Galapagos

Frühmorgens nehmen wir ein Taxi zum Flughafen und fliegen via Guayaquil nach Baltra in Galapagos. Hier beginnt unsere Rundreise per Kreuzfahrtschiff. Die Santa Cruz II ist für die nächste Woche unser Zuhause. Das 70m lange Schiff ist gegen unsere Mari ein Koloss, für einen Kreuzfahrer eher ein Zwerg. 90 Passagiere haben Platz an Bord, doch wir sind nur 40 Gäste und haben es so nun sehr familiär.
Das Programm ist abwechslungsreich und straff. Die Tage sind prall gefüllt mit kleinen Wanderungen, Strandspaziergängen, Bootsfahrten, einigen längeren Ausflügen und Schnorcheltouren. Jeder Tag ist anders, manchmal findet die erste Wanderung schon vor dem Frühstück statt. Uns gefällt es, schließlich wollen wir möglichst viele Tiere sehen. Unsere Tour führt uns durch die östlichen Inseln des Archipels. Die Inseln sind ganz verschieden, die höheren haben eine tiefgrüne satte Vegetation, die flachen Inseln ganz im Osten bekommen nur selten Regen ab und sind trocken und karg.
Jeder Landgang beginnt mit einer Schlauchbootfahrt. Die Santa Cruz II geht in einer Bucht vor Anker und die Passagiere werden mit Schlauchbooten auf die Insel gebracht. Vor jeder Landung stellt sich die Frage „Wet Landing“ oder „Dry Landing“, barfuß bleiben oder Wanderschuhe anziehen, am Strand ins Wasser hüpfen oder vom Boot auf die Steine klettern.

Das Highlight jeden Ausflugs sind natürlich die Tiere, dafür sind wir alle hier. An wenigen Orten kommt man wilden Tieren so nah. Viele Tiere haben eine ganz geringe Fluchtdistanz. Die Regel lautet 2m Abstand von allen Tieren. Wenn Tiere auf dem Weg sitzen, muss man sie also vorsichtig umrunden. Und ich glaube sie wissen das. Ein Tölpel Paar sitzt mittig auf dem Weg um uns dabei zusehen wie wir um sie herumlaufen. Ich stelle mir vor, wie sie sich beim Frühstücksfisch überlegt haben heute mal Touristen anzugucken.

Fregattvögel sind elegante Flieger und gerissene Jäger. Sie fangen den Großteil ihrer Nahrung im Flug oder jagen anderen Seevögeln ihre Beute ab. Zwei engverwandte Spezies leben auf den Galapagos. Auf Seymour Norte besuchen wir eine Kolonie und lernen viel über ihr Sozialleben und können sie beim Balzen beobachten. Die Männchen pumpen einen gewaltigen roten Sack am Hals auf, die Fregattvögel Frauen fliegen über der Kolonie und halten nach einem imposanten Mann Ausschau. Falls eine Fregattvogel Frau einen tollen Mann sichtet, landet sie neben ihm und begutachtet sein Nest. Nur ein Fregattvogel Mann mit einem soliden Eigenheim kann überzeugen.
Auch die Blaufuß-Tölpel haben ein tolles Balzritual. Die Tölpelmänner versuchen ebenfalls die Frauen mit ihrem Körper zu beeindrucken. Genauer gesagt mit den Füßen. Leuchtend Türkis sollen sie sein. Sie tanzen voreinander und wenn die Frau nicht abgeneigt scheint, versucht der Mann mit einem Geschenk zu überzeugen und präsentiert seiner Auserwählten ein Stöckchen oder einen Stein.
Uns kommt das alles bekannt vor. Vögel sind eben auch nur Menschen.

Tölpel sind weit verbreitet, Basstölpel sind die einzigen europäischen Vertreter und brüten auch auf Helgoland. Die Blaufuß-Tölpel sind schon besonders cool mit ihren unwirklich blauen Füßen, die Rotfuß-Tölpel, die im Gegensatz zu den blauen Kollegen in Bäumen brüten, haben mir auch gefallen. Am meisten haben mich aber die Nazca-Tölpel begeistert. Sie brüten in großen Kolonien. Und sehr elegant in ihrem schwarz weißen Outfit. Die Küken sind schnell fast so groß wie ihre Eltern, sehr fluffig und nicht sehr hübsch.

Natürlich stehen auch die Riesenschildkröten auf dem Programm. Wir besuchen eine Station auf San Cristobal, die Charles Darwin Forschungsstation auf Santa Cruz und ein Gelände auf dem die Schildkröten mehr oder weniger frei leben. Wir lernen einiges über die noch lebenden 11 Arten und wie sie sich an die jeweilige Vegetation auf ihrer Insel angepasst haben. In Gummistiefeln folgen wir ihnen über eine Wiese und sehen den Riesen beim Baden zu. Die langsamen Viecher können sich schneller bewegen als gedacht. Ein großes Männchen „rennt“ los, als es ein hübsches Weibchen erspäht, das aber noch schneller ist und anscheinend keine Lust auf das riesige Männchen hat. In der Charles Darwin Station wird der Nachwuchs verschiedener Schildkrötenarten aufgezogen, um die Tiere später wieder auszuwildern. Außerdem gibt es dort eine informative, kleine Ausstellung.

Viele der Tiere sind endemisch auf Galapagos, das heißt sie kommen nur hier vor, nirgends sonst.
Das gilt auch für die verschiedenen Drachen. Drei Spezies Landleguane gibt es auf den Inseln. Sie werden bis zu 1,20 m lang und über 50 Jahre alt. Sie sind überhaupt nicht scheu und sehen immer aus als würden sie lächeln. Ihre Leibspeise sind Opuntien, diese wehren sich mit langen Stacheln, die die Leguane allerdings nur eingeschränkt beeindrucken. Santa Fe Leguane und Galapagos Leguane sind gelb-braun und leuchten in der Sonne.
Ihre schwimmenden Kollegen sind schwarz, das hilft ihnen, sich in der Sonne aufzuwärmen. Nur zur Paarungszeit färben sich die Männchen rot und grün. Die Meerechsen auf den Galapagos sind die einzige Leguan-Art weltweit, die ihre Nahrung im Meer findet. Eine dreiviertel Stunde können sie im Wasser bleiben und 30 m tief tauchen, dann müssen sie sich wieder aufwärmen. Sie sehen urzeitlich und wild aus. Wir hatten Glück und haben sogar eine unter Wasser gesehen. An Land kann man sie nicht übersehen, sie liegen überall auf den Felsen herum.
Alle Galapagos-Echsen haben einen gemeinsamen Vorfahren. Evolutionär gesehen trennten sich die Wege von Meer- und Landechsen vor 4,5 Mio. Jahren.

An den Seelöwen kann ich mich nicht satt sehen, sie sehen so fröhlich aus. Sie spielen im flachen Wasser und wälzen sich im Strand. Die Jungen warten darauf, dass die Mütter von der Jagd zurückkehren. Nur wenn ein Männchen Konkurrenz an seinem Strandabschnitt wittert sollte man sich in Acht nehmen. Eines der Highlights der Reise war das Schnorcheln mit den Seelöwen. Wir hatten Glück, dass ein großes Weibchen Lust hatte mit uns zu spielen. Sie umkreist uns, taucht unter uns durch, rollt sich um die eigene Achse, taucht wieder auf und wundert sich, dass wir so schlechte Schwimmer sind, auch wenn wir uns alle Mühe geben eine gute Figur zu machen. Ein unvergessliches Erlebnis! Auch sonst war das Schnorcheln toll, große Artenvielfalt unter Wasser, gewaltige Schwärme und viele Individuen. Es macht sich bemerkbar, dass hier nur sehr eingeschränkt gefischt werden darf.

Wir haben noch so viele andere tolle Tiere gesehen, wie den Galapagos Bussard, den es nur hier gibt, verschiedene Spottdrosseln, darunter eine Art, die einen so spitzen Schnabel hat, dass sie Blut von anderen Tieren trinken kann, die berühmten Darwin-Finken, Galapagos Seebären, eine kleine Schlange und die flinken Lavaechsen.

Die verzauberten Inseln haben auch uns bezaubert. Wir haben die Woche an Bord mit den wunderbaren Ausflügen sehr genossen. Das war auf jeden Fall ein ganz besonderer Urlaub, den ich nicht vergessen werde.
Die Bilderauswahl fällt diesmal größer aus, ich konnte mich einfach nicht entscheiden!

Quito

Unsere Urlaubsideen wurden durch Fernweh und gleich mehrere gute Gelegenheiten beeinflusst. Wir beschließen nach Südamerika zu fliegen und unseren Galapagosbesuch nachzuholen. Als wir 2019 von Panama zu den Marquesas segelten, ließen wir die Galapagos Inseln links liegen. Nicht nur im übertragenden Sinn, wir segelten nördlich dran vorbei.
Mitte März ist es soweit, zwei Wochen Urlaub warten auf uns. Sonntagmorgen sitzen wir entspannt beim Frühstück und freuen uns auf die Reise, die am nächsten Morgen beginnen soll. Als Nobbi eine E-Mail bekommt, dass das Bodenpersonal am Bremer Flughafen ausgerechnet zu Beginn unseres Urlaubs streiken will, ist es vorbei mit dem entspannten Vormittag. Wir buchen Flüge um, sagen unser Abendessen ab, reservieren ein Hotel und bitten meine Eltern uns zum Flughafen zubringen. Der Urlaub beginnt einen Tag früher, wir fliegen noch am gleichen Abend nach Frankfurt. Am nächsten Tag geht es ganz entspannt von Frankfurt nach Bogota. In Bogota verbringen wir wieder nur eine Nacht und genießen ein fantastisches Frühstück, dann steigen wir wieder in den Flieger. Es geht weiter nach Quito.

Quito gefällt uns sofort. Die ecuadorianische Hauptstadt hat 2 Mio. Einwohner, doch die Altstadt, in der wir uns rumtreiben und in der wir auch ein niedliches kleines Hotel gefunden haben, fühlt sich familiärer an. Die Altstadt kam schon in der ersten Runde 1978 auf die UNESCO Welterbenliste. Zu recht. Die toll erhaltende historische Altstadt mit ihren Bauten aus der Kolonialzeit ist beeindruckend. Die unzähligen Klöster und Kirchen, die im 15. Und 16. Jhd. von den großen Orden gebaut wurden, prägen das Gesicht der Altstadt.
1534 wurde San Francisco de Quito von den spanischen Kolonialherren gegründet, war regionales Zentrum und wurde Hauptstadt des Departamento del Sur in Großkolumbien und schließlich ecuadorianische Hauptstadt nach der Staatsgründung 1830.
Doch die Geschichte Quitos beginnt nicht mit der Stadtgründung durch die spanischen Eroberer. Die Hochebene wird seit 1500 v. Chr. dauerhaft bewohnt. Etwa hundert Jahre bevor die Spanier die Region unterwarfen, eroberten die Inkas die Ebene und Quito wurde eine der wichtigsten Städte des Inka-Reichs.

Wir lassen uns durch die Altstadt treiben und sitzen auf der Plaza Grande und beobachten das Leben. Morgens geht es eher ruhig zu, nachmittags wenn die Schule vorbei ist wird es voller und wuseliger. Nobbi lässt sich die Schuhe putzen und liest währenddessen in der Zeitung. Zwei Polizistinnen geben uns einen Stadtplan und ermahnen uns auf unsere Wertsachen zu achten. Der Besitzer einer kleinen Drogerie nimmt sich Zeit für uns, verkauft uns eine SIM Karte, aktiviert sie und bucht Pakete für uns. So sehen wir uns am liebsten eine fremde Stadt an, ganz gemächlich.
Quitos Straßen haben zum Teil erhebliche Steigungen und wir kommen schnell außer Atem. Das liegt auch daran, dass die Stadt auf 2850 m Höhe liegt, da wird die Luft knapp sobald man eine Treppe hinaufsteigt. Die umliegenden Vulkane bieten ein fantastisches Panorama, sollten sie sich einmal kurz zeigen. Sie sind zwischen fünf- und sechstausend Meter hoch und nur zu sehen, wenn die Wolken sich einmal kurz lichten.
Leider gilt in Ecuador die Maskenpflicht auch im Freien. Das ist schade, die Menschen sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Auch das Gesicht unserer zauberhaften Stadtführerin Lizetha sehen wir leider nicht. Sie zeigt uns die Altstadt und gibt uns einen tollen Ausblick über die Geschichte Ecuadors.

Es gäbe so viel zu sehen und tolle Ausflüge, die wir von Quito aus unternehmen könnten. Am liebsten würden wir aufs Land reisen und kleine Dörfer und abgelegene Vulkane ansehen. Doch dafür ist diesmal keine Zeit, wir haben andere Pläne. Nach drei Nächten geht es für uns weiter auf die Galapagos.

Die Aussichten

Seit Monaten warten wir darauf, dass Neuseeland seine Grenzen öffnet und wir zu unser Mari reisen dürfen. Vor drei Wochen ist es plötzlich und einigermaßen unerwartet soweit. Die neuseeländische Regierung gibt bekannt, dass wir im Mai einreisen dürfen. Als diese Nachricht veröffentlicht wird, sind wir gerade an einem anderen Ende der Welt im Urlaub und etwas überfordert. Nachdem die Kiwi-Nachrichten berichtet hatten, dass wir wohl erst mit einer Einreiseerlaubnis ab Oktober rechnen dürfen, hatten wir vorsichtig begonnen Pläne für den Sommer zu machen. Wir vertagen alle Gedanken an Reisepläne auf die Zeit nach dem Urlaub und genießen die Tage.
Nun sind wir wieder Zuhause und können darüber nachdenken, wann wir unsere Reise fortsetzen. Leider ist das Timing der neuseeländischen Öffnung für Segler eher suboptimal. Die Segelsaison im Pazifik ist das Winterhalbjahr und geht von Mai bis November. Idealerweise würden wir Neuseeland im Herbst, also Ende April Anfang Mai verlassen, bevor Neuseeland die ersten Winterstürme erlebt.

Wir werden vermutlich im Juni zu unser Mari reisen. Bevor wir uns Gedanken über einen Absegeltermin machen können, müssen wir zunächst feststellen wieviel Arbeit nach zwei Jahren Abwesenheit auf uns wartet. Aus dem Wasser muss sie auf jeden Fall. Wir werden inzwischen sicherlich Besitzer einer respektablen Muschelbank sein. Wenn unser Lieblingsboot dann segelklar ist, werden wir entscheiden ob wir einen verspäteten Start in die Pazifiksegelsaison wagen, oder ob wir unsere Abreise aus Neuseeland auf die folgende Saison verschieben.
Da Neuseeland zurzeit leider keine Visa bearbeitet, müssen wir das Land vermutlich nach drei Monaten verlassen, entweder per Boot oder per Flieger. Doch darüber machen wir uns zu einem späteren Zeitpunkt Gedanken.

Kaum gibt es erste Reisepläne, verbreitet sich eine rege Aktivität. Seekarten werden auf dem Fußboden ausgebreitet, der Atlas zur Rate gezogen, Blogs und Bücher gelesen und Kleinigkeiten bestellt. Wir sind wieder im Reisefieber und freuen uns auf die Fortsetzung unseres Abenteuers.

Ein Sommer ohne Boot ist möglich…

… aber irgendwie kein richtiger Sommer.
Unsere Flotte hat Zuwachs bekommen. Im Frühjahr haben wir spontan Else gekauft. Wir saßen an einem wunderbar sonnigen Nachmittag an der Weser, haben zwei Segelboote beobachtet und uns gefragt weshalb wir am und nicht auf dem Wasser unterwegs sind.
Else ist vor über 40 Jahren in Schweden gebaut worden und ein freundliches, gutmütiges und unkompliziertes Boot. Wir haben sie über eine Anzeige gefunden, uns sofort verliebt und sie schnellentschlossen gekauft.
Wir haben ein paar Ausflüge mit Else als Motorboot unternommen, hatten für vier Wochen einen Liegeplatz oberhalb des Weserwehrs, weil es sich dort schöner segelt, und fahren demnächst mit ihr in den Urlaub. Wir freuen uns darüber, wie einfach so ein kleines Boot ist. In ein paar Minuten haben wir den Mast gelegt, es ist relativ leicht sie aus dem Wasser zu holen und wir können sie auf dem Anhänger transportieren.
Genauso schön, wie es ist mit dem Boot unterwegs zu sein, ist es einfach auf dem Boot zu sitzen, am Boot rumzutüddeln oder einen Schnack auf dem Steg zu halten. Else ist das ideale Ziel für abendliche Fahrradtouren. Wir sitzen im Cockpit, trinken ein Bier und beobachten Austernfischer und Nutrias.

Neuseeland lässt uns warten

Wenn ich noch länger mit dem nächsten Blogeintrag warte, kann ich ihn „Warten auf Weihnachten“ nennen. Das möchte ich nicht. Es ist Zeit für eine Wasserstandsmeldung.
Leider gibt es noch immer nichts Neues aus Neuseeland, es ist nicht absehbar, wann wir wieder zu unserer Marisol dürfen. Wir versuchen die Zeit, die wir unfreiwillig hier verbringen, schön zu gestalten. Der Frühling, den wir im Februar noch so sehr vermisst haben, ist schließlich doch noch gekommen und inzwischen ist der Sommer auf unserem Balkon eingezogen. Bei gutem Wetter freuen wir uns über die Nähe zum Badesee. Für mich dürfte der Sommer gerne etwas wärmer und trockener sein, bei einem Blick auf Dürren, Überschwemmungen und Brände möchte ich mich aber nicht über den etwas durchwachsenen Sommer beschweren.

Bei unseren Ausflügen in die nähere Umgebung stellen wir immer wieder fest, dass wir es hier schön haben. Es gibt immer noch Wanderungen und Fahrradtouren, die darauf warten, dass wir sie unternehmen. Zum Glück ist es ist wieder möglich Freunde zu treffen und Museen zu besuchen. Ende Juli waren wir ein paar Tage an der Mosel und durften Gäste auf einer sehr schönen Hochzeit sein. Das erste Fest seit über einem Jahr!

Seit Anfang des Jahres arbeite ich hier in Bremen beim Impfteam und habe meine Heimatstadt dadurch von einer ganz neuen Seite kennengelernt. In kleinen Teams waren wir in der ganzen Stadt unterwegs. Meine Aufgabe ist dabei der Papierkram.
In den ersten Wochen haben wir Altenheime besucht. Ich glaube, jeder von uns hat jetzt genaue Vorstellungen davon, wo er später nicht untergebracht werden möchte. Es folgten sehr viele Personalimpfungen in Krankenhäusern und dann waren wir in den unterschiedlichsten Einrichtungen, das fand ich sehr interessant. Geimpft wurden zum Beispiel Obdachlose, Menschen in Einrichtungen für psychisch Kranke und in Beratungsstellen, aber auch Geflüchtete. Mit dem Impfteam war ich sogar in der JVA. Privat möchte ich dort keine Einblicke erhalten und fand es deshalb umso interessanter ein Gefängnis einmal live zu erleben.
Die Zeit im mobilen Team war sehr abwechslungsreich. Wir haben viele rührende, manchmal auch traurige, Geschichten erlebt, vor allem aber sehr viele lustige Situationen. Außerdem habe ich in einer Zeit, in der viele von uns wenige Kontakte hatten oder sogar regelrecht isoliert gelebt haben, viele Menschen kennengelernt und vielleicht sogar neue Freunde gefunden.
Im Juni hörten die mobilen Einsätze langsam auf und wir haben seitdem hauptsächlich im Impfzentrum gearbeitet. Dort ist die Arbeit viel monotoner und recht langweilig. Abwechslung bringen die Stadtteilimpfungen und die Tage mit den Impf-Trucks. Ein absolutes Highlight sind auf jeden Fall die Impfungen auf Handelsschiffen, so habe ich Gelegenheit mal wieder etwas Seeluft zu schnuppern.

Egal, wie schön wir es uns hier machen, so quälend ist es doch, dass die Perspektive fehlt. Das Heimweh nach unserer Marisol ist groß.

Kann das weg?

… oder ist das Kunst?
2016 haben wir Aale gesammelt. Alles begann mit Line Aal, hinzukamen einige Verwandte und lösten einen regelrechten Aal-Boom aus, so entstand die Aal Galerie. Eigentlich hatte ich beschlossen die Aal Serie mit dem AquatoriAal zu schließen. Doch die Aal Fans lassen nicht locker. Im Sommer ist der Weltaal von Mareike als letztes in die Sammlung eingezogen.
Immer wieder werde ich gefragt, was denn mit den Aalen sei und ob wir nicht andere Tiere sammeln wollen. Wer beginnt darüber nachzudenken findet sie überall, die Tiere in unserer Sprache wie z. B. den Strebär oder den Parlamentswal.
Bisher hatte ich eine Neuauflage des Aalesammelns immer ausgeschlossen. Andrea ist schuld, dass es nun doch eine Neuauflage gibt. Sie hat mich mit ihrer Entdeckung von deel zu „It`s a deel! Aale the english edition” angestiftet.
Hier geht es in die zweite Runde, Deel und High Heel machen den Anfang. Mareike hatte neulich den Paalstek an der Angel.

Wir warten auf den Frühling

Mir gefällt Bremen im Schnee. Wenn ich drinnen bin und Tee trinke. Wenn ich draußen durch tauenden Schneematsch wate oder am Sonntagmorgen vergebens auf die Abfahrt des Zugs hoffe, ist meine Begeisterung deutlich begrenzter. Puschelchen macht eine gute Figur als Schneetaube und ist hervorragend getarnt, allerdings wirkt sie nicht besonders begeistert. Ich glaube, sie freut sich auch aufs Frühjahr. Sie hat sich an einen windgeschützten Platz in den erfrorenen Geranien zurückgezogen. Bekommen Tauben eigentlich kalte Füße? Sollen wir unser Balkongeländer beheizen?
Wir träumen von der Südsee, lesen den Revierführer für Indonesien und hoffen auf die nächste Saison. Oder auf die übernächste. Und wir warten aufs Frühjahr. Corona macht einfach viel mehr Spaß, wenn man mit dem Rad über den Deich radeln kann.
Wer den Wetterbericht verfolgt weiß, dass wir noch etwas länger Frühling warten müssen. Zunächst soll der Winter zurückkommen.

Frohe Weihnachten

Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest!

Wie ihr seht blühen die Geranien auf unserem Balkon noch immer (das Foto ist vom 21. Dezember). Puschelchen fühlt sich sehr wohl im Blumenkasten und trägt als echter Weihnachtsfan sogar eine Weihnachtsmütze.

Ein Ausflug nach Essen und Düsseldorf

Auch der November ist mit staatlich verordnetem Winterschlaf schnell vergangen.
Bremen hat uns einige goldene Herbsttage geschenkt. Anfang des Monats, als noch bunte Blätter an den Bäumen hingen, waren wir noch mal zum Wandern im Wald und sind bei schönem Wetter durch den Bürgerpark spaziert. Inzwischen hat es die meisten Blätter von den Bäumen geweht.
Unser Auto hat sein Leben ausgehaucht und wir haben einen Nachfolger gefunden, die Gänse haben ihre Formation geprobt und nach Süden abgelegt, sogar einen Schwarm Störche haben wir gesehen und Puschel, die weiße Taube, kommt immer noch.
Neulich, noch vor Beginn des Winterschlafs, haben wir Freunde besucht. Essen und Düsseldorf sind nicht weit voneinander, so ließ sich das hervorragend verbinden.
Die Essener sind angetreten uns zu überzeugen, dass Essen eine grüne Stadt ist, die einiges zu bieten hat. Und so beginnen wir unseren Besuch mit einem Waldspaziergang.
Pflichtprogramm für Essen-Besucher: eine Besichtigung der Zeche Zollverein. Wir machen eine tolle Führung in einer kleinen Gruppe. Natürlich kannten wir das Bild des imposanten Doppelbocks über Schacht 12, dem Wahrzeichen der Stadt. Sonst hatten wir eher keine Ahnung. Während der Führung lernen wir nicht nur, dass hier von 1851 bis 1986 Steinkohle gefördert wurde, sondern bekommen auch interessante Einblicke in den harten Arbeitsalltag. Unsere Führung endet auf dem Dach mit einem Blick über Essen und seine Nachbarstädte. Der Ausblick von da oben ist wirklich toll, Neu-Essener müssen Prüfungsfragen beantworten. Wir planlose Touristen dürfen einfach die Aussicht genießen.
Wir spazieren durch den Stadtteil „alte“ Margarethenhöhe. Die von Margarethe Krupp 1906 gestiftete Siedlung, deren Wohnungen nicht nur für die Angestellten waren, sollte attraktive Wohnbedingungen bieten und zählt zu den ersten Gartenstädten. Heute zählt der Stadtteil zu den beliebtesten Wohngegenden, etwas das wir gut verstehen können.
Wir bleiben gewissenmaßen der Familie Krupp treu und besuchen die Villa Hügel, das ehemalige Wohnhaus der Familie Krupp. Und wo wir schon mal da, sind sehen wir uns auch die Ausstellung an. Ein junger Mann versucht seine Freundin mit seinem Fachwissen zu beeindrucken und meint „ so eine Villa“ sei schon für 900.000 Euro zu haben. Ich habe so meine Zweifel, möchte das Rendezvous aber nicht stören.
Zum Abschluss eines vollen Tages laufen wir ein Stück am Baldeneysee, inzwischen schaut sogar die Sonne raus. Übrigens, Essen ist nicht nur eine grüne Stadt, sondern hat auch ein Herz für Tiere. Fische benutzen am Wehr im Balderneysee nicht die Treppe, sondern einen Aufzug. Hier gibt es das „Fischlift System“.
Nach einem interessanten gemeinsamen Wochenende machen wir abschließend noch einen schönen Spaziergang durch die mittelalterliche Altstadt von Hattingen und uns danach auf den kurzen Weg nach Düsseldorf. Dort spazieren wir am Rhein entlang und freuen uns, dass so viele Binnenschiffe unterwegs sind.
Unsere Gastgeber haben beschlossen, dass wir uns das Schifffahrtsmuseum ansehen sollen. Wir sind begeistert. Wir waren zwar schon in vielen Schifffahrtsmuseen, aber noch nie in einem Binnenschifffahrtsmuseum. Das Museum befindet sich im alten Schlossturm und gefällt uns sehr. Es ist liebevoll gestaltet, hat schöne Ausstellungsstücke und viele Stationen, an denen wir etwas ausprobieren können. Der Kapitän an meiner Seite entwickelt regelrecht Ehrgeiz beim Anlegen eines Frachters im Düsseldorfer Hafen.
Bevor es wieder zurück an die Weser geht, laufen wir natürlich noch mal am Rhein entlang. Als ich beginne Pläne zu schmieden, dass wir mit dem Rad den Rhein entlang fahren könnten, reagiert Nobbi mehr als zurückhaltend. Er will lieber von Neuseeland nach Neukaledonien segeln.