Stürmischer Empfang in Afrika

Am Morgen nach unserer Ankunft weht der Wind noch immer aus Norden. Doch wir wissen, dass nachmittags eine Front durchziehen und Südwind mitbringen wird. Dieser Platz bietet keinen Schutz nach Süden, wir müssen also umziehen. Zunächst hatten wir uns einen Ankerplatz auf der Nordseite der kleinen Insel, in deren Westen wir gerade liegen, ausgesucht. Der Ort wurde uns von anderen Seglern empfohlen. Doch bei den jetzigen Windbedingungen ist nicht daran zu denken ihn anzusteuern, wir müssten über eine Sandbank fahren, auf der sich eine hohe Welle gebildet hat.
Auf der Karte haben wir uns daher einen alternativen Ankerplatz vier Meilen weiter im Süden ausgeguckt. Dort sollten uns einige Sandbänke etwas Schutz bieten, so dass wir keine zu großen Wellen erwarten. Schutz vor dem Wind, haben wir hier nicht, vor uns liegt eine tiefe Bucht mit flachem Wasser und vielen Sandbänken.
Laut Wettervorhersage sollen wir während des Frontdurchgangs sieben bis acht Windstärken bekommen und in den zwei darauffolgenden Tagen dann fünf bis sechs Beaufort, gelegentlich Böen von sieben.

Als wir dort ankern umkreist uns eine Gruppe Delfine. Wir entscheiden, dass das ein gutes Omen ist. Einsam ist der Platz nicht. Einige Fischer sind in ihren Booten unterwegs, am Strand spielen junge Männer Fußball und in der Ferne kann man die gewaltige Hafenbrücke und die Hochhäuser von Maputo erkennen.
Am frühen Nachmittag wird es ganz ruhig, absolut windstill und sehr heiß. Dann dreht der Wind auf Süd und nimmt schnell zu. Eine riesige lange Wolke kündigt die Front an. Eine Böenwalze wie aus dem Lehrbuch. Als die Wolke über uns ist, nimmt der Wind weiter zu: 30 Knoten, 35kn und schließlich 45 bis 50kn. Das ist Windstärke 9 bis 10.
Plötzlich gibt es einen lauten Knall, gefolgt von einem Rumpeln. Nobbi weiß sofort was los ist, stürzt hinaus und kriecht aufs Vorschiff. Die Ankerspring, die Leine, die die Ankerwinsch entlastet und die Bewegungen dämpft, ist gebrochen. Die Bremse der Ankerwinsch hält der Belastung nicht stand und Kette läuft ab. Die Kette darf auf keinen Fall ganz ausrauschen, denn ob die Leine, die die Kette mit dem Schiff verbindet bei diesen Bedingungen hält, wollen wir nicht testen.
Nobbi bewahrt einen kühlen Kopf und macht mit dem Rest der Ankerspring einen Stopperstek um die Ankerkette. Auf dem Vorschiff wird er immer wieder von überkommenden Wellen geduscht, allerdings ist er vom Regen ohnehin klatschnass. Nobbi schäkelt zwei Leinen in die Ankerkette und belegt sie auf den Klampen. Ich starte die Maschine und versuche die Ankerkette etwas zu entlasten, wenn ich sehe, dass Nobbi mit seinen Händen an der Kette arbeitet. Absprechen können wir uns nicht, es ist unglaublich laut. Inzwischen weht der Wind in Böen mit über 60kn, die stärkste Böe, die wir auf der Windanzeige sehen, hat 72 Knoten! Das ist Orkanstärke.
Klatschnass verstecken wir uns wieder unter Deck und räumen auf. Auf der Suche nach passenden Schäkeln haben wir einige Kisten ausgeräumt. Nach zwei Stunden nimmt der Weg etwas ab. Die ganze Nacht weht es mit sieben bis acht. Und es blitzt und donnert. Stundenlang gewittert es um uns herum. Wir gucken einen Film um uns abzulenken, aber werfen immer wieder einen Blick nach draußen. Ich mag nicht schlafen gehen, der Lärm und das Heulen des Sturms ist unglaublich. Schließlich kocht Nobbi mir eine Kanne Tee, legt sich in die Koje und versucht etwas zu schlafen, während ich im Salon lese und gleichzeitig unsere Position im Blick behalte. Erst als es um halb fünf hell wird, lege ich mich auch ins Bett. Tagsüber holen wird abwechselnd etwas Schlaf nach.
Die Tidenströmung ist stark. Bei auflaufendem Wasser werden wir quer zum Wind gedreht. Das fühlt sich merkwürdig an, ist aber gemütlicher, als wenn wir mit dem Bug in die kurzen Wellen eintauchen.
Nachdem wir am Tag zuvor erstaunlich cool waren und einfach reagiert haben, wird uns langsam klar, wie knapp es war. Fast 30 m Kette sind ausgerauscht und nur noch 10 m liegen im Ankerkasten. Die 100 Meter Ankerkette, die wir durch die Gegend segeln, sind also fast komplett im Einsatz. Nobbi hat uns mit einer Mischung aus Können, guten Nerven und Glück gerettet. Wie er bei diesem Bedingungen den Stopperstek auf die Kette gemacht hat ohne sich zu verletzen, ist mir schleierhaft. Irgendwann ist dann auch bei dem Bolzen, der die Ankerrolle hält, der Kopf abgeschoren. Die Ankerrolle ist weg und der Bugbeschlag etwas verbogen. Mit Bordmitteln bauen wir ein Provisorium.
Wir kochen Pudding und öffnen das leckerste Glas aus dem Vorrat. Es gibt nichts zu tun, wir können nur abwarten. Auch die nächste Nacht ist unruhig. Immer noch haben wir sechs bis sieben Windstärken. Mitten in der Nacht ziehen wir in den Salon um, weil es im Vorschiff so laut ist.
Auch am folgenden Tag weht es. Vormittags nimmt der Wind auf fünf Windstärken ab und uns kommt es vor als sei es windstill. Wenig später ist der Wind wieder da und damit auch die Schüttelwelle. An unserem Ankerplatz haben wir keinen hohen Schwell, draußen sollen die Wellen vier Meter hoch sein. Aber der starke Wind baut in der Bucht auch im flachen Wasser ganz ordentliche Wellen auf. Mal sind sie nur einen halben, mal einen Meter hoch, oft haben sie weiße Kappen. Gemütliches Ankern sieht anders aus.
In der nächsten Nacht lässt der Wind nach. Endlich. Bereits um sieben gehen wir Anker auf. Der Anker liegt gut auf der provisorischen Ankerrolle. Der Wind weht nur noch schwach aus Süden und der Wetterbericht verspricht, dass er mittags auf Ost und später auf Nordost dreht.
Viele der großen Handelsschiffe, die auch vor dem Sturm Schutz gesucht hatten, sind schon wieder weg. Ein 300m langes Kreuzfahrtschiff kommt uns entgegen und ankert vor Ilha Portugueses. MSC veranstaltet Kreuzfahrten von Durban aus.
Es ist ein schöner Tag. Das Wasser leuchtet türkis und immer wieder begleiten uns großen Gruppen Delfine. Wir verlassen die große Bucht von Maputo und freuen uns, dass Mosambik uns Schutz gewährt hat, sind aber auch froh, dass wir weit draußen vor der Hauptstadt bleiben konnten. Denn während wir den Sturm abgewettert haben, gab es in Maputo riesige Demonstrationen gegen die Regierung mit über 70 Toten. Zur Zeit kein gutes Pflaster für Touristen.

200 Seemeilen trennen uns von Richards Bay und zunächst kommen wir nur sehr langsam voran. Gegenstrom! Unter Motor mit Segelunterstützung machen wir nur vier Knoten, manchmal nur drei. Das ist frustrierend. Wir steuern wieder per Hand. Nach der ersten Nacht beginnen wir zu rechnen ob der Diesel reicht. Der erhoffte Strom will einfach nicht einsetzen und der Wind ist schwächer als versprochen.
Nachmittags kommt endlich etwas Wind auf und wir können segeln. Später setzt dann auch langsam der Südstrom ein. Gerade haben wir es uns im Cockpit gemütlich gemacht und hören einen Krimi, als die Wolke an Steuerbord immer dunkler wird. Wir entschließen uns, das zweite Reff ins Großsegel zu binden und Minuten später erreicht uns die erste 30er Böe. Wir haben Glück, es bleibt bei wenigen Böen und die Wolke zerfleddert über See. Tatsächlich können wir bis zur Einfahrt nach Richards Bay segeln. Wir rufen Port Control an und bitten um Erlaubnis in den Hafen (größter Kohleverladehafen in Afrika) fahren zu dürfen. Um viertel nach vier machen wir an der Immigration-Pier fest.

Morgens begrüßt Natasha von OSASA uns. OSASA ist eine Organisation, die sich um die Belange der Ozeansegler kümmert und über die man sich in Südafrika anmeldet. Es ist ein schönes Gefühl persönlich begrüßt zu werden und toll, dass Natasha vor der Arbeit bei uns vorbeiguckt. Die Damen von Immigration kommen bald vorbei und wir erhalten unseren Stempel in den Pass. Beim Zoll dauert es etwas länger. Mittags sind die Formalitäten erledigt und wir ziehen an einen Stegliegeplatz im Zululand Yacht Club um.
Die Marina-Bar hat montags geschlossen, aber ein Freund spendiert uns zwei kalte Dosen Bier, denn unser Kühlschrank ist nach 20 Seetagen leer. Wir schaffen es gerade noch unser Ankunftsbier zu genießen bevor wir früh ins Bett gehen und lange schlafen.

Eine Böenwalze aus dem Bilderbuch.
Der Wind setzt ein.
Nobbi schäkelt zwei Leinen in unsere Ankerkette ein.
Ein traditionelles Boot unter Segeln.
Freundliche Fischer.
Auf dem Hinweg unter Segeln, zurück hilft der Motor.
Das Einholen des Netzes ist harte Arbeit.
Bei Sonne sieht es viel freundlicher aus.
Ein großes Kreuzfahrtschiff trifft ein.
Wo kommt diese böse, schwarze Wolke her?
Mit kleinem Segel segeln wir auf die Wolke zu.

Eine schwierige Entscheidung – Planänderung

Der versprochene Wind setzt ein und wir sind nun wieder flotter unterwegs. Aus Süden rollt eine hohe Dünung heran, aus Nord-Osten läuft die kleine und kürzere Windsee dagegen, wir werden zwischen beiden Wellensystemen hin- und her geschubst. Wieder kommen die Delfine zu Besuch und unterhalten uns mit ihren Kunststücken. Sie springen nicht nur hoch aus dem Wasser, sie machen auch elegante Schraubendrehungen.
Ich habe Halsschmerzen und fühle mich krank. Nachts trage ich nun einen Schal und Nobbi macht mir zu Beginn jeder Nachtwache eine Kanne Tee. Nach ein paar Tagen fühle ich mich zum Glück wieder fit.
Südlich von Madagaskar wird es windig. Sechs Windstärken aus Osten treiben uns voran. Wir haben den Strom der nach Westen setzt gefunden und sind schnell unterwegs. Auch wenn wir immer wieder siebener Böen haben, ist der Seegang nicht so hoch wie befürchtet und wir sind ziemlich zufrieden mit der Welt um uns herum. Wir queren die Schifffahrtsroute zwischen dem Kap der Guten Hoffnung und Singapur und sehen in jeder Wache Schiffe. Meistens ändern die großen Handelsschiffe ihren Kurs schon früh und wir kommen uns kaum einmal näher als drei Meilen. Nur einmal ruft Nobbi ein Schiff über Funk. Keine Reaktion. Wir beschließen ihn über DSC direkt anzurufen, dann klingelt es auf der Brücke und lässt sich schwer ignorieren. Auf Nobbis Frage, ob er uns gesehen habe und ob er uns bitte ausweichen könne, wir würden segeln, kommt ein zackiges „Yes, Sir!“. Der große Erzfrachter ändert seinen Kurs nun um 30 Grad und passiert uns mit reichlich Abstand. Da war wohl jemand anderweitig beschäftigt oder hatte geschlafen.

Leider trägt der Wetterbericht nicht zur entspannten Stimmung an Bord bei. Das Tief im Norden, das wir schon vor unserer Abfahrt beobachtet hatten, hat inzwischen einen Namen bekommen und ist damit bereits der zweite Tropische Sturm dieser Saison und er zieht, sehr untypisch für diese Jahreszeit, auf die Südspitze Madagaskars zu. Uns wird er nicht mehr gefährlich werden, höchstens für etwas mehr Wind südlich von Madagaskar sorgen. Nervös macht uns die Wetterlage bei Südafrika, denn dort zeigt sich ein Windfeld, gefolgt von einer Front und Südwind. Das ist nicht das Wetter was wir uns für unseren Landfall wünschen. Erst hoffen wir, dass die Front etwas später kommt. Doch unsere Hoffnungen werden nicht erfüllt. Jede neue Vorhersage zeigt eine stärkere Front und länger andauernden Südwind.
Wir beschließen einen etwas nördlicheren Kurs einzuschlagen, um uns die Option nach Norden abzudrehen offenzuhalten. Leider heißt das, dass wir das schöne Strömungsband verlassen müssen und zeitweise Gegenstrom haben werden. Nun beginnen anstrengende Tage, wir wägen die verschiedenen Optionen ab. Keine der Möglichkeiten gefällt uns richtig gut und alle sind hunderte Meilen entfernt.

Entscheiden wir uns den direkten Weg nach Richards Bay zu segeln erwarten uns mindestens 24 h Windstärke 7 bis 8 aus Nord, je nachdem wann wir ankommen auch länger. Kommen wir nicht rechtzeitig an, treffen wir auf die Front die Südwind in Sturmstärke bringt. Diese Situation gilt es auf jeden Fall zu vermeiden. Wenn starke Südwinde auf den nach Süden laufenden Agulhas-Strom treffen entstehen hier sehr schnell sehr gefährliche, hohe und steile Wellen vor denen sogar die Seekarten („abnormal waves“) warnen.
Alternativ könnten wir im Südwesten Madagaskars hinter der kleinen Insel Nosy Ve Schutz suchen und von dort nach Passieren der Front und dem Südwind erneut starten. Oder wir könnten in Mosambik Schutz suchen. Dort gibt es zwei Möglichkeiten, entweder bei Linga-Linga oder in der großen Bucht vor Maputo.
Das große Rechnen beginnt. Kaum haben wir das große Windfeld südlich von Madagaskar hinter uns, erwartet uns eine ausgedehnte Flaute. Die Planung wäre einfacher wenn wir nicht so langsam wären, Maris Bauch muss massiv bewachsen sein, wir waren noch nie so lahm. Unsere Dieselvorräte haben wir bisher nicht angetastet, wir können also einen Teil der Strecke motoren. Allerdings wollen wir nicht unsere ganzen Vorräte aufbrauchen, da wir noch Diesel für die Strecke nach Richards Bay brauchen werden.
Wir schlafen schlecht. Die Entscheidung liegt uns im Magen. Was sollen wir tun? Es zehrt an den Nerven bei Schwachwind zu versuchen vor einem nahenden Sturm zu fliehen.
Schließlich fällt die Entscheidung für die Bucht von Maputo und den Ankerplatz bei Ilha Portugueses oder Ilha Inhaca. Am 23. November (Tag 12) entscheiden wir, uns nicht mehr umzuentscheiden.
Das Vergleichen der verschiedenen Wettermodelle und das Befragen der Strömungskarten war in dieser Form nur möglich, weil Starlink diesmal gut funktioniert. Wir hatten, anders als auf der Etappe von Cocos nach Rodrigues, jeden Tag eine gute Satelliten Verbindung.

Wo sollen wir die Front abwettern? Alle Optionen sind hunderte Meilen entfernt.


Eineinhalb Tage motoren und motorsegeln wir in Richtung Maputo. Wir steuern per Hand. Da wir die Segel gesetzt haben, um wenigstens einen kleinen Hauch Wind einzufangen und das Ruder der Windsteueranlage angebaut ist, ist der Ruderdruck für unseren kleinen elektrischen Autopiloten zu hoch und für die Windsteueranlage haben wir meistens nicht genügend Wind. Dank der moderaten Welle gehen die Wachen schneller um als befürchtet. Viele Podcasts tragen uns durch die Nachtwachen und wir versorgen einander mit Tee und Keksen. Vormittags segeln wir einige Stunden bei sehr wenig Wind und die Hydrovane steuert, so dass wir beide etwas Schlaf nachholen, den Motor checken, kochen, aufräumen und duschen können, bevor es in eine weitere Nacht unter Motor geht.
Ein großer Wal taucht mehrfach neben uns auf. Walbegegnungen sind etwas ganz besonderes. Dies war ein sehr großes Tier, viel größer als Mari.
Eine extrem aufdringliche Schwalbe flattert um uns herum und landet immer wieder. Auf der Starlinkantenne, auf den Schoten, auf dem Bimini, auf dem Seezaun. Aber sie ist unzufrieden und flattert immer hektischer, sie fliegt ins Boot und sieht sich unter Deck um, doch wir scheuchen sie wieder nach draußen. Schließlich findet sie ins Schwalbenfest und übernachtet dort. Wo auch sonst!

Dann ist der Wind wieder da. Am Abend von Tag 14 haben wir wieder sechs bis sieben Windstärken. Diesmal segeln wir mit halben Wind, das ist nicht ganz so angenehm. Vor Einbruch der Dunkelheit nehmen wir das Bimini weg, damit es nicht zur Lärmkulisse und damit zum Stresslevel beiträgt. Wir sind froh Strecke zu machen. Morgens dreht der Wind immer weiter nach Nord. Wir kämpfen um jede Segelmeile zur Ansteuerung. Wir wollen nicht unnötig Diesel verschwenden. Im Fahrwasser nach Maputo ist viel los. Gleich vier Schiffe treffen wir und stoppen sogar, um einen Frachter bei der Einfahrt ins Fahrwasser nicht zu behindern.

Die letzten Meilen sind mühsam. Die Sonne brennt erbarmungslos auf uns herunter. Ich spanne mir ein Handtuch an der Wäscheleine als Sonnenschutz. Das Bimini haben wir ja vorsorglich eingepackt. Der Wind dreht auf Südost und kommt nun gegenan. Kurz vorm Ankerplatz nimmt er auf satte sechs Windstärken zu. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen.
Am 26. November fällt am 15. Tag um 14:00 Uhr der Anker östlich der Ilha Portugueses. Hier haben wir guten Schutz gegen den in der Nacht zu erwartenden Nordwind.

Wir freuen uns, dass wir angekommen sind. Zwar haben wir unser Ziel (noch) nicht erreicht, aber wir sind auf dem gewünschten Kontinent gelandet und haben wieder einen Ozean überquert! Unsere Ankunft feiern wir mit einem Glas südafrikanischen Rotwein.
Eigentlich hatten wir eine gute Überfahrt über den Indischen Ozean. Lediglich wenige Tropfen Regen, keine (größeren) Schäden, meistens angenehme Bedingungen und schöne Tierbegegnungen. Die ganze Etappe sind wir barfuß und in kurzen Hosen gesegelt, nachts brauchten wir manchmal eine leichte Windjacke und ein Handtuch über den Knien. Stressig war die Passage wegen der wechselhaften Bedingungen und des drohenden schlechten Wetters.

Hier ist es schön. Ilha Portugueses ist eine kleine, flache Insel mit weißem Strand. Auf der Insel sind Sonnenschirme und ein großes Restaurant für Kreuzfahrtgäste. Das große MSC Schild weist auf die Nutzung hin. Jetzt ist hier nichts los. Eine Handvoll Touristen baden im flachen Wasser und werden später von Motorbooten abgeholt. Zurück bleiben nur einige Wächter.
In der Ferne sehen wir die Silhouetten der Hochhäuser Maputos. Die Hauptstadt Mosambiks liegt einige Meilen westlich auf der anderen Seite der großen Bucht. Wir wollen nicht nach Mosambik einklarieren, deshalb werden wir nicht an Land gehen. Zwar sind wir neugierig auf das fremde Land, doch Mosambik gilt nicht als sehr Segler freundlich. Uns scheint es keine gute Idee zu sein in der Nähe der Hauptstadt zu ankern, wo es gerade massive Demonstrationen gibt. Wir wollen versuchen gewissenmaßen unterm Radar zu bleiben, das schlechte Wetter hier abzuwettern und dann wieder zu verschwinden.

Morgen werden wir uns einen anderen Ankerplatz suchen müssen. Die Front, die den Südwind im Gepäck hat können wir hier nicht abwettern. An diesem Ankerplatz haben wir keinen Schutz nach Süden. Doch das ist morgen. Heute Nacht schlafen wir erst einmal lang und fest.

Über dem warmen Mosambik-Strom entsteht eine lange Wolke.
Schwalbe sucht Wohnung.
Schwalbe im Schwalbennest.
Hohe Wellen.
Auf der Suche nach Schatten.
Angekommen. Ankerplatz an der Ilha Portugueses.
Sonnenaufgang über Ilha Inhaca.

Dem vorletzten Eintrag habe ich noch einige Bilder hinzugefügt.

Angekommen in Richards Bay

Einige haben sich bereits Sorgen gemacht. Wir uns auch. Nach 20 Tagen sind wir endlich in Richards Bay angekommen. Wir haben einen ungeplanten Umweg gemacht und haben einen Sturm abgewettert, hatten mühsame Flauten- und wunderschöne Segeltage. In den nächsten Tagen werden wir ausführlich berichten. Jetzt sind wir einfach nur froh in Afrika angekommen zu sein.

Flauer Indischer Ozean

Delfine! Eine große Gruppe von etwa 30 Tieren begleitet uns am frühen Morgen. Plötzlich kommt Hektik auf, Vögel schießen vom Himmel herab, fliegende Fische flüchten in alle Richtungen, die Delfine geben Gas. Das ganze dauert nur wenige Minuten, dann ist es wieder ruhig. Da war wohl ein Fischschwarm,  den Delfine und Vögel zum Frühstück gesucht hatten.
Heute ist bereits Tag 5 unserer Überfahrt von La Réunion nach Richards Bay in Südafrika. Sehr weit gekommen sind wir bislang allerdings nicht.

Die Abfahrt verläuft etwas hektisch, auch wenn das Ablegemanöver trotz kräftiger Böen hervorragend klappt. Im Hafenbecken treffen wir eine große Schülergruppe mit Kanus und Jollen beim Segeltraining. Dazwischen verstauen wir Leinen und Fender und setzen das Großsegel im Schutz der Molen.
Im Lee der Insel haben wir erst Wind, dann wieder keinen, Böen ums nächste Kap und schließlich ein paar Stunden schönen Segelwind. So könnte es immer weitergehen!
In der Nacht wird der Wind immer weniger, am Nachmittag des zweiten Tages sind wir froh, dass wir immerhin die Richtung halten können.
Tag 3 hält gar keinen Wind für uns bereit. Die Windanzeige zeigt immer wieder 0.0 an. In das Groß haben wir ein Reff eingebunden, die Segellatten knallen sonst mit den Wellen hin und her. Das erzeugt nicht nur ein nervtötendes Geräusch, es macht auch das Segel kaputt.
Nachmittags starten wir den Motor und lassen den Wassermacher laufen. Nach zwei Stunden stellen wir die Maschine wieder ab. Wir sind mitten im Hoch gelandet, nirgends um uns herum ist Wind. Wir müssten zwei Tage motoren um Segelwind zu erreichen. Das wollen wir nicht, vielleicht brauchen wir unseren Diesel im zweiten Teil der Überfahrt noch.
Also genießen wir die Ruhe, baden und backen Brot. Eine Gruppe von Mahi Mahis, das sind wunderschöne Golddoraden, begleitet uns. Wir gönnen uns ein Bier auf dem Vorschiff, wo wir im Schatten der schlaff herunterhängenden Genua sitzen.
Nachts überholt uns eine Flotte chinesischer Fischerboote. Um ein paar Meilen versetzt durchpflügen sie den Ozean. Wir denken an unsere Mahi Mahis und sind sehr froh, als wir sie morgens wiedersehen. Diesmal sind sie davon gekommen.
Auch der nächste Tag vergeht driftend oder schleichend. Immerhin sind wir wieder auf unsere Kurslinie zurückgekehrt. Wir üben uns in Geduld. Die Wettervorhersage verspricht etwas Wind für abends. Das Wasser ist so unglaublich blau. Und es scheint von unten zu leuchten. Die kleinen gestreiften Fische unter unserem Boot wagen sich ein paar Meter voraus, um dann lieber wieder in Maris Schatten zurückzukehren. Schüchtern sind sie nicht. Als wir baden, stupsen sie uns an.
Pünktlich zum Abendessen füllen sich die Segel mit Wind. Wir sind wieder unterwegs. Nicht schnell, aber stetig.
Der Wind hat die ganze Nacht durchgehalten. Wir haben Vollmond, es war also die ganze Nacht hell. Immer wieder unbegreiflich, dass die indirekte Beleuchtung so effektiv funktioniert! Bevor der Mond im Westen untergegangen ist, wurde es im Osten schon hell. Sehr angenehm.
Ab morgen soll es wieder stärker wehen. Dann werden wir endlich mehr Strecke machen, aber das Leben an Bord wird auch wieder umbequem. Statt uns über die bescheidene Geschwindigkeit zu ärgern genießen wir also die letzten gemütlichen Stunden. Ich beginne nun das vierte Buch auf dieser Überfahrt. Die Flaute hat dazu geführt, dass ich nicht seekrank war und schon seit dem zweiten Tag lesen kann.
Ihr seht, Schwachwind hat durchaus Vorteile, man kommt nur nirgends an.

Wir baden ausgiebig.
Kein Wind – aber schöne Wolken.
Pause auf dem Vorschiff.

La Réunion

Diese Insel ist fantastisch! Die hohen Berge mit ihren tiefen Schluchten, kleine Bergdörfer, Kühe mit Glocken, ein aktiver Vulkan, eine riffgesäumte Küste, viele Blumen, tolle Wälder und schöne Orte. Wir haben keine Zeit ausführlich zu berichten, denn in den letzten Tagen waren wir nicht nur mit Sightseeing, sondern auch mit den Vorbereitungen der Überfahrt nach Südafrika beschäftigt. Morgens geht’s los. Mindestens 1400 Meilen liegen vor uns. Das Wetter ist auf dieser Etappe nicht immer freundlich, daher gilt es aufmerksam zu sein und eventuell den einen oder anderen Umweg zu segeln.
Bilder und Berichte von La Réunion wird es etwas später geben.
Übrigens, La Réunion hat nur 100 % Bevölkerung, nicht wie Mauritius 110 %. Da habe ich nicht aufgepasst.

Im Dezember haben wir endlich unseren Bericht über La Réunion veröffentlicht:

Papierkram und eine unspektakuläre Überfahrt

Am Samstag beginnen wir unseren Spaziergang mit einem Stopp bei der Coast Guard, um anzukündigen, dass wir Sonntagmorgen ausreisen wollen. Praktischerweise treffen wir dort auch den Beamten von der Immigration, mit dem wir gleich eine Zeit vereinbaren. Bei der Coast Guard hören wir irgendwas von „agriculture“, „inspection“ und „black-out“. Es gibt eine Kontrolle? Bei der Ausreise? Schließlich verstehen wir, dass es besondere Vorkehrungen gibt, wenn Boote zwischen La Réunion und Mauritius hin- und hersegeln. Die Ausbreitung der „white grub“, was nichts anderes bedeutet als weiße Made, soll verhindert werden. Die Larven bestimmter Skarabäus-Käfer fressen Wurzeln unterschiedlicher Kulturpflanzen. Das Ganze gilt nur zwischen 1. November und 15. Januar. Also seit drei Tagen. Es dauert, aber schließlich treffen wir nachmittags den zuständigen Mann, mit dem wir uns abends bei Marisol treffen. Nun folgt die absurdeste Maßnahme, die wir bisher erlebt haben. Wir sollen das Licht ausmachen und das Boot für zwei Stunden verlassen. Der arme Mann bewacht unser Boot und wir sitzen auf einer Parkbank und lesen. Verstanden haben wir nicht, wie die Käfer oder Larven nun auf dieses „black-out“ genannte Verfahren reagieren sollen. Mir gefällt Sandras These, dass sie über die Leinen an Land laufen oder über Bord springen sollen. Am nächsten Morgen kommt der Mann zurück und händigt uns unser „Käfer-Zertifikat“ aus, das wir in La Réunion abgeben sollen.
Sonntagmorgen geht es zunächst flott, unsere Pässe werden gestempelt und die Coast Guard trägt uns aus ihrem Buch aus, nachdem wir das Käfer-Zertifikat vorgezeigt haben. Der Zuständige beim Zoll rät uns zu einem Agenten und möchte, dass wir uns in ein Computerprogramm eintragen. Wir erklären, dass das für ein kleines Segelboot nicht nötig ist. Nach einigem Hin- und Her ruft er einen Kollegen an. Wenige Minuten später bekommen wir unsere Clearance, unsere Ausreisegenehmigung, per Mail.

Unsere restlichen Rupiah investieren wir in Panini, Espresso und Mandeltörtchen. Dann geht’s los. Knapp 140 Meilen liegen vor uns, allerdings müssen wir zwischen acht und fünfzehn Uhr in La Réunion eintreffen. Sonst müssten wir bis zum nächsten Tag warten, d.h. die Nacht treibend vor der vulkanischen Insel verbringen, denn zum ankern ist es viel zu tief. Wir müssen uns also beeilen und dürfen nicht zu langsam werden. Kurz hinter Mauritius wird der Wind abgestellt und wir motoren den restlichen Weg. Nur einige Stunden zieht das Segel, sonst sorgt es dafür, dass wir nicht ganz so schlimm im achterlichem Schwell rollen.

Die Inseln Mauritius und La Réunion liegen nicht nur auf der Schifffahrtsroute zwischen Südafrika und Singapur, es gibt auch Verkehr zwischen den Inseln. Wir sehen also wieder einige Schiffe. Nachts entdecke ich einen hellen Lichtschein und befürchte zunächst, dass mir ein Fischer entgegenkommt, doch die Quelle des vielen Lichts ist das Kreuzfahrtschiff Europa 2.
In der zweiten Hälfte der Nacht sehen wir die Lichter von La Réunion und bei Sonnenaufgang die hohe vulkanische Insel selbst.
In Le Port können wir direkt auf unseren Liegeplatz in der Marina fahren. Vor einiger Zeit hatten wir geschrieben, dass wir hier keinen Platz bekommen würden und daher die Insel auslassen müssen, aber dann hatten wir doch Glück. Da hilft es auch, dass Marisol nicht so groß ist (manche sagen gar sie sei klein).
Die Hafenmeisterin nimmt nicht nur unsere Leinen an, heißt uns herzlich willkommen und übergibt Schlüssel, WLAN-Code und eine Karte vom Ort, sie hat auch unsere Papiere ausgedruckt. Alles ist bereits vorbereitet, wir brauchen die Ausdrucke nur an den Zoll weitergeben.
Der Zoll besucht uns im Hafen. Das Einklarieren ist das kürzeste das wir bisher erlebt haben und dauerte – ungelogen – keine zwei Minuten. Unsere Passnummern werden verglichen und unsere Papiere gestempelt. „Herzlich willkommen auf La Réunion!“.
Die Insel sieht verlockend aus, hohe Berge und tiefe Täler. Viel Zeit haben wir nicht, bevor wir nach Südafrika weitersegeln, aber wir hoffen wenigstens einen kleinen Eindruck bekommen zu können!

Marisol beim „black-out“ im Dunkeln.
Port Louis, Mauritius, liegt im Kielwasser.
La Réunion ist zu groß fürs Foto.
Marisol im Hafenbeck „Titan“ auf La Réunion.

Port Louis: ein Konzert und eine Briefmarke

Mauritius: der Name klingt nach Trauminsel und Flitterwochen. 1.3 Mio. Menschen wohnen auf der Insel, die doppelt so groß ist wie Deutschlands größte Insel Rügen. 60 % der Bewohner sind Hindus, 30 % Christen und 20 % Muslime (Anmerkung der Redaktion: 110 % Bewohner sind auch für Mauritius etwas zu viel. Nur 50 % der Bewohner sind Hindus.). Im Laufe der kurzen aber wechselreichen Geschichte kamen Sklaven, Arbeiter und Einwanderer aus verschiedenen Teile der Welt (oder wurden gekommen). Mauritius war Portugiesisch, Holländisch, Französisch und Britisch bis es 1968 unabhängig wurde.
Die vulkanische Insel lebte früher hauptsächlich vom Zuckerrohranbau, heute ist die Wirtschaft stärker diversifiziert, es gibt eine Textilindustrie und der Tourismus wird gefördert.

Die Tage in Port Louis vergehen schnell. Kleine Bootsarbeiten haben Priorität. Wir dichten die vorderen Püttinge neu ab, da es auf der Überfahrt in meinen Schrank geregnet hat. Der Motor ist beim Umparken kurz trocken gelaufen, deshalb kontrolliert Nobbi den Impeller und streichelt den Motor etwas. Nach langer Zeit haben wir Frischwasser zur Verfügung und nutzen die Gelegenheit Mari gründlich zu waschen.
Zwei der vier Tage in Port Louis sind Feiertage, das erschwert die Planung. Wir schießen unsere Pläne die ganze Insel zu erkunden in den Wind und lassen uns treiben. Centre d’Art hört sich interessant an, vielleicht gibt es dort eine Ausstellung? Wir sehen uns im Vorraum um und stellen fest, dass es sich um ein ganz modernes Konzerthaus handelt. Am gleichen Abend gibt es eine Vorstellung, spontan kaufen wir Tickets. Glücklicherweise lassen wir uns nicht davon abhalten, dass ich bei „Jazz“ kurz zusammen zucke. Es gibt wundervollen Sega-Jazz, der mir sehr gefällt. Aber auch einiges mit dem ich nichts anfangen kann, wo bei mir das Gefühl aufkommt die Musik ein wenig sortieren zu wollen. Maestro Philippe ist ein populärer Jazz-Trompeter, der Jazz und Sega, eine lokale Musikrichtung, kombiniert. Die Musiker sind fantastisch. Es macht Spaß zuzuhören wie die Melodien von Instrument zu Instrument weitergegeben werden. In der zweiten Hälfte treten verschiedene Sänger auf und singen auf Französisch und Kreol. Das Konzert ist sehr abwechslungsreich und wir sind rundum begeistert. Übrigens ist der Saal sehr schick und modern. Und, natürlich macht es Spaß Leute zu gucken. Man trägt bunt, gut dass wir auch in bunt gekommen sind!

Im Centre d’Art besuchen wir ein tolles Konzert.

Im Blue Penny Museum sind die berühmten Briefmarken ausgestellt. Die blaue und die rote Mauritius, die hier „Post Office“ heißen, werden jede Stunde für 10 min beleuchtet. Anhand von Seekarten aus verschiedenen Epochen wird die Geschichte der Insel erzählt. Auch sehr interessant ist die Geschichte der Post. Wir lernen wie revolutionär die Einführung der Briefmarke war: erstmals zahlt der Sender!
Port Louis ist keine Stadt, in der man wegen ihrer Baudenkmäler flanieren möchte, auch wenn es eine Reihe ansehnlicher Gebäude und einige moderne Türme gibt. Viele Häuser sind eher schmucklos und befinden sich in unterschiedlich verfallenen Stadien. Das Leben in den Straßen macht die Stadt interessant. Es ist bunt und wuselig, es gibt unzählige Stoff-, Kleidungs- und Krimskamsläden. Der Markt ist schön. Es gibt Obst, Gemüse, Gewürze und Souvenirs. Ich soll einen Kaschmirschal kaufen.
Als ich bezweifle, dass Kaschmirziegen das Klima mögen, lacht der Verkäufer. Er erklärt mir, dass die Wolle aus Indien kommt und hier für eine amerikanische Firma verarbeitet wird. Fast alle Menschen die wir treffen wechseln mühelos zwischen Französisch und Englisch, genau wie schon auf Rodrigues. Dadurch ist es einfach Neues zu lernen.
Wir bummeln durch die Straßen, laufen zur Zitadelle hinauf und genießen den Blick über die Stadt. Die Kathedrale ist ganz hübsch und bietet sich für eine Pause an. Am besten gefallen mir aber die Flughunde, hunderte von ihnen hängen im Park ab und beginnen bei Sonnenuntergang ihre Flügel zu spreizen und sich mit ihren Nachbarn zu streiten.

Die Kathedrale ist hübsch und jung.
Blick von der Zitadelle.
Auf der Zitadelle
Der Markt ist schön bunt!
Die Salatauswahl ist groß.
Mein Kleid passt am besten zu den Tomaten.
Das alte Postamt.
Streetart mit Dodo.
Die Punkte an den Plamen sind Flughunde, auch in den Bäumen hängen viele.
Abhängen in der Gruppe.
Bei Sonnenuntergang werden die Flühel gelüftet.
In der Dämmerung fangen die Flughunde an zu fliegen!

Der Komplex Caudan, der ans Hafenbecken grenzt, ist mit Hotels, Casino, viel Shopping und noch mehr Restaurants etwas künstlich. Trotzdem ist es hier nett und immer was los. Zu Divali (hinduistisches Lichterfest) gibt es eine Modenschau. Sari-Träume in Rot und Gold werden präsentiert. Am Samstagmorgen wundern wir uns für die endlose Schlange vorm Kino. Nobbi fragt und erfährt, dass es einen neuen Bollywood-Film gibt.
An einem kleinen Stand bekommen wir einen Dumpling geschenkt (ja, schon wieder ein Geschenk) und werden schnell zu Stammkunden. Mit Freunden, die wir seit Neuseeland nicht gesehen haben, essen wir gemeinsam in einem schönen Innenhof zu Mittag. Beim Supermarkt gibt es leckeres Baguette, man könnte sich hier durchaus einrichten.

Der Caudan-Komplex mit dem Hafenbecken.
Die Anlage erinnert uns etwas an den Europa Park.
Schirmdeko.
Eine lange Schlange vorm Kino, schon samstags um zehn!
Wapalapam. Schönes Restaurant, toller Name.

Uns gefällt der Platz mitten in der Stadt, auch wenn viel Dreck an Deck geweht wird und an einem Morgen mehrere Betonmischer auf der Pier stehen. Gelegentlich schickt ein Schlepper etwas Schwell, der trifft aber vor allem die andere Seite des Hafenbeckens. Zwischen 18 und 6 Uhr dürfen Schiffe weder ein noch auslaufen, so dass es nachts nur ganz selten ein paar Wellen gibt. Bei Niedrigwasser könnte Mari mit der Scherleiste unter eine Betonkante an der Pier geraten. Das gilt es zu verhindern. Ich habe einen geeigneten Autoreifen entdeckt und Nobbi dazu angestiftet, für diesen eine „Ortsveränderung“ zu organisieren damit wir mehr Abstand zur Pier wahren.
Marisol liegt die meiste Zeit ganz allein im Hafenbecken. Andere mussten wegfahren, weil eine Rally das ganze Becken reserviert hat. Die Boote von der Rally sind aber noch hunderte von Meilen entfernt. Wir dürfen liegen bleiben, wir wissen nicht warum, freuen uns aber darüber.

Mari allein im Hafenbecken.

Zehn Tage vor den Wahlen hat die Regierung den Zugang zu allen Social Media Netzwerken blockiert. Die Einschränkungen sind die Reaktion auf einem Abhörskandal und werden mit der nationalen Sicherheit begründet. Nach Sperrung der Dienste am Freitag kommt es natürlich zu Protesten. Am Samstag beobachten wir wie Menschen alle Zeitungen kaufen, die sie bekommen können. Eigentlich sollte die Blockade bis nach der Wahl am 10.11. aufrechterhalten werden, aber die Proteste gegen die Meinungs-Diktatur führen dazu, das Samstagnachmittag Social Media wieder erreichbar ist. Aber die Diskussion und die Proteste um die massive Einschränkung der Meinungsfreiheit nehmen erst richtig Fahrt auf. Sonntagmorgen sehen wir viele Menschen mit Fahnen, Transparenten und Mauritiusflaggen auf dem Weg zur Demo. Wie sich die Situation weiter entwickelt werden wir aus der Ferne beobachten, für uns geht es weiter nach La Réunion.

Nach der Blockade der Social Media Netzwerke stehen Zeitungen hoch im Kurs.

Eine schöne Überfahrt und der Tag der Geschenke

Es wird Zeit den Motor anzuschmeißen. Zwei Knoten Fahrt sind dann doch zu langsam. Wenn wir jetzt die Maschine starten, sind wir morgen früh in Mauritius. Aber vorher wollen wir baden. Wann hat man schon Gelegenheit mitten im Indischen Ozean ein Bad zu nehmen. Das Wasser ist hier 4000 Meter tief. Eigentlich ist die Wassertiefe völlig irrelevant, überall wo Mari schwimmt, kann ich nicht stehen, trotzdem ist es ein komisches Gefühl.
Die Überfahrt von Rodrigues nach Mauritius startete rau und windig. Die erste Nacht war ungemütlich. Böen mit sieben Bft sind ein bisschen unheimlich, wenn man ruhige Tage am Anker verbracht hat. Mitten in der Nacht geht ein Schapp auf und der Inhalt einer Plastikbox ergießt sich in den Salon. In der Box waren auch Drahtbürsten für die Bohrmaschine und leider fliegen zwei in unseren Hochglanz-lackierten Salontisch, eigentlich das einzige Teil, das zuvor nicht auf der „demnächst-lackieren-Liste“ stand. Wir regen uns nicht darüber auf, wir sind heil froh, dass die ohrenbetäubenden Geräusche eine so harmlose Ursache hatten. Nobbi, der gerade Wache hatte und im Niedergang saß, dachte im ersten Moment der Mast sei von oben gekommen.
Am nächsten Tag lässt der Wind nach und bald auch die Wellen. Wir werden langsamer und am zweiten Tag bereits so langsam, dass sich abzeichnet, dass wir nicht nach drei Tagen frühmorgens Mauritius erreichen. Es ist wunderbar hier draußen. Der Sternenhimmel ist unglaublich klar, der schönste Himmel seit Monaten. Das Boot rollt in den Wellen, die von achtern kommen. Das Leben an Bord ist angenehm, wir lesen, hören Podcasts und der Schlaf ist erholsam. Dann sind wir eben einen Tag länger unterwegs. Besser langsam segeln als schnell motoren.
Die Schiffe, die von Singapur nach Südafrika fahren (oder andersrum), fahren zwischen Mauritius und Rodrigues hindurch. Wir sehen nun also häufiger Schiffe. Nach den manchmal haarigen Schiffsbegegungen in SE-Asien sind die Zusammentreffen mit den großen Frachtern eine Wohltat. Wir sehen sie häufig schon auf 12 Meilen (zumindest im Dunkeln) und sollten wir uns eng begegnen ändern die meisten schon viele Meilen entfernt ihren Kurs um den Abstand zu vergrößern. Während die großen Schiffe so gut beleuchtet sind, können sie uns hingegen nicht sehen. Unsere Lichter soll man über zwei Meilen sehen, so eng begegnen wir uns aber selten. Sie sehen nur unseren kleinen Pfeil auf dem AIS.
Am Dienstag (29.10.) erreichen wir in den frühen Morgenstunden den Windschatten Mauritius. „Sailing Yacht Marisol for Mauritius Coast Guard“ die Küstenwache ruft uns und fragt, wo wir hinwollen, wie viele Personen an Bord sind und warum wir Mauritius besuchen wollen. Als ich antworte „just for fun“ muss der Wachhabende lachen. Die Insel riecht süßlich, nach Zucker, nach Melasse. Ein interessanter Geruch. Spannend, dass „Land“ so unterschiedlich riecht, manchmal ganz grün nach Vegetation, manchmal nach Erde oder blumig und diesmal eben süß. Als die Sonne aufgeht treiben wir vor Port Louis, Mauritius Hauptstadt und dem einzigen „Port of Entry“. Der Morgen ist wunderschön. Die aufgehende Sonne zaubert ein goldenes Licht und die hohen Berge Mauritius zeichnen sich dunkel ab. Wir melden uns bei „Port Control“ und warten. Vor sechs Uhr darf niemand in den Hafen einlaufen. Mit uns gemeinsam kommen drei Tanker und einige Fischer an. Es herrscht ein reger Funkverkehr, die einen warten auf einen Platz im Hafen, die anderen wollen nur Proviant übernehmen oder Crews austauschen.
Um sieben Uhr erreichen wir die Zollpier. Die Pier ist interessant, wir liegen im Hafenbecken vor einem Restaurant. Wer an Land will, muss über den Zaun klettern. Kaum sind wir festgemacht, werden wir von Gen begrüßt, wir kennen uns aus Indonesien und sind in Kontakt geblieben. Da wir noch nicht eingereist sind (die gelbe Q-Flagge weht noch unter der Saling), dürfen wir sie nicht zu uns an Bord einladen. Aber wir können uns über den Zaun unterhalten und sie verwöhnt uns mit Cappuccino und Schoko-Croissants. Was für ein schöner Willkommensgruß!
Zunächst kommt Health-Control, wir füllen Formulare aus und bekommen ein Papier. Dann kommt der Zoll und nimmt Nobbi mit zum Papiere ausfüllen, dort erledigt er auch gleich den Schreibkram für die Coast Guard. Als nächstes kommen vier Leute vom Zoll an Bord, führen eine Kontrolle durch und füllen weitere Papiere aus. Nun müssen wir warten, auf Immigration und auf ein Papier vom Zoll.
Inzwischen sind zwei weitere Yachten angekommen, eine möchte bei uns längsseits gehen. Das ist uns nicht so recht, das Hafenbecken ist unruhig und die andere Yacht viel schwerer und erheblich größer als wir. Es gibt keine andere Möglichkeit, also stimmen wir zu. Die Segler auf dem anderen Boot, haben nicht nur ihr Schiff gut im Griff, sie sind auch sehr nett und wir kommen ins Gespräch. Wir haben reichlich Zeit uns zu unterhalten, auch bei ihnen kommt der Zoll an Bord, obwohl sie nur in den Gewässern Mauritius unterwegs waren. Wir warten noch immer auf die Immigration. Ich laufe zur Coast Guard und frage, wann wir mit der Immigration rechnen können. Inzwischen ist Wind aufgekommen und es wird mühsam das Boot von der Betonwand abzuhalten. Schließlich kommt der Beamte von Immigration und stempelt unsere Pässe. Wir wären nun fertig, hätte der Zuständige nicht vergessen unser Zollpapier zu unterschreiben. Also warten wir weiter. Endlich bekommen wir den fehlenden Wisch und können ablegen. Der ganze Spaß hat über fünf Stunden gedauert, aber alle mit denen wir gesprochen haben waren außerordentlich nett.
Wir würden gerne für mindestens eine Nacht, gern auch etwas länger im Hafen in Port Louis liegen. Noch liegen die 18 Yachten der WorldARC (das ist eine Rally mit ziemlich großen Booten) in dem Hafenbecken, doch wir wissen, dass die gleich alle auslaufen. Marisol passt hervorragend an einen kleinen Platz in der Einfahrt. Dort legen wir an und ich laufe ins Hafenbüro.
Bei Hafenmeister ist es sehr nett. Ich werde vielen Leuten vorgestellt, schüttle Hände und alle sind sehr zuvorkommend. Wir bekommen nicht nur einen Platz für mehrere Tage, ich bekomme auch noch das Mittagessen des Hafenmeisters geschenkt. Unglaublich. Ich fühle mich sehr willkommen und gerührt. Darüber hinaus ist der scharf gefüllte Roti (ein dünner Fladen) extrem lecker. Nachdem die Rally-Yachten ausgelaufen sind, legen wir uns ins Hafenbecken.
Mein Auge schmerzt etwas, seit über einer Woche ist es rot und entzündet. Auf Rodrigues gibt es keinen Augenarzt. Ein Freund riet mir per „telemedizinischer“ Beratung zur Behandlung mit Augentropfen. Christopher wurde zum Schiffsarzt befördert, in Frankfurt erkennt man ihn fortan an der Mütze, meine Symptome wurden besser und ich war beruhigt. Nun meldet sich mein Auge wieder und ich beschließe einen Termin zu vereinbaren. Die nette Mitarbeiterin am Telefon informiert mich, dass der Arzt die nächsten Tage in anderen Teilen der Insel arbeitet und diese Woche außerdem gleich zwei Feiertage hat. Ich solle mich sofort ins Taxi setzen und kommen. Sie sendet mir die Adresse per WhatsApp und ich suche mir ein Taxi. Mein Auge wird gründlich untersucht. Der Arzt wirkt sehr kompetent, ist modern ausgestattet und sehr sympathisch. Zuviel Sonne und eine Entzündung ist die Diagnose, mit der Fernbehandlung des deutschen, internistischen Kollegen ist er zufrieden. Mit zwei Rezepten für Augentropfen und der Ermahnung immer eine Sonnenbrille zu tragen werde ich entlassen. Bezahlen darf ich den Arztbesuch nicht, ich werde eingeladen. Unglaublich, das dritte Geschenk an diesem Tag, von einem völlig Fremden. Ich bin tief berührt.
Die Dunkelheit bricht bereits herein als ich zurück zum Hafen laufe. Vermutlich wird dringend davon abgeraten auf leeren Straßen im Dunkeln durch Port Louis zu laufen. Egal. Große Flughunde kreisen am Himmel, die Luft ist weich und angenehm. Es ist interessant hier, aber ich bin hundemüde (quasi flughundemüde). Letzte Nacht habe ich drei Stunden geschlafen, verteilt auf zwei Pausen.
Nach einem schnellen Abendessen fallen wir in die Koje. Was für ein Tag: lauter nette Begegnungen und gleich dreimal wurde ich völlig unerwartet beschenkt.
Wir freuen uns drauf Port Louis zu erkunden!

Ein Bad im Indischen Ozean.
Bei Sonnenaufgang setzt Nobbi die gelbe Flagge.
Schiff mit Wolkenloch.
Die Fischer liegen im Päckchen.
Hinter den Booten der Coast Guard ist die Zollpier, an der wir anlegen.
Nachmittags liegen wir endlich im Hafen.

Gemütliches Leben auf Rodrigues und eine neue Batterie

Montagmorgen klingelt der Wecker um viertel vor fünf. Das Versorgungsschiff ist wieder da und liegt vor dem Hafen am Anker. Wir müssen Platz machen, damit das große Schiff drehen kann. Wir fahren hinaus und nutzen die Gelegenheit den Wassermacher laufen zu lassen. Pünktlich zum Frühstück um halb acht liegen wir dann wieder an unserem alten Platz am Anker.
Alle Reparaturen, die wir in Cocos erledigt haben, waren erfolgreich. Das ist außerordentlich erfreulich. Der Schwanenhals, durch den die Kabel laufen ist nun so gut abgedichtet, dass auch bei dem schweren Wetter kein Wasser hineingekommen ist. Die neue Toilettenpumpe tut ihren Dienst und auch die Reparatur des Kartentisches hält bisher durch.
Leider gibt es eine neue Baustelle. Die Starterbatterie des Motors hat ihren Dienst eingestellt. Als wir auf See die Maschine starten wollten, brach die Spannung zusammen. Wir haben die Batterie überbrückt und den Motor mit den Hausbatterien gestartet. Unsere Messungen ergaben, dass die Kapazität auf nur etwa 30 % zurückgegangen ist und die Batterie damit leider hinüber ist. Durch Zufall entdecken wir einen Laden mit Batterien und bringen unsere alte zum Vergleich gleich mit. Die nette Verkäuferin will nicht glauben, dass sie kaputt ist, die sähe doch super aus und sei fast neu. Sie lädt sie einige Stunden für uns. Wir messen erneut und nun zeigt sie viel höhere Werte an. Bei der nächsten Messung jedoch, sacken diese bereits ab. Schließlich kaufen wir einen neuen Akku und nehmen den alten erstmal wieder mit. Der Motor kann mit der alten Batterie nicht gestartet werden. Leider stellen wir nun fest, dass der neue Akku zu hoch ist und nicht in das Fach passt. Glücklicherweise dürfen wir die Batterie zurückgeben und finden dann in einem anderen Laden eine passendere. Ende letzter Woche haben wir also viel Zeit damit verbracht mit dem Dinghi hin- und herzufahren, zu den Läden zu laufen und Batterien zu transportieren. Hoffentlich ist dieses Thema nun erledigt.

Unsere Zeit verbringen wir mit kleinen Wanderungen und Spaziergängen, mit Pausen im Stammcafé und mit Bootsgetüddel. Sonntag sind wir die Küste entlang nach Norden gelaufen, haben die Fischer beim Auslegen neuer Festmacherbojen beobachtet und Familien beim Picknick und Baden. Entlang des Strandes gibt es einige kleine Hotels und Restaurants. Die Stimmung war sehr schön, ruhig und entspannt. Die Sonne schien, das Meer leuchtete türkis. Das nächste Mal ziehe ich für 10 km Fußweg dann doch lieber Schuhe an, in FlipFlops bekommt man platte Füße.
Die Insel ist klein und so treffen wir nun häufiger Bekannte: der Beamte von Immigration sitzt unter einem Baum am Meer, unsere Lieblingsverkäuferin aus dem Supermarkt kommt gerade aus einem Restaurant und einige aus unserer Reisegruppe von La Reunion machen den gleich Spaziergang wie wir. In der Apotheke treffen wir Aline, die Reiseleiterin, und im Café wird uns der Kapitän des Versorgungsschiffs vorgestellt. So erfahren wir auch, dass das Schiff nagelneu ist und erst im Dezember aus der Werft in China abgeholt wurde.

Irgendetwas gibt es immer zusehen. Der Delfin war wieder im Hafenbecken und ein Fischschwarm ist rhythmisch auf uns zu gesprungen. Platsch, platsch, platsch, koordiniertes Tauchen unter unserem Boot hindurch, platsch, platsch, platsch. Verrückt!
Ein großes Fischerboot ist das erste Mal Rodrigues angelaufen und wird von den Honoratioren mit Musik und einer Ansprache begrüßt. Auf der Pier werden Kühe in Containern mit Fenstern verladen und dürfen vorher noch neben der Tankstelle grasen. Im Tabakladen gibt es Eier, aber keinen Tabak und Nobbi war mal wieder beim Friseur. Mit umgerechnet zwei Euro war das eine sehr günstige Verschönerungsmaßnahme.
Inzwischen sind zwei weitere Yachten angekommen, es ist nett wieder Gesellschaft zu haben und neue Leute kennenzulernen. Sicherlich werden wir uns demnächst erneut über den Weg laufen, denn hier haben alle Segler das gleiche Ziel: Südafrika. Wir machen uns morgen auf den Weg nach Mauritius. Wo wir schon einmal in der Gegend sind, wollen wir uns die berühmte Briefmarke ansehen, außerdem soll die Insel sehr hübsch sein.

Das Versorgungsschiff ist wieder da.
Der Fischer ist ganz schön rostig…
… bekommt aber den ganz großen Bahnhof.
Nördlich von Port Mathurin gibt es nette Hotels.
Die Fischerboote bekommen neue Bojen.
Die Kinder spielen an der Straße.
Ist ein Container für Kühe ein Cowtainer?
Die Kühe schweben an Deck.
Bei Niedrigwasser auf Muschelsuche.
Wie transportiert man Ziegen?

Schildkröten streicheln

François Leguat veröffentliche 1708 sein Buch, in dem nicht nur von seinen Abenteuern während der Zeit, in der er mit einer Gruppe Männer auf Rodrigues lebte, erzählt, sondern auch die Fauna und Flora beschreibt. Dieses Buch ist eins der wenigen Zeugnisse wie die Insel vor der massiven Verwüstung durch den Menschen aussah. Nach ihm ist das Naturschutzgebiet im Süden der Insel benannt.
Etwa 280.000 Landschildkröten sollen Rodrigues bevölkert haben, bevor sie zwischen 1730 und 1770 ausgerottet wurden. 2006/2007 wurden Schildkröten zweier Spezies, die als die nächsten lebenden Verwandten der ausgestorbenen Rodrigues-Schildkröten gelten, im François Leguat Schutzgebiet ausgewildert. Die Aldabra-Schildkröten stammen von den Seychellen, die Strahlenschildkröten von Madagaskar. Heute leben 3000 Tiere im eingezäunten Reservat.
Inzwischen wird eine dritte Spezies aufgezogen. Die madagassische Schnabelbrustschildkröte ist auf Madagaskar fast ausgestorben, dort werden sie leider noch immer gejagt und verkauft. Die Art soll erhalten werden und die Tiere sollen irgendwann wieder in ihrer Heimat ausgewildert werden.
Rodrigues bildet mit La Reunion und Mauritius die Inselgruppe der Maskarenen. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs, liegen weit weg vom afrikanischen Kontinent und waren nie mit ihm verbunden. Dadurch hat sich eine einzigartige Flora und Fauna mit vielen endemischen Arten entwickelt.
Auf Mauritius gab es den recht bekannten Dodo und auch Rodrigues hatte einen flugunfähigen großen Vogel. Den 90 cm großen Solitär gab es nur hier und er wurde wohl schon 1760 ausgerottet. Nicht nur für die eingeschleppten Haustiere war er eine leichte Beute, er soll den ersten Bewohnern ausgesprochen gut geschmeckt haben. In einer Tropfsteinhöhle auf dem Gelände des Schildkrötenreservates wurde eines der Solitär-Skelette ausgegraben.
Bei der Führung besuchen wir diese Höhle. Durch die große Höhle führt ein Weg, auf dem man bequem laufen kann. Manchmal wird er sehr schmal oder man muss den Kopf gehörig einziehen. Und natürlich besuchen wir mit der Führung die Schildkröten. Die jungen Tiere leben in großen Gehegen, die größeren sind überall unterwegs.
Die riesigen Landschildkröten lassen sich tatsächlich nicht nur bereitwillig streicheln, sie kommen auf einen zu, reiben ihren Hals am Hosenbein und fordern einen auf ihren faltigen Hals zu kraulen. Ich bin verliebt und wäre gerne dort geblieben und hätte noch ein paar Stunden Schildkröten gestreichelt und auch Nobbi krault bereitwillig Hälse.

Die Herrin über die Höhle.
Auf dem Weg in die Höhle!
In der Höhle warten Tropfsteinformationen auf uns und natürlich die üblichen Geschichten zu Stalagmiten und Stalaktiten.
Der Solitär war ein recht großer, flugunfähiger Vogel.
In dieser kleinen Schlucht leben viele der Schildkröten.
Zunächst sind wir unsicher, ob wir die Schildkröten streicheln dürfen. Aber sie lassen uns keine Wahl.
Die Schildkröten richten sich auf und zeigen ihren langen Hals.
Auch auf dem Kopf mögen sie gekrault werden.
Es macht riesigen Spaß, ich wäre gerne noch länger geblieben.

Unser Tag verläuft wieder einmal anders als geplant. Morgens nehmen wir den Bus von Port Mathurin in den Süden der Insel und wollen von der Hauptstraße zum Naturschutzgebiet laufen. Als wir uns gerade darüber unterhalten, wie schön es ist mal wieder zu laufen, hält ein Reisebus neben uns. Die Reisegruppe aus La Reunion ist mit Mireille und Aline unterwegs. Sie nehmen uns nicht nur die drei Kilometer zur Schildkrötenstation mit, sondern adoptieren uns für den Rest des Tages. Nach unserm Besuch bei den Schildkröten fahren wir zu einem Restaurant, wo wir Mittagessen. Nachmittags kurven wir über die Insel, sehen uns zwei Kirchen an und halten bei einer Hängebrücke über eine tiefe Schlucht in der Ziegen, Schweine, Vögel und ganz viele Flughunde leben. Besonders schön ist die Rückfahrt entlang der sonnigen Nordküste, auf der „unsere“ Gruppe viele Lieder mitsingt. Die beiden Reiseleiterinnen sprechen gutes Englisch, mit den Leuten aus der Reisegruppe ist die Kommunikation leider schwierig, weil unser Französisch einfach noch immer schlecht ist. Trotzdem fühlen wir uns sehr willkommen. Uns wird Platz am Tisch gemacht, wir werden immer wieder eingeladen dabei zu sein, angelächelt und wir lachen viel zusammen. Der schöne Tag war ein tolles, völlig unverhofftes Geschenk. Leider werden wir La Réunion vermutlich nicht besuchen können. Wir bekommen keinen Platz im Hafen, da alles durch die Ozean-Rallys auf Wochen ausgebucht ist. Aber immerhin haben wir nun einige Bewohner der Insel kennengelernt!

„Unsere“ Gruppe vor der Höhle, leider nicht ganz vollständig.
Unsere Gastgeberinnen: Mireille und Aline.
Gute Laune im Bus
Eine ungewöhnliche Kirche besuchen wir weit im Süden der Insel.
Nobbi wagt sich über die Hängebrücke.
Ein Flughund dreht seine Runden in der Schlucht,