Rodrigues – eine sympathische Insel

Seit einer Woche sind wir schon in Rodrigues und die Zeit vergeht schnell. Die kleine Insel ist 19 km lang und 9 km breit und von einem riesigen Riff umgeben. Sie gehört zu Mauritius und hat 40000 Einwohner, von denen ungefähr ein Viertel in der Hauptstadt Port Mathurin wohnt.
Die unbewohnte Insel war schon länger bei den arabischen Seefahrern bekannt, wurde aber erst 1538 nach einem portugiesischen Steuermann benannt. Die Holländer unternahmen einen halbherzigen Besiedlungsversuch, eine Gruppe von Franzosen lieferte sich Kämpfe mit den Holländern und lebte hier zwei Jahre. Nachdem sie die Insel verlassen hatten, schrieb einer von ihnen ein Buch, das die Franzosen zur erneuten Kolonialisierung motivierte. 1808 wurde Rodrigues von den Briten besetzt. Als Mauritius 1968 unabhängig wurde, war man auf Rodrigues wenig begeistert. Man wäre gerne britisch geblieben. Seit 2002 ist Rodrigues eine autonome Region innerhalb Mauritius.
90 % des Landes gehört dem Staat und die Bewohner pachten es jeweils auf zehn Jahre. Fleisch und ein wenig Fisch und Tabak sind die einzigen Exportgüter, wobei die Landwirtschaft an akutem Wassermangel leidet und die Umwelt wiederum an Überbevölkerung und extensiver Landwirtschaft.

Der Ankerplatz im Hafenbecken gefällt uns, auch wenn ganz schön viel Staub und Dreck vom Hafen an Bord geweht wird. Das Dinghi hat einige interessante Flecken bekommen und ist sehr schmutzig. Das Anladen ist je nach Welle und Strömung nicht ganz einfach. Manchmal können wir das Dinghi an einem Schlepper anbinden, dann ist es einfacher auf die Pier zukommen. Bei Niedrigwasser ist diese nämlich ganz schön hoch und wir müssen über die Fender für die großen Schiffe an Land klettern, was uns mit neuen Flecken auf der Kleidung versorgt.
Vor einigen Tagen hatten wir einen Delfin am Ankerplatz, große Schildkröten sehen wir fast täglich. Obwohl wir die Tiere schon so oft gesehen haben, nutzt es sich einfach nicht ab. Immer wieder schön.

Zwischendurch waren wir sechs Yachten, nun liegen wir hier allein. Als das Versorgungsschiff den Hafen verlassen hat, gab es einige Aufregung im Ankerfeld. Einige Boote mussten das Hafenbecken verlassen, um Platz für das große Schiff zu machen. Während die ersten Anker auf gingen, kam ein anderer Segler an und versuchte zu ankern. Sein Anker verhakte sich hinter der Kette eines anderen Bootes. Das ist doof, kann aber mal passieren. Doch nur wurde es spektakulär. Er schleppte das andere Boot quer durch die Bucht, zwischen uns anderen Booten hindurch. Zunächst ohne zu bemerken, dass er ein Boot im unfreiwilligen Schlepp hatte. Das hätte sehr, sehr schief gehen können! Die Crew des vor uns ankernden Boots eilt zur Hilfe und kann die beiden Boote voneinander trennen, doch dann streikt der Außenborder der Helfer. Nun schleppt Nobbi die Helfer zurück zu ihrem Boot. Bei dem starken Wind ist das ambitioniert, unser Dinghi lässt sich dann nicht besonders gut manövrieren. Am Ende sind alle wieder auf ihren Booten und glücklicherweise ist nichts kaputt gegangen.

Die Zeit ist gefüllt mit Alltagsgetüddel. Handtücher und Bettwäsche haben wir an Land zum Waschen gegeben, alles andere wird an Bord mit der Hand gewaschen. Wir kaufen im Supermarkt ein, Obst und Gemüse gibt es auf dem Markt und Baguette in der Bäckerei. Baguette scheint subventioniert zu werden, es kostet nur 10 Cent, doch auch sonst sind die Preise nicht so hoch wie die Insellage vermuten lassen würde. In einem Café, nur eine Querstraße vom Hafen entfernt, gibt es einen leckeren Mittagstisch und fantastischen Kaffee. Fritierte Kleinigkeiten zum Mittagessen, wie Samosas und Frühlingsrollen, kosten am Stand bei der Bank nur etwa einen Euro. Für uns beide zusammen. Vormittags ist buntes Leben auf den Straßen von Port Mathurin, nachmittags wird es ruhig und um kurz nach vier werden die Bürgersteige hochgeklappt. Alle Läden sind dann geschlossen und es wird noch ruhiger. Die Menschen sind sehr freundlich und hilfsbereit. Fast alle sprechen neben Kreol und Französisch auch Englisch und sind offen und kommunikativ. Man grüßt sich auf der Straße und lächelt sich an. Hier kann man es sehr gut aushalten.

Es ist einigermaßen kompliziert an eine SIM-Karte zu kommen. Zuerst gehen wir zum Port Captain, erklären, dass wir eine SIM-Karte kaufen wollen und bekommen einen Brief, der bestätigt, dass wir im Hafen liegen. Im Laden der Telefongesellschaft ist es rappelvoll und als wir nach langem Warten endlich dran sind, erklärt uns die Mitarbeiterin, dass sie uns nicht im System finden könne, wir müssten zur Immigration oder zur Polizei gehen. D.h. eine Mitarbeiterin eines Telefonladens kann auf die Daten der Einwanderungsbehörde zugreifen? Vielleicht gar mit ihrem privaten Telefon? Wir versuchen nicht über Datenschutz und Datensicherheit nachzudenken und laufen zur Immigration. Der Mitarbeiter lernt von seiner Vorgesetzten, wie man uns ins System einträgt. Unter „Bootsname“ gibt man den Namen des Bootes ein… Es dauert ewig. Dann geht’s wieder zur Telefonladen, dort ist es immer noch sehr voll. Als wir endlich dran sind, stellt die Mitarbeiterin fest, dass sie uns noch immer nicht finden kann. Wir laufen also wieder zur Immigration. Nach dem wir eine halbe Stunde im Büro gewartet haben und niemand auftaucht, haben wir keine Lust mehr und gehen Kaffee trinken.
Zwei Tage später versuchen wir erneut unser Glück. Bei der Immigration werden wir nun beide erneut ins System eingegeben, diesmal geht es viel schneller. Auch beim Telefonladen brauchen wir kaum warten, hier ist es heute nicht so voll. Zunächst versuchen wir es mit meinem Pass, doch das System findet mich nicht, aber Nobbi wird gefunden. Nun ist es ganz einfach und wir können eine Touristen-SIM-Karte für umgerechnet 15 Euro mit unglaublichen 200 GB Datenvolumen kaufen.

Fischer an der Riffkante hinter unserem Heck
Hier gibt es Leckereien zum Mittagessen
Nobbi im Café
Die Container werden Sack für Sack ausgeladen
Fast alle Menschen sind sehr kommunikativ und offen
Der wichtigste Laden: in dieser Bäckerei gibt es die leckeren Baguettes.
Das Versorgungsschiff läuft aus.

Segler Hugh hat ein Auto gemietet und lädt uns zu einem Ausflug ein. So eine Gelegenheit lassen wir uns nicht entgehen. Morgens trifft sich unsere kleine Reisegruppe auf der Pier. Wir sind zu fünft, vier Boote sind vertreten. Im Naturschutzgebiet Grand Montagne machen wir eine geführte Wanderung. Wir erfahren einiges über die Tiere und Pflanzen der Insel. Viele Pflanzen haben sich an die großen Schildkröten angepasst, die alle Blätter fressen, die sie erreichen können. Häufig weisen die heimischen Pflanzen Heterophyllie auf, d.h. sie haben im bodennahen Bereich andere, stachelige Blätter als in Regionen, die die Schildkröten nicht erreichen können. Die Geschichte der Insel ist traurig und leider typisch. Die Schildkröten wurden innerhalb weniger Jahre ausgerottet, eigneten sie sich doch ausgezeichnet als Frischproviant auf Schiffen, der Regenwald wurde abgeholzt und eingeführte Haustiere bedrohten die heimische Tierwelt. Wir sehen viele Vögel und besondere Pflanzen, die wir ohne unseren Guide nicht erkannt hätten.
Nachmittags fahren wir an die Südküste, besuchen wunderbar feine, weiße Strände, legen eine Pause am Kite-Surfer Strand ein und trinken ein Bier auf der Terrasse eines netten und vermutlich sehr teuren Strandhotels. Auf der Südseite der Insel sind die Hänge nicht ganz so steil, dafür noch trockener. Überall weiden Ziegen und Kühe, sogar am Strand. Entlang der Küstenstraße sehen wir Oktopusse, die in der Sonne zum Trocknen aufgehängt wurden. Es gibt einige sehr schöne Anwesen, die meisten Menschen leben hier aber ein einfaches und armes Leben.
Vielen Dank an Hugh für die Einladung. Wir hatten einen tollen Tag und haben viel von der Insel gesehen!

An der Station geht’s los.
Ausblick über die Nordostküste und das Riff.
Wunderschöne Seidenspinne
Hat sie nicht tolle, rote Beine?
Segler beim Landgang
Der Madagaskarweber hat das schönste Kleid.
Den Rodriguesweber gibt es nur hier, auf Rodrigues.
Dies ist Ramosmania rodriguesii, sie war eine der seltensten Pflanzen der Welt. Es gab nur noch ein einziges Exemplar! Die Vermehrung war schwierig und erst nach vielen Versuchen gelang es in Kew Gardens Pflanzen zu ziehen, die Früchte bilden.
Stopp am Wurststand
Der Strand der Kite-Surfer

Ankunft auf Rodrigues

Nach dem vorangegangenen windigen Teil der Passage sind diese ruhigen Tage eine nette Abwechslung. Teilweise haben wir nur noch knappe 3Bft. Von achtern ist das auf dem Ozean ein bisschen wenig. Wir können geradeso segeln. Wir baumen die Fock aus, mal an Steuerbord, mal an Backbord und rollen sie etwas ein, Hauptsache sie schlägt nicht. Das nervt und macht das Segel kaputt.
Dann kommt die hohe Welle von dem riesigen Tief im Süden, die uns schon vor einige Tagen im Wetterbericht angekündigt wurde, und überlagert sich mit der kurzen Windsee aus Osten. Anders als befürchtet ist das nicht schlimm. Die Welle aus Süden ist zwar hoch aber sehr lang und so segeln wir mal bergauf, mal bergab. Das Wellenmuster ist merkwürdig, manchmal kann man kaum sagen, ob eine Welle auf einen zukommt oder wegläuft.

Am letzten Tag auf See frühstücken wir gemütlich im Cockpit, duschen und starten dann den Wassermacher. Innerhalb nur einer Stunde nimmt der Wind von drei Beaufort auf fünf bis sechs zu. Wir beschließen das zweite Reff wieder einzubinden. Dabei entdecken wir, dass an Deck ein (kaputter) Sicherungsring liegt. Das ist nicht gut, der fehlt irgendwo. Schnell stellen wir fest, dass er vom Lümmel stammt, d.h. von der Verbindung zwischen Baum und Mast. Das hätte sich spektakulär entwickeln können. Ein Hammerschlag bringt den Bolzen wieder an seinen Platz, ein neuer Sicherungsring hält ihn hoffentlich in Position.
Als Nobbi den Wassermacher spülen und ausschalten will, läuft die kleine Förderpumpe nicht. Ein Kabel ist lose, eine Sicherung durchgebrannt. Nobbi ersetzt die Sicherung und bastelt das Kabel wieder an. Die Pumpe läuft trotzdem nicht. Dann kippt der Elektrokoffer aus und die Ersatzteile ergießen sich auf den Fußboden. Stecker, Schalter, Schrumpfschläuche, Klemmen, Kabelschuhe und Werkzeuge. Leider haben wir in der Hektik eins der Ventile vom Wassermacher nicht geschlossen und so geht fast das ganze frisch produzierte Wasser wieder verloren. Es reicht, das Chaos ist groß genug. Wir sammeln alle Teile ein und beschließen den Fehler später am Ankerplatz zu suchen.
Zum Luftholen setzen wir uns ins Cockpit, kaum entspannen wir ein wenig, klatscht eine vorwitzige Welle an die Bordwand, schwappt über die Sprayhood und ergießt sich über uns. Mein frisches T-Shirt, die gerade gewaschenen Haare, die Kissen – alles ist nass.
Wenige Stunden später entscheiden wir uns für das dritte Reff. Der Wind nimmt immer weiter zu und außerdem sind wir zu schnell. Wir können Rodrigues heute nicht mehr erreichen und wollen, wenn irgend möglich, nicht im Dunkeln ankommen. Auch das Bimini packen wir wieder ein.
Nobbi hängt schon wieder kopfüber überm Wassermacher, er mag nicht warten und will das Problem finden. Zufrieden taucht er wieder auf. Die Pumpe schnurrt wieder. Es gab noch ein loses Kabel.
Der Seegang nimmt schnell zu. Leider kommen Wind und Welle von der Seite, von achtern wäre es netter. Abends haben wir 30 Knoten Wind, in Böen über 40. Das sind sieben Beaufort in Böen acht bis neun. Das wäre jetzt nicht nötig gewesen. Nach den ruhigen Tagen fällt es uns schwer sich wieder daran zu gewöhnen, an das Heulen des Windes und die heranrauschenden Wellen. Aber eigentlich geht’s ganz gut, Mari macht das schon. In der zweiten Hälfte der Nacht nimmt er Wind etwas ab. Trotzdem haben wir das Vorsegel so weit wie möglich verkleinert und das Groß weit geöffnet. Langsam segeln ist bei so viel Wind schwierig.

Um Mitternacht sehen wir die Lichter von Rodrigues. Als es gegen fünf langsam hell wird, können wir die grünen Hänge der Insel bereits gut sehen, falls sie nicht gerade in einem Schauer verschwinden.
Gegen sechs sprechen wir mit der Coast Guard, fahren in die Mathurin Bay, ankern dort vor dem Hauptort und warten auf weitere Anweisungen. Kaum ist der Kaffee fertig, werden wir angefunkt. Wir sollen ins Hafenbecken fahren und dort ankern. Das Hafenbecken ist eine rechteckige Fläche, die vor der Handelspier ins Riff gesprengt wurde. An der Pier liegt der Versorgungs-Frachter „Peros Banhos“.
Wir hatten erwartet eine ganze Reihe von Yachten zu treffen, doch außer uns, sind nur zwei weitere hier. Skyfall, die Yacht, die wir auf See getroffen haben, ist einen Tag vor uns angekommen, und Mehalah ankert gleichzeitig mit uns.

Ein Boot kommt längsseits und bringt die Offiziellen an Bord. Zwei sind von der Gesundheitsbehörde, einer von der Coast Guard, einer von der Hafenbehörde, einer ist zuständig für Drogen. Bei den anderen wissen wir es nicht. Alle sind sehr freundlich, wir füllen viele Seiten aus und bekommen erklärt, wie wir weiter vorgehen sollen.
Nach dem Frühstück pumpen wir gerade das Dinghi auf, als wir angefunkt werden, wo wir blieben. Wir sollen an Land kommen. Bei Immigration füllen wir zwei Formulare pro Person und zwei Formulare pro Boot aus. Im Nachbarbüro beim Zoll füllen wir acht Formulare (oder waren es noch mehr?) aus und anschließend zwei, die an die Hafenbehörde weitergegeben werden. Immer wieder Bootsname, Registrierungsnummer, Heimathafen, Passnummern. Nein, wir haben keine Fracht an Bord. Es geht flott, der Mann vom Zoll hilft ordentlich beim Ausfüllen. Das kannst du einfach weglassen, hier musst du nur unterschreiben. Und so weiter. Dann schenkt er mir einen Apfel, über den ich mich sehr freue. Wir haben vor zwei Tagen unseren letzten Apfel gegessen.
Als nächstes müssen wir eine Gebühr für die Inspektion durch die Gesundheitsbehörde bezahlen. Umgerechnet 35 Euro kostet der Spaß, kein Schnäppchen, aber es sind die einzige Gebühren, die bei der Einreise anfallen. Wir brauchen Bargeld und gehen zunächst zum Geldautomaten.
Zwei Minuten vor 14 Uhr finden wir den richtigen Schalter. Ein Schild informiert, dass man passend zahlen muss. Kleingeld haben wir nicht, versuchen es aber trotzdem. Die Dame wechselt unsere großen Scheine und wir bekommen eine Quittung. Dann schließt sie, der Schalter öffnet erst am Montag wieder. Glück gehabt!
Mit unserer Quittung können wir bei der Gesundheitsbehörde ein Einklarierungspapier bekommen. Das Büro befindet sich im Obergeschoss vom Marktgebäude. Ein Schild gibt die Öffnungszeiten an. Montag bis Freitag von neun bis zwölf. Wir hören, dass noch jemand im Büro ist, unterhalten uns etwas lauter und gucken durch alle Fenster. Es klappt, ein Mitarbeiter öffnet für uns den Schalter und übergibt uns das Dokument. Sehr nett, wie wir finden!

Nun sind wir mit den offiziellen Teil fertig und es beginnt die Kür. Auf dem Markt kaufen wir Ananas, Kiwi und Äpfel, dann reißen wir uns los. Die Bäckerei finden wir mit der Nase. Baguette und zwei Törtchen reichen für den ersten Hunger. Im Supermarkt wähnen wir uns im Schlaraffenland. All die feinen Dinge. Schinken, Butter, Käse (kein Cheddar-artiges Zeug das entfernt an Käse erinnert, sondern richtiger Käse!), dazu Rotwein und mauretanischer Rum. Mit leuchtenden Augen laufen wir durch die Gänge, bestaunen wunderbare Konserven (wie grüne Bohnen und saure Gurken) und Schokolade.
Unser letzter Einkauf in Belitung ist sechs Wochen her und war eher enttäuschend, seit dem letzten besser ausgestatteten Supermarkt sind zehn Wochen vergangen. Diese Auswahl an (bezahlbaren!) Leckereien haben wir seit Dili vor über einem Jahr nicht mehr gesehen.
Abends sind wir beim Nachbarboot auf einen Drink eingeladen, dann fallen wir sehr müde ins Bett.

Wir sind stolz auf uns und unsere Marisol. Die 2000 Meilen haben wir 15 Tagen und 20 Stunden zurückgelegt und waren damit etwas langsamer als gedacht. Einige Tage waren wir sehr schnell unterwegs, an anderen konnten wir gerade eben segeln. Der Indische Ozean ist seinem Ruf gelegentlich ein „nasty ocean“ zu sein gerecht geworden. Der Seegang war durchaus imposant. Unser drittes Reff hatten wir zuvor noch nie eingebunden.
Unser besonderer Dank gilt Mareike und Philipp, die uns immer dann via InReach mit Wetterberichten versorgt haben, wenn Starlink nicht kooperieren wollte. Inzwischen können wir an der Wellenhöhe ablesen, ob wir wohl eine Internetverbindung bekommen werden. Wie im richtigen Leben sind gute Freunde eben wertvoller als technische Gimmicks. Außerdem gibt es von ihnen neben den nüchternen Informationen auch aufmunternde Worte.

Unsere Windsteueranlage steuert Mari unermüdlich und fehlerlos.
Bei wenig Wind gibt’s Auslauf auf dem Vorschiff.
Wie genießen die ruhigen Tage.
Eine unvergessliche Walbegegnung
Sonnenaufgang auf See.
Mitten auf dem Ozean treffen wir die Yacht Skyfall.
Einfahrt nach Port Mathurin.
Die Offiziellen kommen an Bord.

Zwischen Cocos und Rodrigues

Heute (7.10.) ist Tag 13 unserer Überfahrt. Wir segeln Schmetterling, das Groß an Steuerbord, die Fock Backbord. Einige hübsche Wölkchen verzieren den blauen Himmel. Wir sitzen im Cockpit und lesen, in der Pantry kühlt der Vanillepudding ab. Ein traumhafter Segeltag. Auch gestern war es schon so schön. Zwar hätten wir ein wenig mehr Wind vertragen können, aber wenn es so gemütlich ist an Bord, will man sich nicht beklagen.
Es wird nicht so bleiben. Die Bewegungen der See werden langsam konfuser. Die Windsee kommt von achtern, eine lange Dünung kommt aus Süden, also von Backbord.
Auch die bisherigen Bedingungen waren, gelinde gesagt, abwechslungsreich.

Schweren Herzens gehen wir am 25. September Anker auf und verlassen die türkise Lagune von Cocos. Noch lange sehen wir die weißen Wattewolken, deren Unterseite grünlich die Lagune von Cocos Keeling reflektieren.
Die ersten zwei Tage sind wir mit moderatem Wind recht gemütlich unterwegs. Die Seebeine können langsam wachsen und wir finden in unseren Wachrythmus.
Am dritten Tag nimmt der Wind zu. Immer wieder haben wir Böen um 30 kn. Das sind sieben Bft. Vor der Nacht binden wir das zweite Reff ein und verkleinern die Fock. So sind wir die nächsten drei Tage unterwegs. Der Wind weht mit fünf bis sechs Beaufort und immer wieder haben wir siebener Böen. Es ist nicht gemütlich, aber wir sind flott unterwegs. Die Wellen werden immer höher und sind teilweise sehr konfus, dadurch ist das Leben an Bord sportlich. Jeder Handgriff will geplant werden. Lässt man seine Müslischale los, ist sie weg. 
Am siebten Tag haben wir durchgehend mindestens sechs Beaufort, die Böen erreichen acht Windstärken. Der Wind kommt südlicher und so segeln wir zwischen halben und raumem Wind. Die Böen können ihre Kraft voll entfalten. Zeit das dritte Reff einzubinden, zum ersten Mal auf dieser Reise. Der Wind heult im Rigg, die Geräusche machen Stress. Das Bimini macht Flap-Geräusche und knallt wenn eine Böen drunterfasst. Das nervt. Wir bauen es ab. Eine gute Idee, wir haben noch genauso viel Wind, aber es hört sich nicht mehr so bedrohlich an.
Die Wellenhöhe hat auf  4m zugenommen. Das heißt dazwischen gibt es auch sehr viel höhere Wellen. Überall weiße Kappen um uns herum. Der Seegang ist kein Problem, nur manchmal wird einem ein bisschen merkwürdig, wenn sich plötzlich so ein tiefes Wellental auftut. Mari stört das alles wenig, sie segelt unbeirrt immer weiter und weiter. Maris erste Besitzerin nannte ausgerechnet die Irische See ihr Heimatrevier. Ein Segelrevier, das für seine rauen Bedingungen bekannt ist. Diesem Umstand verdanken wir es, dass unser Rigg zusätzlich ein Babystag und Backstagen hat, und der Mast damit quasi besonders gut abgespannt ist. Backstagen können wirklich nerven bei diesem Wetter aber wir wissen sie jetzt zu schätzen.
Nahezu durchgehend fliegt Wasser ins Cockpit. Der untere Teil des Steckschotts sorgt dafür, dass das Wasser nicht in die Kabine kommt. Die Nachtwachen verbringen wir auf dem Fußboden sitzend. Dort kann man nicht um- oder runter fallen. Der Comfort Seat zwischen Navisitz und Pantry positioniert stellt sich als überraschend gemütlich heraus. Nur gelegentlich stecken wir die Nase raus um Luft zu schnappen und  sicherzugehen, dass hier niemand anders unterwegs ist. Ab und zu regnet es, merkwürdigerweise ist es eher Sprühregen, kein kräftiger Schauer.
Am neunten Tag, mittlerweile haben wir den dritten Oktober, nimmt der Wind ab, wir nehmen ein Reff aus dem Groß und sind weiter flott unterwegs. Noch immer gibt es diese Sprühschauer, aber dazwischen ist es nett.
Der nächste Tag erwartet uns mit schönstem Segelwetter: Sonne, blauer Himmel, der Ozean leuchtet in seinem schönsten Blau. Der Wind hat weiter nachgelassen, Zeit weiter auszureffen. Gerade sind wir mit dem Manöver fertig, erleben wir so einen wunderbaren Moment, der alle mühsamen, unbequemen, respekteinflößenden Segelstunden und -tage wegwischt. Eine Gruppe von Walen hat uns entdeckt und kommt neugierig näher. Es sind wohl etwa 15 Tiere, die größten vielleicht sieben oder acht Meter lang. Sie kommen ganz dicht ans Boot und schauen uns an. Dann schwimmen sechs Tiere nebeneinander direkt unter unserem Heck und drehen ihren Bauch nach oben. Ein unglaublicher Augenblick. Deutlich können wir die Pfeiflaute hören, mit denen sie sich verständigen. Immer wieder kommen die Tiere ganz dicht vorbei, bevor sie Kurs ändern und in der blauen Weite des Ozeans verschwinden.

Der Wind nimmt weiter ab und die Segel beginnen zuschlagen. Wir suchen einen Kurs und eine Segelstellung, bei der nicht ständig unser Rigg geschüttelt wird. Nach wenigen Stunden ist das schöne Wetter vorbei. Aus allen Richtungen ziehen große Wolken auf. Es ist verrückt,  es sieht aus als würden sich hier alle Wolken tummeln, die der Wettergott gerade nirgends unterbringen konnte. Die Wolken haben keinen Wind im Gepäck. Es bleibt schwachwindig und die zweite Hälfte der Nacht ist sternenklar.

Tag 11 unserer Überfahrt beginnt mit einem schönen Sonnenaufgang, das erste Mal auf dieser Etappe wird die Sonne nicht von großen Wolken versteckt.
Da wir weit südlich unserer Kurslinie stehen und mit dem schwachen Ostwind und der konfusen Dünung unseren Westsüdwest-Kurs nicht halten können, halsen wir. Gelegentlich schwächelt der Wind, dann fällt Mari in ein Loch und die Segel schlagen. Aber das Wetter ist wunderbar. Blauer Himmel und Sonnenschein, Zeit das Bimini wieder aufzubauen. Segeln kann so entspannend sein!

Das Tief nördlich von uns füllt sich nur langsam auf. Wir stellen fest, dass es einen Namen bekommen hat: „Ancha“. Quasi ein erster potentieller Zyklon der Saison. Das braucht man nun wirklich nicht. Es hat aber nur noch 25 kn Wind in seinem Zentrum und tut uns nichts. Südlich von uns kocht die Wetterküche und wird uns in den nächsten Tagen wohl eine hohe Welle schicken. Das hört sich ungemütlich an. Ein Grund mehr das schöne Wetter und die angenehmen Bedingungen zu genießen. Und Gelegenheit uns ein wenig zu pflegen. Ich habe nur einige blaue Flecken. Nobbis linker Arm schmerzt seit einem etwas verunglückten Dinghi-Anlegemanöver in Belitung und war gerade etwas besser geworden, als er in Cocos wieder bei einem Dinghimanöver an unserer Bordwand in Mitleidenschaft gezogen wurde. Das ewige Festhalten, sich Abstützen und die Reffmanöver dienten nicht der Schonung. Aber sein blaues Auge ist kaum noch zu sehen. Er ist von einer großen Welle durch die Kabine katapultiert worden, hat sich mit dem schmerzenden Arm am Küchenblock abgefangen und ist mit dem Kopf am Fensterverschluss aufgekommen.

Seit über einer Woche haben wir kein Schiff gesehen und jetzt treffen wir hier 1400 Meilen von Cocos entfernt eine Yacht, die einen Tag nach uns losgefahren ist. Das ist lustig und extrem unwahrscheinlich. Wir plaudern ein wenig über Funk mit der Crew der Skyfall, kurz darauf sehen wir einander nicht mehr.
Eine wunderschöne Segelnacht verwöhnt uns.  Wir wecken einander nun wieder mit Informationen zu Sternenbilder. „Ori (Bordslang für Orion) wartet schon auf dich, Venus und Mond sind nicht mehr zusehen, Jupiter steht nahe des Aldebaran“.

Abschiedsschmerz

Wir könnten immer so weiter machen. Ein bisschen am Boot tüddeln, ein Brot backen, spazieren gehen, baden, schnorcheln, mit den Krebsen spielen, die türkise Lagune betrachten und andere Segler treffen.
Zwischendurch gibt es mal einen heftigen Guss oder kräftige Böen. Bei mehr Wind baut sich eine kleine Welle in der Lagune auf, die dafür sorgt, dass wir bei Dinghi-Fahrten klatschnass werden. Deshalb fahren wir dann in Badezeug an Land. Warm genug ist es.
Morgen oder übermorgen werden wir weiterfahren. 2000 Meilen und zweieinhalb bis drei Wochen sind es nach Rodrigues, unserem Ziel. Wir hoffen auf eine unspektakuläre Überfahrt ohne Schäden.

Ein Spaziergang auf der Palmenallee.
Seglertreffen zum Sundowner.
Sonnenuntergang
Abends auf dem Weg zum Steg stolpern wir fast über diesen großen Palmendieb. Diese großen Krebse können durchaus siebzig Jahre alt werden!
Kokospalmen gab es hier schon bevor die Plantagen angelegt wurden.
Auf einem Boot gibt es immer etwas zu tun. Nobbi repariert den Kartentisch.
Auch im Paradies wird auf der Windseite Müll angespült.
Nobbi rettet ein Einhorn vom Riff.
Krebse werfen coole Schatten!
Der Strand ist so schön und der Sand so fein, dass sogar Strandmuffel Nobbi hier baden möchte.
Er, oder sie, zieht seit Stunden Kreise um unser Boot.
Im Abendlicht auf dem Steg.

Post aus der Kombüse

„Inga, was kochst du?“ Ich soll öfter schreiben, was wir kochen wenn wir weit weg von gut gefüllten Supermärkten unterwegs sind, nur vergesse ich das immer.

Quinoa Frühstück
Quinoa waschen und in einer Mischung aus Wasser und Orangensaft kochen. Dazu gibt es Apfelstückchen, getrocknete Aprikosen, Rosinen, gehackte Mandeln und Honig. Sehr lecker!

Wrap mit Ei
Ein (Rühr-) Ei (oder zwei, wenn die Versorgungslage das her gibt) in die Pfanne schlagen und einen Wrap aufs noch flüssige Ei legen so, dass die beiden eine innige Verbindung eingehen. Umdrehen und auch von der anderen Seite braten. Mit Tomaten, Gurken und Zwiebel belegen und großzügig würzen. Ketchup, Mayo oder Chilisoße helfen, wenn man keine Avocados hat (also meistens) oder zu faul ist eine Guacamole zu machen. Als wir keine Tomaten und Gurken mehr hatten, haben wir die Wraps mit gedünstetem Kohl belegt.

Möhren-Kartoffel-Puffer
Aus unseren letzten Kartoffeln habe ich Möhren-Kartoffel-Puffer gemacht. Möhren und Kartoffeln reiben, mit Senf, Salz und Pfeffer würzen, ein paar Haferflocken unterrühren und mit etwas Mehl binden. Eine Viertelstunde ruhen lassen und in Öl kleine Puffer braten. Dazu gab es einen Tsatsiki- ähnlichen Dip aus Joghurt.

Da wir nicht nur den Quinoa, sondern auch die Wraps und die Kartoffeln aufgegessen haben, wird es in den nächsten drei Wochen, bis wir einen Supermarkt erreichen, etwas anderes zu essen geben.

Ein Bootsschild für den Yacht Club

An einigen Orten ist es Tradition, dass Segler sich verewigen. Hier auf Cocos ist es üblich ein Schild mit dem Namen des Bootes zu malen und es an einer Palme oder am Yacht Club aufzuhängen. Die Bezeichnung Yacht Club könnte falsche Assoziationen wecken, es handelt sich um einen überdachten Sitzplatz mit Beleuchtung und einem großen Wassertank, in dem Regenwasser gesammelt wird.
Einige Basteleien sind sehr kreativ. Es gibt Schiffsmodelle und Fischerbojen bemalt als Globus, alte Flaggen und sogar ein Stück eines Segels. Es wurde lackiert, betakelt, geschnitzt, in Stein gehauen und sogar gestrickt. Die Kreationen bestehen aus allem, was sich an Bord findet oder am Strand gesammelt wird, folglich gibt es viele Werke aus FlipFlops.
Das älteste Schild, das wir gefunden haben, ist aus 2009, die meisten sind ziemlich jung. Zwischendurch hat wohl ein Sturm aufgeräumt oder die alten Schilder wurden abgenommen. Es macht Spaß nach Schildern von Crews zu suchen, die wir kennen.

Natürlich werden auch wir aktiv und ich bemale ein Stück Holz mit dem Marisol Schriftzug. Mir macht es Spaß, auch wenn ich immer etwas Angst davor habe eventuell eine Farbdose umzukippen. Alle fünf Farben kommen zweimal zum Einsatz und so bin ich einige Tage immer wieder beschäftigt. Um unser Schild aufzuhängen leihen wir uns eine Leiter bei einer kleinen Baustelle. Nobbi hat neben einem Schraubbolzen auch eine Unterlegscheibe, einen Akkuschrauber, Bohrer, einige Leinen und Bändsel und noch weiteren Kleinkram eingepackt und so hängt unser Schild nun weit oben an einer Palme.

Der Yacht Club mit den Schildern der Boote

Cocos Keeling: Schöner wird’s nicht

Die Lagune leuchtet in allem Blautönen von eisblau über türkis bis dunkelblau. Das Wasser ist so klar, dass man nicht nur Haie und Doktorfische sieht sondern auch jeden Seegrashalm und jede Seegurke. Der weiße Strand ist aus ganz feinem Sand, die Palmen rascheln im Wind. Wir werden nicht müde an Deck zu stehen und uns an den Wasserfarben zu freuen. Es ist unmöglich inmitten dieser Türkisität schlechte Laune zu haben.
Cocos Keeling, die Keelinginseln oder Kokosinseln, sind eine kleine zu Australien gehörende Inselgruppe, die aus zwei Atollen besteht. Nord-Keeling ist heute Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Wir ankern im südlichen Atoll, auf dessen Ring 24 Inseln liegen. Der Ankerplatz an dem Yachten stoppen dürfen, liegt vor Direction Island. Diese Insel ist unbewohnt, nur auf Home Island und auf West Island leben Menschen.

Knapp 600 Menschen nennen diesen abgelegenen Ort Heimat. Auf Home Island wohnen die Cocos-Malaien. Die Gemeinde umfasst etwas mehr als 400 Menschen moslemischen Glaubens. Die meisten nicht moslemischen Bewohner leben auf West Island. Die australisch-moslemische Gemeinde verdankt Cocos seiner ungewöhnlichen Geschichte.
Die Atolle wurden vermutlich 1609 von William Keeling, der Kapitän bei der Britischen Ostindien-Kompagnie war, entdeckt. James Horsburgh kartographierte die Inseln, nach ihm ist heute eine der Inseln benannt. Auf den Inseln strandeten einige Schiffe, deren Besatzungen sich daraufhin für einige Zeit hier aufhielten.
Nun wird die Geschichte gelinde gesagt skurril. 1826 wurde Alexander Hare von den Niederländern hier hergeschickt. Er war vorher Commissioner in Borneo gewesen. Er brachte seine malaiischen Leibeigenen und seinen 40-köpfigen Harem mit. Er, also vermutlich eher seine Arbeiter, legte Kokosplantagen auf drei der Inseln an. Nach Konflikten mit seinem Verwalter John Clunies-Ross verließ er die Insel. Dieser übernahm die autoritäre Herrschaft, führt eigene Gesetze und eine eigene Währung ein. Zwischenzeitlich müssen furchtbare Zustände geherrscht haben. Er und nachfolgend seine Söhne herrschten bis die australische Regierung 1968 auf die feudalen Zustände aufmerksam wurde und die UN schließlich einen Bericht forderte. Um den unhaltbaren Zustand zu beenden kaufte Australien der Familie Clunies-Ross die Inseln ab. Seitdem wird auf Kokos Keeling demokratisch gewählt, es gilt der australische Dollar und Australien kümmert sich um die Infrastruktur, wie Krankenversorgung und Schule.

1900 wurde ein Unterseekabel von West-Australien nach Cocos verlegt und weiter nach Rodrigues (bei Mauritius) und später nach Singapore. So wurden Australien und Europa verbunden. Bald kam ein Turm für die Funkverbindung mit Schiffen hinzu. Seit 1901 gab es auf Direction Island eine Station der britischen Telegrafie Firma. Auf Direction Island gab es Wohnhäuser, Büros und Freizeiteinrichtungen. Auf Grund der Strategischen Bedeutung spielte Cocos in beiden Weltkriegen eine kleine Rolle. 1914 tauchte das deutsche Kriegschiff Emden hier auf, mit dem Auftrag das Unterseekabel und die Funkverbindung zu zerstören. Das gelang teilweise, bevor die Emden wiederum von der Sydney so schwer beschädigt wurde, dass sie aufgegeben werden musste. Die Geschichte, wie die Besatzung der Emden mit einem schwer beschädigten Schoner nach Sumatra segelte und es von dort via Jemen zurück nach Deutschland schaffte, ist mehr als wild.
Auch im zweiten Weltkrieg wurde Cocos nicht verschont. 1944 fielen zwei japanische Bomben auf das Atoll und einige Menschen wurden getötet. 1945 waren hier für einige Wochen mehr als 8000 Soldaten stationiert.

Die Geschichte dieses kleinen Atolls kann man auf einem kleinen Wanderweg über Direction Island erkunden. Der Weg ist nur gute drei Kilometer lang, da alle paar hundert Meter ein Schild steht, das gelesen werden möchte, waren wir über zwei Stunden unterwegs.

Die Tage vergehen schnell. Rumgetüddel im Boots-Haushalt, baden, ein Inselspaziergang, Schnorcheln, Treffen mit anderen Seglern zum Sundowner an Land. Waren wir bei Ankunft das einzige Boot, herrscht nun ein stetes Kommen und Gehen. Wir freuen uns nette Segler kennenzulernen, viele werden wir wieder treffen, haben wir doch alle das gleiche Ziel.

Zwei sehr nette Australier laden uns zu einem Ausflug ein. Nur einmal in der Woche gibt es die Möglichkeit mit der Fähre nach Home Island zu fahren, dann kann man jedoch nicht weiter nach West Island fahren, weil man sonst die Fähre, die einen zurück nach Direction Island bringt verpasst. Mit dem großen Dinghi fahren wir nach Home Island und nehmen von dort die Fähre nach West Island. So haben wir die Möglichkeit beide bewohnte Inseln zu sehen.

Auf Home Island bekommen wir Australische Dollar am Geldautomaten und kaufen in dem kleinen Supermarkt ein. Natürlich sind die Inselpreise sehr hoch, aber wir freuen uns über frische Eier! Im Shire Office bezahlen wir die Ankergebühr für den Liegeplatz. Dann sehen wir uns etwas im kleinen Ort um und trinken Kaffee.
Eine moderne Fähre bringt uns auf die andere Seite der Lagune nach West Island, ein Bus fährt in den Ort. Wie nicht anders zu erwarten ist es hier sehr ruhig. Wir sehen uns bei der Tourismus Information um und besuchen die Polizei. Hier bekommen wir unsere Clearance, so dass wir nächste Woche weiter segeln können.
Zwar gibt es auf West Island einige Gästehäuser, ein Café, eine Bar, eine Galerie und zwei Restaurants, jedoch sind die Öffnungszeiten sehr übersichtlich. Die Galerie hat schon wieder geschlossen, ist zu Fuß nicht erreichbar und der Fahrradverleih hat nicht geöffnet. Mittagessen im Restaurant gibt es zwischen 11:30 und 13:00. Das Café, das andere Restaurant und die Bar sind zu. Nach dem Essen laufen wir die 4 km zurück Richtung Fähre und machen ab und zu eine Pause am Wasser.
Hier sehen wir einige Palmendiebe, die riesigen Krebse, die Kokosnüsse knacken. Die großen Exemplare laufen über den Weg, wollen dann aber nicht aus ihren Löchern kommen, die kleineren zeigen sich bereitwillig. Auf Direction Island haben wir diese besonderen Krebse bisher nicht gesehen, bekannt sind sie vor allem von Christmas Island.

Mit der Fähre geht’s wieder nach Home Island und mit dem Dinghy zurück zum Ankerplatz. In unserem kleinen Schlauchboot mit 3PS Motor wäre das eine sehr lange, mühsame und nasse Fahrt geworden. Wir danken Pete und Angus sehr für die Gelegenheit beide Inseln zu sehen und für die nette Gesellschaft.

Überfahrt nach Cocos Keeling

Die Lagune leuchtet in allen Blautönen. Unser Anker fällt ins glasklare Wasser, einige kleine Schwarzspitzen Haie begrüßen uns. Wir sind auf Cocos Keeling angekommen!

Eine Woche zuvor: Auf dem Indischen Ozean weht es kräftig und so schieben wir die Abfahrt nach Cocos Keeling noch etwas auf. Wir liegen in einer tiefen Bucht der Insel Sebuku in der Sunda-Straße und warten, dass der Wind auf dem Ozean weniger wird.
Manchmal liegen wir ganz alleine in der Bucht, manchmal ist sie stark frequentiert. Nachts sind viele Fischer in der Bucht aktiv. Sie fischen für einige Stunden an einem Ort, holen dann den Anker auf und fahren an eine neue Position. Fast alle Boote fischen mit weißem, gelbem oder grünem Licht. Die Bucht und auch wir sind meistens gut ausgeleuchtet. Den Strom für die Scheinwerfer liefern Generatoren, leise ist es nicht. Donald fährt im Gegensatz zu den Fischern gänzlich unbeleuchtet, dafür aber sehr flott durch die Bucht. Wir nennen das etwa 15m lange Schiff Donald, weil Donald Duck seinem Aufbau ziert. Auf Donalds Vorschiff brennt ein offenes Feuer, auf dem Garnelen gekocht werden. Donald prescht abends durch die Bucht und legt bei den Fischern an. Wir beobachten, wie verhandelt wird. Wird man sich einig, wandern Kisten mit Garnelen (und Tintenfisch?) zur Donald und Geldscheine zum Fischer.
Zusätzlich zu unseren zwei Ankerlampen hängen wir eine helle Lampe ins Cockpit, nicht dass Donald uns übersieht.
Tagsüber kommen Fischerboote in die Bucht um eine Pause zu machen, die Crews schlafen dann. Eins ankert dicht vor uns. Oft schwoit es nur wenige Meter vor uns durch. Das Schiff ist fast doppelt so lang wie wir und wir haben Angst dass er unser Rigg mit seinen furchterregenden Auslegern aufspießt. Umziehen können wir nicht, er liegt über unserem Anker. Stundenlang behalten wir ihn im Auge. Das ist etwas mühsam, da einer von uns nun immer an Deck sitzt.

Nachts ist die Bucht gut beleuchtet.
Uns ist es zu kuschelig. Der Fischer liegt auf unserem Anker und kommt bis auf wenige Meter an uns heran.

An Land trauen wir uns nicht. Wir sind ja bereits vor einer Woche aus Indonesien ausgereist und wollen unser Glück nicht auf die Probe stellen. Trotzdem gibt es eine rege Kommunikation mit den Dorfbewohnern. Jeder, der mit dem Boot vorbeikommt winkt und wir werden gefragt wo wir herkommen. Manchmal wird es uns etwas zu kommunikativ. Ein Boot fährt im Dunkeln mit weniger als einem Meter Abstand an uns vorbei. Sie waren nur neugierig und wollten gucken, wie wir unseren Abend verbringen.

Nobbi winkt einen Mann im Kanu heran und fragt nach Obst. Bananen? Andere Früchte? Und gibt ihm etwas Geld. Zwei Stunden später ist er wieder da und hat eine Staude grüner Bananen und eine Tüte reife Bananen dabei. Wir freuen uns, schenken ihm eine Dose Dänisches Buttergebäck und verabschieden uns. Auf dem Rückweg zum Dorf macht er bei verschiedenen Fischerbooten eine Pause und erzählt die Geschichte von den Seglern und den Bananen. Scheint sehr lustig zu sein. Am nächsten Tag kommt er wieder vorbei. Ein Karton mit mehreren „Händen“ Babybananen, eine große Staude grüner Bananen und eine Staude eckiger Bananen wandern zu uns an Deck. Wir lachen. Das sind zu viele Bananen für uns. Er glaubt, dass wir nun mit seinen Bananen nach Afrika fahren. Das ist im Prinzip ja nicht falsch. Die Kommunikation reicht nicht aus, um die Bananen auf nette Art abzulehnen. Also schenken wir ihm unser restliches indonesisches Geld (das sind nur wenige Euro). Er freut sich, wir freuen uns, alle sind glücklich und wir haben nun sehr viele Bananen an Bord. Es gibt ein Bananenbrot und das grüne Curry mit Aubergine und Banane ist ein voller Erfolg.

Er angelt eigentlich, wird aber gerne als Bananen-Taxi aktiv.
Hatten wir ein Keine-Bananen-Problem, haben wir nun ein Bananenproblem.

Am Montag geht es endlich los. Morgens regnet es und so verschieben wir unsere Abfahrt. Es nieselt immer noch, als wir den Anker hochholen.
Wir wollen dem Krakatau einen Besuch abstatten. Der berühmte Vulkan der 1883 so spektakulär ausgebrochen ist, beziehungsweise seine Reste und sein Nachkomme Anak Krakatau (Krakataus Kind), liegen in der Sunda Straße 20 Meilen von unserem Startpunkt entfernt. Dank es Regens sehen wir zunächst nichts. Mühsam schälen sich die drei Inseln, die einmal Teil des großen Vulkans waren aus den Wolken. Irgendwann erkennen wir im Grau auch den neuen Kegel, den Anak Krakatau. Wir runden die Insel Sertung und nähern uns dem Vulkan von Süden. Rauch steigt aus seinem Schlot auf. Natürlich hätten wir uns gewünscht den Krakatau bei besserem Wetter zu sehen und eventuell dort zu ankern. Trotz der schlechten Sicht ist es bewegend den berühmten Vulkan auf eigenem Kiel zu besuchen. Die Fotos werden im trüben Grau sehr bescheiden. Wir beschließen noch näher heranzufahren, als es wieder zu regnen beginnt drehen wir jedoch ab. Kurs Cocos Keeling!

Am Morgen der Abfahrt ist es regnerisch.
Die Krakatau-Inseln schälen sich aus den tiefen Wolken
In der Mitte liegt Anak Krakatau. Der neue Vulkankegel ist schon 800m hoch.
Es raucht aus dem Schlot des Anak Krakatau.

In den folgenden vier Tagen sind wir schnell, aber unbequem unterwegs. Mit halbem Wind, manchmal gar am Wind unterwegs. Abgesehen von einer Flaute, in der wir wild hin und her geworfen werden, sind die ersten beiden Tage sehr böig, die Windanzeige pendelt zwischen 15 und 28 Knoten. Am letzten Tag steht sie meistens zwischen 20 und 32kn, nur selten holt der Wind etwas Atem. Die Schauer der beiden ersten Tage machen das Leben an Bord unbequem. Die Wellen nehmen von zwei auf drei Meter zu und laufen oft konfus durcheinander. Mehrere Schwellsysteme scheinen sich zu überlagern.
Wir segeln die ganze Strecke im zweiten Reff. Wir sind schnell, wozu ausreffen? Später rechnen wir aus, dass wir im Schnitt mit 6,5 kn unterwegs waren, die letzten 24 Stunden gar mit 7 kn. Das ist für uns sehr flott, zumal wir die Fock verkleinern, wenn Mari beginnt abzuheben und in die Wellentäler zu knallen.

Es gibt einige kleine Schäden an Bord. Wirklich schmerzhaft ist der Bruch der Schlingerleiste am Navitisch. Eine Kleinigkeit, aber es sieht nicht schön aus und man ist ständig versucht sich dort festzuhalten. Wir werden es jetzt provisorisch reparieren und später dann ersetzen. Das ist das Gute bei Holz, man kann es gut reparieren.
Es ist etwas Wasser ins Schiff gekommen. Wir kennen viele andere Boote, wo es häufiger tropft. Bei uns nicht, wir verteidigen den Innenraum eisern. Lediglich die Püttinge der vorderen Wanten sind ein endloses Thema, egal wie oft wir die Dichtungsmasse erneuern. Nun leckt es durch den Schwanenhals, der die Kabel am Mast ins Bootsinnere führt, und es tropft auf meine Koje im Vorschiff. Ich schraube die Verkleidung unter der Maststütze ab und stopfe Lappen von innen in den Schwanenhals. Das hilft. Wir werden den Schwanenhals also doch wieder mit Silikon füllen. Das Tropfen im Vorschiff hört auf, als ich den Griff des Vorluks nicht nur schließe, sondern auch verriegle. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Griff, aber vorerst ist das Luk dicht. Die Handtücher, die die Matratze schützen blieben trocken.
Starlink (Satelliten Kommunikation von Elon Musk) stellt seinen Dienst ein. In den ersten Tagen rufen wir problemlos den Wetterbericht übers Internet ab, dann will das System sich einfach nicht mehr verbinden. Am Ankerplatz funktioniert es wieder. Unser brüchiges Vertrauen ist nun noch weiter eingeschränkt. Wir bereiten uns für die nächsten Abschnitte vor, als hätten wir kein Starlink und freuen uns, wenn es funktioniert. Gut, das wir noch die gute alte SSB-Kurzwelle an Bord haben und ein InReach Mini.

Zwischendurch ist es schön. Der klare Sternenhimmel, der sich gelegentlich zeigt, Delfinbegleitung, Mari, wie sie völlig unbeirrt ihren Kurs steuert. Der überwältigende Eindruck wie klein wir sind und wie groß dieser Ozean ist. Das unendliche Blau, die Wassermassen, die unter uns durch rauschen und immer neue Wellen formen.
Aber es ist auch hart. Durchhalten. Hörbuch hören und abwarten. Dadurch, dass Wind und Wellen von der Seite kommen ist es ungemütlich und laut. Immer wieder fliegt Wasser ins Cockpit. Sitzen kann man oft nur im Niedergang, selbst unter der Sprayhood werden wir mit Salzwasser geduscht. Der beste Platz an Bord ist definitiv die Koje an Steuerbord. Mir ist am dritten Tag noch immer flau. Nachdem es am ersten Abend Nudeln mit Tomatensoße gibt, reicht es an den drei folgenden Abenden nur für Reis mit Mango-Chutney. Ein Klassiker an Bord bei viel Wetter oder schwachem Magen. Morgens gibt es Müsli, ansonsten Brot, Kräcker, Müsliriegel und natürlich Bananen. Kulinarisches Highlight ist eine Pomelo, die wir noch in Malaysia gekauft haben.
Wir sind nicht allein. In den ersten Tagen vergeht keine Wache ohne Schiffsbegegnungen. Die Großen sind auf dem Weg nach Brasilien oder China. Und tatsächlich gibt es noch immer Fischer. Zum Glück sind es nur noch wenige und wir müssen unseren Kurs nur etwas anpassen.

Nach ziemlich genau vier Tagen, am Freitagmittag, sehen wir Cocos Keeling. Nur eine Stunde später sind wir im Pass. Der Schwell lässt nach, wir bergen die Segel und fahren in die traumhafte Lagune. Die Einfahrt ist gut betonnt und die Fahrt zum Ankerplatz einfach. Wir sind die einzige Yacht und haben die freie Wahl des Ankerplatzes vor Direction Island auf 4 Meter Wassertiefe über weißem Korallensand. Es weht mit satten fünf Windstärken. Jetzt, wo wir nicht mehr von den hohen Wellen durchgeschüttelt werden, stört uns das gar nicht. Im Gegenteil, der Wind weht durchs Schiff und trocknet unsere nassen Sachen.
Wir wissen schon jetzt: Cocos Keeling ist ein Traum.

Land in Sicht!
Hi Hai!
Cocos Keeling: ein Traum!

Ein kleines Resümee zum Abschied von Indonesien

Indonesien ist ein riesiges Land. 17000 Inseln und 280 Millionen Menschen. Tausende von Sprachen, verschiedene Religionen und viele lokale Bräuche. Einsame Inseln, weiße Strände, Riffe, hohe Berge Vulkane, Regenwald und Megastädte. Wir waren innerhalb des letzten Jahres zweimal mit dem Boot und zweimal mit dem Flugzeug in Indonesien. Wir haben kleine Inseln und große Städte besucht, das hinduistische Bali mit seinen vielen Touristen gesehen und ganz viele Eindrücke in kleinen Dörfern gesammelt und doch nur einen kleinen Teil Indonesiens erkundet.
Seglerisch hat Indonesien viel zu bieten, lehrt einen aber auch das Fürchten. In vielen Gegenden ist das Wasser recht tief und es ist nicht immer einfach einen Ankerplatz zu finden und manches Mal wurden wir von der speziellen Thermik überrascht. Wirklich schlimm sind aber die Fischer, mit ihren Netzen, ihren Fähnchen und den FADs, den verankerten Flößen, unter denen sich die Fische sammeln sollen, ihren abenteuerlichen oder fehlenden Lichtern. Als Zugabe gibt es den vielen Verkehr, die langsamen Schlepper mit ihren Anhängen, die kleinen Frachter, die Tanker und die Fähren.

Begeistert hat uns immer wieder die Neugier und Offenheit der Menschen, die Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und die Bereitschaft jederzeit mit einem oder über einen zu Lachen. Überall haben wir bisher nette Menschen kennengelernt, doch nirgends sind wir so regelmäßig und einfach mit Einheimischen in Kontakt gekommen wie in Indonesien. Wir haben mit Menschen aus ganz verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, Einkommensverhältnissen, Berufen und Bildungshintergrund gesprochen, mit Verkäufern und Offiziellen, mit Frauen, Männern und Kindern. Gemeinsam hatten sie das Interesse an Neuem und Fremdem, die Aufgeschlossenheit, die Herzlichkeit und das Lachen. Es hat sich unbedingt gelohnt etwas Bahasa Indonesia zu lernen. Unser Wortschatz reicht nicht für komplexe Unterhaltungen, aber für einfache Gespräche und ist ein Türöffner.

Entsetzt sind wir von den Mengen des Plastiks im Meer und dem Umgang mit Müll. Während wir dies schreiben werfen die Fischer auf dem Boot neben uns ihre Wasserflaschen und Chips-Tüten ins Wasser. Natürlich gibt es auch in Teilen Indonesiens eine Abfallentsorgung, Recyclingversuche und Kampagnen zum Umweltschutz, viele Regionen sind von diesen Maßnahmen aber sehr weit weg. An vielen Orten wird der Müll im besten Fall verbrannt und fliegt oft direkt ins Meer. Zu fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten kommen der großzügige Umgang mit Verpackungsmaterial und Plastiktüten, die winzigen Einheiten, in die Chips oder Erdnüsse verpackt sind, und die vielen Getränkeflaschen.
Natürlich sammeln wir unseren Plastikmüll und werfen ihn nicht über Bord. Wenn man mal wieder in einem Teppich aus Plastikflaschen, Styroporboxen und Chipstüten schwimmt, erscheint es sinnlos. Und, ich erwische mich bei dem Gedanken, dass wir unseren Planeten nicht vor uns Menschen werden retten können.

Betroffen macht uns auch die Radikalisierung des Islams. Entgegen unseren Erfahrungen auf früheren Reisen ist uns aufgefallen, dass Religion eine größere Rolle zu spielen scheint. Natürlich ist das sehr unterschiedlich in verschiedenen Regionen und auf verschiedenen Inseln. Als Durchreisende sammeln wir nur Eindrücke, sprechen mit einzelnen Menschen und beobachten. So erhalten wir natürlich lediglich ein löchriges Bild. Zunächst ist uns aufgefallen, dass man in vielen Gegenden nur noch schwierig Bier kaufen kann oder es zum Teil verkauft wird, aber nicht mehr auf der Karte steht (auf der alten Version der Karte schon, aber auf der neuen nicht mehr). Viele Frauen (subjektiv mehr als früher) tragen ein Kopftuch und auch schon sehr kleine Mädchen (mit ein oder zwei Jahren) müssen es tragen, zusätzlich gehört es für viele Mädchen zur Schuluniform. Auf Inseln oder in Gegenden, wo die Frauen stärker verschleiert sind, sind sie gleichzeitig weniger sichtbar im Straßenbild. Insbesondere in abgelegenen Gegenden werden sehr viele neue Moscheen gebaut. Wir lernen jemanden kennen der uns berichtet, dass er, nachdem er gefragt habe, ob man den scheppernden Lautsprecher des Muezzins ersetzen könnte, Besuch bekam, der ihm deutlich machte, dass sein Haus sehr gut brennen würde. Ein Hotelier, berichtet, dass sich viele Anwohner daran stören, wenn der Muezzin um 4:20 sehr laut ruft, aber dass sie sich nicht mehr trauen etwas zu sagen. Sie sind selbst alle Moslems und es geht um ihre eigene Gemeinde.
Uns macht es traurig, wenn der strenger ausgelegte Islam die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Indonesier und besonders der Indonesierinnen einschränkt.

Eine absolut nicht repräsentative Liste einiger unwichtiger Highlights:

  • der schönste Ankerplatz liegt im Westen Rincas
  • die beste Pizza haben wir in Labuan Bajo gegessen
  • die interessanteste Stadt war für uns Yogya
  • schönster Muezzin-Ruf nahe der Insel Titapan Besar, wie aus tausend und einer Nacht
  • das beste Essen gab es in dem traumhaft schönen Restaurant in Ubud
    Schon bei der schönsten Insel können wir uns nicht einigen, hier konkurriert das große Bali mit den kleinen unbekannteren Inseln. Auch beim schönsten Tempel sind wir uneinig und uns fallen so viele schöne Märkte ein, dass wir das kören der Highlights gleich wieder einstellen.

Wir sind ziemlich sicher, dass wir nicht das letzte Mal in Indonesien waren. Wir möchten gerne Sumatra bereisen und in Raja Ampat tauchen. Und dann gibt es auch noch Borneo und 17000 weitere Inseln. Indonesien kann einen verrückt machen. Die Bürokratie, die Fischer. Aber es hat einen vorderen Platz in unserer Hitliste sicher. Vor allem wegen seiner Bewohner.

Von Belitung zur Sunda-Straße

Am Tag nach dem Auschecken (Freitag, 30. August), gönnen wir uns noch einen kleinen Ausflug auf eine der Sand-Inselchen, bevor wir das Schlauchboot an Deck nehmen, von Sand befreien, trocknen und einpacken. Dann fahren wir um die Nordwest-Ecke der Insel und ankern ein paar Meilen weiter südlich. Nun sind wir schon mal unterwegs.
Wir liegen wir zwar recht geschützt, aber quasi direkt an der Hauptstraße. An der Hauptstraße der Fischer. Ein Tintenfischboot nach dem anderen passiert uns. Am späten Nachmittag fahren sie raus, bei Sonnenaufgang kommen sie zurück.
Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir fahren an Belitungs Westküste entlang nach Süden. Das Wetter ist schön, wir können teilweise segeln, bis der Wind mal wieder von vorne kommt. Wir sehen einige Frachter, die Küstenwache überholt uns und natürlich sind viele Fischer unterwegs. Eine Fähre kommt uns entgegen. Es riecht sehr aromatisch nach Gewürzen. Unsere Begeisterung über das leckere Essen verfliegt schlagartig, als wir durch den Teppich aus Styroporverpackungen fahren, die hinter der Fähre schwimmen. Anscheinend gab es auf der Fähre gerade Mittagessen und anschließend werden die Verpackungen einfach neben das Schiff gestellt. Leider haben wir jetzt schon öfter beobachtet, dass auf den Fähren der Müll kurz vorm Zielhafen über die Kante geworfen wird.

Wir ankern hinter der dicht mit Mangroven bewachsenen Insel Pulau Sikkindang. Bei Windstille hören wir leise die Geräusche der Industrieanlagen auf Belitung. An einer langen Pier wird dort irgendein Schüttgut verladen.
An diesem ruhigen Ort legen wir einen Tag Pause ein. Zeit zum Wäsche waschen, für die Routenplanung, etwas Bürokratie (wir müssen uns nun fast überall vorher anmelden), aber auch für ausgiebige Lesestunden und einen Film im Cockpit unter einem sehr schönen Sternenhimmel.
Als nächstes wollen wir an der Nordküste von Seliu, einer kleinen Insel südlich von Belitung ankern. Wir verlassen unseren Ankerplatz, der Wassermacher läuft und wir setzen die Segel. Minuten später kommt der Wind, mal wieder, genau von vorn. Wie der Strom. Es werden mühsame Meilen.
Immerhin scheint die Sonne und zwischen den Schatten der vorbeiziehenden Wolken können wir die Riffe gut sehen. Zum Glück, erkennen wir doch auch ein Riff, dass wir auf dem Satellitenbild nicht ausmachen können. Beim Segelbergen bekomme ich den Block der Großschot an den Kopf, zum Glück ist es nicht weiter schlimm. Meistens ist es bei uns Nobbi, der sich blutige Kratzer holt. Heute bin ich es, die eine dekorative Schramme auf der Stirn hat. Die Kopfschmerzen, die mir dieser kleine Zwischenfall dann doch beschert hat, sind am nächsten Morgen aber wieder verschwunden.
Am Ankerplatz hält ein Fischerboot mit vier Männern auf uns zu, sie zeigen uns, dass ihr Dorf auf der andern Seite der Insel liegt. Ob wir nicht dort ankern wollen?

Bis zu dem Ankerplatz in der Sunda-Straße sind es 210 Meilen. Die Sunda-Straße trennt die beiden großen Inseln Java und Sumatra und ist unser Tor zum Indischen Ozean. Wir hoffen, dass wir mindestens 100 Meilen segeln können, das wäre nicht nur schöner, sondern auch gut für unseren Dieselvorrat. Die nächste Tankstelle auf unserem Weg ist auf Rodrigues oder Mauritius. Im zweiten Teil der Strecke sollte der Strom uns schieben. Irgendwann unterwegs wird der Wind einschlafen, da sind sich die Vorhersagen einig.
Die Fahrt war sehr anstrengend, wir sind schöner und länger gesegelt als erhofft und uns wurde noch einmal (fast) alles geboten, mit dem Indonesien den Seglern das Fürchten lehrt. Über 150 Meilen konnten wir segeln, alles hoch am Wind. Mari hat mal wieder gezeigt, dass sie segeln möchte. Wir hatten keinen Regen und schöne Sonnenauf- und -untergänge.
In der ersten Nacht sind wir über drei Fischernetze gesegelt, wir haben blinkende Bojen und unbeleuchtete Fähnchen angetroffen, ein paar hin und her flitzende schwach bis gar nicht beleuchtete Fischer und einige der ankernden Fischer mit ihren hellen Lampen, die man sehr gut umfahren kann. Am zweiten Morgen erreichten wir die ersten Ölförderplattformen. In der Seekarte stand, es gäbe unbeleuchtete und nicht verzeichnete Strukturen, für uns war dieser Abschnitt aber eher unspektakulär. Nur zwei Türmchen waren nicht in der Karte, aber eine Bohrinsel fährt man garantiert nicht ausversehen über.
Die ganze Zeit war viel Schiffsverkehr. Das ist wenig überraschend, Indonesien ist ein riesiges Inselreich, alle Inseln wollen versorgt werden. Außerdem führen die Hauptschifffahrtsrouten wie Australien – China oder Australien – Singapur durch den Archipel. Die großen Frachter sind unproblematisch, sie sind natürlich korrekt beleuchtet, verfolgen einen kontinuierlichen Kurs, sind nachts über viele Meilen sichtbar und erscheinen auf dem AIS. Und dann gibt es die anderen. (Gar nicht mal so) kleine Tanker, lustige Frachter und die vielen Schleppverbände. In der ersten Nacht wecke ich Nobbi, weil ein Frachter, der gerade vor mir gequert hat den Kurs plötzlich um 90 Grad ändert und auf mich zu fährt. Ein vietnamesischer Tanker hat anscheinend ein Problem mit seiner Steuerung und schlingert wild hin und her. Kursänderungen um 60 Grad und mehr. Für uns ist das unangenehm, weil er direkt hinter uns fährt. Da er recht langsam ist, dauert das Überholmanöver eine Ewigkeit und immer mal wieder befürchte ich, dass er mich überfahren will. Ein Tanker hält auf Nobbi zu und zwingt ihn auf der falschen Seite des Fahrwassers zum Ausweichen nach Backbord. Das Gleiche macht er mit dem Schleppverband, der seit acht Stunden kurz hinter uns herfährt. Hier beschwert sich der Steuermann allerdings lautstark über Funk. Über Funk äußert auch der Wachgänger des Schiffs aus Madeira seinen Unmut und teilt den Schleppern vor ihm mit, dass sie zusehen sollen, dass sie wegkommen, er würde ihnen nicht ausweichen. Von einem 11m Segelboot wäre so eine Drohung wohl nicht so einschüchternd wie von einem 300m langen Containerschiff. Dass mir im Verkehrstrennungsgebiet ein Schlepper mit unbeleuchtetem Anhang auf der falschen Seite entgegenkommt, wundert mich gar nicht mehr.
Viel unproblematischer als erwartet ist die Querung der Fährstrecke Sumatra – Java. Auch nachts um zwei ist hier ein dichter Fährverkehr, vor dem in der Seekarte gewarnt wird. Wir sehen elf Fähren (alle ca. 190m lang) zwischen den Inseln und noch mal doppelt so viele an der Pier und am Ankerplatz. Alle Fähren haben AIS, so können wir die Abstände gut bestimmen. Eine Fähre kommt von Java und will vor Sumatra ankern, sie zeigt uns früh an, dass sie hinter uns passieren möchte und wir können einfach weiterfahren. Eine Fähre hat gerade von Bakauheni auf Sumatra abgelegt und ist schon mit 12 Knoten unterwegs. Wir drehen kurz auf sie zu um anzuzeigen, dass wir hinter ihr durchfahren wollen und schon ist sie vorbei.
Hier, hinter der nur 14 Seemeilen engen Stelle zwischen Java und Sumatra, wird es ungemütlich. Es ist stockdunkel und wir sehen die Wellen nur im Lichtschein der grünen Steuerbordlaterne, aber wir fühlen sie. Der Wind steht in die Meerenge und der Strom schiebt uns mit aller Macht aus der Javasee in den Indischen Ozean (oder zumindest die Sunda-Straße). Mari hüpft und fällt in die Wellentäler.
Wir sind schnell, viel zu schnell, noch drei Stunden bis es hell wird. Obwohl das Groß im zweiten Reff steht, rennt Mari. Wir bergen das Groß und geben nur so viel Gas, dass wir gut steuern können und sind immer noch mit fünf Knoten unterwegs.
Die letzten Meilen werden noch einmal spannend. Wir sind beide sehr müde und wollen ankommen, einen weiteren Adrenalinkick bräuchten wir nicht. Drei Schlepper, alle mit Anhang, kommen von vorne. Einer macht lustige Manöver, blinkt uns an und zwingt uns einen Halbkreis um ihn zu fahren. So ein Idiot. Einem schnell entgegenkommenden Gastanker können wir dann noch durch ein Vollgasmanöver entkommen.

Endlich wird es hell und wir erreichen unseren Ankerplatz. Wir sind nicht allein. Ein Schwarm aus Fischerbooten nähert sich ebenfalls der Bucht. Wir ankern und beobachten das Treiben. Die Boote legen an einem kleinen Steg an und verlassen diesen wieder, ankern in der Bucht und passieren uns dicht. Die Fischer winken uns zu und sind neugierig. Wirklich jede Region oder gar jede Insel hat einen eigenen Schiffstyp. Diese Boote haben einen schmalen Rumpf und unglaublich lange Bäume an denen sie ihre Lampen und Netze übers Wasser absenken und die tagsüber hochgeklappt werden.

Die Fahrt war anstrengend. Zwei Nächte haben wir kaum geschlafen. Wir freuen uns, dass wir so schön segeln konnten und dass wir nun endlich (am 5. September) unseren Absprungsort für den Törn über den Indischen Ozean erreicht haben.

Die Tintenfischfischer sind gepflegt und schön bemalt.
Ein Tintenfischboot auf dem Nachhauseweg.
Die Fähre, deren Gewürzduft wir bewundern und deren Müllteppich wir verfluchen.
Sonnenaufgang mit Bohrinseln über der Javasee
Eine schöne Ankerbucht auf Pulau Sebuku.
Kommen und Gehen am Steg.
Jede Region hat einen anderen interessanten Bootstyp.
Bootsreparaturen am Strand.