Von Cairns innerhalb des Great Barrier Reef nach Norden

Samstag 15. Juli bis Montag 17. Juli
Samstagmorgen regnet es. Das macht den Abschied von Cairns leicht, sorgt aber nicht gerade für große Begeisterung segeln zu gehen. Nach einer letzten langen heißen Dusche legen wir ab. Wir hatten gehofft, dass uns das ablaufende Wasser den Fluss hinunter schiebt, leider führt es eher zu kabbeligem Seegang. Wir werden durchgeschüttelt und sind froh, als wir das Fahrwasser verlassen können. Der Wind lässt auf sich warten und kommt zwischenzeitlich sogar aus West. Die Wellen werden dafür immer höher und sind unangenehm kurz, eine unfreiwillige Achterbahnfahrt, die Butter fliegt vom Brot, das Brot in die Spüle. Wir nutzen die Motorfahrt um den Wassermacher laufenzulassen, aber auch das Füllen unserer kleinen Trinkwasserkanister ist Hochleistungssport.
Als wir die große Bucht von Cairns endlich verlassen, setzt der vorhergesagte Wind ein und nimmt schnell zu. Wir können flott zum geplanten Übernachtungsplatz bei Low Islets segeln. Die Tagestouristen kehren gerade zu ihrem Katamaran zurück und wir sind plötzlich allein an diesem schönen Platz. Wir können uns eine der Nationalpark-Bojen aussuchen und genießen den Sonnenuntergang. Es ist ein windiger und schöner Platz. Große Fledermausfische ziehen unter uns ihre Kreise und der Leuchtturm lässt sein Licht nach Einbruch der Dunkelheit über uns streifen.
Am spätem Abend ist Hochwasser, mit steigendem Wasser läuft immer mehr Schwell übers Riff, das gemütliche Schaukeln geht in ein wildes Taumeln über. Wir liegen jeder auf unserem Sofa und versuchen lesend die Wellen zu ignorieren. Als mein volles Glas vom Tisch abhebt und der Inhalt sich über mich ergießt, gehen wir ins Bett. Morgens wachen wir gerädert auf.
Der Sonntagmorgen wirkt mit dunkelgrauen Wolken wenig einladend. Wir warten einen kräftigen Schauer ab, bevor wir die Boje loswerfen. Ich habe heute gleich meine Ölhose angezogen, der nächste Schauer kommt bestimmt. Es wird ein schneller aber sehr anstrengender Segeltag hinter dem berühmten Great Barrier Reef. Sprühregen und Schauer, an einem Kap ist der Wind plötzlich weg und dann gibt es wieder heftige Böen, dazu dieser teilweise hohe und steile Seegang, der sich auch gerne mal bricht. Nach 42 Meilen suchen wir uns eine Boje bei Hope Island aus. Wir sind wieder das einzige Boot und haben die freie Wahl. Wieder läuft abends der Schwell übers Riff, es ist jedoch nicht so schauklig wie in der Nacht zuvor.

Aus der Nordsee kennen wir diese wunderbar regelmäßigen Tiden. Sechs Stunden läuft es ab, sechs Stunden auf. Etwa alle 12 Stunden ist Hochwasser. Da es nicht genau 12 Stunden sind, verschiebt sich das Ganze von Tag zu Tag. Zur Springzeit ist das Hochwasser höher und das Niedrigwasser niedriger. So schön regelmäßig schwappt das Wasser nicht überall hin und her.
Hier haben wir ein hohes Hochwasser, dann ein weniger niedrigeres Niedrigwasser, dann ein weniger hohes Hochwasser und dann ein niedrigeres Niedrigwasser. Verwirrend? Ein Beispiel Hope Island am 16.7.: abends um 2100 ist das hohe Hochwasser mit 2,60 m, am 17.7. morgens früh um 0300 das weniger niedrige Niedrigwasser mit 1,30 m, das nächste Hochwasser um 0830 ist nur 1,70 m hoch (also hier 0,90m weniger als das am Abend zuvor), das Niedrigwasser um 1400 ist mit 0,40 m viel niedriger als das am frühen Morgen, dann folgt wieder das hohe Abend-Hochwasser um 2130 mit 2,60m.)
Zur Springzeit (wir haben gerade Spring, 19.7 ist Neumond) ist das hohe Hochwasser besonders hoch und das niedrige Niedrigwasser besonders tief. Nun nähert sich das ganze wieder an, bis zu nächsten Spring. Das hohe Hochwasser ist immer nachts, das niedrige Niedrigwasser mittags. Mit anderen Worten nachts ist der Wasserstand höher als mittags. Das ist praktisch, wenn man einen Ankerplatz in einer flachen Bucht gefunden hat, aber unpraktisch, wenn man an einem Riff liegt, das vom Hochwasser überspült wird. Insgesamt ist das alles undramatisch, weil der Tidenhub, also der Unterschied zwischen Hoch und Niedrigwasser, nicht so hoch ist, aber wenn es übers Riff schwappt, schläft man nicht gut.

Auch der Montag begrüßt uns mit heftigen Schauern. Wenn es gerade nicht regnet, sieht Hope Island interessant aus, große Vögel kreisen über der Insel, der Strand leuchtet in der Sonne und Riffe säumen unseren Übernachtungsplatz. Auch für heute gibt es eine Starkwindwarnung, morgens soll es bis zu 30kn (Bft 7) Wind geben und dann abnehmen. Wir segeln trotzdem los. Heute ziehe ich zusätzlich zur Ölhose meine Segelstiefel und die dicke Jacke an, ich habe keine Lust mehr auf nasse Füße und durchgeweichte Ärmel.
Wir kommen schnell voran, der Wind nimmt immer weiter zu. Wir finden, dass der Morgen um 14h eigentlich vorbei ist und der Wind langsam nachlassen könnte, doch wir werden nicht gefragt. Schließlich haben wir durchgängig deutlich über 30kn Wind, mit Böen um die 40kn. Segeln bei 7 bis 8 Bft, eigentlich muss das nicht sein. Der biestige Seegang bricht sich, einzelne Wellen sind deutlich über 2m hoch und sehr steil. Unsere Mari interessiert das alles nicht, mit dem Großsegel im 2. Reff stürmt sie mit 7 Knoten voran, häufig sind wir sogar noch deutlich schneller. Das Vorsegel rollen wir den ganzen Tag nicht aus, das hat heute Pause.
Wir entscheiden uns nicht hinter Cape Bedford zu ankern, die Bucht ist zu flach und unser Ankerplatz wäre weit weg vom Strand in unruhigem Wasser, daher segeln wir 22sm weiter bis Cape Flattery. Obwohl wir erst spät aufgebrochen sind, können wir den Platz noch bei Tageslicht erreichen, so hat der viele Wind auch Vorteile.
Hinter Cape Flattery gibt es zwei Buchten, in der westlichen liegen drei Schlepper und zwei Fischer, es gibt einige Bojen und eine Pier. Die östliche Bucht ist leer, da wollen wir ankern. Ein langer weißer Sandstrand fasst die weite Bucht ein, der Meeresgrund steigt langsam an und wir finden einen ruhigen Platz auf 5m Wassertiefe. War es in Vanuatu oft so tief, dass man etwas suchen musste um einen Platz zu finden der nicht so wahnsinnig tief ist, ist es hier oft sehr flach. In Vanuatu fanden wir, dass 20m eine akzeptable Wassertiefe für einen Ankerplatz sind, hier hinter dem Great Barrier Riff ist es nur selten 30m tief. Um in die Bucht einzufahren holen wir weit aus. Eine sandige Nase zieht sich vom Kap nach Norden, bei 2m brechender Welle sind 4m Wassertiefe nicht viel. Viele Buchten sind sehr flach, so dass man oft weit weg vom Land ankert. Hier hinter Cape Flattery aber, ist es auch für Boote mit viel Tiefgang einfach einen geschützten Platz zu finden.
Wir genießen einen ruhigen Abend im Cockpit. Der Wind heult im Rigg, aber wir bewegen uns kaum. Der Tag, der seglerisch etwas aufregender war als nötig, hat uns mit tierischen Highlights verwöhnt. Mehrfach haben wir Delfine und große Schildkröten gesichtet, eine Schlange ist erschreckt abgetaucht und als Krönung haben wir Buckelwale gesehen. Die Walsichtung war sehr schön, trotz der hohen Wellen konnten wir die Tiere eindeutig ausmachen und sie haben uns ihre Fluken gezeigt. Gerne würden wir sie bei weniger Seegang wiedertreffen. Die Begeisterung bei Tierbegegnungen nutzt sich nicht ab, ich freue mich über jeden Delfin und jede Schildkröte, und Walsichtungen sind einfach toll.

Karten

Es wird Zeit für einige Karten, die euch einen kleinen Überblick geben wo wir unterwegs sind. Ich habe mal wieder gemalt. Alle Karten sind, wie üblich, nicht zur Navigation geeignet und weisen einige Abweichungen zur Wirklichkeit auf, die dem zitternden Bleistift, einer gewissen Ungeduld oder endendem Papier geschuldet sind.
Als Titelbild seht ihr die Route, die wir seit Neuseeland gesegelt sind. Ende des Jahres können wir da hoffentlich eine lange rote Kurslinie Richtung Norden hinein malen. Mal sehen wo wir landen.

In die Karte vom Süden Neukaledonien habe ich nur die ersten beiden Kringel, die wir im September und Oktober gesegelt sind, eingetragen. Danach waren wir noch mehrfach in der Baie de Prony, auf Ilot Laregnere und Mbe Kouen, in der Baie de Papaye und an vielen anderen Plätzen. Diese kürzen Touren habe ich nicht eingezeichnet, sonst wäre es viel zu unübersichtlich.

83 Inseln gehören zu Vanuatu, wir haben nur eine Handvoll besucht. Die rote Linie zeigt unsere Kurslinie durch den Archipel.

Die letzten Etappen habe ich auch unter dem Menüpunkt Route eingefügt.

Kaffee im Bücherregal, Schilder und Flugzeuge

Nobbi liest mir beim Frühstück aus der Zeitung vor. Ein Teddy ist in einem Flugzeug gefunden worden und konnte seinem jugendlichen Besitzer zurückgegeben werden, die Lebenserwartung ist weiter gestiegen, eine Touristin aus Belgien wird vermisst, ein Unschuldiger saß fünf Jahre im Gefängnis, ein Rentner ist an einem Wasserfall in den Tod gestürzt, Camper haben einen Panther gesichtet und an einem Badeplatz im Nationalpark ist ein Krokodil aufgetaucht und hat dafür gesorgt, dass die badenden Touristen auch ganz schnell aufgetaucht sind.
Australien ist auch ein Land der Schilder, insbesondere Warnhinweise gibt es reichlich. Viele sind sicher sinnvoll, viele erscheinen mir ein wenig übertrieben. Mit oder ohne Schild, hatte ich noch nie die Idee Wasser aus einem Teich zu trinken oder bin auf die Idee gekommen Abdeckplatten abzuschrauben, um in einen Installationsschacht zu steigen. Es gibt auch Schilder, die darauf hinweisen, dass die Pikser, die auf dem Zaun sind, damit man da nicht darüber klettert, einen verletzen könnten, wenn man es trotzdem versuchen sollte.

Wir waren wieder im Botanischen Garten, diesmal sind wir mit dem Bus gefahren, hatten noch genug Energie um uns umzusehen und haben von dort eine kleine Wanderung unternommen. Auf dem Hinweg haben wir im Bus gar nichts bezahlt, der Busfahrer war allerdings ziemlich grummelig und wir haben nicht erfahren, weshalb die Fahrt kostenlos war.
Auf dem Wanderweg war es nicht gerade ruhig, weil er am Flughafen vorbeiführt. Wir haben beim Picknick Flugzeuge geguckt und den Stegnachbarn weit draußen segeln sehen, der zwei Stunden zuvor seine Leinen in der Marina gelöst hatte. Während der tolle Wanderweg in Kuranda menschenleer war, war hier richtig was los. Wir müssen uns erst daran gewöhnen, dass man anscheinend nicht grüßt, das kennen wir aus Neukaledonien oder Vanuatu nicht. Viele meiden sogar den Augenkontakt. Umso mehr freuen wir uns, als eine junge Frau uns anlacht „Tilley, ehy!“ Sie winkt mit ihrem Tilley-Hut. Das Tilley-Hut-Träger sich grüßen, steht sogar im Manual (ja, diesen Hut gibt es tatsächlich mit einer Anleitung).


Wir haben genug eingekauft. Eine Liste gibt es nicht, aber die Kaffeepakete im Bücherregal weisen darauf hin, dass die Schränke voll sind. In die letzten leeren Gläser ist süß-saurer Kürbis gewandert und alle befüllten Gläser haben einen sicheren Platz gefunden. Nur der Frischproviant fehlt uns noch und ein bisschen weniger Wind in der Vorhersage wäre nett.

Schöne und fleißige Tage in Cairns

Bei fantastischem Wetter sind wir in Cairns angekommen, es herrscht Urlaubsgefühl. Die dunkelgrünen Berge geben einen Hinweis darauf, dass das Wetter nicht immer so schön ist. Leider erwischen wir eine Regenperiode. Es regnet und regnet. Wir laufen jeden Tag zum Supermarkt und tragen eine große Rucksackfüllung an Bord. Das Angebot ist sehr gut und die Preise durchaus akzeptabel, insbesondere im Vergleich zu Vanuatu und Neukaledonien. Eine gute Gelegenheit die Vorräte aufzustocken. Vor allem, weil Australien nördlich von hier sehr dünn besiedelt ist und es lange dauern wird, bis wir wieder in der Nähe eines Supermarktes liegen. Lauter Leckereien wandern in unsere Schapps, Nüsse und Körner, Rotwein, allerlei Dosenfutter, Getränke, Haferflocken, usw. Fast alle Gläser sind bereits wieder mit vorgekochten Gerichten gefüllt. Besonders freuen wir uns über das reichliche Obst- und Gemüseangebot zu traumhaften Preisen. Auf dem Markt kaufen wir ganze Rücksäcke voller Maracujas, Melonen, Avocados, Grapefruits, Papayas, Paprikas, Tomaten und Gurken. Und wir nutzen die Chance Dinge zu essen, in deren Genuss Langfahrer nur selten kommen, wie zum Beispiel frische Pilze.

Ein neues Land ist immer spannend, auch bei alltäglichem erlebt man etwas. Wir lernen, dass wir vormittags zwar Bier und Rum kaufen können, die kleinen Weinkanister dürfen wir aber erst nach 16 Uhr. Australien hat viele Regeln. Gasflaschen dürfen nicht im Auto transportiert werden, für uns kein Problem, wir haben ja kein Auto. Aber wir wollen eine australische Gasflasche kaufen. Der Marina-Mitarbeiter, den wir fragen, wo wir eine Flasche kaufen könnten, fährt uns kurzerhand zu einer Tankstelle, die Gas verkaufen und bringt uns wieder zurück zum Schiff (übrigens ganz legal mit dem Pickup). Ausgesprochen nett! Nach 10 Monaten können wir zum ersten Mal eine Waschmaschine nutzen. Bei dem regnerischen Wetter freuen wir uns auch über den Trockner.

Inzwischen ist auch die Biosecurity-Inspektion abgeschlossen. Der Ärger darüber, dass wir nicht nur die Preissteigerung ab dem 1. Juli, sondern auch einen Überstunden- und Wochenendzuschlag bezahlen mussten, obwohl wir am Donnerstagvormittag im Juni eingereist sind, ist zwar nicht ganz vergessen aber immerhin verdrängt.

Am Sonntag ist das Wetter schöner und wir machen einen langen Spaziergang entlang der Promenade. Hier stehen viele schöne Bäume, es gibt große Rasenflächen, tolle Spiel- und Sportplätze. Von dort geht’s weiter zum botanischen Garten. Uns gefällt besonders der Regenwaldweg. Wir haben schon ganz platte Füße, als wir dort ankommen und wollen auf dem Rückweg den Bus nehmen. Da der nächste Bus erst in einer Stunde fährt, drehen wir noch eine Runde. Als wir schließlich wieder auf dem Boot ankommen, fordern unsere Füße vehement einen Ruhetag.

Mitte der Woche bessert sich das Wetter, aber auf dem Weg nach Norden soll es windig werden. Ein guter Grund unseren Aufenthalt zu verlängern. Man kann hier ganz viel unternehmen und es gibt eine riesige Spaßindustrie. Mit dem Speedboat im Zickzack auf dem Fluss herumrasen, Heliflüge übers Riff, Tagestouren auf kleine Inseln, Schnorchel- und Tauchtouren, verschiedene Zoos und Tierparks. Die meisten Aktivitäten verlangen ein gut gefülltes Portemonnaie, der Eintritt ins Aquarium kostet 50 AUD (30 Euro), die 3-stündige Kulturtour 150 AUD (90 Euro), eine Tour nach Kuranda in den Regenwald ab 180 AUD (110 Euro). Regenwald hört sich interessant an, nach Kuranda kann man mit einer Museumseisenbahn oder mit einer Seilbahn fahren, beides ist teuer. Ein Blick aufs Busnetz zeigt, dass es eine gute Verbindung dorthin gibt. Donnerstag fahren wir mit dem Bus für 7 AUD nach Kuranda. Dort gibt es eine schöne kleine Wanderung auf gepflegten Wegen und wir gönnen uns noch einen kleinen Abstecher. Tolle Pflanzen mit riesigen Blättern säumen den Weg, wir sehen und hören viele Vögel, leider zeigt sich der riesige Helmkasuar nicht. Von diesen großen flugunfähigen Vögeln sehen wir nur die Fußspuren.
Im Ort gibt es eine große Ansammlung von Esoterikbedarfsläden, von Wikingern bis zu Nepalesen, von Duftherzen bis zu Klangschalen ist alles vertreten. Wir verzichten darauf uns die Zukunft vorhersagen zu lassen und bummeln lieber durch Souvenirgeschäfte und Galerien.

Ein wenig Kultur kann nicht schaden. Am Freitag gehen wir in die Galerie und sehen uns auch die Ausstellung im ehemaligen Gerichtsgebäude an. Beide Ausstellungen sind sehr übersichtlich. Vieles gefällt mir nicht, oder vielleicht verstehe ich es auch nicht alles. Einige Kunstwerke haben mir gut gefallen, diese Collage aus Kaffeesäcken und die in Braille Schrift geschriebenen Geschichten hinter dem „Do not touch“ Schild beispielsweise.

Eigentlich brauchen wir gar kein Programm. An der Strandpromenade mit der Lagune, dem öffentlichen Badeplatz, kann man schön spazieren gehen. Es gibt sehr viele schöne, laute und interessante Vögel. Abends fliegen hunderte von Papageien in ihre Schlafbäume und machen dabei einen unglaublichen Lärm, ein Pelikan sitzt immer auf einem Stein an der Küste und guckt sich Touristen an und im Dunkeln streiten sich die Flughunde lautstark um die besten Plätze in den Bäumen. Auf dem Night-Market kann man Souvenirs, Tüddellüt und Hässlichkeiten kaufen, sich massieren lassen, asiatisch essen oder Leute gucken.
Zwischendurch erledigen wir Kleinkram, Rigg-Check, Dieselkanister füllen, Streicheleinheiten für den Motor, das Bimini nachnähen, der Bildschirm hat einen Wackelkontakt. Irgendwas will immer erledigt werden.

Ein kleiner Nachtrag

Dem Beitrag von unserer Überfahrt habe ich Umlaute spendiert, nun lässt er sich etwas besser lesen.
Hier gibt es noch einige Fotos von Aore und Luganville auf Santo. In den Tagen vor unserer Abfahrt haben wir nicht so viel unternommen, sondern nur ein paar Einkäufe erledigt, waren auf dem Markt in Luganville und sind auf Aore spazieren gegangen. Am Morgen unserer Abfahrt haben wir ein Wassertaxi nach Luganville genommen. Wir waren beim Zoll, Immigration und Port Office, haben unsere Pässe stempeln lassen, die Leuchtfeuergebühren von ca. 60 Euro bezahlt und uns die Clearance abgeholt, anschließend haben wir Brot und Pampelmusen gekauft und unsere letzten Dieselkanister an der Tankstelle gefüllt. Nachmittags haben wir uns schließlich auf den Weg nach Australien gemacht.

Ankunft in Cairns

Der Dreiviertel-Mond malt eine silberne Straße auf den Ozean und sie führt geradewegs nach Australien. In den letzten Stunden der Nacht, wenn der Mond im Westen untergegangen ist, haben wir Gelegenheit den grandiosen Sternenhimmel zu bestaunen. Zur Wachübergabe gehören jetzt die wirklich wichtigen Infos: Jupiter ist noch zusehen, Antares im Skorpion leuchtet gelb an Backbord.
Die vorletzte Nacht auf See ist so schön, dass wir kurz überlegen abzudrehen und gleich bis zur Torresstraße durchzufahren, entscheiden uns dann aber doch für Cairns.

Wir fahren ganz langsam, wir wollen am liebsten früh morgens ankommen. Im Dunkeln dürfen wir nicht in die Marina und der Ankerplatz gilt als nicht so ganz einfach, das ist im Hellen auch besser. Also reffen wir nicht aus und freuen uns, wenn wir nicht so flott sind. Am späten Nachmittag sichtet Nobbi schließlich Australien. Bei Sonnenuntergang sind wir noch außerhalb des Riffs und ich gehe ins Bett, weiß ich doch, dass es eine lange Nacht werden wird. Um neun wache ich auf, Nobbi hat inzwischen das Leuchtfeuer der Durchfahrt gefunden. Hier steigt der Meeresgrund stark an, von 1000m auf etwa 60. Bei schlechtem Wetter sicher unangenehm oder auch gefährlich, heute merken wir es nur daran, dass das Echolot wieder etwas anzeigt. Ich übernehme das Ruder, eigentlich wollten wir die Maschine starten, wenn wir ins Great Barrier Reef einfahren, aber das Wetter ist ruhig und wir können segeln. Ganz hoch am Wind schleichen wir uns in die breite Durchfahrt. Nobbi meldet uns bei Cairns VTS, der Verkehrszentrale, an. Dort hat man unser AIS schon gesehen. Nun darf Nobbi noch ein bisschen in die Koje und ich genieße die ruhige Nacht. Mit jeder noch so kleinen Böe erkämpfe ich mir etwas Höhe, der Ehrgeiz ist geweckt, nun wollen wir ganz bis zum Ende segeln. Um eins steht wieder ein Kurswechsel an, Nobbi ist wieder wach und kocht erstmal Tee. Ein großes Schiff kommt vorbei, ein Schlepper überholt und der Wind schläft ein. Wir sind mit nur 2 Knoten unterwegs, aber da wir ohnehin etwas zeitig dran sind, ist das auch egal. Ganz langsam schummeln wir uns in die Trinity Bay. Es ist kalt. Kalt für die Tropen. Erstmal noch einen Tee trinken. Um vier bergen wir die Segel und schmeißen die Maschine an. Nobbi fragt bei der Verkehrszentrale ob wir in das Fahrwasser nach Cairns einfahren dürfen. Wir dürfen. Der Wind bläst genau von vorn und nimmt stetig zu. Ich ziehe zum ersten Mal auf dieser Überfahrt eine Jacke an. Der Mond ist untergegangen, es ist stockdunkel. Im Dunkeln wirkt die Fahrrinne schmal, das ist sie nicht, und sie ist sehr gut befeuert. Ein Frachter nähert sich. Wir sind entspannt, denn gerade haben wir über Funk gehört, dass die sympathische Frau von der Verkehrszentrale uns gemeldet hat. „Die Marisol ist im Fahrwasser“ „Ja, die Yacht habe ich gesehen und auch auf dem AIS“. Das beruhigt ungemein, wenn sich ein Frachter kurz vor einem ins Fahrwasser einfädelt. Das Ganze wiederholt sich kurz daran mit einer riesigen Motoryacht. Schön, wenn auf einen aufgepasst wird. Um sechs geht die Sonne auf und wir erreichen die Marina. Nobbi ruft die Marina, die Frau von der Verkehrszentrale meldet sich, ab halb sieben können wir es versuchen, noch ist da niemand. Wir drehen einen Kringel und beobachten die ganzen Motoryachten, die zum Fischen rausfahren.
Um sieben liegen wir am Steg. Ein netter Marina-Mitarbeiter hilft uns nicht nur beim Festmachen, sondern checkt uns auch gleich ein. Unglaublich nett und zuvorkommend. Wir bekommen ganz viele Infos und beim Zoll hat er auch schon angerufen. Die Mitarbeiter vom Zoll haben gute Laune und unsere Unterlagen, die wir vorher emailt hatten dabei. Wir füllen noch ein bisschen was aus und unterhalten uns. Sie übernehmen auch die Aufgaben der Immigration, leider gibt es auch hier keinen Stempel mehr in den Pass. Das ist wirklich schade. Die Arbeit unter Deck macht ein weiterer Mitarbeiter, der etwas später eintrifft, ein netter Labrador. Er schnüffelt sich durch unser Schiff auf der Suche nach Geld, Zigaretten und Drogen. Der Hund ist zufrieden mit uns und um halb neun sind wir fertig. Nun warten wir auf die Biosecurity. Wir dürfen nicht von Bord, aber einen Schritt auf den Steg trauen wir uns um den Wasserschlauch anzuschließen und in der Wartezeit das Boot vom Salz zu befreien. Mittags ist immer noch niemand da. Der hilfsbereite Marina-Mitarbeiter telefoniert für uns. Schließlich kommen zwei Herren von der Biosecurity, die uns vom Steg aus befragen z.B. ob unterwegs jemand gestorben oder erkrankt ist. Wir bekommen einen kleinen Zettel als Bestätigung, dürfen nun die gelbe Q-Flagge einholen und von Bord gehen. Sonst darf noch nichts, vor allem nicht der Müll, das Boot verlassen, die Inspektion steht noch aus, wann diese stattfindet ist unklar.

Wir sind müde, wenig verwunderlich nach der Nacht. Erst jetzt stelle ich fest, dass ich von abends um neun bis am nächsten Morgen um halb sieben von Hand gesteuert habe. Kein Wunder, dass ich ein bisschen „Schulter“ habe.
Der erste Eindruck von Cairns ist super, die Stadt ist grün, extrem sauber und es herrscht ausgelassene Urlaubsstimmung. Unser erster Gang führt in den Supermarkt. Nach einem späten Mittagessen mit leckerem Körnerbrot und Tomaten! ziehen wir ein zweites Mal los. Im Shoppingcenter folgt ein Kulturschock. Nouméa war doch sehr beschaulich. Wir wollen nur eine SIM Karte kaufen und fragen im Telefonladen. Die extrem nette Mitarbeiterin erklärt uns die Tarife und schickt uns in den Supermarkt, da sie selbst keine Karten mehr hat. Wir hatten schon gesehen, dass wir die SIM Karten dort kaufen können, trotzdem hat sich der Abstecher in den Telefonladen gelohnt, ich wäre ja nie draufgekommen, dass ich Holländerin bin. Man muss sich mit seinem Pass registrieren. Von der Lady im Telefonladen wissen wir, dass das System so seine Probleme mit Dänemark und Deutschland hat, einfach deutsche Passnummer und Königreich Niederlande angeben und schon funktioniert es!
Wir freuen uns auf ein paar Tage in Cairns und dann geht es weiter nach Norden.

Unterwegs nach Cairns

Noch gut 500 Meilen nach Cairns. Der Wind kommt aus der richtigen Richtung, immer schön Südost und wir müssen nur ab und zu an der Windsteueranlage zupfen. Trotzdem ist es nicht gemütlich. Der Seegang ist garstig. Ab und zu wird es eine halbe Stunde wunderbar ruhig und gleichmäßig, kaum entspannt man sich, tauchen wieder vorwitzige, spitze, Wellen auf, die sich unvermutet direkt hinter Maris Heck brechen. Wir werden also durchgeschüttelt und sammeln blaue Flecken. Noch nie war ich an Tag 4 so seekrank und noch nie hatte ich selbst an Tag 5 einen Magen, der mich ununterbrochen daran erinnert, dass das nicht sein muss mit dem Segeln. In fast allen Fächern stecken inzwischen Küchenhandtücher um das Klappern abzustellen, der Topflappen sorgt bei den Gabeln für Ruhe. Jetzt gibt es nur noch leichte Knatschgeräusche und das Klatschen und Rauschen der Wellen.
Die Tage vergehen unaufgeregt. Schlafen, essen, lesen, Podcasts, Musik hören. An Tag sieben habe ich den sechsten Krimi begonnen, Podcastmäßig liegen diesmal BR und SWR weit vorne. Von Klassik für Klugscheißer, Expeditionsberichten und Interviews bis zu Plastikrecycling werden wir gut unterhalten und immer schlauer. Nobbi hört und singt Torfrock während er den Wassermacher bewacht. Ich komme so in den Genuss eines Konzerts und der Wassermacher wird beaufsichtigt. Wir haben Angst, dass er bei diesem Geschaukel Luft ziehen könnte. Kochen und Duschen sind Schwerstarbeit, lohnen sich aber. Frisch geduscht, mit vollem Bauch, ist man gleich etwas weniger müde.
Zum Glück gibt es auch diese wunderbaren Momente. Sternenklare Nächte, das Kreuz des Südens liegt an Backbord, an Steuerbord leuchten Venus, Mars und die schmale Mondsichel abends um die Wette, bevor sie zeitig untergehen.
Jeden Abend kommt ein Tölpel (immer der gleiche?) und versucht zu landen. Wir möchten nicht, dass er den Windsensor oder den Verklicker platt macht und blasen mit der kleinen Tröte, die wir für Brückenöffnungen und ähnliches an Bord haben. Das mag er nicht, schlägt mit den Flügeln und macht einen neuen Versuch. Er darf gerne auf dem Seezaun oder auf dem Bananaboot schlafen, konnte sich bisher aber nicht dazu entscheiden dort zu landen.
Vor einigen Tagen hatten wir nachts einen Hai im Kielwasser, er hat uns einige Zeit begleitet und ist dann abgedreht. Ein bisschen unheimlich. Ob er sich vielleicht auf den Weg zum Minerva-Riff gemacht hat? Von den Atangas haben wir gehört, dass dort ein Hai eine Seglerin vom Paddleboard gestupst hat. Zum Glück ist nichts passiert!
Morgen oder übermorgen queren wir die Schifffahrtsroute, da werden wir wohl mal ein Schiff sehen und in vier oder fünf Tagen sollten wir Australien erreichen.

Tangkyu tumas Vanuatu!

Einen Monat haben wir in Vanuatu verbracht und viel erlebt. Es hat uns sehr gefallen, die abwechslungsreiche Natur, die Kanu- Besuche und die zurückhaltende Neugier der Menschen. Highlight unseres Besuchs war das Naghol (Landdiving) in Pentecost, ein tolles Erlebnis bei dem wir außerdem großes Glück mit dem Wetter hatten. Und natürlich die Dugongs!

Nun zieht es uns weiter. In diesem Jahr warten noch viele Meilen und spannende Reiseziele auf uns. Wir werden von hier nach Australien segeln, Cairns soll unser erster Hafen sein. 1300 Meilen und etwa 10 Tage liegen vor uns. Drückt uns die Daumen für eine schöne und ereignislose Überfahrt.

Schnorcheln, Bojensalat und Luganville

Am Mittwoch scheint die Sonne. Wir entschließen uns noch einen Tag zu bleiben. Zur Feier des Tages gibt es einen Kuchen (Hefezopf mit Buchweizen und Schokostückchen). Zwei Frauen im Kanu kommen vorbei, sie verbringen fast den ganzen Tag damit am Riff zu angeln. Die Fische, die sie rausholen sind sehr klein. Wir wollen auch ans Riff, aber zum Schnorcheln. Mit dem Dinghi lassen wir uns übers Riff treiben. Wir sehen viele Fische, alle Exemplare sind sehr klein, und auch einige schöne Korallen, aber auch große Bereiche in denen alle Korallen kaputt sind. Netze und Leinen geben Auskunft was hier passiert ist und die beiden Frauen auf dem Riff führen uns vor, wie schwer es ist hier noch Fische zu angeln. Der steigende Bevölkerungsdruck in den kleinen Gemeinden ist auch eine Bedrohung für die Riffe und ihre Bewohner, zumindest für die Riffe, die so gut zugänglich sind wie die innerhalb von der großen Bucht von Port Stanley.
Eine andere Bedrohung für die Umwelt war uns bereits in der Umgebung von Port Vila aufgefallen und danach an allen Plätzen, außer auf Ambrym. Überall wächst eine Schlingpflanze. Sie überwuchert alles, Sträucher und Bäume. Es handelt sich um Merremia peltata, das Windengewächs heißt auf Bislama big lif rop und wird auch Camouflage Vine genannt. Die Geschichte zur Einführung ist so unglaublich (dumm), dass sie vermutlich stimmt. Die Amerikaner sollen sie im zweiten Weltkrieg eingeführt haben, um ihre militärischen Anlagen zu tarnen. Klappt super, alles wird getarnt. Intakte Wälder können sich gegen diesen Eindringling zur Wehr setzen, aber Bereiche in denen es einen stärkeren Einschlag gab, werden schnell überwuchert.
Wir spazieren an dem kleinen Strand der Insel Suaro, vor der wir liegen auf und ab. Eine Familie hat hier einen niedlichen Hof mit einem großen Garten. Bananen, Papaya, Kürbisse und viele andere Pflanzen wachsen zwischen und um die Hütten und natürlich gibt es auch hier viele Hühner.

Eine Schlingpflanze die alles überwuchert.

Donnerstag klingelt der Wecker wieder früh. 42 Meilen sind es bis nach Luganville und der Wetterbericht verspricht wenig Wind mit kräftigen Böen, wir können also nicht abschätzen wie schnell wir unterwegs sein werden. Die dunklen Wolken motivieren uns nicht, lieber würden wir uns wieder ins Bett legen. Tatsächlich sind wir dann sehr flott unterwegs und erreichen die Insel Espirito Santo und Luganville schon um 14 Uhr. Die Ankerplatzsituation vor Luganville ist etwas schwierig, deshalb haben wir eine Boje gegenüber der Stadt, an der Küste der Insel Aore reserviert. Eine Tauchbasis hat hier vier Bojen, als wir ankommen sind alle frei. Wir liegen dicht am Strand auf 30m Wassertiefe. Als wir an der Boje anlegen regnet es und wir verstecken uns erstmal unter Deck. Nachmittags stellen wir uns bei dem Besitzer der Bojen vor und machen einen Spaziergang auf Aore. Hier ist es sehr ruhig. Aber schön.

Die folgende Nacht gehört dann leider in die Kategorie „gar nicht lustig“. Abends stellen wir fest, dass Mari sich in ihrer Boje verheddert hat, die Bojenleine hat sich um den Kiel gewickelt und Mari beginnt immer mal wieder sich auf die Seite zu legen. Wir bekommen sie zunächst nicht frei, aber dann kentert die Tide, der Druck auf die Leine lässt nach und mit vereinten Kräften können wir Mari befreien. Wir gucken einen Film und als Nobbi bereits im Bett liegt, stelle ich fest, dass die Boje wieder hinterm Kiel hängt. Nobbi steht also wieder auf. Es beginnt zu regnen. Im strömenden Regen versuchen wir unser Boot zu befreien. Schließlich paddelt Nobbi auf der Badeleiter stehend Maris Heck über die Leine, die ich anleuchte, damit wir uns orientieren können. Die Mooringleine ist einfach zu lang und sie schwimmt. An der Leine sind, zum Schutz der Korallen, Kanister als Auftriebshilfe befestigt. Eine davon ist auf etwa drei Meter Tiefe. Danach kommen noch einmal 10 m Leine bis zur Boje die auf der Wasseroberfläche liegt und dann noch ein Stropp mit einer kleinen Boje. Wenn der Tide kentert, treibt Mari über die Bojenleine, die sich dann hinterm Kiel verheddert. Wir nehmen nun ein paar Meter der Bojenleine an Deck, auch wenn das hier ausdrücklich verboten ist. Inzwischen sind wir beide klatschnass und liegen erst um halb eins in der Koje. Ich schlafe schlecht, zwischen vier und Viertel vor fünf beobachte ich wie Mari sich nun problemlos mit der kenternden Tide dreht.
Am nächsten Morgen rudern wir an Land und fragen, ob wir so liegen bleiben dürfen. Der Bojenbesitzer ist nicht besonders erstaunt oder interessiert, aber wir können so liegen bleiben.

Wir rufen uns ein Wassertaxi um nach Luganville zukommen. Die Stadt liegt gegenüber auf der Nachbarinsel. Die Strecke ist nicht nur mehr als eine Meile lang, sondern die Welle erscheint uns auch ganz sportlich. Wir hatten genug Abenteuer und haben keine Lust auf irgendwelche Katastrophen mit dem Dinghi. Danny holt uns ab und mit Lichtgeschwindigkeit (ok, fast) erreichen wir das andere Ufer. Unsere Dieselkanister schließen wir an der Tankstelle an und sehen uns die kleine Stadt an. Auf dem Markt gibt es Paprika, endlich mal wieder Gemüse, außerdem kaufen wir eine Papaya, Maracujas und Bananen. Der Supermarkt ist recht gut sortiert und wir können nicht nur unsere Biervorräte auffüllen, sondern bekommen auch Eier und eine Salami. Als wir nun auch noch die Dieselkanister gefüllt haben sind wir sehr schwer bepackt und legen eine Pause in dem kleinen Restaurant nahe der Anlegestelle ein. Die Pizza ist sehr gut und man hat einen netten Blick aufs Wasser. Auf dem Weg zum Anleger treffen wir Danny, der uns wieder in Rekordgeschwindigkeit zum Boot zurück bringt. Der Rest des Freitags fällt für mich aus, mich quält eine Migräneattacke.
Samstag steht große Wäsche auf dem Programm. Leider haben wir keine Möglichkeit gefunden unsere Wäsche waschen zu lassen, deshalb waschen wir auch unsere Bettwäsche und Handtücher per Hand. Nobbi rudert ab und zu zum Wasserhahn und füllt die Kanister, die Bettlaken nehmen wir schließlich mit zum Steg und spülen sie dort. Nachmittags schnorcheln wir im flachen Wasser. Der Korallengarten, den die Besitzer der Tauchbasis über Jahre angelegt hatten, ist beim letzten Zyklon leider zerstört worden. Trotzdem ist die Artenvielfalt bei Fischen und Korallen beeindruckend, auch wenn es sich meist um kleine Exemplare handelt. Clownfische in einer Anemone und Riesenmuscheln (Tridacta) kann man sich ansehen ohne nass zu werden, direkt vom Steg.

Port Stanley – und wieder Malakula

Die Überfahrt von Pentecost zurück nach Malakula bietet deutlich mehr Abwechslung als der Langfahrtsegler sich wünscht. Vor uns liegt ein langer Schlag, also klingelt Sonntagmorgen der Wecker, es gibt Kaffee und dann gehen wir Anker auf. Wir setzten das Groß im ersten Reff und segeln ganz gemütlich los. Eine dicke dunkle Wolke schiebt sich durch die Düse zwischen Ambrym und Pentecost und hat Wind im Gepäck. 35 Knoten in Böen, da werden die Wellen platt gedrückt. Wer weiß, was da noch kommt. Wir binden das zweite Reff ins Groß, Böen mit deutlich über 40kn machen deutlich, dass das eine ganz gute Idee war. Immerhin sind wir schnell. Die Wolke zieht vorbei, der Wind nimmt ab. Wir reffen aus, der Seegang ist schauklig, das kennen wir ja bereits. Der Wind verschwindet ganz. Wir motoren, das wäre nicht so schlimm, wenn der Seegang uns nicht so quälen würde. Wir binden wieder ein Reff ins Groß, weil das Segel bei jeder Welle hin und her schlägt, die Segellatten biegen sich, der Mast bebt. Nicht mal eine Stunde später sind wir froh um das Reff, wir haben wieder frischen Wind und rauschen mit sechs bis sieben Knoten unserem Ziel entgegen. Die Einfahrt nach Port Stanley ist einfach, die Durchfahrt zwischen zwei Inseln ist gut zu sehen und sehr tief. Plötzlich taucht etwas großes Schwarzes ganz am Rande meines Gesichtsfeldes auf und ich erschrecke sehr (zugegebenermaßen ist es nicht so schwierig mich zu erschrecken). Fünf Delfine springen synchron aus dem Wasser. Was für ein netter Schreck. Die schlanken, kleinen Tiere begleiten uns noch eine ganze Weile. Wir bergen die Segel und laufen den Ankerplatz an. Hier könnte man liegen, aber kuschelig und geschützt ist es nicht. Nur eine Meile weiter gibt es einen anderen Platz hinter einem Riff. Da die Bewölkung so dunkel ist, sehen wir nicht viel, trauen uns mit Hilfe des Satellitenbildes aber trotzdem zwischen die Riffe. Hier gefällt es uns. Recht tief ist der Platz, fast 20m, aber ab und zu muss man seine Ankerkette ja auch mal baden. Nach 48 Meilen und einem sehr anstrengenden Segeltag sind wir froh angekommen zu sein.

Wir gönnen uns einen Tag Pause, ausschlafen, Eindrücke und Fotos sortieren, eine kleine Handwäsche, gemütlich kochen, abends einen Film. Die Flaute, die der Wetterbericht uns versprochen hatte, ist abgesagt. Schade eigentlich. Auch schade, dass es so grau ist, die kleinen Inselchen mit Mangroven und hellen Stränden und die türkisenen Riffe wären bei Sonne so viel schöner. Am Dienstag wollen wir trotzdem an Land, Zeit sich ein wenig zu bewegen, abgesehen von den Schwimmeinheiten ums Boot. Außerdem könnten wir einen Laden gebrauchen. Wir würden gerne Brot kaufen und auch die Biervorräte neigen sich dem Ende zu.
Mit dem Dinghi fahren wir zu einem Anleger, an dem ein kleiner Inselfrachter liegt. Knapp eine Meile ist die Pier entfernt. Für unser kleines Dinghi sind die Wellen ganz schön hoch. Wir rauschen dahin und hoffen, dass uns die Wellen nicht einholen. Hinter dem Anleger dürfen wir unser Schlauchboot an einem Laternenpfahl anbinden. Gleich werden wir an einen guten Platz gewinkt und mehrere Männer versichern uns, dass unser Boot hier sicher ist.
Auf dem Anleger stapeln sich die Waren. Die kleine Fähre pendelt zwischen Santo und Malakula und versorgt den Ort. Auf den Kartons stehen jeweils der Empfänger und die Anzahl der Pakete. Während noch Ladung gelöscht wird, wird gleichzeitig bereits neue Ladung an Bord gebracht. Kava in großen Säcken soll nach Santo gebracht werden. Das kleine Schiff hängt ziemlich schräg an der Pier. Ein Durcheinander, irgendjemand hat sicher den Durchblick. Wir laufen drei Kilometer zum Laden in Lakatoro und finden eine gut ausgebaute, zweispurige Straße vor und auch etwas Verkehr. Nette Grundstücke und arme, heruntergekommene Häuser wechseln sich ab. Es gibt einige ganz kleine Läden, eine Tankstelle, einen Bauhof und ein paar Bars. Und, leider viel Müll. Am Straßenrand liegen Verpackungen und Plastikflaschen. Einige Grundstücksbesitzer räumen bei sich auf dem Grundstück und am Straßenrand vor ihrem Haus auf. Der Müll ist ein riesiges Problem. Schon auf den kleineren Inseln ist uns aufgefallen, dass der Müll einfach fallengelassen wird. Als die Kinder nach dem Land-Diving Wassereis gegessen haben, flog die Verpackung einfach in die Büsche. Wenn wir den Kindern einen Bonbon schenken, packen wir sie ihnen aus, oder sammeln das Papier ein, sonst geht es direkt ins Meer. Dass es auf Pentecost, in der Revelieu Bay auf Epi oder in den Maskelynen recht sauber war, liegt nicht an der guten Müllentsorgung, sondern an dem sehr eingeschränkten Konsum. An allen Orten liegen hinter fast jeder Hütte leere Waschmittelflaschen und Getränkedosen. Hier, auf dem Weg nach Lakatoro haben wir aber sehr viel mehr Müll gesehen, als in den Orten zuvor. Im besten Fall wird der Müll verbrannt, allerdings sind die Feuer nicht heiß genug und so schwelt es nur vor sich hin. Meist weht er am Straßenrand ins Gebüsch oder ins Meer. Besorgniserregend. Mit steigender Verfügbarkeit verpackter Produkte wird das Müllproblem in kurzer Zeit dramatisch wachsen.
Das führt natürlich unweigerlich zu der Frage, was wir mit unserem Müll an Bord machen. Falls wir in Luganville keine Entsorgungsmöglichkeit finden, nehmen wir ihn mit nach Australien und dort wird uns die Biosecurity davon befreien.

In Lakatoro weist ein Schild auf ein Handwerkszentrum hin. Das Angebot beschränkt sich weitgehend auf geflochtene Taschen. Die zuständige Dame spricht gut Englisch, fragt uns aus, wo wir herkommen, wie lange wir schon unterwegs sind, wo wir vor Anker liegen und erzählt fröhlich wo sie wohnt, wo wir einkaufen können und dass der Markt geöffnet hat. Auf dem Markt kaufen wir Pampelmusen, Kokosnüsse und Zitronen und stellen fest, dass die Preise hier ein halb bis ein viertel so hoch sind wie in Port Vila. Auf der anderen Seite des Sportplatzes gibt es eine Bank und den Laden der Kooperative. Der Manager erzählt uns, dass 670 Menschen Anteile besitzen und Dividende ausgeschüttet bekommen, fast alle leben hier im Ort. Er ist stolz darauf für die Kooperative zu arbeiten und zeigt uns, was sie alles im Angebot haben. Die Produktpalette ist beachtlich, Lebensmittel, Schulsachen, Haushaltswaren und Kleidung. Für uns gibt es hier frisches Brot und Bier.
Auf dem Rückweg sehen wir uns noch die anderen Läden in Lakatoros Geschäftszeile an, die teilweise ein sehr überschaubares Angebot haben. In einem Laden kaufen wir zwei Donut-artige Gebäckstücke und stärken uns für den Rückweg. Eine Gruppe Jungs begleitet uns und probiert ihr Englisch aus.
Die Dinghi-Fahrt zurück zu Mari wird sehr nass. Wieder an Bord müssen wir uns erstmal trocken legen.