Samstagnachmittags laufen wir die völlig verlassene Hauptstraße von Vila da Porto entlang. Der Supermarkt hat geöffnet, alle anderen Läden sind geschlossen. Wir wollen den gemieteten Roller abholen. Versprach der Wetterbericht gestern noch Sonne, ist es jetzt tief grau und ein wenig frisch.
Die Übergabe des Rollers erfolgt schnell, aber wenig enthusiastisch. Eine kleine Straße bringt uns nach Anjos im Nordosten der Insel. Santa Maria ist klein, etwa 14 mal 10 Kilometer, die Distanzen sind also übersichtlich. Kolumbus soll 1493 auf der Rückreise seiner ersten Erkundungsfahrt in der Bucht von Anjos geankert haben, war aber wohl nur mäßig willkommen. Trotzdem gibt es heute eine Kolumbus-Statue am Ortseingang.
Am Strand gibt es ein Naturbadebecken, in dem man auch bei starkem Wellengang baden kann, doch uns ist es für ein Bad zu grau. Wir laufen auf dem Küstenweg entlang und sehen uns die kleine Höhle an. Inzwischen hat ein leichter Sprühregen eingesetzt und wir beschließen uns auf den Rückweg zu machen. Quer über die Insel geht es zum Aussichtspunkt über die Praia Formosa. Wunderschön liegt der lange Strand unter uns, doch die Wolken drohen dunkelgrau. Kaum sitzen wir wieder auf dem Roller beginnt es zu regnen.



Am nächsten Tag beginnen wir unsere Rundtour mit einem Besuch von Praia Formosa. Die Sonne scheint, das Meer leuchtet und es ist wunderbar ruhig für einen sonnigen Sonntag im Sommer am fast leeren Strand. Wir könnten den Tag einfach hier am Strand verbringen, setzen unsere Tour dann aber doch fort. Hinter Praia Formosa gewinnen wir dank kleiner Serpentinen schnell an Höhe und erreichen die Südostküste der Insel. Hier biegen wir auf eine Schotterpiste ab. Zwischen Gestrüpp und Kuhweiden beginnt ein Fußweg, der uns zu den Basaltsäulen „Ribeira do Maloas“ bringt. Der Wasserfall ist höchstens ein Wassertröpfchen, aber die Steinformationen sind beindruckend und in den Wasserbecken am Fuß der Steinsäulen tummeln sich Frösche, wir hören und sehen viele verschiedene Vögel und der Ausblick auf schroffe Südküste ist, genau wie der Wanderweg, sehr schön.












Ganz im Südosten der Insel steht der Leuchtturm „Farol de Gonçalo Velho“, den wir bereits von See aus gesehen haben. Etwas oberhalb des Leuchtturms gibt es eine Walbeobachtungsstation, die durch eine lange Treppe zu erreichen ist: der perfekte Picknickplatz!
Der kleine Ort Maia drängt sich an die steile Ostküste, oberhalb der Häuserreihe liegen sehr steile Weinberge. Kein Wunder, dass viele der Terrassen nicht mehr bewirtschaftet werden, das sieht mühsam aus. Ganz am Ende der Bucht führt der Weg zur Cascata do Aveiro, dem höchsten Wasserfall Portugals (100m). Die Wassermenge ist auch hier begrenzt, der Wasserfall ist jedoch trotzdem schön.
Schmale Hortensien gesäumte Straßen bringen uns zu einem Aussichtspunkt über Sao
Lourenço, einem Ort, der ebenfalls an der Ostküste liegt, einen tollen Strand hat und von Weinbergen umgeben ist.
Langsam wird es Zeit an den Rückweg zu denken. Wir entscheiden uns für die Straße durch die Inselmitte und wollen noch den Pico Alto besuchen. Der Pico Alto ist mit 587m die höchste Erhebung Santa Marias. Eine Straße führt auf den Berg, eine lange Treppe bringt uns bis auf den Gipfel. Der Berg ist nicht besonders hoch, dennoch kann man die ganze Insel überblicken. Im Westen ist die Insel eher platt und die Gräser bereits gelb und verdorrt, im Osten ist es grün und hügelig.
















Bevor wir den Roller wieder abgeben, machen wir noch einen Ausflug. Wir fahren zunächst an die Nordküste. Kühe, Hortensien, Schmucklilien (ich weiß nicht, was der Plural von Agapanthus ist), kleine Dörfer und viele Hügel. In Sao Lourenço trinken wir einen Kaffee und machen einen Spaziergang, dann geht’s über Nebenstraßen nach Praia Formosa zum Picknick.


Santa Maria gefällt uns wieder sehr gut, wie schon bei unserem ersten Besuch im vergangenen September. Abwechslungsreich, grün und ruhig. Manchmal sehen wir eine halbe Stunde kein Auto. Eine Gruppe unbegleiteter Kühe kommt uns entgegen, passiert uns etwas skeptisch und nimmt dann wieder die ganze Straßenbreite ein. Auf Santa Maria kann man einfach nur entspannen.

