Schlaflos in Ponta Delgada

Knirsch, klong, ping, grrrr, pock, bäng, quietsch…
Wir haben gar nicht besonders viel Wind, aber die Wellen aus dem Osten laufen in genau in die Hafeneinfahrt. Die Boote zerren an den Leinen, die Masten schwanken und man sieht, wie die Wellen unter dem Hauptsteg hindurch laufen. Der Hafen ist rappelvoll. Der Platz, auf dem wir liegen, ist uns eigentlich zu klein. Der schmale, wackelige Fingersteg endet in der Mitte unseres Bootes. Trotzdem sind wir froh, diesen Platz bekommen zu haben. Als wir Dienstagnachmittag hier ankamen, war es mehr als unruhig im Hafen, die Boote fuhren wie wild in den Boxen hin und her. Wir hätten diesen Platz gar nicht gefunden. Ein Freund, hat ihn uns nicht nur organisiert, sondern uns auch den Weg gewiesen und uns in Empfang genommen.
Die Überfahrt begann so schön. Am frühen Morgen nahmen wir schweren Herzens Abschied von Santa Maria. Wir waren im Rekordtempo unterwegs, lange sind wir nicht mehr so schön und so schnell gesegelt. Eine Schule Zügeldelfine besuchte uns, die kleinen, getupften Tiere sprangen übermütig aus dem Wasser, begleiteten uns etwas, bevor sie wieder abdrehten. Später kamen ihre größeren Verwandten, die großen Tümmler vorbei. Hatten wir eigentlich damit gerechnet erst abends in Ponta Delgada auf Sao Miguel anzukommen, erreichen wir die Insel schon nachmittags. 50 Meilen der Überfahrt machen großen Spaß, in der letzten Stunde nimmt der Wind immer weiter zu, statt wie vorhergesagt ab. Die Wellen werden höher und steiler. Eigentlich ein schönes Wetter um vor den Wind zugehen und weiter nach Terceira oder Horta zu segeln, doch in Ponta Delgada liegen lauter Freunde, die wir treffen möchten. Ein kleiner Frachter fährt vor uns in den Hafen. Die Welle steht direkt in die Einfahrt, unsere Idee das Segel im Schutz der Mole zu bergen ist damit nutzlos. Die Mole bietet kaum Schutz. Also nehmen wir das Großsegel runter, ohne in den Wind zu drehen. Mari kennt solche Mannöver bereits und es klappt einwandfrei. Der Liegeplatz an der Rezeption ist besetzt, doch wir haben ohnehin nicht vor, bei so unruhigem Wasser an einer Betonpier festzumachen. Dank der Hilfe unseres Freundes können wir direkt in den Hafen fahren.
Es folgen drei sehr unruhige Nächte mit wenig Schlaf. Es ist einfach zu laut. Fast wären wir eingeschlafen, da ruckt Mari in die Leinen und wir sind wieder wach. Wir verbringen viel Zeit damit das Boot möglichst gut anzubinden. Ein Ruckfender aus Gummi bricht und Nobbi ersetzt ihn. Wegen der unruhigen Nächte hängen wir tagsüber ein bisschen durch, außerdem mögen wir Mari nicht lange alleine lassen. Trotzdem ist uns überhaupt nicht langweilig. Ein Schnack auf dem Steg, Kaffee trinken an Bord bei den einen, ein gemeinsames Abendessen mit den nächsten, eine Verabredung zum Sundowner, baden gehen in netter Gesellschaft an der Badestelle. Wir freuen uns neue Menschen zu treffen und so viele Segler wiederzusehen, die wir zum Teil im Frühjahr 2024 in Malaysia zuletzt getroffen haben.
Freitag dreht der Wind und die Welle nimmt langsam ab. Es wird ruhiger. Noch immer knarren die Leinen und die Stege quietschen fürchterlich an den Pollern, doch es ist viel angenehmer. Fürs erste haben wir es wohl überstanden. Ein Freund hat weniger Glück. Freitagmorgen bat er um Hilfe, die heftigen Bewegungen hatten eine Klampe aus dem Deck gerissen und er hatte sein Boot zunächst notdürftig angebunden. Mit vereinten Kräften zogen wir das Boot an einen anderen Platz. Ein blöder Schaden, der sich hoffentlich reparieren lässt.
Freitagabend gehen wir zu sechst zu einem Open Air Konzert. Erst können wir uns alle nicht so recht aufraffen, hat es doch während des Tages immer wieder geregnet und irgendwie sind alle müde. Das Konzert beginnt um halb zehn, man könnte jetzt auch aufs Sofa wechseln. Wie gut, dass wir das nicht getan haben! Wir werden von einem tollen Konzert mit traditioneller Musik von den Azoren überrascht. Die Bühne wurde vor einem alten Gebäude errichtet, das eine imposante Kulisse bildet, und die Musiker spielen und singen auf ganz hohem Niveau. Eine tolle Überraschung!
Anschließend ziehen wir noch weiter, geraten in eine Bar mit Fußball-WM und fiebern mit den Kapverden mit, die schließlich doch gegen Argentinien verlieren. Als wir um halb zwei ins Bett gehen, stellen wir fest, dass dies auch eine Nacht mit wenig Schlaf wird. Diesmal aber aus viel schöneren Gründen!