Ilot Casy

Auf unserer Fahrt durch die Baie de Prony kommen wir an einer Verladeeinrichtung für Nickelerz vorbei. Ein großes Schiff wartet darauf beladen zu werden, auf einem langen Förderband wird das Erz ans Wasser transportiert. Das denken wir zumindest zu diesem Zeitpunkt. Später stellen wir fest, dass das Schiff anscheinend leer wieder abfährt. Es hat also etwas gebracht? Wir werden es weiter beobachten. Auf jeden Fall liegt hier die Goro Mine und auch irgendwelche Verarbeitungsanlagen.
Unsere Reise ist wieder kurz. Nach fünf Meilen erreichen wir unser Ziel. Diesmal fischen wir eine Boje an der Ilot Casy, einer Insel, die mitten in der Baie de Prony liegt. Alle elf Bojen auf der Westseite sind frei und wir entscheiden uns für eine auf vier Metern Wassertiefe. Es ist kitschig schön. An einen schmalen weißen Stand schwappt türkises Wasser, schwarze Felsen setzten Akzente und grüne Bäume recken sich in den blauen Himmel. Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein sehen kann.
Wir rudern an Land und laufen um die Insel. Auf dem höchsten Punkt machen wir ein kleines Pique- Nique (wie man hier sagt). Es gibt viel zu entdecken. Die Insel wurde, wie auch die umliegenden Hänge, abgeholzt. 1891 waren alle Bäume gerodet und die Holzindustrie kam hier zum Erliegen. Heute ist die kleine Insel unbewohnt. Noch bis 1993 wohnte eine Familie hier und bis 2017 ein Hund, der in der Seglerszene eine gewisse Popularität erlangte.
Die Insel ist jetzt wieder dicht bewachsen. Seltsam aussehende Nadelbäume, unterschiedliche Laubbäume und verschiedene Palmen bilden einen schönen Wald durch den sich der Weg schlängelt.
Abends kommt eine zweite Yacht und fischt eine Boje auf der anderen Seite der Bucht. Nachts schläft der Wind ein, ist ganz ruhig und ein wunderschöner Sternenhimmel zeigt sich. So ruhig und friedlich der Freitag verlief, so turbulent wird das Wochenende. Beim ersten Kaffee im Cockpit winken wir den Nachbarn, die genau wie wir erstmal baden. Dann geht es los. Ein Ausflugskatamaran mit einer Gruppe quiekender Frauen macht einen Zwischenstopp, ein Schlauchboot und eine kleine Fähre bringen Tagestouristen. Kühltaschen und Luftmatratzen werden ausgeladen, Kinder plantschen im flachen Wasser, SUPs werden durch die Bucht gepaddelt und Picknick Plätze im Schatten ausgesucht. Wirklich voll wird es nie. Wir machen mit und unternehmen jeden Tag einen ausgiebigen Spaziergang auf der Insel. Immer wieder entdecken wir tolle Pflanzen, wie die fleischfressenden Exemplare, die Kannen ausgebildet haben, in denen kleine Insekten ertrinken oder kleine Bäume, deren Wurzeln ganze Felsbrocken umarmen. Nachmittags wird ausgiebig geschnorchelt. Die Korallen in der Bucht sind ziemlich kaputt, trotzdem gibt es eine Vielzahl interessanter Fische zusehen. Mein Highlight ist der winzige, gelbe Kofferfisch. Wir sehen unsere erste Seeschlage in Neukaledonien, von denen soll es hier sehr viele geben und in der Bucht wohnt mindestens eine Schildkröte.
Eine kleine Gruppe Ausflügler schlägt ein Zeltlager auf und übernachtet auf der Insel, die meisten jedoch werden nachmittags wieder abgeholt. Ein kleines Motorboot bleibt ebenfalls über Nacht und eine Luxusyacht macht an der einzigen Tonne für große Yachten fest. Das Dinghi wird mit dem Kran zu Wasser gelassen, während auf dem Achterschiff die Servietten fürs Abendessen gefaltet werden. Es gibt den ganzen Tag interessante Unterhaltung. Auch Sonntag kommen einige Besucher auf die Insel, die Camper werden wieder abgeholt und die anderen Boote gehen Anker auf. Nachts schläft, wie so oft, der Wind ein und die Sterne spiegeln sich im glatten Wasser.
Heute (Montag) wollten wir eigentlich weiterziehen, doch beim Frühstück ist es einfach zu schön zum Absegeln. Wann hat man schon mal eine Insel ganz für sich allein. Also bleiben wir. Vielleicht geht es morgen weiter.