Oper, Weihnachtsdeko und kleine Boote

Auf dem Flug nach Teneriffa hatten wir schönes Wetter und oft gaben die lockeren Wolken den Blick frei. Auf den Bergen Nordspaniens liegt schon Schnee. Um Teneriffa sind wir einen Kringel geflogen und konnten so die Westküste, den Süden und den Pico de Teide bewundern.
In den ersten Tagen nach der Ankunft war das Wetter durchwachsen, unsere Nachbarn sind sich einig, dass wir den Regen aus Deutschland mitgebracht haben. Allerdings ist der Regen erheblich wärmer als der in Bremen. Jeden Tag wurde das Wetter ein bisschen besser und am letzten Wochenende war es wunderschön sonnig.
Gleich am Tag nach unserer Ankunft haben wir weihnachtlich geschmückt. Lichterkette, Kugeln, diverse Weihnachtsflamingos und Mini-Tannenbäume. Auch Santa Cruz hat sich geschmückt. Der Weihnachtsschmuck ist ganz nach meinem Geschmack, hier gilt „viel hilft viel“. An Lichtern wurde wirklich nicht gespart: große Weihnachtsbäume, eine riesige Christbaumkugel, Engel, Schleifen und Ornamente überall in der Innenstadt. Zusätzlich werden alle Beete, egal ob auf Verkehrsinseln oder in der Fußgängerzone großzügig mit Weihnachtssternen bepflanzt. Wir wollten uns gern einen Weihnachtsstern für den Salon kaufen, doch alle Exemplare, die wir bisher gesehen haben, sind schlicht zu groß.

Freitag waren wir endlich im Auditorio und haben Pablo Sorozábals Adiós a la Bohemia gesehen. Schon bei unseren letzten Teneriffa Besuchen wollten wir dort gerne ein Konzert hören und nun hat es endlich geklappt. Noch nie hat in der Oper jemand hinter mir mitgesungen, eine Erfahrung, die ich nicht dringend wiederholen möchte.
Die Aufführung hat uns aber sehr gefallen und wir freuen uns schon aufs nächste Konzert.
Sonntagnachmittag haben wir einen ausgiebigen Spaziergang durchs Palmetum unternommen, die Palmen im Palmengarten auf der ehemaligen Müllkippe sind in den letzten acht Jahren deutlich gewachsen und die Vogelpopulation hat weiter zugenommen.

Im Hafen ist einiges los. Viele Yachten legen hier einen Stopp ein, bevor sie über den Atlantik gehen. Segelboote aller Größen bereiten sich auf die Ozeanpassage vor, darunter echte Exoten wie die Segler der selbstgebauten 5,90 m langen Boote. Weniger als eine Tonne wiegen die kleinen Boote, das ist ganz schön wenig Boot für einen Ozean! Einige Tradis und Luxussegler mit bis zu 4 Masten sind ebenfalls zu sehen. Die Motoryachten der Luxusklasse liegen meistens nur wenige Nächte hier und sind dann auf dem Weg in die Karibik.
Im anderen Hafenbecken legen jeden Tag mehrere Kreuzfahrtschiffe an und wir raten beim Frühstück gerne die Nationalität der vorbei flanierenden Kreuzfahrer. Kleidungsstil und Lautstärke der Unterhaltung sind dabei wichtige Anhaltspunkte.

Die Tage vergehen mit Alltags-Getüdel und kleinen Bootsarbeiten. In Bremen habe ich neue Vorhänge genäht. Die alten waren doch sehr ausgeblichen und hatten nach der letzten Wäsche einige Löcher. Da es 18 Vorhangteile (bei einer Länge von 35 cm kann man nicht von Schals sprechen) sind, war es ein recht mühsames Projekt. Die neuen Vorhänge passen und sehen aus, wie wir es uns vorgestellt hatten.
Unser Windgenerator hatte uns nach Hause begleitet und Nobbi hat dort die Lager getauscht. Um die Lager zu entfernen, sollte der Generator im Backofen auf 80 °C erwärmt werden, das wollten wir lieber nicht in unserem Bord-Backofen ausprobieren. Um den Windgenerator anzubauen, durften wir wieder auf dem Vorschiff des Nachbarboots rumturnen und Michel hat uns auch gleich geholfen. Drei Paar Hände waren hier nicht zu viel. Nun produziert unser Superwind wieder flüsterleisen Strom.
Fürs nächste Wochenende haben wir wieder Konzertkarten und der Weihnachtsmarkt öffnet dann auch. Ein Dezember in Santa Cruz ist keine Strafe und wir genießen es hier zu sein!

Abflug von Hamburg
Ankunft auf Teneriffa.
Gleich nach unserer Ankunft wird unsere Marisol weihnachtlich dekoriert.
Santa Cruz schmückt sich mit unzähligen Lichtern.
Der beeindruckende Weihnachtsbaum auf der Plaza España.
Auch nachts macht das Auditorio eine gute Figur.
Nobbi beim Abendspaziergang.
Im Palmetum unternehmen wir einen Abstecher in den Pazifik.
Die Araukarien lassen uns an Neukaledonien denken.
Kleine Boote bereiten sich auf die Passage über den Atlantik vor.
Endlich geht’s los. 5,90 m Boot sind nicht viel auf einem Ozean!
Auch die Großen wollen über „den Teich“.
Und auch die super großen Boote machen sich auf den Weg in die Karibik.
Die alten und die neuen Vorhänge.
Nobbi baut den Windgenerator zusammen.
Weihnachtsbäckerei auf dem Markt.
Bunte Obst- und Gemüseauswahl.

Kaffeekränzchen, Regen und ein Weltumsegler-Preis

Die Zeit ist während unseres Heimaturlaubs verflogen. Wie so oft. Wir haben versucht so viel Zeit wie möglich mit lieben Menschen zu verbringen. Kaffeekränzchen, im Nieselregen an den Stadtmusikanten, Abendessen beim Vietnamesen, Überraschungs-Grünkohl und Museumsbesuch. Es war wunderbar. Vielen Dank euch allen, dass ihr euch Zeit für uns genommen habt!
Nach langer Zeit waren wir mal wieder im Kino und wir haben bei den Deutschen Meisterschaften der Formationen Standard und Latein in Tanz-Erinnerungen geschwelgt.
Wir erlebten einige goldene Herbsttage und sehr viel Regen in allen Erscheinungsformen: Dauerregen, Schauer, Niesel… und es gab sogar Schnee. Einmal sind wir über den verschneiten Deich nach Hause gestapft. Am nächsten Morgen war er wieder verschwunden.

Beim TransOcean-Wochenende in Cuxhaven nahmen wir nicht nur an der Mitgliederversammlung und dem Festabend teil, wir bekamen auch den TO-Weltumsegler-Preis überreicht. Unser Freund Horst-Peter hatte uns für den Preis vorgeschlagen und die Gelegenheit diese Ehrung persönlich entgegenzunehmen haben wir uns nicht nehmen lassen.
Acht Crews haben einen Preis für ihre Weltumsegelung verliehen bekommen. Acht völlig unterschiedliche Reisen, auf verschiedenen Booten und Routen. Leider hatten wir nicht so viel Gelegenheit uns auszutauschen. Einige Crews hatten wir jedoch unterwegs getroffen und freuten uns über ein Wiedersehen.
Der Festabend hat uns sehr gefallen, was vor allem an den netten Menschen an unserem Tisch lag. Fast könnte man sagen, dass der offizielle Teil des Abends ein wenig gestört hat. Aber nur fast! Wir haben uns sehr gut unterhalten und hoffen auf ein Wiedersehen. Überhaupt ist das der schönste Teil der TO-Veranstaltungen. Das Treffen mit Freunden. Besonders haben wir uns gefreut Segler zu treffen, die wir zuletzt 2019 in Französisch-Polynesien gesehen hatten. Die Seglerwelt ist eben ein Dorf.
Wir haben nicht nur einen sehr schweren Preis bekommen, wir dürfen nun auch einen TO-Stander mit gelbem Rand und gelbem Stern führen. Natürlich haben wir diesen außergewöhnlichen TO-Stander nun an Bord und warten auf einen besonderen Moment, oder wenigstens leuchtend blauen Himmel, um ihn zu setzen. Und natürlich fragen wir uns, ob es für die zweite Weltumsegelung einen zweiten Stern gibt…

Als bekennende Weihnachtsfans freuen wir uns sehr, dass der Weihnachtsmarkt bereits geöffnet hatte. Bei trocknem Winterwetter und heißem Glühwein saugten wir die Weihnachtsatmosphäre auf, bevor wir am ersten Advent wieder zu unserer Marisol nach Teneriffa reisten.

Sonnenuntergang an der Lesum.
Das Bremer Weserufer im Nebel.
Herbststimmung an der Lesum.
Die Lesum im Nebel.
Die Stadtmusikanten im Nieselregen.
Vorübergehend ein Stillleben.
Die Nordsee zeigte sich beim TO-Wochenende im Cuxhaven in einheitlichem Grau.
Cuxhavener Klassiker: „Ich war nur beim Schiffsausrüster.“
Wir bekommen den TO-Weltumsegler-Preis überreicht. @Trans-Ocean/Fotoscheune OHZ
Der TO-Stander mit Stern. @Trans-Ocean/Fotoscheune OHZ
Alle (anwesenden) Preisträger. @Trans-Ocean/Fotoscheune OHZ

Heimaturlaub und Erinnerungen

Der Regen fliegt waagerecht am Wohnzimmerfenster vorbei. Den Spaziergang verschieben wir auf einen späteren Zeitpunkt. Wir haben uns die schönste Zeit des Jahres für unseren Bremen-Besuch ausgesucht, allerdings sind wir nicht nur wegen des Wetters gekommen. Der Terminkalender füllt sich schnell und die Zeit fliegt nur so dahin. Diesmal sind nicht so viele Einkäufe zu erledigen, doch der Stapel mit Dingen fürs Boot wächst bereits.
Im Boot ist wieder ein wenig Platz. 40 kg Bücher und Souvenirs haben wir im Koffer mitgebracht. Reiseführer, Cruising-Guides und Seekarten von Gegenden, die wir erstmal nicht wieder besuchen werden, und zahlreiche Andenken. Einige Dinge, wie die Tee Dosen aus Singapur oder die Maske aus Indonesien, hatten wir schon fast wieder vergessen. Sorgfältig verpackt sind sie ganz hinten im Schrank um die halbe Welt gereist.

Eine Freundin sammelt Bilder, ein Bekannter Waffen, eine Seglerin Tassen und eine andere Stoffe.
Unsere Souvenirsammlung folgt keinem Konzept. Wir kaufen was uns gefällt und einigermaßen gut transportiert und gestaut werden kann. Das 1,5m lange und hunderte Kilo schwere Nilpferd musste dann doch im Laden bleiben und auch der große gläserne Dodo wurde leider nicht Teil unserer Sammlung. Ein Elefant aus Thailand, eine ganze Wildtierherde aus Südafrika, ein Poster aus Kapstadt, ein Obstkorb von den Kapverden, neben diesen klassischen Souvenirs wie Kunstgegenständen und Bildern schaffen es manchmal auch Alltagsgegenstände ins Gepäck. Die Zeitung „St. Helena Independent“ oder den Newsletter „The Atoll“ von Cocos Keeling haben wir aufbewahrt. Der Copra-Sack aus Nuku-Hiva verströmt noch immer diesen unverwechselbaren Geruch, der uns sofort zurück in die Südsee reisen lässt.
Kleine Andenken, die entweder angeklebt oder aufgehängt werden können, dürfen dauerhaft an Bord bleiben, so haben unter anderem ein Gebetsband aus einem buddhistischen Tempel auf Penang (göttlicher Beistand kann nicht schaden) und ein kleiner Wal von den Azoren einen permanenten Platz gefunden. Unsere neukaledonische Schnitzerei sollte eigentlich nur vorübergehend am Schott hängen, inzwischen hat sie (genauer er) einen Namen und bleibt im Boot. Göttlicher Beistand…
Vieles sind für andere sicherlich Staubfänger, für uns sind es Anknüpfungspunkte für Erinnerungen. Die geschnitzten Komodo-Warane erinnern nicht nur an ihre lebenden Vorbilder, sondern an den schönen Ankerplatz, wo wir sie gekauft haben und an die fröhlichen Preisverhandlungen. Den hölzernen Elefant mit dem zu kleinen Kopf haben wir in Port Elizabeth bei einem Senegalesen gekauft, der hervorragend Deutsch sprach und uns viel über die Geschichte der Stadt erzählen konnte. Die Muschel, die ich im Tausch gegen Zucker erhalten habe, erinnert mich an die freundlichen Ni-Vanuatus.
Viele Gegenstände im Alltagsgebrauch werden wegen ihrer Doppelfunktion als Souvenir besonders geschätzt. Klassiker sind die Geschirrtücher mit Kiwis aus Neuseeland. An Bord benutzen wir einen Salzstreuer von der Saline auf La Palma, den wir schon etliche Male aufgefüllt haben. Immer wenn ich die kleine Backpulverdose öffne, sehe ich den vollen Laden auf Langkawi vor mir, wo ich sie gekauft habe. Unser Wäschebeutel aus einer typisch portugiesischen Tischdecke mit Hahnenmuster hat uns um die Welt begleitet und die Bezüge unserer Sofakissen haben ihr erstes Leben als indonesischer Sarong verbracht. Ist es warm, aber nicht heiß genug für die Tücher aus Fiji, dienen uns Handtücher aus Portugal als Bettdecken.

Eine andere persönliche Erinnerungshilfe ist unser „Soundtrack zur Reise“. Wir hören fast immer lokales Radio, gefällt uns ein Lied besonders, oder wird es sehr häufig gespielt, nehmen wir es in unsere Sammlung auf. Viele Lieder sind typischer Radio-Mainstream und werden überall auf der Welt gespielt, aber es sind auch Südsee-Schlager, Oldies, Filmmusik oder afrikanischer Pop dabei. St. Helena hat einen sehr beschwingten Musikgeschmack, hören wir die ersten drei Takte von „Foss Dalon Dalonne“ sind wir im Bus auf Rodrigues mit unserer Reisegruppe von La Réunion und der Anfang von „Romance Com Safadeza“ beamt uns auf eine brasilianische Party.
In unserem Blog halten wir Erinnerungen fest, gemeinsam mit dem Logbuch dient er uns als Tagebuch. Und natürlich stellen die tausenden Fotos unserer Reise einen riesigen Vorrat an Andenken und Gedankenstützen dar. Viele Bilder haben es in den Blog geschafft, außerdem habe ich begonnen Fotobücher zu erstellen, hänge der Realität aber noch einige Saisons hinterher.

Wie wertvollsten Erinnerungen und Erfahrungen sind jedoch die, die keine haltbare Form annehmen wollen, sich schwer an Fotos, Lieder oder Schnitzereien knüpfen lassen.
Da sind zum einen die Naturerlebnisse. Die Weite des Ozeans und die Kraft großer Wellen. Die Weichheit der Luft in einer windstillen Tropennacht oder das überwältigende Gefühl nach 4000 Seemeilen Ozeanpassage eine Insel am Horizont zu entdecken. Der Dunst über südostasiatischen Bergen, ein diffuses Lichtspiel, das sich ebenso wenig fotografieren lässt, wie der türkise Farbenrausch einer Südsee-Lagune.
Zum anderen die Begegnungen mit Menschen und Einblicke in ihr Leben. Menschen, die ein Leben leben, das nicht weiter von unserem entfernt sein könnte. So weit, dass kaum vorstellbar ist, dass wir auf dem gleichen Planeten leben. Ein Abend mit fremder Musik und neuen Freunden auf einem Südseeatoll, ein Treffen mit neugierigen Kindern und zurückhaltenden Frauen. Keine gemeinsame Sprache aber gemeinsames Lachen, zusammen essen, Austausch von Geschenken.
Ich hoffe, dass diese Momente, die uns tief berührt haben, die unser wertvollster Schatz sind nicht verblassen. Sie lassen sich in keinem Foto festhalten und ich finde keine Worte um sie zu beschreiben. Die „Staubfänger“ in unserer Wohnung sollen unsere Gedanken auf die Reise schicken und wenn wir Glück haben, weisen sie uns den Weg zu den Schätzen unter den Erinnerungen.

Die Fotos im Beitrag sind vom Freimarkt, der seit 1035 in Bremen stattfindet. Mir gefallen die Lichter des traditionellen Marktes am Rathaus, dem Rummel mit Fahrgeschäften und Geisterbahnen auf der Bürgerweide kann ich wenig abgewinnen. Noch weniger interessiert mich nun Halloween. Und so verkleide ich mich heute Abend nicht als Zombie, sondern sortiere lieber Fotos.

Der Roland wacht „erst“ seit 1404 über den Freimarkt.

Volles Programm in Santa Cruz

In Santa Cruz de Tenerife sieht es genauso aus, wie wir es in Erinnerung haben. Unsere ersten Wege führen zu den verschiedenen Schiffsausrüstern. Die Liste mit den Bootsprojekten ist lang.
Die höchste Priorität hat der Tausch der vier Unterwanten. Wir messen sie aus. Dafür klettert Nobbi mit dem Maßband in den Mast und ich lese unten die benötigte Länge ab. Die Werte stimmen mit denen, die wir beim letzten Tausch aufgeschrieben haben überein, das ist doch schon einmal erfreulich. Mittags geben wir das alte gebrochene Want als Muster ab, abends werden wir bereits angerufen, dass unsere neuen Drähte fertig sind. Am nächsten Tag tauschen wir die alten gegen die neuen Unterwanten. Die alten wandern in den Schrank, man weiß ja nie. Ersatzwanten im Schrank haben sich bewährt.
Wir schlagen die Segel ab, reinigen und kontrollieren sie und legen sie zusammen. Die Rollanlage wird gereinigt, die Lager gefettet und gecheckt. Dabei fällt uns auf, dass eine Ecke der Abdeckung abgebrochen ist. Der Ausrüster unseres Vertrauens hat Ersatz vorrätig. Die Achterstagen werden ein wenig nachgesetzt, wir stellen den Mast wieder schön gerade hin und überprüfen alle Spannschrauben und Beschläge. Wir waschen Reffleinen, Fallen und Schoten und gönnen uns eine neue Dirk.
Unsere Solarpanels am Seezaun haben irgendwo bei St. Helena den Geist aufgegeben. Eins liefert noch ein wenig Strom, das andere ist ganz tot. Die vorrätigen Solarpanels sind alle zu groß, doch wir können passende bestellen. Die kommen sogar aus Deutschland, würden aber nicht in den Koffer passen.
Unsere Sprayhood ist nicht mehr zu retten, die Nähte haben wir schon mehrfach nachgenäht, Flicken verdecken Löcher und der Stoff ist mürbe. Wir haben uns ein Angebot für eine neue machen lassen, die wir Ende des Jahres bekommen.
Neben den größeren Aufgaben, erledigen wir viel Kleinkram. Kissen, Ölzeug, Fleeceanzüge und lange Unterhosen werden gewaschen und entsalzen. In der kanarischen Sonne trocknet alles innerhalb kürzester Zeit. Die Hydrovane freut sich über einige ausgiebige Frischwasserdusche genau wie alle Blöcke und Rollen.
Unseren Windgenerator bauen wir ab. Unser Nachbar lässt uns nicht nur auf seinem Vorschiff rumturnen, er hilft uns auch dabei. Der Windgenerator soll neue Lager bekommen. Das Wechseln der Gummidämpfer in Horta hatte ihn leider nicht leiser gemacht.
Wir räumen fast jeden Stauraum aus und wieder ein. Nicht nur zum Putzen. Wir suchen Souvenirs. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir immer wieder Andenken gekauft und die wollen wir nun mitnehmen, wenn wir nach Bremen fliegen. Wir finden Schätze von denen wir gar nicht mehr wussten, dass sie an Bord sind.

Wir spazieren durch Santa Cruz, entdecken eine neue Lieblingseisdiele und treffen alte und neue Bekannte. In der Stadt jagt ein Event das nächste. Das Vollmondfest „Plenilunio“ bietet Musik auf mehreren Bühnen und Plätzen einen Markt, Kinderbespaßung, Sportwettbewerbe, einen Umzug mit Trommelgruppe und eine Drohnenshow.
Alle sieben Jahre wird die Jungfrau von Candelaria nach Santa Cruz gebracht, begleitet von tausenden Pilgern. Die Prozession dauert den ganzen Tag und endet in der Hauptkirche von Santa Cruz.
Ein Clownfestival sorgt für Unterhaltung auf schattigen Plätzen und begeistert vor allem Kinder. Der Triathlon Europa Cup findet gewissermaßen direkt vor unserer Haustür statt. Die Schwimmwettbewerbe werden im äußeren Hafenbecken ausgetragen, die Wechselzone ist auf der Promenade. Morgens sind die Jugendlichen dran, dann messen sich verschiedene Klassen und mittags geht’s um den Europa Cup. Die Stimmung ist prima und das Zusehen macht Spaß.
Mit dem Bus fahren wir nach La Laguna, spazieren durch die schöne Altstadt der ehemaligen Hauptstadt und essen Torte. Nobbi entdeckt einen Frisör. In Sachen Frisör hat ihn das Glück verlassen. Die Frisur aus Mindelo war ganz schlimm, die aus Ponta Delgada kaum besser, aber vergleichsweise teuer und auch die aus La Laguna kann nicht überzeugen. Wenigstens waren die Frisörinnen nett.

Ausflug nach La Laguna:

Ankunft auf Teneriffa

Am Samstag, 27. September, ist noch immer sehr schwachwindig. Der Wind hat auf West gedreht und wir segeln langsam in die richtige Richtung. Wir hatten Delfinbesuch, wurden von einer Golddorade begleitet und haben kleine schwarz-weiß gestreifte Fische, die uns bei dieser geringen Geschwindigkeit vorausschwimmen. In der letzten Nacht hatten wir einen wolkenlosen, ganz klaren Sternenhimmel mit einer Milchstraße bis zum Horizont und vielen Sternschnuppen. Die Nächte sind angenehm warm. Die Temperatur sinkt kaum unter 22 Grad. Kein Grund Strümpfe anzuziehen, wir sind weiterhin auf unserer persönlichen Barfuß-Route.
Sonntag nimmt der Wind weiter zu und dreht über Nordwest nach Nordost. Wir segeln mal wieder am Wind und es wird ungemütlicher. Wir versuchen ein bisschen mehr Ost zu machen als nötig, damit wir abfallen können, falls der Wind in der Nacht zunimmt.
Noch eine Nacht auf See. Morgen kommen wir an. Ich liege schon im Bett, Nobbi organisiert sich gerade für seine Nachtwache und wir unterhalten uns. Es knallt. Gar nicht besonders laut oder spektakulär. Wir wissen beide sofort, was es ist. Das Unterwant. Wieder das Unterwant in Lee, wieder das achtere, diesmal an Steuerbord. Nobbi sagt, dass wir noch zehn Minuten Zeit haben, bis es dunkel ist. Wir schauen uns an. Das schaffen wir. Nobbi zieht Schuhe an, ich räume den Kleiderschrank aus. Das Ersatz-Unterwant ist hinten im Schrank. Wir leinen uns beide an. Ich reffe die Fock und steuere Mari auf einen ruhigeren Kurs. Nobbi klettert mit dem neuen Want in den Mast und hakt es ein. Während er das neue Want spannt, räume ich unter Deck auf. Keine zehn Minuten nach dem Knall sind wir fertig. Wenig später ist es stockdunkel. Nun haben wir keine Reserve-Wanten mehr im Kleiderschrank, sind aber guter Dinge, dass wir die verbleibenden Meilen nach Teneriffa ohne weitere Rigg-Probleme zurücklegen können.
Ich hatte mir die Ankunft auf Teneriffa so schön ausgemalt: bei Sonnenaufgang wollte ich den Teide sehen. Wir sind umringt von tiefen, dicken, grauen Wolken. Dunkelgrau kann man die Nordspitze Teneriffas erkennen. Der Pico de Teide zeigt sich nicht.
Es ist sehr böig, mal dümpeln wir dahin, kurz darauf rast Mari los. Wir sind nun mit halben Wind unterwegs. Die Wellen, die uns der Ex-Hurrikan Gabrielle schickt, kommen schräg von achtern, sind aber nur selten höher als zwei Meter. Als wir die Nordsitze Teneriffas runden wird der Wind gleichmäßiger, nimmt aber zu. Wir gehen vor den Wind. Es schaukelt ordentlich, aber wir sind schnell unterwegs. Wie schön, endlich mal wieder vor dem Wind zu segeln! Es reißt auf, blauer Himmel ist zu sehen, vor uns liegt der Hafen von Santa Cruz und endlich sehen wir auch den Teide.
Alles fühlt sich vertraut an. Die Schnellfähren nach Las Palmas, die an uns vorausflitzen, die Buchten und Strände, der Fischereihafen. Auf den letzten Meilen begleiten uns Delfine. Was für ein wunderbarer Abschluss dieser Etappe.
Port Control erlaubt uns die Durchfahrt zur Marina, im großen Hafenbecken bergen wir ganz in Ruhe die Segel und ziehen das Ruder der Windsteueranlage ein. Auch die Marina meldet sich gleich auf unseren Ruf über Funk. Am 29. September machen wir abends um sieben am gleichen Steg fest, an dem wir im Sommer 2017 lagen.
Am nächsten Morgen melden wir uns in der Marina an, gehen einkaufen und besuchen die Schiffshändler. Fast alles sieht so aus, wie wir es in Erinnerung haben. Wir freuen uns wieder hier zu sein und fühlen uns heimisch.

Die ganze Überfahrt als Bildergeschichte:

Flaute

Donnerstag 25. September, morgens rufe ich die Wettervorhersage ab. Die Funkverbindung ist, genau wie in den letzten Tagen, sehr flott. Schnell kommt die Mail rein. Die Vorhersage verspricht wunderbares Sommerwetter ohne nennenswerten Wind fuer die naechsten 48 Stunden. Die letzte Nacht war bereits sehr flau. Zunaechst sind wir noch langsam gesegelt. Immer haeufiger fallen die Segel ein, der Windgenerator dreht sich schon seit Stunden nicht mehr. Gegen fuenf bergen wir schliesslich die Segel und treiben. Die Sterne spiegeln sich im glatten Wasser. Es ist unglaublich still.
Das goldene Morgenlicht, das dem Sonnenaufgang vorausgeht, wird vom glatten Ozean reflektiert und sorgt fuer eine magische Stimmung.
Am Samstag haben wir Santa Maria mittags verlassen. Zunaechst kamen wir gut voran, es war jedoch etwas ungemuetlich. Boeen mit 6 bis 7 Beaufort hielten uns immer wieder vom Ausreffen ab. Wir beschlossen weder Mari noch uns zu quaelen und waehlten einen suedlicheren Kurs, auf dem wir gut vorankamen ohne in die ungleichmaessigen Wellen zu fallen. Langsam nahm der Wind ab und wurde gleichmaessiger, die Wellen wurden kleiner und das Leben gemuetlicher. Ein Tag fiel fuer mich, Migraene geplagt, praktisch aus. Der Wind drehte sukzessive nach Norden, so dass wir auf einen oestlicheren Kurs gehen konnten und uns unserer Kurslinie wieder annaehrten. Nicht, dass wir an den Kanaren vorbeisegeln und auf den Kapverden landen.
Donnerstag Nachmittag treiben wir noch immer. Das Wasser ist von unendlich klarem Blau. Faszinierend, wir sind uns beide sicher, dass der Atlantik ein anderes Blau hat als der Indische Ozean. Wir haben einen Wal gesehen, gebadet und gelesen. Der Tag ist mit Nichtstun verflogen und wir geniessen die Ruhe.
So praktisch Starlink ist und so gute Dienste es uns insbesondere beim Landfall in Suedafrika geleistet hat, so sehr geniessen wir es abgeschnitten von der Welt, ganz im Moment auf dem Ozean zu treiben. Mittels Kurzwellen-Funk koennen wir den Wetterbericht abrufen oder Emails schreiben und via Inreach Nachrichten empfangen. Aber wir koennen nicht „mal kurz etwas nachgucken“, nochmal die Wettermodelle vergleichen oder Nachrichten lesen. Keine App informiert uns, keine Meldung ueber die wir uns aufregen koennten schafft es bis zu uns.
Wir sind einfach nur hier, 275 Meilen von Teneriffa entfernt und warten auf den Wind. Ab und zu kraeuselt sich die Wasseroberflaeche und wir spueren einen leichten Windhauch, doch kurz darauf erscheint der Atlantik wieder traege und glatt. Die Windanzeige vermeldet weniger als drei Knoten und unser GPS hat seit heute Mittag 0.0 Meilen geloggt.
Ein Ex-Hurikan zieht an den Azoren vorbei und wird dort viel Wind bringen. Wir duerften davon nichts abbekommen. Sonntag werden wir den Schwell spueren. Die hohen Wellen laufen aus dem Tief heraus und werden auch die Kanaren erreichen.
Heute, Freitagmorgen, segeln wir wieder. Um Mitternacht konnten wir die Fock ausrollen, die gerade eben steht. Mit langsamen zwei Knoten schieben wir uns nach Osten. In der kommenden Nacht soll der Wind wieder ausbleiben, bevor er dann morgen in den Nachmittagsstunden hoffentlich wiederkommt.
An Bord ist die Stimmung ausgesprochen gut. Nach einer sternenklaren Nacht mit Sternschnuppen und vergluehendem Weltraumschrott, geniessen wir den stillen Morgen.

Abschied von den Azoren und eine Planänderung

Drei schöne Monate haben wir auf den Azoren verbracht. Durch die Reparaturen und das lange Warten auf unsere Pakete ist der Sommer ganz anders verlaufen als wir es uns vorgestellt hatten. Insgesamt jedoch, haben wir die Zeit sehr genossen. Die grünen Inseln haben landschaftlich einiges zu bieten und wir haben viele schöne Ausflüge gemacht.

Wir könnten gut noch ein paar Tage in Vila do Porto auf Santa Maria verbringen. Eine kleine Wanderung, ausgiebiges Baden im Hafenbecken, ein Glas Weißwein in der Bar an der Hauptstraße. Die verschlafene Insel und der kleine Ort gefallen uns sehr.
Doch, die Wettervorhersage verspricht gute Segelbedingungen. Wir segeln zu den Kanaren. Ganz richtig, wir haben unsere Pläne über den Haufen geworfen und beschlossen den Winter auf den Kanaren zu verbringen. Marisol und ihre Crew brauchen ein wenig Pflege, die Inseln des ewigen Frühlings erscheinen uns dafür geeignet.

Gestern haben wir eine Wanderung entlang der Südküste Santa Marias gemacht. Ein schöner Wanderweg führte uns vorbei an vielen Kühen, zu einer Höhle in der Sandstein abgebaut wurde und eröffnete immer wieder tolle Ausblicke auf die Südküste.

Santa Maria

Tagelang ist wenig Wind angesagt doch wir möchten zur Nachbarinsel Santa Maria segeln. Deshalb entschließen wir uns Sao Miguel abends zu verlassen, dann haben wir die ganze Nacht Zeit. Nach einem frühen Abendessen geht’s los. Zunächst segeln wir flott auf Santa Maria zu, doch der Wind wird erwartungsgemäß immer schwächer und wir werden langsamer. Die Nacht ist ruhig, wir segeln langsam dahin und werden immer wieder von Delfinen begleitet. Am nächsten Vormittag schläft der Wind komplett ein und wir motoren die letzten Meilen. In dem kleinen sympathischen Hafen finden wir einen Liegeplatz und melden uns beim Hafenmeister an. Letztes Jahr ist einer der drei Stege einem Sturm zum Opfer gefallen, daher gibt es weniger Plätze im Hafen, aber da die Saison schon so weit fortgeschritten ist sind nicht mehr viele Boote unterwegs. Abends sind wir bei Freunden zum Essen eingeladen und so müssen wir nicht einmal kochen.

Santa Maria ist die älteste Insel der Azoren. Sie wurde als erstes entdeckt, bereits 1439 besiedelt und regelmäßig von Piraten überfallen. Heute leben etwa 5400 Menschen auf der kleinen Insel, die einen sympathischen und ein wenig verschlafenen Eindruck macht.
Der Fußweg vom Hafen nach Vila do Porto ist nicht lang, aber recht steil und sorgt für das Fitness-Programm. Praktischerweise geht es mit vollen Einkaufstaschen auf dem Rückweg nur bergab.

Vila do Porto ist der Hauptort der Insel.
Blick auf den Hafen.
Der Fußweg zum Hafen ist steil und sorgt für Fitness bei den Seglern.
Die Kirche in Vila do Porto. Typisch in weiß mit dunklen Ecken.

Mit dem Bus fahren wir zum Ausgangspunkt einer Wanderung und kommen so in den Genuss einer kleinen Inselrundfahrt. Von Santa Barbara laufen wir eine schöne Runde im Nordosten der Insel. Auf Wirtschaftswegen und schmalen Pfaden geht es entlang der Weiden und durch kleine Dörfer. An einer Kirche machen wir eine Rast und essen unser Picknick. Der Blick auf die Bucht von Sao Lorenco mit ihren Weinterrassen ist spektakulär und das rote Basalt-Gestein im ehemaligen Steinbruch Poca da Pedreira ist einen Abstecher wert.
Nach einem Bier an der Bar neben dem Supermarkt in Santa Barbara, stellen wir uns an die Bushaltestelle. Es gibt nur noch diesen einen Bus und den wollen wir nicht verpassen. Irgendwann wird uns klar, dass wohl kein Bus kommt. Alternativ 12 km zu Fuß zu gehen sind ganz schön weit, wenn man gerade seine Wanderung abgeschlossen hat. Ein Auto hält und wir erkennen unseren Busfahrer vom Vormittag. Sein Englisch ist etwa so gut wie unser Portugiesisch und so nehmen wir Google-Translator zur Hilfe. Der Bus ist kaputt gegangen und fährt nicht, wir sollen einsteigen, er fährt uns nach Vila da Porto. Unglaublich nett entschuldigt er sich immer wieder. Wir bedanken uns und sind gerührt. Ausgesprochen nett!


Wir sind immer noch nicht ganz sicher, ob der Bus dann diese Haltestelle angefahren wäre, wenn er nicht kaputt gegangen wäre. Es gibt eine Bus App, die zeigt aber auch Busse an, die nur im Sommer fahren. Der Fahrplan zeigt häufig alternative Routen bei einer Linie an, doch woher weiß man, welche Route der Bus jeweils fährt? Die App zeigt das an, aber wieweit kann man der App trauen, die doch auch nicht weiß, dass Linie 5 gar nicht mehr fährt? Google Maps zeigt dafür Zeiten, die weder mit der App, noch mit dem Fahrplan übereinstimmen. Auf Terceira und Faial stimmten die Zeiten, jedoch die Routen nicht. Busfahren wird, zumindest für uns Touristen, immer zum Abenteuer.
Trotzdem, oder deshalb, wagen wir es zwei Tage später wieder. Bei Aussteigen fragen wir den Busfahrer, wann der Bus wieder zurückfährt. Wir lernen dazu. Die Wanderung führt uns zur Barreira da Franca, der „roten Wüste“ und entlang der Nordküste zur Baia do Raposo. Der Wasserfall ist erwartungsgemäß wasserlos, aber das tiefe Tal und der Weg dorthin sind sehr schön. Wir laufen nicht bis ganz hinunter ans Wasser, dann hätten wir den Bus nicht bekommen. Der Bus fährt auf die Minute pünktlich und bringt uns flott wieder zurück in den Ort. Übrigens mit exakt den vier gleichen Mitfahrerinnen wie am Morgen.

Pflaster-Galerie

Wie auch überall sonst in Portugal, gibt es auch auf den Azoren hübsch gepflasterte Wege. Geometrische Muster, Linien, Kreise und viele kleine Bilder. Einige, die mir besonders gefallen haben, habe ich fotografiert.

Schöne Wanderungen auf São Miguel

Zwischen notwendigen Tätigkeiten wie Wäsche waschen und Bürokram erledigen, traben wir durch Ponta Delgada. Im Museum ist eine naturkundliche Sammlung anzusehen, sowie eine Ausstellung, die sich uns nicht erschließt, oder die wir nicht verstehen, und das alte Kloster samt Kirche, das heute als Museum dient kann besichtig werden. Das Fort beherbergt das Militärmuseum. Wie eigentlich zu erwarten interessiert uns die Ausstellung überhaupt nicht. Waffen des ersten und zweiten Weltkriegs gehören nicht zu unseren Interessensgebieten. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Der junge Mann an der Kasse ist extrem zuvorkommend, die Gänge durch die Befestigungsanlagen sind sehenswert und vom Fort hat man einen tollen Blick über den Hafen. Wir sitzen also auf der Mauer und sehen zu wie ein riesiger Kran die Hafenmole verstärkt. Gleichzeitig befindet sich unser Aussichtspunkt in Verlängerung der Landebahn. Ein Flugzeug nach dem anderen kommt über uns herein.

Vor dem Stadttor.
Das Rathaus.
Nobbi prüft den Blick aus dem Klosterfenster
Forte de São Brás am Hafen.
Im Fort ist das Museum untergebracht.
Kran, Baustelle und Flieger.

Wir hatten ein Wetterfester für die Überfahrt nach Portugal entdeckt und waren im Prinzip bereit zur Abreise, sind dann aber doch nicht gefahren. Die Vorhersage änderte sich ständig und die Wettermodelle waren sich ganz und gar nicht einig. Vermutlich wäre das Wetter doch recht gut gewesen, da mich aber ausgerechnet zur geplanten Abfahrt eine gemeine Migräne-Attacke im Griff hatte, sind wir froh, dass wir nicht losgesegelt sind.

Wieder sind wir mit dem Roller unterwegs. In der Nähe des Aussichtspunktes, an dem wir schon zweimal umgekehrt sind wollen wir eine Wanderung machen. Ihr ahnt es, umso näher wie dem Parkplatz kommen, umso grauer zeigt sich der Himmel. Wir wandern erst eine halbe Stunde, als es zu regnen beginnt. Unsere Wanderung führt uns auf den Pico das Éguas, der mit 873m die höchste Erhebung auf der Westseite São Miguels ist, und um einige kleine Kraterseen. Der Regen hört bald auf und danach macht uns die Wanderung wieder Spaß. Die Strecke ist abwechslungsreich und recht beliebt. Wir treffen viele Wanderer, vor allem Spanier, Engländer und Deutsche. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Aussichtspunkt über Sete Cidades und sind etwas schockiert. Es ist brechend voll, schon hunderte Meter vorm Aussichtspunkt halten Autos am Straßenrand, weil die Parkplätze überlaufen. Eine Woche zuvor hatten wir die Straße fast für uns.

So sieht der Aussichtspunkt ohne Nieselregen aus.
Nobbi auf dem Weg zum Pico da Éguas.
Lagoa da Éguas
Und schon wieder ein Kratersee.
Ich befürchte moderne Pumpenhäuser sind nicht so schön.
Noch ein See!
Die Moorlandschaft sorgt für Heimatgefühle.

Als wir am nächsten Tag wieder zu einer Wanderung aufbrechen wollen regnet es. Wir stehen ratlos neben unserem Roller. Im Café warten wir bei Espresso und Brownie auf eine Wetterbesserung. Schließlich machen wir uns doch noch auf den Weg. Unser Picknick verspeisen wir bei leichtem Nieselregen an einem Aussichtspunkt an der Küste. Wir sind ein wenig deprimiert. Dann wird es etwas heller und wir entscheiden uns zum Ausgangspunkt der geplanten Wanderung zu fahren. Die Wanderung Janela do Inferno, was etwa Fenster zur Hölle bedeutet, ist in der Mitte der Insel. Wir beschließen sie entgegen der vorgeschlagenen Richtung zu laufen und sind bald froh losgelaufen zu sein. Das Wetter wird immer schöner, die Sonne kommt raus und der Weg ist abwechslungsreich. Gleich dreimal führt die Strecke durch einen Tunnel. Einmal braucht man tatsächlich eine Lampe (wie gut, dass heute jeder sein Telefon dabei hat). Der Tunnel beginnt zwar mit komfortabler Stehhöhe, wird aber immer niedriger. Passenderweise ist es dort, wo man sehr gebückt gehen muss auch noch matschig und dunkel. Außerdem sorgen Brücken, Aquädukte und Treppen im Wald für Abwechslung. Das Fenster zur Hölle entpuppt sich als Loch in einer grün bewaldeten Felswand aus der sich ein dünnes Rinnsal ergießt.
Die Weiden sind von Hortensienhecken eingefasst und fast der ganze Wanderweg wird von gelben Schmetterlingsingwer gesäumt. Im Wald stehen viele verschiedene Baumarten. Wir wissen, dass die meisten Arten hier nicht heimisch sind und sogar, wie der Schmetterlingsingwer, als höchst invasiv gelten. Schön ist es trotzdem! Gut gelaunt kehren wir zum Ausgangspunkt zurück, die deprimierte Stimmung vom Vormittag ist verflogen.

Überall blüht der Schmetterlings-Ingwer.
Stehhöhe, wenn man kleiner als 1,30m ist!
Das Fenster zur Hölle.
Der Beginn ist der Tunnel noch hoch.
Ganz schön dunkel!
Treppe für Schwindelfreie.