Ein Museumsbesuch und „Fischdose am Boden“

Am historischen Museum im Castillo de San Gabriel sind wir bisher immer vorbeigelaufen. Es ist äußerst beliebt und sehr klein, deshalb bildet sich oft eine lange Schlange davor. An einem ruhigen Vormittag ohne Kreuzfahrtschiff wollen wir das Fort nun endlich ansehen. Die lustige Dame am Eingang bietet uns an das Castillo zu kaufen und erklärt uns dann, das WLAN sei ausgefallen und alle Beschilderungen auf Spanisch, wir könnten das Museum trotzdem besichtigen, brauchen aber keinen Eintritt bezahlen. Wir entscheiden uns für den Besuch des Museums, aber gegen den Kauf. Die Ausstellung ist übersichtlich, ein bisschen Geschichte des 15. bis 19. Jahrhunderts, ein paar Uniformen, Kanonen und eine Mumie aus vorspanischer Zeit, auf die man sehr stolz ist.

Die meiste Tage sind mit Bordalltag gefüllt. Ein Frühjahrsputz, einkaufen, Wäsche waschen und lange Spaziergänge. Eines der Polster im Vorschiff hat einen neuen Bezug bekommen, ein paar Ausrüstungsgegenstände wurden inspiziert, gewartet oder gewaschen. Die Platte des Kartentisches, einen Griff am Schott und die Bodenbretter im Vorschiff glänzen mit einer neuen Lackschicht. Das Lackieren war eine flotte Angelegenheit, doch die Vorarbeiten zogen sich. Nicht nur das Anschleifen und das Beseitigen des Schleifstaubs kosteten, wie immer, deutlich mehr Zeit als gedacht, auch mussten wir diverse Teile am Kartentisch abbauen, um die Platte demontieren und den Griff lackieren zu können. Lackiert haben wir im Cockpit, dann wurden die Teile im Salon gelagert und abends wanderten die staubtrockenen Bretter bereits ins Vorschiff. Damit wir nicht gewohnheitsmäßig auf die Bretter treten, haben wir eine Fischdose auf der Schwelle platziert. Das hat wunderbar funktioniert. Wir vermuten, dass es sich nicht zwingend um eine Fischdose handeln muss und werden das beim nächsten Lackierprojekt überprüfen. Beim Kartentisch besteht nicht die Gefahr, dass man aus Versehen drüber läuft, allerdings ist es unglaublich, wie oft man innerhalb weniger Stunden beinahe drauf fasst.

Mit dem Wind im Rücken kaufen wir immer an der Küste entlang nach Playa Honda. Es ist sonnig und angenehm warm, die Füße laufen fast von allein und wir freuen uns auf ein leckeres Mittagessen. Viele Restaurants haben geschlossen (Montag!), eins verscheucht uns mit merkwürdigem Fischgeruch, ein anderes ist wenig einladend. Egal, dann fahren wir mit dem Bus nach Arrecife zurück und essen dort. Dass der Busfahrplan ein wenig eigenwillig ist, hatten wir schon erwähnt. Vom Strand fährt der Bus erst in einer dreiviertel Stunde und hält dann weder an der Marina noch in der Nähe der angepeilten Restaurants. Also laufen wir einen Kilometer zur Hauptstraße, um dort in den Bus einzusteigen. Ein Bus fährt vorbei, wir lernen, dass er zum Aussteigen halten würde, aber nicht zum Einsteigen, einer kommt nicht und der dritte fährt, anders als erwartet, nur bis zum Intercambiador (nicht zu verwechseln mit Estacion). Der Verdacht, wir seien zu blöd den Busfahrplan zu lesen, drängt sich auf. Zu unserer Verteidigung können wir vorbringen, dass auch an der Bushaltestelle und im Bus allgemeine Verwirrung herrschten. Auch die Einheimischen scheinen das System (gibt es eins?) nicht zu durchblicken. Vom Intercambiador läuft man 40 Minuten zum Boot, wir brauchten dank des Restaurantbesuchs zwischendrin deutlich länger.
An der Bushaltestelle werden wir Zeuge geschäftlicher Aktivitäten. Ein Radfahrer wartet, ein verbeultes Auto hält, diskreter Tausch von Ware und Geld, Auto und Radfahrer verschwinden. Der Vermutung liegt nahe, dass weder Sonnenblumensamen noch Gummibärchen getauscht wurden. Auch an den Stränden kann man den regen Handel beobachten, das dürfte vermutlich auch der Grund für die auffällig hohe Polizeipräsenz sein. Doch nicht nur der Straßenhandel mit irgendwelchen Kräutern ist im Visier der Behörden. Die Guardia Civil hat einen Frachter gestoppt und das Schiff nach Las Palmas, Gran Canaria, gebracht. Unglaubliche 45 Tonnen Kokain wurden an Bord gefunden.
Wir sind weder an Kraut noch an Kokain interessiert, sondern freuen uns über die sommerlichen Temperaturen.

Blick vom Castillo auf die Stadt
Achtung! Fischdose am Boden!
Immer am Wasser entlang, unsere liebste Spazierstrecke.
Malerische Boote als Stranddeko.
Sympathischer Reiher mit schicker Frisur.