Mondfisch am Point du Raz

Nachdem wir Vorgestern einen entspannten Tag mit Spaziergang durch Treboul, lesen, Abstecher auf die Ile Tristan und mit Langustinen in Douarnenez verbracht haben, wollten wir gestern weiter ziehen.
Ein Blick in den Tidenkalender zeigte, dass wir entweder morgens früh oder abends um den Point de Raz, das ist die Enge zwischen dem Festland und der Ile de Sein, fahren könnten, der „Reeds“ empfiehlt die Passage eine Stunde vor Hochwasser Brest. Also wollten wir uns abends in eine Bucht in der Nähe des Point du Raz verlegen, die Nacht vor Anker verbringen und morgens von dort aufbrechen. Da wir Douarnenez erst nachmittags verlassen wollten, reichte die Zeit noch für einen Abstecher ins Schifffahrtsmuseum, der sich sehr gelohnt hat.
Als wir aus dem Museum kamen, schien die Sonne und bei bestem Wetter haben wir den Hafen verlassen und hatten, anders als auf der Fahrt in die Bucht, die Gelegenheit die spektakuläre Küste anzusehen. Zwischendurch haben wir einen Kringel gedreht, weil wir einen Mondfisch gesehen haben. Zwei Tage vorher hatten wir schon einmal einen Fisch gesehen, der knapp unter der Oberfläche schwimmt, dessen Flosse so weit aus dem Wasser schaut und der merkwürdig damit paddelt, hatten aber nicht umgedreht. Nachdem wir drauf gekommen sind, dass es sich um einen Mondfisch handeln könnte haben wir uns geärgert, dass uns das nun entgangen sein könnte. Gestern sind wir das Vieh nun beinahe über den Haufen gefahren, nochmal umgedreht und haben ihn uns genau angeschaut.
Die auserkorene Ankerbucht war dann doch nicht einladend, der 2 Meter hohe Schwell aus Westen lief in die Bucht und brach sich an den Felswänden, also musste Plan B in Aktion treten: Abends um den Point du Raz. Leider waren wir nun plötzlich viel zu früh und sind so langsam wir konnten auf die Durchfahrt zugefahren und dann etwas vor der empfohlenen Zeit schließlich durch. Dadurch hatten wir diesmal Gegenstrom, was aber vielleicht gar nicht so schlecht war, da auch der Wind von vorne kam, so konnten wir eine Wind-gegen-Strom-Situation vermeiden. Nach dem Kap Sizun, dessen Rundung natürlich wieder zelebriert wurde, schob uns der Strom die Küste entlang und es wurde dunkel. Der nächste Hafen, Audierne, liegt in einem Fluss, ist nur bei Hochwasser erreichbar und schien uns zu gewagt im Dunkeln, deshalb wollten wir gegenüber bei Ste. Evette ankern. Dort gibt es eine Kaimauer, die nicht nur Schutz bietet, sondern auch befeuert ist, so dass man den Platz im Dunkeln anlaufen kann. Die Einfahrt klappte problemlos, neben einer anderen Yacht fanden wir einen Platz wo wir ankern wollten, doch unser Anker hielt nicht. Zum ersten Mal nach so vielen Ankermanövern mit unserem Bügelanker rutschte der über den steinigen Grund. Da wir inzwischen festgestellt hatten, dass die Festmacherbojen, die wir zuvor nicht gefunden hatten, nur wenige Meter neben dem ausgewählte Platz lagen, beschlossen wir auf ein neues Ankermanöver zu verzichten und an eine Boje umzuziehen.
An der Boje hatten wir eine wunderbar ruhige Nacht. In der Nacht zuvor bin ich fast verrückt geworden, weil der Schwell den Platz in Douarnenez so unruhig gemacht hat und eine unserer Leinen furchtbar geknatscht hat. Auch Nobbi ist nachts an Deck gewesen, hat die Leinen verändert und dabei beobachtet, dass die Besitzer der Yacht vor uns ebenfalls mitten in der Nacht an Deck unterwegs waren.
Heute Morgen wurde erst mal ausgiebig gebadet. Zwar wird das Wasser langsam kühler, aber es ist so wunderbar klar. Unterwegs haben wir mehrfach Delfine gesehen, Delfinsichtungen sind immer etwas Besonderes.  Mich muntern sich immer auf, was beim Segeln im Sonnenschein heute aber nicht nötig gewesen wäre. Zurzeit können wir hier noch eine biologische Besonderheit beobachten, macht man nachts das Licht auf der Toilette das Licht aus, kann man beim Spülen das Meeresleuchten bewundern.
Jetzt liegen wir in Benodet, im Fluss L’Odet. Unsere Ankunft passte wunderbar zur der Tide, es war gerade Niedrigwasser und so hatten wir kaum Strömung als wir uns hier einen Platz gesucht haben. Eigentlich braucht der Fluss gar keine Fahrwassertonnen, im Fluss liegen hunderte kleine und große Boote an Bojen, so dass man ohnehin nur in der Mitte fahren kann. Der Ort ist sehr hübsch, ein erster Spaziergang hat Lust auf mehr gemacht und so bleiben wir morgen hier.
Nobbi prüft fortwährend den neuen Dupin-Krimi (Bretonische Krimis, Jean-Luc Bannalec) auf Plausibilität, schließlich spielt der in Douarnenez und auf der Ile de Sein. Die Fähre von Audierne auf die Insel haben wir heute Morgen gesehen. Sollten wir jetzt nach Concarneau oder auf die Glenans segeln bewegen wir uns geographisch eher im Bereich der ersten beiden Bände …