Austern, Rippchen und Frisör

Nachdem wir von den Inseln zurück in Kourou sind ist es recht windig. Bei ablaufend Wasser und Wind aus Osten baut sich eine kabbelige Welle auf. Auf Mari stört uns das nicht weiter, das Dinghi-Fahren aber macht nicht so viel Spaß.
Am Mittwoch bleiben wir an Bord und tüddeln uns durch den Tag. Nobbi beschließt etwas von der Liste zu erledigen und entscheidet seine Aufmerksamkeit dem Aqua-Alarm zu widmen. Das Ding misst, ob durch den Motor Kühlwasser fließt. Bei einem der letzten Manöver ist uns aufgefallen, dass es nichts mehr sagt. Wenn man den Motor stoppt, die Kühlwasserpumpe also nicht mehr läuft, der Motor aber noch Strom hat, müsste der Aqua-Alarm piepen. Das tut er aber nicht. Nobbi misst die Kabel durch, das Ding hat Strom, und baut es aus. Überraschung. Wir haben eine kleine Auster im Kühlwasserschlauch. Schade, dass keine Perle drin ist! Die Auster ist schnell entfernt, der grüne Schleim im Schlauch ist hartnäckiger. Nobbi überlegt laut, ob diese grüne schleimige Biomasse nicht in das Arbeitsgebiet der Biologin fällt, als ich zu bedenken gebe, dass es sich auch bei Rotwein um Biomasse handelt, brechen diese Überlegungen abrupt ab. Da wir annehmen, dass alle unsere Schläuche von innen so schön grün sind, gönnen wir unserem Kühlwassersystem eine Essigspülung. Der Alarm piept wieder nach 2 Stunden und wir freuen uns über die erfolgreiche Reparatur.
Am Donnerstag ist es noch immer windig, wir wollen trotzdem an Land. Obwohl es (noch) kaum Wellen gibt, werden wir komplett nass. Kurz nach uns klettern Anne-Mieke und Gerrit aus ihrem Dingi, und sind fast trocken. Wir lernen von ihnen und kauern uns nun ins Boot statt uns auf die Schläuche zu setzen. Das sieht lustig aus, funktioniert aber sehr gut. Bei der nächsten Fahrt bleiben wir trocken.
Als wir nachmittags zurück zum Boot wollen, haben wir fast 1m hohe Wellen, die sich brechen am Ankerplatz. Die Dinghi-Fahrt wird sportlich. Zwar kommen die Wellen nun von hinten und schieben uns, aber Mari zu entern ist gar nicht einfach. Schließlich peilen wir das Heck an, ich wickle die Leine erstmal um die Windsteueranlage und klettere an Bord. Zu zweit holen wir das Boot längsseits und nehmen es schnell aus dem Wasser. Das brauchen wir nicht häufiger, zumal mit 40 l Wasser und Proviant an Bord. Inzwischen hat der Wind wieder abgenommen und die Dinghi-Fahrten verlaufen gewohnt gemütlich.
Samstags ist Markttag. Für uns geht es nach dem Kaffeetrinken an Land, wir kaufen Obst und Gemüse für die nächste Woche. Ganz Kourou ist auf den Beinen, auf dem Markt ist es wuselig. Auf dem Rückweg wollen wir Spare Ribs beim Stand vor der Fleischerei kaufen. Doch wo sind die Spare Ribs? Kein Stand? Kein unkompliziertes Mittagessen? Die ganze Straße riecht nach Grill, wir machen uns Hoffnungen, dass der Stand etwas später aufgebaut wird und legen eine Frühstücks-Pause in der Bäckerei ein. Die Schokocroissants sind perfekt.
Wir kehren zur Fleischerei zurück, da ist immer noch kein Stand. Wir schauen in den Laden, keine Spare Ribs. Wir wollen nicht aufgeben, schließlich haben wir uns so darauf gefreut, außerdem hat sich der Grillgeruch noch verstärkt. Nobbi wird schließlich hinter dem Haus fündig. Wer den schmalen Gang hinter das Haus geht und dort bei etwas was nach einer privaten Party aussieht fragt, wird belohnt.
Nach unserer Nachmittags-Dusche beginnt ein harmloses Gespräch. Nobbi müsste mal wieder zum Frisör, darüber sind wir uns einig. Er will aber nicht zu dem Salon der den „Fred Look“ anbietet. Ich hätte mir das ja gerne mal angeguckt. Er beschließt, dass ich seine Haare nachschneiden soll. Jetzt. Ich bin unsicher ob das was wird und schnibbel drauf los. Es macht Spaß, auch wenn ich ein bisschen Angst habe, wie es wohl aussieht wenn es trocken ist. Ich finde, dass es gar nicht schlecht geworden ist. Nobbi meint er guckt es sich morgenfrüh mal an, beim Rasieren guckt er sowieso in den Spiegel. Männer! Was soll man dazu sagen? Er argumentiert damit, dass ich ihn schließlich den ganzen Tag angucken müsse. Jetzt möchte ich auch frisch geschnittene Haare und überrede Nobbi mir meine Haare einfach gerade ab zu schneiden. Mindestens 7 cm sollen sie kürzer werden. Er murmelt etwas von vier Fingern, peilt dreimal, schneidet dann 2 Minuten. Sagt, ich bin gleich fertig, ich setzte nur mal meine Brille auf. Solche Kommentare bauen Vertrauen auf. Nochmal 1 Minute nachgearbeitet und er ist fertig. Das war der schnellste Haarschnitt meines Lebens, aber mit Sicherheit nicht der schlechteste. Mal sehen was wir morgenfrüh über unsere Haare denken.