East London

East London ist eine kleine Stadt an der Ostküste und gehört heute zu Buffalo City. Der Hafen East Londons liegt als einziger südafrikanischer Hafen in einem Fluss. Der kleine Yacht Club bei dem wir untergekommen sind liegt im Fluss unmittelbar vor der Brücke über den Buffalo River. Oberhalb des Yacht Clubs liegt ein großes Mercedes-Werk und an der Pier vor uns werden gerade hunderte nagelneue Mercedes‘ verladen. An der großen Halle prangt der gleiche Schriftzug wie am Mercedes-Werk in Bremen. Da fühlen wir uns gleich heimisch. Die Menschen sind hier besonders nett. Ob Uber-Fahrer oder Supermarkt-Kassiererin, hier ist man fröhlich.
Wir verbringen einige nasse und windige Tage. In den Regenpausen versuchen wir unsere Wäsche zu trocknen, für die kommenden Etappen haben wir einige Gläser Hühnersuppe eingekocht und im Yacht Club gab es einen netten Burger-Abend.

Der Buffalo River Yacht Club.
Der Blick flussaufwärts.
Es gibt Hafenkino. Die Rampe vom Autotransporter wird entfaltet.
Kormoran: ein freundlicher Nachbar.
Der alte Speicher am Hafen ist ausgesprochen schön.

Das East London Museum hat eine naturkundliche Ausstellung, eine kleine Heimatkunde-Abteilung, eine anthropologische Ecke, einige Exponate zur maritimen Vergangenheit, es gibt Fossilien und Gestein. Das Museum ist etwas altmodisch, aber liebevoll und sorgfältig gestaltet. Und es gibt ganz außergewöhnliche Geschichten zu entdecken: den Quastenflosser, einen „Dino“ und die ältesten menschlichen Fußabdrücke.
Die Schädel- und Skelettteile des Kannemeyeria simoceohalus stammen aus dem mittleren Trias vor ungefähr 240 Millionen Jahren. Dieser über 2 m große Pflanzenfresser hatte einen Schnabel und Stoßzähne.
Die ältesten fossilen menschlichen Fußabdrücke wurden am Nahoon Point gefunden und sind unglaubliche 124.000 (!) Jahre alt. Nahoon Point befindet sich nahe der Mündung des Buffalo River, nur wenige Kilometer entfernt.
Meine Lieblingsgeschichte ist die Entdeckung, dass der Quastenflosser ein lebendes Fossil ist und nicht wie angenommen ausgestorben. Marjorie Courtenay-Latimer, damals Kuratorin des Museums, bekommt 1936 einen Anruf von einem Fischer, der einen merkwürdigen Fisch gefangen hat. Sie vermutet, dass es sich um einen unglaublichen Fund handelt. Ein Fischspezialist bestätigt, dass es sich um ein lebendes Fossil, einen Quastenflosser handelt und nennt ihn Latimeria chalumnae. Das Museum möchte den Fund zunächst verkaufen, doch Courtenay-Latimer gelingt es das Komitee von der Wichtigkeit des Funds zu überzeugen.
Vor der Entdeckung dieser lebenden Quastenflosser ging man davon aus, dass sie vor 409 Millionen in unseren Meeren auftauchten und vor etwa 70 Millionen Jahren ausstarben.
Eine Expedition des Max Planck Instituts für Verhaltensphysiologie filmte 1987 schließlich lebende Quastenflossen bei den Komoren. Ein totes Exemplar wurde von einem Biologen auf Hochzeitsreise in Manado in Indonesien gefunden, dem Expeditionsteam gelang es auch dort lebende Quastenflosser aufzuspüren. Auch diese unglaubliche Geschichte kann man im Museum nachlesen.

Quastenflosser im East London Museum

Es wird Zeit, dass wir uns ausgiebig die Beine vertreten. Mit Freunden machen wir einen Ausflug zu einem kleinen Naturschutzgebiet an der Mündung des Nahoon Rivers. Wir laufen dort alle uns zugänglichen Wege ab, kommen durch dichtes Gestrüpp, wandern eine Sandbank entlang und sehen, neben sehr vielen Vögeln, Klippschliefer. Diesen Hasengroßen Elefantenverwandten (wirklich wahr) wollte ich gerne persönlich treffen. Wir hatten bereits einen in einem Industriegebiet gesehen, doch da fehlte mir etwas das Naturerlebnis. Die Tiere sind hier nicht selten und werden Dassies genannt.
Anschließend wechseln wir auf die andere Flussseite und laufen auf den Bohlenwegen entlang durch die Dünen. Hier wurden die versteinerten Fußabdrücke gefunden. Wir genießen den Ausblick und das nette Café. Obwohl es nicht stürmisch ist, sondern höchstens windig, lässt sich gut erkennen, weshalb die Küste „Wild Coast“ heißt. Wir freuen uns sie von der Landseite zu erkunden.

Naturschutz am Nahoon River.
Endlich ein Klippschliefer!
Sandbänke in der Mündung des Nahoon River.
Sabbeln und laufen.
Schöne Wege durch die Dünen und entlang der Küste.
Unterwegs im Wander-Outfit.
Gute Aussicht von den 60 m hohen Bühnen.
Viele Stufen geht es die Felsen an der Küste hinauf.
Endlose weiße Strände.
Dünen und Felsen an der wilden Küste.

Im Rekordtempo nach East London

“Port Control, there are two yachts in the fairway”. Bei einer der beiden Yachten handelt es sich um uns. Gerade eben sind wir aus Durban ausgelaufen. Ein französischer Kat und wir treiben am Rand des Fahrwassers. Port Control hatte uns gesagt, dass wir hier warten sollten. Die Lotsin auf dem Containerschiff, das gerade ausläuft, hält das für keine gute Idee. Wir bringen uns in Sicherheit. Über dem Containerschiff senkt sich ein Helikopter ab, die Lotsin legt sich einen Gurt um den Körper und wird noch in der Hafeneinfahrt hochgezogen. Spannend ist es hier in Afrikas größtem Container-Hafen.
Wir sind wieder unterwegs. Vor uns liegen 260 Meilen entlang der Wild Coast. Diese Küste hat ihren Namen nicht zufällig. Das Wetter ist hier oft rau. Der Agulhas-Strom fließt nach Süden und starke Südwinde führen oft zu hohen, steilen Wellen vor denen auch in den Seekarten gewarnt wird („abnormal waves“). Das Wetter kann sich schnell ändern und es gibt kaum Schutzhäfen. Eigentlich sollte es im Januar häufig (Nord-)Ostwind geben. Dieses Jahr ist das leider nicht der Fall. Endlich verspricht der Wetterbericht zwei Tage Nordost-Wind und so macht sich gleich eine ganze Flotte von Seglern auf den Weg nach Süden.
Der Start verläuft suboptimal. Das Tablet behauptet keine GPS-Position zu finden, zeigt sie aber an. Vielleicht eine Überraschung des letzten Updates? Das zweite Tablet macht den gleichen Unsinn. Mein MP3 Player ist leider tot. Und wir sind ein bisschen angeschlagen. Nobbi tränen die Augen, ich habe Halsschmerzen. Zunächst ist es flau und wir motoren. Wir entscheiden uns per Hand zu steuern, auch wenn es anstrengend ist. Für unseren kleinen Autopiloten ist es schwierig zu steuern. Hoher Schwell, das gesetzte Großsegel und das Ruder der Hydrovane machen ihm das Leben schwer.
Im Dunkeln sehen wir die Lichter der anderen Yachten. Die halbe Nacht hindurch können wir dem Licht eines anderen Bootes hinterher steuern. Das macht das Steuern von Hand angenehmer. Am nächsten Vormittag setzt endlich der Strom ein, bald nimmt auch der Wind zu, wir können endlich segeln und die Hydrovane kann nun zuverlässig das lästige Steuern übernehmen.
Hier entfaltet der Agulhas-Strom nun seine volle Wirkung. Wir werden wie auf einem Förderband nach Süden transportiert. Erst machen wir acht Knoten über Grund dann zehn. Der Wind nimmt immer weiter zu. Wir binden das zweite Reff ein und als wir schließlich sieben Beaufort mit satten achter Böen haben verkleinern wir das Großsegel weiter und binden das dritte Reff ein. Mari rast dahin. Erst macht es Spaß, dann wird es unheimlich. Wir sind mit über zwölf Knoten unterwegs, maximal mit fast 15 Knoten. Die Wellen werden höher und steiler. Noch ist es sonnig, aber bald wird es dunkel und es wäre schön, wenn es dann nicht wilder wird. Wir waren noch nie so schnell, aber schief gehen darf nichts bei solchen Bedingungen.
Wir halsen und gehen bei Einbruch der Dunkelheit etwas dichter unter die Küste, Strom, Wind und Geschwindigkeit nehmen etwas ab. Trotzdem finde ich es unheimlich.
Um Mitternacht nimmt der Wind plötzlich und unerwartet ab. Mit nur noch zwei bis drei Beaufort weht es aus Norden. Obwohl wir jetzt langsam unterwegs sind und das dritte Reff völlig unnötig ist wecke ich Nobbi nicht zum Ausreffen, er konnte endlich einschlafen. Seit unserer Abfahrt haben wir beide praktisch nicht geschlafen und sind sehr müde. Als Nobbi regelrecht erholt wieder auftaucht, falle ich in die Koje.
Um halb sechs gibt’s Kaffee und wir segeln langsam nach East London. Es gibt keinen Grund sich zu beeilen. Der Morgen ist wunderschön: schwacher Wind und goldenes Licht. Hunderte Delfine begrüßen uns in der Einfahrt. Leider haben wir wenig Zeit ihren Besuch zu genießen, Port Control möchte, dass wir uns beeilen. Hinter uns läuft ein Autotransporter ein.
Während wir noch überlegen wo wir ankern wollen, kommt ein kleines Boot auf uns zu. Der Sohn klettert bei uns an Bord, während sein Vater die Leinen an der Mooring vorbereitet. Minuten später liegen wir zwischen zwei Bojen vertäut. Das war einfach.

Nach unserer Ankunft gibt es erstmal ein großes Frühstück. Rührei und gebratenes Gemüse auf Brot. Dann gönnen wir uns einen ausgiebigen Mittagsschlaf. Nachmittags falten wir unser Bananaboot auseinander. Wir liegen so dicht am Steg, da lohnt es sich nicht den Außenborder zu benutzen. In East London wird gerudert. Der nette Yacht Club hat vermutliche die heißeste Dusche Südafrikas, damit spült sich schließlich alle Aufregung und Anspannung weg.
Am nächsten Abend feiern wir die Etappe zusammen mit den anderen Seglern im Buffalo River Yacht Club mit einem Braai. Für Faule gibt es die Luxus-Option. Wir konnten uns beim Yacht Club anmelden, es gibt Salate und Brot und wir bekommen Steak, Lamm und Bratwurst. Nur grillen müssen (oder dürfen) wir noch selbst. Fast alle Segler aus unserer Flotte sind gekommen und zusammen mit den lokalen Clubmitgliedern wird es ist ein ausgesprochen netter Abend.

Durbans Strand
Überholendes Containerschiff im Hafen von Durban.
Die Marina im Hafen von Durban.
Auf dem Förderband nach Süden.
Eine große Yacht überholt uns.
Die Welle wird steiler und ruppiger.
Ankunft in East London.
Wer findet Mari?
Mari liegt an der vordersten Boje
Boote auf der Perlenschnur.

Durban

Bereits am 30. Dezember sind wir in Durban angekommen. Den Jahreswechsel haben wir an Bord verbracht. Nach einem äußerst leckeren Abendessen haben wir uns verquatscht (ja, das ist tatsächlich immer noch möglich) und wurden dann von einem schönen Typhon-Konzert ins neue Jahr begleitet. Die großen Handelsschiffe im Hafen von Durban haben um Mitternacht ihr Typhon bedient und das tiefe, vielstimmige Tuten hat bei uns für Gänsehaut gesorgt.

Wir hatten nicht geplant zwei Wochen in Durban zu verbringen, doch das Wetter hat für uns entschieden. Und tatsächlich ist die Zeit schnell und durchaus interessant vergangen. Das lag nicht nur an Durban, sondern auch an der netten Gesellschaft. Wir haben mit Freunden einen Geburtstag gefeiert, Ausflüge gemacht, waren essen, haben gequatscht und gespielt.
Neujahr gehen wir zum Pferderennen. Wir sehen uns die Pferde vor dem Rennen an, wetten und fiebern mit. Finanziell hat sich der Tag nicht gelohnt. „Unsere“ Pferde sind nie die schnellsten. Vielleicht war Nobbis Strategie „der hat mir in die Augen gesehen“ oder „der hat die längsten Beine“ noch nicht ganz ausgereift. Zweifellos sind diese Vollblüter sehr elegante Tiere und meinem Mann ist gerade noch rechtzeitig eingefallen, dass wir auf einem Boot wohnen bevor er versprochen hat seiner Frau ein Rennpferd zu kaufen. Es ist nicht sehr voll auf der Rennbahn, macht uns aber viel Spaß.

Zum Supermarkt gehen wir zu Fuß, sonst ist die Spaziergehsituation hier schwierig. Die Innenstadt Durbans ist ein heißes Pflaster. Das ist schade, in der Umgebung gibt es viele tolle Gebäude und wir wären gerne durch die Straßen geschlendert. Spätestens nachdem Freunde eine unerfreuliche Begegnung hatten, halten wir uns an die Empfehlung nur auf den großen Straßen zu bleiben. Ansonsten sind wir mit Uber unterwegs, das ist die Taxi-App. Die Preise sind übersichtlich und wir mussten nie länger als ein paar Minuten warten.
Das Wetter bietet reichlich Abwechslung, heiße Tage mit fast 40 Grad, Regen, Wind aus unterschiedlichen Richtungen, schwüle Nachmittage und kühle Nächte. Die Witterung gibt den Rhythmus vor. Wir bemühen uns einige Bootsarbeiten zu erledigen. Am Bimini will eine Scheuerstelle repariert werden, die Sofas haben neue Schoner bekommen, die 100m Ankerkette wurde umgedreht und neu markiert, wir haben ein bisschen poliert und gewachst, gewaschen und geputzt. Nichts spannendes, aber viele Kleinigkeiten konnten erledigt werden. Nobbi war mit dem Trolley zu Fuß bei der Tankstelle und hatte dort ein lustiges Gespräch mit dem Tankwart, bei dem noch nie jemand Diesel in Kanistern getankt hat.
Das maritime Museum konnte uns nicht überzeugen, zwar gab es einige ganz nette Ausstellungsstücke und gute Erklärungen zum Hafenausbau, in Erinnerung geblieben sind uns aber vor allem der desolate Zustand des Hochsee-Dampfschleppers und der katastrophale Zustand des halb abgesoffenen Minensuchers. Am BAT-Kulturzentrum war nicht viel los, aber wir haben dort die Bremer Stadtmusikanten getroffen! Eine äußerst positive Überraschung war das Naturkundemuseum im Rathaus. Die Ausstellung kann als etwas altmodisch beschrieben werden, uns haben die liebevoll gestalteten Dioramen aber sehr gut gefallen. Besonders viel Spaß hat es uns gemacht, dass wir die Tiere, die wir in den Parks gesehen haben, hier wieder treffen und Neues dazu lernen.
Das Aquarium am Meer ist riesig, sehr gepflegt und bietet viele interessante Becken. Wir haben einen ganzen Tag dort verbracht. Nicht nur Haie und Rochen haben uns sehr gefallen, auch die Seepferdchen, die Quallen und die Kaurischnecken.
Zweimal waren wir im Botanischen Garten. Einmal hatten wir durchwachsenes Wetter, beim zweiten Mal war es sonnig. Das Highlight für uns waren die Lotus-Pflanzen, die von einer Armada von Vögeln bewohnt werden.

Morgen könnte es weiter gehen. Die Wild Coast liegt vor uns, die ihren Namen sicherlich zurecht hat. 250 Meilen sind es bis zum nächsten Hafen. Drückt uns die Daumen, dass die Vorhersage gut bleibt und noch wichtiger, das Wetter in der Wirklichkeit dann auch!

Im Point Yacht Club fühlen wir uns sehr willkommen und verbringen viel Zeit auf der Terrasse und den Clubräumen.
Im Vordergrund die Marina, im Hintergrund der Hafen.
Das Experten-Team beim Pferderennen
Vor dem Rennen sehen wir uns die Pferde an
Das Rennen!
Das Rathaus.
Das Naturkunde Museum gefällt uns sehr gut.
Nobbis Lieblinge sind die Krokodil-Babys.
Nobbi im Museum
Das Gebäude ist beeindruckend.
Wir freuen uns viele Tiere aus den Naturparks wiederzutreffen.
Das BAT-Kulturzentrum.
Die Stadtmusikanten in Südafrika!
Die Ankerkette liegt auf dem Steg. Wir haben sie umgedreht.
Trauriger Höhepunkt des maritimen Museums. Der Mienensucher schwimmt nicht mehr.

In Durban gibt es viele interessante Gebäude:

Im Botanischen Garten:

Ein Nest-Baukünstler bei der Arbeit:

Die Stengel zusammenhalten.
Ganz schön sportlich, jetzt den Grashalm um die Stengel wickeln.
Die Stengel noch ein bisschen dichter zusammendrücken.
Ein Bein an jedem Stengel, eine Haltung für Fortgeschrittene.
Mist, ausversehen losgelassen.
Neuer Versuch! Die Stengel zusammenhalten.
Endlich! Der Knoten sitzt.

Vogel-Galerie:

Ein frohes neues Jahr!

Bei unserem spontan angesetzten internen Jahres-End-Meeting stellen wir geschlossen fest, dass 2024 ein gutes Jahr war.

In der ersten Jahreshälfte stand der Segelspaß nicht im Mittelpunkt. Viele Meilen mit sehr wenig Wind oder Gegenwind führten zu ungewohnt vielen Motorstunden.
Das Jahr begann in der Straße von Malacca an der Insel Pulau Besar. Von dort ging es nach Langkawi, wo Marisol auf uns wartete während wir im Februar und März einen Heimatbesuch machten. Nach dem Werftaufenthalt in der Rebak Marina gab es noch einen Abstecher nach Thailand, bevor wir wieder die ungeliebte Straße von Malacca, diesmal mit Südkurs, befuhren. Auf dem Landweg reisten wir (nicht nur einmal) nach Singapur und mit dem Flieger besuchten wir Jakarta.
Anfang August gingen wir den mühsamen Weg nach Süden an. Gegen den Wind ging´s durch die indonesische Inselwelt zur Sunda-Straße.

Am 9. September segelten wir, vorbei am Vulkan Krakatau, endlich hinaus auf den Indischen Ozean. Die Überfahrt nach Cocos Keeling war knackig, Schiff und Crew wurden ordentlich durchgeschüttelt. Nach zwölf erholsamen Atoll-Tagen setzen wir die Segel zur längsten Etappe des Jahres. Auf dem Weg nach Rodrigues hatten wir vier sehr windige Tage, in denen wir erstmals das 3. Reff ins Groß einbanden, aber auch Tage mit wenig Wind oder sogar mit perfektem Segelwetter.
Nach schönen Aufenthalten auf Rodrigues, Mauritius und La Réunion, starteten wir am 12. November zur schwierigsten Überfahrt. Auf See wechselten sich Flauten mit guten Segelbedingungen ab, doch der Entscheidungsprozess, wohin wir vor der von Süden kommenden Front fliehen sollen war nervenaufreibend. Am 27. November traf uns die Front vor Anker liegend bei der Insel Inhaca vor Maputo mit über 70 kn Wind. Zum Glück hat unsere Mari das ohne größere Schäden überstanden, die kleineren sind bereits repariert.
Am 2. Dezember erreichten wir Richards Bay in Südafrika. Nach erholsamen Tagen und tollen Ausflügen zu Tieren, die wir nur aus dem Zoo kennen, war der letzte Törn dieses Jahres erfreulich unspektakulär. Gestern Mittag erreichten wir Durban nach einer absolut ereignislosen Nachtfahrt.

Ein wenig Statistik:
7252 Meilen
60 Etappen, die kürzeste war nur vier Meilen kurz, die längste 2069 Meilen lang.
16 Häfen
44 Ankerplätzen mit 82 Ankernächten
8 Länder: Malaysia, Thailand, Indonesien, Australien, Mauritius, Frankreich, Mosambik (ein sehr kurzer Besuch), Südafrika. Plus 2: Singapur und Deutschland haben wir auf dem Landweg besucht.
46 Nächte wurden auf See verbracht

Neben unserem Heimaturlaub haben wir einige kleine Landreisen unternommen. Da gab es die Singapur-Familien-Besuche, je eine Nacht haben wir in Melakka und Kuala Lumpur verbracht und eine Woche in Jakarta mit Bandung und Bogor. In Südafrika waren wir zweimal zum „Tiere gucken“ in Safari Lodges, einmal für zwei und einmal für drei Nächte.

Kommen wir zu den wichtigen Dingen. Wo war es am schönsten? Was ist uns am meistens in Erinnerung geblieben?
Der „Weg nach Süden“ von Langkawi zur Sunda Straße war nervenaufreibend und anstrengend. Gewitter, viele Fischer, kein Wind, Gegenwind, unbeleuchtete Frachter, Fischernetze und Müllteppiche. Aber auch dieser Abschnitt hatte seine Höhepunkte. Penang hat uns sehr gut gefallen, der Besuch der indonesischen „Seenomaden“, die in ihrem offenen Holzboot mit Hund und Papagei leben, hat uns beeindruckt und unser Tankstopp in Belinyu, im Zentrum des Zinnabbaus, war irgendwie skurril und wunderbar indonesisch, es hat sich alles gefügt.

Die Inseln im Indischen Ozean, gehören allesamt zu unseren Highlights. Angeführt wird die persönliche Hitliste von Cocos Keeling. Schöner wird’s nicht. Türkises Wasser, Haie am Boot, Palmen die sich im Wind wiegen, kleine Spaziergänge und weißer Strand. Hier muss man nichts unternehmen, einfach nur genießen. Wir wären gerne noch länger geblieben.
Im verschlafenen Rodrigues haben wir uns sehr wohlgefühlt und La Réunion hat uns mit seiner atemberaubenden Topografie beeindruckt.
Das „Tiere gucken“ in Südafrika gehört unbedingt zu den Highlights. Gleich fünfmal waren wir auf der Pirsch, zweimal in den Lodges mit vielen Game Drives und unglaublichen Tierbegegnungen, und dreimal auf eigene Faust in Tagesausflügen.
Der Indische Ozean war gut zu uns. Wir wurden durchgeschüttelt und herausgefordert, aber auch mit sehr schönen Segeltagen beschenkt. Traumhafte Sternennächte, flottes Segeln, tiefblaues Wasser und Delfinbegegnungen bleiben in Erinnerung.

Als wir beginnen über das zurückliegende Jahr nachzudenken, wird uns wieder einmal bewusst, wie gut wir es haben und was wir alles erleben dürfen. Die gemeinsame Zeit mit der Familie, in Deutschland und in Singapur. Die beeindruckenden Orte, die wir erkunden dürfen, und Plätze, die man ohne Boot nicht besuchen würde oder könnte, wie Rodrigues oder auch kleine indonesische Inselchen. Die verrückten Tierbegegnungen, nicht nur mit großen Tieren, sondern auch mit Pistolenkrebsen (Pulau Bidan, Malaysia) oder Tintenfischen (Ilha Inhaca, Mosambik).
Bevor wir abschweifen oder sentimental werden, kommen wir zum Ende. Aber nicht, ohne uns bei unseren „Indian Ocean Buddies“ zu bedanken, die uns über diesen aufregenden Ozean (direkt oder aus der Ferne) begleitet haben. Insbesondere bei Ana und Sorin (Mehala), Colin und Rebecca (Zephyr), Manuela und Ian (Mr. X), Bill (Cara Mor), Hugh (Seachange), Tom und Chris (Skyfall), Pete und Angus (Maskali), Brian und Melissa (Atlas), Anne und Carl (Serenada) und Gen und Jerry (Seamonster).

Wir sind gespannt was 2025 für uns bereithalten wird und wo wir den nächsten Jahresrückblick schreiben werden. Vielleicht irgendwo in Europa?

Wir wünschen euch ein interessantes, aufregendes und schönes Jahr 2025! Bleibt gesund, fröhlich und neugierig. Ganz besonders denken wir heute Nacht an die, denen es gerade nicht so gut geht.

Tierische Weihnachten

Als am Morgen des 24. Dezember der Wecker klingelt regnet es. Wir drehen uns wieder um und schlafen weiter. Als wir aufstehen regnet es nur noch ein wenig und hört bald auf. Trotz des durchwachsenen Wetters steigen wir ins Auto und fahren nach iSimangaliso. Das Naturschutzgebiet hatte uns zwei Wochen zuvor gut gefallen.
Das Wetter wird immer besser. Wir halten ab und zu an Aussichtspunkten, biegen zweimal von der geteerten Straße ab und sind zweimal sehr froh, als wir mit dem kleinen Polo wieder festen Grund erreichen. Einmal führt der Sandweg durch eine sehr tiefe Pfütze und zwingt uns zum Umkehren, ein anderes Mal überzeugt uns ein umgefallener Baum in Kombination mit einer schlammigen Steigung das Umdrehen die bessere Option ist. Von nun an bleiben wir auf der Hauptroute.
Wieder sehen wir viele Tiere wie zum Beispiel den Ellipsen-Wasserbock, eine Antilopenart, die wir vorher noch nicht gesichtet hatten. Heute wimmelt es hier vor Büffeln und Zebras. Am Strand von Kap Vidal finden wir eine Bank im Schatten, auf der wir unser Picknick (inklusive Lebkuchen) essen.
Als wir abends wieder an Bord sind, kochen wir unser Weihnachtsessen und machen uns einen gemütlichen Abend an Bord.

Der erste Weihnachtsfeiertag verläuft, abgesehen vom Lebkuchengenuss eher unweihnachtlich. Wir tüdeln an Bord rum und Nobbi wechselt beim Getriebe das Öl.
Am 26. Dezember klingelt der Wecker wieder zeitig und diesmal stehen wir auf. Zum Frühstück sind wir bereits im Hluhluwe Naturschutzgebiet, dem ältesten Schutzgebiet Südafrikas. Außer an den wenigen Picknick-Plätzen darf man das Auto nicht verlassen. Unser Frühstücksplatz hat eine schöne Aussicht, genau wie unser Mittagsplatz, an dem es von Buschschweinen und Nyalas wimmelt.
Wir genießen die Fahrt durch den Park und sehen Gnus, Impalas, Nyalas, Duiker, Zebras, Busch- und Warzenschweinen, Büffel, Nashörner und Elefanten. Ein Elefant ist ganz schön groß, wenn man in einem Polo sitzt und er vor uns die Straße quert. Wir haben Glück und sichten später noch zweimal Elefanten, die wir uns ganz in Ruhe ansehen können.
Die Rückfahrt ist ereignisreich. Wir verlassen den Park durch das Nordtor, die Straße ist nicht stark befahren, wird aber von vielen Tieren genutzt. Wir treffen auf viele Kühe, an einer Kreuzung steht eine ganze Herde auf der Straße, auch Esel und Ziegen. Überhaupt ist das Autofahren gelegentlich interessant. Die N2, die Nationalstraße die von Richards Bay nach Norden führt, kennen wir inzwischen gut. Die Überholmanöver sind gelegentlich wild. Der Standstreifen wird einerseits von Trucks und langsam fahrenden Autos befahren, anderseits halten hier Busse (die auch gerne mal rückwärtsfahren), Fahrradfahrer und Fußgänger nutzen ihn und Autos die an einem der vielen Stände etwas kaufen möchten halten hier. Und auch auf dieser „Schnellstraße“ sind Kühe und Ziegen unterwegs. Vor Schulen wird vor kreuzenden Kindern gewarnt und man muss die Geschwindigkeit auf 80 km/h (!) drosseln.
Abends schauen wir „Tatsächlich Liebe“ an, der Film darf zu Weihnachten nicht fehlen!

Elefanten haben Vorfahrt.
So ein Elefant ist ganz schön groß!

Bootsgetüdel, schlechtes Wetter und wilde Tiere

Kurz nach unserer Ankunft haben wir die verlorene Ankerrolle ersetzt und den Seezaun repariert. Ein Ölwechsel war auch fällig, an der Hydrovane haben wir ein Lager ersetzt und ein neues Cover auf die Windfahne gezogen, ein rostiges Glied der Ankerkette haben wir abgesägt und da wir sonst keine nennenswerten Schäden haben, widmen wir uns dem Kleinkram. Hier eine Schraube nachziehen, dort eine neue Leine einziehen und etwas putzen.
Putzen ist ein schönes Stichwort. Richards Bay ist Afrikas größter Kohlehafen. Das merkt man nicht nur auf den großen Straßen rund um Richards Bay mit den vielen Trucks mit Doppeltrailern, sondern auch an Deck. Weht der Wind aus Südwest, ist das das Deck schwarz. Wir lassen unsere Mosquitonetze in den Fenstern, das reduziert den Kohlestaub unter Deck wenigstens etwas.

Das Leben im Yacht Club ist nett. Wir treffen alte und neue Freunde und tauschen die Geschichten der letzten Ozeanpassage aus. Montags ist Braai, Grillen auf Südafrikanisch. Bar und Restaurant sind geschlossen, dafür werden die Grills angefeuert und jeder darf darauf sein eigenes Fleisch grillen. Braai ist in Südafrika eine ernsthafte Angelegenheit und nicht einfach nur ein „BBQ“ – das lernen wir als erstes.

Endlich ist auch Bill in Richards Bay angekommen!
Zululand Yachtclub mit Gute-Laune-Palmen
Steg C des Zululand Yachtclubs

Eigentlich wären wir gern schon etwas weiter westlich, doch das Wetter ist im Moment sehr instabil und die Vorhersagen ändern sich ständig oder weichen gravierend vom tatsächlichen Wetter ab. Also mieten wir uns wieder ein Auto und entscheiden, dass wir noch einmal „Tiere gucken“ wollen.
Das vierte Adventswochenende verbringen wir in der African Spirit Lodge im Manyoni Game Park. Auch dies ist ein privater Park. Mehrere Eigentümer haben sich zusammengetan und so ist ein riesiges Gebiet entstanden. Das Gebiet ist 230 km2 groß, das ist größer als Essen oder Hannover und nur wenig kleiner als Frankfurt! Die Tiere können sich auf diesem Gebiet frei bewegen.
Nicht nur auf den vier Game Drives haben wir viele Tiere gesehen, auch direkt von der Terrasse der Lodge. Am Wasserloch vor der Lodge war immer Betrieb. Antilopen trinken dort, Büffel, Warzenschweine und Nashörner nehmen gerne ein Schlammbad.
Obwohl wir zwei Wochen vorher fantastischen Tage in der Amakhosi Lodge verbracht hatten und wussten, dass kaum etwas mit unseren Erlebnissen dort mithalten kann, haben wir unseren Aufenthalt sehr genossen. Die Landschaft ist anders, obwohl die Gebiete nicht weit voneinander entfernt sind. Wir haben einige Tiere gesehen, die wir zuvor noch nicht gesehen hatten, wie Strauße oder Mangusten. Außerdem haben wir uns an den vielen spannenden Tieren einfach noch nicht satt gesehen. Und für Fortgeschrittene gibt es dann noch sehr viele schöne Vögel!
Eine große Anzahl Giraffen und Impalas haben oft unseren Weg gekreuzt, viele Gnus und immer wieder Löwen. Einmal lag ein Löwenpaar direkt am Wegrand und hat dann auch noch kleine Löwen gemacht ohne sich von uns stören zulassen.

African Spirit Lodge

Frohe Weihnachten

Wir wünschen euch ein schönes Weihnachtsfest!

In diesem Jahr habe ich mich von unseren Safari-Erlebnissen für die Weihnachtskarte inspirieren lassen. Der Kudu ist ein wunderschönes und elegantes Tier. Während die Böcke graubraun sind, sind die Kühe hellbraun. Sie gehören mit ihren fast 1,60 m zu den größten Antilopen. Die Kühe sind mit ihrem Nachwuchs in kleinen Gruppen unterwegs, während die Böcke als Einzelgänger oder in Junggesellengruppen leben. Sie fressen vor allem Laub und Zweige. Ihre Streifen tarnen sie im Buschwerk ausgesprochen gut. Das vielfarbige Fell des Bocks hat es uns besonders angetan, so haben wir kurzerhand den Weihnachtskudu „entdeckt“.

iSimangaliso – wo die Nilpferde wohnen

Zum iSimangaliso Park sind es nur gute 80 km. iSimangaliso ist mit 13.000 km2 das zweitgrößte Schutzgebiet Südafrikas und beherbergt ganz unterschiedliche Landschaften und Ökosysteme. In den Feuchtgebieten leben die größten Nilpferd- und Krokodilbestände Südafrikas.
Wir stehen zeitig auf, fahren zum kleinen Ort St.Lucia und frühstücken an der Heckklappe unseres Mietwagens, bevor es um kurz nach acht zu unserer Bootstour geht. Auf einer Art Floß mit Außenbordmotor besuchen wir die Nilpferde. Von der Suche nach den Hippopotamus kann nicht die Rede sein. Man muss sie nicht suchen. Sie sind überall. Eine Mutter mit Baby, eine Gruppe aus fünf Halbstarken und zwei große Familien. Außerdem sehen wir Krokodile und viele Vögel wie ein Seeadler-Pärchen und den schönen „bee-eater“, der es heute nicht auf Bienen sondern die dicken Flusspferd-Fliegen abgesehen hat.
Nach zwei Stunden stehen wir gut gelaunt wieder auf dem Steg. Fürs Mittagsessen ist es noch zu früh, also fahren wir spontan in den Park. Am Eingang zum iSimangaliso-Park bezahlen wir pro Person und pro Auto, insgesamt etwa 17 Euro (überschaubar, wie wir finden). Informationen gibt es von den wortkargen Damen am Schalter nur auf Nachfrage, immerhin erfahren wir, dass wir die ersten beiden Abzweigungen mit unserem VW-Polo meiden sollten.
Wir hatten nicht damit gerechnet viele Tiere zu sehen, zum einen sind wir in der Mittagshitze unterwegs, zum anderen bleiben wir meistens auf dem Hauptweg. Nyalas, Impalas, Zebras und Warzenschweine überraschen uns und kommen dicht vorbei, von einem Aussichtspunkt sehen wir eine große Herde Gnus grasen, vom Strand sehen wir Schildkröten, einen Hai und Delfine. In den Feuchtgebieten gibt es unendlich viele Vögel: Reiher, Störche, Gänse, Enten. Auf dem Rückweg entdecken wir sogar ein großes Krokodil, dass gerade ein Warzenschwein frisst.
Am Ende der asphaltierten Straße machen wir eine Pause am Strand von Cape Vidal, beobachten wie Motorboote durch die hohe Brandung an den Strand fahren und kleine Mädchen unerschrocken baden. Es ist heiß. 37 Grad in Richards Bay, am Strand ein klein wenig kühler. Wir essen ein Eis und sehen uns das Spektakel aus dem Schatten an.
Wir haben nur einen winzigen Teil dieses riesigen Schutzgebietes gesehen. Gerne kommen wir noch einmal wieder um entweder die gleiche Strecke noch einmal zufahren oder um eine andere Ecke von einem anderen Eingangstor zu erkunden. Weite Teile des Parks sind für Touristen nicht zugänglich. Die scheuen Tiere freut es. Die weniger scheuen, wie die Flusspferde, gehen nachts in St.Lucia spazieren. Nicht immer zur Freude der Einwohner.

Worth Crossing An Ocean For!

Schon bei den Fisch-Samosas auf Mauritius tauchte die Frage auf, ob es wert sei dafür über den Indischen Ozean zu segeln (ich denke nicht, aber da gehen die Meinungen auseinander). Auch der Zululand Yacht Club in Richards Bay wirbt mit diesem beliebten Schnack.

Wenige Tage nach unserer Ankunft sind wir schon wieder unterwegs, diesmal mit dem Mietwagen. Bevor die Haupturlaubssaison startet und die Schulferien in Südafrika beginnen, wollen wir „Tiere gucken“. Wir beschließen uns selbst zu beschenken und buchen drei Nächte in einem privaten Game Park. Game Park, so heißen die (Vergnügungs-) Wildparks hier. Ein Game Drive ist eine Pirschfahrt, eine Tour zum Tiere angucken. Freunde haben uns diese Lodge samt Park empfohlen als sie vor ein paar Wochen hier waren. Tatsächlich war es wunderbar in „Amakhosi“. Ein Verwöhn-Programm in der Lodge mit grandiosem Essen, sehr schönen Häusern mit tollem Ausblick und einer unglaublichen Detailverliebtheit. Mal gibt es Drinks am Lagerfeuer, mal ein traditionelles Essen unterm Sternenhimmel.
Am allerbesten haben uns natürlich die Tierbegegnungen gefallen. Morgens um fünf und nachmittags um vier ging es los. Jeweils dreieinhalb Stunden haben ein Ranger, ein Ranger-Praktikant und ein Tracker (Spurensucher) mit uns nach Tieren gesucht und sie auch gefunden. Wir hatten großes Glück und einen Ranger, der uns nicht nur sehr viel über die Tiere erzählen konnte, sondern sich auch hervorragend mit dem Management der Parks auskannte. Obwohl wir sicherlich über eine solide Tierfilm- und Zoo-Grundbildung verfügen, haben wir ganz viel gelernt. Den Tieren sind wir viel näher gekommen als vermutet und waren überrascht, wie einfach es war, tolle Fotos mit unseren „ganz normalen“ Fotoapparaten zu schießen. Eine Beschreibung aller Ausfahrten würde den Rahmen sprengen.
Gesehen haben wir Elefanten, Löwen, einen Gepard, Antilopen wie Impala und Nyala, Gnus, Büffel, Zebras, Giraffen. Breit- und Spitzmaulnashorn, Nilpferde und ein Krokodil, viele spannende Vögel und auch tolle Insekten wie Pillendreher. Und noch viele andere.
Das Highlight? Ganz schwierig! Unsere Top fünf (ganz schwierig, auch die Büffelherden sind so toll und die Giraffen und…):

  • Wir lagen auf dem Bett und haben uns über den tollen Ausblick gefreut, als plötzliche Elefanten in unserem Blickfeld auftauchten.
  • Elf Löwen (zwei Mütter mit acht Jungen und der Tante) liegen im Gras am Wasserloch und lassen sich nicht von uns stören.
  • Ein Spitzmaul-Nashorn ist auf uns zu gerannt und hat sehr eindrucksvoll demonstriert wie gefährlich es sein kann.
  • Zwei Löwen-Männer sind gemächlich unterwegs und völlig unbeeindruckt von den menschlichen Beobachtern an uns vorbei getrottet.
  • Die Elefantenherde quert den kleinen Fluss und die riesigen Tiere spielen im Wasser.

Diese Busch-Landschaft mit ihren tollen Tieren hat uns nicht nur gefallen, sondern regelrecht berührt.
Es war wunderbar! Und ja, es war es wert über den Indischen Ozean zu segeln. Übrigens haben uns alle Stopps im Indischen Ozean: Cocos, Rodrigues, Mauritius und La Réunion ausnehmend gut gefallen. Unser Ausflug war also nicht der einzige Grund über diesen nicht ganz einfachen Ozean zu segeln.

La Réunion – ein französisches Juwel

Unser Bericht von La Réunion steht noch aus. Die Insel hat uns sehr gut gefallen, ein guter Grund den Bericht hier nicht unter den Tisch fallenzulassen.

Der kleine Ort Le Port, der wie der Name schon sagt, hauptsächlich aus dem Hafen besteht, ist eher ruhig. Es gibt einige Restaurants und Supermärke. Für uns ist die Bäckerei mit den tollen Baguettes und den besten Schokocroissants des Indischen Ozeans am wichtigsten. Wir treffen uns mit Freunden zum Abendessen, kaufen ein, waschen und füllen unsere Dieselkanister. Nun sind wir abfahrbereit, aber vorher wollen wir die Insel erkunden.

Zunächst unternehmen wir einen Ausflug mit dem Bus. Der erste Bus der Linie 17 fährt um 06:48 Uhr. Wir müssen einen kleinen Sprint einlegen um es rechtzeitig zur Haltestelle zu schaffen. Ein komfortabler Reisebus sammelt uns ein. Die Fahrt dauert eine Stunde und führt uns durch die Dörfer weit oberhalb von Le Port. Die Aussicht aus dem Bus ist schön. Was uns besonders gefällt: wer aus dem Bus aussteigen möchte klatscht in die Hände, dann hält der Busfahrer an der nächsten Station.
Von der Haltstelle zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen wir 20 Minuten. Wir brauchen ein bisschen länger, weil wir die Webervögel mit ihren kunstvollen Nestern ausgiebig beobachten. Die ausgewählte Wanderung beginnt auf 1100 m, bringt uns auf 1300m und ist recht sportlich, einige Leitern und ein Draht zum Festhalten helfen uns über die ganz steilen Abschnitte. Die Mühen werden belohnt. Der Blick über den „Cirque de Mafate“, eine der drei Calderas des Piton des Neiges, ist beeindruckend. Einige der Dörfer in der Caldera sind bis heute nur zu Fuß erreichbar, kein Wunder bei dieser außergewöhnlichen Geografie. Die Wanderung folgt einem schmalen Grat und wir finden eine Bank mit Aussicht für unser Frühstück. Auf dem Rückweg ziehen nicht nur Wolken auf, auch die Anzahl der Wanderer nimmt stark zu. Gut, dass wir so früh unterwegs waren. Dies war sicher eine der schönsten Wanderungen, die wir bisher unternommen haben!

Der gelungene Ausflug sorgt dafür, dass wir dringend noch mehr sehen wollen. Die Mietwagen sind teuer, aber es gibt die Möglichkeit über einen Segler ein Auto zu leihen. Noch nie saßen wir in einem so vermüllten Auto, doch die fahrende Müllkippe bringt und sicher einmal um die Insel.
Wir fahren zunächst zum „Fenêtre des Makes“ auf 1504m bevor wir zu den sich ewig in kleinen Serpentinen windenden einsamen Straße kommen, nehmen wir eine „Abkürzung“ durch Zuckerrohr und Bananenplantagen. Es ist viel Verkehr in beide Richtungen, auf einer einspurigen Straße. Vor uns biegt ein großer Zucker-Laster ein, wir heften uns an seine Reifen und kommen so ganz hervorragend durch das Gewirr schmaler Wirtschaftswege. Das „Fenêtre“ wartet mit einer fantastischen Ausicht auf den „Cirque de Cilaos“ und den Piton des Neiges auf. Auch die zweite Caldera des Piton des Neiges ist beeindruckend und es gibt sogar noch eine dritte ähnlich spektakuläre. Der Piton de Neige ist mit 3070m der höchste Berg La Réunions und des Indischen Ozean. Trotz seines Namens ist er schneelos.
Der Piton des Neiges ist vor 12000 Jahren erloschen, ganz im Gegensatz zu seinem Kollegen, dem Piton de la Fournaise, der weiter südlich liegt und noch aktiv ist. Ganz im Süden der Insel kann man die Spuren des letzten Ausbruchs von 2007 sehen, als die Lava über die Straße ins Meer floss. Dort fahren wir mit Zwischenstopps entlang der Küste hin. Viele Kreisverkehre wollen bezwungen werden und La Réunion hat mehr Verkehr als so manche Stadt in „Metropolitan-Frankreich“, deshalb sind wir froh, dass wir nicht zurück zum Boot fahren müssen. In Saint-Pierre haben wir eine nette Unterkunft gebucht. Morgens würden wir gerne auf unserer kleinen Terrasse sitzenbleiben, Vögel beobachten und Kaffee trinken, doch wir haben viel vor. Wir nehmen die Traverse die quer über die Insel führt und uns zur Vulkan-Route bringt. Eine Straße die auf den Piton de la Fournaise führt. Am oder auf dem aktiven Vulkan gibt es unwirkliche Vulkanlandschaften aus Lava unterschiedlichster Form und Farben. Das ist toll anzusehen, aber uns gefällt der Teil der Stecke der zunächst zwischen Kuhweiden mit Kuhglocken (die Kühe nicht die Weiden) durchführt und später durch eine Art Heidelandschaft mit tiefen Tälern noch besser.
Später erreichen wir die Ostseite der Insel und folgen der Straße entlang der Nordküste und durch die Hauptstadt Saint Dennis zurück nach Le Port im Nordwesten.
La Réunion hat uns trotz des vielen Verkehrs auf den Hauptrouten, die man nicht umgehen kann, sehr gefallen. Noch viele Wanderungen hätten gewandert werden wollen, doch der Indischen Ozean wartet und will von uns besegelt werden, bevor die tropischen Stürme einsetzen.

Eine Webervogel-Siedlung.
Ausblick auf Le Port.
Blick in den Cirque Mafate.
Pause!
„Abkürzung“ durch Zucker- und Bananenplantagen.
Der Blick durchs Fenster in den Cirque de Cilaos.
Wir machen mehrere Stopps an der Küste.
Lava vom Ausbruch 2007.
In Saint Pierre kann man sehr schön wohnen!
Kühe mit Glocke sorgen für Alpengefühle.
Schöne Straßen,
tiefe Schluchten
und fröhliche Reisende.
Nobbi in den Wolken.
Die Vulkan-Route macht ihren Namen alle Ehre.
Hier findet sich Lava in ganz verschiedenen Erstarrungsformen.