen. Die Familie lebt mit ihren drei Jungs auf einem hübschen kleinen Hof, der Mann fischt und sie haben einen großen Garten mit ganz viel Obst und Gemüse. Ursprünglich kommen sie von der Nachbarinsel Ambrym und wollen wissen wo wir herkommen und wo wir schon waren. Wir bekommen eine riesige Pampelmuse geschenkt und bedanken uns mit einem Stück Seife, über das die Mutter sich sehr freut.
Wie gut, dass wir unsere Regenkleidung angezogen hatten. Wir waren drei Stunden unterwegs und es hat durchgehend geregnet. Am nächsten Morgen scheint endlich die Sonne, wir überlegen kurz, ob wir unsere Pläne ändern sollen, gerne würden wir uns noch einmal bei besserem Wetter umsehen. Wir entscheiden uns trotzdem den Anker aufzuholen und nach Ambrym zu segeln.
Uns erwartet ein wunderbarer Segeltag. Erst rauschen wir mit über 6 Knoten über die Enge zwischen Malakula und Ambrym. Als wir in den Windschatten von Ambrym kommen, verschwindet der Wind kurz ganz. Doch das macht gar nichts, wir machen gerade Mittagspause und genießen die Windstille zu Makrelenfilets aus der Dose mit Knäckebrot. Der Wind kommt zurück und wir segeln mit leichtem Wind bei absolut glattem Wasser an Ambryms Nordküste entlang. Ambrym ist ein riesiger Vulkan, in der Caldera die vor 2000 Jahren bei einem riesigen Ausbruch entstanden ist, haben sich zwei Vulkankegel gebildet, Benbow und Marum. Die beiden Kegel sind 1300 m hoch und der Vulkan gilt als durchgehend aktiv. Im Moment hat er Warnstufe 1 „Sign of Volcanic Unrest“. Die Flanken der Insel sind von grünem dichtem Wald bedeckt, die beiden Kegel ragen schwarz auf. An der Küste sehen wir schroffe Felsen und steile Hänge. Wir entscheiden uns für einen Ankerplatz vor einem einsamen Strand. Die Insel fällt steil ab, über und unter Wasser. Doch hier gibt es einen Platz an dem wir gut ankern können. Auf 13 m Wassertiefe beißt sich unser Anker in den schwarzen Sandgrund. Der Abend ist wunderschön, wir gucken Wolkenkino. Die Wolken verändern sich ständig und werden von der untergehenden Sonne in den schönsten Farben angeleuchtet. Der Schwell wiegt uns weich in den Schlaf. Auch am nächsten Morgen gibt es wieder Kino, wenn auch ganz anderes. Gerade als wir überlegen, dass es ja nicht ganz ungefährlich ist mit so einem kleinen Boot mit Außenborder von Insel zu Insel zu fahren, beobachten wir eine Rettungsaktion. Ein treibendes Boot wird von einem anderen in Schlepp genommen und zu „unserem“ Strand gebracht, das antriebslose Boot wird hier mit „all hands“ auf den Strand gezogen und alle dreizehn Personen klettern nun in ein Boot und setzen ihre Reise fort. Wir schwimmen ausgiebig im klaren Wasser und segeln dann weiter nach Pentecost.
Auch wenn uns der Platz bei Awei gefällt und das Baden dort sehr schön ist, ziehen wir weiter. Nur sechs Meilen sind es bis zur Gaspard Bay, unserem nächsten Stopp. Es ist grau und regnerisch, wir warten auf einen trockenen Moment und fahren los. Da wir bei Niedrigwasser unterwegs sind, sieht man die Riffe und Sandbänke trotz des grauen Wetters. Der Strom schiebt uns zwischen den Inseln durch. Wir sehen einige sehr hübsche Fleckchen mit schönen weißen Stränden, leider ist es fast überall sehr tief, zu tief zum Ankern. Die vordere Anchorage in der Gaspard Bay scheint uns zu ungeschützt. Auf dem Weg zum inneren Ankerplatz liegt ein Riff mit nur 1,80m Wasser darüber, das ist für uns zu flach. Es soll aber laut Berichten und Karte möglich sein daran vorbei zufahren. Die Bedingungen sind nicht ideal, es regnet und der Wind schiebt uns in die Bucht. Wir versuchen es trotzdem, das vorausschauende Echolot leistet gute Dienste und wir bringen die Engstelle heil hinter uns. Auf sieben Metern ankern wir mitten in der Mangrovengesäumten Bucht, der Anker fasst sofort. Was bringt uns dazu trotz andauerndem Regen an Deck zu stehen? Dugongs. Mindestens vier Dugongs sind stundenlang in der Bucht unterwegs, darunter eine Mutter mit Kind. Wir können uns gar nicht satt sehen an den sympathischen Pflanzenfressern.
Dugongs gehören zu den Seekühen und sind interessante Tiere, die in vielerlei Hinsicht eine Ausnahme darstellen. Zu den Seekühen gehören neben den Dugongs auch die Manatis, die hauptsächlich in Süß- oder Brackwasser leben z.B. an der Ostküste Amerikas, in Westafrika oder im Amazonasgebiet. Dugongs kommen im tropischen Indopazifik vor, also von hier in Vanuatu und Neukaledonien über Papua, Südostasien (Philippinen, Indonesien, Malaysia, Thailand) und Australien bis zu Ostküste Afrikas, Indien und im Roten Meer. Sie sind die einzigen pflanzenfressenden Meeressäuger und ernähren sich hauptsächlich von Seegras. Sie werden drei, maximal vier Meter lang und haben eine Fluke mit einer Kerbe, ähnlich einem Wal. Auch wenn sie etwas plump wirken, können sie recht schnell schwimmen. Sie tauchen jeweils einige Minuten, bevor sie zum Atmen an die Oberfläche kommen. Eine Dugongschwangerschaft dauert 12 bis 14 Monate, dann wird das Kalb 18 Monate gesäugt und begleitet seine Mutter oft viele Jahre. Die neugierigen Meeresbewohner haben eine erstaunlich hohe Lebenserwartung, sie können bis zu 70 Jahre alt werden und leben in kleinen Gruppen zusammen. Die netten Tiere haben äußerst interessante Verwandte, sind aber nicht mit anderen Meeressäugern verschwägert, auch wenn sie ein wenig so aussehen wie Nilpferde, sondern mit Elefanten, Schiefern und Erdferkeln.
Wir verbringen auch den windigen Sonntag in dieser Bucht, obwohl sie sich nach Südosten in Windrichtung öffnet, liegen wir hier schön ruhig. Der Wind ist gleichmäßig, wir schwoien kaum und die verschiedenen Korallenriffe sorgen dafür, dass wir vor Seegang geschützt sind. Ab und zu schauert es, meist ist es aber trocken und wir sitzen an Deck und beobachten unsere Seekühe. Dugongs zum Frühstück, beim Blick aus dem Küchenfenster, während Nobbi mir die Haare schneidet. Wundervoll! Wir können uns nicht satt sehen.
Gute 20 Meilen liegen zwischen unserer Ankerbucht auf Epi und den Maskelynen, einer Gruppe kleiner Inseln südlich von Malakula. Der Wind hat zugelegt, fünf Bft, in den Böen sind es satte sechs, und die Wellen sind gute zwei Meter hoch. Das Segeln bereitet uns Vergnügen, ist aber einigermaßen sportlich. Strömung und Unterwasserfelsen sorgen zum Teil für sehr steile Wellen. Mir macht es Spaß, ich steuere die ganze Zeit von Hand. Vor der Einfahrt zwischen zwei Inseln halsen wir und können dann mit raumem Wind einfahren. Kurz bevor wir zwischen die Riffe segeln, spüren wir, dass der Strom uns stark versetzt. Zwischen den Riffen und Inselchen bildet das Wasser kleine Strudel, die sich aber problemlos aussteuern lassen. Dahinter ist das Wasser ganz glatt, wir haben keinen Seegang mehr, die Sonne scheint und lässt die flachen Stellen türkis leuchten.
Wir bergen die Segel und tasten uns auf den Ankerplatz vor. Dort liegt schon ein französischer Katamaran, der kurz vor uns angekommen ist. Der Ankerplatz liegt zwischen zwei Inseln, die durch ein breites Riff verbunden sind, und bietet genügend Platz. Einige Kanus liegen an der Riffkante und die angelnden Menschen winken uns zu. Kurze Zeit später sitzt Chief Sofren in unserem Cockpit. Er heißt uns willkommen. Im kleinen Dorf auf der anderen Seite der Insel leben 19 Menschen. Sie fischen auf den umliegenden Riffen und haben Gärten auf ihrer Insel Awei und auch auf der anderen Seite des Ankerplatzes auf der Hauptinsel Malakula. Wir knüpfen erste Handelsbeziehungen, hier im Dorf kann man alles gebrauchen, Leinen, Angelhaken, Nadeln, Lebensmittel, alles ist gefragt. Wir freuen uns über Frischproviant. Der letzte Zyklon hat Teile der Bananenpflanzungen vernichtet, deshalb gibt es im Moment keine, aber grüne Kokosnüsse zum Trinken nehmen wir sehr gerne.
Der Platz gefällt uns und bei dem durchwachsenen Wetter liegen wir hier gut, wir bleiben. Am nächsten Tag besuchen wir das kleine Dorf. Eine Viertelstunde läuft man auf die andere Seite der Insel. Der Chief begleitet uns und erzählt, dass das Leben auf der Windseite angenehmer ist, außerdem ist das Land dort etwas höher gelegen, die tiefer gelegenen Bereiche werden bei Hochwasser ab und zu überflutet. Das Innere der Insel ist steil und bewaldet, dorthin gehen sie nur, wenn sie Feuerholz brauchen. Überall liegen angefressene Kokosnüsse herum, es gibt ein Problem mit Ratten. Wie in der gesamten Südsee haben sie sich auch hier sehr erfolgreich verbreitet. Das Dorf besteht aus mehreren hübschen, kleinen Hütten. Die meisten haben ein Palmendach und Wände aus geflochtenen Matten. Das kleine Dorf macht einen liebevoll hergerichteten Eindruck mit kleinen Einfassungen und Blumen. Überall sind Hühner unterwegs. Wie auf vielen Inseln, die wir besucht haben, gibt es keinen Hühnerstall und die Eier der Hühner werden nicht eingesammelt und gegessen. Die Hühner dienen nur als Fleischlieferant. Wir treffen keinen der anderen Bewohner, sind aber ziemlich sicher, dass wir beobachtet werden. Als wir zurück zu unserem Dinghi kommen, sitzen die Schwestern des Chiefs neben ihrem Kanu und lachen sich kaputt. Einer der Segler vom Kat, der neben uns ankert, versucht sich im Wingfoilen und fällt dabei regelmäßig ins Wasser. Das ist anscheinend das Lustigste, was hier seit einiger Zeit passiert ist.
Am nächsten Tag wollen wir bei Niedrigwasser am Riff spazieren gehen. Wir landen mit dem Dinghi an einem Strand an und treffen dort auf eine Familie, die Sand für den Hausbau in Säcke füllt. Auch sie nutzen die Gelegenheit und bieten uns Kokosnüsse an. Auf dem Rückweg kommen sie mit ihrem Kanu bei Mari längsseits. Im Kanu sitzen die Eltern mit ihren drei kleinen Jungs. Die Hunde müssen die weite Strecke zurück zum Dorf schwimmen. Der kleinere der Hunde würde gerne bei uns an Bord kommen und ich sehe Nobbi an, dass es ihm sehr schwer fällt den netten Hund nicht aus dem Wasser zu fischen. Das Riff ist sehr breit und auf seinem Dach ist auf der Innenseite eine Seegraswiese. Im flachen Wasser sind viele ganz kleine Fische unterwegs und wir entdecken einen kurios aussehenden Aal. Zumindest denken wir, dass es ein Aal ist. Eine einzeln stehende Mangrove behauptet sich tapfer nahe der Riffkante. Vom Strand aus führen schmale Pfade zwischen den Mangroven ins Inselinnere, dort befinden sich die Gärten. Ohne Begleitung wollen wir uns nicht ins Unterholz wagen, doch von draußen sehen wir, dass die Kulturpflanzen im Wald zwischen den hohen Bäumen wachsen. Die Kokosplantagen sieht man von weitem, die Gipfel der Palmen ragen hoch hinter den Mangroven auf. Abends fliegen Flughunde zwischen den hohen Inseln hin und her. Mir gefallen sie, sie sehen aus wie wir uns Vampire vorstellen und sind flott unterwegs. Und, es gibt noch ein weiteres tierisches Highlight, schon beim Einfahren in die Bucht haben wir ein Dugong gesehen, das dann leider nicht wieder aufgetaucht ist. Am dritten Abend haben wir Glück, in der Dämmerung schnauft es neben dem Boot. Einige Zeit können wir es beobachten, auch wenn es schon ziemlich dunkel ist.
Am Sonntag blieben wir einfach in der Melebucht liegen. Es ist sonnig und fast windstill. Am Strand ist viel los, Kinder spielen und Familien baden. In der Bar am Strand spielt eine Band. Richtig gut. Wir sitzen im Cockpit und genießen die Live-Musik. Ab und zu gehen wir baden. Das Wasser ist klar und hat die perfekte Badetemperatur. Ich lege mich auf den Rücken und lasse mich treiben, wenn der Windgenerator durchs Bild schwebt, mache ich ein paar Schwimmzüge bis zum Bug, dann lasse ich mich wieder treiben. An Maris Heck schwimmt eine kleine Seenadel, die ich mir in jeder Runde ansehe, ich finde die so niedlich.
Die kleine Hotel-Insel in der Melebucht
Den Pfingstmontag beginnen wir ganz gemütlich, ich backe einen Geburtstagskuchen und wieder wird ausgiebig gebadet. Nachmittags gehen wir Anker auf und verlassen die Insel Efate. Die Nächte hier sind lang, fast 13 Stunden ist es dunkel. Zu unserem nächsten Ziel sind es über 70 Meilen, das schaffen wir nicht bei Tageslicht, also entscheiden wir uns durch die Nacht zu segeln, damit wir auf jeden Fall im Hellen ankommen. Vor uns liegt eine fantastische Nachtfahrt. Die See liegt ganz ruhig, die kleinen Wellen sind nur einen Meter hoch, der Wind ist leicht aber gleichmäßig. Die Sonne versinkt mit goldenem Glitzern im Westen und der Halbmond zaubert silbrige Reflexe auf die Wasseroberfläche. Eine Schule Delfine begleitet uns lange und zeichnet fluoreszierende Streifen in die See. Mari strebt leichtfüßig nach Norden. Leider sind wir zu schnell. Wir möchten an der Westseite der Insel Epi ankern und nicht vor Sonnenaufgang ankommen. Schon um Mitternacht rollen wir das Vorsegel weg um langsamer zu werden. Bei Sonnenaufgang schält sich Epi aus der Dunkelheit. Geblendet von der aufgehenden Sonne tasten wir uns in die Ankerbucht. So macht man es eigentlich nicht. Am schönsten ist es immer wenn man die Sonne im Rücken hat, aber das geht eben nicht immer auf. Es ist ruhig und die Einfahrt zur Revelieu Bay hinter dem Riff nicht schwierig, so dass wir schnell einen Platz finden, mit dem wir zufrieden sind. Das Wasser ist ganz klar, wir sehen 8m unter uns nicht nur den Anker sondern können sogar kleine Tintenfische erkennen. Dadurch dass der Sand schwarz ist, leuchtet das Wasser etwas unheimlich. Und wir sehen hunderte blauer, intensiv leuchtender kleiner Kugeln, wissen aber nicht was das sein könnte. Wir schubsen unser Dinghi ins Wasser und hängen den Motor an, das ist immer ein wenig Getüddel. Am Strand können wir problemlos anlanden und ziehen unser Boot den Strand hoch. Wir spazieren am Strand entlang. Nahe der Mündung eines kleinen Flüsschens liegt Wäsche zum Trocknen auf dem warmen Sand. Zwei Frauen zeigen uns in welcher Richtung das Dorf Anduan liegt. Beim zweiten Versuch finden wir einen schmalen Pfad, der auf die Dorfstraße führt. Zwei kleine Mädchen, vielleicht drei und vier Jahre alt, spielen mit einer Machete und grinsen uns an. In einem Garten entdecken wir eine Frau, die wir fragen ob wir im Dorf spazieren gehen dürfen. Sie ruft den Chief. Chief Baron hat ein Gästebuch und zeigt uns welche Segler schon bei ihm im Dorf waren und bittet uns, uns ebenfalls einzutragen. Er sammelt Bootskarten, glücklicherweise haben wir eine Karte dabei. Nobbi fragt ihn ein bisschen aus und bespaßt die Kinder. Der Chief ist etwas unzufrieden, dass er uns keine Papayas und Bananen anbieten kann, wir aber freuen uns sehr über drei große Pampelmusen. Anschließend sehen wir uns das kleine Dorf an, das unter großen, ausladenden Bäumen liegt. In schönen Gärten stehen kleine Häuser, es gibt nur wenige Autos, aber viele Tiere. Überall sind Hühner unterwegs, wir sehen zutrauliche Schweine, eine Ziege, einige Kühe und viele freundliche Hunde. Am schwarzen Brett hängt eine Liste mit den Aktivitäten in diesem Jahr, ein zugewachsenes Schild weist auf den Kindergarten hin. Hier ist es sehr ruhig. Kurz vor Sonnenuntergang läuft ein knuffiges, hochbordiges Boot in die Bucht ein und ankert hinter uns. Später lernen wir, dass dieses Boot die Fische von vielen kleinen Dörfern abholt und für den Verkauf nach Port Vila bringt. Der erste Teil der Nacht ist wunderbar ruhig, gegen Morgen läuft der Schwell in die Bucht und Mari rollt gewaltig hin und her. Schlimmer als auf See. Ich stehe auf, fange einen Wasserkanister ein, der sich selbstständig gemacht hat und stopfe ein paar Handtücher in klappernde Schapps. Nobbi schläft ganz entspannt weiter. Das Wetter soll schlechter werden, Wind, hohe Wellen und Regen sind im Anmarsch. Wir entscheiden uns weiter zu segeln und uns einen geschützten Platz zu suchen.
Anfahrt des Ankerplatzes gegen die Sonne.Wir machen einen Strandspaziergang.Die Mündung des kleinen Flusses.Die Wäsche trocknet am Strand.Wir suchen den Pfad zum Dorf.Die kleinen Mädchen spielen auf der Dorfstraße.Diese nette Frau fragen wir, ob wir uns das Dorf ansehen dürfen.Wir tragen uns ins Gästebuch ein. Ein typischer Vorgarten.Niedliche, neugierige Schweine laufen überall herum.Eine magere Kuh beobachtet uns.Das Versammlungshaus steht in der Dorfmitte. So sieht es im Versammlungshaus aus.Ein tiefenentspannter Wachhund.Weit draußen wartet Mari auf uns.
Auch am Dienstag regnet es. Wir entscheiden uns das National Museum zu besuchen. Das Museum besteht aus einer wilden Mischung verstaubter Ausstellungsstücke. Ausgestopfte Vögel, getrocknete Fische, verstaubte Masken, verschiedene Poster, einige ausgegrabene Töpfereien. In manch einem Abstellraum einer deutschen Gesamtschule dürften mehr „Musemsstücke“ vor sich hin schlummern. Da wir schon einiges über Vanuatu gelesen haben, könnten wir viele Dinge einordnen, bzw. erkennen sie wieder. Als wir gerade gehen wollen werden wir aufgehalten, es gibt eine kleine Vorführung, wir dürfen daran teilnehmen. Diese Führung wertet den Museumsbesuch gewaltig auf. Unser Guide begrüßt jeden einzelnen, fasst die Geschichte Vanuatus auf unterhaltsame Art zusammen, führt das traditionelle „Sanddrawing“, das Zeichnen im Sand, vor und erzählt dazu Geschichten, spielt unterschiedliche Musikinstrumente, singt dazu und erklärt uns die Farben der Flagge Vanuatus.
In den nächsten Tagen kümmern wir uns um den Bootshaushalt, schnacken mit anderen Seglern, verbringen einen fröhlichen Abend mit neuen Freunden in einem Restaurant und erkunden Port Vila. Der Markt hat scheinbar immer geöffnet. Die Menschen leben quasi auf dem Markt bis sie ihre Waren verkauft haben, Kinder spielen, Babys werden gestillt, man schläft dort, unterhält sich mit den Nachbarn und wartet auf Kundschaft. Verkauft werden Taro, Yams, Ingwer, frische Erdnüsse, Kokosnüsse, Kürbis, Pampelmusen, Pak Choi, Salat und, zu Nobbis Freude, Unmengen Ananas. An der Wasserseite gibt es lauter Imbissstände, die eine Vielzahl von Gerichten anbieten und mittags sehr gut besucht sind. Ein Stückchen weiter gibt es einen Handwerksmarkt in einer großen Halle. Hier werden geflochtene Taschen, Bilder, Schmuck und Schnitzereien verkauft. Natürlich werden wir auch hier fündig. Wir folgen der Strandpromenade, gucken in viele kleine Läden, gehen Kaffee trinken und besuchen die Touri-Information. Die Menschen sind freundlich, offen und kontaktfreudig, es ist leicht ein Gespräch anzufangen, eine Information zu bekommen oder gemeinsam zu lachen.
Und dann warten da noch die Bootsarbeiten. Nobbi gelingt es den Außenborder zu reparieren. Das Wasser im Vergaser war nicht das einzige Problem. Ein Riss in der Benzinleitung zwischen Pumpe und Vergaser sorgt für Ärger. Ein passendes Stück Schlauch findet sich an Bord. Nun schnurrt der Motor wieder zufrieden. Das gute Stück ist inzwischen 22 Jahre alt, das gilt nicht mehr als jugendlich. Im Instrumenten-Panel im Cockpit findet sich ein loses Kabel, das Gestänge der Sprayhood war etwas verbogen und eine Schraube in einer Halterung hatte ihren Kopf verloren. Es gibt immer irgendwas zu erledigen.
Freitag fahren wir mit dem Dinghi zum Zoll. Wir brauchen ein Cruising Permit um andere Inseln besuchen zu dürfen, aus irgendwelchen Gründen konnten wir das Permit nicht am Montag beim Einchecken bekommen. Die Tür beim Zoll ist verschlossen, aber wir finden jemanden, der Bescheid sagt, dass es Kundschaft gibt. Die Erlaubnis erhalten wir in einem versiegelten Umschlag, den wir bei der Ausreise in Luganville abgeben sollen. Angela und George haben ein Auto gemietet und laden uns zu einem Ausflug ein, die Chance etwas von der Insel Efate zu sehen lassen wir uns nicht entgehen. Wir fahren zur Blue Lagoon. Um das klare Wasser gibt es eine Vielzahl von kleinen schattigen Hütten, man kann sich an Seilen ins Wasser schwingen oder von Plattformen springen. Wir nehmen ein ausgiebiges Bad, sehen den einheimischen Jugendlichen beim Badespaß zu und freuen uns, dass der Badeplatz heute wenig besucht ist. Wir haben ausgesprochen gute Laune und sehen über den sportlichen Eintrittspreis hinweg. Wir werfen noch einen Blick auf einen hübschen Strand, halten gelegentlich an und bekommen einen kleinen Eindruck vom Leben außerhalb „Port Vila Downtown“. Mir gefallen die Kühe unter den Kokospalmen besonders gut. Ob es häufiger vorkommt, dass sie von Kokosnüssen erschlagen werden?
Samstagmorgen laufen wir noch einmal zum Supermarkt und tragen zwei volle Rucksäcke an Bord, schließlich müssen wir dafür sorgen, dass uns das Feierabendbier nicht ausgeht. Danach geht’s auf den Markt. Das Angebot ist heute sehr beschränkt. Wir möchten keine riesige Yams-Wurzel kaufen, aber eine Ananas und einige Kokosnüsse wandern in die Einkaufstasche. Eigentlich wollten wir zu einer der nördlich gelegenen Inseln segeln, doch da wir fast keinen Wind haben, entscheiden wir uns nur wenige Meilen von Port Vila in der Mele Bucht zu ankern. Und hier liegen wir nun und genießen das Baden im wunderbar klaren Wasser. Wenn der Wind wiederkommt ziehen wir weiter.
Bei der Abfahrt aus Nouméa beginnt es zu regnen, dadurch fällt der Abschnied etwas leichter. Unser Timing ist wirklich gut, wir können mit Westwind nach Osten Richtung Baie de Prony segeln. Den Canal Woodin kennen wir bisher nur als eine malerische Enge mit etwas Strömung, heute haben wir hier eine unangenehme Wind-gegen-Strom-Situation. Die Wellen steilen sich auf. Da der Wind genau von achtern kommt müssen wir mit mehreren Halsen durch den Kanal fahren, richtig anspruchsvoll und auch nicht gerade gemütlich dieses wilde Geschaukel. Über Nacht soll der Wind auf Süd drehen. Wir übernachten an einer Boje in der Anse Majic und haben hier eine wunderbar ruhige Nacht unter einem gigantischen Sternenhimmel. In unseren Papieren steht, dass wir Neukaledonien am Freitag verlassen wollen, so ist diese Nacht vor Anker nach dem Ausklarieren nicht mal in einer Grauzone, sondern ganz und gar legal. Frankreich ist eine sehr Seglerfreundliche Nation, wir freuen uns über den entspannten Umgang. Wir waren bereits am Mittwoch bei den Behörden (Immigration, Zoll, Port Captain) und haben unsere Ausreisepapiere bekommen. Da Donnerstag ein Feiertag, Freitag ein Brückentag und am Wochenende ohnehin geschlossen ist, muss jeder der vor Montagmittag abreisen will, am Mittwoch seine Behördenbesuche erledigen. In Neukaledonien müssen wir keinerlei Gebühren bezahlen, ebenfalls sehr sympathisch. Sehr lustig finden wir es, dass wir mal wieder einen Stegnachbarn aus unserer Reihenhaus-Marina treffen. Er arbeitet im Hafenbüro.
Am nächsten Vormittag geht’s weiter. Wir wollen den Canal de la Havannah kurz vor Niedrigwasser erreichen und uns mit dem letzten ablaufenden Wasser hinausspülen lassen. Wir haben Südwest-Wind, also Wind von achtern, und erwarten gute Bedingungen im Pass. Wir sind schnell, schneller als gedacht. Wir haben zeitweise über dreieinhalb Knoten Strom und laufen fast zehn Knoten über Grund. Wie so oft wird es nochmal richtig aufregend, als wir dachten wir hätten es geschafft. Hinter dem Pass, dort wo der Meeresboden steil von 20 m auf 80 m abfällt, hat sich eine weiß schäumende stehende Welle gebildet. Wir sind angeleint und haben das Steckschott im Niedergang, als Vorsichtsmaßnahme. Es haben sich große Eddies gebildet, diese Strudel drücken Maris Nase immer wieder vom Kurs. Die schäumende Welle können wir schließlich umfahren, es gibt einen kleinen glatten Bereich. Entspannung setzt ein, wir sind draußen. Das UKW meldet sich. Es gibt eine Tsunami-Warnung, man soll sein Schiff in tiefes Wasser bringen und sich auf keinen Fall im Pass aufhalten. In tiefen Wasser sind wir jetzt. Wie gut, dass die Warnung nicht 2 Stunden eher gekommen ist, was hätten wir dann gemacht? Später erfahren wir, dass es ein Erdbeben der Stärke 7,7 östlich der Loyalitäts-Inseln gab, also ganz in unserer Nähe. Nach einiger Zeit wird die Tsunami Warnung aufgehoben. Das Beben und die Tsunami-Warnung haben es sogar in den „Weserkurier“ geschafft. Mari ist flott unterwegs, der saubere Bauch, das neue Großsegel und eine kleine Diät scheinen ihr gut zu tun. In der Nacht erreichen wir Lifou, eine der Loyalitäts-Inseln und passieren sie im Osten. Außer einem kleinen Leuchtturm sehen wir aber nichts von der Insel. Nun sind es noch 200 Meilen nach Port Vila. Der Wind kommt sehr achterlich, soll aber langsam drehen. Eigentlich schöne Bedingungen, doch der Seegang ist zeitweise sehr konfus und so werden wir immer wieder durchgeschüttelt. Später überlegen wir, ob wir den chaotischen Seegang vielleicht dem Erdbeben zu verdanken haben. Als wir immer wieder auf 8 Knoten durchs Wasser (!) beschleunigen, beschließen wir, dass es Zeit für ein zweites Reff ist. Es ist unangenehm, wenn das Schiff zu stark beschleunigt und dann gegen eine Wellenwand prallt. Ich bin mal wieder sehr seekrank. Der verfluchte zweite Tag. Während ich in der ersten Nacht ein regelrechtes Menü aus Käse, Baguette, Gummi-Schlangen, Möhren und Äpfeln verfuttere, kann ich am Nachmittag des zweiten Tages nicht mal an Essen denken, die zweite Nacht ist dann ganz schlimm. Der Sonntag ist grau. Aber die Tatsache, dass wir heute noch ankommen werden, führt zu guter Stimmung. Als wir Efate und die Bucht von Port Vila erreichen regnet es. Erst spät sehen wir Land. Immer wieder ist es spannend ein neues Land zu erreichen. Vanuatu riecht gut. Grün, nach Vegetation und irgendetwas Würzigem, das ich nicht zuordnen kann. Als wir neben der Quarantänetonne ankern sind wir klatschnass, aber sehr zufrieden den Ankerplatz im Hellen erreicht zu haben. Noch drei andere Yachten liegen hier mit gelber Quarantäne-Flagge vor Anker und warten auf die Einreise am nächsten Morgen. Die ganze Nacht hören wir unsere Kette über den Korallengrund rasseln, da wenig Wind ist schlafen wir trotzdem ganz gut.
Montagmorgen steht Einklarieren auf dem Programm. Erstmal das Dinghi aufpusten. Es ist weit zum Zoll. Zu weit zum Rudern, das Schlauchboot muss ran. Der Außenborder springt nicht an. Nobbi stellt fest, dass die Schwimmerkammer voll Wasser ist. Wir beschließen den kleinen 2PS Außenborder zu nehmen und uns später darum zu kümmern. Es regnet die ganze Zeit und einen Vergaser zu zerlegen und zu reinigen macht bei trockenem Wetter auch mehr Spaß. Eins der anderen Boote funkt den ganzen Morgen den Zoll an. Irgendwann antwortet auch mal jemand. Wir tuckern diagonal 1,5 sm durch die Bucht. An einem Lotsenboot können wir unser Schlauchboot anbinden und besuchen Zoll, Immigration und Biosecurity. Zwischendurch machen wir einen Abstecher zum Geldautomaten, damit wir die Gebühren auch bezahlen können. Das Einchecken geht schnell und sehr freundlich vonstatten. Der Biosecurity Beamte bemerkt, dass uns das Plakat mit dem Asiatischen Nashornkäfer (auch Coconut Rhinoceros Beetle, Oryctes rhinoceros) interessiert. Der Käfer hat es auf die Kokosnusspalmen und viele andere Palmenarten abgesehen und ist ein gefürchteter Schädling. Die Insel Efate auf der Port Vila liegt hat ein Käferproblem. Bei der Biosecurity hängen Poster über Lebenszyklus, Verbreitung und Vorsichtsmaßnahmen. Der Beamte kommt aus seinem Kabuff und erzählt, dass das Problem ernst ist. Die nördlichen Inseln sollen wenn irgendwie möglich nicht befallen werden. Da wir nach Norden segeln wollen, bittet er uns nicht nach vier Uhr am Nachmittag auszulaufen. Besonders bei einbrechender Dunkelheit sind die Käfer unterwegs und fliegen gerne zum Licht. Inzwischen ist der Sprühregen in einen ergiebigen Regen übergegangen. Aber es sieht nicht aus als würde es heute nochmal aufhören. Egal. Wir sind ohnehin nass und haben immerhin eine Regenjacke an. Wir tuckern los. Leider nur kurz. Unser Motor mag nicht mehr. Der Gang springt immer raus. Getriebeschaden? Wir rudern zurück und machen wieder am Lotsenboot fest. Wir haben Glück. Ein anderer Segler ist noch da und nimmt uns mit zurück. Eine weite Strecke mit drei Leuten in einem kleinen Dinghi mit einem 3 PS Außenborder und einem Boot im Schlepp. Alles im strömenden Regen. Aber wir unterhalten uns gut und durchgeweicht sind wir schon lange. Wir sind sehr dankbar, dass Vincent uns hilft. Wie gut, dass man sich auf die Hilfsbereitschaft der anderen Segler verlassen kann. Auch wenn es für ihn mit seinem kleinen Boot kein Spaß war, hat er keine Sekunde gezögert uns zu helfen. Wir bedanken uns mit einer Flasche Bordeaux. Viel früher als gedacht machen wir Bekanntschaft mit dem Riesenkäfer, dem Kokosnussschädling mit dem Nashorn. Er sitzt an unserer Großschot und faucht. So sehr, dass ich dachte das Dinghi hätte ein Loch. Ganz schön groß so ein Vieh, etwa 4 cm. Sehr interessant, ich schaue ihn mir genau an, aber dann muss er ausziehen, wir wollen ihn nicht an Bord haben. Wir wollen an die Boje verlegen, das Gerumpel unserer Ankerkette muss nicht sein, wenn es in geringer Entfernung Mooring-Bojen gibt. Bei Yachting World Marina meldet sich niemand über Funk. Wir beschließen einfach hinzufahren und uns eine Boje zu angeln. Wir wollen Anker auf gehen, aber der Anker will nicht. Mari geht richtig mit der Nase runter und das Heck hebt sich. Ich bekomme Angst, kann man so seine Yacht versenken? Nobbi behält die Nerven, ich soll den Anker mit Schwung überfahren. Vorwärts, rückwärts. Es knirscht, sonst tut sich nichts. Schließlich geben wir noch mal 10 m Kette, so dass wir ein bisschen Schwung holen können und holen aus. In einem Bogen dirigiert Nobbi mich um die Position an der der Anker vermutlich klemmt. Ein kleiner Ruck und wir sind frei. Ganz langsam tuckern wir über zwei flache Stellen und unter einer Hochspannungsleitung hindurch zu den Bojen. Hier muss nicht nur der Tiefgang passen sondern auch die Masthöhe stimmen. Wir suchen uns eine Boje aus, von Land wird uns gewinkt, eine der gelben sollen wir nehmen. Wir sagen „Hallo“ in der kleinen Marina und treffen Roslyn, die uns schon per Mail geholfen hatte, als wir den Zoll nicht erreichen konnten. Ein kleiner Spaziergang durch die Stadt, immer noch im Regen, ist das einzige was wir noch unternehmen. Wir kaufen uns SIM-Karten für unsere Telefone, damit wir uns Zuhause lebend melden können, werfen einen Blick auf den Markt und Nobbi kauft bereits ein kleines Andenken. Der erste Eindruck ist sehr sympathisch. Die Menschen sind kontaktfreudig und fröhlich. Ich glaube Vanuatu wird uns gefallen.
Wie so oft vergehen die letzten Tage im Flug. Ein letztes Mal Kaffee trinken auf dem Markt, noch einen Espresso auf dem Place des Cocotiers, ein letzter Einkauf, doch noch einen Abstecher in den Stoffladen. Abschied von unserem „floating village“ an Ponton B, von den Ladies im Marinabüro, von Nachbarn und Freunden. Das ist der traurige Teil am Reisen, das Abschiednehmen, schon ganz und gar, wenn man davon ausgeht, dass man nicht zurückkehrt. Wir haben dieses kleine Land mit seinen freundlichen Bewohnern und der tollen Natur ins Herz geschlossen. Das moderne Land, in dem man noch überall mit Schecks bezahlt wird, in dem Mittagspausen heilig sind und es immer und überall Baguette gibt. Wir nehmen viele Souvenirs und noch mehr schöne Erinnerungen mit. Jetzt sind wir gespannt wie uns Vanuatu gefallen wird. Wir freuen uns sehr auf dieses neue, aufregende Land!