Norderney

Schon wieder geht’s im Dunkeln los. Um 4.30 klingelt der Wecker, nach einem Becher Kaffee legen wir ab. Mit uns läuft ein Bagger aus und wir heften uns an seine Fersen. Die Tonnen der Fischerbalje, der Hafenausfahrt, sind nicht beleuchtet. Wir versuchen sie mit der Taschenlampe zu finden, aber da sie keine reflektierenden Streifen haben, ist das schwierig. Das Leuchtfeuer Fischerbalje weist uns den Weg.
Die Strömung ist nicht so stark wie bei der Einfahrt, wir lassen uns ins Ems-Fahrwasser spülen und folgen dem Bagger. Auch hier im breiten Fahrwasser sind viele der Tonnen nicht beleuchtet. Mit der elektronischen Karte ist es kein Problem den Weg zu finden, doch wir möchten ungern eine Tonne überfahren.
Unser Timing ist perfekt. Der Strom trägt uns nach Nordwesten hinaus auf die Nordsee, kentert und schiebt uns dann nach Osten entlang der Ostfriesischen Inseln. Wir sind schneller unterwegs als erwartet und entscheiden uns für die östliche Einfahrt nach Norderney. Sie ist etwas tiefer als die westliche, die bei so ruhigem Wetter auch problemlos passierbar wäre.
Norderneys Dünen liegen grau voraus, es ist bewölkt und ein wenig diesig. Dass die grüne Tonne auf der Barre fehlt, wussten wir und suchen sie daher nicht. Wir halten uns an die roten Tonnen und fahren durchs Fahrwasser um die Westspitze der Insel. Der Ort ist von See eher hässlich. Die Hochhäuser sind nicht so schlimm wie in Belgien, strahlen jedoch keine Inselromantik aus.
Im Yachthafen ist sehr viel Platz. Wir legen an, essen Mittag und machen eine ausgiebige Mittagspause. Die Saison ist vorbei, einige Schiffe werden gekrant, auf anderen wird aufgeräumt, Bettdecken und Segel werden an Land gebracht. Die Stimmung beim Arbeitsdienst des Vereins ist ausgelassen. Wir freuen uns über sommerliches Herbstwetter und genießen die Sonne im Cockpit, am Nachbarsteg wird gebadet.
Wir laufen durch den Ort, genießen einen Sundowner auf der Strandpromenade, füllen den Dieseltank und waschen Wäsche. Direkt am Fähranleger ist ein Fahrradverleih, bei dem wir Räder mieten. Unsere Tour führt uns entlang des Südstrandpolders zum Leuchtturm, durch die Dünen an den Strand, um den Grohdepolder und über die Aussichtsdüne wieder zurück zum Hafen. Ab und zu halten wir für einen kleinen Spaziergang, zum Vögel beobachten oder zum Picknick. Das Wattenmeer ist eins der vogelreichsten Gebiete der Erde und gerade sammeln sich viele Vögel, um nach Süden zuziehen. Nicht zum ersten Mal fragen wir uns, ob wir nicht in die falsche Richtung unterwegs sind.

Heute geht’s nach Bremerhaven, wo wir nachmittags ankommen sollten, und dann sind wir schon fast zu Hause!