Südinsel Teil 2 – die großen Seen, Dunedin und die Otago Halbinsel

Von Entenhausen, besser bekannt als Geraldine, machen wir uns auf der Inland Route auf den Weg nach Wanaka. Heute stehen die großen Seen auf dem Programm, die zwischen den Südalpen und dem flachen Land entlang der Ostküste liegen. Was uns heute als erstes auffällt ist der viele Verkehr. Unser erster Stopp ist der Lake Tekapo, hier wollen auch alle anderen Touristen hin. Der See leuchtet türkis, im Hintergrund erheben sich die schneebedeckten Berge der Südalpen und am Ufer des Sees fordern Lupinen zu kitschig schönen Fotos auf. Wir unternehmen einen langen Spaziergang, der uns zur kleinen Kirche und durch einen schönen Kieferwald führt. Entfernt man sich weiter als 200 m vom Parkplatz ist man allein. Voll ist es nur am Parkplatz, wo die Lupinen alle plattgetrampelt sind, weil jeder Besucher dringend ein Foto von sich selbst im Blumenmeer braucht. Die ruhige Stimmung am See gefällt uns sehr, allerdings ist es so kalt, dass wir immer in Bewegung bleiben, wir mögen uns nirgends hinsetzen.
Leider bewölkt es sich immer mehr, so dass die hohen Berge verschwinden. Am Lake Pukaki verzichten wir deshalb auf den Abstecher, den wir geplant hatten um einen besonders schönen Blick auf Mount Cook, Neuseelands höchsten Berg, zu genießen. Wir haben Glück und sehen den Berg an einem anderen Tag, völlig ungeplant. Zwischen den großen Seen wird uns klar, woher Neuseeland seinen Strom bekommt. Ungefähr 80% des neuseeländischen Energiebedarfs werden durch erneuerbare Energie gedeckt, vor allem durch Wasserkraft. Wir fahren über Staudämme, sehen die Kanäle und Staubecken.
Der Lake Hawea gefällt uns, weil er glasklares Wasser hat. Hier ist es sehr still und wir finden eine Bank für eine weitere Pause. Der Lake Wanaka, an dem der gleichnamige Ort liegt, ist der vierte See des Tages. Leider hingen in der zweiten Tageshälfte die Wolken sehr tief, so dass wir das Bergpanorama manchmal nur erahnen konnten. Trotzdem war es sehr schön. Die Verschiedenartigkeit der Seen hat uns beeindruckt. Während das Wasser des Tekapos milchig und türkis ist, hat der Hawea glasklares Wasser, frei von Sediment.
In Wanaka (vor allem als Ski-Ort bekannt) gibt es Outdoor und Andenkenläden ohne Ende. Leider haben alle geschlossen. Außer den großen Supermärkten, die meist bis 9 oder sogar länger geöffnet haben, schließen die Läden gerne zwischen fünf und halb sechs, das kennen wir schon aus Auckland und Dunedin. Gut für unsere Reisekasse. Nobbi isst die schlechteste Pizza unserer Reise, wenn nicht gar seines Lebens, trotzdem bleibt uns Wanaka als netter Ort in Erinnerung.

Am nächsten Morgen regnet es. Heute geht es nach Dunedin. Die Landschaft gefällt uns, nachdem es gestern meistens geradeaus ging, ist die Straße kurvig und die Landschaft hügelig. Auf den Weiden sind Felsen und Felsformationen malerisch verstreut, ab und zu führt die Straße durch ein Waldstück. Im weiteren Verlauf der Fahrt durchqueren wir Obstanbaugebiete und Weinberge. Hier kommen also unsere Äpfel her. Die Kirschen sind gerade reif, überall gibt es kleine Stände bei denen man sie kaufen kann. Leider regnet es noch immer. Durch Zufall entdecken wir ein Café in einem kleinen Ort, und Nobbi liest mir dort das Lokalblättchen vor.
Südlich von Dunedin folgen wir kleinen Straßen entlang der Küste, wir parken immer wieder und sehen uns die endlos langen, einsamen Strände an, doch da es noch immer regnet können wir uns nicht zu einem längeren Spaziergang aufraffen.
In Dunedin (das man übrigen Deniedin – mit der Betonung auf nie – ausspricht) haben wir ein Zimmer in einem kleinen Guesthouse. Nobbi ist sehr zufrieden mit meiner Wahl, schließlich kann man vom Bett aus den Hafen überblicken. Abends hört es auf zu regnen und wir erkunden die Stadt. Dunedin gilt als die „schottische Stadt“ Neuseelands und hat viele schöne alte Gebäude. Das Gelände ist sehr hügelig und zu unserem viktorianischen Guesthouse geht es steil bergauf. Gut fürs Fitnessprogramm.
In Dunedin finden wir unseren Verdacht bestätigt: Neuseeländer glauben nicht an Heizungen. Die meisten neuseeländischen Häuser haben keine Heizung. Bereits als ich Zimmer gebucht habe, war mir aufgefallen, das gerne mit dem Vorhandensein von Heizdecken geworben wird. Für Heizdecken, Wärmflaschen und Thermounterwäsche gibt es einen großen Markt. Kleine elektrische (häufig mobile) Heizungen oder Klimaanlagen mit Heizfunktion stellen die luxuriösere Alternative dar. Ansonsten setzen die Kiwis auf Abhärtung. Insbesondere bei ihren Kindern. Während ich im Restaurant meine Fleecejacke anbehalte, trägt das Baby am Nebentisch kurze Hosen und T-Shirt. In Dunedin sitzt man auch bei knapp 10 Grad und Nieselregen draußen, kurzärmelig. Damit die Gäste, die drinnen sitzen nicht zu sehr verweichlicht werden, lässt man einfach die Schiebetüren des Restaurants offen.

Wir bleiben noch einen Tag in Dunedin und wollen uns die Otago Halbinsel ansehen. Zunächst haben wir Glück und das Wetter ist viel weniger grausam als angesagt. Es ist zwar kalt, aber immer wieder kommt die Sonne raus. Wir genießen die Fahrt entlang der Küste. Unser erstes Etappenziel ist die Albatros-Kolonie ganz an der Spitze der Halbinsel. Hier brüten Königsalbatrosse. Diese riesigen Vögel (Spannweite bis 3,30 m!) möchten wir gerne sehen. Der starke Wind treibt uns die Tränen in die Augen sobald wir aus dem Auto steigen. Was für uns Menschen mühsam ist, ist für die Albatrosse super Flugwetter. Immer wieder steigen sie über den Klippen auf, drehen eine Runde und verschwinden hinter den Felsen. Was für ein toller Anblick! Die Albatrosse sind nicht die einzigen Bewohner der Landspitze. Einige Seebären tauchen zwischen dem Kelp und viele verschiedene Seevögel sind hier zu Hause. Hunderte Rotschnabelmöwen brüten hier. Überall sitzen die flauschigen Küken und warteten auf ihre Eltern. Viele Möweneltern haben eine interessante Wohnungswahl getroffen und ihr Nest auf dem Gehweg, auf der Mauer die den Parkplatz begrenzt oder sogar auf den Treppenstufen zum Aussichtspunkt gebaut. Nun verteidigen sie ihre Jungen mit einem riesen Geschrei. Die brütenden Kormorane haben sie lieber auf die Klippen zurückgezogen.
Wir gucken Tiere bis der nächste Schauer kommt und verstecken uns dann entweder im Albatros Zentrum oder im Auto und wärmen uns auf. Es ist kalt, wir reden über einstellige Temperaturen. Hier ist doch Sommer? Das Ganze machen wir vier Mal. Wir überlegen, ob wir eine Führung zu den Albatrossen machen wollen, doch es gießt schon wieder und der Preis ist uns zu eigentlich zu hoch.
Nobbi fährt tapfer meine Routenvorschläge, auch wenn sie uns über unbefestigte einspurige Straßen führen. Außer einem Fahrzeug, das den Sandweg planiert und dem wir natürlich an der engsten Stelle begegnen, treffen wir keine anderen Autos und halten immer wieder an um Vögel zu beobachten. In der Sandfly Bay genießen wir den Blick über die Südwestküste und lassen uns vom stürmischen Wind durch pusten. Der Himmel ist aufgerissen, die Sonne scheint und es weht kräftig. Inzwischen haben wir wohl 9 bis 10 Bft. Selbst die Schafe haben sich in windgeschützte Kuhlen gelegt. Auf den Abstieg zum Strand verzichten wir. Die Bucht ist nicht nach den fiesen kleinen Insekten benannt, die einen stechen, sondern nach dem fliegenden Sand. Schon auf halber Höhe werden wir gesandstrahlt, als es anfängt zwischen den Zähnen zu knirschen, drehen wir um.
Abends fotografieren wir noch einmal den Bahnhof Dunedins, das am häufigsten fotografierte Gebäude der Südinsel, diesmal wird es von der Sonne angestrahlt. Eine kleine italienische Pizzeria versöhnt Nobbi mit der neuseeländischen Pizzalandschaft, die beste seit Europa! und dazu leckerer Chianti und der Nachtisch erst…