Ausflüge, Zimt und Abfahrtspläne

Samstagmorgen ist es grau, aber trocken. Da könnte man wandern gehen! Der Bus fährt direkt vor der Marina ab und hält auch tatsächlich dort, wo wir dachten. Nach einer
Dreiviertel Stunde Fahrt entlang der Küste, steigen wir in Agua de Alto aus. Die kleine Wanderung führt durch eine enge Schlucht, der schmale Wasserlauf mit seinem starken Gefälle wurde ab 1900 zur Stromgewinnung genutzt. Oberhalb der Schlucht befindet sich ein großes Staubecken, in der Schlucht gibt es mehrere verfallene Generatoren-Häuser mit den Überresten der Generatoren.
Der Weg beginnt harmlos und schlängelt sich durch dichtes Grün, unterhalb eines hübschen Wasserfalls baden einheimische Jugendliche in einem natürlichen Swimming-Pool. Der Weg wird steiler und in vielen Abschnitten gibt es unterschiedlich hohe Stufen. Trotz des grauen Wetters wird uns schnell warm. Die bewachsenen Ruinen bieten eine willkommene Verschnaufpause. In einem ist ein weißes Huhn unterwegs.
Zwischen dichten japanischen Sicheltannen (inzwischen der beliebteste Nutzbaum der Azoren!) schnaufen wir den Hang hinauf. Am Staubecken angekommen machen wir unser Picknick. Der Weg hat uns so gut gefallen, auch, weil es überall piep, zwitschert und summt, dass wir uns entscheiden ihn zurückzulaufen und nicht den leichteren Weg über den asphaltierten Wirtschaftsweg zunehmen.

Nach dem tollen Konzertabend haben wir uns die zwei folgenden Konzerte ebenfalls nicht entgehen lassen. Ein großes Orchester mit vielen Blechbläsern und Schlaginstrumenten spielte ganz unterschiedliche Stücke von portugiesischen Komponisten. Zur Feier der fünfzigjährigen Autonomie hatten alle Darbietungen das Thema „Freiheit“. Uns haben Saxophonist, Sängerin, Chor und Orchester gleichermaßen begeistert.
Beim Opernabend wurden die Solisten von einem riesigen Chor und einem Klavier begleitet. Ich glaube, ich hatte bewusst noch nie eine portugiesische Oper gehört.

Auch das Sozialleben kommt nicht zu kurz. Morgens wird weiter gemeinsam geschwommen, wir treffen uns zum Sundowner, man wird spontan zum Kaffee eingeladen oder geht zusammen Fußball (WM) gucken. Und dann waren wir noch zum BYOC. Falls euch die Abkürzung nicht geläufig ist: Bring your own Cinnamon! Als ich den Tisch zum Abendessen decke, fällt mein Blick auf den Zimt und ich erinnere mich, dass eine Freundin gesagt hatte, sie brauche Zimt. Ein kurzer Austausch von Nachrichten und schon sind wir zum Nachtisch eingeladen, wenn wir unseren Zimt mitbringen!
Wir haben gleich mehrere Bremer getroffen und verabredet uns im Winter in der heimatlichen Hansestadt wiederzutreffen. Für uns eine ganz neue Erfahrung, sonst hieß es immer „see you somewhere“.

Um die Lagoa do Fogo, einen Kratersee, zu besuchen, mieten wir einen Roller. Entlang der Küstenstraße fahren wir nach Osten und biegen dann in die Inselmitte ab. Die Hortensienhecken stehen in voller Blüte, die Straße schlängelt sich den Berg hinauf und es ist kaum Verkehr. Wir halten an jedem Aussichtspunkt, laufen zu einem weiteren Miradouro und freuen uns über Möwen und Ziegen. Der See leuchtet grün und wird von einem kleinen hellen Strand gesäumt.
Wir folgen der Straße auf die Nordseite der Insel. Der Parkplatz oberhalb des Wasserfalls „Salto do Cabrito“ ist ziemlich voll, so sind wir nicht überrascht, als wir viele Menschen auf dem steilen Weg hinunter zum Fuß des Wasserfalls treffen. Der Wasserfall ist toll. Er fällt durch einen Einschnitt im Felsen in zwei Stufen in ein kleines Becken. Ein idealer Platz für unser Picknick. Anschließend möchte ich gucken, ob man den Wasserfall auch von oben sehen kann und steige den schmalen, schlammigen Wanderweg hinauf. Von dort gelange ich schließlich auf einen schmalen Gittersteg entlang der Wasserleitung. Tatsächlich gelange ich hier in die schmale Schlucht und kann von oben in das Becken zwischen den beiden Wasserfällen schauen. Es gibt sogar eine Treppe zurück zum Wasserfall, leider trennt mich eine abgeschlossene Tür von dieser Abkürzung und ich muss den ganzen Weg zurücklaufen. Als ich wieder bei Nobbi ankomme, sitzt dieser zusammen mit einem Huhn auf einem Baumstamm.
Auf dem Rückweg über den Berg (949 m hoch) werden wir von einer großen Wolke verschluckt. Alles ist weiß und feucht, die Lagune im Krater ist verschwunden. An der Küste ist das Wetter wieder schön und trocken. Ein bisschen Zeit haben wir noch und fahren spontan nach Agua do Pau. Dort entdecken wir eine Seeschwalbenkolonie. Rosenseeschwalben und Flussseeschwalben brüten auf einem großen Felsen vor der Küste und fliegen mit Fischen im Schnabel ihre Nester an. Etwas weiter entlang der Küste gibt es einen tollen Badeplatz. Die Felsen formen geschützte Becken, es gibt Duschen und Holzdecks zum Sitzen.

Mit 18 Leuten und Crews von 21 Booten sitzen wir bei dem spontanen TO-Treffen zusammen. Dass so viele Boote aus unserem Trans-Ocean-Verein gerade in Ponta Delgada liegen, war eine gute Gelegenheit sich in größerer Runde zutreffen. Susanne hat die Sache schließlich in die Hand genommen und einen großen Tisch reserviert. Danke!
Das Top-Thema dieser Tage ist: wer-fährt-wann-wohin. Viele zieht es zurück ans Festland. Auch wir werden uns auf den Weg nach Nordosten machen. Je nachdem, was Rasmus plant, erreichen wir in ein bis zwei Wochen Spanien, Portugal oder Frankreich. Drückt uns die Daumen für angenehme Bedingungen!

Fast zwei Jahre ist es her, dass wir auf Cocos Keeling waren. Das Schild, das wir gemalt und dort aufgehängt hatten, hat Sonne und Stürme gut überstanden. Pia und Köbi von der Lupina haben uns dieses Foto geschickt und uns damit eine große Freude gemacht.