Schöne Überfahrt mit garstigem Ende

Freitagabend (24. Januar) verabschieden wir uns vom Buffalo River Yacht Club, rudern zu Mari und bauen das Bananaboot auseinander. Als ich an Deck klettere zieht es in der rechten Seite, das hatte ich vor ein paar Tagen schon einmal. Es ist schmerzhaft, aber ich beschließe es zu ignorieren.
Samstagmorgen mache ich eine merkwürdige Bewegung und der stechende Schmerz ist wieder da. Diesmal will er nur nicht verschwinden und ich kann weder sitzen noch liegen. Auslaufen wollen wir trotzdem, einigermaßen gute Wetterfenster sind sehr selten. Wir wollen nach Port Elizabeth, das 140 Meilen und eine Nachtfahrt entfernt liegt. Ich nehme eine Schmerztablette und wir laufen nach dem Frühstück aus. Der Nebel liegt noch über der Küste, auf See klart es bereits auf. Wir haben wenig Wind und motoren, setzen aber das Großsegel. Ein wunderschöner Morgen mit goldenem Licht beginnt als die letzten Nebelreste verschwinden. Wir beobachten immer wieder Delfine, manchmal Gruppen mit hundert Tieren. Das scheint uns ein gutes Omen zu sein. Ein Albatros sitzt auf dem Wasser und wir sehen sogar zwei Haie.
Der Tag verläuft äußerst entspannt, mal haben wir etwas mehr Schiebestrom, mal etwas weniger. Die Delfine bleiben uns treu, auch nachts werden wir immer wieder von ihnen begleitet. Sie ziehen einen glitzernden Schweif aus Luftblasen und Meeresleuchten hinter sich her, springen direkt vorm Bug oder tauchen prustend am Heck auf.
Irgendwann nimmt der Wind zu, erst vergrößern wir die Segelfläche, dann können wir die Maschine endlich ausmachen. Als ich gerade ins Bett gehen will, werden wir über Funk gerufen. Ein Kriegsschiff möchte unsere Lizenznummer erfahren. Ich biete einfach mal alle Nummern an, die mir einfallen: MMSI, Registrierungsnummer oder Rufzeichen? Nach etwas Hin- und Her und vielen weiteren Fragen scheint das in Ordnung zu sein.
Irgendwann schläft der Wind ein und der Motor kommt wieder zum Einsatz. Als der Wind wieder erwacht kommt er genau von vorn. Bis zum Verkehrstrennungsgebiet kurz vor Port Elizabeth kommen wir gut voran. Dann nimmt der Wind zu und mit ihm die Welle. Für die letzten zehn Meilen brauchen wir dann vier Stunden. Als die ersten Böen mit 40 Knoten einfallen nehmen wir das Großsegel weg. Nun kreuzen wir nur noch unter Maschine auf den Hafen zu. Port Control erklärt den großen Schiffen, dass die Lotsen „due to strong winds“ nicht arbeiten. Manchmal machen wir kaum mehr einen Knoten Fahrt. Gerade noch rechtzeitig stellt Nobbi fest, dass der Motor überhitzt und wir reduzieren die Drehzahl. Es ist furchtbar, wir werden Salzwasser geduscht, die Welle schüttelt uns durch und wir müssen uns festhalten.
Schließlich erreichen wir die Hafeneinfahrt, endlich ein wenig Schutz. Vier Männer des Yacht Clubs nehmen unsere Leinen an und drücken uns von dem gefährlich scharfen Eisensteg ab.
Wir sind angekommen. Erschöpft fallen wir nach einem sehr späten Frühstück aufs Sofa und schlafen sofort ein.

Wind und Welle nehmen schnell zu.
Endlich kommt der Hafen näher.
Hier helft manchmal nur noch beten!