Von Penang nach Port Dickson

Wir verabschieden uns von Penang. Noch schnell einkaufen und dann geht’s los. Vorsichtig schieben wir Mari zwischen den großen Motorbooten raus, beide Nachbarn sind 15m länger als wir.
Vor der Marina ist ein riesiges Sperrgebiet. Landgewinnung ist das Stichwort. Hier entstehen zwei neue Inseln. Um dieses Sperrgebiet müssen wir drum herum. Abkürzen ist nicht nur verboten, sondern auch wenig empfehlenswert. Tag und Nacht werden hier Steine abgeladen und Sand aufgeschüttet.
Wir fahren zwischen Penang und dem Festland durch, das ist interessant. Wir passieren die uns nun wohl bekannte Altstadt und sehen die City Hall, den Uhrenturm und die vielen Häuser auf Pfählen. Die Swettenham-Pier ist frei, der Kreuzfahrer ist uns gerade entgegengekommen.
Von der Pier in Butterworth (am Festland) legt gerade ein Containerschiff ab und vor uns dreht ein Schleppverband. Das sieht zunächst interessant aus, denn es scheint als ob er uns entgegen kommt, in Wirklichkeit treibt er aber mit der Strömung rückwärts. Schließlich gibt der Schlepper wieder Gas und beginnt die Barge, die er schleppt zu drehen. Das kommt auch in keinem Bootsführerschein vor. Zwei lange Brücken verbinden die Insel Penang mit dem Festland, beide haben eine Durchfahrtshöhe von 28m, genug Platz für uns. Ganz im Süden der Ostküste Penangs finden wir einen guten Ankerplatz. Nachts haben wir eine schöne Aussicht auf die Lichter der 24 km langen, südlichen Brücke.

Die Gebäude mit den roten Dächern rahmen die Straits Quay Marina ein.
Schleppverband vor Georgetown
Penangs 24 km lange Südbrücke.

Am nächsten Morgen stehen wir um fünf Uhr auf. Sobald der Kaffee fertig ist, geht’s los. Fast 60 Meilen liegen vor uns. Die Etappe verläuft herrlich unspektakulär und am späten Nachmittag erreichen wir die kleine Insel Talang. Bei Einbruch der Dunkelheit werden einige Angler auf der Insel abgesetzt, die dort nachts mit beleuchtetem Köder angeln. Was es nicht alles gibt. Es regnet nachts und auch morgens, die Angler tun uns leid, wie sie auf ihren Felsen stehen. Bald tun wir uns auch leid, der Wind steht unangenehm auf den Ankerplatz und zusammen mit der gegenlaufenden Strömung entsteht eine ungemütliche Welle. Noch vor dem Frühstück machen wir uns auf den Weg nach Pulau Pangkor. Die Etappe heute hat nur 16 Meilen und wäre richtig entspannt gewesen, wenn wir nicht eine neue Art von Fischernetzen kennengelernt hätten. Vor uns taucht eine lange Kette von weißen Bojen auf, die kennen wir schon, denken wir. Normalerweise liegen die Netze tief und man kann gefahrlos zwischen den Bojen hindurch fahren. Die Netze, die an der Oberfläche liegen, haben deutlich mehr Bojen. Wir peilen eine Lücke an und erschrecken, als wir ganz kurz vor dem Netz sehen, dass es sich nur etwa einen halben Meter unter der Oberfläche befindet. Wir können nicht mehr stoppen. Mit einem leisen „Klöng“ taucht das Netz hinter uns wieder auf, Glück gehabt. Wir hatten ausgekuppelt, dann wickelt man sich das Netz wenigstens nicht um den Propeller. Aber trotzdem möchten wir ungern gefangen werden.

Bei unserer Ankunft leuchtet Talang in der Sonne.

Der Wetterbericht ist sich sehr uneinig. Wind aus Nord oder Süd. Schwell aus West. Schwierig, danach einen Ankerplatz auszuwählen. Wir verbringen einen schönen Sonntag in der Ankerbucht im Süden Pangkors. Das Wasser ist so klar, wie schon lange nicht mehr und endlich etwas kühler. Wir baden ausgiebig, nur ein weiteres Bad am Abend fällt aus. Nachdem wir hörten, dass in der Nähe ein französischer Segelfreund zu engen Kontakt mit einer Qualle hatte und sich ernsthaft verletzt hat, haben wir keine Lust mehr dazu.

Sonnenuntergang bei Pangkor. Der Beginn einer sehr kurzen Nacht.

Die vor uns liegende Etappe ist 80 Meilen lang. Zu lang, um es bei Tageslicht zu schaffen. Wir überlegen hin und her und entschließen uns sehr früh aufzustehen. Um Mitternacht klingelt der Wecker. Es ist sternenklar und wunderbar ruhig. Gleich südlich von Pangkor liegen eine Handvoll großer Schiffe auf der Reede. Eins bewegt sich, wir fahren lieber hinter ihm durch. Es führt drei rote Rundumlichter, das heißt, dass es tiefgangsbehindert ist. Das Schiff hat laut AIS einen Tiefgang von 23m. Wahnsinn. Es handelt sich um einen ganz großen Bulkcarrier, der 360m lang ist und Eisenerz transportiert.
Nachdem wir das Ankerfeld hinter uns gelassen haben, schicken uns Gewitterwolken ihre kühlen Böen, als der Wind abnimmt und es nur noch heftig blitzt, nähern wir uns einem Bereich mit vielen Fischern. Die sind leider wieder kreativ beleuchtet, man sieht also nicht wohin sie fahren. Wir sind froh, dass wir zu zweit sind und sie ganz gut im Blick behalten können. Die Blitze aus dem Gewitter erreichen vor uns nun auch die Wasseroberfläche, das ist sehr unheimlich, hat aber den Vorteil, dass wir die Boote um uns herum für einen kurzen Moment erkennen können. Als es hell wird, werden auch die Fischer weniger. Der Strom schiebt uns erst, bremst uns dann ein paar Stunden und läuft dann wieder mit uns. Die Genua darf ein bisschen mitziehen und wir kommen besser voran als erwartet. Als wir uns Port Klang nähern, wimmelt es wieder von Fischern, es ist aber problemlos möglich ihnen auszuweichen. Wir hängen noch zehn Meilen dran und erreichen den Ankerplatz gegenüber von Containerterminal in Port Klang am frühen Abend. 91 Meilen in 17 Stunden, das war ein langer Tag. Um halb neun fallen wir in die Koje und schlafen sofort ein.

Ein Fischer, der ein Netz schleppt.

Am nächsten Morgen stehen wir wieder früh auf und verlassen unseren Ankerplatz noch im Dunkeln. Der Sonnenaufgang wird von dunklen Gewitterwolken verdeckt und in den großen Wolken blitzt es mal wieder gewaltig.
Wir fahren entlang der kilometerlangen vollbesetzten Containerpier und müssen einem indonesischen Frachter ausweichen, der beschlossen hat auf unserer Seite zu fahren. Ein spannender Kontrast: indonesisches Holzschiff mit der Ladung in Säcken, neben vielen modernen großen Containerschiffen. Südlich von Port Klang liegen über 50 Schiffe im Ankerfeld. Der Hafen ist voll, sie warten alle auf ihren Liegeplatz. Wir schlängeln uns zwischen den Ankerliegern hindurch.
Auch heute läuft es besser als erwartet, der Seegang ist etwas unangenehm, aber wir können Segel setzen und sind so nicht nur schneller sondern auch bequemer unterwegs. Der Strom meint es gut mit uns und schiebt uns fast den ganzen Tag mit einem halben Knoten.
Kurz vor Port Dickson queren wir das Ankerfeld mit den großen Tankern, sehen am Ufer ein gewaltiges Kraftwerk und eine riesige Raffinerie und erreichen nachmittags nach 55 Meilen die Admiral Marina in Port Dickson.
Nach vielen langen Etappen haben wir uns eine Pause verordnet. Port Dickson selbst ist nicht so aufregend, aber ein ganz guter Ausgangspunkt für Ausflüge.

An der langen Pier sind alle Plätze belegt.
Kleiner hölzerner Frachter und große Containerschiffe
Port Klang verschwindet im Dunst.
Schiffe und noch mehr Schiffe auf der Reede von Port Klang.

Kek Lok Si Tempel

Dieser Tempel gilt als größter buddhistischer Tempel Malaysias und ist einer der größten Südost-Asiens. Der Name bedeutet etwa „Tempel des höchsten Glücks“.
Der Bau des Tempels wurde 1890 begonnen, zwanzig Jahre später eröffnet und ist seitdem quasi permanent im Bau. Es gibt mehrere Schildkrötenteiche und verschiedene kleine und große Andachtshallen. Am auffälligsten sind die siebenstöckige, 30m hohe Pagode und die riesige Kuan Yin Statue der Göttin der Gnade mit ihrem Pavillon.
Auf der Fahrt regnet es. Wir haben Glück, als wir ankommen hört es auf und wir erklimmen die vielen Stufen zum Tempel. Erst als wir fast fertig sind und nur noch zur Kuan Yin-Statue hinauffahren wollen, regnet es wieder. Wir investieren trotzdem 6 Ringgit (1,20 Euro) in den Aufzug, der uns an den Fuß der großen Statue bringt und schlagen Zeit in den Andenken-Läden tot. Unglaublich was für furchtbares Zeug verkauft wird. Winke-Einhörner sind noch eher harmlos gegen Mäusefamilien in blauem Glitzer.
Eine beeindruckende Tempelanlage, auf der es sehr viel zu sehen und viele Stufen zu erklimmen gibt. Unsere tierischen Highlights sind die Tempelkatze und die Kolibris im Garten.

Rettungsinsel-TÜV und Crew-Aufhübschung

Auf Penang sind wir nicht nur aus touristischen Gründen. Hier haben wir die Möglichkeit unsere Rettungsinsel warten zulassen.
In der kleinen Werkstatt von „Ocean Success“ werden wir nett begrüßt. Die Insel wird ausgepackt. Wir sind positiv überrascht. Obwohl sie seit Jahren an Deck liegt, ist kein Wasser eingedrungen. So soll es sein. Sie wird mit Druckluft aufgepustet und wir haben Gelegenheit sie uns anzusehen. Das Equipment wird sofort durchgesehen und Abgelaufenes ausgetauscht. Die Signalraketen sind überlagert, genau wie die Trinkwasserbeutel, und auch die Batterien in den Taschenlampen werden ausgetauscht. Wir verabschieden uns. Die Rettungsinsel muss zeigen, dass sie 24 Stunden die Luft hält bevor sie wieder zusammengefaltet, eingeschweißt und in ihrem Container verpackt wird. Zwei Tage später können wir sie wieder abholen.
Es war interessant sich die Wartung einmal anzusehen und auch eine gute Gelegenheit die eigene Insel kennenzulernen. Wir hoffen sehr, dass wir sie nie einsetzen müssen.

Natürlich liegt auch Bootsgetüddel an. Das Getriebe bekommt einen Ölwechsel, wir modifizieren die neue Starlink-Halterung und am dicken Radarkabel hat sich eine Verbindung gelöst und wird ersetzt. Die Sackkarre kommt mal wieder zum Einsatz. Wir laufen mit unserem leeren Kanister zur nächsten Tankstelle. Tanken macht Spaß, Diesel ist billiger als Cola und kostet 40 Cent/Liter. Der nicht so schöne Teil des Weges führt entlang einer dreispurigen Straße, auf dem interessanteren Teil des Weges beobachten wir junge Männer beim Cricket spielen und entdecken eine Ladenzeile, wo eine Apotheke all die Medikamente vorrätig hat, die noch auf unserer Liste standen.
Nicht nur Mari braucht Pflege, manchmal muss auch die Crew renoviert werden. Wir gönnen uns einen Friseurbesuch. Noch nie hatte ich so viel Schaum auf dem Kopf. Die Kopf- und Nackenmassage, die ich während der Haarwäsche bekommen habe, hat mich überzeugt.
Nobbi ist auch zufrieden mit seinem Haarschnitt und die Chefin bei „Ocean Success“ behauptet, er sähe aus wie George Clooney. Na dann!

Penang Hill

Seit 1923 gibt es die Standseilbahn auf den Penang Hill. Die höchste Erhebung Penangs ist 833m hoch, die Bahn bringt ihre Passagiere auf 780m. Die bewaldeten Berge waren schon während der Kolonialzeit ein beliebtes Ausflugziel und sind es bis heute. Wir und noch ganz viele andere wollen auf den Berg. Später erfahren wir, dass die einwöchigen Ferien gerade zu Ende gehen und deshalb viele malaiische Touristen unterwegs sind.
Eineinhalb Stunden stehen wir in der Schlange um innerhalb von 5 min unser Ziel zu erreichen. Oben angekommen, hat man einen fantastischen Ausblick über Georgetown. Es gibt Restaurants, Kioske, Fotostopps (Foto mit Papagei vor Leinwand oder Foto im Herz vor echtem Ausblick) und alle möglichen Bespaßungen. Uns interessieren die Spazier- und Wanderwege. Kaum hat man das Gewusel hinter sich, ist es ruhig, man kann den Blick genießen und die niedrigeren Temperaturen auf knapp 800m genießen. Die Wege führen meist im Schatten durch dichte Vegetation, an den wohl am schönsten gelegenen Häusern Penangs und an spektakulären Ausblicken vorbei. Wir sehen viele Tiere wie schwarz-rote Hörnchen, Eidechsen, Affen, Schmetterlinge und eine große Anzahl Vögel.
Uns gefällt es so gut, dass wir drei Tage später noch einmal auf den Berg fahren und eine andere Runde laufen.

Georgetown

Georgetown ist die quirlige Hauptstadt Penangs. Die britische Altstadt hat der architektonisch einzigartigen Stadt den Weltkulturerbe Status eingebracht. Am Wasser liegen neben dem alten Fort Cornwallis, die Town Hall und City Hall, sowie der Uhrenturm. Dies war das britische Verwaltungszentrum und auch heute sind hier hauptsächlich Verwaltungs- und Bürogebäude.
Das Gebiet, das vor allem von der alten, zweistöckigen Bauweise geprägt ist, ist erstaunlich groß. Viele Häuser wirken etwas verfallen oder renovierungsbedürftig, sind auf der anderen Seite aber auch nicht totsaniert. Zwei Seiten derselben Medaille. Uns gefallen die Wohnstraßen mit ihren Shophouses. Unten der Laden, oben die Wohnung. Dazwischen befinden sich Kirchen, Hindu-Tempel, buddhistische Tempel und Moscheen. Nachkommen indischer Einwanderer, Malaien und chinesischer Einwanderer stellen die größten Bewohnergruppen. Im Stadtkern fällt der chinesische Einfluss sehr auf, fast die Hälfte der Einwohner Penangs hat chinesische Wurzeln. Viele Straßenzüge sind in der Hand der Nachkommen chinesischer Einwanderer, das sieht man nicht nur an den Restaurants und den chinesischen Schriftzeichen an den Läden, sondern auch an den Kongsi, den Klanhäusern. Hier versammeln sich (Groß-)-Familien, Einwanderer gemeinsamer Herkunft oder mit demselben Beruf. Die Kongsi sind teilweise sehr prächtig und haben meistens einen eindrucksvollen Tempel. Chinesische Familien sind es auch, die auf Pfahlsiedlungen über dem Wasser wohnen. Wohnhäuser, Geschäfte und sogar Tempel stehen auf Pfählen über dem Wasser. Touristen dürfen sich die „Jetties“ ansehen, während der Besuch von Mitgliedern anderer Klans angeblich nicht gerne gesehen wird.

Wir wollen an einer Stadtführung teilnehmen, doch am Treffpunkt taucht niemand auf. Also ziehen wir auf eigene Faust los. Am nächsten Tag klappt es dann doch mit der Führung. Wir haben uns bei der Touri-Information angemeldet und sind die einzigen Teilnehmer. Nachdem wir einem geschichtlichen Überblick erhalten haben, machen wir eine schöne Runde durch die Stadt und werden auf viele bauliche Besonderheiten aufmerksam gemacht. Außerdem lernen wir viele interessante Kleinigkeiten und hören nette Geschichten, zum Beispiel kennen wir jetzt das Gebäude von dem der Opiumhandel kontrolliert wurde. Und wir erfahren, dass es einen Tempel mit einem Hinterausgang gibt, durch den gerade eben ein kleiner Chinese, aber auf keinen Fall ein Brite in Uniform passt. Der Opiumhandel und andere wenig legale Aktivitäten erforderten gelegentlich ein rasches Verschwinden.
Gemeinsam besuchen wir einen buddhistisch-taoistischen Tempel (wir erfahren, dass die Religionen hier ein wenig verschwimmen) und lernen, wie man um Hilfe bittet, durch ein Ritual schließlich eine Zahl bekommt, die einen dann zu einem Text führt, der eine Geschichte und Ratschläge enthält. Sehr modern per QR-Code, wenn man möchte.

Unsere Stadtführerin empfiehlt uns auch ein Nyonya Restaurant. Die nyonya oder peranakanische Küche, ist eine Mischung aus chinesischer und malaiischer Küche mit vielen Gewürzen und farbenfrohen, süßen Leckereien. Hier essen wir hervorragend. Wir probieren uns durch lauter Kleinigkeiten. Meine Favoriten sind die „Empanadas“ (viele Grüße nach Argentinien), die Teigtaschen sind hier mit Hühnchen-Curry gefüllt. Um in den Gastraum zu kommen läuft man durch die Küche. Das ist nicht nur interessant, sondern schafft auch Vertrauen.
Überhaupt kann man hier hervorragend essen. Im Indisch-malaysischen Restaurant schmeckt es so gut, dass wir anschließend das Abendessen ausfallen lassen müssen. Wir haben einfach zu viel gegessen. An einem anderen Tag landen wir zufällig beim besten Käsekuchen außerhalb Deutschlands.
Georgetown, ist nicht nur kulinarisch, einen Besuch wert!

Es knallt

Klack! … Klack! … klack … Klack!
Knallkrebse oder Pistolenkrebse sind um uns herum unterwegs. Das komische Knallen hören wir, als wir im abends im Cockpit sitzen. Mit einer Taschenlampe leuchten wir ins Wasser und sehen hunderte dieser merkwürdigen Garnelen. Sie sehen etwa so aus wie ein kleiner Langustino oder eine Crevette (kennt ihr vielleicht von der Speisekarte) und haben zwei Scheren, wobei eine deutlich größer ist als die andere. (Alpheidae ist eine artenreiche Garnelenfamilie, unsere Exemplare sind ziemlich groß über 10 cm, haben einen breiten Schwanzfächer und sind bräunlich). Sie besitzen eine Spezialschere, mit der sie einen Wasserstrahl ausstoßen, der eine Kavitationsblase erzeugt, deren Implosion den Knall hervorruft. Klingt kompliziert? Ja. Physikalisch schon ziemlich abgefahren. Hinzukommt, dass die Implosion der Blase zu Sonolumineszenz führt, zur Aussendung eines Lichtblitzes. Der Shrimp muss das nicht verstehen, er nutzt den Wasserstrahl zum Beutefangen oder im Kampf mit Artgenossen.

Wir liegen hinter der kleinen Insel Pulau Bidan, etwa 40 Meilen von Langkawi entfernt. Wir haben unsere Etappe hier unterbrochen. Die Reise hierher war angenehm, immerhin konnten wir einen Teil der Strecke segeln und waren schneller als erwartet.
Die Nacht zuvor verbrachten wir in Langkawi bei Pulau Singa Besar. Ein schöner Ankerplatz und eine sehr ruhige Nacht. Während der Dämmerung, sowohl bei Sonnenaufgang, als auch bei Sonnenuntergang, erfüllte ein wunderbarer Blütenduft die Luft. So ähnlich wie Jasmin. Ein schöner Abschied von Langkawi, das uns sehr gut gefallen hat.

Überfahrt von Pulau Bidan nach Pulau Penang ist sehr grau. Erst spät schälen sich die Hochhäuser aus dem Dunst und wir sehen die Insel. Kurz von Penang ist wieder mehr Verkehr. Ein kleineres Containerschiff verlässt den Hafen, ein Schleppverband kreuzt unseren Weg dicht unter Land, das schwimmende „Casino Cruise Ship“, mit dem man Criuses to Nowhere ab Penang unternehmen kann, ist auch wieder da und wir sehen viele Bagger. Im Nordosten Penangs wird eine neue Insel aufgespült. Dicht hinter dieser zukünftigen Insel liegt die Straits Quay Marina, in der wir einen Platz reserviert haben. Die Einfahrt ist sehr flach, wir fahren ganz langsam, weil wir manchmal nur einen halben Meter Wasser unterm Kiel haben, kommen aber heil in die Marina. Mari findet ihren Platz neben einer großen Motoryacht. Manchmal ist es ein Vorteil, wenn man in die kleinen Lücken passt.
Einige Tage werden wir Penang erkunden, bevor wir unseren Weg nach Süden fortsetzen.

Ein treibender Baumstamm nimmt Kurs auf uns.
Segelwind!
Die Hochhäuser Penangs kommen in Sicht.
Mari passt in die kleine Lücke.

Fleißige Tage und ein unfreiwilliges Bad

In Kuah legen wir souverän an, trotz Strömung von der Seite. Nach dem Chaos bei unserem Anlegemanöver in Rebak vor gut einer Woche, ist das erwähnenswert. Unser Helfer hat wirklich alles getan um das Manöver zu sabotieren und war damit dieses Mal auch ziemlich erfolgreich. Er hat es geschafft das Schiff gegen unseren Willen aufzustoppen noch bevor wir in die Box gefahren waren, hat dann die Vorleine aber ins Wasser fallen lassen und stand im Weg. Das Kuddelmuddel war perfekt. Am Ende lag Mari am Steg und ich schwamm im Hafenbecken.

Die Woche in Rebak ist schnell vergangen. Eigentlich wollten wir gar nicht so lange in Langkawi bleiben, sind aber guter Dinge, weil wir viel geschafft haben. Ein neues Solarpanel soll uns mit mehr Strom versorgen und wird bei Bedarf auf dem Bimini liegen, den Regler haben wir im Elektroschrank eingebaut (der früher mal ein Kleiderschrank war) und ein langes Kabel mit den entsprechenden Anschlüssen vorbereitet. Die Sprayhood hatte einige durchgescheuerte oder durchgesonnte Nähte und auch am Bimini wollten einige Nähte erneuert werden. Schon vor einigen Wochen haben wir eine Starlink-Antenne gekauft, die es ermöglicht via Satellit im Internet zu surfen. Nun haben wir die Halterung, die wir anfertigen lassen haben, abgeholt. Am aufwendigsten war es jedoch das Kabel durchs Schiff zu legen insbesondere, weil wir kein neues Loch ins Deck bohren wollten.

Der Wassersammler im Auspuff, hatte eine kleine Stelle, wo wir vermuteten, dass es leckt. Deshalb hatten wir in Deutschland ein Ersatz gekauft (extrem praktisch im Gepäck, wiegt zwar wenig ist aber sehr unförmig). Als wir das alte Teil ausbauen stellen wir fest, dass der Schaden viel größer ist als gedacht, auf der Unterseite war das Ding ziemlich korrodiert. Das neue Teil ist aus Plastik, das alte aus Edelstahl und natürlich sind die beiden völlig unterschiedlich geformt. Wir bestellen einen längeren Auspuffschlauch, damit wir das Plastikteil einbauen können, und fragen Frederick, ob er das alte Teil schweißen kann. Frederick hat auch unsere Antennenhalterung gebaut und ist der Mann für Edelstahlarbeiten. Er repariert den alten Wassersammler innerhalb rekordverdächtiger zwei Tage und macht uns damit sehr glücklich. Frederick, kann nicht nur mit Edelstahl umgehen, sondern spielt auch toll Gitarre und hat eine sehr schöne Stimme. So kommt es, dass wir das reparierte Teil bei live Musik an der Bar abholen.
Jetzt haben wir nun gleich zwei mögliche Lösungen und entscheiden uns das alte Teil einzubauen und das neue als Ersatz zu behalten. Weil wir gerade dabei sind bekommt der Motor noch Streicheleinheiten. Wir wechseln Motoröl und Filter.

Mit einer langen Einkaufsliste tigern wir durch den chinesischen Supermarkt und bekommen fast alles, sogar Kartoffelpüree. Nun ist Maris Bauch wieder gut gefüllt ist und wir werden bis auf weiteres nicht verhungern werden.

Wir sind eigentlich erstaunt, dass wir so gut vorangekommen sind. Es ist noch immer sehr heiß. Die Wetter-App sagt gerne 36 Grad, gefühlt wie 45. Mal denken wir, dass wir uns langsam dran gewöhnen, dann ist es wieder ganz schlimm. Wir haben das Gefühl zu schmelzen und trinken unglaubliche Mengen Wasser. Die T-Shirts können regelmäßig ausgewrungen werden. Jede Dusche ist eine willkommene Erfrischung, auch wenn man das Gefühl hat, es lohne sich nicht. Minuten später ist man wieder schweißnass. Ich habe jetzt auch am Hals Pusteln, die meistens jucken, manchmal verwandelt sich das in einen stechenden Schmerz. Hoffentlich verschwindet das bald wieder. Ich träume von Nieselregen und lese Krimis die im Winter nördlich vom Polarkreis spielen oder im Südwinter in der Antarktis.

Rebak hat uns wieder gut gefallen und den täglichen Morgenspaziergang haben wir beibehalten. Mal treffen wir einen großen Waran auf dem Weg, mal beobachten wir die Reiher beim Frühstück. Kolibris landen auf dem Dinghi des Nachbarboots, es gibt viele schöne Schmetterlinge und wir sehen Delfine von der Terrasse des Hotels. An den vielen Nashornvögeln und ihrem lustigen Flugstil kann ich mich nicht satt sehen, nur mit den Fröschen in der Damentoilette bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden.

In Kuah verbringen wir nur eine Nacht und besuchen die Behörden. Da wir Langkawi verlassen, brauchen wir eine „domestic clearance“.

Vermutlich besser als neu.
Das gute Stück ist wieder an seinem Platz.
Auch am Bimini wollen einige Nähte erneuert werden.
Ich brauche keinen Prinzen und mag Frösche draußen, aber nicht auf der Toilette.

MariChen und Schnurrbert

Wir haben begonnen die „Feststellung des Tages zu küren. Hier eine kleine Auswahl: „Fischer sind gut vernetzt“, „Mein Geduldsfaden weist eine geringe Thermostabilität auf“, „Unsinn ist schwerer als Wasser“, „Nobbi wird in der Achterkammer nasser als im Pool“. Ihr seht, nicht alle sind von philosophischer Tiefe geprägt, man kann jedoch ein wenig eruieren, was die bestimmenden Themen sind. Die Hitze.
Nach drei Tagen in Kuah sind wir nach Rebak umgezogen. Wir dachten, wir könnten auch tagsüber fleißig sein und abends im Pool baden. Das Baden funktioniert ausgezeichnet, allerdings haben wir den Eindruck, dass es in Rebak noch heißer ist, insbesondere in der Marina.

MariChen, das neue Schlauchboot, musste noch getauft werden. Die feierliche Zeremonie fand am Steg statt, inklusive sehr süßem Bubble-Getränk und Taufrede. Dann haben wir Schnurrbert in Betrieb genommen. Schnurrbert ist unser neuer Außenborder. Ein 3,3 PS Mercury, den wir in Kuah gekauft haben.
Wir hatten keine Lust mehr mit zwei kaputten oder nur etwas funktionierenden Außenbordern durch die Gegend zu fahren. Der Honda hat uns schon in Thailand verlassen, nachdem er dort nicht mehr anspringen wollten. Er hatte schon diverse Reparaturen hinter sich und außerdem ein stolzes Alter erreicht. Der kleine Suzi hatte letztes Jahr auf dem Rückweg vom Einklarieren in Vanuatu einen Getriebeschaden, so zumindest unsere Vermutung. Wir hatten ihn reparieren lassen, anscheinend war diese Reparatur nur eingeschränkt erfolgreich. Erst lief er nur zögerlich, dann hat Nobbi zwei Stunden an ihm herumgeschraubt, er lief, um nach etwa 50m wieder den Dienst zu quittieren. Wir haben ihn als Ersatzteilspender an einen Nachbarn verschenkt, der den gleichen Motor hat.

Der Motorkauf war lustig. Per WhatsApp haben wir uns bei verschiedenen Läden erkundigt welche Außenborder sie, zu welchem Preis, vorrätig haben. Dann sind wir zu der Adresse gefahren und haben in einem wunderbar wuseligen Laden, der Motorräder und Außenborder repariert und verkauft, und in dem eine unübersehbare Anzahl von Mitarbeitern herumschwirrte nach dem Motor gefragt. Es gab ein wenig Verwirrung, doch dann tauchte er auf. Dass wir den Motor per „Grab“ mitnehmen wollen sorgt für allgemeines Gekicher. Auch der Fahrer findet es lustig, ob wir Ersatzteile gekauft haben will er wissen.
Die amerikanische Anleitung zu dem Motor, der nicht in den USA verkauft werden darf, gibt interessante Tipps zum Bootfahren. Wir sollen Signalraketen, Rettungswesten, einen Anker, einen Feuerlöscher, … und Ersatzteile für den Motor mitnehmen. Eine interessante Packliste für ein kleines Boot, das mit einem 3,3 PS Außenborder angetrieben wird.

Wir hoffen, dass wir mit MariChen glücklich werden und natürlich auch mit Schnurrbert. Freunde dürfen ihn übrigens Schnurri nennen.

Nobbi und der neue Außenborder vorm Laden.
MariChen wird getauft.
Nobbi ist zufrieden.
MariChen lässt sich auch ganz gut rudern.

Ein kleiner Schreck und eine angenehme Reise

Samstagmorgen verlassen wir schließlich die AoPo Marina, natürlich nicht ohne ein letztes Mal im Pool geschwommen zu sein. Wir hatten es gut hier, auf Dauer gefällt uns so eine Luxusmarina, in der lauter schwimmende Auslandskonten geparkt sind, jedoch nicht.
Mühsam legen wir die Strecke nach Koh Phi Phi zurück, wir haben kaum Wind, dafür Gegenstrom. Auf der Insel steppt der Bär, zur normalen Belegung kommen die Kreuzfahrer, deren Schiff weiter im Süden ankert. Wir merken davon wenig. Unser Ankerplatz ist ruhig, das Wasser super klar und wir baden ausgiebig.
Als wir morgens den Anker aufholen, freue ich mich über die sehr großen Fische unterm Boot, die alarmiert um uns herum schwimmen, als ich Gas gebe. Dann kommt Nobbi ins Cockpit und stellt fest, dass der Motor komische Geräusch macht. Ein Blick über die Kante ergibt: viel zu wenig Kühlwasser. Wir drehen um und ankern wieder am selben Platz. Der Kühlwasserfilter ist etwas schmuddelig, doch das kann nicht die Ursache sein. Der Übeltäter ist schnell gefunden, der Impeller der Kühlwasserpumpe hat nur noch zwei Flügel, drei weitere stecken im Gehäuse, der sechste fehlt. Der fehlende Flügel findet sich vorm Wärmetauscher. Wir haben nicht nur einen neuen Impeller, sondern auch einen neuen Deckel für die Wasserpumpe und eine Dichtung an Bord, eine unproblematische Reparatur. Nobbi schwitzt so sehr, dass er tropft und sicherlich einen Liter Wasser verliert. Wir müssen den Boden wischen und ich schraube die Pumpe zu, Nobbi ist einfach zu nass um mit einer Papierdichtung zu arbeiten. Wir sind erleichtert, dass es eine relativ einfache Sache war und wir die Ersatzteile an Bord hatten. Wenn das nachts oder im Gewitter passiert wäre, oder wir es nicht so schnell gemerkt hätten…
Der nächste Abend bei Koh Kradan ist wunderschön und sehr kitschig. Es ist ganz ruhig, die fluffigen Wölkchen, die den Sternenhimmel dekorieren, werden von Fischern, die wir nicht sehen, grün angestrahlt und am Ufer spiegeln sich die Lichter der kleinen Hotelanlage im Wasser.
Die Rückreise nach Malaysia ist schöner, als der Hinweg. Die Sicht es besser. Wir sehen die Inseln diesmal in Farbe und nicht nur im Dunst. Die einsetzende Regenzeit hat Bäume, die vor einer Woche noch kahl waren, zum Austreiben angeregt und die Inseln sind von einem frischen Frühlingsgrün überzogen. Besonders fällt uns das an unserem letzten thailändischen Ankerplatz im Norden von Tarutao auf.
Der Plastikmüll im Meer lässt uns verzweifeln, wir schätzen, dass wir alle 30 m eine Plastikflasche treffen. Manchmal schwimmt ein paar hundert Meter nichts vorbei, manchmal kommen alle 20 cm FlipFlops, Flaschen oder Tüten vorbei. Zum Glück sehen wir auch einen springenden Rochen, große Fischschwärme und einen Delfin. Wir treffen den Delfin an der gleichen Insel, an der wir auch auf der Hinreise einen Delfin gesehen haben, es handelt sich jedoch um ein anderes Tier. Dieses hat große rosa Flecken. Ein Sonnenbrand? Eine Verletzung? Oder eine Hautkrankheit?
Ab und zu konnten wir segeln und sind zügig zurück nach Langkawi und damit nach Malaysia gekommen. Flott verläuft auch die Einreise. Wir dürfen wieder 90 Tage bleiben.
Ein paar Tage wollen wir in Langkawi bleiben, ein wenig Kleinkram erledigen, einkaufen und es uns gut gehen lassen, bevor wir den langen Weg durch die Malacca-Straße antreten.

Der muss neu.

Stromausfall und Feiertag

Es wird Zeit auszureisen. Wir werfen uns in unser Behördenoutfit und fahren nach Chalong. Dort erfahren wir, dass der Strom ausgefallen ist und wir deshalb nicht auschecken können. Wir sind etwas ratlos. Schließlich erklärt sich die Mitarbeiterin vom Hafenbüro bereit uns zu informieren, falls der Strom zurückkommt. Dafür werden wir kurzerhand Facebook-Freunde. Ich kenne nun tatsächlich eine Asiatin, die kein WhatsApp nutzt. Ein kleiner Spaziergang bringt uns in ein nettes Café, wo Saft und kalter Kaffee ungesüßt sind (hier ist das eine Erwähnung wert) und eine Zeitung ausliegt! Als wir gerade überlegen, wie lange wir Zeitung lesen wollen oder ob wir für heute aufgeben, ist der Strom zurück. Um zehn vor zwölf treffen wir an den Büros ein, zehn Minuten vor der Mittagspause… Wir haben Glück und kommen trotzdem dran. Beim Zoll frage ich, weshalb auf unserer Clearance vom Hafenmeister so komische Daten stehen. Das Dokument ist wieder (wie bei der Einreise) falsch. Die Dame vom Zoll besorgt für uns ein neues Papier, das nicht schon vor Ausstellung ungültig ist.
Ich mag es gar nicht schreiben, wir haben schon wieder Feiertagszuschläge bezahlt. Meine oberflächliche Recherche ergab keinen weiteren Feiertag in dieser Woche. Nachdem wir erfahren hatten, dass es der Tag es Pflugs ist, fanden wir dazu auch Informationen. Er gilt nur für Behörden und hat eine nette Geschichte. Unsere Taxifahrerin beim Einklarieren hatte uns davon erzählt, sie hatte Krönungstag und Pflug-Tag verwechselt. Die Pflug-Zeremonie findet zu Beginn der Reisanbausaison statt. Verkürzt dargestellt, bekommen die Ochsen, die während der Feierlichkeiten den Pflug ziehen, unterschiedliches Futter angeboten. Aus ihrer Wahl lässt sich eine Vorhersage über die zu erwartende Ernte treffen. Eine Art Ochsenorakel. Das wäre vielleicht auch was für die kommende Fußball-EM.
Nun ist es ohnehin viel später als geplant. Wir beschließen essen zu gehen und lassen uns zum netten Restaurant vom letzten Mal bringen. Wir werden herzlich empfangen und essen wieder ausgezeichnet. Dieses grüne Curry!
Anschließend kaufen wir ein und kommen erst nach fünf Uhr zurück beim Boot an. Wir verstauen unsere Einkäufe und gehen an (oder eher in) den Pool. Die Abreise haben wir auf den nächsten Morgen verschoben.

Im Beitrag vom Schlauchbootkauf fehlten Fotos vom neuen Begleiter. Unser neues Beiboot haben wir inzwischen aufgepustet, ausprobiert, wieder eingepackt und natürlich fotografiert. Das Titelbild zeigt die lange Pier von Chalong.

Warum die Boote drei Motoren haben? Mehr passen nicht dran…