Einen Antrag auf Erteilung eines Antragformulars zur Bestätigung der Nichtigkeit des Durchschlagexemplars…

Die Überschrift haben wir uns bei Reinhard Mey geliehen. Unser Formular heißt TECAT und eigentlich war alles ganz einfach, doch das wissen wir erst jetzt.
Gestern Morgen machen wir uns auf den Weg zur Hafenbehörde. Auch wenn wir auf Fernando de Noronha in Brasilien offiziell eingereist sind, müssen wir dort vorstellig werden. Der erste Bus fährt an uns vorbei, wir lernen, dass wir deutlicher zeigen müssen, dass wir mitgenommen werden wollen. Als der nächste Bus mit „unserer“ Nummer auftaucht winken wir energisch, der Bus hält und wir klettern rein. Es gibt einen Schaffner im Bus! Wir bezahlen und haben keine Schwierigkeiten die richtige Haltestelle zum Aussteigen zu finden. Zweimal fragen wir nach dem Weg, zweimal wird uns sehr nett geholfen. Die Hafenbehörde befindet sich in einem schönen Gebäude, es ist geflaggt und die Angestellten tragen alle möglichen Uniformen. Wir werden zunächst in einem Warteraum zwischen geparkt, in dem noch viele andere warten, dann aber abgeholt und zu einem netten Beamten gebracht, der kaum Englisch spricht. Gleichstand mit unseren Portugiesisch-Kenntnissen. Zum Glück gibt es Google Translator, so lernen wir, dass ein Formular fehlt. Er bringt uns zu Tor und zeigt den Weg zur Receita Federal, das ist zum Glück schräg gegenüber. Dort versuchen wir zu erklären, dass wir mit dem Boot da sind und ein Formular brauchen. Man erklärt uns, dass wir falsch sind und zu einem Büro ein paar Straßen weiter gehen sollen. Dieses Büro finden wir schnell, dort weiß nur leider niemand was wir eigentlich wollen. Der Pförtner bringt uns schließlich in ein Büro mit zwei engagierten Damen. Wieder kommt ein Übersetzungsprogramm zum Einsatz, ein englischsprechender Kollege wird gefunden, telefoniert und wir werden schließlich zu einer Agentur geschickt. Wir haben Zweifel, wollen gar keinen Agenten haben und beschließen zur Hafenbehörde zurückzukehren und nach dem genauen Namen des Formulars zu fragen. Dort kennt man uns bereits, wir werden direkt ins Büro geführt. Nun wissen wir, dass wir TECAT brauchen, ein Formular für die zeitlich begrenzte Einfuhr unseres Bootes nach Brasilien. Nun geht es wieder zur Receita Federal, dort geht es diesmal in ein anderes Büro, wo wir aber nur erfahren, dass wir wieder in das Büro einige Straßen weiter gehen sollen. Auch dort kennt man uns, trotzdem versuchen zwei Angestellte und eine andere Dame, die selbst wartet, unser Problem zu lösen. Schließlich werden wir zum Hafen geschickt. Der Weg wird uns mit google maps erklärt und wir bekommen den Namen des zuständigen Chefs beim Zoll. Am Hafen angekommen wissen wir zwar in welches Büro wir gehen sollen, doch am Empfang sitzen drei Leute, die uns leider nicht einfach so rein lassen wollen. Ein Kollege der Englisch spricht wird gerufen, es wird nachgefragt, telefoniert, wir warten, bekommen ein Glas Wasser und dürfen dann zum Zollbüro. Dort weiß man nicht nur was wir wollen, es gibt auch einen Merkzettel auf Englisch wie bei der Einreise von Fernando de Noronha vorzugehen ist. Nun geht es schnell. Wir füllen ein Formular aus, das der Chef unterschreiben muss, der gerade nicht da ist. Jetzt merken wir, dass Brasilien eine Sommerzeit hat, deshalb war morgens um sieben so wenig Verkehr, es war erst sechs… Bevor wir das Büro verlassen, bekommen wir einen Stadtplan von Recife und Beschreibungen von Spaziergängen zu den Sehenswürdigkeiten. Außerdem unterhalten wir uns via Übersetzungsprogramm noch ein bisschen mit den beiden netten Angestellten.
Jetzt haben wir vier Stunden Zeit bis wir unser Formular abholen können und machen einen Abstecher in eine Shopping Mall. Die Weihnachtsdeko ist riesig und es gibt alles. Wir gehen fast verloren zwischen Bikinis, Schuhen, Wohnartikeln und Weihnachtsdeko, kaufen letztlich aber nur zwei Reiseführer und im Supermarkt ein. Der Supermarkt ist eine Art Schlaraffenland. Obst und Gemüse soweit das Auge reicht, in allen Farben! Wir bringen unsere Einkäufe mit dem Taxi zum Boot und fahren wieder zum Hafen. Natürlich dürfen wir wieder nicht einfach so zum Zollbüro. Wir versuchen zu erklären, dass wir wieder zum Zoll wollen, genau wie vormittags. Aber so einfach geht das nicht. Wieder wird ein Englischsprechender Mitarbeiter gesucht. Dieser nimmt uns kurzer Hand mit. Sein Chef wiederum fährt uns mit dem Auto die 400 m zum Zollbüro. Unser Formular ist bereits fertig. Lustig ist allerdings, dass der Chef, der unser Formular unterschreiben musste, einer der Beamten ist, den wir bereits vormittags in einem anderen Büro getroffen haben. Wir müssen nicht alles verstehen. Nun geht es mit dem Formular zurück zur Hafenbehörde, wo wir direkt ins entsprechende Büro eskortiert werden. Leider hat inzwischen ein anderer Beamte Dienst. Er füllt eines unserer Formulare erst mal falsch aus, aber wofür gibt es TippEx. Nachmittags um vier sind wir, nach acht Stunden, fertig mit dem offiziellen Teil. Angeblich müssen wir nun erst in Salvador, unserem nächsten Hafen, wieder zur Hafenbehörde. Mal sehen was uns dort erwartet.
Trotz des ganzen Hin- und Herlaufens hatten wir einen schönen Tag. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der Brasilianer ist umwerfend. Überall waren die Menschen sehr freundlich, haben versucht uns zu helfen und uns einen Stuhl, Wasser oder Kaffee angeboten. Mehrfach hat uns jemand den Weg gezeigt, ist ein Stück mit uns gegangen oder hat sein Telefon raus gezogen, um etwas zu übersetzen oder eine Karte aufzurufen. Wir haben viel über brasilianische Arbeitsplätze und Behörden erfahren, wie sollte man sonst so viele verschiedene Büros an einem Tag zu sehen bekommen. Nach den vielen netten Begegnungen sind wir nun noch motivierter unsere sehr mageren portugiesisch Kenntnisse auszubauen.
Den Merkzettel des Zolls haben wir für die Marina Cabanga kopiert, auch wenn unseren Nachfolgern vielleicht viele nette Begegnungen entgehen, wenn sie einfach direkt zum Zoll gehen.