Ein Museumsbesuch und „Fischdose am Boden“

Am historischen Museum im Castillo de San Gabriel sind wir bisher immer vorbeigelaufen. Es ist äußerst beliebt und sehr klein, deshalb bildet sich oft eine lange Schlange davor. An einem ruhigen Vormittag ohne Kreuzfahrtschiff wollen wir das Fort nun endlich ansehen. Die lustige Dame am Eingang bietet uns an das Castillo zu kaufen und erklärt uns dann, das WLAN sei ausgefallen und alle Beschilderungen auf Spanisch, wir könnten das Museum trotzdem besichtigen, brauchen aber keinen Eintritt bezahlen. Wir entscheiden uns für den Besuch des Museums, aber gegen den Kauf. Die Ausstellung ist übersichtlich, ein bisschen Geschichte des 15. bis 19. Jahrhunderts, ein paar Uniformen, Kanonen und eine Mumie aus vorspanischer Zeit, auf die man sehr stolz ist.

Die meiste Tage sind mit Bordalltag gefüllt. Ein Frühjahrsputz, einkaufen, Wäsche waschen und lange Spaziergänge. Eines der Polster im Vorschiff hat einen neuen Bezug bekommen, ein paar Ausrüstungsgegenstände wurden inspiziert, gewartet oder gewaschen. Die Platte des Kartentisches, einen Griff am Schott und die Bodenbretter im Vorschiff glänzen mit einer neuen Lackschicht. Das Lackieren war eine flotte Angelegenheit, doch die Vorarbeiten zogen sich. Nicht nur das Anschleifen und das Beseitigen des Schleifstaubs kosteten, wie immer, deutlich mehr Zeit als gedacht, auch mussten wir diverse Teile am Kartentisch abbauen, um die Platte demontieren und den Griff lackieren zu können. Lackiert haben wir im Cockpit, dann wurden die Teile im Salon gelagert und abends wanderten die staubtrockenen Bretter bereits ins Vorschiff. Damit wir nicht gewohnheitsmäßig auf die Bretter treten, haben wir eine Fischdose auf der Schwelle platziert. Das hat wunderbar funktioniert. Wir vermuten, dass es sich nicht zwingend um eine Fischdose handeln muss und werden das beim nächsten Lackierprojekt überprüfen. Beim Kartentisch besteht nicht die Gefahr, dass man aus Versehen drüber läuft, allerdings ist es unglaublich, wie oft man innerhalb weniger Stunden beinahe drauf fasst.

Mit dem Wind im Rücken kaufen wir immer an der Küste entlang nach Playa Honda. Es ist sonnig und angenehm warm, die Füße laufen fast von allein und wir freuen uns auf ein leckeres Mittagessen. Viele Restaurants haben geschlossen (Montag!), eins verscheucht uns mit merkwürdigem Fischgeruch, ein anderes ist wenig einladend. Egal, dann fahren wir mit dem Bus nach Arrecife zurück und essen dort. Dass der Busfahrplan ein wenig eigenwillig ist, hatten wir schon erwähnt. Vom Strand fährt der Bus erst in einer dreiviertel Stunde und hält dann weder an der Marina noch in der Nähe der angepeilten Restaurants. Also laufen wir einen Kilometer zur Hauptstraße, um dort in den Bus einzusteigen. Ein Bus fährt vorbei, wir lernen, dass er zum Aussteigen halten würde, aber nicht zum Einsteigen, einer kommt nicht und der dritte fährt, anders als erwartet, nur bis zum Intercambiador (nicht zu verwechseln mit Estacion). Der Verdacht, wir seien zu blöd den Busfahrplan zu lesen, drängt sich auf. Zu unserer Verteidigung können wir vorbringen, dass auch an der Bushaltestelle und im Bus allgemeine Verwirrung herrschten. Auch die Einheimischen scheinen das System (gibt es eins?) nicht zu durchblicken. Vom Intercambiador läuft man 40 Minuten zum Boot, wir brauchten dank des Restaurantbesuchs zwischendrin deutlich länger.
An der Bushaltestelle werden wir Zeuge geschäftlicher Aktivitäten. Ein Radfahrer wartet, ein verbeultes Auto hält, diskreter Tausch von Ware und Geld, Auto und Radfahrer verschwinden. Der Vermutung liegt nahe, dass weder Sonnenblumensamen noch Gummibärchen getauscht wurden. Auch an den Stränden kann man den regen Handel beobachten, das dürfte vermutlich auch der Grund für die auffällig hohe Polizeipräsenz sein. Doch nicht nur der Straßenhandel mit irgendwelchen Kräutern ist im Visier der Behörden. Die Guardia Civil hat einen Frachter gestoppt und das Schiff nach Las Palmas, Gran Canaria, gebracht. Unglaubliche 45 Tonnen Kokain wurden an Bord gefunden.
Wir sind weder an Kraut noch an Kokain interessiert, sondern freuen uns über die sommerlichen Temperaturen.

Blick vom Castillo auf die Stadt
Achtung! Fischdose am Boden!
Immer am Wasser entlang, unsere liebste Spazierstrecke.
Malerische Boote als Stranddeko.
Sympathischer Reiher mit schicker Frisur.

Liebe auf den zweiten Blick

Lanzarote ist karg und übersichtlich. Als wir im Süden der Insel angekommen sind, waren wir bereits mit dem Auto unterwegs und haben Vieles gesehen. Nun haben wir wieder ein Auto gemietet.
Unser Auto wartet am Flughafen. Der Flughafen ist nicht weit entfernt. Neulich sind wir von der Landebahn zum Boot gelaufen. Trotzdem ist die Anreise etwas kompliziert. Viele Busse fahren im Kreis, Busse, die teilweise die gleiche Strecke fahren halten deshalb noch lange nicht an den gleichen Bushaltestellen. Im Vergleich zu Teneriffa fahren die Busse selten. Eine halbe Stunde laufen wir zum Busbahnhof, fahren dann wenige Stationen und steigen direkt vorm Terminal aus.
Wie immer haben wir das kleinste Auto gemietet, einen Fiat 500. Unsere erste Station sind die Steinformationen an einem alten Steinbruch. Beim letzten Besuch war es hier so windig, dass wir in einer Kuhle gepicknickt haben. Jetzt machen wir einen Spaziergang über aufgegebene Terrassen. Es ist nicht mehr so grün wie bei unserem letzten Besuch, viele Gräser sind schon gelb und wir fühlen uns ein wenig wie im Spätsommer. Doch bei den Falken herrschen Frühlingsgefühle. Wir beobachten sie bei der Paarung. Auch ein Schmutzgeier kreist über dem Steinbruch, landet aber nicht.
Die Strände an der Nordostküste nehmen wir genau unter die Lupe, hier gibt es viele kleine Buchten mit weißem Strand zwischen schwarzen Felsen. Wir sind auf der Suche nach einem schönen perfekten Badeplatz und entscheiden uns schließlich für einen kleinen einsamen Strand mit glasklarem Wasser.

Die meisten Terrassen werden nicht mehr bewirtschaftet.
Es ist viel trockener als bei unserem ersten Besuch, das Grün ist an den meisten Stellen Gelbtönen gewichen.
Das weiche Gestein wurde vom Wind und vom Menschen geformt
Turmfalken-Gespräch
Der Schmutzgeier
Nobbi wünscht sich auch einen Kaktus im Vorgarten
Die Wahl fällt auch diese schöne Badebucht

Für den nächsten Vormittag haben wir uns eine Wanderung ausgesucht, doch leider war die Zufahrt zu dem Dorf, wo sie beginnen sollte, gesperrt. Wir halten, um die Karte zu konsultieren und machen spontan einen Spaziergang auf einem namenlosen Feldweg mit wunderbarer Aussicht.
Auf einer Halbinsel an der Westküste finden wir auf schwarzen Felsen den idealen Platz für die Mittagspause. Den langen Strand und die Dünen von Famara sehen wir noch bei strahlendem Sonnenschein, doch später schieben sich große Wolken über die Berge und es beginnt zu nieseln. Es erscheint uns wenig sinnvoll einen Aussichtspunkt anzusteuern, der in einer Wolke liegt, also biegen wir ab und besuchen stattdessen das Dorf Arietta an der Ostküste.

Trocken, aber nicht langweilig
Wein am Wegesrand
Alter Falter! Was für tolle Antennen!
Auf der Halbinsel liegt ein Sporthotel
Mittagspause auf schwarzen Felsen
Der lange Strand von Famara
Ziemlich wüstig!
Im Tal der Palmen liegt Haria

Der folgende Morgen ist sonnig und wir wollen einen zweiten Versuch in Sachen Aussichtspunkt unternehmen. Auf die schmale Straße nach Tabayesco biegen wir nur ab, weil wir sie noch nicht gefahren sind. In dem fruchtbaren Tal, Valle de Temisa, werden viele der Terrassenfelder noch bewirtschaftet und auf der schmalen Straße herrscht praktisch kein Verkehr. Die Karte verrät, dass es hier, nicht weit von der Straße, eine Quelle geben soll. Wir finden einen Platz, um das Auto zu parken und laufen zu dem Wasserbecken. Der Fußweg gefällt uns und so laufen wir immer weiter. Viele Vögel und Insekten sind zwischen den Sträuchern unterwegs und die trockenen Gräser bohren sich durch die Socken. Es fühlt sich hochsommerlich an. Irgendwann kehren wir um, da der weitere Weg hinunter ins Tal lange nicht benutzt und nicht mehr zu erkennen ist, der Pfad den Berg hinauf sieht besser aus, führt aber in die falsche Richtung. Unverhofft und ungeplant war das eine sehr schöne kleine Wanderung.
Heute schaffen wir es tatsächlich bis zum Mirador de Guinate. Die steil abfallenden Berge und der „Wasserfall“ aus Lava sind beeindruckend, gegenüber leuchtet Graciosa in der Sonne.
Auf dem Rückweg halten wir beim Casa Museo del Campesino, der von Cesar Manrique, wie sollte es auch anders sein, gestaltete Komplex ist eine wilde Mischung aus einem Bauernmuseum und Veranstaltungsraum, mit Restaurant, Handwerksmarkt, Café und Souvenirladen. Sollte ich mal eine Veranstaltung mit über 300 Leuten auf Lanzarote planen, ist diese Location definitiv meine erste Wahl.

Umso länger wir auf Lanzarote sind, umso besser gefällt es uns. Das gilt nicht nur für Arrecife, sondern für die gesamte Insel. Daher haben wir nächste Woche nochmal ein Auto gemietet und freuen uns auf die Ausflüge.

Artenvielfalt und gutes Wetter
Wasser tropft in das Sammelbecken
Sempervivum – Hauswurz
Ein abwechslungsreicher Wanderweg zwischen aufgegebenen Feldern.
Schlafmohn
Nobbi am Wasserbecken
Es fliegt und schwirrt
Der Weg führt entlang der alten Terrassen, oberhalb des Tals.
Blick vom Mirador auf Graciosa
Eremita de San Francisco Javier in Ye
Casa Museo del Campesino

Arrecife

Wir sind schon seit drei Wochen in Arrecife und wissen gar nicht so recht, wo die Zeit geblieben ist.
An manchen Tagen vergeht die Zeit einfach mit Alltagsgetüddel. Neulich wollten wir Bettwäsche zu waschen. Am Tag zuvor waren die Waschmaschinen außer Betrieb, scheinen jetzt aber wieder zu funktionieren. Wir ziehen die Betten ab, packen Münzen, Waschmittel und Wäsche ein, laufen zur Waschmaschine und stellen fest, dass die Waschmaschinen anscheinend noch kaputt sind. Also machen wir uns auf den Weg zum Waschsalon, das sind knapp zwanzig Minuten. Alle Waschmaschinen laufen, überall liegen große Berge schmutziger Wäsche und eine hektisch telefonierende Frau gestikuliert. Das heißt wohl, dass sie hier wäscht. Im nächsten Waschsalon, etwa 5 min Fußweg entfernt, können wir eine freie Waschmaschine ergattern. Während sie läuft, trinken wir einen Espresso. Mit unserer nassen Wäsche machen wir uns auf den Rückweg. Schon ist wieder ein Vormittag um. Nobbi hängt die Wäsche auf, die dank der trockenen Luft schnell trocknet, und kümmere mich ums Mittagessen.
Inzwischen funktionieren die Waschmaschinen an der Marina wieder, man muss nur Glück haben, dass eine der beiden Maschinen frei ist.
Ab und zu tüddeln wir ein bisschen am Boot rum. Durch die Griffe des Luks im Vorschiff tropfte es, wenn auf See Wasser über Deck lief. Wir haben sie auseinander gebaut, gründlich geputzt und die O-Ringe ersetzt. Nun sollte es auch bei überkommendem Wasser nicht mehr auf meine Koje tropfen.
Die Nähmaschine war wieder im Einsatz für einige kleine Reparaturen und irgendetwas zu putzen gibt es auch immer. Spätestens nach jeder Calima kann man auch unter Deck eine Wüste zusammenfegen.
Auch das Sozialleben kommt nicht zu kurz, wir feiern Wiedersehen, dürfen uns dem holländischen Stammtisch anschließen und waren zu einem fantastischen Geburtstagsessen eingeladen.

Nobbi und seine O-Ring-Sammlung

Nobbi und der Travel-Lift
Die Marina Lanzarote hat laut eigener Aussage den stärksten Travel-Lift Spaniens. 820 t kann das Monster heben. Das Ding lässt nicht nur Segel- und Motorboote, sondern auch Fischkutter, kleine Fähren und Rettungskreuzer mühelos an Land schweben und übt eine gewisse Faszination auf Nobbi aus.

Das Monster bei der Arbeit.
Nobbi will es ganz genau beobachten!

Die Pfütze
Arrecife ist die Hauptstadt Lanzarotes und etwa die Hälfte der Inselbewohner leben hier. Von der Marina Lanzarote ist es nur ein kleiner Spaziergang zur „Pfütze“. Die Charco de San Ginés ist eine Lagune, um die sich Restaurants und Bars tummeln. Weiße Häuser, blaue Geländer, Fensterläden und kleine Boote an Bojen auf der Lagune – sehr sympathisch. Im Abendlicht ist es hier besonders romantisch.
In der Altstadt, etwas Abseits von der Fußgängerzone, haben wir eine Stammbar gefunden. Der Kellner lacht nur, wenn er uns sieht, sagt „dos café con leche“ und bringt uns – wie immer – zwei Cañitas, zwei kleine Bier.

Den Kirchturm sieht man schon vom Wasser. In den schmalen Gassen ist die Kirche dann nicht ganz leicht zu finden.
Die Pfütze.
Für Fußgänger gibt es viele Abkürzungen.

Die Wasserseite mit ihren Stränden
Im Castillo de San José ist das Museum für zeitgenössische Kunst untergebracht. Nicht nur die Ausstellung, auch die Festung aus dem 18. Jahrhundert und der Ausblick über den Hafen sind sehenswert.
Während das Castillo nördlich von der Marina liegt, gelangt man im Süden zur Promenade, die sich endlos am Wasser entlang zieht. Im Castillo San Gabriel befindet sich das historische Museum, etwas weiter auf der Islote de Fermina, einem Inselchen, wurde eine aufwendige Poolanlage mit einem Café angelegt, leider darf man in den Pools nicht baden. Das ist nicht weiter schlimm, weil sich nun die Strände anschließen. Zunächst gelangt man zur Playa del Reducto, dem Stadtstrand, mit vielen Cafés und Restaurants. Läuft man weiter, wird es ruhiger. Nach einem steinigen Uferabschnitt kommt man zur Playa del Cable, dann zur Playa de la Concha und schließlich nach Playa Honda. Playa Honda ist ein Ort mit, ihr ahnt es, mehreren langen Stränden. Uns gefällt es sehr, dass wir hier, soweit wir mögen am Wasser entlang spazieren können, immer mit der Möglichkeit einer Badepause.
Einmal sind wir mit dem Bus nach Playa Honda gefahren. Der Strand grenzt an den Flughafen. Also sehen wir uns erstmal ein paar Starts an, Nobbi zählt die Sekunden auf dem Runway bis zum Take-off und schätzt das Startgewicht. Jeder hat so seine Hobbys. Dann laufen wir gemütlich die acht Kilometer zurück zu Mari.

Zu Beginn hatten wir ein paar kühle Tage und haben unsere Spaziergänge in Pullover und Jacke unternommen. Kräftige Calima hat uns, wieder einmal, komplett mit Sahara-Sand eingestaubt. Inzwischen ist es deutlich wärmer geworden, wir gehen wieder im T-Shirt spazieren und genießen das fast sommerliche Wetter.

Im Castillo de San José ist das Museum für zeitgenössische Kunst.
Dieser Leuchtturm am Fischereihafen ist das Denkmal für die auf See gebliebenen,
Auch im Castillo San Gabriel ist ein Museum.
In den Pools auf der Islote del Fermina darf man leider nicht baden.
Arrecifes Wasserseite
Baden wäre erlaubt, aber es besteht wenig Andrang.
Rugby-Tunier an der Playa del Reducto,
Der Stadtstrand. Es könnte schlimmer kommen.
Wohnungen mit Wasserblick. Sollen wir eine Karte „wenn sie jetzt oder später verkaufen wollen“ einwerfen?
Blick über die Playa de la Concha.

Lanzarote – Inseltour und Badespaß

Zwei Tage nach unserer Ankunft auf Lanzarote mieten wir ein Auto. Das ist für uns eher untypisch, meistens sehen wir uns zunächst zu Fuß in der näheren Umgebung um.
Wir wollen einen Eindruck von der Insel bekommen, die so ganz anders ist als Teneriffa. Lanzarote ist die trockenste der kanarischen Inseln und wenig bewachsen. Felsen, Sand, Lavafelder und Vulkankegel bestimmen das Bild.
Kommt man von Teneriffa, empfindet man Lanzarote als sehr karg. Tatsächlich ist es aber vergleichsweise grün. Der Regen der vergangenen Wochen sorgt für einen grünen Schimmer auf Bergen, die sich sonst eher in braun oder gelb präsentieren, und es blüht überall.
Wir kurven kreuz und quer über die Insel. Sehen uns Lavafelder an, stoppen an einem Besucherzentrum, wo wir etwas über Vulkane und die Entstehung Lanzarotes lernen, schauen vorsichtig über die hohen Felsen an der Westküste, picknicken im Windschutz einer Kapelle, weichen den Touristenmassen in der Nähe von Märkten aus und genießen den Ausblick auf die Nachbarinsel Graciosa. In dieser kargen Landschaft wird ausgerechnet Wein angebaut. In kleinen Kuhlen (mit und ohne Lavasteinmauer) kauern sich die Reben. Die Reben mögen die warmen Füße, jedoch nicht den starken Wind. Die Pflege der Weinstöcke und die Weinlese sind mühsam. Alles findet sehr dicht über dem Boden statt. Die leuchtend grünen Reben bilden einen tollen Kontrast zum schwarzen Boden. Das Tal der tausend Palmen mit dem Ort Haría, ist einer der wenigen Orte, an dem es hohe Pflanzen gibt. Im Tal wachsen viele kanarische Dattelpalmen. Bäume gibt es auf Lanzarote nur wenige (Palmen sind keine Bäume), abgesehen von Exemplaren in Vorgärten sehen wir nur wenige Feigen und Kiefern. Der Krater von El Golfo mit seiner grünen Lagune und die Salinen, etwas weiter südlich, leuchten im Abendlicht und bilden für uns den letzten Stopp unserer Inselrundfahrt.
Bei einem Besuch auf Lanzarote kommt man an César Manrique nicht vorbei. Der Künstler setzte sich vor allem dafür ein, dass der ursprüngliche Charakter Lanzarotes trotz des zunehmenden Tourismus erhalten bleibt und hat der Insel mit seinem Engagement wahrlich ein Geschenk gemacht. Seine Windspiele zieren zahlreiche Verkehrsinseln, er gestaltete eine Höhle als Ausstellungsraum, einen Aussichtspunkt und viele weitere Orte. Wir besichtigen sein beeindruckendes Haus, das in Lavablasen hineingebaut wurde. Das Domizil, was sich fast ganz in der erstarrten Lava versteckt, ist beeindruckend. Allerdings ist es brechend voll und der Besuch nur bedingt entspannt. Anschließend düsen wir in unserem Mietwagen noch ein bisschen über die Insel, es ist aber so windig, dass wir Probleme haben einen geschützten Platz für die Mittagspause zu finden. Der Wind pfeift über die karge, baumlose Insel und es ist spürbar, wie er ihr Aussehen geformt hat.

Calima ist eine Wetterlage, bei der der Wind trockene Saharaluft mit feinem Sand zu den kanarischen Inseln trägt. Die aktuelle Calima ist besonders heftig und staubt für zwei Tage die ganzen Kanaren ein. Bei uns wird morgens nicht richtig hell, es ist dunstig und der Sand dringt überall hinein. Mari wird von einer Staubschicht bedeckt.

Aussicht aus unserem Cockpit – mit und ohne Calima.
Merkwürdige Stimmung und ein milchiger Himmel durch den Staub in der Luft.

Die Marina Rubicon liegt mitten in der Touristenmeile im Süden Lanzarotes. Hotels, Restaurants, Bars, Boutiquen, Souvenirläden, Minisupermärkte und Eisdielen reihen sich aneinander. Wir unternehmen ausgiebige Spaziergänge entlang der Promenade, die entspannte Urlaubsstimmung gefällt uns. Doch wir haben lange nicht so viele sehr sonnenverbrannte Menschen gesehen. Abgesehen davon, dass es ungesund ist, das tut doch weh! Der Spaziergang zu Aldi punktet nicht mit einer sehenswerten Strecke, aber diesmal lassen wir uns nicht von den Feiertagen überraschen, sondern kaufen vorher ein.
Man kann es hier schon aushalten. Mari liegt an einem schönen Liegeplatz am Ende des Stegs und die Duschen sind first-class mit heißem Wasser, aber uns zieht es trotzdem weiter.

Unsere nächste Etappe ist sehr kurz, keine zwei Meilen sind es zum Ankerplatz. Am Strand davor herrscht ein reges Treiben. Ausflugs-Katamarane machen einen Badestopp, Kanutouren umrunden uns, viele Tagesausflügler ankern für ein paar Stunden und ziehen dann weiter. An der Landspitze, vor der wir liegen, reihen sich die schönsten Strände der Insel aneinander. Der Playa Papagayo und seine Nachbarn sind gut besucht, Familien verbringen hier die Osterferien, es wird geschwommen, gespielt und gesonnt. Wir schließen uns an und machen auch Urlaub. Baden, lesen, sonnen, aufs Wasser gucken. Sommergefühle. Ab und zu rollt Mari etwas im Schwell der Fähren, aber wenn man im Cockpit liegt und liest, stört das gar nicht.
Ostersamstag ist es morgens grau im Süden der Sonneninsel. Da fällt es nicht ganz so schwer sich loszureißen. Bei sehr wenig Wind motoren wir entlang der Ostküste nach Arrecife. In der Einfahrt liegt die „Mein Schiff Relax“ und bietet eine gute „Landmarke“ zur Ansteuerung. Kaum haben wir sie passiert, reißt der Himmel auf und es wird heiß. Wir finden unseren Liegeplatz und legen trotz der „Hilfe“ der Marineros problemlos an.

Abschied von Teneriffa

Das Sturmtief Therese, schickt uns in Santa Cruz schließlich doch noch Regen und Gewitter. In den Regenpausen male ich unseren Marisol-Schriftzug an die Mauer des Hafenbeckens. Das bringt uns sicherlich Glück auf den nächsten Etappen. Nobbi wechselt Dichtungen in den Brennstoffleitungen des Motors. Große Sauerei. Als das dicke Tief sich endlich auffüllt und verschwindet, nehmen wir Abschied von unserem Winterliegeplatz in Santa Cruz, der Stadt, in der wir uns zuhause gefühlt haben und beginnen die Segelsaison 2026!
Es weht mehr als uns lieb ist. Zum Ablegen warten wir auf eine Pause zwischen den Böen. Als wir im Hafenbecken Segel setzen, fegt eine 30er Böe übers Boot. Noch im Hafenbecken halse ich unfreiwillig, zum Glück geht nichts kaputt und Nobbi zieht seine Arme schnell genug weg. Die ersten Meilen sind anstrengend, Phasen mit kaum Wind wechseln sich mit starken Böen ab. Als wir die Nordspitze Teneriffas hinter uns lassen, wird es besser. Der Wind ist nun gleichmäßiger, die Wellen sind aber ganz schön hoch. Wir wollen die 130 Meilen nach Lanzarote in einem Rutsch segeln. Zu Beginn fragen wir uns, ob wir die Höhe halten können. Der Wind kommt aus Norden, wir wollen nach Nordosten. Manchmal krachen wir in ein Wellental. Wir schauen uns an, dazu haben wir keine Lust. Sollen wir nach Fuerteventura abdrehen? Dann entscheiden wir uns, dem Wind noch einige Stunden die Chance zu geben zu unseren Gunsten zu drehen und reffen das Vorsegel stark ein. Nun sind wir nicht mehr schnell, aber wir klettern wie eine Gummiente über die Wellenberge und fallen nicht in die Wellentäler. Das ist leiser und schonender für Material und Nerven. Nachts hat der Wettergott ein Einsehen, der Wind dreht ein wenig westlicher und das Wellenbild wird ruhiger. Nobbi trifft gleich sechs große Schiffe an der Kreuzung nördlich von Gran Canaria. Das Verkehrstrennungsgebiet zwischen Gran Canaria und Fuerteventura ist eine beliebte Durchfahrt zwischen den Inseln. Morgens rollen wir die Fock aus und Mari darf zeigen was sie kann. Im Schutz von Lanzarote macht das Segeln dann so viel Spaß, dass wir fast traurig sind, schon angekommen zu sein.
Am frühen Nachmittag laufen wir in die Marina Rubicon ein. Wir können sofort am Empfangssteg festmachen und werden sehr nett eingecheckt, bevor wir an unseren angewiesenen Liegeplatz umziehen dürfen.
Santa Cruz de Tenerife war für uns der ideale Überwinterungsort. Schöne Ausflüge, das reiche kulturelle Angebot, die interessante Stadt mit guten Einkaufsmöglichkeiten für Boot und Mensch, die Werft und nicht zuletzt die netten Nachbarn haben die Zeit schnell und schön vergehen lassen. Jetzt ist es schön, wieder unterwegs zu sein!

Abschied von Santa Cruz – Plaza Espana mit Fontäne.
Nobbi tauscht die Dichtungen. Das gestaltet sich nicht ganz so einfach wie gedacht.
Ich kann nicht bei Niedrigwasser malen, dann ist unser Logo in der Wasserlinie, und bekommen reichlich Beratung von vorbei laufenden Seglern.
Fertig!
Ankunft in der Marina Rubicon

Sturm Therese, ein glänzender Fußboden und eine schöne Wanderung

Wir haben Besuch von Therese. Therese ist keine alte Freundin, die spontan beschlossen hat uns zu besuchen, sondern ein großes Sturmtief. Seit Mittwoch bringt es den Kanaren ungewöhnlichen Südwind, Regen und hohe Wellen. Auf dem Teide hat es kräftig geschneit, die Schule ist ausgefallen, die Straßen in die Nationalparks sind gesperrt und Wanderwege geschlossen. Im Süden der Inseln hat es stark geregnet, die ausgetrockneten Flussbetten haben sich rasch gefüllt, Stauseen laufen über, es werden Erdrutsche, überspülte Hafenmolen, umgestürzte Bäume und Stromausfälle gemeldet. Im Norden von Teneriffa hatten wir unerwartet sonniges und warmes Wetter. Die Schauer waren hier eher kurz und auch die Sturmböen nicht so schlimm wie befürchtet. Allerdings ist der Hafen nach Süden hin offen und das Wasser im Hafenbecken durch den sogenannten „surge“, das Heben und Senken des Meeres, in Bewegung. Die Schwimmstege bewegen sich heftig, die Boote schwingen sich auf und rucken in ihren Leinen. Auf der gegenüberliegenden Hafenseite können wir beobachten, wie die Welle die Hafenmauer entlangläuft. Hatten wir lediglich einige unruhige Nächte, hat es andere Boote schlimmer getroffen. An einem Steg liegen die Boote an Mooring-Leinen, hier sind die Moorings gleich reihenweise gebrochen, woanders ist ein Fingersteg vom Hauptsteg abgerissen, mehrere Klampen haben sich vom Steg getrennt. Bei vielen Booten sind Leinen oder Ruckfender gerissen und die Fender platt. Naturgewalten treffen auf mangelnde Wartung des Hafens, es wird immer nur geflickt was gerade kaputt gegangen ist.

Anfang der Woche waren wir fest entschlossen nach Lanzarote zu segeln. Alles ist vorbereitet, die Mahlzeiten für die Überfahrt sind im Kühlschrank verstaut, Stromkabel und Wasserschlauch verstaut und die Marina-Zugangskarten abgegeben. Bevor wir in die Koje gehen, werfen wir noch einen Blick auf den Wetterbericht. Er hat sich schon wieder verändert, leider nicht zu unseren Gunsten. Wir schlafen beide schlecht (bei mir ist das nicht ungewöhnlich, bei Nobbi hingegen schon) und stehen um sechs Uhr auf. Jetzt muss die Entscheidung fallen. Nach einer Tasse Kaffee entscheiden wir uns zu bleiben und gehen wieder ins Bett. Der Wetterbericht hat sich schon wieder verändert, wir haben Angst, dass Therese uns einholt, bevor wir Lanzarote erreicht haben.
Beim späteren zweiten Kaffee des Tages stellen wir fest, dass der Wetterbericht nun wieder angenehmeres Wetter verspricht. Zu spät. Therese scheint launisch und schwer vorhersagbar zu sein. Zur Ablenkung schnüren wir die Wanderschuhe und nehmen den Bus ins Anaga-Gebirge. An einem Aussichtspunkt steigen wir aus und laufen hinunter an die Nordküste. Der Pfad ist erst einmal schmal und steil, bevor er in einen breiten Weg übergeht. Die ganze Zeit bietet sich eine tolle Aussicht über die Nordküste. Bis auf das Geraschel der vor uns fliehenden Eidechsen und das Vogelgezwitscher ist es hier ganz still.
An der Küste angekommen, wird es grau und kalt. Wir trinken einen Kaffee in einem Restaurant, hungrig sind wir nicht, haben wir doch gerade unseren Proviant für die geplante Überfahrt als Picknick genossen. Als wir uns auf den Weg zur Bushaltestelle machen, kommt die Sonne wieder raus und beleuchtet die spektakuläre Küste. Ein gelungener Ausflug, nicht zuletzt wegen der schönen Busfahrt einmal quer übers Ananga-Gebirge.

Am Startpunkt der Wanderung
Der Weg ist leicht zu finden. Von hier runter an die Küste.
Ein Pfad mit Aussicht.
Wie kann „man“ hier wachsen?
Terrassen im Tal
Im zweiten Abschnitt geht der Pfad in einen breiten Weg über.
Nobbi ist leicht zu entdecken.
Es geht fast immer bergab.
Es blüht am Wegesrand.
Die spektakuläre Nordküste
Keine Badebedingungen!

Es beginnt ganz harmlos. Nobbi schlägt vor, den Fußboden in der Pantry abzuschleifen und zu lackieren. Irgendetwas müssen wir ja machen, wenn wir noch länger bleiben. Dieser Teil des Fußbodens lässt sich nicht ausbauen, wir müssen also im Boot schleifen. Es ist mühsam und, wie erwartet, staubig. Letztlich schleifen wir abwechselnd fast sechs Stunden! Abends trage ich die erste Schicht Lack auf und dann gehen wir essen, heute kann nicht an Bord gekocht werden.
Der „Küchenfußboden“ reicht bis unter die Treppe ins Cockpit. Die unteren Stufen, die gleichzeitig die Abdeckung des Motors darstellen und die Treppe, stehen zwischen Kartentisch und Motor. Um das Boot zu verlassen braucht es eine Kletterpartie.
Am nächsten Morgen soll eine neue Schicht Lack aufgetragen werden und gleichzeitig sollen die Maststütze und zwei weitere Bodenbretter lackiert werden. Angeschliffen hatten wir die Teile bereits am Tag zuvor. Unsere Planung sieht vor, dass ich von vorne nach hinten lackiere. Erst die Maststütze, dann das Bodenbrett, das auf dem Tisch liegt, danach das, was auf dem Herd liegt und schließlich den Boden. Saubere Kleidung, Rucksack und Handtasche liegen bereits im Niedergang bereit, unsere alten Bettbezüge dienen als schützende Unterlage, die Bodenbretter balancieren auf Gemüsedosen. Es klappt erstaunlich gut, wir verlassen das Boot und sind den halben Tag unterwegs. Ein Freund hatte Unglück mit seinem Liegeplatz und wir besorgen neue Fender für ihn, schnacken hier und dort mit anderen Seglern über die letzte holperige Hafennacht, machen einen ausgiebigen Spaziergang und als wir wieder an Bord kommen, kann der Lack als staubtrocken gelten. Mit dem Ergebnis sind wir zufrieden, bleibt jedoch das alte Problem: die Teile daneben, könnten jetzt auch gerne lackiert werden.

Abends wird die erste Schicht Lack aufgetragen
Kleine Baustelle – großes Chaos.
Ich lackiere mich von der Maststütze zum Niedergang.
Der Wohncomfort ist kurzfristig eingeschränkt.
So schön sah der Küchenboden lange nicht aus.
Die aufgehübschten Bodenbretter glänzen wieder!

Letztes Wochenende wurden die neuen kanarischen Löschflugzeuge ausgiebig getestet und wir konnten drei Tage lang ihre Manöver beobachten. Da sie im Hafen nördlich von uns sechs Tonnen Löschwasser aufgenommen haben, saßen wir gewissermaßen in der ersten Reihe. Zu unserem Glück haben sie das Wasser dann über dem Meer wieder abgelassen. Beim letzten Flug des Tages wurde ausgiebig mit den Flügeln gewackelt. Wir waren begeistert. Außerdem waren wir erneut im Palmetum, der Palmengarten ist immer einen Abstecher wert.

Der Nachbar beim Fischfang.

Ausflugsvergnügen

Es war tagelang ungewöhnlich grau und so waren wir froh, dass wir letzte Woche noch einmal für einige Tage ein Auto gemietet hatten und Ausflüge machen konnten. Unser Auto versorgt uns ununterbrochen mit guten Ratschlägen. Nach 20 Minuten sollen wir eine Kaffeepause einlegen, es piept ständig und beim Aussteigen sollen wir nachsehen, ob wir nicht vielleicht einen Mitfahrer auf der Rückbank vergessen haben.

In El Sauzal, an der Nordküste, sind wir von Aussichtspunkt hinunter zum Weg am Meer gelaufen und anschließend wieder zum Aussichtspunkt hochgestiegen. Da wir wegen des grauen Wetters Jacken und Pullover dabei hatten ist uns auf dem Rückweg recht warm geworden, liegt der Aussichtspunkt doch 200m über dem kleinen Rundweg an der Küste. Die Fahrt zurück nach Santa Cruz führt durchs Anagagebirge. Erst beginnt es zu nieseln, doch dann reißt der Himmel auf und wir können noch einige Sonnenstrahlen einfangen.

Am nächsten Tag wollen die Sonne sehen, die Nordküste und das Anagagebirge verstecken sich in grauen Wolken. Wir entscheiden uns für die Straße, die oberhalb der Ostküste verläuft. Wenig befahren schlängelt sie sich auf etwa 500m um unendlich viele Schluchten. Hier hatten wir bei früheren Ausflügen ein Schild zur „Barranco el Pino“ gesehen. Der einzige Parkplatz ist frei, also packen wir unser Picknick ein und laufen los. Die karge Landschaft des Südostens der Insel ist, zumindest auf den zweiten Blick, auch faszinierend. Tiefe Schluchten (Barancos) durchziehen die wüstenartige Landschaft, in der kleine Höfe ihre Terrassen angelegt haben. Am Wegesrand blühen viele interessante Pflanzen, doch der Wandergenuss ist getrübt: es ist sehr windig. Obwohl wir nebeneinander laufen, müssen wir uns anschreien. Also drehen wir um und suchen uns einen gemütlichen Picknick-Platz. Am Wanderparkplatz bei Las Vegas werden wir fündig. Ein paar Meter auf dem Wanderweg überzeugen uns, hierher wollen wir in den nächsten Tagen zurückkehren.

Es wird Zeit für einen Ausflug in den Teide Nationalpark. Obwohl wir schon so oft in Teneriffas Mitte waren, begeistert uns die Landschaft immer wieder. Ein Spaziergang um einen Hügel bietet fantastische Ausblicke und absolute Ruhe. Keine Autos, keine Menschen, kein Wind. Als wir später in einem Lavafeld rumlaufen, treffen wir auf Wandergruppen, junge Familien, die sich mit Kinderwagen ins Geröll trauen und Drohnen, die trotz Drohnenverbot „nur ganz kurz“ eine wichtige Aufnahme machen. Wir suchen uns ein paar Steine und bleiben dort sitzen bis der Ansturm vorbei ist. Die Rückfahrt über Vilaflor hält sehr viele Serpentinen bereit, doch wir haben die Straßen fast für uns allein und genießen das schöne Wetter.

Die Wanderung bei Las Vegas ist noch schöner als vermutet. Der Weg schlängelt sich durch die Landschaft zwischen trockenen Barancos am Rand des Pinienwaldes, der die höheren Lagen bedeckt. Hier gibt es ein Wasserleitungssystem, dass an die Levadas auf Madeira erinnert. Zum Teil sind die Kanäle noch in Betrieb, an anderen Stellen wurden sie durch Rohre ersetzt. Der Pfad führt an ehemaligen Wohnhöhlen und an Höhlen, die zur Lebensmittelaufbewahrung verwendet wurden, vorbei. Der vor uns liegende Weg führt tief hinunter in eine Schlucht und auf der anderen Seite wieder steil hinauf, ist aber so abwechslungsreich, dass wir kaum merken wie anstrengend es ist. Anschließend sehen wir uns Las Vegas an. Ein ausgesprochen hübsches Dorf mit weißen Häusern und einer Kiefer vor der Kirche, die als Glockenturm dient.

Wir wollen den Teide Nationalpark im Nachmittagslicht sehen. Damit wir die Sonne im Rücken haben, müssen wir erstmal in den Westen der Insel fahren und so kommen wir zu einer halben Inselrundfahrt. An der Nordküste machen wir auf der Autobahn Strecke und finden dann eine Straße, die wir noch nicht kennen. Im Westen der Insel entscheiden wir uns gegen die geplante Wanderung, es ist nebelig und feucht. Wir suchen weiterhin das Gute-Laune-Wetter. Umso höher wir kommen, umso heller wird es. Eine kleine beliebte Wanderung führt uns über die Baumgrenze auf ein Lavafeld. Nobbi ist kein Fan von Wanderungen auf „Seramis“ und setzt sich unter den letzten Baum. Ich laufe noch ein bisschen weiter und leiste ihm dann Gesellschaft.
Unser Plan geht auf, der Teide leuchtet im Nachmittagslicht und wir brauchen sehr lange für den Rückweg, weil wir überall noch ein Foto machen müssen oder nur ein paar Meter in irgendeinen Weg laufen wollen. Ganz wunderbar.

Da unsere Zeit in Santa Cruz langsam zu Ende geht und auch einige unserer „Winter-Nachbarn“ weiterziehen, heißt es Abschied nehmen. Ein lustiger Besuch in einer Weinbar, ein sehr windiger Besuch in einer Bar auf einer Dachterrasse, die Entdeckung eines niedlichen Italieners, ein sehr netter Abend an Bord bei Freunden, ein spontaner Kaffee… das gesellschaftliche Leben blüht noch einmal richtig auf. Dann kehren Freunde zurück nach Santa Cruz, wir feiern das Wiedersehen, wir gehen gemeinsam Paella essen und dabei wird ein gemeinsamer Opernbesuch beschlossen. Seit Monaten sehen wir die „Romeo und Julia“-Plakate und sind uns sicher, dass wir Santa Cruz dann lange verlassen haben werden. In der Premiere gibt es neben wenigen Einzelplätzen noch genau fünf zusammenhängende Sitze, wenn das kein Zeichen ist. Zu fünft genießen wir eine tolle Premiere.

Flugshow

Sollten wir Auslauf brauchen oder Ruhe suchen, machen wir einen Spaziergang in den Park. Die Halsbandsittiche bieten ein tägliches Unterhaltungsprogramm. Außerdem gibt es einige Vogelarten, deren Verwandten bei uns zuhause wohnhaft sind wie Meisen, Zilpzalp, Grasmücken oder Amseln. Neulich habe ich stundenlang Sittiche fotografiert, nur um dann die SD-Karte der Kamera zu formatieren. Ein Anlass noch einmal Papageien fotografieren zu gehen. Die anderen Vogelfotos sind alle im Anaga-Gebirge entstanden, auch das der glücklichen Hühner.

Kleine Bootsarbeiten

Wer ein Boot hat, dem wird nicht langweilig. Neulich hatte Nobbi festgestellt, dass die automatische Pumpe unter der Stopfbuchse nicht funktioniert. Bevor wir sie wegwerfen, haben wir die ausgebaute Pumpe in einem Eimer Wasser erneut getestet. Sie funktioniert. Also wird sie gründlich gesäubert und „mal eben“ wieder eingebaut. Nobbi hängt kopfüber in der Bilge und flucht. Die Pumpe geht nicht, sie bekommt gar keinen Strom. Nach längerem hin- und her wird klar, Schuld ist nicht die Pumpe, sondern der korrodierte Schalter. Ein neuer Schalter findet sich in der Elektrokiste. Um den alten Schalter auszubauen, müssen die Kabel im Motorraum enttüdelt werden. Nach dem Wechsel des Schalters werden alle Kabel wieder mit Kabelbindern gezähmt. Immerhin 4 Stunden Arbeit, aber eine neue Pumpe brauchen wir nun nicht kaufen.
Eine der Leisten der Gräting im Cockpit wackelt und beim Wäschesack sind die Henkel durchgescheuert. Winzige Kleinigkeiten, deren Reparatur ein mittleres Chaos nach sich zieht.
Dann gibt es Arbeiten, die sollen gemacht werden, aber die Lust sie zu beginnen wird durch die Befürchtungen, wie kompliziert es sich gestalten könnte, stark gemindert. Als wir Besuch bekommen haben, haben wir unser Schlauchboot unterm Salontisch hervorgeholt und an Deck gelegt. Dabei haben wir gesehen, dass einer der Bolzen, der das Tischgestell im Boden befestigt seinen Kopf verloren hat. Der Bolzen muss nun raus. Da er kopflos ist, kann man ihn kaum anfassen. Außerdem haben wir Angst um unser Fußbodenbrett, das die Arbeiten unbeschadet überstehen soll. Nach unten können wir den Bolzen nicht herausschrauben. Dafür ist er schlicht zu lang, bzw. nicht genügend Platz in der Bilge. Schließlich schrauben wir das Tischgestell und das Bodenbrett komplett ab und heben es nach oben heraus. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört, weil es schmatzend zwischen Salonsofa, Backskiste und Schott zur Kombüse passt. Nun lässt sich der abgerissene Bolzen relativ einfach mit einer Zange, Kraft und Geduld entfernen. Wir beschließen das Bodenbrett zu lackieren, bevor wir es wieder einbauen. Das ist schnell erledigt. Nobbi schleift an, ich lackiere. Leider ist das Wetter nicht gut. Das Brett muss unter Deck trocknen. Da wir nun weder einen Tisch haben noch der Fußboden begehbar ist (er wurde ausgebaut oder dient als Ablagefläche für das frisch lackierte Brett), gehen wir erst ins Naturkundemuseum und anschließend mit Freunden ein Glas Wein trinken.
Beim Einbau am nächsten Morgen bricht von einem weiteren Bolzen der Kopf ab. Kopflose Gesellen, diese Edelstahlbolzen, zum Glück haben wir noch einen Ersatz an Bord. Vom „neuen“ Fußboden sieht man nicht viel, weil das Schlauchboot wieder seinen Platz unterm Tisch eingenommen hat, aber noch genug, um die Idee zu nähren „mal eben“ den Rest des Fußbodens zu lackieren.

Die Bewegungsfreiheit unter Deck ist eingeschränkt.
Das Tischgestell hat wieder vier Bolzen mit Kopf und der Fußboden darunter glänzt.
Der reparierte Wäschesack betätigt sich als Windsack.

Die Milchmädchen und Puerto Cruz

Nachdem wir Werft und Karneval verdaut haben und zumindest einen großen Teil des Staubs losgeworden sind, hätten wir Lust die Insel zu wechseln. Doch der Wetterbericht verspricht erst windlose Tage, dann (zu-)viel Wind und Regen. Da wir keine Lust auf eine lange Motorfahrt haben, verlängern wir unseren Aufenthalt. Obwohl wir schon so lange hier sind, gibt es immer noch etwas zu entdecken. Neulich haben wir an einer interessanten Stadtführung durch Santa Cruz teilgenommen. Obwohl wir an allen besuchten Plätzen bereits zuvor gewesen waren, haben wir viel Neues gelernt und hatten einen lustigen Vormittag.

Uns steht der Sinn nach einer kleinen Wanderung. Wir steigen an der Endhaltestelle der Busstrecke aus wollen von hier auf einem Pfad zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen. Der Pfad ist gesperrt. Privat-Schilder und eine Hundewarnung sprechen eine klare Sprache. Auf der Straße ist der Weg doppelt so weit, doch da es leicht bergab geht und die Straße kaum befahren ist, läuft es sich sehr angenehm. In den Tälern nördlich von Santa Cruz ist es grün, viele gelbe Blüten zieren die Wiesen, blühende Mandelbäume und Gärten sorgen für Abwechslung. Nun folgen wir dem Camino de las Lecheras, dem „Milchmädchen-Weg“. Auf dieser Route haben früher Frauen Milch und landwirtschaftliche Produkte in die Stadt gebracht. Bereits im 16. Jahrhundert soll die 15 km lange Strecke begangen worden sein, vielleicht bereits in vorspanischer Zeit. Wir laufen weder die ganzen 15 km, noch tragen wir eine Milchkanne auf dem Kopf. Uns reicht es, dass wir uns den wärmsten Tag der letzten Wochen oder Monate ausgesucht haben. Fast 30 Grad ist es warm und windstill. Abgesehen von einem knackigen Anstieg ist der Weg recht harmlos. Genau richtig für uns. Wir sind beeindruckt wie wild Teneriffa sich hier in unmittelbarer Nähe zur Stadt zeigt. Der Wanderweg schlängelt sich am Hang entlang, unter uns eine tiefe Schlucht. Manchmal gibt es Geländer oder Seile, an denen man sich festhalten kann. Entlang des Pfads blühen viele Pflanzen und abgesehen von wenigen Vogelstimmen ist es ganz still. Dieser schöne Abschnitt der Route ist viel zu schnell zu Ende. Wir suchen uns einen Felsen für unser Picknick mit Blick über Santa Cruz.
Der Wanderweg endet bei einer roten Höhle, eigentlich einem alten Steinbruch, die toll wäre, wenn nicht so viel Müll darin liegen würde. Der Stadtteil heißt nach der Höhle Cueva Roja und klebt am Hang. Viele schmale Fußwege und unzählige Treppenstufen führen zwischen den kleinen, verwinkelten Häusern durch. Als wir das Gewirr der kleinen Gänge hinter uns lassen, ist es nur noch eine gute halbe Stunde zurück zum Hafen. Die Tour hat uns sehr gut gefallen, wir könnten uns vorstellen sie noch einmal zu laufen.

Von Santa Cruz gibt es eine schnelle Busverbindung nach Puerto Cruz, der Bus nimmt die Autobahn. Den kleinen Botanischen Garten kennen wir noch nicht. Er gefällt uns. Viele schöne, große Bäume aus aller Welt stehen in dem Park, der bereits 1788 angelegt und seitdem einige Mal umgestaltet wurde. In den nächsten Jahren soll er erweitert werden. Auf einer schattigen Bank essen wir uns Picknick und beobachten Pflanzen, Vögel und Menschen. Wir laufen einen Kringel durch Puerto Cruz. Hier gibt es viele, zum Teil sehr hässliche Hotels, mehr deutsche Rentner als auf Norderney und mehr Souvenir- und Sonnencremeläden als Supermärkte. Aber, Puerto Cruz hat auch schöne Ecken zu bieten: schmale Gassen, traditionelle Häuser mit hölzernen Balkonen und viele Blumen. Außerdem gibt es an jeder zweiten Straßenecke eine tolle Aussicht – im Norden das Meer, im Süden der Teide.