Überfahrt nach St. Helena – Wieder im Westen

Gestern Abend (Tag 10) hatten wir das erste Mal seit Tagen einen fast wolkenlosen Himmel und einen gold-roten Sonnenuntergang,  der von einem „green flash“ gekrönt wurde. Wenn die Sonne gerade untergegangen ist, kann es zu diesem grünen Aufleuchten kommen. Das Sonnenlicht leuchtet quasi schräg von unten durch die Wasseroberfläche.
Das war bereits der zweite green flash dieser Überfahrt. Bereits am Samstag (Tag 5) durften wir ihn sehen. Voraussetzung ist, dass die Sonne über dem Meer untergeht und nicht über Land, ein klarer Himmel im Westen und  gute Sicht auf den Horizont (also kein zu hoher Seegang).

In der Nacht von Samstag auf Sonntag haben wir 8° östlicher Länge überquert. Das ist der Längengrad der durch Bremerhaven und durchs Klimahaus führt. Damit sind wir über alle Längengrade gesegelt und haben einen ersten Hinweis darauf gesammelt, dass es sich bei der Erde um eine Kugel handeln könnte. Darauf trinken wir eine extra Kanne Tee. Allerdings erst mittags, als wir bereits an Emden vorbei sind. Längengrad-mäßig.

Gegen Mittag nimmt der Wind langsam zu und dreht etwas achterlicher, wir baumen die Fock an Steuerbord aus. Nur kurz zeigt sich die Sonne, dann bezieht es sich. Nachmittags bekommen wir Besuch von sehr vielen Delfinen. 
In der Nacht auf Montag haben wir immer wieder Böen mit 6-7 Bft und schnell entwickelt sich eine ruppig Welle. Insgesamt ist das aber alles unspektakulär, die Welle ist nicht sehr hoch und der Wind hält sich an den Wetterbericht.
Wir haben die Schifffahrtsroute gefunden. Immer wieder kreuzen große Schiffe unseren Kurs. Unterwegs nach Rotterdam, Singapur, oder China.

Montag lässt der Wind langsam nach, die Welle bleibt und sorgt gelegentlich für ein ziemliches Geschaukel. Es gibt Kartoffeln und gebratene Zucchini, die versuchen aus der Pfanne zu springen.

Der Dienstag ist wieder flau. Wir lassen den Motor eine Stunde laufen und schmeißen den Wassermacher an. Wir halten uns mit einer Dusche, gelben Curry und Pudding bei Laune. „Immerhin fahren wir in die richtige Richtung“ ist der Slogan dieser Überfahrt.
Uns fällt auf, dass wir seit Tagen keine Albatrosse mehr gesehen haben. In den ersten Tagen haben sie uns häufig begleitet und wir mochten ihnen stundenlang zusehen. Anscheinend haben wir ihre bevorzugten Gebiete verlassen.

Mittwochmorgen ist es grau. Dunkle Wolken umringen uns und der Wind ist böig. Kaum rolle ich die Fock weiter aus, weil wir langsam sind, rauschen ein paar Böen heran. Verkleinere ich die Fock, lässt der Wind wieder nach.
Nachts hat es das erste Mal gereget. Prinzipiell habe ich keine Lust auf Regen, ein kräftiger Schauer als Schiffswaschanlage wäre aber willkommen. Mari ist nicht nur salzverkrustet, sondern auch bedeckt mit Namib Sand und Dreck aus Südafrika. Unsere ehemals weißen Schoten sind dunkelgrau.
Gegen Mittag lässt der Wind nach, wir sind wieder langsam und ich backe einen Apfelkuchen, der insbesondere während der Nachtwachen sehr populär ist.

Ganz ruhig gleiten wir durch die Nacht. Wir haben wenig Wind, aber auch kaum Welle. Es ist bedeckt, doch die Wolkendecke scheint dünn zu sein. Der Mond, den ich nicht sehen kann, taucht alles in ein fahles Licht.
Auch Donnerstag (20. März, Tag 10) ist es wieder grau . Ein bisschen Sonne wäre gut fürs Gemüt und für den Energiegaushalt. Vormittags schläft der leichte Wind ein. Schließlich ziehen wir die Segellatten aus dem Groß. Wir können das Klatschen und Scheppern des Segels, das sich in der leichten Dünung von einer Seite zur anderen wirft, nicht mehr ertragen. In der Flaute die gute Laune zu behalten ist nicht ganz einfach, wir möchten vorankommen – wenigstens langsam. Auf dieser Etappe hatten wir auf stabile Passatwinde gehofft und nicht mit so wenig Wind und so vielen Winddrehern gerechnet. Wir versuchen die Stille zu genießen (wenn das Segel sich ruhig verhält) und die Weite des Meeres. Sind wir schon oder erst zehn Tage unterwegs? Nachtwachen, Sonnenuntergänge und Kurswechsel, alles verschwimmt. Uns geht’s gut hier draußen, dann brauchen wir eben etwas länger. Ich backe ein Brot, Nobbi putzt ein bisschen und bearbeitet Fotos. 
Mittags setzt sich endlich die Sonne durch und wir gehen baden. Irgendwelche Vorteile muss die Flaute ja haben. Außerdem gibt es schon wieder einen Grund zu feiern. Vormittags sind wir über den Greenwich Meridian, den 0. Längengrad, gesegelt und sind damit nun wieder im Westen. Neptun bekommt auch einen Schluck Rum. Sicher ist sicher.
Leider müssen wir feststellen,  dass eines unserer Solarpanels wohl den Geist aufgegeben hat. Das ist sehr ärgerlich und nicht gut für die Energiebilanz. Vor drei Tagen hat es uns noch ganz normal mit Strom versorgt.
Heute Nacht gleiten wir fast lautlos langsam nach Westen. Immer wieder besuchen uns die eiligen Define, die gerne vorbeischauen, aber nie lange bleiben. Bei Wachübergabe um vier hören wir plötzlich ein merkwürdiges Geräusch es sprudelt und klatscht. Mein erster Gedanke ist, regnet es? Nein, das ist das Geräusch wenn man durch einen großen Fischschwarm segelt.
Wenig später frischt der Wind auf. Von zwei Windstärken auf fünf, ich freue mich, über die Geschwindigkeit. Dann fallen die ersten Böen ein, also verkleinere ich das Vorsegel. Die Wolken türmen sich dunkelgrau am Himmel. Zwei Stunden später haben wir wieder flaue zwei Windstärken, die Wolken lösen sich auf und die Sonne scheint.

Unterwegs nach St. Helena

Samstagnachmittag segeln wir gemächlich bei niedriger Welle gen Westen. Gerade habe ich Gemüse fürs Abendessen geschnibbelt und Nobbi erwacht aus seinem Mittagsschlaf. Heute ist Tag 5 der Überfahrt. Das musste ich nachsehen, längst sind die Tage ineinander geflossen.
Dienstagvormittag (11.3.) haben wir Walvis Bay verlassen. Hunderte von Seebären sonnten sich an der Wasseroberfläche, tausende Seebären lagen auf der langen Landzunge. Was für ein fantastisches Schauspiel und ein schöner Abschied von Namibia und dem afrikanischen Kontinent.

Segeln wir die ersten Stunden noch bei frischem Wind und ein paar Böen erschrecken uns, nimmt der Wind schon bald ab. Die ersten Tage sind flau. Immer wieder lässt der Wind so weit nach, dass die Segel beginnen in jeder Welle hin und her zuschlagen. Immerhin behalten wir die Steuerfähigkeit und fahren mehr oder weniger in die richtige Richtung.
Am Freitagmittag haben wir schließlich gar keinen Wind mehr. Da die Temperatur inzwischen erfreulich zugenommen hat, beschließen wir einen Badetag einzulegen. Das Wasser leuchtet wunderbar blau und ist so angenehm, dass wir nicht nur mutig dippen, sondern ausgiebig planschen. Eine abschließende Süßwasserdusche rundet das Wellness-Programm ab.
Der Wohlfühlfaktor ist proportional zur Wassertemperatur gestiegen. Mussten wir am ersten Tag noch so viele Schichten anlegen, dass wir uns kaum mehr bewegen konnten, war die letzte Nacht bei 22 Grad Wassertemperatur regelrecht kuschelig. Im Faserpelz, aber ohne Regenhaut, saßen wir ausgestreckt im Cockpit und nicht mehr zusammen gekauert im Niedergang. Die höheren Wassertemperaturen machen sich auch in der Tierwelt bemerkbar. Gestern haben wir endlich wieder fliegende Fische und eine Schildkröte gesehen.
Kulinarisch können wir (noch) aus dem vollen schöpfen. Ananas, Mango und Avocado sind leider viel schneller reif geworden als erhofft. Wir schwelgen in Mango-Müsli und Kartoffeln mit Avocado-Creme. Die nächste echte Einkaufsmöglichkeit erwarten wir in fünf bis sechs Wochen, der Speiseplan wird also weniger ausschweifend werden.
In Walvis Bay hatten wir den Filter des Wassermachers gewechselt, aber wegen des schmutzigen Hafenwassers nicht getestet.  Gestern stellten wir fest, dass wir nur noch 20 oder 30 Liter Wasser pro Stunde produzieren, weil er Luft ansaugte. Heute hat Nobbi den Filter erneut gewechselt und siehe da, der Wassermacher schnurrt wie eh und je. Eine kleine Exkursion ins Schapp mit den Ersatzfiltern brachte Gewissheit. Wir haben irgendwann die falschen Filter gekauft. Falls jemand sehr feine Filter (2 micro Meter) braucht, darf er sie sich gerne auf St. Helena abholen.
Für sehr lustige Unterhaltungsliteratur sorgen Freunde die einige hundert Meilen westlich von uns segeln. Humorvoll schildern sie wie sie versuchen bei Seegang das Öl-Wassergemisch aus ihrer Bilge zu entfernen und wie schwierig es ist den optimalen Eimer für den Bordgebrauch zu finden. Wir kennen solche Situationen und fühlen mit Ihnen während wir uns wunderbar unterhalten fühlen.
Wir freuen uns auf eine weitere schöne Vollmondnacht. Auch wenn die Überfahrt bis her langsamer verläuft als erwartet, wollen wir uns nicht beschweren. Bisher geht es uns ausgezeichnet.

Namibia – wo die Wüste bis ans Meer reicht

Sonntagmorgen ist der Wind weg und der Nebel wieder da. Unsere Ankunft in Walvis Bay feiern wir mit einem ausgiebigen Pfannkuchen-Frühstück. Anschließend gehen wir Anker auf und motoren dichter ins Ankerfeld. An der Pier entdecken wir einen freien Platz und machen dort fest. Kurz darauf taucht Daniel auf und heißt uns willkommen. Wir hatten uns per Mail beim Yacht Club angemeldet und wurden bereits erwartet.

Walvis Bay hat etwas mehr als 100.000 Einwohner und ist damit die drittgrößte Stadt Namibias. Namibia ist fast zweieinhalb mal so groß wie Deutschland, hat aber nur gut 3 Millionen Einwohner und ist damit das am zweitdünnsten besiedelte Land (nur in der Mongolei gibt es noch weniger Menschen pro Fläche). Der Hafen von Walvis Bay ist Namibias größter und wichtigster Hafen, der einzige Tiefwasserhafen und auch für die Nachbarländer ohne Zugang zum Meer wie Botswana, Sambia und Simbabwe wichtig. Die Straßen durch Namibia in die Nachbarländer sind vergleichsweise gut.
Auf der Rückseite der neuen Containerpier ist die kleine, neue Pier, an der wir Platz gefunden haben. Da der Containerhafen natürlich hell beleuchtet ist, wird es bei uns nie völlig dunkel. Wir fühlen uns sehr sicher. Zwischen den Hafenanlagen, den Restaurants und dem Yacht Club liegen einige Boote an Bojen. Neben vielen Ausflugsbooten gibt es einige private Segelboote und ein schwimmendes Bootshaus. Nachts ist es sogar beleuchtet und regt unsere Fantasie an, schnell erfinden wir eine Geschichte in der neben dem Boot James Bond und Diamanten eine tragende Rolle spielen.

Namibia begrüßt uns kalt und grau. Wir freuen uns, dass unsere Heizung anstandslos anspringt.
Das erste Mal seit Neuseeland haben wir sie wieder in Betrieb. Es ist wirklich ungemütlich. Morgens wollen die Matratzen zum Trocknen gewendet werden, in so manchem Schrank bildet sich Kondenswasser, Nobbis Wolljacke kommt zum Einsatz, ich trage ein Halstuch und wir erwärmen uns abends bei Tee mit Rum. Der kalte Benguela Strom sorgt für Nebel und der Nebel für graues, feuchtes Wetter. Setzt sich die Sonne durch wird es sofort warm, aber die Abende sind frisch.

Am Montag müssen wir zunächst Einklarieren. Bei Antoinette, der Sekretärin des Yacht Clubs, füllen wir die nötigen Papiere aus und dann fährt sie uns erst zur Immigration und dann zum Zoll. Die Einreise ist einfach und noch kostenlos. Ab April müssen alle Einreisenden eine Gebühr bezahlen.

Ab Dienstag haben wir ein Auto gemietet. Walvis Bay ist weitläufig und lädt nur bedingt zum Laufen ein. Zunächst versuchen wir eine SIM-Karte zu kaufen. Starlink funktioniert leider nicht in Namibia.
Beim ersten Versuch ist die Schlange so lang, dass wir keine Lust haben uns anzustellen. Beim zweiten Mal warten wir nur zwanzig Minuten und können dann keine Karte kaufen, weil wir nur Passkopien, aber keine Originale dabei haben (wir hätten es wissen können). Im dritten Anlauf sind wir endlich erfolgreich.
Wir kaufen eine neue Buglaterne (rot/grün) bei einem kleinen Laden im Industriegebiet. Auf der Überfahrt hat leider nur das rote Licht funktioniert. Was nützt es wenn die LEDs zwar theoretisch fast unendlich leuchten, aber die Anschlüsse korrodieren. In der Apotheke bekommen wir ein benötigtes Medikament und ich kaufe einen neuen Pullover und muss nun nicht mehr frieren.
Der erste Eindruck ist gut, die Namibier sind sehr freundlich und hilfsbereit.

Daniel, Nobbi und Bernd.

Für Unterhaltung ist hier immer gesorgt. Neben einigen Seglern wird die Pier von ein paar Ausflugsbooten genutzt. Und von den Seebären. Nur selten liegen sie auf dem Steg, aber ein paar von ihnen sind immer in unmittelbarer Nähe unterwegs. Morgens sind sie besonders aktiv und jagen, manchmal direkt neben unserem Boot. Wenn die Ausflugsboote rausfahren, bieten sie eine kleine Show, springen auf die Boote, schwimmen um sie herum oder klettern auf die Pier. Immer in der Hoffnung, dass es irgendwo einige Fische als Belohnung gibt. Wir hören sie sogar oft nachts, wenn sie gegen Maris Bauch rumsen. Sie sind einfach drollig, wenn sie sich immer um die eigene Achse drehen oder sich mit den Flossen an der Schnauze jucken. Zwei sehr junge, noch kleine Seebären sind öfter bei uns unterwegs, sie streiten sich, bellen uns an und spielen unterm Steg.

Viele Seevögel, Flamingos und Pelikane leben in der Bucht und in der Lagune, die sich hinter dem Yacht Club entlang der Küste erstreckt. Mal laufen wir an der Lagune entlang, mal nehmen wir das Auto und fahren bis auf die andere Seite der Lagune. Dort gibt es eine Saline, die weißen Salzberge leuchten weithin sichtbar. In den Becken ist das Wasser-Salz-Gemisch pink, rosa und weiß – passend zu den Flamingos. Folgt man der Straße, kommt man bis ans Meer. Weißer Strand soweit man gucken kann.

Swakopmund

Die Stadt Swakopmund ist etwa 40 km entfernt und über die Küstenstraße erreichbar. Im Stadtzentrum ist die deutsche Vergangenheit nicht zu übersehen. Es gibt viele alte Gebäude aus der Kolonialzeit, vom alten Amtsgericht bis zum ehemaligen Krankenhaus. Unüberhörbar wird viel Deutsch gesprochen. Auch in Walvis Bay sind wir schon auf Deutsch angesprochen worden, haben uns über Melitta und Schwartau im Supermarkt gefreut (jeder durfte sich ein Glas Marmelade aussuchen) und viele deutsche Namen und Bezeichnungen entdeckt. In Swakopmund ist es jedoch viel ausgeprägter. Deutsche Namen und Schriftzüge, deutscher Werbung, die Buchhandlungen führen viele deutsche Bücher und Ferienhäuser und Geschäfte haben deutsche Namen. Zum Teil ist es ein bisschen witzig, denn es ist nicht nur „deutsch“ sondern oft auch altmodisch und verstaubt. Wir fühlen uns an einen Kurort im Harz erinnert, der seine besten Zeiten hinter sich hat, aber auch schon vor zwanzig Jahren. Uns gefällt Swakopmund trotzdem. Vor allem bei freundlichem Wetter. Bei unserem ersten Besuch war es sehr grau. Wir bummeln durch Andenkenläden und freuen uns über die kleine Fußgängerzone, testen unterschiedliche Cafés und kaufen wunderbares Brot.

Der Bahnhof von Swakopmund soll einer der schönsten der Welt sein, verspricht der Reiseführer. Wir müssen lachen, das hatten wir über den Bahnhof von Kuala Lumpur, der zweifelsohne mal schön war, heute aber in traurigem Zustand ist, auch gelesen. Im ehemaligen Bahnhof von Swakopmund ist heute ein Hotel und das Gebäude ist wirklich hübsch.

Die Kristall- Galerie ist eine Mischung aus Mineralien-Museum und Schmuck-Verkaufsraum. Wir sehen uns die vielen Edel- und Halbedelsteine an und bewundern den größten Quarzkristall der Welt.
Neben den vielen bunten Steinen, werden in Namibia vor allem Diamanten geschürft. Namibia hat große Vorkommen sehr reiner Diamanten. Früher wurden sie „einfach“ aus der Wüste gesammelt. Teile des südlichen Namibias sind noch immer Sperrgebiet. Dort wo die Vorräte erschöpft sind werden die Vorschriften gelockert. Heute werden sie vor allem aus dem Atlantik gewonnen. Die Küstengewässer dürfen zum Teil nicht befahren werden. Auch weit entfernt von der Küste und den Sperrgebieten haben wir auf dem Weg nach Walvis Bay Diamant-Mining-Schiffe gesehen.

Die Wüste reicht bis ans Meer

Die Namib ist die älteste Wüste unseres Planeten, 80 Millionen Jahre alt. Sie reicht von der Grenze zu Südafrika im Süden und im Norden bis nach Angola die Küste entlang. Bekannt ist sie für ihre hohen Sanddünen. Sehr schöne Dünen gibt es ausgerechnet hier entlang der Küste zwischen Walvis Bay und Swakopmund. Tagsüber liegen die Temperaturen häufig deutlich über 50°C, nachts kühlt es auf 0°C ab. An der extremen Trockenheit ist ausgerechnet die kalte Meeresströmung des Benguela-Stroms Schuld. Das kalte Wasser führt zur Kondensation der Luftfeuchtigkeit und zu einer sehr stabilen Luftschichtung, deshalb gibt es kaum vertikale Konvektion und Niederschläge. Aber es gibt an 200 Tagen im Jahr Nebel (den haben wir zur Genüge kennengelernt). Die Wassertröpfchen des Nebels schlagen sich frühmorgens auf Pflanzen und im Sand nieder.
Tiere und Pflanzen haben sich an die harschen Wüstenbedingungen besonders angepasst. Wir stellen fest, dass unsere Anpassung nicht ausreichend ist. In der Nähe von Walvis Bay gibt es eine Düne, die man besteigen darf. Bei uns unserem ersten Besuch ist der Himmel tief grau und wir beschließen, dass es sich nicht lohnt. Natürlich muss man Eintritt für die Düne bezahlen, deshalb können wir nicht einfach mehrfach auf die Düne klettern.
Als nach einigen Tagen endlich die Sonne scheint machen wir uns an den Aufstieg – und kehren um. Nicht etwas weil es uns zu anstrengend ist, auch wenn das Laufen im Sand mühsam ist. Es ist zu heiß. Nicht die Lufttemperatur ist das Problem, die Temperatur des Sands ist das Problem. Wir wurden aufgehalten und bis wir endlich starten ist es fast mittags. Praktischerweise trage ich einen Rock und Sneakers. Der Sand ist weich und fließt mir um die Knöchel. Das ist unglaublich heiß. Und der Weg nach unten ist genauso schlimm wie hoch. Ich hab mich wirklich verbrannt. Das war einigermaßen bescheuert. Typisch Touristen… Aber schön sind sie, die Dünen! Den besten Blick auf die Dünen hat man ausgerechnet von der Autobahn, leider immer mit Stromleitungen im Bild. Wir machen immer wieder einen Abstecher zum Dünengucken. Die Straße entlang der Küste ist besonders schön. Auf der einen Seite das Meer, auf der anderen die großen Sanddünen.
Am vorletzten Abend ist es am schönsten, das Abendlicht und einige Wolken sorgen für tolle Licht-und-Schatten-Effekte.

Unser Mietwagen ist nicht geländegängig, deshalb scheiden einige Strecken aus. Wir fahren auf einer asphaltierten Straße ein wenig ins Landesinnere. Es ist beeindruckend wie schnell es heiß es wird. Sind an der Küste nur knapp über zwanzig Grad, ist es nach weniger Kilometern schon weit über dreißig Grad heiß.
Landeinwärts der Dünen ist das Land sehr platt. In der Ferne erheben sich einige Berge. Es ist sandig, gelb, braun und grau. Und es staubt. In einem Minenort machen wir eine Teepause. Der Ort ist klein, die Häuser oder eher Hütten sind sehr einfach. Dagegen wirkt Walvis Bay wie eine Großstadt. Namibia hat viele Bodenschätze. Wir sind nun in der Nähe Namibias größter Uranmine. In der Gegend wird auch Zink geschürft und etwas weiter landeinwärts Gold. Sehr nett werden wir angesprochen was wir in dem Ort machen und ob wir ein Problem haben.
Über der Wüste braut sich ein Gewitter zusammen. Es blitzt. Das brauchen wir nicht, wir machen uns auf den Weg zurück zur Küste. Ein paar Tage später nehmen wir eine andere Straße ins nichts, hier wird Granit abgebaut. In der Ferne sehen wir Dünen und sonst ganz plattes, hellgraues trockenes Land. Und mitten im Nichts (für unsere Augen) ein Dorf. Viele Menschen leben in diesen ganz einfachen Hütten, gefühlt Lichtjahre vom Leben in Swakopmund-Zentrum entfernt. Namibia ist auch ein Land mit ganz ungleicher Einkommensverteilung.

In Namibia gäbe es noch viel zu entdecken, vielleicht kommen wir eines Tages auf „Landreise“ wieder. Der kurze Aufenthalt hat uns gut gefallen und neugierig gemacht. Die Namibier haben wir zum Großteil als sehr freundlich und aufgeschlossen erlebt.
Uns zieht es weiter. Wir haben ausklariert und machen uns morgen auf den Weg nach St. Helena.

Zeit für den Abflug!

Eine graue, neblige Überfahrt nach Walvis Bay

Zu gerne wären wir länger geblieben. Wir fühlen uns wohl im Royal Cape Yacht Club und Kapstadt hat viel zu bieten, auch wenn die „Nachmittagswinde“ mit 50 kn gelegentlich an den Nerven zerren. Doch unser Visum läuft in einer Woche aus und der Wetterbericht ist vielversprechend. Sonntagmorgen (23. Februar) lösen wir nach dem obligatorischen Müsli fast alle Leinen. Sie haben sich ordentlich zugezogen, wir müssen uns erst einmal losstricken. Nobbi macht den Motor an und guckt „sicherheitshalber“ noch einmal in die Bilge. Wasser in der Motorbilge. Wir gucken uns an. Hilft ja nichts. Nobbi stellt den Motor wieder ab. Das Problem ist schnell gefunden. Ein Schlauch am Ölkühler des Getriebes tropft. Zwei neue Schlauchschellen sorgen für Abhilfe.

Nun geht es wirklich los. Port Control gibt uns die Erlaubnis auszulaufen und schon sind wir unterwegs. Ausklariert haben wir am Tag zuvor, das war weitgehend unproblematisch, auch wenn die Dame bei Immigration sehr schnippisch war.

Wir sehen einige Pinguine, Seebären sonnen sich auf den Tonnen und Delfine kreuzen unseren Kurs. Zunächst haben wir kaum Wind und lassen den Wassermacher laufen. Nach gut einer Stunde setzt der versprochene Wind ein, wir setzen Segel und genießen die fantastischen Bedingungen. Glattes Wasser, leichter Wind, strahlender Sonnenschein und der Tafelberg als Kulisse. Es könnte nicht schöner sein. Plötzlich werden wir langsam. Wir entdecken, dass wir einen riesigen Kelpstängel mit uns schleppen. Er scheint am Kiel oder Ruder zu hängen. Wir drehen das Boot in den Wind bis wir rückwärts segeln und können die riesige Pflanze so loswerden.

Während der Tafelberg kleiner wird, nimmt der Wind zu. Leider auch die Welle. Es wird ein bisschen ungemütlich, aber wir sind flott unterwegs. Dafür sorgt auch der Strom, der uns schiebt. In der zweiten Nacht ist es noch windiger. Sechs bis sieben Beaufort treiben uns voran. Nur wenige Stunden ist es wirklich rau mit hohen Wellen von dreieinhalb Metern dann wird es wieder handiger. Ich bin trotzdem seekrank, besonders am dritten Tag. Wir sehen viele große Schiffe und Fischer. Der Schiffsverkehr folgt wie wir der Küste und wir müssen auf jeder Wache mindestens ein Ausweichmanöver fahren. Immer mal wieder funken wir ein großes Schiff an, fragen ob man uns gesehen hat oder bitten um einen größeren Sicherheitsabstand. Lieber sind uns die Begegnungen mit den Meeresbewohnern. Delfine begleiten uns nachts stundenlang, wir sehen Wale, einen Mondfisch, Albatrosse, Tölpel und immer wieder Seebären.

 Mittwoch ist weniger Wind als an den Tagen zuvor, die Wellen nehmen ab und es wird gemütlicher an Bord. Zeit zu kochen, bisher haben wir uns von Broten und Vorgekochtem ernährt, soweit uns nach Nahrung zu Mute war. Donnerstag nimmt der Wind in den frühen Morgenstunden immer weiter ab. Vormittags treiben wir schließlich in der Flaute. Das Großsegel schlägt hin und her. Irgendwann können wir es nicht mehr ertragen und nehmen es runter. Immerhin treiben wir in die richtige Richtung. Wir stecken in einer Nebelbank. Es ist feucht und die Sicht reicht kaum bis zur nächsten Welle. Als ein Containerschiff uns überholt ist es unheimlich. Wir sehen auf dem AIS, dass es weit weg ist, dreieinhalb Meilen. Das Typhon, das alle zwei Minuten ertönt, hört sich näher an. Irgendwann verzieht sich der Nebel und die Sonne kommt durch. Erst nachmittags kommt wieder Wind auf und ein paar Stunden später binden wir bereits das zweite Reff ein.

Nach einer schönen Segelnacht wiederholt sich das Spiel. Morgens nimmt der Wind ab und der Nebel zu. Diesmal schlägt das Segel nicht so entsetzlich. Wir haben die beiden oberen Segellatten rausgezogen, nun gibt es eher ein Flapp-Geräusch. Es will einfach nicht heller und trockener werden. Schon die Nacht war nass. Obwohl es zum Teil sternenklar war, tropfte es. Und auch jetzt kann man nur in Regenhosen im Cockpit sitzen. Natürlich mit Jacke und Mütze. Seit Tagen haben wir die langen Unterhosen nicht ausgezogen. Nachts tragen wir auch noch den Faserpelz. Das kalte Wetter macht die Überfahrt anstrengend, bevor wir in der Freiwache einschlafen können, müssen wir erst auftauen. Ich habe es gut, Nobbi kocht mir oft vor Wachübergabe eine Kanne Tee. Erst trocknet es langsam, um eins zeigt sich endlich die Sonne und bald ist auch der Wind wieder da. Nachmittags segeln wir bei Sonnenschein und frischem Wind. Bald wir es jedoch wieder kühl. Spätestens um fünf kommt der Fleece wieder zum Einsatz.

Wir haben uns damit abgefunden,  dass wir einen Tag später ankommen werden und sind gespannt ob sich die Nebelflaute am nächsten Tag wiederholen wird. Angesagt ist sie nicht, war sie in den letzten beiden Tagen aber auch nicht. Der Samstagmorgen ist grau, aber Nebel und Flaute bleiben aus. Wir kommen gut voran und sind optimistisch, dass wir Walvis Bay vor Einbruch der Dunkelheit erreichen könnten. Mittags kommt die Sonne raus und wir können uns aufwärmen. Nobbi macht ein Mittagsschläfchen und ich mache es mir mit dem Reiseführer im Cockpit gemütlich. Schon stecken wir wieder in einer Wolke. Die Sichtweite beträgt nur noch etwa 200m. Die Wetterwechsel kommen so schnell und unerwartet. Ich lege das Buch beiseite und gehe Ausguck. Sehen kann man nicht viel, aber hören würden wir ein anderes Schiff wohl rechtzeitig. Nach einer Stunde verschwinden die Wolken wieder, leider nehmen sie den Wind mit. Wir dümpeln mal wieder in der Flaute. Nach einer halben Stunde wecke ich Nobbi. Wenn wir jetzt die Maschine anmachen, könnten wir in drei Stunden am Ankerplatz sein. Wir nutzen die Chance und lassen den Wassermacher laufen. Bis zur Ansteuerung von Walvis Bay läuft es fantastisch. Seebären begleiten uns wie Delfine, springen aus dem Wasser und zeigen Kunststücke. Ich kann mich nicht satt sehen an diesen sympathischen Tieren.

Die Containerbrücken und der Leuchtturm sind das erste was wir von Walvis Bay und Namibia sehen. Der Wind hat inzwischen wieder aufgefrischt. Leider nimmt er immer weiter zu. Während in der Ferne goldene Dünen im abendlichen Sonnenlicht leuchten, liegt eine riesige dunkle Wolke über uns. Es sind nur noch einige Meilen in die tiefe Bucht bis zum Yacht Club und dem Ankerplatz für Sportboote. Leider genau gegen den Wind. Inzwischen hat der Wind auf sechs bis sieben Beaufort zugelegt und die entstehende Welle ist beachtlich. Mari kämpft sich mühsam voran. Das erste Mal auf dieser Etappe haben wir Wasser an Deck. Manchmal machen wir kaum mehr einen Knoten Fahrt. Wir fühlen uns überdeutlich an unsere Einfahrt nach Port Elizabeth erinnert. Mal wieder gilt „Du bist erst da, wenn du das bist“. Wir quälen uns quer über die Reede der großen Schiffe. Zuvor hatten wir gelesen, dass von einer Ankunft bei Nacht dringend abgeraten würde, man solle hier irgendwo ankern. Undenkbar. Einige Wellen erreichen wohl eineinhalb Meter und sind sehr steil. Uns bleibt nichts anderes übrig als weiter zu kämpfen. Nobbi behält den Überblick, das AIS im Blick und reicht mir abwechselnd Tee und ein Handtuch. Das Handtuch, um das Salzwasser aus dem Gesicht oder das Tablet trocken zu wischen. Ich steuere oder versuche es zumindest. Mühsam kommen wir voran, vorbei an großen Tankern, Schleppern und unbeleuchteten (aufgegebenen?) Fischereischiffen. Es ist inzwischen dunkel. Dank der hellen Hafenbeleuchtung sehen wir trotzdem noch Umrisse. Endlich kommen wir dichter unter Land und die Wellen werden kleiner. Wir erkennen erste Yachten und lassen den Anker auf vier Meter Wassertiefe fallen.

Drei Stunden später als erhofft und sehr erschöpft sind wir angekommen. Wir räumen auf, ziehen die nassen Sachen aus und waschen uns die dicke Salzkruste aus dem Gesicht. Namibia! Ein neues Land, das wir noch nicht kennen. Mit südafrikanischem Rotwein stoßen wir auf die gute, wenn auch etwas anstrengende Überfahrt an. Und während der Wind langsam abnimmt, beginnt auch unsere Erinnerung daran, dass wir vor wenigen Stunden das Segeln verflucht haben, langsam zu verblassen.

 

Der Tafelberg trägt einen leichten Schleier.
Seebären beim Sonnenbad.
Ab und zu werden uns traumhafte Segelstunden geschenkt.
Die Sonne setzt sich durch.
Angekommen in Namibia!

Am Kap der Guten Hoffnung

Jetzt wo das unser Getriebe wieder eingebaut ist, können wir Pläne machen und mieten ein Auto. Bevor wir zum spaßigen Teil kommen, haken wir das Pflichtprogramm ab und füllen unsere Dieselkanister und die Gasflasche. Eigentlich hatten wir ein ganz anderes Ziel, besuchen aber Groot Constantia, eines der vielen Weingüter. Die Stimmung ist entspannt. Wir machen jedoch weder hier, noch bei der Konkurrenz eine Weinprobe. Einer muss ja noch Auto fahren…
Wir sehen uns an mehreren sehr schönen Stränden um und beobachten Surfer. Glücklicherweise habe ich keinen Bikini dabei, so muss ich nicht unter Beweis stellen, dass ich ansonsten baden würde. Das Wasser sieht einladend aus, ist jedoch kalt. Rund um Kapstadt ist viel Verkehr, man kann wahlweise auf dem Highway oder am Strand im Stau stehen.

Am nächsten Morgen geht es früh los. Wir wollen uns das Kap der Guten Hoffnung auf dem Landweg ansehen. Auf dem Weg machen wir in der Nähe von Simonstown eine kleine Pinguin-Pause. Es gibt ein Pinguin-Zentrum mit Aussichtsplattform. Wir sind einfach auf einem Wanderweg in der nächsten Bucht unterwegs und sehen dort ebenfalls viele Pinguine. Die kleinen Brillenpinguine sehen putzig aus. Es bewahrheitet sich, man kann keine schlechte Laune haben kann, wenn man einen Pinguin anschaut. Nicht, dass schlechte Laune an so einem sonnigen Morgen ein Problem wäre.


Die Eintrittsgebühr für den Table Mountain National Park, der die Landzunge umfasst an deren Südspitze das Kap der Guten Hoffnung liegt, ist kein Schnäppchen. Wir freuen uns über die weniger befahrenen Nebenstrecken, wo wir Kilometerweit niemanden treffen und laufen überall ein paar Schritte. Auf einem Felsen machen wir einen Brunch mit Aussicht und beobachten Antilopen. Am Cape Point und am Kap der Guten Hoffnung treffen wir erwartungsgemäß auf viele Touristen. Das Besucherzentrum, mit einer schönen Ausstellung zur Entstehung des modernen Menschen, ist hingegen praktisch leer.
Cape Point ist der südlichste Punkt der Halbinsel, das Kap der Guten Hoffnung markiert die Süd-West-Ecke. Das Kap der Guten Hoffnung wurde zunächst Kap der Stürme bekannt, aus gutem Grund! Aus Marketing-Gründen wurde es umbenannt. Diese Herausforderung-statt-Problem-Strategie war also schon im 16. Jahrhundert populär. Das Wetter hat sich nicht beeindrucken lassen, stürmisch ist es noch heute.
Auf dem Rückweg machen wir noch einen Abstecher und freuen uns über Zebras, Strauße, Affen und Antilopen. Uns gefällt die karge, praktisch baumlose Landschaft mit den vielen verschiedenen Pflanzen mit unscheinbaren Blüten, die für einen gelben oder roten Schimmer sorgen. Der Table Mountain National Park war für uns definitiv ein Highlight. Mühelos hätten wir hier noch mehrere Tage verbringen können.

Auf dem Rückweg befahren wir den berühmten Chapman Drive, eine sehr schöne Küstenstraße. Eigentlich wollten wir sie am Tag zuvor befahren, da war sie aber leider geschlossen. Jetzt liegt die Küste im abendlichen Sonnenlicht, während sich erste Nebelbänke bilden. Ein wunderschöner Abschluss eines fantastischen Tages.

Freitagmorgen geben wir das Auto nach nur zwei Tagen wieder ab. Gerne hätten wir noch mehr gesehen, doch wir beschließen am Samstag (22. Februar) aus Südafrika auszuklarieren und Sonntag los zu segeln. Nun wird es hektisch. Noch viele kleine und große Dinge wollen innerhalb von zwei Tagen erledigt werden. Neben den Klassikern, wie einer letzten Waschmaschine und dem Einkauf von frischen Nahrungsmitteln, standen das erneute Abdichten des Babystag-Püttings und Papierkram für die nächsten Reiseziele, sowie ganz viele Kleinigkeiten auf dem Programm.
Samstagabend beschließen wir, dass alle Dinge, die nicht erledigt wurden einfach von der To-do-List gestrichen werden. Wir essen ein letztes Mal mit Freunden im Yacht Club und stoßen auf die schöne Zeit in Kapstadt und Südafrika an.

Kapstadt und der Royal Cape Yacht Club

Wir haben einen Liegeplatz im Royal Cape Yacht Club ergattert. Maris geringe Größe spielte hierbei sicher eine Rolle. Der clubeigene Hafen hat fast 400 Plätze und fast alle sind von Vereinsmitgliedern belegt.

Der Yacht Club hat in diesem Jahr 120. Geburtstag und man ist stolz auf die lange Tradition und darauf, dass Prinzessin Anne gerade zu Besuch war. Im schönen Clubhaus finden sich in vielen Vitrinen unzählige Plaketten und Pokale. Viele Große Regatten werden ausgetragen, wie das Cape to Rio Race.

Uns gefällt das sehr aktive Clubleben. Zu den Regatten ist richtig was los im Hafen. Wie wir es aus Kiel kennen, liegen die Stege zur Mittwochsregatta voller Equipment, das gewichtsbewusste Crews im Hafen zurückgelassen haben. Da stapeln sich Segel, Außenborder, Bodenbretter, Werkzeuge und Ersatzteile. In der letzten Saison gab es 105 Tage mit Segelveranstaltungen und im Schnitt waren 41 Boote an der Startlinie. Ganz schön beeindruckend. Beeindruckend ist auch das wuselige Leben auf der eigentlich sehr kleinen Werft, wo in der letzten Saison 900 (!) Boote gekrant wurden.

Leer ist es im Yacht Club selten. Mittwochs nach der Abend-Regatta (bei der auch Gäste mitsegeln dürfen) ist es fast so voll wie freitags. Freitags ist der Clubabend, bei dem Mitglieder auch etwas gewinnen können. Samstags ist in der Regel eine Regatta und auch Sonntagmittag findet man auf der Terrasse nur schwer einen freien Tisch.

Der Yacht Club hat knapp 2000 Mitglieder und über 60 Angestellte. Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist im Restaurant tätig, das praktisch immer geöffnet ist. Die Karte ist abwechslungsreich, die Preise für Kapstadt-Verhältnisse sehr moderat und der Service nett. Manches Mal entscheiden wir uns nicht unterwegs zu essen, sondern in „unseren“ Club zurückzukehren.

Wir sind zu einem Empfang für neue Mitglieder und Gäste eingeladen, bei dem sich der Club und die neuen Mitglieder vorstellen und werden mit Getränken und Häppchen verwöhnt.

Gäste haben es hier sehr gut. Die Duschen sind immer sauber, sehr heiß und es gibt sogar einen Fön. Seit Jahren habe ich keinen Fön benutzt, doch bei den frischen Abendtemperaturen ist es schön nicht mit nassen Haaren unterwegs zu sein. Auf dem Werftgelände gibt es einen kleinen Bootshändler bei dem es Vieles gibt, das der Bootseigner braucht. Waschmaschinen und Trockner finden sich ebenfalls an der Werft. Schnell kennen wir nicht nur die Kellner, sondern auch das Büro-Team an der Rezeption, die Sicherheitsleute am Eingang und die Mitarbeiter auf der Werft. Praktisch alle sind nett und wir fühlen uns willkommen. Außerdem treffen wir Freunde wieder und lernen neue Segler kennen.

 Mit unseren Nachbarn verbringen wir einen äußerst netten Abend. Beim Ausparken sind sie leider in unserer Starlink-Antenne hängengeblieben. Als Entschuldigung werden wir auf einen Whiskey bzw. Gin Tonic eingeladen. Selbstverständlich nehmen wir ihre Entschuldigung an. Wir hören tolle Geschichten von den Regatten, hier segelt man schon mal ein Rennen nach St. Helena oder nach Rio. Und anschließend muss natürlich auch irgendjemand das Boot wieder zurück segeln. In der netten Runde fühlen wir uns sehr wohl und kehren ein wenig angetüdelt an Bord zurück.

 Nachmittags weht es häufig. Den berühmten Cape Doctor, den Fallwind vom Tafelberg, bekommt man hier zu spüren. 50 Knoten Wind sind keine Seltenheit, wir messen einmal über 60. Bei solchen Windstärken fahren Bootsbesitzer zu Hause weite Strecken, um nach ihrem Boot zu sehen, hier kommt das manchmal mehrfach pro Woche vor. Viele Boote haben jedoch Kratzer, wer sein Boot liebt hat dicke Leinen und viele Fender. Wir haben Glück und einen Liegeplatz, an dem wir mit der Nase im Wind liegen. Freunde liegen quer zum Wind, wenn zehn Windstärken ihr Boot auf die Seite legen, ist das Leben an Bord nicht mehr ganz so lustig.

 

Im schönen Clubhaus.
Beim Empfang für neue Mitglieder und Gäste.
Alle stellen sich vor.
Der Hafen des Clubs ist voll.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und die Umgebung biete tolle Ausflugziele. Allerdings ist Sightseeing leider nicht unsere oberste Priorität. Am wichtigsten ist es, dass unser Boot abfahrtbereit ist. Auch der von der Werft vermittelte Mechaniker kommt sofort zu dem Ergebnis, dass unser Getriebe kaputt ist. Nobbi baut das Getriebe selber aus, das spart uns viel Geld und Zeit, aber kostet ihn Schweiß und Nerven und bringt ihm Schrammen, blaue Flecken und Schmerzen ein.

 So lange wir nicht wissen, wie es mit unserem Getriebe weitergeht, können wir keine Pläne machen. Wir nutzen die Zeit für kleine Boots- und Büroarbeiten. Die Sprayhood wollte schon wieder genäht werden, der Mangan-Dreck aus Port Elizabeth muss von Deck geschrubbt werden und sogar die Steuererklärung ist fertig. Auch die Starlink-Antenne ist wieder gerichtet. Sie funktioniert noch, nur der Teil, der in der Halterung steckte, war verbogen. Nobbi findet auf der Werft jemanden der uns ein Edelstahlrohr absägt und eine Nut schneidet. Die Antenne wurde gewissermaßen geschient. Ersatz hätten wir in Südafrika nicht bekommen, Starlink ist in Südafrika nicht verfügbar. Man kann es nicht (offiziell) kaufen und vor Ort nicht anmelden. Anders als im Nachbarland Namibia funktioniert es aber.

 Zwischendurch nehmen wir uns Zeit für die Erkundung Kapstadts. Der Botanische Garten Kirstenbosch gefällt uns sehr. Mehr Park als Garten liegt das große Gelände im Südosten des Tafelbergs am Hang. Wir erkunden den Baumwipfelpfad und drehen eine große Runde über das weitläufige Gelände. Bald fällt uns auf, dass Valentinstag ist. Es wimmelt von Pärchen mit Picknickkörben.

Eine tolle Parkanlage vor schöner Kulisse.
Bäume umarmen soll ja glücklich machen…
Schöne Brücke durch die Baumwipfel.
Viele Kindergruppen sind im Park unterwegs.

Auf einer Stadtführung lernen wir das Zentrum Kapstadts kennen. Tatsächlich sind wir die einzigen Teilnehmer und erfahren nicht nur viel über die Geschichte der Stadt, sondern bekommen auch noch zahlreiche Anregungen für Unternehmungen in den folgenden Tagen. Als wir vorsichtig ausprobieren, ob die „Grote Kirk“ geöffnet ist, schließt uns eine ältere Dame die Tür auf und gibt uns auch gleich eine umfassende Führung.

Die Grote Kirk von innen.
Das jüdische Museum vorm Tafelberg.
Das alte Rathaus.
Castle ofGood Hope.
Schöne Bauten im alten Zentrum.
Tuynhuis.

Das Slave Lodge Museum ist in der früheren Unterkunft der Sklaven Kapstadts untergebracht. Die grausame Geschichte der Sklaverei ist uns nicht unbekannt, was uns an der Ausstellung jedoch sehr gefällt und sie von vielen ähnlichen Ausstellungen unterscheidet, ist der Bezug zur modernen südafrikanischen Gesellschaft. Welche typischen Nachnamen tragen die Nachfahren der Sklaven noch heute, welche Bräuche, Religionen und Geschichten haben sie mitgebracht.

Das Slave Lodge Museum.

In Bo-Kaap, dem kleinen malaiisch geprägten Viertel, sehen wir uns die berühmten bunten Häuser an und schlendern durch einige der vielen Galerien. Unsere liebste Galerie ist allerdings in der Nähe der Waterfront. Die V&A Waterfront ist ein großer Komplex. Ehemalige Hafengebäude sind zur Touristen-Flaniermeile umgestaltet worden, mitten drin liegt eine noble Marina, die Wohnbebauung ist elegant und dürfte extrem teuer sein, es gibt unzählige Restaurants, hier starten die Ausflugsboote zu ihren Touren und im Untergeschoss des großen Einkaufszentrums finden wir gleich zwei große Supermärkte. Interessanterweise sind die typischen Andenken ausgerechnet in dieser teuren Umgebung günstiger als (fast) überall sonst. Grund genug weitere Souvenirs zu erstehen.

Die bunten Häuser von Bo Kaap.
Die Möwe ist für die künstlerische Aussage essentiell.
Luxusyachten und Tafelberg.
Die alten Hafengebäude wurden gepimpt.
Der Uhrenturm an der Waterfront.

Die National Galerie kann uns leider nicht überzeugen. Die aktuelle Sonderausstellung gefällt uns nicht. Die Bilder haben etwas Brachiales und sehen für mich alle gleich aus, also entscheide ich, sie zu überspringen und mich dem Rest des Museums zu widmen, nur um festzustellen, dass das Haus renoviert wird und alles andere nicht zugänglich ist. Wir beschließen also ins South African Museum umzuziehen. Auch hier wird renoviert, aber es gibt trotzdem genug zu sehen. Die Abteilung über Wale und Delfine gefällt uns besonders gut.

 

Vor der National Galerie.
Die Ausstellung beginnt vielversprechend.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und wir haben das Gefühl, dass wir uns im Stadtzentrum frei bewegen können. Ein nettes Café oder hübsches Restaurant zu finden ist keine Kunst. Wir legen eine kulinarische Pause in einem Schokoladencafé ein und schmieden dort neue Pläne. Die Zeit reicht nicht aus um alles zu erkunden, was uns interessiert.

 

Nobbi im Schokoladen-Café

Am Montag (17. Februar) bekommen wir Nachricht, dass unser Getriebe fertig ist. Die Original-Ersatzteile waren nicht verfügbar und die Bestellung aus Schweden wäre nicht nur absurd teuer, sondern für uns auch viel zu langsam. In seinem Lager hat unser Mechaniker passende Ersatzteile gefunden und außerdem etwas gezaubert.

Sofort stoßen wir unsere Pläne um und Nobbi verschwindet im Motorraum. Der Wiedereinbau gestaltet sich, wie vermutet, noch schlimmer als der Ausbau. Doch Nobbi ist erfolgreich. Am späten Nachmittag können wir es vorsichtig testen und sind sehr erleichtert, es scheint, als wären wir wieder voll einsatzfähig.

Nobbi befestigt den Radarreflektor
Nach Kapstadt kommen viele Spezial-Schiffe.

Der Tafelberg

Ein Kapstadt-Besuch ohne Ausflug auf den Tafelberg ist nicht komplett.
Der Tafelberg ist 1087 m hoch und das unangefochtene Wahrzeichen Kapstadts, thront er doch über der Stadt. Der Tafelberg ist ein alter Berg. Die ältesten Bereiche sind 450 Millionen Jahre alt. Vor 150 Mio. Jahren brach Gondwana auseinander, der Berg wuchs durch Verwerfungen, wurde dann noch einmal überflutete und „erst“ vor etwa 30 Mio. Jahren entstand der Berg in seiner heutigen Form. Seitdem sorgt der Wind für Feinschliff.
Die Flora des Bergs ist außergewöhnlich und sehr artenreich. 1400 Pflanzenarten gibt es, z.B. sehr viele Erika-Arten (600!). Nobbi behauptete es sähe so ähnlich aus wie in der Lüneburger Heide, nur mit Berg.
Häufig ist ein Tischtuch auf dem Tafelberg zusehen, eine Wolkenkappe. Feuchte Luftmassen strömen vom Meer kommend über den Berg. Beim Aufsteigen kondensieren sie zu Wolken, die sich wieder auflösen wenn sie hinter dem Berg hinabfallen. Auf der Nord- und Westseite entsteht ein Fallwind, der Cape Doctor. Er heißt so, weil er die Stadtluft reinigt. Diesen Fallwind kennen wir gut, schüttelt er uns doch in der Marina ziemlich durch. Den Zusammenhang zwischen Tischtuch und Wind, können wir bestätigen. Wenn der Tafelberg eingedeckt ist, weht es kräftig.

Natürlich kann man einfach mit der Seilbahn nach oben fahren. Doch Hugh hat beschlossen, dass wir uns Mittwochmorgen um halb sieben treffen und gemeinsam auf den Tafelberg steigen. Hugh haben wir auf Cocos kennengelernt, er ist in Südafrika aufgewachsen und hat es sich zur Aufgabe gemacht befreundete Segler auf den Tafelberg zu jagen. Wir sind eine kleine Gruppe mit Seglern aus fünf Ländern und drei verschiedenen Häfen.
Die Wanderung ist durchaus sportlich. Der Weg ist nicht besonders lang, aber steil. Zu Beginn geht’s auf unregelmäßigen Stufen langsam aufwärts. Nun ist uns allen warm. Dann schlängelt sich der Weg den Berg hinauf und ab und zu müssen wir hohe Stufen hinaufklettern. Wir sind in einem gemächlichen, seglergeeigneten Tempo unterwegs und machen gelegentlich eine Pause. Der Ausblick ist die ganze Zeit fantastisch. Kapstadt liegt uns zu Füßen.
Nun werden die Kletterpartien immer anspruchsvoller. Mir wird irgendwann klar, dass ich auf keinen Fall nach unten gucken darf, viel zu steil geht es hinter uns hinab. Ich habe Glück, nur an einer Stelle wird mir mulmig. Danach muss zwar noch schlimmer geklettert werden, es geht aber nicht unmittelbar unter unseren Füßen abwärts. Nobbi betont, dass er eigentlich keine Ambitionen zum Klettern hat. Umdrehen ist auf dieser Strecke keine Option, also wird weiter geklettert. Im alten Gestein des Tafelbergs kann man sich wunderbar festhalten. An der schwierigsten Stelle gibt es eiserne Stufen und Ketten, die den Aufstieg auch für Laien wie uns möglich machen. Schließlich ist das Schlimmste geschafft und der Weg schlängelt sich auf die Rückseite des Bergs, wo wir nach knapp vier Stunden schließlich den Gipfel erreichen. Die Tischplatte gewissermaßen. Unterwegs haben wir nur eine Handvoll Wanderer getroffen, hier oben hingegen ist es dank Seilbahn richtig voll.
Wir haben uns ein bisschen gequält, aber die Wanderung sehr genossen. Die Stille, der unglaubliche Blick in alle Richtungen, die nette Gesellschaft und natürlich das gute Gefühl es geschafft zu haben. Wir denken bereits darüber nach die Wanderung zu wiederholen. Es gibt übrigens einen viel einfacheren Weg, aber Hugh sagt der sei langweilig. Und, es gibt einen viel längeren und schwierigeren, den haben unsere topfitten französischen Freunde in sieben Stunden geschafft. Das lassen wir lieber.

Für den Rückweg wählen wir die Seilbahn. Der Boden der Gondel dreht sich 360 Grad, so dass alle Fahrgäste einen guten Blick haben. Ein Extra, das Menschen, die keine Seilbahnfans sind, nicht unbedingt zu schätzen wissen. Ich habe die Rückfahrt trotzdem gut überstanden.

Zu Beginn gilt es einige Stufen hinaufzusteigen.
Der Weg führt zunächst unter der Seilbahn nach oben.
Der Ausblick ist die ganze Zeit fantastisch.
Ein schöner Platz für die Frühstückspause.
Die Kletterpartien werden anspruchsvoller.
Der Blick entschädigt für die Anstrengungen.
Nobbi beim Klettern.
An den schwierigsten Stellen gibt es einige Stufen und Ketten.
Nobbi mit vollem Körpereinsatz.
Blick auf Camps Bay.
Auch hier darf noch einmal geklettert werden.
Ganz schön schroff!
Toller Blick nach Süden.
Am Ende ist der Weg wieder schön und harmlos.
Himalaya-Tahr. Die Ziegen wurden eingeführt und fühlen sich sehr wohl.
„This is not an easy way down“. Definitiv kein einfacher Weg. Abwärts möchten wir ihn nicht laufen.
Nobbi ist heil oben angekommen.
Die Tafelbucht.
Blick zum Lions Head und Signalhill.
Auf der Tischplatte.
Danke für den schönen Ausflug, Hugh!
Im Süden beginnt auch an diesem ruhigen Tag die Wolkenbildung.
Tafelberg mit dünnem Tischtuch.
Tafelberg mit dickem Tischtuch.

Zwei Kaps auf einen Streich

Donnerstagmorgen klingelt der Wecker um fünf. Um sechs lösen wir die Leinen und motoren aus dem Hafen von Mossel Bay. 250 Meilen und zwei berühmte Kaps trennen uns von Kapstadt. Zunächst weht der Wind noch schwach aus West, dreht aber wie vorhergesagt über Südwest auf Süd und später auf Südost.
Diese Etappe ist in jeder Hinsicht sehr abwechslungsreich. Der Wind nimmt zu und in der Nacht von Donnerstag auf Freitag schiebt er uns mit sechs bis sieben Beaufort voran. Als wir das Kap Agulhas, den südlichsten Punkt Afrikas runden, ist der Seegang hoch und einige Böen erreichen acht Windstärken. Wir feiern, dass wir nun wieder im Atlantik segeln. Der Indische Ozean liegt endgültig hinter uns. Der Atlantik zeigt sich gleich von seiner besten Seite. Der Wind nimmt ab, bei strahlend blauem Himmel und gemütlichem Segelwind, gönnen wir uns eine ausgiebige Dusche im Cockpit. Kurz vorm Kap der Guten Hoffnung schläft der Wind ein, um dann von vorne zukommen, schließlich wieder auf Süd zu drehen und wieder einzuschlafen. Mal segeln wir, mal muss der Motor ran. Das Kap der Guten Hoffnung passieren wir am Freitagabend.
Später in der Nacht wird es bitterkalt und wir stecken plötzlich mitten im Nebel. Der Nebel ist so dicht, dass wir kaum den Bug unseres eigenen Bootes sehen können. Es ist sehr unheimlich. Gespenstisch wabert der Nebel um uns herum, mal wird es heller, mal dichter, dann sehen wir ein Stück der Wasseroberfläche. Ich kann mir nun vorstellen, wie Menschen im Nebel verloren gehen. Hatte das Wasser auf der Ostseite des Kap Agulhas, also im Indischen Ozean, eine Temperatur von 22 Grad, ist es hier sehr viel kälter. Wir messen 11 Grad! Schuld ist der Benguela Strom, der kaltes Wasser aus dem Süden entlang der afrikanischen Westküste nach Norden transportiert.

Auf keiner anderen Etappe haben wir so viele Tiere gesehen. Seebären grüßen uns, Albatrosse fliegen bei Kap Agulhas Schleifen um uns und zwischen Kap Agulhas und Kap der Guten Hoffnung sichten wir immer wieder große Wale (vermutliche Brydewale?). Manchmal sind sie nur wenige Meter vom Boot entfernt. Tausende von Seevögeln begleiten uns, schwarze Sturmmöwen, Tölpel, Seeschwalben und Möwen. Unter Deck suche ich nach der Quelle eines piepsenden Geräusches, als Nobbi von draußen nach mir ruft. Das Piepen kommt von einem Orca! Zweimal schwimmt er ganz dicht unter unserem Heck und dreht sich auf den Rücken, dann zieht er davon. Kurz vor Kapstadt springen hunderte von Delfinen aus dem Wasser und kurz vor der Einfahrt in den Hafen paddelt dann doch tatsächlich eine Vierergruppe Pinguine vorbei. Unglaublich, wir fühlen uns beschenkt.

Als sich der Nebel schließlich verzieht und Nobbi sich gerade hinlegen will, hören wir ein ungutes „Krrgs“. Kurz darauf ertönt ein weiteres „Krrgs“. Wir stoppen die Maschine. Hängt etwas in der Schraube? Wir geben rückwärts und wieder vorwärts. Leider stellen wir fest, dass wir kaum noch Vortrieb haben. Die Welle dreht sich, aber wir kommen kaum voran, geben wir mehr Gas, werden wir nicht schneller.
Mit sehr wenig Wind segeln wir bis zur Hafeneinfahrt. Am frühen Morgen telefonieren wir mit einem Freund, der aus seiner Wohnung in Kapstadt auf den Hafen schauen kann. Er macht uns Mut einfach in den Hafen zu segeln. Dieser Plan kommt erst ins Wanken, als ein Kreuzfahrtschiff nach den Windbedingungen im Hafenbecken fragt. Der Wind kommt nun genau von vorne. Wir drehen das Boot in den Wind und stellen fest, dass wir gegen den Wind gar nicht vorankommen. Die Idee Aufzukreuzen verwerfen wir wegen des vielen Verkehrs. Wir rufen die Seenotretter an, erklären, dass wir keinen Notfall haben, aber Hilfe gebrauchen könnten. Das Abschleppen verläuft dann extrem freundlich und äußerst professionell. Unsere Retter kommen mit dem großen Boot und sieben Leuten. Sie nutzen die Gelegenheit zu einer Übung und wir werden ganz sanft am Steg der Marina abgesetzt. Wir sind sehr dankbar für den Einsatz des NSRI (National Sea Rescue Institute) und beeindruckt von der Professionalität und Freundlichkeit. Wir haben uns sehr gut aufgehoben gefühlt.
Nun liegen wir am Steg des Royal Cape Yacht Club mit Blick auf den Tafelberg. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wissen, unsere Ankunft wurde beobachtet. Der Sohn eines befreundeten Amateurfunkers hat uns vom Lions Head, einem Berg am Meer, gesehen und kommt später im Yacht Club vorbei, um uns eine Flasche Sekt zu schenken. Was für ein herzliches Willkommen!
Diese Etappe war etwas aufregender als nötig. Wir sind völlig übermüdet, aber sehr froh heil um die Kaps gekommen zu sein.

Ruhiges Wetter am Abend des ersten Tages.
Es wird frisch. Ich trage nicht nur Mütze und Schal, sondern auch Strümpfe!
Ein Containerschiff vorm Kap Agulhas. Wir müssen gut aufpassen, hier ist viel Verkehr. Alle „Großen“ weichen uns bereitwillig aus.
Das Kap der Guten Hoffnung.
Albatrosse fliegen Schleifen um uns.
Der Wind lässt nach, doch die Wellen sind hoch.
Hallo!? Was macht ihr denn hier?
Einfach abhängen und den Bauch in die Sonne halten.
Seltener Besuch! Ein Orca kommt ganz dicht ans Boot.
Die Zwölf Apostel und der Lions Head am frühen Morgen.
Der Rettungskreuzer rauscht heran.
Die Leinenverbindung wird hergestellt.
Nobbi belegt die Schlepptrosse auf dem Vorschiff.
Wir werden in den Hafen geschleppt.
Liegeplatz im RCYC mit Blick auf den Tafelberg.

Von Port Elizabeth nach Mossel Bay

Als wir am Montag (3. Februar) aus Port Elizabeth auslaufen ist bestes Wetter. Strahlender Sonnenschein, leichter Wind und nur wenig Welle. Trotzdem sind wir nervös wie selten zuvor. Es war nicht ganz einfach die Entscheidung zum Abfahren zu treffen, die meisten anderen Booten entscheiden liegen zu bleiben. Nach der zweiten Kanne Tee geht’s uns besser.
Am Cape Recife treffen wir auf einen hohen Schwell aus Süden. Da die Wellen jedoch sehr lang sind, ist das nicht unangenehm. Die 190 Meilen nach Mossel Bay verlaufen erfreulich unspektakulär. Ab und zu sichten wir einen Seebären. Die netten Robben schwimmen auf dem Rücken und lassen sich die Sonne auf den Bauch scheinen, sie sind neugierig und schwimmen aufs Boot zu und machen gelegentlich artistische Sprünge.
Dienstagnacht erreichen wir nach 38 Stunden Mossel Bay. Es ist fast windstill, als wir Port Control anfunken, um sie darüber zu informieren, dass wir im Schutz der Hafenmole ankern werden. Der nette Mann fragt, ob wir nicht längsseits an der Pier im Hafen liegen wollen. Damit haben wir nicht gerechnet. Offiziell kann man den Hafen nur im Falle eines Notfalls anlaufen. Wir hatten gehofft, dass wir in den Hafen kommen dürfen, sollte der Wind drehen und den Ankerplatz gefährlich machen. Nun sind wir überrascht, dass wir sogar nachts bei Windstille in den Hafen einlaufen dürfen. Freunde von uns lagen hier an einer Boje als der Wind drehte. Sie reagierten nicht schnell genug, die Leine zur Boje brach und sie strandeten. Zum Glück ist niemand zu Schaden gekommen und auch das Boot hat es ohne größere Schäden überstanden. Dieser Zwischenfall ist uns allen eine Warnung.
Die Polizisten, die unsere Daten aufnehmen, sind sehr zufrieden mit unserer Angabe, dass wir Schutz vorm Wetter suchen und nehmen sogar unsere Leinen an. Nach einem Mitternacht-Ankunfts-Bier im Cockpit, unter den Augen hunderter Dominikaner-Möwen, fallen wir müde in die Koje.
In Mossel Bay herrscht eine freundliche Atmosphäre. Im Hafenbüro ist man ausgesprochen freundlich und wir müssen nichts bezahlen. Auch der Ort wirkt sehr nett. Wir gehen einkaufen, füllen unsere Dieselkanister und machen einen kleinen Spaziergang. Es gibt viele Restaurants, Cafés und Läden. Hier hätten wir gerne mehr Zeit verbracht
Der Liegeplatz ist etwas abenteuerlich, aber uns gefällt es. Mari liegt mit ihren Fendern auf den dicken Traktorreifen und wir sind wieder einmal froh, dass wir lange, dicke Festmacher haben. Fischer kommen rein, bringen ihren Fang an Land, machen Sicherheitsübungen und kleine Reparaturen. Ein Seebär wartet vor dem Abfluss der Pier auf Fische oder auf Fische, die auf Fischreste warten. Auf der anderen Seite der Pier liegt ein Arbeitsschiff, das die Gaspipeline versorgt. Dort sind immer Männer an Bord, die uns bereitwillig Auskunft über den Hafen und die anderen Schiffe geben.

Summerstrand in Port Elizabeth von See.
Mari an der Pier zwischen den Fischerbooten.
Wir stören ein bisschen.
Hübsche ehemalige Hafengebäude.
Ein Schliefer am Hafen.
Zu Besuch bei „Port Control“.
Ausblick vom Hafenbüro. Von Mari ist nur der Mast zu sehen.
Die Fischer machen eine Sicherheitsübung.
Schöne Gebäude in Mossel Bay
Bei uns gibt es heute kein Eisbein.

An der Küste

Wir folgen der Küstenstraße nach Südwesten. Das Wetter ist fantastisch, der Himmel ist blitzblank und das Meer leuchtet blau. Ein wunderbarer Segeltag, käme der Wind nicht aus der falschen Richtung.
Wir haben die Straße für uns und halten nur gelegentlich um einen Blick auf die Küste zu werfen. Dort wo die Straße endet, beginnt der Sacramento Trail. Hier sank 1647 die portugiesische Galeone Sacramento. In den 1970er Jahren wurden von ihr 40 Kanonen aus Macau abgeborgen, die sie an Bord hatte.
Der Wanderweg führt uns durch die Dünen und am Strand entlang. Sommerferiengefühl. Mittags finden wir ein Gartenlokal mit einem Hofladen, wo wir Obst kaufen und die Katze streicheln, die zwischen den Obstauslagen schläft. Unser nächstes Ziel ist der Strand von Sardinia Bay. Wir erklimmen die hohen Dünen und laufen mit den Füßen im Wasser den Strand entlang. Wahrlich ein großartiger und fast menschenleerer Strand.
Zeit, das Auto wieder abzugeben. Bevor wir zur Rückgabe zum Flughafen fahren, machen wir einen Abstecher zum Cape Recife und zum Leuchtturm. Es ist Niedrigwasser und so ist der Strand sehr breit. Wir machen einen ausgiebigen Spaziergang und beobachten Seevögel. Die großen Dominikanermöwen gefallen uns, Möwengeschrei sorgt für Heimatgefühle.