Schönes Segeln nach Ascension

Der Sonntagmorgen beginnt mit einem Walhai neben dem Boot. Schon wieder. Daran könnten wir uns gewöhnen.
Bevor wir Anker auf gehen können, müssen wir noch einige Dinge erledigen. Die Gasflasche ist umgefallen und der Regler abgebrochen. Wir haben nun also eine frisch gefüllte Gasflasche, kommen aber nicht an den Inhalt. Nobbi durchsucht unsere Ersatzteilkiste und wir stellen fest, dass der Campinggas-Regler der französischen Flaschen auf unsere südafrikanische Flasche passt. Problem gelöst.
Nun nähen wir die Sprayhood. Statt der geplanten Reparatur nähen wir die Nähte ums Fenster nach. Das ist mühsam. Nobbi sitzt an Deck, ich stehe im Niedergang. Nobbi sticht von außen nach innen, ich wieder zurück. Wir trauen uns nicht die Sprayhood abzubauen, vielleicht verabschieden sich dann noch mehr Nähte. Die Nahtverbindungen des Fensters hatten nämlich aufgegeben als ich einen Flicken für den Schaden darüber abmessen wollte.
Mittags geht’s endlich los. Auf den ersten Meilen schüttelt der Seegang uns durch und wir sind noch im Windschutz St. Helenas, dann kommen wir in den stetigen Passat, den wir uns die ganze vorige Etappe gewünscht hatten.

Die folgenden Tage fließen wunderbar unaufgeregt in einander. Der Wind kommt aus Ost-Südost und weht mal mit vier bis fünf, mal mit fünf in Böen sechs. Wir segeln auf Backbordbug und schiften das Groß nur tagsüber für ein paar Stunden nach Steuerbord. Im „Schmetterling“, das Groß an Steuerbord, die Fock ausgebaumt an Backbord, können wir genau vor den Wind gehen und fahren etwas weiter nach Westen. So können wir ausgleichen, dass wir nachts östlich der Kurslinie stehen.
Ein Ozean-Segeltraum. Morgens dichtere Wolken, dann klart es auf, fluffige Wolken zieren den Abendhimmel, bevor es in eine sternenklare Segelnacht geht. Jeden Tag der gleiche Rhythmus. Das Meer leuchtet im schönsten Atlantikblau. Es wird immer etwas wärmer und bald können wir nachts wieder in kurzen Hosen im Cockpit sitzen.
Einziger Minuspunkt auf dieser Etappe ist das Kopfsteinpfaster. Es ist unruhig. So tief vorm Wind werden wir von einer Seite auf die andere geschaukelt, geworfen oder geschleudert. Wenn man sich im Sitzen sorgfältig verkeilt ist es gemütlich, auch in der Koje liegt man gut.

Die rollende Ereignislosigkeit wird nur gelegentlich unterbrochen. Einige Mahi-Mahis begleiten uns, die wunderschönen Golddoraden leuchten türkis, haben eine goldene Stirn und einen gelben Schwanz.
Wie sehen nur drei Schiffe. Ein Containerschiff unter zypriotischer Flagge, das Versorgungsschiff „Karoline“ kommt von Ascension zurück nach St. Helena und die Hong Kong Express. Als die Hong Kong Express im AIS auftaucht, denke ich: da wird Nobbi neidisch sein, ein Hapag-Lloyd-Schiff unter deutscher Flagge in meiner Wache. Als der Kapitän uns über Funk ruft springt Nobbi aus der Koje und ich lasse ihm den Vortritt. Wir erfahren, dass das 366 m lange Containerschiff auch auf Weltumsegelung ist. Nur hat es seine Runde bald nach nur 3 Monaten beendet. Es kommt von SriLanka und ist auf dem Weg nach New York. Der Kapitän und Nobbi stellen fest, dass sie auf dem gleichen Schiff gefahren sind. Allerdings nicht gleichzeitig. Eine kleine Welt.
Die nächste Unterbrechung unseres friedlichen Rhythmus ist weniger nett. Eine Kakerlake läuft gemütlich übers Bettlaken, als ich gerade in die Koje kriechen will. Nobbi fängt sie, oder ihn, tatsächlich in seinem Taschentuch und schenkt ihr eine Seereise ohne Boot.
Und schließlich gibt es einen ernsteren Zwischenfall. Der Lümmel bricht. Als wir kurz vor Sonnenuntergang ein Reff einbinden wollen kracht es und das Unterliek des Segels ist plötzlich lose. Der Bolzen, der Baum und Mast verbindet und am oberen Ende zwei Haken hat, um die Reffs einzuhängen, ist durchgebrochen. Zunächst binden wir Segel mit einer Leine an den Baum, doch schnell wird klar, dass das keine Lösung ist. Der abgebrochene Bolzen bewegt sich. Fällt er raus, ist der Baum nicht mehr mit dem Mast verbunden. Die Reparatur ist überraschend einfach, wir haben den alten Lümmel noch an Bord. In Neuseeland hatten wir ihn, auf Anraten des Riggers, der zum Check bei uns an Bord war, ausgetauscht. Nun drücken wir den abgebrochenen Bolzen mit dem alten und einigen liebevollen Hammerschlägen raus und der alte Bolzen nimmt seinen Platz ein. Warum der alte Bolzen 30 Jahre gehalten hat und der neue nur drei, wissen wir nicht. Schöner Nebeneffekt: der Haken des alten Bolzens sind irgendwie etwas anders geformt. Es ist viel einfacher das Segel zum Reffen einzuhängen. Wir hätten schon lange tauschen sollen.

Dank des lebendigen Schüttelkurses ist das Kochen zum Teil sportlich. Wir werden oft gefragt was wir unterwegs essen, deshalb gibt’s hier den Speiseplan dieser Etappe. Ihr seht, es gab noch frisches Gemüse an Bord. Das ist gut für den Speiseplan, aber schlecht für die Gewichtsbilanz. Wir haben nur eine Dose geöffnet. So werden wir nicht leichter. Vielleicht auf der nächsten Etappe.

Morgens haben wir Brot, später Knäckebrot, mit Marmelade oder Käse gegessen, wenn wir Frühstückshunger hatten. Das ist bei mir um sechs, bei Nobbi gegen zehn der Fall. Gegen Mittag gibt es ein Müsli mit Obst als zweites Frühstück. Abends koche ich und wir essen kurz vor Sonnenuntergang.

Sonntag: Bowl Marisol: Süßkartoffeln, Avocado-Creme, Gurke, Möhre, Ei
Montag: Kartoffelsalat, Würstchen, Gurke, Möhre (mittags: Avocado-Brot statt Müsli)
Dienstag: Zucchini-Möhren-Gemüse (scharf) mit Reis, Krautsalat, Grießbrei
Mittwoch: Puffer aus Möhre, Zucchini, Bulgur, Linsen, Zwiebeln, Ei und Mehl, Grießbrei
Donnerstag: Paprika-Zucchini-Tomaten-Sahnesoße mit Nudeln, Vanillepudding
Freitag: Möhren-Paprika-Sahnesoße mit Kartoffelbrei, Vanillepudding

Auf Saint Helena habe ich mir ein Paket Sahne gegönnt, deshalb gibt es nun Sahnesoßen bis das Päckchen leer ist. Nach der Ankunft gab es eine Auberginen-Tomaten-Sahnesoße.
In Namibia hatte ich Sundowner-Dosen entdeckt, die wir nun auf dieser Etappe getrunken haben. Die drei unterschiedlichen Gin-Tonic Dosen waren sehr lecker, Strawberry- Daiquiry schmeckte so künstlich wie der Name vermuten lässt, Tropical Sunrise schmeckte zum Sunset ganz gut und der Pina Colada roch immerhin nach Kokos. Die Getränke Auswahl zum Sundowner hat nun wieder Bordstandard erreicht. Es gibt Bier.

Samstagnachmittag (5. April) erreichen wir nach ziemlich genau sechs Tagen Ascension. Die Insel steckt in einer dunkeln Wolke und die Böen nehmen unnötigerweise auf 30 Knoten zu. Wir können bis zum Ende segeln. Den Ankerplatz zwischen Bojenfeld und einer schwimmenden Pipeline zu finden ist nicht schwierig. Unser Anker fällt auf 14 m in klares Wasser und gräbt sich sofort ein.
Einklarieren können wir erst am Montag, hier ist Wochenende. Wir freuen uns auf einen entspannten Anker-Sonntag und darauf diesen merkwürdigen britischen Außenposten zu erkunden.

Ein schöner Blick auf Jamestown.
Bei der Abfahrt von St. Helena hat Manuela uns fotografiert.
Ascension versteckt sich in einer Wolke.
Ankunft am Ankerplatz. Den Baum haben wir bei der Abfahrt in St. Helena geriggt und erst nach der Ankunft wieder abgebaut.

Walhaie, Napoleon und Inselleben

120 km2 ist St. Helena klein, größer als Sylt aber kleiner als Fehmarn, und hat 4500 Einwohner, Tendenz abnehmend. Viele Saints gehen zum Arbeiten nach Ascension, Tristan da Cunha oder nach Großbritannien.
Uns gefällt das Inselleben. Im Radio erfahren wir nicht nur welche Straßen erneuert werden, sondern auch wer ein Auto verkauft und welche Veranstaltungen am Wochenende anstehen. Auch der Musikgeschmack der Saints ist uns sehr sympathisch, rockige Oldies und Country-Songs wechseln sich ab. Nobbi liest „The St. Helena Independent” und erfährt, dass Küken geliefert wurden, Lehrer dringend gesucht werden und die Stadtpier umgestaltet werden soll.
Das Versorgungsschiff ist letzte Woche gekommen. Nun werden die Container nach und nach entladen. Alle Waren müssen durch den Zoll. Viele Bewohner warten auf kleine Pakete oder auf große Lieferungen. In einigen Containern steckt unter vielen Kartons ein Auto und es gibt wieder Bier auf der Insel. Für uns ist es interessanter, dass das Gemüse ausgeladen wurde. Die Möhren, die wir morgens auf der Pier sehen, landen nachmittags bei uns an Bord – mit einem kleinen Umweg über den Laden. Einkaufen ist eine komplexe, aber auch unterhaltsame Angelegenheit. Einen Einkaufszettel braucht man nicht, man kauft was es gibt. Einmal erstehen wir das letzte Bund Pak Choi, am darauffolgenden Tag finden wir einige Gurken und freuen uns sehr als wir 24 Eier kaufen können.

Uns bringt ein Taxiboot an Land. Wir fahren also nicht mit dem eigenen Dinghi, sondern rufen das Taxi über Funk. Normalerweise zur vollen Stunde, manche Taxiboot-Kapitäne sehen das nicht so eng und transportieren einen jeder Zeit. Das Return-Ticket kostet 2,50 £ pro Person. Das Übersteigen aufs Boot ist oft recht sportlich. Auch der Weg vom Taxiboot auf die Pier ist manchmal spektakulär. Über der Pier hängen dicke Tampen, an denen man sich nicht nur hervorragend ins Hafenbecken schwingen kann, sondern die einem auch helfen auf die Pier zu gelangen.

Mari rollt im Schwell.
Das Taxiboot kommt an.
Die Taue helfen beim Übersteigen.
Die kleine Mari vor den großen Felsen.

Am Mittwoch, unserem zweiten Tag auf St. Helena, ist abends „Fish Fry“. Wir sitzen im Sonnenuntergang, tauschen uns mit anderen Seglern aus, treffen Taucher und Einheimische und essen Thunfisch, Muräne und Pommes. Zur Feier des Tages gibt es ein Taxiboot um halb zehn, die Segler sind also ausnahmsweise nicht ab 19 Uhr an Bord.

„Fish Fry“ auf der Pier vorm Yacht Club.
In der Abendsonne.
Beim Segler-Schnack.
Sonnenuntergang.

Von Januar bis März sind häufig Walhaie in den Gewässern um St. Helena unterwegs. Wir melden uns für einen Ausflug an. Zusammen mit den Crews von zwei anderen Booten und einem netten Paar aus Berlin, fahren wir mit einem Motorboot raus. Die ersten Walhaie, die wir sehen, sind nicht an Kontakt interessiert. Der Seegang ist hoch und es ist nicht besonders gemütlich an Bord. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, wir finden keine weiteren Tiere. Doch als wir auf dem Rückweg sind und unser Guide beschlossen hat, dass wir uns im Süden der Insel auf die Suche machen, ist er (oder sie ?) plötzlich da. Wir springen ins Wasser und schwimmen mit dem riesigen Tier. Er schwimmt immer wieder um uns herum. Es ist ausgesprochen imposant, wenn ein Tier in der Größe eines Busses auf einen zukommt. Das Wasser ist glasklar und die Sicht fantastisch. Ganz beseelt klettern wir zurück an Bord.

Warten auf den Walhai.
Die karge Küste.
Die tollen Bilder vom Walhai hat Bodil gemacht und sie mit uns geteilt.

Es wird Zeit St. Helenas berühmtestem Bewohner einen Besuch abzustatten. Oder zumindest dem Haus in dem er lebte und seinem (leeren) Grab. Von 1815 bis 1821 war Napoleon Bonaparte auf St. Helena in der Verbannung. Weil das Haus, in dem er untergebracht werden sollte, noch nicht fertig gestellt war als er auf der Insel ankam, lebte er zunächst für zwei Monate in Briars Pavillon. Das kleine Haus kann man freitags zwischen zehn und elf besichtigen. Zusammen mit Freunden haben wir ein Taxi gemietet, das uns dort hinbringt. Anschließend fahren wir zum Longwood House. Hier lebte Napoleon mit seiner Gefolgschaft, bzw. denen die nicht das Weite suchten, bis zu seinem Tod. Genau wie Napoleon gefällt Nobbi das erste Haus besser. Napoleons Aufenthalt auf der kleinen Insel brachte große Veränderungen für die Einwohner. Plötzlich gab es viel mehr Bewohner, Ausgangssperren und viele Verbote.
Der Taxifahrer bringt uns nicht wie vereinbart zu Napoleons Grab, sondern zurück nach Jamestown. Wir sind böse, aber Diskussionen helfen nicht. Das Grab wollen wir trotzdem sehen. Wir fragen uns durch und finden einen Bus, der uns wieder auf den Berg bringt. Die Busfahrt macht Spaß und der Fußweg zum Grab im Sane Valley ist schön. Der Leichnam des ehemaligen Kaisers oder das was davon übrig ist, liegt jedoch nicht mehr hier. 1840 wurde er umgebettet und im Invaliden-Dom bestattet. Die nächste Station unserer Napoleon-Tour liegt also in Paris, muss aber noch etwas warten. Der Ausflug hat uns gefallen. Auch, weil wir so Gelegenheit hatten etwas vom grünen Inselinneren zusehen.
Den Abend lassen wir mit einem Glas Rotwein ausklingen. Gewissermaßen mit Napoleons Rotwein. In Kapstadt haben wir einen Rotwein von Groot Constantia gekauft, dem Weingut, dessen Wein auch für den Kaiser der Franzosen nach St. Helena geliefert wurde. Auf die Idee hat uns unser Guide bei der Stadtführung in Kapstadt gebracht.

Briar Pavillion, die vorübergehende Unterkunft.
Unterwegs mit Manuela.
Longwood House.
Napoleon hat gerade abgelegt
Hier soll er täglich gebadet haben.
Der Garten von Longwood House.
Ein schöner Fußweg führt zum Grab.
Napoleons vorletzte Ruhestätte.
Blick ins Tal
Die Inselmitte ist sehr grün.

Zwischendurch spazieren wir durch das hübsche Jamestown (fast alle Häuser stehen unter Denkmalschutz), sehen uns das kleine Museum an und schnorcheln entlang der Felsen an der Pier. Der Fischreichtum und die Vielfalt sind beeindruckend. Im Kombination mit dem klaren tiefblauen Wasser ein außerordentlich schöner Schnorchelplatz. Am Ankerplatz suchen sehr große Fische unter Mari Schutz, wir sehen einen Manta, Schildkröten und einen Walhai.

St. Helenas raue Küste.
Hier ist das Museum untergebracht. Die Kanone darf nicht fehlen.
Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet.

Wir sind ein wenig im Langfahrer-Stress. Auf dem Weg hierher haben wir nur wenig Diesel verbraucht, füllen aber trotzdem einen Kanister. Ein Freund lässt seine Gasflasche füllen, wir beschließen uns anzuschließen. Leider rennen wir dann zwei Tage unserer Flasche hinterher. Mehrfach müssen wir zur Tankstelle laufen und darum bitten den Gasmann anzurufen. Bald kennt man uns dort schon. Schließlich kommt unsere Flasche gefüllt zurück. Die Wäsche von der Überfahrt liegt gewaschen und duftend im Schrank. Nobbi hat die Stopfbuchse nachgezogen und zwei neue USB-Steckdosen eingebaut, nachdem eine unterwegs die Arbeit eingestellt hatte.

Morgen (Sonntag) soll es weiter gehen. Zwar hätten wir Lust St. Helena noch weiter zu erkunden, doch die Zeit für den Weg nach Norden ist gekommen. Außerdem ist es am Ankerplatz doch recht rollig. Die ersten beiden Nächte bin ich nachts in die Seekoje umgezogen und habe mich mit Kissen so eingekeilt, dass ich nicht zur Seite rollen kann, weil ich sonst nicht schlafen konnte. Anfang der Woche soll der Schwell wieder deutlich zunehmen, ein guter Anlass weiterzusegeln. Nobbi springt ins Wasser, um den Log-Impeller gängig zumachen und das Unterwasserschiff zu putzen und bekommt dabei Besuch! Ein Walhai beäugt ihn neugierig. Ich rufe die Nachbarn, die ins Dinghi springen und werfe mich in meinen Badeanzug und lasse mich ins Wasser fallen. Wir schnorcheln mit dem großen Tier, das fünf Kreise um Mari zieht, bevor er verschwindet. Ein wunderschöner Abschied von Saint Helena!
Ascension liegt 700 Meilen nordwestlich von St. Helena und wir rechnen mit sechs Segeltagen dahin,

Unter den Beiträgen von der Überfahrt nach St. Helena sind nun auch Fotos.

Walhai vorm Bug,
Walhai längsseits.

Ankunft auf Saint Helena

„Marisol, Marisol for Cruise-Ship Europa!“ Samstagnachmittag sitzen wir im Cockpit und philosophieren über die Langsamkeit. Dazu gibt es reichlich Anlass, wir sind mal wieder mit weniger als drei Knoten unterwegs. Der Kapitän der Europa ruft uns. Das Kreuzfahrtschiff wird St. Helena Sonntagmorgen erreichen. Nobbi freut sich über die nette Unterhaltung und wir erfahren, dass die MS Europa auf dem Weg nach Europa ist, der nächste Passagierwechsel steht in Madeira an. Nobbi interessiert sich besonders für die Besatzung, wie lang sind die Einsätze und hat die Crew Chance Saint Helena zu sehen. Die Europa verschwindet in Richtung des messerscharfen Horizonts und wir sind wieder allein in unserem Paralleluniversum. Zeit für einen weiteren Apfelkuchen und ein neues Buch.

Als wir nachmittags der Europa hinterher blicken sind wir zuversichtlich, dass wir St. Helena am Montag erreichen werden. Die Nacht bringt Ernüchterung. Der versprochene Wind ist nicht gekommen. Mit zwei bis drei Knoten kriechen wir durch die Nacht.
Der Abend war unnötig ereignisreich. Der Wind dreht und wir nehmen das Groß auf die andere Seite. Dabei entdeckt Nobbi einen Riss an der Vorderkante der Sprayhood. Wir versuchen ihn zu kleben. Aber keins der Tapes will halten. Wir verschieben die Reparatur. Inzwischen hat der Wind wieder zurückgedreht und wir nehmen das Groß wieder zurück nach Steuerbord. Als ich in die Koje kriechen will, höre ich ein leichtes Fiepen. Es kommt von einem Wasseralarm. Leider, ist es der Wasseralarm, der in der Bilge mit der Logge ist, darüber ist das Fach mit Konserven und Gläsern. Wir räumen es aus. Die Bilge ist staubtrocken. Nun gilt es alle Konserven wieder einzuräumen. Ein Fehlalarm ist natürlich viel besser, als ein echter Alam. Aber trotzdem. Warum immer im Dunkeln?

Sonntagmorgen haben wir ein kleines Tief. Kein meteorologisches, ein motivatorisches. Der Wind lässt noch immer auf sich warten. Mit zwei Knoten Fahrt fühlen wir uns wie Treibholz.
Nachmittags nähert sich eine Schauerwolke. Mit dem Regen setzt der Wind ein. Wie auf Schienen rauschen wir mit 5 bis 7 kn dahin. Nach einer Stunde ist die Wolke verbraucht. Umlaufend null. Nichts. Kein Lüftchen. Das Heck knallt in die See. Die Segel hängen schlapp am Mast. Dann setzten wir uns wieder ganz gemächlich in Bewegung. Mit wenig Wind geht es auch durch diese Nacht. Immerhin. Es ist sternenklar und die Nachtwachen sind ein astronomisches Vergnügen. Erst im Laufe des Tages kommt der Wind. Endlich richtig schönes Passatsegeln.
Das Wasser ist inzwischen 25 Grad warm, die Nachmittagsdusche hat also eine angenehme Temperatur. Beim Abendessen haben wir St. Helena in Sicht. Die Insel wird vom Sonnenuntergang dramatisch beleuchtet. Gegen 21 Uhr ruft Nobbi St. Helena Radio und kündigt unsere Ankunft an. Die nette Dame am Funk hofft „I hope you like my Island“. Das ist doch mal eine nette Begrüßung! Die letzten Segelstunden sind ein reines Vergnügen. Stetiger Wind, eine sanfte Welle und dieser atemberaubende Sternenhimmel. Wir runden die Nordspitze St. Helenas und der Leuchtturm Buttermilk Point kommt in Sicht.
Morgens um ein Uhr fällt der Anker vor Jamestown. Tief ist es hier. Wir sind froh, einen Spot gefunden zu haben, an dem wir 21 m Wassertiefe haben. Wir teilen uns ein Bier und fallen in die Koje. Für die 1274 Meilen haben wir zwei Wochen gebraucht. Sehr viel länger als erwartet. Trotzdem war es eine schöne Überfahrt.

Fluffige Passatwolken.
Die Europa verschwindet gen Horizont.
Land in Sicht!

Dienstagmorgen regnet es! Ein richtiger Schauer!
Im Ankerfeld entdecken wir mehrere bekannte Yachten. Nobbi setzt die Gastlandflagge und funkt Port Control an. Wir dürfen zum Einklarieren an Land kommen. Die Einreise erfolgt zügig. Erst geht’s zum Hafenbüro, dann kümmern sich zeitgleich Immigration und Customs um uns. Wir müssen eine Krankenversicherung nachweisen, füllen ein paar Seiten aus, bezahlen eine Gebühr und bekommen einen Stempel in den Pass.
Zunächst unternehmen wir einen kleinen Erkundungsspaziergang entlang der Hauptstraße, die Beine freuen sich über Aktivität. Sofort fällt auf, dass die Saints, so nennen sich die Bewohner, unglaublich nett sind. Man grüßt sich, nickt sich zu oder lächelt. Bei der Bank stellen wir uns in die Schlange. Es gibt keinen Geldautomaten auf St. Helena und wir brauchen Bargeld. In Kapstadt waren alle Versuche an Britische Pfund zu kommen gescheitert. Viele Geschäfte nehmen keine internationalen Kreditkarten. Eine App hilft, man kann eine virtuelle Kreditkarte der Bank of St. Helena bekommen. Mit dieser App kann man in vielen Läden zahlen. Der Bankbesuch ist ein Genuss, die Dame ist so unglaublich nett, da macht es richtig Spaß seine Kreditkarte über den Tresen zu schieben.
In einem der Supermärkte kaufen wir ein, in der Touristen-Information lernen wir, welche Insel-Attraktionen wann geöffnet haben und in der Sandwich-Bar essen wir zu Mittag. Bei der Post bekommen wir Briefmarken für unsere Karten. Von den Postkarten, die wir aus Kapstadt verschickt haben, hat keine einzige den Empfänger erreicht. Der Mann hinterm Schalter war gleich so merkwürdig…
Ich finde, dass wir für den ersten Tag genug erlebt haben, als Nobbi beschließt, dass wir noch „mal eben“ die Jakobsleiter hochlaufen könnten. 699 Stufen verbinden Jamestown mit der Siedlung auf dem Berg. Die Treppe ist 248 m lang und überwindet 180 Höhenmeter. Nachts ist sie beleuchtet, wir sehen sie vom Ankerplatz. Jeder Besucher „muss“ dort hochlaufen. Es regnet zwischendurch ein bisschen, aber wir schnaufen wie zwei kleine Loks die Stufen hoch. Für die Beine zweier müder Segler, die zwei Wochen auf einem Boot rumsaßen, ist das etwas mühsam. Den Rekord von etwas über vier Minuten verpassen wir deutlich. Die Aussicht auf Jamestown ist sehr schön, heute sogar mit Regenbogen. Wir sehen uns oben noch etwas um und machen uns dann an den Abstieg.
Ausgerechnet auf der Jakobsleiter treffen wir Freunde. Nach einem ausgiebigen Schnack, verabreden wir uns im Yachtclub. Wir warten auf die beiden, während sie den Aufstieg absolvieren.
Leider regnet es jetzt richtig. Auch während der Rückfahrt zum Boot regnet es ausgiebig. Nicht nur Mari hat die überfällige Dusche bekommen, auch wir sind nass.
St. Helena ist uns sehr sympathisch, doch für den ersten Tag war das Programm etwas zu ambitioniert. Wir sind müde.

Als Nobbi die Flaggen setzt regnet es.
Die Hafenbehörden sind in diesem hübschen Gebäude untergebracht.
Die Hauptstraße von Jamestown.
Die Jakobsleiter hat 699 Stufen.
Aufbruchs-Selfie.
Nobbi hat es fast geschafft.
Jamestown unterm Regenbogen.
Runter ist einfacher als hoch. Manuela hat uns fotografiert.

Überfahrt nach St. Helena – Wieder im Westen

Gestern Abend (Tag 10) hatten wir das erste Mal seit Tagen einen fast wolkenlosen Himmel und einen gold-roten Sonnenuntergang,  der von einem „green flash“ gekrönt wurde. Wenn die Sonne gerade untergegangen ist, kann es zu diesem grünen Aufleuchten kommen. Das Sonnenlicht leuchtet quasi schräg von unten durch die Wasseroberfläche.
Das war bereits der zweite green flash dieser Überfahrt. Bereits am Samstag (Tag 5) durften wir ihn sehen. Voraussetzung ist, dass die Sonne über dem Meer untergeht und nicht über Land, ein klarer Himmel im Westen und  gute Sicht auf den Horizont (also kein zu hoher Seegang).

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir 8° östlicher Länge überquert. Das ist der Längengrad der durch Bremerhaven und durchs Klimahaus führt. Damit sind wir über alle Längengrade gesegelt und haben einen ersten Hinweis darauf gesammelt, dass es sich bei der Erde um eine Kugel handeln könnte. Darauf trinken wir eine extra Kanne Tee. Allerdings erst mittags, als wir bereits an Emden vorbei sind. Längengrad-mäßig.

Gegen Mittag nimmt der Wind langsam zu und dreht etwas achterlicher, wir baumen die Fock an Steuerbord aus. Nur kurz zeigt sich die Sonne, dann bezieht es sich. Nachmittags bekommen wir Besuch von sehr vielen Delfinen. 
In der Nacht auf Montag haben wir immer wieder Böen mit 6-7 Bft und schnell entwickelt sich eine ruppig Welle. Insgesamt ist das aber alles unspektakulär, die Welle ist nicht sehr hoch und der Wind hält sich an den Wetterbericht.
Wir haben die Schifffahrtsroute gefunden. Immer wieder kreuzen große Schiffe unseren Kurs. Unterwegs nach Rotterdam, Singapur, oder China.

Montag lässt der Wind langsam nach, die Welle bleibt und sorgt gelegentlich für ein ziemliches Geschaukel. Es gibt Kartoffeln und gebratene Zucchini, die versuchen aus der Pfanne zu springen.

Der Dienstag ist wieder flau. Wir lassen den Motor eine Stunde laufen und schmeißen den Wassermacher an. Wir halten uns mit einer Dusche, gelben Curry und Pudding bei Laune. „Immerhin fahren wir in die richtige Richtung“ ist der Slogan dieser Überfahrt.
Uns fällt auf, dass wir seit Tagen keine Albatrosse mehr gesehen haben. In den ersten Tagen haben sie uns häufig begleitet und wir mochten ihnen stundenlang zusehen. Anscheinend haben wir ihre bevorzugten Gebiete verlassen.

Mittwochmorgen ist es grau. Dunkle Wolken umringen uns und der Wind ist böig. Kaum rolle ich die Fock weiter aus, weil wir langsam sind, rauschen ein paar Böen heran. Verkleinere ich die Fock, lässt der Wind wieder nach.
Nachts hat es das erste Mal gereget. Prinzipiell habe ich keine Lust auf Regen, ein kräftiger Schauer als Schiffswaschanlage wäre aber willkommen. Mari ist nicht nur salzverkrustet, sondern auch bedeckt mit Namib Sand und Dreck aus Südafrika. Unsere ehemals weißen Schoten sind dunkelgrau.
Gegen Mittag lässt der Wind nach, wir sind wieder langsam und ich backe einen Apfelkuchen, der insbesondere während der Nachtwachen sehr populär ist.

Ganz ruhig gleiten wir durch die Nacht. Wir haben wenig Wind, aber auch kaum Welle. Es ist bedeckt, doch die Wolkendecke scheint dünn zu sein. Der Mond, den ich nicht sehen kann, taucht alles in ein fahles Licht.
Auch Donnerstag (20. März, Tag 10) ist es wieder grau . Ein bisschen Sonne wäre gut fürs Gemüt und für den Energiegaushalt. Vormittags schläft der leichte Wind ein. Schließlich ziehen wir die Segellatten aus dem Groß. Wir können das Klatschen und Scheppern des Segels, das sich in der leichten Dünung von einer Seite zur anderen wirft, nicht mehr ertragen. In der Flaute die gute Laune zu behalten ist nicht ganz einfach, wir möchten vorankommen – wenigstens langsam. Auf dieser Etappe hatten wir auf stabile Passatwinde gehofft und nicht mit so wenig Wind und so vielen Winddrehern gerechnet. Wir versuchen die Stille zu genießen (wenn das Segel sich ruhig verhält) und die Weite des Meeres. Sind wir schon oder erst zehn Tage unterwegs? Nachtwachen, Sonnenuntergänge und Kurswechsel, alles verschwimmt. Uns geht’s gut hier draußen, dann brauchen wir eben etwas länger. Ich backe ein Brot, Nobbi putzt ein bisschen und bearbeitet Fotos. 
Mittags setzt sich endlich die Sonne durch und wir gehen baden. Irgendwelche Vorteile muss die Flaute ja haben. Außerdem gibt es schon wieder einen Grund zu feiern. Vormittags sind wir über den Greenwich Meridian, den 0. Längengrad, gesegelt und sind damit nun wieder im Westen. Neptun bekommt auch einen Schluck Rum. Sicher ist sicher.
Leider müssen wir feststellen,  dass eines unserer Solarpanels wohl den Geist aufgegeben hat. Das ist sehr ärgerlich und nicht gut für die Energiebilanz. Vor drei Tagen hat es uns noch ganz normal mit Strom versorgt.
Heute Nacht gleiten wir fast lautlos langsam nach Westen. Immer wieder besuchen uns die eiligen Define, die gerne vorbeischauen, aber nie lange bleiben. Bei Wachübergabe um vier hören wir plötzlich ein merkwürdiges Geräusch es sprudelt und klatscht. Mein erster Gedanke ist, regnet es? Nein, das ist das Geräusch wenn man durch einen großen Fischschwarm segelt.
Wenig später frischt der Wind auf. Von zwei Windstärken auf fünf, ich freue mich, über die Geschwindigkeit. Dann fallen die ersten Böen ein, also verkleinere ich das Vorsegel. Die Wolken türmen sich dunkelgrau am Himmel. Zwei Stunden später haben wir wieder flaue zwei Windstärken, die Wolken lösen sich auf und die Sonne scheint.

Unterwegs nach St. Helena

Samstagnachmittag segeln wir gemächlich bei niedriger Welle gen Westen. Gerade habe ich Gemüse fürs Abendessen geschnibbelt und Nobbi erwacht aus seinem Mittagsschlaf. Heute ist Tag 5 der Überfahrt. Das musste ich nachsehen, längst sind die Tage ineinander geflossen.
Dienstagvormittag (11.3.) haben wir Walvis Bay verlassen. Hunderte von Seebären sonnten sich an der Wasseroberfläche, tausende Seebären lagen auf der langen Landzunge. Was für ein fantastisches Schauspiel und ein schöner Abschied von Namibia und dem afrikanischen Kontinent.

Segeln wir die ersten Stunden noch bei frischem Wind und ein paar Böen erschrecken uns, nimmt der Wind schon bald ab. Die ersten Tage sind flau. Immer wieder lässt der Wind so weit nach, dass die Segel beginnen in jeder Welle hin und her zuschlagen. Immerhin behalten wir die Steuerfähigkeit und fahren mehr oder weniger in die richtige Richtung.
Am Freitagmittag haben wir schließlich gar keinen Wind mehr. Da die Temperatur inzwischen erfreulich zugenommen hat, beschließen wir einen Badetag einzulegen. Das Wasser leuchtet wunderbar blau und ist so angenehm, dass wir nicht nur mutig dippen, sondern ausgiebig planschen. Eine abschließende Süßwasserdusche rundet das Wellness-Programm ab.
Der Wohlfühlfaktor ist proportional zur Wassertemperatur gestiegen. Mussten wir am ersten Tag noch so viele Schichten anlegen, dass wir uns kaum mehr bewegen konnten, war die letzte Nacht bei 22 Grad Wassertemperatur regelrecht kuschelig. Im Faserpelz, aber ohne Regenhaut, saßen wir ausgestreckt im Cockpit und nicht mehr zusammen gekauert im Niedergang. Die höheren Wassertemperaturen machen sich auch in der Tierwelt bemerkbar. Gestern haben wir endlich wieder fliegende Fische und eine Schildkröte gesehen.
Kulinarisch können wir (noch) aus dem vollen schöpfen. Ananas, Mango und Avocado sind leider viel schneller reif geworden als erhofft. Wir schwelgen in Mango-Müsli und Kartoffeln mit Avocado-Creme. Die nächste echte Einkaufsmöglichkeit erwarten wir in fünf bis sechs Wochen, der Speiseplan wird also weniger ausschweifend werden.
In Walvis Bay hatten wir den Filter des Wassermachers gewechselt, aber wegen des schmutzigen Hafenwassers nicht getestet.  Gestern stellten wir fest, dass wir nur noch 20 oder 30 Liter Wasser pro Stunde produzieren, weil er Luft ansaugte. Heute hat Nobbi den Filter erneut gewechselt und siehe da, der Wassermacher schnurrt wie eh und je. Eine kleine Exkursion ins Schapp mit den Ersatzfiltern brachte Gewissheit. Wir haben irgendwann die falschen Filter gekauft. Falls jemand sehr feine Filter (2 micro Meter) braucht, darf er sie sich gerne auf St. Helena abholen.
Für sehr lustige Unterhaltungsliteratur sorgen Freunde die einige hundert Meilen westlich von uns segeln. Humorvoll schildern sie wie sie versuchen bei Seegang das Öl-Wassergemisch aus ihrer Bilge zu entfernen und wie schwierig es ist den optimalen Eimer für den Bordgebrauch zu finden. Wir kennen solche Situationen und fühlen mit Ihnen während wir uns wunderbar unterhalten fühlen.
Wir freuen uns auf eine weitere schöne Vollmondnacht. Auch wenn die Überfahrt bis her langsamer verläuft als erwartet, wollen wir uns nicht beschweren. Bisher geht es uns ausgezeichnet.

Namibia – wo die Wüste bis ans Meer reicht

Sonntagmorgen ist der Wind weg und der Nebel wieder da. Unsere Ankunft in Walvis Bay feiern wir mit einem ausgiebigen Pfannkuchen-Frühstück. Anschließend gehen wir Anker auf und motoren dichter ins Ankerfeld. An der Pier entdecken wir einen freien Platz und machen dort fest. Kurz darauf taucht Daniel auf und heißt uns willkommen. Wir hatten uns per Mail beim Yacht Club angemeldet und wurden bereits erwartet.

Walvis Bay hat etwas mehr als 100.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt Namibias. Namibia ist fast zweieinhalb mal so groß wie Deutschland, hat aber nur gut 3 Millionen Einwohner und ist damit das am zweitdünnsten besiedelte Land (nur in der Mongolei gibt es noch weniger Menschen pro Fläche). Der Hafen von Walvis Bay ist Namibias größter und wichtigster Hafen, der einzige Tiefwasserhafen und auch für die Nachbarländer ohne Zugang zum Meer wie Botswana, Sambia und Simbabwe wichtig. Die Straßen durch Namibia in die Nachbarländer sind vergleichsweise gut.
Auf der Rückseite der neuen Containerpier ist die kleine, neue Pier, an der wir Platz gefunden haben. Da der Containerhafen natürlich hell beleuchtet ist, wird es bei uns nie völlig dunkel. Wir fühlen uns sehr sicher. Zwischen den Hafenanlagen, den Restaurants und dem Yacht Club liegen einige Boote an Bojen. Neben vielen Ausflugsbooten gibt es einige private Segelboote und ein schwimmendes Bootshaus. Nachts ist es sogar beleuchtet und regt unsere Fantasie an, schnell erfinden wir eine Geschichte in der neben dem Boot James Bond und Diamanten eine tragende Rolle spielen.

Namibia begrüßt uns kalt und grau. Wir freuen uns, dass unsere Heizung anstandslos anspringt.
Das erste Mal seit Neuseeland haben wir sie wieder in Betrieb. Es ist wirklich ungemütlich. Morgens wollen die Matratzen zum Trocknen gewendet werden, in so manchem Schrank bildet sich Kondenswasser, Nobbis Wolljacke kommt zum Einsatz, ich trage ein Halstuch und wir erwärmen uns abends bei Tee mit Rum. Der kalte Benguela Strom sorgt für Nebel und der Nebel für graues, feuchtes Wetter. Setzt sich die Sonne durch wird es sofort warm, aber die Abende sind frisch.

Am Montag müssen wir zunächst Einklarieren. Bei Antoinette, der Sekretärin des Yacht Clubs, füllen wir die nötigen Papiere aus und dann fährt sie uns erst zur Immigration und dann zum Zoll. Die Einreise ist einfach und noch kostenlos. Ab April müssen alle Einreisenden eine Gebühr bezahlen.

Ab Dienstag haben wir ein Auto gemietet. Walvis Bay ist weitläufig und lädt nur bedingt zum Laufen ein. Zunächst versuchen wir eine SIM-Karte zu kaufen. Starlink funktioniert leider nicht in Namibia.
Beim ersten Versuch ist die Schlange so lang, dass wir keine Lust haben uns anzustellen. Beim zweiten Mal warten wir nur zwanzig Minuten und können dann keine Karte kaufen, weil wir nur Passkopien, aber keine Originale dabei haben (wir hätten es wissen können). Im dritten Anlauf sind wir endlich erfolgreich.
Wir kaufen eine neue Buglaterne (rot/grün) bei einem kleinen Laden im Industriegebiet. Auf der Überfahrt hat leider nur das rote Licht funktioniert. Was nützt es wenn die LEDs zwar theoretisch fast unendlich leuchten, aber die Anschlüsse korrodieren. In der Apotheke bekommen wir ein benötigtes Medikament und ich kaufe einen neuen Pullover und muss nun nicht mehr frieren.
Der erste Eindruck ist gut, die Namibier sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Daniel, Nobbi und Bernd.

Für Unterhaltung ist hier immer gesorgt. Neben einigen Seglern wird die Pier von ein paar Ausflugsbooten genutzt. Und von den Seebären. Nur selten liegen sie auf dem Steg, aber ein paar von ihnen sind immer in unmittelbarer Nähe unterwegs. Morgens sind sie besonders aktiv und jagen, manchmal direkt neben unserem Boot. Wenn die Ausflugsboote rausfahren, bieten sie eine kleine Show, springen auf die Boote, schwimmen um sie herum oder klettern auf die Pier. Immer in der Hoffnung, dass es irgendwo einige Fische als Belohnung gibt. Wir hören sie sogar oft nachts, wenn sie gegen Maris Bauch rumsen. Sie sind einfach drollig, wenn sie sich immer um die eigene Achse drehen oder sich mit den Flossen an der Schnauze jucken. Zwei sehr junge, noch kleine Seebären sind öfter bei uns unterwegs, sie streiten sich, bellen uns an und spielen unterm Steg.

Viele Seevögel, Flamingos und Pelikane leben in der Bucht und in der Lagune, die sich hinter dem Yacht Club entlang der Küste erstreckt. Mal laufen wir an der Lagune entlang, mal nehmen wir das Auto und fahren bis auf die andere Seite der Lagune. Dort gibt es eine Saline, die weißen Salzberge leuchten weithin sichtbar. In den Becken ist das Wasser-Salz-Gemisch pink, rosa und weiß – passend zu den Flamingos. Folgt man der Straße, kommt man bis ans Meer. Weißer Strand soweit man gucken kann.

Swakopmund

Die Stadt Swakopmund ist etwa 40 km entfernt und über die Küstenstraße erreichbar. Im Stadtzentrum ist die deutsche Vergangenheit nicht zu übersehen. Es gibt viele alte Gebäude aus der Kolonialzeit, vom alten Amtsgericht bis zum ehemaligen Krankenhaus. Unüberhörbar wird viel Deutsch gesprochen. Auch in Walvis Bay sind wir schon auf Deutsch angesprochen worden, haben uns über Melitta und Schwartau im Supermarkt gefreut (jeder durfte sich ein Glas Marmelade aussuchen) und viele deutsche Namen und Bezeichnungen entdeckt. In Swakopmund ist es jedoch viel ausgeprägter. Deutsche Namen und Schriftzüge, deutscher Werbung, die Buchhandlungen führen viele deutsche Bücher und Ferienhäuser und Geschäfte haben deutsche Namen. Zum Teil ist es ein bisschen witzig, denn es ist nicht nur „deutsch“ sondern oft auch altmodisch und verstaubt. Wir fühlen uns an einen Kurort im Harz erinnert, der seine besten Zeiten hinter sich hat, aber auch schon vor zwanzig Jahren. Uns gefällt Swakopmund trotzdem. Vor allem bei freundlichem Wetter. Bei unserem ersten Besuch war es sehr grau. Wir bummeln durch Andenkenläden und freuen uns über die kleine Fußgängerzone, testen unterschiedliche Cafés und kaufen wunderbares Brot.

Der Bahnhof von Swakopmund soll einer der schönsten der Welt sein, verspricht der Reiseführer. Wir müssen lachen, das hatten wir über den Bahnhof von Kuala Lumpur, der zweifelsohne mal schön war, heute aber in traurigem Zustand ist, auch gelesen. Im ehemaligen Bahnhof von Swakopmund ist heute ein Hotel und das Gebäude ist wirklich hübsch.

Die Kristall- Galerie ist eine Mischung aus Mineralien-Museum und Schmuck-Verkaufsraum. Wir sehen uns die vielen Edel- und Halbedelsteine an und bewundern den größten Quarzkristall der Welt.
Neben den vielen bunten Steinen, werden in Namibia vor allem Diamanten geschürft. Namibia hat große Vorkommen sehr reiner Diamanten. Früher wurden sie „einfach“ aus der Wüste gesammelt. Teile des südlichen Namibias sind noch immer Sperrgebiet. Dort wo die Vorräte erschöpft sind werden die Vorschriften gelockert. Heute werden sie vor allem aus dem Atlantik gewonnen. Die Küstengewässer dürfen zum Teil nicht befahren werden. Auch weit entfernt von der Küste und den Sperrgebieten haben wir auf dem Weg nach Walvis Bay Diamant-Mining-Schiffe gesehen.

Die Wüste reicht bis ans Meer

Die Namib ist die älteste Wüste unseres Planeten, 80 Millionen Jahre alt. Sie reicht von der Grenze zu Südafrika im Süden und im Norden bis nach Angola die Küste entlang. Bekannt ist sie für ihre hohen Sanddünen. Sehr schöne Dünen gibt es ausgerechnet hier entlang der Küste zwischen Walvis Bay und Swakopmund. Tagsüber liegen die Temperaturen häufig deutlich über 50°C, nachts kühlt es auf 0°C ab. An der extremen Trockenheit ist ausgerechnet die kalte Meeresströmung des Benguela-Stroms Schuld. Das kalte Wasser führt zur Kondensation der Luftfeuchtigkeit und zu einer sehr stabilen Luftschichtung, deshalb gibt es kaum vertikale Konvektion und Niederschläge. Aber es gibt an 200 Tagen im Jahr Nebel (den haben wir zur Genüge kennengelernt). Die Wassertröpfchen des Nebels schlagen sich frühmorgens auf Pflanzen und im Sand nieder.
Tiere und Pflanzen haben sich an die harschen Wüstenbedingungen besonders angepasst. Wir stellen fest, dass unsere Anpassung nicht ausreichend ist. In der Nähe von Walvis Bay gibt es eine Düne, die man besteigen darf. Bei uns unserem ersten Besuch ist der Himmel tief grau und wir beschließen, dass es sich nicht lohnt. Natürlich muss man Eintritt für die Düne bezahlen, deshalb können wir nicht einfach mehrfach auf die Düne klettern.
Als nach einigen Tagen endlich die Sonne scheint machen wir uns an den Aufstieg – und kehren um. Nicht etwas weil es uns zu anstrengend ist, auch wenn das Laufen im Sand mühsam ist. Es ist zu heiß. Nicht die Lufttemperatur ist das Problem, die Temperatur des Sands ist das Problem. Wir wurden aufgehalten und bis wir endlich starten ist es fast mittags. Praktischerweise trage ich einen Rock und Sneakers. Der Sand ist weich und fließt mir um die Knöchel. Das ist unglaublich heiß. Und der Weg nach unten ist genauso schlimm wie hoch. Ich hab mich wirklich verbrannt. Das war einigermaßen bescheuert. Typisch Touristen… Aber schön sind sie, die Dünen! Den besten Blick auf die Dünen hat man ausgerechnet von der Autobahn, leider immer mit Stromleitungen im Bild. Wir machen immer wieder einen Abstecher zum Dünengucken. Die Straße entlang der Küste ist besonders schön. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die großen Sanddünen.
Am vorletzten Abend ist es am schönsten, das Abendlicht und einige Wolken sorgen für tolle Licht-und-Schatten-Effekte.

Unser Mietwagen ist nicht geländegängig, deshalb scheiden einige Strecken aus. Wir fahren auf einer asphaltierten Straße ein wenig ins Landesinnere. Es ist beeindruckend wie schnell es heiß es wird. Sind an der Küste nur knapp über zwanzig Grad, ist es nach weniger Kilometern schon weit über dreißig Grad heiß.
Landeinwärts der Dünen ist das Land sehr platt. In der Ferne erheben sich einige Berge. Es ist sandig, gelb, braun und grau. Und es staubt. In einem Minenort machen wir eine Teepause. Der Ort ist klein, die Häuser oder eher Hütten sind sehr einfach. Dagegen wirkt Walvis Bay wie eine Großstadt. Namibia hat viele Bodenschätze. Wir sind nun in der Nähe Namibias größter Uranmine. In der Gegend wird auch Zink geschürft und etwas weiter landeinwärts Gold. Sehr nett werden wir angesprochen was wir in dem Ort machen und ob wir ein Problem haben.
Über der Wüste braut sich ein Gewitter zusammen. Es blitzt. Das brauchen wir nicht, wir machen uns auf den Weg zurück zur Küste. Ein paar Tage später nehmen wir eine andere Straße ins nichts, hier wird Granit abgebaut. In der Ferne sehen wir Dünen und sonst ganz plattes, hellgraues trockenes Land. Und mitten im Nichts (für unsere Augen) ein Dorf. Viele Menschen leben in diesen ganz einfachen Hütten, gefühlt Lichtjahre vom Leben in Swakopmund-Zentrum entfernt. Namibia ist auch ein Land mit ganz ungleicher Einkommensverteilung.

In Namibia gäbe es noch viel zu entdecken, vielleicht kommen wir eines Tages auf „Landreise“ wieder. Der kurze Aufenthalt hat uns gut gefallen und neugierig gemacht. Die Namibier haben wir zum Großteil als sehr freundlich und aufgeschlossen erlebt.
Uns zieht es weiter. Wir haben ausklariert und machen uns morgen auf den Weg nach St. Helena.

Zeit für den Abflug!

Eine graue, neblige Überfahrt nach Walvis Bay

Zu gerne wären wir länger geblieben. Wir fühlen uns wohl im Royal Cape Yacht Club und Kapstadt hat viel zu bieten, auch wenn die „Nachmittagswinde“ mit 50 kn gelegentlich an den Nerven zerren. Doch unser Visum läuft in einer Woche aus und der Wetterbericht ist vielversprechend. Sonntagmorgen (23. Februar) lösen wir nach dem obligatorischen Müsli fast alle Leinen. Sie haben sich ordentlich zugezogen, wir müssen uns erst einmal losstricken. Nobbi macht den Motor an und guckt „sicherheitshalber“ noch einmal in die Bilge. Wasser in der Motorbilge. Wir gucken uns an. Hilft ja nichts. Nobbi stellt den Motor wieder ab. Das Problem ist schnell gefunden. Ein Schlauch am Ölkühler des Getriebes tropft. Zwei neue Schlauchschellen sorgen für Abhilfe.

Nun geht es wirklich los. Port Control gibt uns die Erlaubnis auszulaufen und schon sind wir unterwegs. Ausklariert haben wir am Tag zuvor, das war weitgehend unproblematisch, auch wenn die Dame bei Immigration sehr schnippisch war.

Wir sehen einige Pinguine, Seebären sonnen sich auf den Tonnen und Delfine kreuzen unseren Kurs. Zunächst haben wir kaum Wind und lassen den Wassermacher laufen. Nach gut einer Stunde setzt der versprochene Wind ein, wir setzen Segel und genießen die fantastischen Bedingungen. Glattes Wasser, leichter Wind, strahlender Sonnenschein und der Tafelberg als Kulisse. Es könnte nicht schöner sein. Plötzlich werden wir langsam. Wir entdecken, dass wir einen riesigen Kelpstängel mit uns schleppen. Er scheint am Kiel oder Ruder zu hängen. Wir drehen das Boot in den Wind bis wir rückwärts segeln und können die riesige Pflanze so loswerden.

Während der Tafelberg kleiner wird, nimmt der Wind zu. Leider auch die Welle. Es wird ein bisschen ungemütlich, aber wir sind flott unterwegs. Dafür sorgt auch der Strom, der uns schiebt. In der zweiten Nacht ist es noch windiger. Sechs bis sieben Beaufort treiben uns voran. Nur wenige Stunden ist es wirklich rau mit hohen Wellen von dreieinhalb Metern dann wird es wieder handiger. Ich bin trotzdem seekrank, besonders am dritten Tag. Wir sehen viele große Schiffe und Fischer. Der Schiffsverkehr folgt wie wir der Küste und wir müssen auf jeder Wache mindestens ein Ausweichmanöver fahren. Immer mal wieder funken wir ein großes Schiff an, fragen ob man uns gesehen hat oder bitten um einen größeren Sicherheitsabstand. Lieber sind uns die Begegnungen mit den Meeresbewohnern. Delfine begleiten uns nachts stundenlang, wir sehen Wale, einen Mondfisch, Albatrosse, Tölpel und immer wieder Seebären.

 Mittwoch ist weniger Wind als an den Tagen zuvor, die Wellen nehmen ab und es wird gemütlicher an Bord. Zeit zu kochen, bisher haben wir uns von Broten und Vorgekochtem ernährt, soweit uns nach Nahrung zu Mute war. Donnerstag nimmt der Wind in den frühen Morgenstunden immer weiter ab. Vormittags treiben wir schließlich in der Flaute. Das Großsegel schlägt hin und her. Irgendwann können wir es nicht mehr ertragen und nehmen es runter. Immerhin treiben wir in die richtige Richtung. Wir stecken in einer Nebelbank. Es ist feucht und die Sicht reicht kaum bis zur nächsten Welle. Als ein Containerschiff uns überholt ist es unheimlich. Wir sehen auf dem AIS, dass es weit weg ist, dreieinhalb Meilen. Das Typhon, das alle zwei Minuten ertönt, hört sich näher an. Irgendwann verzieht sich der Nebel und die Sonne kommt durch. Erst nachmittags kommt wieder Wind auf und ein paar Stunden später binden wir bereits das zweite Reff ein.

Nach einer schönen Segelnacht wiederholt sich das Spiel. Morgens nimmt der Wind ab und der Nebel zu. Diesmal schlägt das Segel nicht so entsetzlich. Wir haben die beiden oberen Segellatten rausgezogen, nun gibt es eher ein Flapp-Geräusch. Es will einfach nicht heller und trockener werden. Schon die Nacht war nass. Obwohl es zum Teil sternenklar war, tropfte es. Und auch jetzt kann man nur in Regenhosen im Cockpit sitzen. Natürlich mit Jacke und Mütze. Seit Tagen haben wir die langen Unterhosen nicht ausgezogen. Nachts tragen wir auch noch den Faserpelz. Das kalte Wetter macht die Überfahrt anstrengend, bevor wir in der Freiwache einschlafen können, müssen wir erst auftauen. Ich habe es gut, Nobbi kocht mir oft vor Wachübergabe eine Kanne Tee. Erst trocknet es langsam, um eins zeigt sich endlich die Sonne und bald ist auch der Wind wieder da. Nachmittags segeln wir bei Sonnenschein und frischem Wind. Bald wir es jedoch wieder kühl. Spätestens um fünf kommt der Fleece wieder zum Einsatz.

Wir haben uns damit abgefunden,  dass wir einen Tag später ankommen werden und sind gespannt ob sich die Nebelflaute am nächsten Tag wiederholen wird. Angesagt ist sie nicht, war sie in den letzten beiden Tagen aber auch nicht. Der Samstagmorgen ist grau, aber Nebel und Flaute bleiben aus. Wir kommen gut voran und sind optimistisch, dass wir Walvis Bay vor Einbruch der Dunkelheit erreichen könnten. Mittags kommt die Sonne raus und wir können uns aufwärmen. Nobbi macht ein Mittagsschläfchen und ich mache es mir mit dem Reiseführer im Cockpit gemütlich. Schon stecken wir wieder in einer Wolke. Die Sichtweite beträgt nur noch etwa 200m. Die Wetterwechsel kommen so schnell und unerwartet. Ich lege das Buch beiseite und gehe Ausguck. Sehen kann man nicht viel, aber hören würden wir ein anderes Schiff wohl rechtzeitig. Nach einer Stunde verschwinden die Wolken wieder, leider nehmen sie den Wind mit. Wir dümpeln mal wieder in der Flaute. Nach einer halben Stunde wecke ich Nobbi. Wenn wir jetzt die Maschine anmachen, könnten wir in drei Stunden am Ankerplatz sein. Wir nutzen die Chance und lassen den Wassermacher laufen. Bis zur Ansteuerung von Walvis Bay läuft es fantastisch. Seebären begleiten uns wie Delfine, springen aus dem Wasser und zeigen Kunststücke. Ich kann mich nicht satt sehen an diesen sympathischen Tieren.

Die Containerbrücken und der Leuchtturm sind das erste was wir von Walvis Bay und Namibia sehen. Der Wind hat inzwischen wieder aufgefrischt. Leider nimmt er immer weiter zu. Während in der Ferne goldene Dünen im abendlichen Sonnenlicht leuchten, liegt eine riesige dunkle Wolke über uns. Es sind nur noch einige Meilen in die tiefe Bucht bis zum Yacht Club und dem Ankerplatz für Sportboote. Leider genau gegen den Wind. Inzwischen hat der Wind auf sechs bis sieben Beaufort zugelegt und die entstehende Welle ist beachtlich. Mari kämpft sich mühsam voran. Das erste Mal auf dieser Etappe haben wir Wasser an Deck. Manchmal machen wir kaum mehr einen Knoten Fahrt. Wir fühlen uns überdeutlich an unsere Einfahrt nach Port Elizabeth erinnert. Mal wieder gilt „Du bist erst da, wenn du das bist“. Wir quälen uns quer über die Reede der großen Schiffe. Zuvor hatten wir gelesen, dass von einer Ankunft bei Nacht dringend abgeraten würde, man solle hier irgendwo ankern. Undenkbar. Einige Wellen erreichen wohl eineinhalb Meter und sind sehr steil. Uns bleibt nichts anderes übrig als weiter zu kämpfen. Nobbi behält den Überblick, das AIS im Blick und reicht mir abwechselnd Tee und ein Handtuch. Das Handtuch, um das Salzwasser aus dem Gesicht oder das Tablet trocken zu wischen. Ich steuere oder versuche es zumindest. Mühsam kommen wir voran, vorbei an großen Tankern, Schleppern und unbeleuchteten (aufgegebenen?) Fischereischiffen. Es ist inzwischen dunkel. Dank der hellen Hafenbeleuchtung sehen wir trotzdem noch Umrisse. Endlich kommen wir dichter unter Land und die Wellen werden kleiner. Wir erkennen erste Yachten und lassen den Anker auf vier Meter Wassertiefe fallen.

Drei Stunden später als erhofft und sehr erschöpft sind wir angekommen. Wir räumen auf, ziehen die nassen Sachen aus und waschen uns die dicke Salzkruste aus dem Gesicht. Namibia! Ein neues Land, das wir noch nicht kennen. Mit südafrikanischem Rotwein stoßen wir auf die gute, wenn auch etwas anstrengende Überfahrt an. Und während der Wind langsam abnimmt, beginnt auch unsere Erinnerung daran, dass wir vor wenigen Stunden das Segeln verflucht haben, langsam zu verblassen.

 

Der Tafelberg trägt einen leichten Schleier.
Seebären beim Sonnenbad.
Ab und zu werden uns traumhafte Segelstunden geschenkt.
Die Sonne setzt sich durch.
Angekommen in Namibia!

Am Kap der Guten Hoffnung

Jetzt wo das unser Getriebe wieder eingebaut ist, können wir Pläne machen und mieten ein Auto. Bevor wir zum spaßigen Teil kommen, haken wir das Pflichtprogramm ab und füllen unsere Dieselkanister und die Gasflasche. Eigentlich hatten wir ein ganz anderes Ziel, besuchen aber Groot Constantia, eines der vielen Weingüter. Die Stimmung ist entspannt. Wir machen jedoch weder hier, noch bei der Konkurrenz eine Weinprobe. Einer muss ja noch Auto fahren…
Wir sehen uns an mehreren sehr schönen Stränden um und beobachten Surfer. Glücklicherweise habe ich keinen Bikini dabei, so muss ich nicht unter Beweis stellen, dass ich ansonsten baden würde. Das Wasser sieht einladend aus, ist jedoch kalt. Rund um Kapstadt ist viel Verkehr, man kann wahlweise auf dem Highway oder am Strand im Stau stehen.

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir wollen uns das Kap der Guten Hoffnung auf dem Landweg ansehen. Auf dem Weg machen wir in der Nähe von Simonstown eine kleine Pinguin-Pause. Es gibt ein Pinguin-Zentrum mit Aussichtsplattform. Wir sind einfach auf einem Wanderweg in der nächsten Bucht unterwegs und sehen dort ebenfalls viele Pinguine. Die kleinen Brillenpinguine sehen putzig aus. Es bewahrheitet sich, man kann keine schlechte Laune haben kann, wenn man einen Pinguin anschaut. Nicht, dass schlechte Laune an so einem sonnigen Morgen ein Problem wäre.


Die Eintrittsgebühr für den Table Mountain National Park, der die Landzunge umfasst an deren Südspitze das Kap der Guten Hoffnung liegt, ist kein Schnäppchen. Wir freuen uns über die weniger befahrenen Nebenstrecken, wo wir Kilometerweit niemanden treffen und laufen überall ein paar Schritte. Auf einem Felsen machen wir einen Brunch mit Aussicht und beobachten Antilopen. Am Cape Point und am Kap der Guten Hoffnung treffen wir erwartungsgemäß auf viele Touristen. Das Besucherzentrum, mit einer schönen Ausstellung zur Entstehung des modernen Menschen, ist hingegen praktisch leer.
Cape Point ist der südlichste Punkt der Halbinsel, das Kap der Guten Hoffnung markiert die Süd-West-Ecke. Das Kap der Guten Hoffnung wurde zunächst Kap der Stürme bekannt, aus gutem Grund! Aus Marketing-Gründen wurde es umbenannt. Diese Herausforderung-statt-Problem-Strategie war also schon im 16. Jahrhundert populär. Das Wetter hat sich nicht beeindrucken lassen, stürmisch ist es noch heute.
Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher und freuen uns über Zebras, Strauße, Affen und Antilopen. Uns gefällt die karge, praktisch baumlose Landschaft mit den vielen verschiedenen Pflanzen mit unscheinbaren Blüten, die für einen gelben oder roten Schimmer sorgen. Der Table Mountain National Park war für uns definitiv ein Highlight. Mühelos hätten wir hier noch mehrere Tage verbringen können.

Auf dem Rückweg befahren wir den berühmten Chapman Drive, eine sehr schöne Küstenstraße. Eigentlich wollten wir sie am Tag zuvor befahren, da war sie aber leider geschlossen. Jetzt liegt die Küste im abendlichen Sonnenlicht, während sich erste Nebelbänke bilden. Ein wunderschöner Abschluss eines fantastischen Tages.

Freitagmorgen geben wir das Auto nach nur zwei Tagen wieder ab. Gerne hätten wir noch mehr gesehen, doch wir beschließen am Samstag (22. Februar) aus Südafrika auszuklarieren und Sonntag los zu segeln. Nun wird es hektisch. Noch viele kleine und große Dinge wollen innerhalb von zwei Tagen erledigt werden. Neben den Klassikern, wie einer letzten Waschmaschine und dem Einkauf von frischen Nahrungsmitteln, standen das erneute Abdichten des Babystag-Püttings und Papierkram für die nächsten Reiseziele, sowie ganz viele Kleinigkeiten auf dem Programm.
Samstagabend beschließen wir, dass alle Dinge, die nicht erledigt wurden einfach von der To-do-List gestrichen werden. Wir essen ein letztes Mal mit Freunden im Yacht Club und stoßen auf die schöne Zeit in Kapstadt und Südafrika an.

Kapstadt und der Royal Cape Yacht Club

Wir haben einen Liegeplatz im Royal Cape Yacht Club ergattert. Maris geringe Größe spielte hierbei sicher eine Rolle. Der clubeigene Hafen hat fast 400 Plätze und fast alle sind von Vereinsmitgliedern belegt.

Der Yacht Club hat in diesem Jahr 120. Geburtstag und man ist stolz auf die lange Tradition und darauf, dass Prinzessin Anne gerade zu Besuch war. Im schönen Clubhaus finden sich in vielen Vitrinen unzählige Plaketten und Pokale. Viele Große Regatten werden ausgetragen, wie das Cape to Rio Race.

Uns gefällt das sehr aktive Clubleben. Zu den Regatten ist richtig was los im Hafen. Wie wir es aus Kiel kennen, liegen die Stege zur Mittwochsregatta voller Equipment, das gewichtsbewusste Crews im Hafen zurückgelassen haben. Da stapeln sich Segel, Außenborder, Bodenbretter, Werkzeuge und Ersatzteile. In der letzten Saison gab es 105 Tage mit Segelveranstaltungen und im Schnitt waren 41 Boote an der Startlinie. Ganz schön beeindruckend. Beeindruckend ist auch das wuselige Leben auf der eigentlich sehr kleinen Werft, wo in der letzten Saison 900 (!) Boote gekrant wurden.

Leer ist es im Yacht Club selten. Mittwochs nach der Abend-Regatta (bei der auch Gäste mitsegeln dürfen) ist es fast so voll wie freitags. Freitags ist der Clubabend, bei dem Mitglieder auch etwas gewinnen können. Samstags ist in der Regel eine Regatta und auch Sonntagmittag findet man auf der Terrasse nur schwer einen freien Tisch.

Der Yacht Club hat knapp 2000 Mitglieder und über 60 Angestellte. Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist im Restaurant tätig, das praktisch immer geöffnet ist. Die Karte ist abwechslungsreich, die Preise für Kapstadt-Verhältnisse sehr moderat und der Service nett. Manches Mal entscheiden wir uns nicht unterwegs zu essen, sondern in „unseren“ Club zurückzukehren.

Wir sind zu einem Empfang für neue Mitglieder und Gäste eingeladen, bei dem sich der Club und die neuen Mitglieder vorstellen und werden mit Getränken und Häppchen verwöhnt.

Gäste haben es hier sehr gut. Die Duschen sind immer sauber, sehr heiß und es gibt sogar einen Fön. Seit Jahren habe ich keinen Fön benutzt, doch bei den frischen Abendtemperaturen ist es schön nicht mit nassen Haaren unterwegs zu sein. Auf dem Werftgelände gibt es einen kleinen Bootshändler bei dem es Vieles gibt, das der Bootseigner braucht. Waschmaschinen und Trockner finden sich ebenfalls an der Werft. Schnell kennen wir nicht nur die Kellner, sondern auch das Büro-Team an der Rezeption, die Sicherheitsleute am Eingang und die Mitarbeiter auf der Werft. Praktisch alle sind nett und wir fühlen uns willkommen. Außerdem treffen wir Freunde wieder und lernen neue Segler kennen.

 Mit unseren Nachbarn verbringen wir einen äußerst netten Abend. Beim Ausparken sind sie leider in unserer Starlink-Antenne hängengeblieben. Als Entschuldigung werden wir auf einen Whiskey bzw. Gin Tonic eingeladen. Selbstverständlich nehmen wir ihre Entschuldigung an. Wir hören tolle Geschichten von den Regatten, hier segelt man schon mal ein Rennen nach St. Helena oder nach Rio. Und anschließend muss natürlich auch irgendjemand das Boot wieder zurück segeln. In der netten Runde fühlen wir uns sehr wohl und kehren ein wenig angetüdelt an Bord zurück.

 Nachmittags weht es häufig. Den berühmten Cape Doctor, den Fallwind vom Tafelberg, bekommt man hier zu spüren. 50 Knoten Wind sind keine Seltenheit, wir messen einmal über 60. Bei solchen Windstärken fahren Bootsbesitzer zu Hause weite Strecken, um nach ihrem Boot zu sehen, hier kommt das manchmal mehrfach pro Woche vor. Viele Boote haben jedoch Kratzer, wer sein Boot liebt hat dicke Leinen und viele Fender. Wir haben Glück und einen Liegeplatz, an dem wir mit der Nase im Wind liegen. Freunde liegen quer zum Wind, wenn zehn Windstärken ihr Boot auf die Seite legen, ist das Leben an Bord nicht mehr ganz so lustig.

 

Im schönen Clubhaus.
Beim Empfang für neue Mitglieder und Gäste.
Alle stellen sich vor.
Der Hafen des Clubs ist voll.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und die Umgebung biete tolle Ausflugziele. Allerdings ist Sightseeing leider nicht unsere oberste Priorität. Am wichtigsten ist es, dass unser Boot abfahrtbereit ist. Auch der von der Werft vermittelte Mechaniker kommt sofort zu dem Ergebnis, dass unser Getriebe kaputt ist. Nobbi baut das Getriebe selber aus, das spart uns viel Geld und Zeit, aber kostet ihn Schweiß und Nerven und bringt ihm Schrammen, blaue Flecken und Schmerzen ein.

 So lange wir nicht wissen, wie es mit unserem Getriebe weitergeht, können wir keine Pläne machen. Wir nutzen die Zeit für kleine Boots- und Büroarbeiten. Die Sprayhood wollte schon wieder genäht werden, der Mangan-Dreck aus Port Elizabeth muss von Deck geschrubbt werden und sogar die Steuererklärung ist fertig. Auch die Starlink-Antenne ist wieder gerichtet. Sie funktioniert noch, nur der Teil, der in der Halterung steckte, war verbogen. Nobbi findet auf der Werft jemanden der uns ein Edelstahlrohr absägt und eine Nut schneidet. Die Antenne wurde gewissermaßen geschient. Ersatz hätten wir in Südafrika nicht bekommen, Starlink ist in Südafrika nicht verfügbar. Man kann es nicht (offiziell) kaufen und vor Ort nicht anmelden. Anders als im Nachbarland Namibia funktioniert es aber.

 Zwischendurch nehmen wir uns Zeit für die Erkundung Kapstadts. Der Botanische Garten Kirstenbosch gefällt uns sehr. Mehr Park als Garten liegt das große Gelände im Südosten des Tafelbergs am Hang. Wir erkunden den Baumwipfelpfad und drehen eine große Runde über das weitläufige Gelände. Bald fällt uns auf, dass Valentinstag ist. Es wimmelt von Pärchen mit Picknickkörben.

Eine tolle Parkanlage vor schöner Kulisse.
Bäume umarmen soll ja glücklich machen…
Schöne Brücke durch die Baumwipfel.
Viele Kindergruppen sind im Park unterwegs.

Auf einer Stadtführung lernen wir das Zentrum Kapstadts kennen. Tatsächlich sind wir die einzigen Teilnehmer und erfahren nicht nur viel über die Geschichte der Stadt, sondern bekommen auch noch zahlreiche Anregungen für Unternehmungen in den folgenden Tagen. Als wir vorsichtig ausprobieren, ob die „Grote Kirk“ geöffnet ist, schließt uns eine ältere Dame die Tür auf und gibt uns auch gleich eine umfassende Führung.

Die Grote Kirk von innen.
Das jüdische Museum vorm Tafelberg.
Das alte Rathaus.
Castle ofGood Hope.
Schöne Bauten im alten Zentrum.
Tuynhuis.

Das Slave Lodge Museum ist in der früheren Unterkunft der Sklaven Kapstadts untergebracht. Die grausame Geschichte der Sklaverei ist uns nicht unbekannt, was uns an der Ausstellung jedoch sehr gefällt und sie von vielen ähnlichen Ausstellungen unterscheidet, ist der Bezug zur modernen südafrikanischen Gesellschaft. Welche typischen Nachnamen tragen die Nachfahren der Sklaven noch heute, welche Bräuche, Religionen und Geschichten haben sie mitgebracht.

Das Slave Lodge Museum.

In Bo-Kaap, dem kleinen malaiisch geprägten Viertel, sehen wir uns die berühmten bunten Häuser an und schlendern durch einige der vielen Galerien. Unsere liebste Galerie ist allerdings in der Nähe der Waterfront. Die V&A Waterfront ist ein großer Komplex. Ehemalige Hafengebäude sind zur Touristen-Flaniermeile umgestaltet worden, mitten drin liegt eine noble Marina, die Wohnbebauung ist elegant und dürfte extrem teuer sein, es gibt unzählige Restaurants, hier starten die Ausflugsboote zu ihren Touren und im Untergeschoss des großen Einkaufszentrums finden wir gleich zwei große Supermärkte. Interessanterweise sind die typischen Andenken ausgerechnet in dieser teuren Umgebung günstiger als (fast) überall sonst. Grund genug weitere Souvenirs zu erstehen.

Die bunten Häuser von Bo Kaap.
Die Möwe ist für die künstlerische Aussage essentiell.
Luxusyachten und Tafelberg.
Die alten Hafengebäude wurden gepimpt.
Der Uhrenturm an der Waterfront.

Die National Galerie kann uns leider nicht überzeugen. Die aktuelle Sonderausstellung gefällt uns nicht. Die Bilder haben etwas Brachiales und sehen für mich alle gleich aus, also entscheide ich, sie zu überspringen und mich dem Rest des Museums zu widmen, nur um festzustellen, dass das Haus renoviert wird und alles andere nicht zugänglich ist. Wir beschließen also ins South African Museum umzuziehen. Auch hier wird renoviert, aber es gibt trotzdem genug zu sehen. Die Abteilung über Wale und Delfine gefällt uns besonders gut.

 

Vor der National Galerie.
Die Ausstellung beginnt vielversprechend.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und wir haben das Gefühl, dass wir uns im Stadtzentrum frei bewegen können. Ein nettes Café oder hübsches Restaurant zu finden ist keine Kunst. Wir legen eine kulinarische Pause in einem Schokoladencafé ein und schmieden dort neue Pläne. Die Zeit reicht nicht aus um alles zu erkunden, was uns interessiert.

 

Nobbi im Schokoladen-Café

Am Montag (17. Februar) bekommen wir Nachricht, dass unser Getriebe fertig ist. Die Original-Ersatzteile waren nicht verfügbar und die Bestellung aus Schweden wäre nicht nur absurd teuer, sondern für uns auch viel zu langsam. In seinem Lager hat unser Mechaniker passende Ersatzteile gefunden und außerdem etwas gezaubert.

Sofort stoßen wir unsere Pläne um und Nobbi verschwindet im Motorraum. Der Wiedereinbau gestaltet sich, wie vermutet, noch schlimmer als der Ausbau. Doch Nobbi ist erfolgreich. Am späten Nachmittag können wir es vorsichtig testen und sind sehr erleichtert, es scheint, als wären wir wieder voll einsatzfähig.

Nobbi befestigt den Radarreflektor
Nach Kapstadt kommen viele Spezial-Schiffe.

Der Tafelberg

Ein Kapstadt-Besuch ohne Ausflug auf den Tafelberg ist nicht komplett.
Der Tafelberg ist 1087 m hoch und das unangefochtene Wahrzeichen Kapstadts, thront er doch über der Stadt. Der Tafelberg ist ein alter Berg. Die ältesten Bereiche sind 450 Millionen Jahre alt. Vor 150 Mio. Jahren brach Gondwana auseinander, der Berg wuchs durch Verwerfungen, wurde dann noch einmal überflutete und „erst“ vor etwa 30 Mio. Jahren entstand der Berg in seiner heutigen Form. Seitdem sorgt der Wind für Feinschliff.
Die Flora des Bergs ist außergewöhnlich und sehr artenreich. 1400 Pflanzenarten gibt es, z.B. sehr viele Erika-Arten (600!). Nobbi behauptete es sähe so ähnlich aus wie in der Lüneburger Heide, nur mit Berg.
Häufig ist ein Tischtuch auf dem Tafelberg zusehen, eine Wolkenkappe. Feuchte Luftmassen strömen vom Meer kommend über den Berg. Beim Aufsteigen kondensieren sie zu Wolken, die sich wieder auflösen wenn sie hinter dem Berg hinabfallen. Auf der Nord- und Westseite entsteht ein Fallwind, der Cape Doctor. Er heißt so, weil er die Stadtluft reinigt. Diesen Fallwind kennen wir gut, schüttelt er uns doch in der Marina ziemlich durch. Den Zusammenhang zwischen Tischtuch und Wind, können wir bestätigen. Wenn der Tafelberg eingedeckt ist, weht es kräftig.

Natürlich kann man einfach mit der Seilbahn nach oben fahren. Doch Hugh hat beschlossen, dass wir uns Mittwochmorgen um halb sieben treffen und gemeinsam auf den Tafelberg steigen. Hugh haben wir auf Cocos kennengelernt, er ist in Südafrika aufgewachsen und hat es sich zur Aufgabe gemacht befreundete Segler auf den Tafelberg zu jagen. Wir sind eine kleine Gruppe mit Seglern aus fünf Ländern und drei verschiedenen Häfen.
Die Wanderung ist durchaus sportlich. Der Weg ist nicht besonders lang, aber steil. Zu Beginn geht’s auf unregelmäßigen Stufen langsam aufwärts. Nun ist uns allen warm. Dann schlängelt sich der Weg den Berg hinauf und ab und zu müssen wir hohe Stufen hinaufklettern. Wir sind in einem gemächlichen, seglergeeigneten Tempo unterwegs und machen gelegentlich eine Pause. Der Ausblick ist die ganze Zeit fantastisch. Kapstadt liegt uns zu Füßen.
Nun werden die Kletterpartien immer anspruchsvoller. Mir wird irgendwann klar, dass ich auf keinen Fall nach unten gucken darf, viel zu steil geht es hinter uns hinab. Ich habe Glück, nur an einer Stelle wird mir mulmig. Danach muss zwar noch schlimmer geklettert werden, es geht aber nicht unmittelbar unter unseren Füßen abwärts. Nobbi betont, dass er eigentlich keine Ambitionen zum Klettern hat. Umdrehen ist auf dieser Strecke keine Option, also wird weiter geklettert. Im alten Gestein des Tafelbergs kann man sich wunderbar festhalten. An der schwierigsten Stelle gibt es eiserne Stufen und Ketten, die den Aufstieg auch für Laien wie uns möglich machen. Schließlich ist das Schlimmste geschafft und der Weg schlängelt sich auf die Rückseite des Bergs, wo wir nach knapp vier Stunden schließlich den Gipfel erreichen. Die Tischplatte gewissermaßen. Unterwegs haben wir nur eine Handvoll Wanderer getroffen, hier oben hingegen ist es dank Seilbahn richtig voll.
Wir haben uns ein bisschen gequält, aber die Wanderung sehr genossen. Die Stille, der unglaubliche Blick in alle Richtungen, die nette Gesellschaft und natürlich das gute Gefühl es geschafft zu haben. Wir denken bereits darüber nach die Wanderung zu wiederholen. Es gibt übrigens einen viel einfacheren Weg, aber Hugh sagt der sei langweilig. Und, es gibt einen viel längeren und schwierigeren, den haben unsere topfitten französischen Freunde in sieben Stunden geschafft. Das lassen wir lieber.

Für den Rückweg wählen wir die Seilbahn. Der Boden der Gondel dreht sich 360 Grad, so dass alle Fahrgäste einen guten Blick haben. Ein Extra, das Menschen, die keine Seilbahnfans sind, nicht unbedingt zu schätzen wissen. Ich habe die Rückfahrt trotzdem gut überstanden.

Zu Beginn gilt es einige Stufen hinaufzusteigen.
Der Weg führt zunächst unter der Seilbahn nach oben.
Der Ausblick ist die ganze Zeit fantastisch.
Ein schöner Platz für die Frühstückspause.
Die Kletterpartien werden anspruchsvoller.
Der Blick entschädigt für die Anstrengungen.
Nobbi beim Klettern.
An den schwierigsten Stellen gibt es einige Stufen und Ketten.
Nobbi mit vollem Körpereinsatz.
Blick auf Camps Bay.
Auch hier darf noch einmal geklettert werden.
Ganz schön schroff!
Toller Blick nach Süden.
Am Ende ist der Weg wieder schön und harmlos.
Himalaya-Tahr. Die Ziegen wurden eingeführt und fühlen sich sehr wohl.
„This is not an easy way down“. Definitiv kein einfacher Weg. Abwärts möchten wir ihn nicht laufen.
Nobbi ist heil oben angekommen.
Die Tafelbucht.
Blick zum Lions Head und Signalhill.
Auf der Tischplatte.
Danke für den schönen Ausflug, Hugh!
Im Süden beginnt auch an diesem ruhigen Tag die Wolkenbildung.
Tafelberg mit dünnem Tischtuch.
Tafelberg mit dickem Tischtuch.