Von den Azoren nach Vigo: Wenig Wind und viele Wale

Neun Tage nach unserer Abfahrt von Ponta Delgada sind wir in Vigo in Spaniens Nordosten angekommen. Dort wollten wir eigentlich gar nicht hin, doch das Wetter hat uns gewissermaßen umgeleitet.
Bei der Abfahrt von Ponta Delgada weht ein frischer Nordwind. Direkt hinterm Hafen können wir Segel setzen und folgen der Südküste der Insel Sao Miguel nach Osten. Mehrere befreundete Boote sind zeitgleich ausgelaufen und wir machen uns als kleine Flotte auf den Weg. Bevor wir den Windschatten der Insel verlassen, wird es ein wenig mühsam. Ab und zu ist der Wind ganz weg, dreht, kommt aus einer anderen Richtung wieder. Manchmal kann ein Boot segeln, ein anderes hundert Meter davor nicht. Schließlich motoren wir alle ein paar Seemeilen, bis wir wieder segeln können. Abends wird es östlich von Sao Miguel zunächst ungemütlich, es weht stärker als gedacht und die Wellen sind steil. Nach einigen Stunden werden die Bedingungen angenehmer. Unsere kleine Flotte zieht sich schnell auseinander, die großen Boote sind viel schneller, ein Hecklicht können wir die ganze Nacht sehen und mitten in der Nacht überholen uns Freunde, mit denen wir über Funk sprechen.
Am Morgen des zweiten Tages ist es flau und so wird es, bis auf eine windige Episode kurz vor Ankunft, auch bleiben. Zweimal, an Tag zwei und an Tag sieben, motoren wir einige Stunden. Ansonsten segeln wir mit dem wenigen Wind so gut es geht. Meistens hart am Wind. Nur an Tag vier, kommt der Wind schräg von achtern. Wir baumen die Fock aus, dann schlägt sie nicht, wenn es wieder flau wird.
Mit einem leisen „Plong!“ bricht der Lümmel. Der Lümmelbeschlag verbindet Mast und Baum. Der Bolzen ist uns schon einmal gebrochen, glücklicherweise hatten wir damals Ersatz und haben den alten dann in Horta schweißen lassen. Nach einer halben Stunde haben wir es geschafft den Lümmel zu ersetzen. Schön, wenn so eine Baustelle nicht nachts oder bei viel Wind auftritt!
Nachdem wir uns damit abgefunden haben, dass uns ein riesiges Windfeld mit starkem Nordostwind den Weg in die Biskaya versperrt, ist die Stimmung an Bord entspannt. Dann segeln wir eben nach Portugal oder Spanien. Wir können gut schlafen und kochen, die Tage vergehen mit Lesen, Podcasts und aufs Wasser schauen.
Morgens beim Kaffeetrinken meldet Nobbi einen Wal. Zunächst beobachten wir eine größere Gruppe etwas weiter entfernt. Dann kommen drei Wale zu uns und schwimmen eineinhalb Stunden mit uns. Sie sind deutlich länger als Mari, vielleicht 15 Meter? Mal tauchen sie Steuerbord mal Backbord auf. Meistens kommen sie dreimal zum Atmen an die Oberfläche und tauchen dann für ein paar Minuten ab. Sie queren dicht vor unserem Bug, überholen uns, lassen sich zurückfallen. Wir können uns gar nicht satt sehen. Eine Befragung unserer Walbestimmungsbücher deutet auf Finnwale hin. Noch nie haben wir Wale so in Ruhe ansehen können. Eine Begegnung, die wir immer erinnern werden.
Am vorletzten Tag nimmt der Wind zu. Zunächst ist das erfreulich, wir kommen flott voran. In der Nacht und am Morgen weht ein kräftiger Wind, leider aus Nordost. Die Wellen werden steiler und wir durchgeschüttelt. Wir binden das zweite Reff ins Groß und fallen etwas ab. So lässt es sich aushalten. Vor der iberischen Küste ist viel Schiffsverkehr. Erst treffen wir auf die Frachter, die nach Süden fahren, dann queren wir den Verkehr nach Norden. Nun trennt uns nur noch das Orca-Wohngebiet von der Küste. Normalerweise gehört die Sichtung von Orcas zu den Highlights für Segler. Vor der iberischen Halbinsel gilt das nicht. Seit einigen Jahren haben einige Tiere ein merkwürdiges Hobby entwickelt, sie rammen Segelboote und beißen in die Ruder oder brechen sie ab. Für uns Segler ist das alles andere als lustig. Viele Boote wurden schwer beschädigt und mussten manövrierunfähig in den Hafen geschleppt werden, einige sind sogar gesunken.
Am frühen Nachmittag schläft der Wind komplett ein. Wir starten den Motor und erleben, wie sich im Abendlicht die spanische Küste aus dem Dunst schält. Immer wieder sehen wir Delfine. Sie springen aus dem Wasser, kommen kurz bei uns vorbei, verschwinden wieder. Ich weiß nicht, ob sie einen bestimmten Dialekt sprechen oder, ob sie sich einfach besonders laut unterhalten: ich kann die Delfine unter Deck hören, wenn sie sich uns nähern. Eine Schule aus acht Tieren schwimmt lange am Bug mit uns. Die Tiere begleiten uns gewissenmaßen durch die Orca-Zone. Wir nehmen ihre Gesellschaft als guten Omen.
Als wir endlich in den Ría de Vigo einfahren, ist es lange dunkel. Der Sternenhimmel ist klar und die vielen Lichter an Land bieten eine schöne Hintergrundbeleuchtung. Die Bugwelle hat einen glitzernden Saum, kleine Dinoflagellaten reagieren auf unsere Anwesenheit mit Biolumineszenz oder, poetischer ausgedrückt, Meeresleuchten. Der Delfin, der uns begleitet, zieht einen leuchtenden Schweif hinter sich her.
Vigo begrüßt uns mit einem Feuerwerk. Nicht nur unsere Ankunft wird gefeiert: Spanien ist Fußball-Weltmeister! Mitten in der Nacht machen wir im Real Club Nautico de Vigo fest. Freunde, die zwei Tage vor uns angekommen sind, nehmen uns in Empfang. Nach einem gemeinsamen Ankunftsbier stellen wir fest, dass es inzwischen vier Uhr morgens ist: Zeit ins Bett zu gehen.
Wir freuen uns über die angenehme Überfahrt und darüber, nun nach über neun Jahren den europäischen Kontinent wieder erreicht zu haben.

Ganz schön flott! Colleen von Bricolanto hat dieses schöne Bild von uns beim Start in Ponta Delgada gemacht.
Bricolanto und Nebula beim Auslaufen aus Ponta Delgada
Schwebene Haken, da ist der Lümmel einfach abgebrochen!
Die Fischkind zeigt vor Sao Miguel wie gut sie segelt.
Ankunft in Vigo. Susanne von der Northern Gannet hat dieses tolle Foto von uns gemacht.

Geisterboote

Es könnte sein, dass die Autorin sich bei der Anzahl von Personen und „Booten“ beim TO- Treffen etwas vertan hat. Nehmen wir an, es waren 20 Personen von 11 Booten anwesend.

Gleich geht’s los!

Ausflüge, Zimt und Abfahrtspläne

Samstagmorgen ist es grau, aber trocken. Da könnte man wandern gehen! Der Bus fährt direkt vor der Marina ab und hält auch tatsächlich dort, wo wir dachten. Nach einer
Dreiviertel Stunde Fahrt entlang der Küste, steigen wir in Agua de Alto aus. Die kleine Wanderung führt durch eine enge Schlucht, der schmale Wasserlauf mit seinem starken Gefälle wurde ab 1900 zur Stromgewinnung genutzt. Oberhalb der Schlucht befindet sich ein großes Staubecken, in der Schlucht gibt es mehrere verfallene Generatoren-Häuser mit den Überresten der Generatoren.
Der Weg beginnt harmlos und schlängelt sich durch dichtes Grün, unterhalb eines hübschen Wasserfalls baden einheimische Jugendliche in einem natürlichen Swimming-Pool. Der Weg wird steiler und in vielen Abschnitten gibt es unterschiedlich hohe Stufen. Trotz des grauen Wetters wird uns schnell warm. Die bewachsenen Ruinen bieten eine willkommene Verschnaufpause. In einem ist ein weißes Huhn unterwegs.
Zwischen dichten japanischen Sicheltannen (inzwischen der beliebteste Nutzbaum der Azoren!) schnaufen wir den Hang hinauf. Am Staubecken angekommen machen wir unser Picknick. Der Weg hat uns so gut gefallen, auch, weil es überall piep, zwitschert und summt, dass wir uns entscheiden ihn zurückzulaufen und nicht den leichteren Weg über den asphaltierten Wirtschaftsweg zunehmen.

Nach dem tollen Konzertabend haben wir uns die zwei folgenden Konzerte ebenfalls nicht entgehen lassen. Ein großes Orchester mit vielen Blechbläsern und Schlaginstrumenten spielte ganz unterschiedliche Stücke von portugiesischen Komponisten. Zur Feier der fünfzigjährigen Autonomie hatten alle Darbietungen das Thema „Freiheit“. Uns haben Saxophonist, Sängerin, Chor und Orchester gleichermaßen begeistert.
Beim Opernabend wurden die Solisten von einem riesigen Chor und einem Klavier begleitet. Ich glaube, ich hatte bewusst noch nie eine portugiesische Oper gehört.

Auch das Sozialleben kommt nicht zu kurz. Morgens wird weiter gemeinsam geschwommen, wir treffen uns zum Sundowner, man wird spontan zum Kaffee eingeladen oder geht zusammen Fußball (WM) gucken. Und dann waren wir noch zum BYOC. Falls euch die Abkürzung nicht geläufig ist: Bring your own Cinnamon! Als ich den Tisch zum Abendessen decke, fällt mein Blick auf den Zimt und ich erinnere mich, dass eine Freundin gesagt hatte, sie brauche Zimt. Ein kurzer Austausch von Nachrichten und schon sind wir zum Nachtisch eingeladen, wenn wir unseren Zimt mitbringen!
Wir haben gleich mehrere Bremer getroffen und verabredet uns im Winter in der heimatlichen Hansestadt wiederzutreffen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, sonst hieß es immer „see you somewhere“.

Um die Lagoa do Fogo, einen Kratersee, zu besuchen, mieten wir einen Roller. Entlang der Küstenstraße fahren wir nach Osten und biegen dann in die Inselmitte ab. Die Hortensienhecken stehen in voller Blüte, die Straße schlängelt sich den Berg hinauf und es ist kaum Verkehr. Wir halten an jedem Aussichtspunkt, laufen zu einem weiteren Miradouro und freuen uns über Möwen und Ziegen. Der See leuchtet grün und wird von einem kleinen hellen Strand gesäumt.
Wir folgen der Straße auf die Nordseite der Insel. Der Parkplatz oberhalb des Wasserfalls „Salto do Cabrito“ ist ziemlich voll, so sind wir nicht überrascht, als wir viele Menschen auf dem steilen Weg hinunter zum Fuß des Wasserfalls treffen. Der Wasserfall ist toll. Er fällt durch einen Einschnitt im Felsen in zwei Stufen in ein kleines Becken. Ein idealer Platz für unser Picknick. Anschließend möchte ich gucken, ob man den Wasserfall auch von oben sehen kann und steige den schmalen, schlammigen Wanderweg hinauf. Von dort gelange ich schließlich auf einen schmalen Gittersteg entlang der Wasserleitung. Tatsächlich gelange ich hier in die schmale Schlucht und kann von oben in das Becken zwischen den beiden Wasserfällen schauen. Es gibt sogar eine Treppe zurück zum Wasserfall, leider trennt mich eine abgeschlossene Tür von dieser Abkürzung und ich muss den ganzen Weg zurücklaufen. Als ich wieder bei Nobbi ankomme, sitzt dieser zusammen mit einem Huhn auf einem Baumstamm.
Auf dem Rückweg über den Berg (949 m hoch) werden wir von einer großen Wolke verschluckt. Alles ist weiß und feucht, die Lagune im Krater ist verschwunden. An der Küste ist das Wetter wieder schön und trocken. Ein bisschen Zeit haben wir noch und fahren spontan nach Agua do Pau. Dort entdecken wir eine Seeschwalbenkolonie. Rosenseeschwalben und Flussseeschwalben brüten auf einem großen Felsen vor der Küste und fliegen mit Fischen im Schnabel ihre Nester an. Etwas weiter entlang der Küste gibt es einen tollen Badeplatz. Die Felsen formen geschützte Becken, es gibt Duschen und Holzdecks zum Sitzen.

Mit 18 Leuten und Crews von 21 Booten sitzen wir bei dem spontanen TO-Treffen zusammen. Dass so viele Boote aus unserem Trans-Ocean-Verein gerade in Ponta Delgada liegen, war eine gute Gelegenheit sich in größerer Runde zutreffen. Susanne hat die Sache schließlich in die Hand genommen und einen großen Tisch reserviert. Danke!
Das Top-Thema dieser Tage ist: wer-fährt-wann-wohin. Viele zieht es zurück ans Festland. Auch wir werden uns auf den Weg nach Nordosten machen. Je nachdem, was Rasmus plant, erreichen wir in ein bis zwei Wochen Spanien, Portugal oder Frankreich. Drückt uns die Daumen für angenehme Bedingungen!

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir auf Cocos Keeling waren. Das Schild, das wir gemalt und dort aufgehängt hatten, hat Sonne und Stürme gut überstanden. Pia und Köbi von der Lupina haben uns dieses Foto geschickt und uns damit eine große Freude gemacht.

Schlaflos in Ponta Delgada

Knirsch, klong, ping, grrrr, pock, bäng, quietsch…
Wir haben gar nicht besonders viel Wind, aber die Wellen aus dem Osten laufen in genau in die Hafeneinfahrt. Die Boote zerren an den Leinen, die Masten schwanken und man sieht, wie die Wellen unter dem Hauptsteg hindurch laufen. Der Hafen ist rappelvoll. Der Platz, auf dem wir liegen, ist uns eigentlich zu klein. Der schmale, wackelige Fingersteg endet in der Mitte unseres Bootes. Trotzdem sind wir froh, diesen Platz bekommen zu haben. Als wir Dienstagnachmittag hier ankamen, war es mehr als unruhig im Hafen, die Boote fuhren wie wild in den Boxen hin und her. Wir hätten diesen Platz gar nicht gefunden. Ein Freund, hat ihn uns nicht nur organisiert, sondern uns auch den Weg gewiesen und uns in Empfang genommen.
Die Überfahrt begann so schön. Am frühen Morgen nahmen wir schweren Herzens Abschied von Santa Maria. Wir waren im Rekordtempo unterwegs, lange sind wir nicht mehr so schön und so schnell gesegelt. Eine Schule Zügeldelfine besuchte uns, die kleinen, getupften Tiere sprangen übermütig aus dem Wasser, begleiteten uns etwas, bevor sie wieder abdrehten. Später kamen ihre größeren Verwandten, die großen Tümmler vorbei. Hatten wir eigentlich damit gerechnet erst abends in Ponta Delgada auf Sao Miguel anzukommen, erreichen wir die Insel schon nachmittags. 50 Meilen der Überfahrt machen großen Spaß, in der letzten Stunde nimmt der Wind immer weiter zu, statt wie vorhergesagt ab. Die Wellen werden höher und steiler. Eigentlich ein schönes Wetter um vor den Wind zugehen und weiter nach Terceira oder Horta zu segeln, doch in Ponta Delgada liegen lauter Freunde, die wir treffen möchten. Ein kleiner Frachter fährt vor uns in den Hafen. Die Welle steht direkt in die Einfahrt, unsere Idee das Segel im Schutz der Mole zu bergen ist damit nutzlos. Die Mole bietet kaum Schutz. Also nehmen wir das Großsegel runter, ohne in den Wind zu drehen. Mari kennt solche Mannöver bereits und es klappt einwandfrei. Der Liegeplatz an der Rezeption ist besetzt, doch wir haben ohnehin nicht vor, bei so unruhigem Wasser an einer Betonpier festzumachen. Dank der Hilfe unseres Freundes können wir direkt in den Hafen fahren.
Es folgen drei sehr unruhige Nächte mit wenig Schlaf. Es ist einfach zu laut. Fast wären wir eingeschlafen, da ruckt Mari in die Leinen und wir sind wieder wach. Wir verbringen viel Zeit damit das Boot möglichst gut anzubinden. Ein Ruckfender aus Gummi bricht und Nobbi ersetzt ihn. Wegen der unruhigen Nächte hängen wir tagsüber ein bisschen durch, außerdem mögen wir Mari nicht lange alleine lassen. Trotzdem ist uns überhaupt nicht langweilig. Ein Schnack auf dem Steg, Kaffee trinken an Bord bei den einen, ein gemeinsames Abendessen mit den nächsten, eine Verabredung zum Sundowner, baden gehen in netter Gesellschaft an der Badestelle. Wir freuen uns neue Menschen zu treffen und so viele Segler wiederzusehen, die wir zum Teil im Frühjahr 2024 in Malaysia zuletzt getroffen haben.
Freitag dreht der Wind und die Welle nimmt langsam ab. Es wird ruhiger. Noch immer knarren die Leinen und die Stege quietschen fürchterlich an den Pollern, doch es ist viel angenehmer. Fürs erste haben wir es wohl überstanden. Ein Freund hat weniger Glück. Freitagmorgen bat er um Hilfe, die heftigen Bewegungen hatten eine Klampe aus dem Deck gerissen und er hatte sein Boot zunächst notdürftig angebunden. Mit vereinten Kräften zogen wir das Boot an einen anderen Platz. Ein blöder Schaden, der sich hoffentlich reparieren lässt.
Freitagabend gehen wir zu sechst zu einem Open Air Konzert. Erst können wir uns alle nicht so recht aufraffen, hat es doch während des Tages immer wieder geregnet und irgendwie sind alle müde. Das Konzert beginnt um halb zehn, man könnte jetzt auch aufs Sofa wechseln. Wie gut, dass wir das nicht getan haben! Wir werden von einem tollen Konzert mit traditioneller Musik von den Azoren überrascht. Die Bühne wurde vor einem alten Gebäude errichtet, das eine imposante Kulisse bildet, und die Musiker spielen und singen auf ganz hohem Niveau. Eine tolle Überraschung!
Anschließend ziehen wir noch weiter, geraten in eine Bar mit Fußball-WM und fiebern mit den Kapverden mit, die schließlich doch gegen Argentinien verlieren. Als wir um halb zwei ins Bett gehen, stellen wir fest, dass dies auch eine Nacht mit wenig Schlaf wird. Diesmal aber aus viel schöneren Gründen!

Hortensien und Highlights auf Santa Maria

Samstagnachmittags laufen wir die völlig verlassene Hauptstraße von Vila da Porto entlang. Der Supermarkt hat geöffnet, alle anderen Läden sind geschlossen. Wir wollen den gemieteten Roller abholen. Versprach der Wetterbericht gestern noch Sonne, ist es jetzt tief grau und ein wenig frisch.
Die Übergabe des Rollers erfolgt schnell, aber wenig enthusiastisch. Eine kleine Straße bringt uns nach Anjos im Nordosten der Insel. Santa Maria ist klein, etwa 14 mal 10 Kilometer, die Distanzen sind also übersichtlich. Kolumbus soll 1493 auf der Rückreise seiner ersten Erkundungsfahrt in der Bucht von Anjos geankert haben, war aber wohl nur mäßig willkommen. Trotzdem gibt es heute eine Kolumbus-Statue am Ortseingang.
Am Strand gibt es ein Naturbadebecken, in dem man auch bei starkem Wellengang baden kann, doch uns ist es für ein Bad zu grau. Wir laufen auf dem Küstenweg entlang und sehen uns die kleine Höhle an. Inzwischen hat ein leichter Sprühregen eingesetzt und wir beschließen uns auf den Rückweg zu machen. Quer über die Insel geht es zum Aussichtspunkt über die Praia Formosa. Wunderschön liegt der lange Strand unter uns, doch die Wolken drohen dunkelgrau. Kaum sitzen wir wieder auf dem Roller beginnt es zu regnen.

Nobbi am Eingang der kleinen Höhle
Kolumbus in Anjos
Praia Formosa unter dunklen Wolken


Am nächsten Tag beginnen wir unsere Rundtour mit einem Besuch von Praia Formosa. Die Sonne scheint, das Meer leuchtet und es ist wunderbar ruhig für einen sonnigen Sonntag im Sommer am fast leeren Strand. Wir könnten den Tag einfach hier am Strand verbringen, setzen unsere Tour dann aber doch fort. Hinter Praia Formosa gewinnen wir dank kleiner Serpentinen schnell an Höhe und erreichen die Südostküste der Insel. Hier biegen wir auf eine Schotterpiste ab. Zwischen Gestrüpp und Kuhweiden beginnt ein Fußweg, der uns zu den Basaltsäulen „Ribeira do Maloas“ bringt. Der Wasserfall ist höchstens ein Wassertröpfchen, aber die Steinformationen sind beindruckend und in den Wasserbecken am Fuß der Steinsäulen tummeln sich Frösche, wir hören und sehen viele verschiedene Vögel und der Ausblick auf schroffe Südküste ist, genau wie der Wanderweg, sehr schön.

Ganz im Südosten der Insel steht der Leuchtturm „Farol de Gonçalo Velho“, den wir bereits von See aus gesehen haben. Etwas oberhalb des Leuchtturms gibt es eine Walbeobachtungsstation, die durch eine lange Treppe zu erreichen ist: der perfekte Picknickplatz!
Der kleine Ort Maia drängt sich an die steile Ostküste, oberhalb der Häuserreihe liegen sehr steile Weinberge. Kein Wunder, dass viele der Terrassen nicht mehr bewirtschaftet werden, das sieht mühsam aus. Ganz am Ende der Bucht führt der Weg zur Cascata do Aveiro, dem höchsten Wasserfall Portugals (100m). Die Wassermenge ist auch hier begrenzt, der Wasserfall ist jedoch trotzdem schön.
Schmale Hortensien gesäumte Straßen bringen uns zu einem Aussichtspunkt über Sao
Lourenço, einem Ort, der ebenfalls an der Ostküste liegt, einen tollen Strand hat und von Weinbergen umgeben ist.
Langsam wird es Zeit an den Rückweg zu denken. Wir entscheiden uns für die Straße durch die Inselmitte und wollen noch den Pico Alto besuchen. Der Pico Alto ist mit 587m die höchste Erhebung Santa Marias. Eine Straße führt auf den Berg, eine lange Treppe bringt uns bis auf den Gipfel. Der Berg ist nicht besonders hoch, dennoch kann man die ganze Insel überblicken. Im Westen ist die Insel eher platt und die Gräser bereits gelb und verdorrt, im Osten ist es grün und hügelig.


Bevor wir den Roller wieder abgeben, machen wir noch einen Ausflug. Wir fahren zunächst an die Nordküste. Kühe, Hortensien, Schmucklilien (ich weiß nicht, was der Plural von Agapanthus ist), kleine Dörfer und viele Hügel. In Sao Lourenço trinken wir einen Kaffee und machen einen Spaziergang, dann geht’s über Nebenstraßen nach Praia Formosa zum Picknick.

Santa Maria gefällt uns wieder sehr gut, wie schon bei unserem ersten Besuch im vergangenen September. Abwechslungsreich, grün und ruhig. Manchmal sehen wir eine halbe Stunde kein Auto. Eine Gruppe unbegleiteter Kühe kommt uns entgegen, passiert uns etwas skeptisch und nimmt dann wieder die ganze Straßenbreite ein. Auf Santa Maria kann man einfach nur entspannen.

Training für die Seebeine auf Santa Maria

Am Tag unserer Ankunft in Vila do Porto legen wir lediglich den Weg zu den Duschen und zum Restaurant des Segelclubs zurück. Am nächsten Tag laufen wir in den Ort, das ist nicht weit, aber der Ort liegt oberhalb des Hafens. Ein steiler Weg will erklommen werden. Das geht dann doch erstaunlich gut, auch wenn wir in den elf Tagen zuvor lediglich die eineinhalb Höhenmeter ins Cockpit überwunden haben. Praktischerweise geht’s mit leerem Rucksack bergauf, auf dem Rückweg mit den Einkäufen im Gepäck nur bergab. Wie im letzten Jahr wundern wir uns, wie preiswert der gute portugiesische Wein ist: günstiger als Orangensaft!
An Tag drei in Porto do Vila steigern wir unser Pensum und laufen gleich dreimal den Berg hinauf. Morgens zum Einkaufen, nachmittags besuchen wir das kleine Museum und abends findet ein Fest statt. Das Museumsgebäude ist erstaunlich modern und architektonisch ansprechend. Zurzeit gibt es eine Ausstellung mit Fotos und Gemälden zweier deutscher Künstler. Lustig finde ich den Titel der zweiten kleinen Ausstellung: Urban Sketching. Eine Malgruppe hat ein paar Häuser gezeichnet. Nur ist Santa Maria ungefähr „as unurban as it gets“. Der nette Herr am Empfang hatte uns erklärt, dass diese Bilder nicht zu verkaufen seien, die aus der Fotoausstellung jedoch schon. Ich bin mir ziemlich sicher, dass die Damen aus der Malgruppe auch verkaufen würden, falls einer von euch ein Angebot unterbreiten möchte. Damit sich der zweite Weg auch richtig lohnt, setzen wir uns vor der Weinbar auf die Straße und beobachten das „urbane“ Leben. Auf der Hauptstraße wird erstaunlich schnell gefahren, man könnte sagen gerast, und wir kommen uns vor wie in der „Truman-Show“, die Autos fahren auf der Hauptstraße Richtung Hafen und tauchen kurz darauf in einer Nebenstraße wieder auf.
Abends findet das Fest anlässlich von „Sao Joao“ zu Ehren des heiligen Johannes statt. Verschiedene Gruppen und Vereine präsentieren sich in aufwendigen Kostümen, singen und tanzen. Es gibt einen kleinen Markt, einige Essenstände und später am Abend auch ein Konzert. Die Veranstaltung zieht sich etwas in die Länge und irgendwann tun uns vom Stehen die Füße weh, aber die familiäre Stimmung und die gute Laune gefallen uns sehr.
Zu Trainingszwecken könnten wir nun am folgenden Tag fünf Mal in den Ort laufen, wollen aber lieber einen kleinen Ausflug machen. Von unserem letzten Santa Maria Aufenthalt erinnern wir, dass es nicht ganz einfach ist mit den Bussen (es gibt eine App, deren Angaben nicht immer stimmen…) und so wundern wir uns dann auch nicht, als der Bus nicht kommt. Da die Wanderschuhe geschnürt und das Picknick im Rucksack verstaut sind, laufen wir an der Küste entlang Richtung Praia Formosa. Einen Teil des Weges kennen wir schon, doch das macht nichts. Sonniges Wetter, klarer Horizont, ein abwechslungsreicher Weg am Meer entlang, viele Blüten und allerlei Getier, wie Vögel, Frösche, Kühe und ein sehr zutraulicher Esel bescheren uns einen schönen Wandertag. Die müden Seebeine müssen sich nun vor der nächsten Tour ein wenig erholen.

Der Hafen liegt unterhalb des Ortes.
Quallendeko zu Sao Joao.
Von der Weinbar kann man das Leben beobachten.
Katze im Regal – aber nicht zu verkaufen.
Vorführung „Romeo und Julia“
Im Piratenkostüm
Der Hafen von Vila do Porto bei Nacht.
Bei schönstem Wanderwetter laufen wir entlang der Küste.
Katze mit Ausblick.
Sei ein Frosch!
Segler brauchen Auslauf.
Auf den Azoren gibt es die schönsten Kühe.
Der Wanderweg ist abwechslungsreich.
Die Kontaktaufnahme.
Sagen diese Augen nicht „Nimm mich mit!“?
Kälber die bei der Mutterkuh trinken dürfen!
An manchen Stellen ist der Wanderweg fast verwunschen.
Blick auf die Praia Formosa
Die Wandergruppe
Auch die Opuntien blühen.

Lanzarote – Santa Maria, eine lange Überfahrt

Nobbi weckt mich um vier zu meiner Wache und ist ausgesprochen kommunikativ – im Gegensatz zu mir, ich muss erstmal aufwachen. Bevor er in der Koje verschwindet, wirft er noch einen Blick nach draußen. Dann ruft er mich, ich soll schnell rauskommen.
Ein breites, weißes Band zieht sich über ein Drittel des Himmels, im Nordosten berührt es den Horizont. So etwas haben wir noch nie gesehen. Was kann das sein? Es ist unheimlich und bietet Raum für Spekulation. Ein ganz besonderes Polarlicht? Etwas Militärisches? Nach ein paar Minuten beginnt es zu verblassen und verschwindet schließlich.
Was bleibt ist der wunderbare Sternenhimmel. Die schmale Sichel des zunehmenden Mondes ist kurz nach Einbruch der Dunkelheit hinterm Horizont verschwunden. Die Wasseroberfläche ist so glatt, dass sich ganze Sternenbilder spiegeln. Mari scheint zu schweben. Ganz langsam schieben wir uns nach Nordwesten.
Seit Tagen ist es flau. Mal segeln wir bei wenigen Knoten Wind ganz langsam, mal driften wir. Es fühlt sich an wie Urlaub. Wir sind gewissermaßen ausgeklinkt. Baden, lesen, aufs Meer schauen. Ohne Internetverbindung, weit weg vom Rest der Welt. Oft ist es so ruhig, dass man unwillkürlich flüstert. Andere Leute nennen das Retreat und bezahlen dafür Geld.
Unterm Boot entdecken wir einen Schwarm Tintenfische, ein Krebs versucht hinter uns her zu paddeln und am Horizont vollführt eine Gruppe Delfine kunstvolle Sprünge.
Gelegentlich treibt eine abgerissene Boje, eine Plastikflasche, etwas Fischernetz oder ein Stück Styropor vorbei. Um eine verrostete Gasflasche treiben wir in einem großen Kreis herum. Oder sie um uns?

Der Beginn der Reise war etwas ungemütlich. Bei böigem Wind verlassen wir Lanzarote. Wir können sogar etwas höher am Wind segeln als gedacht. Wir müssen uns ständig festhalten, jede kleine Tätigkeit will geplant werden und nur liegend in der Koje kann man etwas entspannen.
Am dritten Tag geraten wir südlich von Madeira in eine Flaute, nehmen in der Nacht sogar die Segel runter und überlegen nach Maderia zu motoren. Doch wir entscheiden uns dagegen. Der Wind dreht auf Nord und wir segeln ganz gemütlich nach Westen.
Dass wir nach dem windigen Beginn ins Hoch und damit in die Flaute fahren würden, wussten wir ja vorher. Wir sind noch langsamer unterwegs als gedacht, aber was macht das schon. Ob wir dieses Gefühl von Zeitlosigkeit und Unendlichkeit jemals wieder erleben werden? Vielleicht gibt es diese andere Welt gar nicht mehr? Oder wir werden von der Matrix verschluckt und haben es nur noch nicht gemerkt.
Die Tage gleiten ineinander über und werden nur durch den Bordalltag aus gemeinsamen Mahlzeiten und Nachtwachen strukturiert. Kochen ist keine akrobatische Meisterleistung mehr und es gibt einen Apfel-Marzipan-Kuchen, den wir so gut finden, dass er auch an Land gebacken werden darf. Jeden Vormittag stellt Nobbi seine Pflanzen ins Cockpit und bringt sie abends zurück ins Waschbecken, wo sie die Nacht verbringen.
Zu Sonnenaufgang habe ich Wache, meistens tummeln sich Wolken am Horizont und ich sehe unseren Lieblingsstern erst, wenn er schon etwas höher steht. Doch an einem Morgen habe ich Glück. Unmittelbar, bevor die Sonne hinter dem Horizont auftaucht, sehe ich einen „Green Flash“. Grün wie eine Ampel blinkt es, dann geht die Sonne auf. Das grüne Leuchten haben wir schon einige Male beim Sonnenuntergang gesehen, aber noch nie zu Sonnenaufgang!
Schließlich kündigt sich das Ende der Flaute an. Ein Tief zieht über die Azoren und bringt uns Südwest und später Westwind, so dass wir nach Santa Maria segeln können. Unseren Morgen-Kaffee trinken wir ausnahmsweise nicht im Cockpit, sondern sitzen auf dem Aufbau. In der glitzernden Morgensonne sehen wir drei Pottwale. Zwei graue und ein bräunliches Tier, leider tauchen sie ab und wir sehen sie nicht wieder.
Mit dem Wind nimmt auch die Wellenhöhe zu. Wir sind wieder auf Am-Wind-Kurs unterwegs und wieder wird es gelegentlich ungemütlich. Bei uns überwiegt die Freude, dass wir wieder vorankommen. Ein paar kleine Schauer waschen unser Boot, das braune sandige Wasser tropft aus dem Rigg. Noch immer transportieren wir reichlich Sahara-Staub von den Kanaren.
Abends um neun erreichen wir kurz vor Sonnenuntergang die Südostecke Santa Marias. Die ganze Nacht kreuzen wir mit kleinen Segeln bei ständig drehenden Winden aus westlichen Richtungen nach Westen. Im ersten Licht sehe ich die Rückenflossen zweier Orcas, glücklicherweise beißen die Orcas der Azoren keine Segelboote und sind leider auch schnell wieder verschwunden. Wenig später stehen wir vor Vila do Porto. Im Vorhafen bergen wir die Segel und fahren in die Marina. Um Punkt sieben machen wir in einer freien Box fest.
Ziemlich genau elf Tage haben wir für die Überfahrt gebraucht. Wir sind 878 Meilen auf der direkten Distanz von 750 Meilen gesegelt, haben also einen kleinen Umweg gemacht. Wir hatten eine Nacht (bei Madeira) und drei Tage Flaute. Vier sehr kleine Etmale (zurückgelegte Distanz zwischen den Mittagsorten) haben wir geloggt: 29, 33, 53 und 57 Seemeilen. Das 29 Meilen Etmal ist tatsächlich unser neues Winzigkeits-Rekord-Etmal. So wenige Seemeilen sind wir noch nie in 24 Stunden gesegelt (getrieben), die bisher kürzeste Distanz lag bei 30 Meilen auf der Strecke zu den Kapverden in Äquatornähe.
Santa Maria hatte uns bereits bei unserem letzten Besuch im September gut gefallen und wir freuen uns wieder hier zu sein!

Wir segeln nach Nordwesten – in den Sonnenuntergang
Solange die Wellen klein sind, kommen wir auf Am-Wind-Kurs gut voran.
Dieser Apfel-Marzipan-Kuchen wurde ins Rezeptbuch aufgenommen
Bunte Wolken kurz vor Sonnenaufgang
Delfine ziehen in der Ferne vorbei
Sehr wenig Segelwind, aber wunderschöne Farben
Überhaupt gar kein Wind
Mond, Venus und Jupiter voraus am Abendhimmel
Nobbi bringt seine Pflanzen zum Sonnen ins Cockpit
Im goldenen Licht
Wer kreist um wen? Diese Gasflasche treffen wir mehrfach.
Immerhin treiben wir in die richtige Richtung – in den Sonnenuntergang.
Whalecome!
Santa Maria bei Sonnenaufgang

Abfahrt zu den Azoren

Das Wetter sieht nicht optimal aus. Trotzdem fahren wir heute los und hoffen irgendwann auf den Azoren anzukommen. Das Hoch soll leider von einem Tief nach Süden gestupst werden und wird uns vermutlich den Weg abschneiden. Wir rechnen also im zweiten Teil der Reise mit schwachem und wechselndem Wind.

Vorgestern sind wir von Arrecife in den Süden Lanzarotes gesegelt. Das war eine schöne Etappe und Marisol war flott unterwegs. Gestern haben uns die Vorbereitungen auf Trab gehalten und dann ging der Bordcomputer auch noch aus und nicht wieder an. Nach einer ausgiebigen Testreihe konnten wir ein defektes Kabel zwischen Bildschirm und Computer identifizieren. Mit anderen Worten, der Computer lief, wir haben es nur nicht gemerkt.

Wir freuen uns auf einen Ortswechsel und sind gespannt, wann wir wo ankommen!

Rückreise mit Hindernissen

Es gießt als unser Zug einfährt. Teile des Bremer Hauptbahnhofsteigs sind nicht überdacht, Reisende und Gepäck bekommen eine gratis Dusche. Wir machen es uns bequem und freuen uns auf eine entspannte Bahnfahrt. Die Freude weicht bald einer gewissen Anspannung. Dem erfahrenen Bahnreisenden ist nicht entgangen, dass die Abfahrtszeit zum eine Stunde korrigiert wurde. Bald meldet sich der Schaffner und erklärt, dass das kräftige Gewitter auf der Bahnstrecke ganze Arbeit geleistet hat. Die Oberleitung ist beschädigt, ob und wann der Zug fährt weiß niemand. Es ist später Abend. Unser Zug hat nun die Abfahrtszeit des nachfolgenden Zugs, der folgende wurde gestrichen. Es sieht nicht so gut aus. Eine Stunde vergeht, der Zugbegleiter berichtet, dass es keine Neuigkeiten gibt und wir alternativ zurück oder am nächsten Tag weiterfahren können. Das hilft uns nicht. Am nächsten Morgen geht unser Flieger – unglücklicherweise ab Köln. Eine kurz Suche ergibt, dass es am Flughafen noch einen geöffneten Autovermieter gibt. Wir buchen ein Auto, das wir in Köln abgeben können und verlassen den Zug eineinhalb Stunden nach dem Einsteigen. Mit der Straßenbahn geht’s zum Flughafen. Glücklicherweise sind die Wege in Bremen nicht weit und wir sitzen, nach einer kurzen Diskussion mit der Dame der Autovermietung, bald im Auto. Durch die ganze Hektik sind wir nun wieder wach. Eine halbe Stunde hinter Bremen geht die E-Mail ein, unser Zug fällt ganz aus. Gut, dass wir uns beizeiten entschieden haben. Als wir langsam müde werden, kommen wir gegen ein Uhr in Köln an. Die Beschilderung am Flughafen ist abenteuerlich, wir finden das richtige Parkhaus und die Plätze unseres Vermieters trotzdem. Was wir nicht finden, ist der Kasten, in den wir die Schlüssel unseres Rennwagens werfen sollen. Zwischen ein und zwei Uhr nachts suchen wir zwischen Parkhaus und Terminal, zwischen unbesetzten Schaltern und unverständlichen Hinweistafeln. Zwei Polizisten sind ausgesprochen nett, wissen aber auch nicht weiter. Ein Mann von der Reinigungs-Crew schickt uns zurück ins Parkhaus, wo uns schließlich drei junge Männer (was machen die nachts ohne Auto im Parkhaus???) den entscheidenden Tipp geben.
Wir geben unser Gepäck auf, essen unsere Brötchen, gehen durch die spektakulär unkomplizierte Sicherheitskontrolle und lesen ein wenig, bevor wir endlich in den Flieger steigen, der uns zurück zu Mari bringt. Als wir in Arrecife unsere Tasche vom Gepäckband ziehen, haben wir noch sieben Minuten Zeit, bis der Bus kommt. Hier ist das kein Problem. Der Zoll ist nicht besetzt und von der Gepäckausgabe zum Bus sind es nicht mal hundert Meter. Sehr gut, wir hätten sonst eine Stunde warten müssen.
Um halb elf frühstücken wir bereits auf Marisol im Cockpit. Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf sind wir soweit wieder hergestellt, dass wir uns auf der Feier zum „Tag der Kanaren“ unters Volk mischen.

Inzwischen haben wir das Großsegel und die Fock wieder angeschlagen, Mari vom feinen Wüstenstaub befreit und den Kühlschrank gefüllt. Wir sind also wieder voll einsatzfähig.
Natürlich brauchen wir auch ein wenig Auslauf. Mit dem Bus fahren wir nach Playa Honda und laufen 8km zurück zum Boot. Uns fällt auf, wie leer die Insel geworden ist. Es scheinen nur wenig Touristen hier zu sein. Die Strände sind fast leer und in den Restaurants gibt es viele freie Tische. Selbst an der Pfütze, der Charco de San Ginés, geht es abends ungewöhnlich ruhig und entspannt zu. Uns gefällt es.
Wir wollen Arrietta, einen kleinen Fischerort etwas nördlich, besuchen und stehen am Busbahnhof. Bus Nr. 7D finden wir nicht, sehen nur lauter Menschen, die in einem Bus einsteigen, der laut Anzeige erst in eineinhalb Stunden fährt. Das kommt uns merkwürdig vor. Die Dame, die ich frage, weiß auch nicht, wo die Nummer 7D fährt, will aber ebenfalls nach Arrietta und rät uns mit ihr in diesen Bus einzusteigen. Kaum setzt sich der Bus in Bewegung, springt die Anzeige um. Wir sitzen im Bus 7D. In Arrietta laufen wir ein wenig an der Küste entlang, sehen am Strand den Surfern zu, picknicken und verstecken uns in einem Café vor dem starken Wind. Es ist nicht gerade kuschelig hier. Ganz gemütlich machen wir uns dann auf den Weg zur Bushaltestelle, als uns plötzlich unser Bus entgegenkommt. Wir legen einem Sprint ein und schaffen es die Haltestelle vorm Bus zu erreichen. Er fährt 14min vor der Zeit in unserem Fahrplan. Busfahren auf Lanzarote bleibt ein Abenteuer.

Am „Dia de Canarias“ ist viel los in Arrecife.
Nebensaison: die Strände sind leer.
Arrietta ist ein kleiner verschlafener Ort am Meer.
An der Küste nördlich von Arrietta.
Sogar der geschützte Badeplatz ist unruhig.

Funkstille, Lanzarote-Touren, eine Hochzeit und Heimatbesuch

Seit unserer letzten Lebendmeldung ist schon einige Zeit vergangen. Uns geht’s blendend, es ist nur viel passiert.
Zunächst sind wir drei Tage mit dem Mietwagen auf Lanzarote unterwegs gewesen. Anfang Mai scheint Nebensaison zu sein, die Straßen sind recht leer, die Parkplätze der Autovermieter hingegen sind rappelvoll. Lediglich an den wenigen Touristen-Attraktionen bilden sich lange Schlangen. Wir sind suchen lieber nach kleinen Nebenstraßen, die wir noch nicht kennen, unternehmen eine kleine Wanderung auf einen erloschenen Vulkan, besuchen einen langen Strand und machen Picknick mit Ausblick.
Gerade sind wir auf Stippvisite in Deutschland. Der Anlass ist ein überaus freudiger, eine Hochzeit in Valencia. Während des kurzen Heimatbesuchs vor und nach dem großen Event, treffen wir Freunde und Familie, unternehmen eine Landpartie durch Ostfriesland, radeln auf dem Deich und erledigen etwas Bürokram. Nun neigt sich unser Urlaub vom Urlaub schon wieder dem Ende zu und wir freuen uns auf Marisol, die in Arrecife auf uns wartet.