Es ist noch dunkel, als wir aus Ijmuiden auslaufen. Der Hafen ist wenig beleuchtet, aber mit der Taschenlampe finden wir die Ausfahrt aus dem Yachthafen und die kleinen Tonnen davor. Unseren Plan im Vorhafen Segel zu setzen, verwerfen wir. Uns kommt im Vorhafen ein Fischer entgegen, der sein Fanggeschirr noch im Wasser hat. Die spinnen, die Fischer.
Bald beginnt der klare Himmel zu leuchten, es wird langsam hell und wir freuen uns, dass wir segeln können. 125 Seemeilen sind es nach Borkum, am nächsten Morgen wollen wir mit auflaufendem Wasser ankommen. An der Küste ist nicht viel Verkehr, nur im Fahrwasser nach Den Helder sind einige Schiffe unterwegs. Sobald wir an den westfriesischen Inseln entlang segeln, sind auch die Fischer verschwunden. Nördlich von uns im Verkehrstrennungsgebiet sehen wir die großen Frachter mit Kurs auf Bremerhaven, Cuxhaven und Hamburg. In unserer Nähe tummeln sich nur verschiedene Mess-Schiffe. Hier gibt es einige Naturschutzgebiete, in denen verschiedene Verbote gelten, aber Gas gefördert wird. Überhaupt sieht man hier sehr gut, wie sehr wir unsere Nordsee bewirtschaften: Fischerei, endlose Windparks, die besonders nachts sehr sichtbar werden, Gas- und Ölförderung und natürlich als Verkehrsweg.
Nicht nur Seehunde und Kegelrobben erfreuen uns, sogar Delfine sehen wir. Anders als erhofft, können wir immer wieder einige Stunden segeln. Auf einen schönen Tag folgt eine wunderbare Vollmondnacht. Die Strände der Inseln leuchten im Mondlicht, es ist hell und das Wasser glitzert silbern. Wir genießen die vermutlich letzte Nachtfahrt der Reise. Nirgends kann ich so gut nachdenken, wie nachts auf See. Das wird mir fehlen.
Etwas anstrengend ist es, weil wir von Hand steuern müssen. Unser elektrischer Autopilot mag nicht. Ob, es an der achterlichen Welle und Wind genau von hinten liegt, oder ob es ein anderes Problem gibt, wissen wir nicht. Statt unser bewährtes Wachsystem mit drei-Stunden-Wachen zu gehen, lösen wir uns jeweils nach ungefähr einer Stunde ab. Das reicht, um ein kleines Nickerchen zu machen und sich aufzuwärmen.
In den frühen Morgenstunden segeln wir langsam dahin. Wir haben es nicht eilig, weil wir mit der Tide einfahren wollen. Der Flutstrom setzt ein und wir segeln, bis das Ems-Fahrwasser nach Süden abknickt. Eine ganze Flotte von Windparkschiffen kommt uns entgegen. Arbeitsbeginn um 6:30 Uhr. An der Einfahrt in die Fischerbalje, das Fahrwasser zum Hafen, strömt es gewaltig. Schäumende, kleine Wellen stehen am Beginn des Leitdamms. Wir müssen kräftig vorhalten, um nicht vorbeigespült zu werden.
Im Hafen gibt es einen Steg, an dem Gäste anlegen dürfen. Platz ist für sechs Boote, wenn mehr Boote kommen, gehen sie ins Päckchen, legen also an einem anderen Boot an. Wir sind das siebte Boot und entscheiden uns an der „Heimkehr“ längsseits zu gehen. Von Bert und Marlene hatten wir uns in Zeebrügge verabschiedet. So schnell trifft man sich wieder.
Borkum Reede, wo sich der Hafen befindet, liegt etwa 7 km entfernt vom Ort. Ein Fahrrad bietet sich als Verkehrsmittel an. Schöne Radwege führen über die Insel, aber auch auf den Straßen kann man wunderbar fahren. Nur auf der Landstraße zwischen Hafen und Ort ist etwas Verkehr, sonst fährt nur gelegentlich ein Bus oder ein Trecker. Autofahren und Parken ist fast überall verboten oder eingeschränkt, fast alle Touristen sind auf Fahrrädern unterwegs.
Zunächst machen wir einen Abstecher in die Salzwiesen. Im Ort sehen wir uns die Leuchttürme an, besuchen eine hübsche Kirche, laufen an der Strandpromenade entlang und werfen einen Blick in die Schaufenster der Läden. Es ist Sonntag, die meisten Geschäfte sind geschlossen und so sparen wir viel Geld. Mittags sitzen wir in der Sonne und essen ein Krabbenbrötchen. Es könnte alles so viel schlimmer sein.
Links die Dünen, rechts die Weiden radeln wir nach Osten. Eine Pause auf der Aussichtsdüne, ein Abstecher an den Strand, ein Fotostopp bei den Highland-Kühen und beobachten des Spitzwegerich-Gallrüsselkäfers. Zurück geht’s über den Deich an der Südküste und nun spüren wir auch langsam unsere Oberschenkel. Irgendwo treffen sich Horizont, Festland und Watt, dieses ganz besondere Gefühl der Weite gibt es nur im Wattenmeer. Entlang der Reedestraße riecht es intensiv nach Sanddorn und Salz.
Mit Bert und Marlene feiern wir Wiedersehen und Abschied bei Sanddorn-Spritz und gemeinsamen Abendessen. Während die beiden noch bleiben, ziehen wir weiter nach Norderney.
Auf dem Hinweg waren wir nur eine Nacht in Borkum. Wir freuen uns, dass es diesmal zwei Tage waren und wir einen Eindruck von der schönen Insel bekommen konnten. Nach zehn Jahren ist Marisol wieder in deutschen Gewässern und wir nähern uns der Heimat. Ein merkwürdiges Gefühl.























