Rundreise auf der Südinsel Teil 1 – Ein kaputter Außenborder, Christchurch, die Südalpen und die Westküste

Pünktlich zu Weihnachten sind wir wieder zurück auf Mari. Unsere Tour über die Südinsel war toll und ereignisreich. Wie nach jeder Reise ist es auch schön wieder zu Hause anzukommen.
Schon während der Planung wurde uns klar, dass unser kleiner Ausflug auf die Südinsel gar nicht so klein wird. Allein für die Anreise zum Ausgangspunkt in Christchurch nehmen wir uns mehr als 24 Stunden Zeit. Mit dem Schlauchboot fahren wir von Mari zur Marina, dann laufen wir mit schwerem Gepäck den Hügel hoch zur Bushaltestelle, dort sammelt uns der Bus ein und bringt uns in vier Stunden nach Auckland. Hier übernachten wir bevor wir am nächsten Tag mit dem Bus zum Flughafen fahren, nach Christchurch fliegen und dort schließlich den Mietwagen übernehmen.
Gleich der erste Teil der Reise, die Fahrt mit Schlauchboot, begann spannend. Der Motor schnurrte, doch wir kamen nicht voran. Mit ganz wenig Gas ging es langsam vorwärts, gaben wir mehr Gas passierte nichts. Wir waren sehr erleichtert, als wir so dicht am Steg waren, dass wir zur Not hätten rudern können. Unser Beiboot haben wir am Steg liegen lassen, den Motor bei Honda abgegeben. Unser (genialer) Plan: der Außenborder wird repariert und ist bestens aufgehoben, während wir uns auf der Südinsel umschauen. Wenn wir wiederkommen, holen wir den Motor wieder ab. Der Rest der Anreise verlief unspektakulär und somit entspannt. Im Bus braucht Nobbi nur seinen Vornamen sagen und wir können einsteigen, die Sicherheitskontrolle in Auckland ist die entspanneste seit Jahren. So macht Reisen Spaß.
Nach ein paar Tagen kommt ein Anruf von Honda, unser AB würde doch super laufen, was denn eigentlich das Problem sei. Nobbi erklärt erst der Sekretärin, dann dem Mechaniker am Telefon das Problem. Einen Tag später rufen sie uns an, sie hätten das Problem gefunden, der Propeller sei kaputt, ein neuer bestellt, wir könnten ihn morgen abholen. Inzwischen war uns aufgegangen, dass unser genialer Plan vielleicht doch nicht ganz so genial war. Zwar hatte unser AB die Zeit ohne uns gut bewacht und trocken verbracht, jedoch wollten wir an einem Sonntag wiederkommen. Mit anderen Worten der AB ist so sicher aufgehoben, dass wir nicht dran kommen. Eine Lösung war schnell gefunden. Die netten Mitarbeiter von Honda versprachen den AB beim Hafenbüro für uns abzugeben. Glücklicherweise hat das tatsächlich geklappt. Als wir Sonntagnachmittag in Opua ankommen, wissen die Marina-Mitarbeiterinnen sofort von welchem AB wir reden und wir können ihn samt Rechnung aus dem Lager holen. Sehr gut, denn wir hatten 6 bis 7 Beaufort Wind, rudern wäre gelinge gesagt problematisch geworden.

Nach der Übernahme des Mietwagens füllen wir die Proviantkiste, kaufen uns einen schönen Reiseführer und Nobbi geht zum Frisör. Nun sind wir bereit für unsere Entdeckungstour.
Zunächst hatten wir uns überlegt ein Zelt zu kaufen, was wir dann verworfen haben, da wir nicht auch noch ein Zelt durch die Gegend segeln wollen. Ein Wohnmobil war aus Kostengründen ausgeschieden. Letztlich waren wir ganz froh, dass wir nicht gezeltet haben, es war zeitweise recht nass und vor allem unerwartet kalt.
Wir haben ganz unterschiedliche Übernachtungen gebucht. Von einer einfachen Hütte auf einem Campingplatz, über ein Hotel bis zu verschiedenen BnBs ist alles vertreten. Eigentlich müsste es Bw/oB heißen, Angebote mit Frühstück sind selten.

Wir beziehen unsere erste Unterkunft in Christchurch, ein schönes Zimmer bei einem jungen Paar in einem ruhigen Wohnviertel. Unser Auto lassen wir stehen und laufen quer durch den Park und botanischen Garten ins Stadtzentrum. In Christchurch sind noch immer die Nachwirkungen des schlimmen Erdbebens 2011 zusehen, in der Bebauung gibt es viele Lücken, die Ruine der Kathedrale erinnert an die verheerenden Schäden und überall wird gebaut. Uns gefällt die Stadt. Wir bleiben in der tollen Stadtbibliothek hängen. Die spannende Architektur hat uns angezogen, eine kleine Ausstellung über die Geschichte der Bibliothek, die Sammlung der Bücher über den Pazifik und die umfangreiche Zeitschriftensammlung halten uns fest. Wo sonst hat man denn Gelegenheit den „Earthmover“ zu lesen? Tonganische Kochbücher, die Geschichte der Besiedlung Samoas, Fiji zwischen Tradition und Moderne, gerne würden wir ein paar Tage zum Lesen bleiben, doch wir haben andere Pläne. Auf dem Nachhauseweg essen wir einen fantastischen Rinderbraten.

Am Freitag steht die Überquerung der Südalpen auf dem Programm. Greymouth an der Westküste ist unser Tagesziel. Das Autofahren ist sehr entspannt, nicht nur für mich als Beifahrerin. Die Straßen sind gut, und außerhalb der Städte ist wenig Verkehr. Auf den Landstraßen darf man 100 km/h fahren, langsamere Fahrzeuge lassen einen an einer der vielen Ausweichstellen passieren. Oft haben wir weder vor noch hinter uns ein Auto gesehen und man hat hier wirklich weite Sicht. Nobbi schaltet den Tempomat ein und wir genießen die sich schnell verändernde Landschaft. Ab und zu halten wir an, machen ein paar Fotos oder essen unsere Brote. An den Castle Hills treffen wir das erste Mal auf andere Touristen. Wir klettern auf den Felsen herum und sind bald allein. Einige unternehmen lange Wanderungen, die meisten machen ein Foto am ersten Felsen und fahren weiter. Umso weiter wir in die Berge kommen, umso schlechter wird das Wetter. Als wir Arthur‘s Pass erreichen, wo wir eine kleine Wanderung unternehmen wollten gießt es, wir verzichten. Die Keas, die berühmten Papageien sehen wir leider nur im Flug, sie sollen sehr neugierig sein und häufig Touristen-Autos auseinandernehmen. Wahrscheinlich mögen sie auch keinen Regen. Auf der Westseite der Alpen, ein paar Aussichtspunkte später, ist es wieder fast trocken. Wir entscheiden uns kurzfristig für einen Abstecher zum Lake Brunner. Hier sind wir ganz allein, die Saison hat noch nicht begonnen. Die Straßen, aber auch die Ferienhäuser, sind leer. Als wir Greymouth erreichen will Nobbi unbedingt noch mal abbiegen. Das Schild „Breakwater“ zieht ihn an. Warum müssen Segler eigentlich immer aufs Wasser gucken? Das Schild „Achtung Pinguine“ überzeugt auch mich von diesem Abstecher. Pinguine sehen wir nicht, dafür eine große Gruppe Hektordelfine, die im flachen Wasser jagt. Wir beziehen unsere Hütte auf dem Campingplatz und beschließen den Tag mit einem Stadtspaziergang.

Am nächsten Tag haben wir kein Ziel, wir bleiben noch eine Nacht in Greymouth. Nach einem Kaffee am leeren Strand, entscheiden wir uns für einen Ausflug entlang der Westküste. Das Wetter trotz der schlechten Vorhersage, die Sonne scheint, wir sind zu warm angezogen und ich hole mir einen Sonnenbrand. An den Pancake Rocks in Punakaki bewundern wir die witzigen Kalksteinformationen und die darauf brütenden Seevögel. Am Kap Foulwind unternehmen wir zwei kleine Wanderungen. Eine Kolonie neuseeländischer Seebären unterhält uns lange. Viele Aussichtspunkte und Strandfotos später endet der Tag für uns wieder am Strand direkt am Campingplatz.

Bisher gefällt uns die Südinsel sehr, doch es ist bereits Mitte Dezember und bei uns kommt kein Weihnachtsgefühl auf. Es gibt nur wenig Weihnachtsdeko, dekorierte Privathäuser sehen wir nur sehr selten, es gibt kein Marzipan und keine Dominosteine. Nicht mal Glowwine, obwohl es bei den Temperaturen (besonders in den folgenden Tagen) durchaus schmecken würde. Wir dekorieren unser Mietauto mit Weihnachtskugeln und singen bzw. hören Weihnachtsmusik. Weihnachtslieder werden auch im neuseeländischen Radio fleißig gespielt. Meine Lieblingswerbung ist „get your roof reindeer ready“, auch wenn ich immer noch nicht begriffen habe, wofür eigentlich geworben wird. Während wir vor uns hin trällern stellen wir fest, dass es den Thomanerchor schon gab, als Neuseeland noch nicht besiedelt war. Verrückt, dass die Besiedelung dieses Landes so kurz zurück liegt. Der Thomanerchor ist aber nur der viertälteste Chor in Deutschland, der Aachener Domchor wurde bereits um 800 gegründet und damit 400 Jahre vor den Thomanern. Nur der Vollständigkeit halber.

Am Sonntag wollten wir unsere Rundreise eigentlich entlang der Westküste fortsetzen und einen Blick auf die Gletscher werfen, doch der Highway ist gesperrt. Ein Erdrutsch hat ihn weggespült. Die Neuseeländer klagen über das „freaky weather“, dass es auf der Südinsel deutlich kälter ist, insbesondere im Dezember ist normal, doch die schweren Stürme, der extrem starke Regen und die schweren Überflutungen sind ungewöhnlich. Wir fahren also wieder auf die Ostseite der Insel, wieder über Arthur‘s Pass. Diesmal haben wir mehr Glück, es nieselt nur leicht und wir kommen doch noch zu unserer Wanderung zum Wasserfall. Eine weitere Pause legen wir an einer Höhle an, die Mutige durchqueren. Wir sehen uns Eingang und Ausgang an, haben aber keine Ambitionen im hüfthohen Wasser, gegen den Strom, in völliger Dunkelheit durch die Höhle zu klettern. Am Rakaia River machen wir die dritte Wanderung des Tages zu einem schönen Aussichtspunkt und kehren mit müden Füßen zum Auto zurück. Unser Tagesziel ist ein BnB in der Nähe von Geraldine, das wir Entenhausen nennen. In unserer Wohnung finden sich überall Enten. Im Wohnzimmer, der Küche und dem Bad, auf Kissen und Vorhängen, auf dem Geschirr, als Tonfigur und als Plüschtier. Unsere Gastgeber haben ein Highlandrind, ein Pferd, ein Alpaka und einen Hund. Uns gefällt es so gut, dass wir abends statt essen zu gehen lieber ein paar Brote auf den Stufen vorm Haus essen. Wir kommen mit den Gastgebern ins Gespräch, die vor 17 Jahren aus England nach Neuseeland gekommen sind und uns viele Einblicke geben. Sie interessieren sich für unsere Reise. Als wir am nächsten Morgen weiterfahren sind wir richtig traurig, dass wir nicht noch eine Nacht bleiben können und bekommen zwei Teddybären geschenkt. Die beiden sind von England mit nach Neuseeland umgezogen, wir haben versprochen sie wieder nach Europa zu segeln. Nicht ganz zufällig haben wir die beiden Erica und Andrew getauft.