Ein großer Schritt nach Süden

Von Pulau Kentar an die Südspitze der Insel Lingga sind wir schneller als erwartet. Der Wind kommt völlig überraschend aus Südwest. Wir freuen uns über ein paar Segelmeilen. Die Böen werden immer stärker, der Wind dreht auf Süd und die es entsteht eine steile, hohe Welle. Als wir den geplanten Ankerplatz ansteuern, sind wir froh, dass wir nicht weiterfahren müssen. Wir sind beide ziemlich kaputt. Es war den ganzen Tag dunkel und grau, was zusätzlich auf die Stimmung schlägt.
Nobbi fragt mich, ob ich nicht langsam mal in die Einfahrt einbiegen wolle. Ich verstehe ihn nicht, sieht doch alles super aus. Laut der Seekarte am Bord PC fahren wir nicht nur übers Riff, sondern mitten über die Insel. Die Karten auf Plotter und Tablett scheinen richtig zu sein. Kein Wunder, dass Nobbi nervös wurde. Nervös bin ich auch. Die Welle, die uns auf die kleine Insel zuschiebt, hinter der wir ankern wollen, ist steil und hoch. Danach wird es ruhiger. Am Ankerplatz liegt ein Fischernetz, wir finden noch davor einen Platz. Der starke Strom dreht uns so, dass wir mit dem Heck zum Schwell liegen und der Wind von der Seite kommt. In der Einfahrt brechen sich inzwischen die Wellen. Kein so ganz gemütlicher Platz. Abends lässt der Wind nach und der Strom kentert. Wir haben eine recht ruhige Nacht und trotzdem keine große Lust hier zu bleiben.

Wir sind heute zum fünften Mal über den Äquator gesegelt und nun wieder auf der Südhalbkugel. Ein Grund Neptun zu danken, ihn um Schutz zu bitten und natürlich ein Grund für ein Äquator-Bier.

Bis zur Nordseite der Insel Bangka sind es auf direktem Weg 90 Meilen. Eine Nachtfahrt lässt sich nicht umgehen. Unser Ziel liegt, mal wieder, genau im Wind. Den direkten Weg werden wir also auf keinen Fall fahren können. In zwei Tagen soll der Wind weniger werden, aber dann sind aber schwere Gewitter angesagt. Gegen an motoren wollen und können wir nicht. Mari hat eine eher schwache Maschine. Wenn wir kreuzen, ob unter Segeln oder Maschine, ist der Weg länger. Wir können kaum abschätzen wie viele Meilen wir mit welcher Geschwindigkeit zurücklegen werden. Die Routenplanung mit verschiedenen Tools zeigt, dass wir erst nach Osten segeln könnten, dann wenden, um mit dem drehenden Wind auf Südkurs zu gehen. Wenige Meilen später ist uns dann klar, das klappt nicht. Die Wellen kommen nicht aus der gleichen Richtung wie der Wind und der Strom ist stärker als erwartet. Unter Segeln und Maschine, können wir den Kurs nicht halten und machen nur knapp drei Knoten über Grund, außerdem ist es sehr ungemütlich. Wir beschließen, erstmal nach Süden zu fahren. Kaum haben wir gewendet, machen wir sieben Knoten Fahrt und die Laune an Bord steigt gewaltig. Kurz darauf werden wir von Delfinen begleitet. Das kann nur ein gutes Omen sein.
Letztlich fahren wir einen großen Bogen, erst nach Süd-Süd-West, dann nach Süden und später nach Osten. Der Strom schiebt uns erst nach Süden auf die Bangka-Straße zu, dreht dann und nimmt uns schließlich mit entlang Bangkas Nordküste nach Osten. Wir kommen viel besser voran, als wir uns erhofft hatten und sind am Ende so schnell, dass wir drei Stunden vor der Bucht warten müssen, weil wir uns nicht im Dunkeln in die Einfahrt trauen.
Es war sehr anstrengend. Wir mussten von Hand steuern, weil wir die meiste Zeit sehr hoch am Wind motorgesegelt sind und der Autopilot ausgefallen ist. Es sind weniger Fischer unterwegs als befürchtet, aber es gibt viel Schiffsverkehr. Zweimal müssen wir ausweichen. Mitten in der Nacht stecken wir in einer unangenehmen Rauchwolke, es brennt in den Augen und wir müssen husten. Waldbrand von Sumatra? Oder Abgase von den Zinnminen von Bangka? Wir wissen es nicht.
Als es um sechs Uhr hell wird, nehmen wir Kurs auf die Küste und eine Gruppe kleiner, dunkler Delfine begleitet uns. Hunderte kleiner Plattformen und Schiffe verschiedener Größe sind hier unterwegs. Die Ansteuerung ist interessant. Die rot-weiße Ansteuerungstonne fehlt, dafür hat der Leuchtturm die Kennung, die eigentlich die Ansteuerungstonne haben sollte. Das ist schon ziemlich hinterhältig. Fährt man auf den Leuchtturm zu, weil man ihn für die Ansteuerungstonne hält, landet man auf der Sandbank. In der Einfahrt sollte eine grüne Tonne liegen, die fehlt, dafür gibt es eine rote.
Von dem Punkt vor der Küste in die Bucht und bis zum Ort sind es 11 Meilen. Es zieht sich. Es beginnt zu regnen und wir sehen fast nichts mehr. Es ist alles viel breiter als wir es uns vorgestellt hatten. An dem Ort, wo wir eventuell ankern wollten, liegen mehrere kleine Tanker. Wir legen uns nicht dazwischen, sondern suchen uns einen Platz vor der kleinen Moschee mit goldener Kuppel. Wir sind stolz und sehr froh angekommen zu sein. Wir haben 24 Stunden von Hand gesteuert und beide nur je einmal 20 min geschlafen. Nun haben wir einen großen Teil der Strecke nach Belitung hinter uns und beginnen daran zu glauben, dass wir es tatsächlich schaffen werden. Nach einem kurzen Schläfchen, pumpen wir das Dinghi auf und legen es an Deck. Nobbi repariert den Autopiloten. Das ist leider nicht der einzige Schaden. Beim Ankern in Lingga ist der Pumpenschwengel von der Ankerwinsch über Bord gesprungen, haarscharf an Nobbis Kopf vorbei. Und das Radar hat eine Umdrehung gemacht und dann den Dienst eingestellt
Nach elf Stunden Schlaf sind wir bereit für neue Abenteuer.

Kein Wunder, dass Nobbi nervös wurde. Laut dieser Karte fahren wir über die Insel.

Tintenfische und Wind auf die Nase – von Batam nach Süden

„Inga, wollen wir Fisch haben?“ Keine Ahnung, ich liege mit meinem Krimi noch im Bett, die Sonne ist gerade aufgegangen und Nobbi hat schon Kaffee gekocht. Neben Mari treiben zwei offene Boote, in jedem sitzt ein Paar, mit Hund und Papageien. Wir verstehen einander nicht, sie sprechen kein Indonesisch und kein Englisch. Aber, dass sie gerne Fisch mit uns tauschen möchten, verstehen wir. Nach und nach wird uns klar, dass die Menschen in ihren offenen Booten wohnen, ein offenes Feuer brennt in ihrem Holzboot und auf dem Feuer steht ein Topf. Die wenigen Dinge, die sie besitzen sind im Boot verstaut, Matten aus geflochtenen Palmenblättern sind aufgerollt und liegen quer auf dem Rumpf. Gerne würden wir mehr über ihr Leben erfahren. Einen Handel mögen wir nicht ausschlagen und bieten ihnen eine lange dicke Leine an, doch die Frau schüttelt den Kopf und zeigt auf einen Keks. Sie freuen sich über Oreos. Später ärgern wir uns, dass wir so schlecht vorbereitet waren, sicherlich hätten wir noch etwas gefunden, das wir leicht entbehren können und sie erfreut hätte. So stehe ich morgens um sieben mit einem Tintenfisch in jeder Hand an Deck. Zeit für Kaffee!
Aus gegebenen Anlass gibt es für uns eine Lehrstunde in Tintenfischanatomie. Wir haben beide noch nie einen Tintenfisch ausgenommen oder zubereitet. Ich bin theoretisch der Profi und Nobbi führt meine Anweisungen tapfer aus. Ganz schön viel Tinte hat so ein Tierchen, ansonsten ist es sehr einfach. Zum Mittag gibt es geröstetes Toast mit gebratenem Tintenfisch in Knoblauch. Lecker.

Die nette Tintenfischbegegnung hatten wir als wir bei der Insel Titapan einen Tag Pause eingelegt haben. Seit Batam haben wir Tageshüpfer gemacht.
Kaum hatten wir die Marina verlassen, wurde die Schiffswaschanlage eingeschaltet. Am ersten Tag sind wir mehrfach nass geworden. Die Fahrt war abwechslungsreich, mal kamen wir nur langsam gegen den nach Norden setzenden Strom an, mal schob uns der Strom überraschend nach Süden. Die erste Nacht am Anker ist wunderbar still. Keine Stadtgeräusche, nicht mal eine plätschernde Klimaanlage eines Nachbarn stört. An diesem Platz haben wir schon im Oktober geankert und uns vor dem kleinen Dorf wohlgefühlt.
Für die nächste Nacht haben wir uns Ankerplatz bei Titapan zwischen einigen Inseln ausgesucht. In einer der viele Apps wurde dieser Platz empfohlen, deshalb wissen wir, dass es dort tief genug sein soll. Die Karten schweigen sich über die Wassertiefe zwischen den Inseln aus oder zeigen Tiefen um 1m an. Das kann nicht sein, im Satellitenbild sieht man tiefes Wasser. Wir tasten uns vorsichtig zum Ankerplatz und tatsächlich ist es zwischen den kleinen Inselchen, meistens 20 bis 30 m tief.

Die Welle, die aus Südosten kommt, ist höher als erhofft und macht die Fahrt, gemeinsam mit dem häufig von vorn kommenden Strom mühsam. Wenn wir genug Platz haben, kreuzen wir gegenan, meist mit Motorunterstützung. Einmal sehen wir eine halb untergegangene Fischerhütten in den Wellen vor uns auftauchen, da möchte man nicht reinfahren.
Als wir nördlich von Sebangka einen Ankerplatz finden, stellen wir fest, dass die Tiefen in der Karte (mal wieder) nicht mal annähernd stimmen. Statt weniger als fünf Meter, ist es über 20 Meter tief. Nach einigem Suchen finden wir vor einer kleinen Insel eine geeignete Stelle und verbringen auch hier eine ruhige Nacht.
Auf der Fahrt nach Kentar kreuzen wir durch ein Feld mit Fischerhütten. Wir zählen 100! Die Hütten selbst sieht man gut, leider sind zwischen den Hütten lauter Bojen, die nur ab und zu in den Wellen auftauchen und einige einzelne Pfähle in unscheinbarem grau.

Heute beginnen wir den Tag mit Pfannkuchen. Wir bleiben heute hier liegen und haben Zeit. Der Wassermacher läuft tadellos und wir haben genug Wasser um ein wenig Wäsche zu waschen. Unseren Aufenthalt in Batam wollten wir nicht beenden, bevor wir sicher waren, dass der Wassermacher funktioniert. Wir haben die 1m lange Osmose-Membran getauscht und mussten sicher sein, dass das System ganz dicht ist. Der Wassermacher arbeitet mit etwa 60 bar, bei so viel Druck, kann man eine undichte Stelle nicht mit einem Tüddelband oder Tape reparieren.
Damit uns nicht langweilig wird, hat die Seewasserpumpe am Waschbecken in der Pantry heute ihren Dienst eingestellt. Nobbi schnorchelt zum Einlass, kann aber keine Verstopfung feststellen. Die Pumpe wird ausgebaut, scheint aber intakt. Bevor wir die Pumpe auseinandernehmen, kontrollieren wir, ob der Schlauch frei ist. Ist er nicht. Nobbi pumpt mit der Schlauchbootpumpe Luft in die Leitung, es gluckert und der Schlauch ist wieder frei. Nun muss nur die Pumpe wieder eingebaut werden.
Und, wir hatten mal wieder ungebetenen Besuch. Als wir nach der ersten Etappe die Maschine abstellen fehlt das typische Schlürfen unseres Schnüffelventils, das dafür sorgt, dass der Wasserzufluss zur Maschine unterbrochen wird. Die kleine Öffnung ist von einem erdfarbenen Tropfen verschlossen. Ein Problem, das leicht zu beheben ist. Wir inspizieren die Umgebung genauer und finden noch weitere Stellen, an denen ein fleißiges Insekt seine Eier abgelegt hat. Kleine Öffnungen von etwa fünf Millimeter Durchmesser scheinen ideal als Eiablageort. Aus den Achsen der Blöcke von der Großschot entfernen wir gleich mehrere Nester mit Eiern und Larven verschiedenen Entwicklungsstadien.
Wenn das Wetter nicht dagegen hat, geht es morgen weiter. Wieder gegen den Wind.

Sie wohnen scheinbar auf ihren Booten. Wie wir!
Und, sie möchten gerne Fisch eintauschen.
Nobbi und Tinti.
Die hübschen Riau-Inseln.
Ein größeres Dorf in den Riau-Inseln.
Hier werden die Algen angelandet…
…und zum Trocknen aufgehängt.
Ab und zu kommt ein Boot vorbei.
Viele von diesen Fischerhütten lassen uns Slalom fahren.
Segleralptraum.
Auf Kentar sehen alle Häuser fast gleich aus.
Nur die Schwalben, deren Nester „geerntet“ werden, haben ein eigenes Hochhaus.

Über die Singapore Strait nach Batam

Als der Wecker um viertel nach fünf klingelt, lese ich schon seit eineinhalb Stunden. Es scheint, als sei ich etwas nervös. Die letzte Querung der Singapore Strait habe ich in schlechter Erinnerung und hoffe, dass die Gewitter uns diesmal verschonen. Um Punkt sieben durchfahren wir die Brücke nach Singapur und die Sonne geht auf. Ein gut gelaunter Beamter auf einem Patrouillenboot der Singapore Coast Guard fragt nach unseren Plänen und ermahnt uns nicht ins Singapurer Hafengebiet zu fahren. Wir halten uns brav auf dem schmalen Streifen zwischen Verkehrstrennungsgebiet und Hafengebiet. Es bleibt abwechslungsreich, ein Containerschiff stoppt direkt vor uns auf, um auf den Lotsen zu warten. Ich steuere, Nobbi überwacht den Verkehr am AIS. „Da kommt ein riesiger MSC Dampfer aus dem Hafen“. „Den sehe ich nicht“ widerspreche ich, ich sehe nur ein großes Evergreen Schiff. Das Fernglas hilft. Wir reden über das gleiche Schiff, quasi ein getarntes MSC-Schiff, auf dessen Bauch in großen Lettern Evergreen steht. Der Koloss gibt Gas und zieht vor uns durch. Gas-Leo tutet direkt neben uns, aber es gibt nur Abstimmungsprobleme mit dem kleinen Schiff, das den Proviant liefert. Nun meldet sich mal wieder die Singapurer Coast Guard. Ein anderes Patrouillenboot. Wir sollen den Kurs nach Steuerbord ändern. Das halten wir für eine schlechte Idee. Steuerbord von uns ist das Verkehrstrennungsgebiet und auf der Grenze kommt uns ein 350m langer Gas-Tanker entgegen. Der Streifen zwischen dem Verkehrstrennungsgebiet, also dem Großschiffs-Highway und dem Singapurer Hafengebiet ist nur 500m breit. Das ist ziemlich schmal, wir sind nicht die einzigen, die hier fahren: Militärschiffe, Bunkerboote („kleine“ Tanker), Schleppverbände und natürlich viele Schiffe, die diese Zone vom und zum Ankerplatz oder Hafengebiet queren. Es wird Zeit, dass wir die Seite wechseln. Nobbi informiert die Verkehrszentrale, dass wir jetzt queren wollen. Das ist gar nicht so einfach, die Crews zweier großer Schiffe funken angespannt hin und her, da wird es gerade eng und der Überholer scheint uneinsichtig zu sein. Wir bekommen den Ratschlag „with great caution“ zu queren. Zuerst gilt es die „Fahrbahn“ der nach Westen fahrenden Schiffe zu queren. Ich steuere im rechten Winkel zur Verkehrsrichtung und Nobbi behält die großen Schiffe im Blick. Das klappt super. Am Rand des Mittelstreifens biegen wir ab und fahren mit dem Verkehr nach Osten. Gerade fahren zwei Tanker neben einander auf den Verkehrsweg nach Osten, wir schaffen es nicht vor ihnen den Fahrstreifen zu überqueren. Wir fahren Parallelkurs und als sie uns endlich überholt haben, überqueren wir auch den anderen Streifen. Nun können wir auf der indonesischen Seite außerhalb des Verkehrs entspannt nach Osten fahren. Die Sicht ist vergleichsweise gut, so dass wir die Skyline Singapurs sehen können. Die schnellen Fähren fahren dicht an uns vorbei und schütteln uns durch. Wir kommen viel besser voran als erwartet, der Gegenstrom setzt später ein, er ist nicht so stark wie befürchtet und so wir erreichen die Nongsa Point Marina auf Batam schon nachmittags. Fünf ! Männer nehmen unsere Leinen an und noch bevor wir richtig angekommen sind, beginnt das Einklarieren. Ein Offizieller fotografiert unsere Navigationsgeräte und sogar den Motor. Die Klappe schließt er aber sehr schnell wieder, da ihm die Motorhitze entgegenschlägt.
Abends sind wir zufrieden mit uns, erleichtert, dass die Überquerung gut geklappt hat und wir endlich wieder richtig unterwegs sind, und sehr müde.

In Batam steht zunächst der Bürokram an: die Einreise nach Indonesien. Das ist für uns recht entspannt, da die Marina als Agent fungiert und viel Übung mit Seglern und der zugehörigen Bürokratie hat. Bei der Immigration geht alles ganz schnell, wir bekommen eine E-Mail, das wir unser Visum benutzt haben und bis Anfang September in Indonesien bleiben dürfen. Vom Zoll kommt ein Beamter am nächsten Tag an Bord und ist nach wenigen Minuten zufrieden. Ein Papier für die Biosecurity fehlt, dabei haben wir doch das berühmte „green book“ von unserem letzten Besuch. Aber auch dieses Problem kann gelöst werden. Unsere zuvor elektronische gemachte Zollerklärung kann zunächst nicht gefunden werden, ich übermittle sie noch einmal. Nachdem wir nun nach Indonesien eingereist sind, brauchen wir eine „domestic clearance“ um Batam zu verlassen und in Indonesien segeln zu dürfen. Dafür braucht es wieder knapp zwei Tage Vorlauf.

Bevor es weitergeht, wollen wir noch einkaufen. Schon wieder einkaufen fragt ihr euch nicht zu unrecht. Wir brauchen Bier, da wir zolltechnisch nichts nach Indonesien einführen durften. Vermutlich liegen wir das nächste Mal erst in Mauritius oder Réunion in einem Hafen. Das sind viele tausend Meilen und Wochen entfernt. Bis dahin sind die Einkaufsmöglichkeiten begrenzt und alle Einkäufe müssen im Beiboot transportiert werden. Außerdem können wir immer Obst und Gemüse gebrauchen. Wir gehen davon aus, dass wir erst auf Belitung wieder einkaufen. Die Bootscommunity funktioniert toll. Ich frage eine Nachbarin, ob sie einen Tipp für einen Laden hat, sie erzählt einer anderen von meiner Frage und diese findet mich auf Facebook und sendet mir lauter Tipps. Beim Ausflug in die nächste Stadt, stellen wir fest, dass Batam-City 1,3 Mio. Einwohner hat. Kein Wunder, dass es fünf-spurige Straßen (je Richtung!) gibt und entsprechend viel Verkehr. Unser Fahrer ist nicht nur sehr lustig, sondern kennt auch lauter sehr elegante Abkürzungen. Wir kommen an einer Moschee mit einer wunderschönen blau-weißen Kuppel vorbei und an riesigen Wohntürmen, die zur „Meisterstadt“ gehören. Der deutsche Name ist kein Zufall, das Projekt der Stadt in der Stadt, das etwas zur Hälfte fertiggestellt wurde und nicht nur Wohntürme, sondern auch Büros, eine Mall, Universitätsgebäude sowie Grünflächen und Shophouses enthalten soll, wird zur Hälfte von der Habibie-Familie, der Familie des dritten Indonesischen Präsidenten Habibie, finanziert, der in Deutschland studiert, promoviert und gearbeitet hat.
In einem kleinen Laden kaufen wir viele Dosen Bier, das unter lautem Gekicher und mit der Frage was wir für eine Party machen ins Auto geladen wird. In einer Mall besuchen wir einen Supermarkt mit tollem Obst und Gemüseangebot. In einem kleinen Restaurant essen wir sehr lecker und bestellen ein Gemüse, das wir nicht kennen.

Von unserem Liegeplatz nahe der Hafeneinfahrt können wir den Verkehr beobachten. Immer wieder beeindruckend was hier alles vorbei kommt. Ganz viele Güter, die wir in Deutschland kaufen können, sind im Container durch diese Meerenge gereist. Neben den vielen großen Containerschiffen und Tankern sehen wir viele „graue“ Schiffe, dieser wichtige Handelsweg wird gut bewacht. Uns interessieren die ganzen Spezialschiffe, die wir nicht so häufig sehen, ein Schiffstransporter, ein Schiff mit riesigen Baumaschinen, ein schwimmender Kran und eine Bohrinsel, die ganz langsam nach Osten geschleppt wird. Außerdem gibt es ein unendliches Gewusel kleiner Feeder, also kleinerer Schiffe, die den Containertransport auf den kürzeren Strecken übernehmen, kleiner Tanker, Bargen auf denen Baumaterial in die indonesische Inselwelt transportiert wird, Fähren und natürlich Fischer.

Wir sind bereit für die Weiterreise. Die nächsten etwa 400 Meilen werden interessant, vermutlich kommt der Wind genau von vorn. Wir kennen bereits die Geschichten der Segler, die in den letzten Wochen umgedreht sind und sind gespannt wie wir vorankommen werden.

MSC-Schiff im Mantel eines Evergreen-Dampfers.
Die Polizei passt auf, dass wir keinen Unsinn machen.
Wir lassen den Tanker überholen.
Hinterm Heck der Mathilde Oldendorff queren wir das Fahrwasser.
Unser Track (in gelb) beschreibt unsere gefahrene Route.
Ein Screenshot des Navi-Programms. Jedes Dreieck ist ein Schiff mit AIS.
Suchbild: Marisol in der Nongsa Point Marina.
Beim Morgenspaziergang auf Batam.

Landausflug nach Jakarta, Bandung und Bogor

Von Singapur fliegen wir nach Jakarta. Wir sind unsicher, ob wir Jakarta mit dem Boot besuchen wollen und beschließen uns die Hauptstadt per Flieger anzusehen. Hauptstadt ist Jakarta nur noch bis zum 17. August, dem Nationalfeiertag, dann wird Nusantara eingeweiht, die neue Hauptstadt auf Borneo.
Jakarta ist eine riesige Stadt mit über 12 Millionen Einwohnern und 34 Mio. Einwohnern im Großraum Jakarta. Wolkenkratzer im Zentrum und wilde Bebauung in den umliegenden Stadtteilen, unglaubliches Verkehrsaufkommen, Müllprobleme, Smog, Probleme einer Mega-City. Java ist nicht nur Indonesiens wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, es ist auch die Insel mit den meisten Bewohnern weltweit. Ca. 155 Mio. Menschen leben hier, die Bevölkerungsdichte von 1100 Einwohnern/km2 gehört zu den höchsten der Welt. Jakarta ist also alles andere als ein verträumtes Dorf.

Wir bleiben nur eine Nacht in Jakarta und steigen am nächsten Morgen in den Zug. Die Fahrt bringt uns nach Bandung. Die Bahnfahrt gefällt uns so gut, dass wir gar nicht aussteigen mögen. Durch Jakartas Vororte geht’s in die Berge. Die Fahrt gewährt spannende Ausblicke, Reisfelder, dörfliches Leben, brennende Müllhaufen. Wir sind nicht sehr schnell unterwegs, aber sehr komfortabel. Es gibt auch einen Schnellzug, den Whoosh (wie lieben diesen Namen!), der die Strecke in nur einer halben Stunde zurücklegt und in Zukunft bis Surabaya fahren soll. Wir sind knapp drei Stunden unterwegs.
In Bandung ist es erheblich ruhiger als in Jakarta, obwohl Bandung auch eine große Stadt mit 2,6 Mio. Einwohnern ist. Und hier ist es kühler. Wir sind nun auf 770 m und die Luft ist merklich klarer, abends wird es sogar frisch.
Es ist Wochenende und abends ist viel los. Im Restaurant spielt eine tolle Band mit Querflöte und Saxophon. Samstagabend wird die Hauptstraße zur Fußgängerzone. Bandung ist Universitätsstadt und gerade werden Abschlüsse gefeiert und am Sonntagmorgen führt die Marathonstrecke direkt an unserem Hotel vorbei. Wir feuern die Läufer bei Kilometer 30 an und bedauern die Läufer, für die nur ein Teil der Straße gesperrt wurde, der Verkehr läuft daneben auf zwei Spuren weiter. Bandung ist ein beliebtes Wochenendziel. Es gibt einige sehenswerte Art-déco-Gebäude aus den 1920 Jahren und Villenviertel mit Gebäuden aus der holländischen Kolonialzeit.
Bandung ist stolz Ausrichter der ersten asiatisch-afrikanischen Konferenz 1955 gewesen zu sein, die international als Bandung-Konferenz bekannt ist und hier Konferensi Asia-Afrika heißt. Eine Straße ist nach der Konferenz bekannt, das Konferenz Gebäude ist erhalten und gilt als Sehenswürdigkeit (auch wegen seiner Architektur), Straßenpoller tragen Schriftzüge aller Teilnehmer-Länder und im Hotel liegt das Gästebuch aus. Viele der teilnehmenden Länder waren gerade unabhängig geworden und die 29 Länder repräsentierten damals 54 % der Weltbevölkerung.
Wir machen einen Spaziergang, um die Stadt etwas zu erkunden, was allerdings keine Freude ist. Der Verkehr ist dicht, Ampeln werden ignoriert und das Wechseln der Straßenseite ist eine Herausforderung.

Kawah Putih, der weiße Krater, ist einer der Krater des Patuha, einer der vielen Vulkane Javas und ein beliebtes Ausflugsziel. Direkt am Kratersee ist viel los. Der sehr saure See schimmert milchig blau mit einem schwefelig gelben Ufer und stinkt entsprechend. Zulange sollte man sich nicht direkt am See aufhalten, denn das ist nicht besonders gesundheitsfördernd. Wir machen einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, der in eine Wanderung ausartet. Auf 2400m Höhe ist es wunderbar kühl. Die Indonesier tragen lange Hosen und teilweise Wollpullover und Steppjacken. Wir genießen die kühle Luft. Endlich kann man es in der Sonne aushalten, muss aber aufpassen, dass man sich nicht verbrennt.
Auf dem Rückweg unserer Wanderung machen wir einen Abstecher zu einer Teeplantage. Die ersten Teepflanzen wurden 1826 auf Java gepflanzt, später auch auf anderen indonesischen Inseln, vor allem auf Sumatra. Ein Großteil des indonesischen Tees kommt aus der Provinz West-Java, deren Hauptstadt Bandung ist. Die grünen, leicht geschwungenen Hänge, dicht bepflanzt mit Teepflanzen soweit das Auge reicht, haben ihre ganz eigene Ästhetik.
Java ist nicht nur dicht besiedelt, sondern auch sehr fruchtbar, was natürlich direkt miteinander zusammenhängt. In jedem Garten oder Hof und auf jedem noch so schmalen Streifen entlang der Bahngleise oder Straßen wird Obst oder Gemüse angebaut. In den tiefer liegenden Gebieten sehen wir große Reisfelder, an den Berghängen zwischen den tiefen Wolken erstrecken sich die Teeplantagen. Dazwischen, nicht zu hoch und nicht zu warm werden Zwiebeln, Kohl, viele andere Gemüse und Erdbeeren angebaut. Unglaublich viele Erdbeeren. Natürlich trinken wir Erdbeersaft zum Mittagessen. Seit wir mit Duolingo Indonesisch lernen, frage ich mich wo man bitte Erdbeersaft trinkt. Und nun weiß ich es, hier auf Java oberhalb von 1000 m mit Blick auf Erdbeerpflanzen.

Über die Fahrt nach Bogor schweigen wir uns aus, wir waren gewarnt. Es ist eine ganz schlechte Idee am Sonntag von Bandung nach Bogor und damit Richtung Jakarta zu fahren. Sechs Stunden haben wir für die 120 km über den Puncak Pass gebraucht.
In Bogor verbringen wir fast einen ganzen Tag im Botanischen Garten, der uns mit seinen großen, alten Bäumen gefällt. Leider ist der Fluss, der hindurch führt voller Müll. Bereits 1817 wurde die große Anlage eröffnet und grenzt direkt an die Sommerresidenz des indonesischen Präsidenten.
Nachmittags wollen wir den Botanischen Garten auf der Westseite verlassen und uns dort die Gebäude und die Kathedrale ansehen. Das Tor ist auf allen Karten eingezeichnet und am Tor stehen Wächter, doch verlassen können wir den Garten hier nicht. Wir hätten vorgewarnt sein sollen, auch im Garten waren viele der Tore zwischen den kleinen Abteilungen geschlossen. Wir verzichten auf die Besichtigung der Kathedrale und laufen zurück zum Hotel.
Bogor ist überraschend konservativ. Am ersten Abend essen wir in einem kleinen wunderbaren französischen Restaurant mit indonesischen Inhabern, am zweiten Abend hat es leider geschlossen und wir sehen uns nach einer Alternative um. Dabei stellen wir fest, dass es in Bogor (zumindest dort wo wir unterwegs waren), anders als in Bandung oder Jakarta, schwierig ist, an ein Bier zu kommen. Schließlich bekommen wir eins in unserem Hotel, auf der Karte steht es allerdings nicht.

Zurück in Jakarta ist Nobbi auf Zeitreise, er hat beruflich viel Zeit hier verbracht und freut sich über Vertrautes und bestaunt Veränderungen. Im Jaya-Pub entdeckt Nobbi einen Aufkleber, den er dort vor über 20 Jahren hin geklebt hat, das Kaufhaus Sarinah hat noch immer eine riesige Auswahl an Souvenirs und sehr edle Batik und im Hyatt trinken wir Tee mit Blick auf die Plaza Indonesia. Nobbi denkt an all die Stunden vor und nach Besprechungen und ich genieße den besten Darjeeling seit Monaten.


Der Verkehr in Jakarta ist verrückt, die Situation hat sich im Stadtzentrum aber deutlich verbessert. Es gibt eine erste U-Bahn Linie und an je nach Wochentag dürfen nur Autos mit geraden bzw. ungeraden Nummernschildern fahren. Häufig halten Autos und Roller an Ampeln, so dass Fußgänger die Chance haben, die Straße zu überqueren. In Bandung wurde auch an der roten Ampel nicht angehalten. Man überlegt sich jeden Spaziergang genau, wenn das Überqueren einer Straße zum Abenteuer wird. Theoretisch wäre es sicherlich schön ein Auto zu mieten und Java zu erkunden, praktisch eher nicht. Der Standstreifen eignet sich hervorragend zum Überholen, die weißen Linien sind eher eine Empfehlung, es passen viel mehr Autos nebeneinander und dann sind da noch die zahlreichen Mopeds die jede sich bietende Lücke zwischen den Autos füllen. In Einbahnstraßen ist es akzeptiert, dass die Scooter sich auch entgegen dem Fahrzeugstrom bewegen.

Einen Nachmittag verbringen wir am Phinisi-Hafen Sunda Kelapa. Die traditionellen Indonesischen Schiffe, Phinisi, segeln nicht mehr, sondern haben heute eine starke Maschine. Der charakteristische Rumpf mit seinem steilen Steven ist geblieben. Jakarta versinkt im Meer. Das liegt nicht nur am steigenden Meeresspiegel, sondern auch daran, dass zu viel Grundwasser entnommen wird. Der Wasserstand im Hafen ist höher als die Straße, ein Deich aus Sandsäcken verhindert eine Überschwemmung. Was wir für einen Kanal gehalten hatten, entpuppt sich als die Straße zum kleinen Containerhafen, als ein LKW über den „Kanal“ fährt. Der große Containerhafen ist etwas außerhalb, hier hängen zwar auch Verbotsschilder, aber niemand stört sich an unserem Besuch. Die Leute sind freundlich und offen. Wir werden aufgefordert auf dem Deich zu klettern damit wir besser sehen können und eingeladen ein Schiff zu besichtigen.

Zeit für ernsthaftes Sightseeing. Von der Monas, dem Nationalmonument, einer Art Säule oder Turm, hat man einen guten Blick über die Stadt, deren Ränder allerdings im Dunst verschwinden. Eine Ausstellung führt in Dioramen durch die Geschichte Indonesiens. In der Altstadt Kota Tua oder „Old Batavia“, die von Gebäuden aus dem 17. Jhd mit holländischen Stil geprägt wird, als Batavia der asiatische Sitz der Ostindischen Kompanie war, machen wir eine Kuchenpause im traditionsreichen Café Batavia und besuchen das Nationalmuseum, das uns nicht überzeugen kann. Im schmutzigen Kanal unter der Hühnerbrücke fischen Männer nach „Kostbarkeiten“. Reich und sehr arm leben hier sehr dicht beieinander.

Wir hatten eine schöne Woche in Jakarta und Umgebung. Neben dem Sightseeing sind es die Kleinigkeiten, die man aus dem Autofenster oder im Vorbeigehen beobachtet, die in Erinnerung bleiben. Ein Einkaufszentrum ohne Kunden, in dem die Verkäufer Uno spielen oder einen Mittagsschlaf machen. Kühe stehen auf der Ladefläche eines Lasters, eine lebende Ziege wird auf dem Roller durchs Zentrum von Bandung gefahren und unter den Bambusstangen, die der Transporter geladen hat, kann man das Fahrzeug kaum mehr ausmachen. Geschäftstüchtige Verkäufer bieten Pizza an der roten Ampel an und der Fußweg wird als Erweiterung der eignen Werkstatt genutzt. Auf Rollern fahren ganze Familien, zwei Erwachsene und zwei Kinder sind kein Problem, und es können auch vier! Käfige mit Hahn zum Hahnenkampf transportiert werden. Neben dem Roller trabt ein Pferd im Verkehrschaos einer 6-spurigen Straße. Wie sollte man das Tier auch sonst zum Rennen bringen?
Wir haben noch immer nicht genug von Indonesien, nun schauen wir uns das Leben wieder von der Wasserseite an.

Wieder an Bord – Viren, Käfer und Gewitter

Nach einer schönen Reise nach Singapur und Indonesien, sind wir wieder in Puteri Harbour bei unserer Marisol.
Mittlerweile kennen wir uns in Singapur recht gut aus, trotzdem gibt es noch immer etwas zu entdecken. Auf der Suche nach einer Klemme zur Befestigung unserer Bowdenzüge werden wir von Laden zu Laden geschickt und landen schließlich in einem Motorteil-Laden, leider ist er auf Yanmar spezialisiert und nicht auf Volvo. Der Eigentümer wälzt das Telefonbuch, nimmt den Hörer seines Schnurtelefons ab, bespricht unser Anliegen, wühlt im Schreibtisch und zieht eine Visitenkarte hervor. Die angegebene Adresse ist es zu Fuß nur eine Viertelstunde entfernt, dort bekommen wir Klemmen. Wer hätte gedacht, dass uns ausgerechnet in Singapur ein altes Telefonbuch hilft. In Singapur kann der gesuchte Laden im Innenhof eines Wohnblocks oder im zweiten Stock einer Ladenzeile liegen. Es gibt (fast) alles, es gilt nur herauszufinden wo. Unterwegs entdecken wir ein Spezialgeschäft für Klebeband, einen O-Ring Händler, unzählige Schraubenläden, einen Kabelspezialisten und viele andere spannende, kleine Geschäfte. Inzwischen hat sich bestätigt was wir ahnten, die Klemmen passen nicht.
Singapur stand vor allem im Zeichen des Abschieds, ein letztes Mal zum Familien-Vietnamesen, noch einmal Dumplingsessen, natürlich in den botanischen Garten. Mit den jüngsten Familienmitgliedern suchten wir Hammerhaie und Clownfische im Aquarium, ein schönes Erlebnis für uns alle. Und schließlich kam der Abschied von der Lieblingsschwester samt Rudel, der mir sehr, sehr schwer fiel.

Erst hatte es Nobbi erwischt, dann mich. Wir waren noch nie so oft krank wie im letzten dreiviertel Jahr. Ob es am Wetter, an den vielen Menschen, am Fliegen und Busfahren liegt, wir hoffen, es wird besser sobald uns wieder Seewind um die Nase weht.
Leider sind wir nicht allein an Bord. Rüsselkäfer. Die Vorräte, die in Plastikflaschen lagern sind sicher vor ihnen, alles was in Plastiktüten verpackt ist, ist gefährdet. Wir räumen also jedes Schapp leer, wischen, suchen nach befallenen Lebensmitteln und räumen alles wieder ein. Eine mühsame Angelegenheit. Belebte Lebensmittel hatten wir im Laufe der Reise immer mal wieder. Larven von Mehlmotten oder Rüsselkäfer sind die häufigsten blinden Passagiere. Hier ist die Quote der befallenen Lebensmittel besonders hoch. Wir haben mehrere Versuche gemacht, leider krabbelte es in jedem der begehrten Knäckebrot-Pakete so, dass es diesmal kein Knäckebrot im Bordproviant gibt. Mehlmotten im Roggenmehl, Larven in Kräckern, Käfer im Reis. Solange die Lebensmittel sofort verpackt werden, beschränkt sich der Befall auf ein Paket und der Schaden ist überschaubar. Diesmal haben wir die Rüsselkäfer leider außerhalb einer Verpackung angetroffen, deshalb wurde die unfreiwillige Putzaktion nötig. Inzwischen macht sich vorsichtiger Optimismus breit, es scheint als wären wir die Übertäter (weitgehend) los.
Nicht weit von uns liegen die recht neuen Gebäude der Landesregierung des Bundesstaats Johor. Wir sehen uns die hübschen Garten, die aufwendigen Gebäude und die Ausstellung an. Die Mischung aus maurischen Verzierungen, britischem Kolonialstil und modernen Elementen gefällt uns. Uns beeindruckt auch, dass wir nicht von Sicherheitspersonal verscheucht werden. Besucher sind willkommen, man nickt uns zu.
Am Montag wollen wir Malaysia verlassen, die Straße von Singapur überqueren und segeln dann wieder in Indonesien. Wir hoffen auf einen windarmen Tag ohne Gewitter. Im Moment wechseln sich sonnige Tage und Tage mit heftigen Gewittern ab. Mal sehen, ob die Wettergötter uns wohlgesonnen sind.

Vorbereitungen in Puteri

Mittlerweise ist es mehr als drei Wochen her, dass wir in Puteri Harbour angekommen sind. Die Marina gehört einem neuen Betreiber, es gibt eine neue Telefonnummer und eine Preiserhöhung, sonst ist alles beim Alten.

Eine Woche haben wir in Singapur verbracht. Diesmal haben wir die Singapore City Gallery besucht. Dort gibt es eine große, interaktive Ausstellung zur Stadtplanung und -entwicklung Singapurs. Wir lernen nicht nur, dass Singapur seine Fläche weiter vergrößert, der Containerhafen verlegt und der Flughafen ausgebaut wird, sondern auch, dass Singapur als Stadtstaat ganz besondere Herausforderungen meistern muss. Die Ausstellung hat uns ausgesprochen gut gefallen, wir haben dort einige Stunden verbracht, grüne Straßen geplant und Vergleiche mit anderen Städten angestellt. Singapur soll noch grüner werden, noch mehr Grünanlagen, Dachbegrünungen und Parks bekommen. Neben den Singapurer Plänen, werden auch Projekte aus anderen Städten vorgestellt, wie der Hamburger Autobahndeckel oder die Umgestaltung von Bostons Wasserseite.
Zurück in Puteri hatten wir Besuch an Bord. Die jüngsten Familienmitglieder haben Marisol ausgiebig erkundet und alles ausprobiert. Nun können sie sich viel besser vorstellen, wie wir leben.

Singapur hat sich gewaltig verändert. Die Bilder sind aus der Singapore City Gallery.

Das Beste an der Puteri Marina ist die Nähe zu Singapur. Die Umgebung ist nicht sehr spannend. Einige Restaurants, gut erreichbare Supermärkte und sehr viel Leerstand. Wohnblocks in denen nur ein Teil der Wohnungen bewohnt sind, leerstehende Bürogebäude, einige Betonskeletts, Bauzäune. Einen Abend laufen wir eine der Straßen entlang, eine Brücke über einen Kanal bringt uns zu einer exklusiven Wohnsiedlung. Natürlich hinter hohen Zäunen. Trotzdem sehen wir, dass nur wenige Häuser bewohnt sind und viele bereits verfallen, noch bevor sie das erste Mal genutzt wurden.
Von der Brücke haben wir eine gute Aussicht auf die Siedlung. Es gibt eine eigene Schleuse mit zwei großen Kammern, viele Häuser haben einen eigenen Steg. Die Steganlagen sind sehr aufwendig, luxuriöser als in den meisten Marinas. Wir sehen kein einziges Boot in der Anlage. Wer hier ein Haus hat lebt einsam und kann es nicht verkaufen.
Mit Ausnahme von Penang, haben wir überall an Malaysias Westküste diese Ruinen, schiefgegangenen Investments und Leerstand gesehen. Ein Paradies für Liebhaber von „lost places“.

Schöne Häuser mit eigenem Steg, die meisten stehen leer.
Neben den Häusern findet sich auch das obligatorische Betonskelett.

Wir haben viele kleine und einige große Dinge an Bord erledigt. Nachdem wir auf der Reise in der Malacca Straße zunächst dachten, dass wir vielleicht ein Problem mit unserer Ankerwinsch haben, waren wir uns bald sicher, dass unsere Bordnetzbatterien hinüber sind. Also, haben wir Batterien bestellt, deren Einbau zwar nicht so schwierig aber sehr, sehr schweißtreibend war, da die drei Batterien jeweils 32 kg wiegen. Beim Messen der Kapazität der alten Batterien, hatte Nobbi die Starterbatterie auch gemessen, sie ist in besserem Zustand als die Bordnetzbatterien. Trotzdem entscheiden wir uns diese auch zu ersetzen. Den Verkäufer, der einfach nicht verstehen will, dass wir die Batterie nicht für ein Auto, sondern für ein Boot kaufen, lassen wir ratlos zurück. In seinen Unterlagen steht nun, dass wir die Batterie für einen Volvo gekauft haben, was ja nicht falsch ist.
Neue Lager für den Steuerkopf der Steuersäule sind mit der Familienpost nach Singapur geliefert worden. Wir überlegen uns lange, ob wir uns zutrauen die Baustelle zu eröffnen. Wenn wir den Steuerkopf kaputt machen, uns Ersatzteile fehlen oder wir in der Mitte der Reparatur nicht weiterkommen, haben wir ein Schiff ohne Ruder. Der Austausch der Lager in der Steuersäule damals in Nouméa hat uns vorsichtig werden lassen. Das war ein ziemlich großes Projekt. Schließlich nehmen wir unseren Mut zusammen und arbeiten uns vorsichtig Schritt für Schritt vor. Der Austausch der Lager funktioniert problemlos. Allerdings nur, weil wir das passende Werkzeug, einen Abzieher, an Bord haben. Auf der Suche nach einen Sprengring, ein kleines Ersatzteil, das uns fehlt, lernen wir lauter kleine Läden kennen und bekommen den passenden schließlich in einer Motorradwerkstatt geschenkt.

Neue und alte Lager.
Hier haben wir einen Sprengring der passenden Größe geschenkt bekommen.

Auch ob wir die Bowdenzüge zwischen Schaltung und Motor austauschen wollen, überlegen wir uns gut. Das halbe Schiff muss auseinander gebaut werden. Beim Ausbau finden wir gleich zwei Fehler. Eine Befestigung ist gebrochen und eine Halterung verbogen. Die Halterung ist vermutlich schon seit dem Einbau verborgen und könnte die Ursache für die Abnutzung des Bowdenzugs sein. Der Einbau der neuen Züge funktioniert ganz gut, genau wie die Feineinstellung. Bei der Gelegenheit stellen wir auch fest, dass sich die Schraube zur Einstellung des Leerlaufs losgerüttelt hat. Ganz ohne Probleme verläuft auch diese Reparatur nicht. Die Klemmen, die die Bowdenzüge halten, sind aus Plastik und eine ist zerbröselt. Mal sehen, ob wir Ersatz bekommen.

Beim Bimini musste eine Naht erneuert werden, der neue Außenborder hat einen Gurt bekommen, mit dem man ihn am Windgeneratormast hochziehen kann, um ihn zum Schlauchboot abzusenken. Unsere Windanzeige musste schon wieder ersetzt werden. Wir dachten, das Display hätte seinen Geist aufgegeben, aber tatsächlich war schon wieder die Masteinheit kaputt. Hoffentlich hält diese länger.
Lange haben wir überlegt, wie wir unser Schlauchboot verpacken wollen und wie es an Deck angebunden werden soll. Nun haben wir festgestellt, dass es in der Kabine unter den Tisch passt. Mit dieser Lösung sind wir fürs erste zufrieden.
Außerdem haben wir ganz viele Kleinigkeiten erledigt, von denen mir die meisten gar nicht mehr einfallen, nun wo sie erledigt sind. Dinge wurden wegsortiert und weggeworfen, Schrauben nachgezogen, Klebestreifen und Bändsel erneuert. Unsere alte Genua, die seit Jahren eigentlich aussortiert ist und uns trotzdem noch tausende Meilen gezogen hat, ist nun wirklich von Bord gegangen und wir haben die Fock angeschlagen. Auf der nächsten Etappe segeln wir vermutlich auf Am-Wind-Kursen, eventuell werden wir Kreuzen müssen.

Sogar unseren Großeinkauf für die nächste Etappe, die uns von Malaysia nach Südafrika bringen soll, haben wir erledigt. Kaffee, Haferflocken, Nudeln, Konserven, getrocknete Früchte und Nüsse sind in den Schränken verstaut, Olivenöl, Orangensaft und Kokoswasser lagern in der Bilge. Eigentlich fehlen nur noch die frischen Lebensmittel und dann können wir weitersegeln.
Doch bevor es weitergeht machen wir noch einen kleinen Abstecher. Marisol liegt startbereit in Puteri Harbour in Malaysia, während wir mal wieder in Singapur sind. Mitte der Woche fliegen wir von hier nach Jakarta. Wenn wir Ende des Monats wieder zurück sind, geht es wirklich los – via Indonesien hinaus auf den Indischen Ozean!

Ein anstrengender Endspurt

Am 19. Juni verlassen wir Port Dickson am frühen Morgen. Nachmittags ankern wir bei Pulau Besar. Die knapp 40 Meilen verlaufen wunderbar unspektakulär. Wir können etwas segeln und die einzige Abwechslung bieten die vielen Tanker, die wir unterwegs passieren.
Da wieder eine sehr lange Etappe vor uns liegt, klingelt der Wecker bereits um drei. Wenig später sind wir unterwegs. Bei sternenklarem Himmel runden wir Pulau Besar, gegen Morgen zieht es sich immer weiter zu. Mal wieder wundern wir uns, dass am Rande einer der wichtigsten Wasserwege der Welt 200m lange Schiffe ohne AIS ankern, einer der Bagger ist nicht mal beleuchtet.
Erst als es bereits hell ist, sehen wir einige Fischer. Heftige Schauer bringen uns bis zu 40 kn Wind. Zum Glück kommen Wind, Regen und Strömung von achtern. So sind wir wenigstens schnell unterwegs und der Seegang ist nicht allzu ungemütlich. Nach einer Stunde ist es vorbei. Einige Zeit sind wir ganz gemütlich unterwegs, bis der Müll stark zunimmt und wir erste Baumstämme sichten. Bis wir am späten Nachmittag bei Pulau Pisang ankern, sehen wir 30 dicke Baumstämme direkt auf unserem Kurs. Obwohl wir nicht so ganz glücklich sind mit dem Ankerplatz, entscheiden wir uns nicht weiterzufahren. Wir würden es nicht im Hellen zu einem besseren Platz schaffen und wir wollen nicht mit einem Baumstamm kollidieren oder im treibenden Müll hängenbleiben.
Ich versuche früh schlafen zu gehen, kann aber nicht einschlafen, weil der Schwell um die Insel läuft und ich in der Koje gelegentlich abhebe. Nobbi schläft besser ein und verpasst das Gewitter, das zwischen halb zehn und elf direkt über uns wütet. Blitzen tut es hier ständig, aber so ein ausgewachsenes Gewitter hatten wir lange nicht. Immer wieder schlagen die Blitze ins Wasser ein. Wir haben Glück und bekommen nichts ab. Um halb vier wachen wir von einfallenden Böen auf. Sieben Windstärken hatte uns keine Wetterprognose versprochen. Bei einem Winddreher von Süd auf Südwest rutscht unser Anker. Wir starten den Motor und stecken mehr Kette. Etwa nach 80m hält der Anker wieder. Es ist ungemütlich, der Strom läuft entgegen der Welle, die sich nun schnell aufbaut. Aber unser Anker hält. Um fünf nimmt der Wind ab. Nobbi bewacht den Anker und ich darf mich nochmal ausstrecken und schlafe sofort ein. Um sieben gibt es Kaffee und wir verlassen den schaukligen Platz. Gegen Strom und Wind kämpfen wir uns mühsam um die Insel Pisang. Dann schiebt der Strom und wir sind flott unterwegs. Umso näher wir Singapur kommen, desto mehr Schiffe sehen wir. Im Verkehrstrennungsgebiet ziehen die vollbeladenen riesigen Containerschiffe nach Norden, wir fahren durch eine Reede auf der große Tanker liegen. Das Containerterminal auf der malaiischen Seite in Tanjung Pelepas ist komplett belegt, das sehen wir daran, dass alle Kräne unten sind und arbeiten.
Auf der Singapurer Seite ist die Reede voller Schiffe, die auf einen Platz warten. Der Hafen wird ausgebaut, Singapur erweitert seine Hafenfläche gewaltig. Wir haben einen tollen Blick auf einige Werften, da liegt ein Neubau, ein großes Spezialschiff für Ölplattformen, ein Marineschiff und ein großer Gastanker wird gerade ausgedockt. Sehr spannend, aber kein Gebiet für Sightseeing, wir stören hier doch eher und sehen zu, dass wir die Johor Strait erreichen, den Meeresarm der Singapur und Malaysia trennt. Mitten im Fahrwasser wird gebaggert, wir können aber leicht um die beiden Schwimmbagger herum fahren. Heute wird uns wirklich viel geboten.
In der Puteri Marina werden wir herzlich willkommen geheißen. Abends stoßen wir mit einem frischgezapften Tiger-Bier an. Nicht nur, weil Mittsommernacht ist, auch weil wir hier nach unserem kleinen Umweg wieder heil angekommen sind. Ende Dezember haben wir hier abgelegt. In diesem halben Jahr haben wir 1300 Meilen zurückgelegt, einen Heimaturlaub gemacht, Langkawi erkundet und einen Abstecher nach Thailand gemacht. Zwei Törns durch die Straße von Malacca reichen uns aber nun erstmal.
Bevor wir wieder nach Indonesien segeln, wollen wir hier ein paar Kleinigkeiten erledigen und natürlich auch noch einen Abstecher nach Singapur machen.

Wir sehen viele große Tanker.
Schiffstankstelle
Ein Tanker an einer Festmacher-Tonne.
Ein Baumstamm, mit dem wir nicht kollidieren möchten.
So werden kleine Schiffe gemacht. Viele denken ja noch immer, dass sie aus der Werft kommen.
Auf jeder Tonne ein Vogel.

Zurück bei den Krähen in Port Dickson

Die Admiral Marina in Port Dickson kennen wir schon. Im Januar haben wir hier bereits zwei Nächte verbracht. Da wir diesmal ein paar Tage länger eingeplant haben um Melaka und Kuala Lumpur zu besuchen, wurde uns von den Marina-Mitarbeitern geraten eine Inlandseinklarierung zu machen. Leider gibt es in Malaysia die Regel, dass man auch „domestic“, also zwischen den Häfen, ein- und ausklarieren muss. Die Behördengänge sind kostenlos, man verliert aber jedes Mal einen halben Tag, weil man nach Port Dickson fahren muss und dort die Hafenbehörde, den Zoll und die Immigration aufsuchen muss.
Wir stellen fest, dass es in Port Dickson nichts zu sehen gibt, finden aber einen hervorragenden indischen Essensstand, den wir auch bei der Abreise wieder besuchen.

Einer der Marina-Mitarbeiter erklärt sich bereit unsere leeren Dieselkanister zu füllen. Der Dieselpreis ist am 10. Juni stark angehoben worden. Der Preisanstieg von 2,05 RM auf 3,35 RM ist wirklich groß. Bisher wurden Benzin und Diesel flächendeckend subventioniert. Diese Subventionen sollen nun sukzessive zurückgefahren werden. Deshalb ist Diesel in Westmalaysia (im Osten wird weiter subventioniert) nun teurer.
Für uns ist Diesel noch immer günstig (5 RM entsprechen 1 Euro), wir verbrauchen relativ wenig und segeln ohnehin lieber. Hier hat man jedoch häufig keinen Wind, deshalb muss die Maschine viel häufiger ran als uns lieb ist.

Die Marina hat ihre besten Zeiten hinter sich. Ein Steg ist gesperrt, die eine oder andere Klampe ist lose, die Stromleitungen eher abenteuerlich. Eine Marina-Crew werkelt aber an den Stegen herum, es gibt also Hoffnung.
Das Hotel ist überraschend gut besucht. Wenn im Pool viel los ist, fallen die vielen Krähen auch nicht so sehr auf. Einmal zählen wir sieben Krähen, die gleichzeitig auf dem Rand sitzen und trinken, dazu Dutzende in den Palmen um den Pool herum. Am ersten Abend schwimmt nur ein weiteres Paar, als ein 1,20m langer Waran erst aus dem Pool trinkt und sich dann ins Wasser gleiten lässt. Wir retten uns auf den Rand. Ich finde diese Urzeitviecher zwar cool, möchte mit ihnen aber weder kuscheln noch schwimmen.
Die Krähen sind ein Problem. Auch in anderen Häfen. In Penang waren auch viele Krähen unterwegs und in Puteri leben auch zu viele der schlauen Vögel. Doch nirgends haben wir so viele Krähen gesehen wie in der Admiral Marina. Sie landen an den Achterstagen, fahren Karussell auf den Windanzeigern, machen gerne Windindikatoren und Antennen kaputt und hinterlassen nicht nur ihren Kot. Uns haben sie Lammknochen aus dem Müll an Deck geworfen. Nur weil uns das Geräusch der aufschlagenden Knochen an Deck gerufen hat, haben wir die Schildkröte neben dem Boot gesehen. Endlich mal wieder eine Schildkröte. Es ist schon erstaunlich, wie viele Tiere (noch) in der dreckigen Straße von Malacca leben.
Highlight der Marina zwischen Verzweiflung und Hoffnung ist die Live-Musik in der Bar. Die Band singt toll. An unserem letzten Abend war es richtig gut gefüllt und die Mädels vom Nachbartisch haben uns mit außergewöhnlich guten Gesang beeindruckt. Ein schöner Abschied von diesem merkwürdigen Ort.

Kuala Lumpur

Unser nächster Ausflug führt uns nach Kuala Lumpur. Wir buchen ein Auto direkt zu den Batu Caves im Norden von Kula Lumpur. Auf der Fahrt gießt es in Strömen und wir fragen uns, was wir machen falls das Wetter so bleiben sollte.
In den Kalksteinhöhlen wurden mehrere Hindu-Tempel errichtet. In der größten, 100 m hohen Höhle befindet sich der Haupttempel. Als wir die 272 Stufen lange Treppe hinaufsteigen hat es glücklicherweise aufgehört zu regnen. Als eine der wichtigsten Attraktionen KLs, wie Kuala Lumpur meist genannt wird, ist hier immer viel los. Heute ist Sonntag, noch dazu ein langes Wochenende und viele Menschen nutzen die freien Tage für Zeremonien, Andachten und Hochzeiten. Noch nie habe ich so viele tolle Saris an einem Ort gesehen, die Frauen sind unglaublich schön und festlich angezogen. Goldene Borten, glitzernde Steine und leuchtende Farben kombiniert mit aufwendigen Frisuren und klimpernden, goldenen Armreifen.
Störend sind einzig die vielen Bananenschalen, die die Treppe in eine glitschige Angelegenheit verwandeln. Leider werden die Affen auf der Treppe gefüttert, sie sind entsprechend fordernd und lassen ihre Bananenschalen auf der Treppe zurück.
In einem kleinen indisch-malaiischen Restaurant bekommen wir ein leckeres Mittagessen und Gelegenheit uns zu überlegen, was wir als nächstes unternehmen wollen.
Der Montag, der nächste Tag, ist ein Feiertag. Hari Raya Haji, das islamische Opferfest ist einer der höchsten Feiertage, deshalb sind die meisten Museen geschlossen. Wir entscheiden uns also von den Batu Caves direkt ins National Museum zu fahren. Nach den Museen in Melaka bin ich nur mäßig motiviert, aber dieser Besuch hat sich wirklich gelohnt. Die Dauerausstellung beschreibt die Geschichte Malaysias beginnend vor 500.000 Jahren, bis zur Unabhängigkeit, Trennung von Singapur und Entstehung der Nation Malaysia. Viele Themen, die uns in den letzten Wochen begleitet haben, ob Gummi oder Palmöl, Melaka oder Penang werden aufgegriffen.

Unser Abend-Spaziergang führt uns über den zentralen Platz, vorbei am Zusammenfluss der Flüsse, an der Jamek -Moschee, der ehemaligen Post, dem Sultan Abdul Samad Gebäude bis zum zentralen Markt. Die Stimmung in der Stadt ist entspannt, wir treffen viele festlich gekleidete Männer, die am Feiertag gemeinsam mit Freunden die Moschee besuchen.
Unser Weg führt uns schließlich nach Chinatown. Auf dem quirligen Nightmarket kann man sehr viele „Markenprodukte“ kaufen. Wir brauchen weder eine „echte“ Rolex, noch eine supergünstige Handtasche. Erbeuten hier aber unser Abendessen. Am Dumpling-Stand bekommen wir den Stuhl des Verkäufers und dürfen im Sitzen am einzigen Tisch essen. Wir beobachten ein winziges, unscheinbares Restaurant auf der anderen Straßenseite. Das Chicken-Rice scheint berühmt zu sein, die Schlange ist 100m lang und bewegt sich kaum. Die Kunden sind bereit stundenlang in der Schlange zustehen. Wir stellen uns nicht an und essen eine gebratene Banane zum Nachtisch.

Unser zentral gelegenes Hotel ist nicht nur recht günstig, sondern überrascht mit sehr umfangreichem Frühstücksangebot. Nudelsuppe, Müsli, Croissants, Eier, Nudelauflauf, geschmorter Kürbis, hier gibt es für jeden Geschmack etwas. Unser Frühstück fällt entsprechend etwas länger aus. Noch einmal spazieren wir durchs zentrale KL. Wir wollen den angeblich schönsten Bahnhof der Welt sehen und sind ziemlich enttäuscht. Man kann erahnen, dass er einmal schön war. Jetzt ist er vor allem heruntergekommen. Leider sind auch viele andere Gebäuden aus der Kolonialzeit, wie beispielsweise der ehemalige Supreme Court, in sehr schlechtem Zustand.
In der alten Markthalle sehen wir uns Souvenirs an, die wir nicht kaufen, und dann wird es Zeit aus dem Hotel auszuchecken. Wir laufen zu den Petronas Towers und machen ein paar Fotos von KLs ikonischem Gebäude. Die Zwillingstürme sind 452m hoch und galten nach ihrer Fertigstellung 1998 als höchstes Gebäude der Welt. Namensgeber ist Petronas, der staatliche, malaysische Mineralölkonzern, der diese Türme gebaut und hier seinen Hauptsitz hat. Uns gefallen sie besonders nachts, dann sehen sie so filigran aus, als seien sie aus Silber.

Wir fühlen uns beide nicht wohl und Gewitterwolken ziehen auf, also treten wir den Rückzug an und beschließen zurück zu Mari zu fahren. Kaum sitzen wir im Auto, da beginnt es zu gießen. Es hört erst auf, als wir an der Marina aussteigen. Das nenne ich Timing.
Der Kurzbesuch in der Hauptstadt hat uns Spaß gemacht, nicht nur wegen des klimatisierten Hotelzimmers.

Melaka

Die Stadt hat eine wechselhafte Geschichte, die sie nicht zuletzt ihrer strategisch interessanten Lage in der Straße von Malacca verdankt. Dieser abwechslungsreichen Geschichte verdankt sie auch die vielen Schreibweisen: Melaka, Malacca, Malakka. Ich kann mich nicht so recht entscheiden und nehme die aktuelle, malaiische.
Die Stadt wurde etwa 1396 vom Prinz Parameswara gegründet, so eine der Legenden. Schon bald interessierten sich fremde Handeltreibende für die junge Stadt. Anfang des 15. Jhd erklärte Chen Ho Melaka zum Protektorat der Ming-Dynastie. Nach den Chinesen kamen 1509 die Portugiesen, die hier ab 1511 regierten. Der Sultan von Melaka versuchte etliche Male die Portugiesen zu vertreiben, war aber nicht erfolgreich. Anders als die Niederländer, die Melaka 1641 eroberten. 1824 fiel Melaka endgültig an die Briten und wurde (zusammen mit Singapore und Penang) Teil des „Straits Settlements“, was es, mit Ausnahme der japanischen Besetzung im 2. Weltkrieg, bis zur Unabhängigkeit Malaysias 1957 blieb.

Die Fahrt nach Melaka ist interessant, so bekommen wir einen kleinen Einblick ins dörfliche Leben und die Fahrt führt oft entlang der langen Strände. Wir durchqueren große Ölpalmen-Plantagen. Ölpalmen sind schöne Pflanzen und die dunkelgrünen Palmen bilden ein grünes Meer soweit man sehen kann. Obwohl die Pflanze ursprünglich aus Afrika kommt, sind die größten Anbauflächen in Südostasien. Malaysia ist der zweitgrößte Palmölproduzent, Indonesien produziert inzwischen aber mehr als doppelt so viel Palmöl. Es gibt einen sehr hohen Ertrag pro Fläche, viel höher als bei anderen Ölpflanzen. Leider wird noch immer viel Regenwald gerodet, um neue Plantagen anzulegen. Dies gilt insbesondere für Borneo. Der Verlust des Regenwaldes geht mit dem Verlust der Artenvielfalt, des Lebensraums der Orang Utans und der Vertreibung der Bewohner einher.

Zurück nach Melaka. Wir steigen auf dem „Dutch Square“, dem zentralen Platz Melakas, dessen Gebäude rot gestrichen sind, aus dem Auto. Die holländische Christus-Kirche von 1753 und das Stadthys von 1650 stehen an diesem Platz mit seinem Victoria-Brunnen und dem Uhrturm. Im Stadthys ist ein Museum, das wir uns ansehen. Die Geschichte der Stadt als Einstieg in diesen Ausflug. Die Ausstellung ist leider eher mäßig und etwas ungepflegt, die wenigen schönen Ausstellungsstücke kommen nicht so recht zur Geltung, trotzdem bekommen wir einen geschichtlichen Überblick. Nobbi hat beschlossen, dass er einmal zum Meer laufen muss und so tapern wir in der Mittagszeit, in der prallen Sonne, bis an die Mündung des Sungai Melaka. Der Ausblick ist nicht wahnsinnig ergiebig und wir ziehen weiter. Nach einem leckeren Mittagessen, checken wir in unser Hotel ein. Das Hotel hat eine sehr hübsche Fassade und ist unglaublich tief und um mehrere Innenhöfe gruppiert. Obwohl die Kühle der Klimaanlage sehr verlockend ist, widerstehen wir der Versuchung und gehen noch einmal los. Ein Spaziergang führt uns vorbei an Tempeln, Moscheen und Kirchen, an Versammlungshäusern und an gut erhaltenen Wohnhäusern, und führt uns schließlich am Fluss entlang.
Nach dem Abendessen erleben wir die Stadt im Dunkeln. Am Fluss ist alles beleuchtet, die Gebäude, die Ufer und eine Melaka Werbung (mit Krümelmonster?!). Für unseren Geschmack ist es etwas zu bunt und zu blinkend.

Am nächsten Morgen sehen wir uns Teile des maritimen Museums und den Nachbau der „Flor de Mer“ an. Das portugiesische Schiff hatte lauter Schätze aus Melaka an Bord und ist 1511 vor Sumatra untergegangen. Die Geschichte ist spannend, aber für das Museum sehen wir noch Potential.
Eine kleine Runde bringt uns am Nachmittag zum Nachbau des Sultans Palastes, zu den Resten des portugiesischen Forts und am Unabhängigkeitsdenkmal vorbei. Viele Stufen führen auf den Bukit Melaka, einen Hügel von dem man einen netten Ausblick auf Melaka hat und auf dem die Grundmauern der St. Pauls Kirche von 1521 stehen. Wir lassen uns noch etwas durch die Stadt treiben, essen Mittag und machen uns auf den Weg zurück zu Mari.

Melaka war interessant, aber das Highlight für uns beide war aber, ehrlich gesagt, eine Nacht mit Klimaanlage in dem wirklich schönem Hotelzimmer. Unter einer Bettdecke schlafen ohne zu schwitzen. Wahrer Luxus!