Kapstadt und der Royal Cape Yacht Club

Wir haben einen Liegeplatz im Royal Cape Yacht Club ergattert. Maris geringe Größe spielte hierbei sicher eine Rolle. Der clubeigene Hafen hat fast 400 Plätze und fast alle sind von Vereinsmitgliedern belegt.

Der Yacht Club hat in diesem Jahr 120. Geburtstag und man ist stolz auf die lange Tradition und darauf, dass Prinzessin Anne gerade zu Besuch war. Im schönen Clubhaus finden sich in vielen Vitrinen unzählige Plaketten und Pokale. Viele Große Regatten werden ausgetragen, wie das Cape to Rio Race.

Uns gefällt das sehr aktive Clubleben. Zu den Regatten ist richtig was los im Hafen. Wie wir es aus Kiel kennen, liegen die Stege zur Mittwochsregatta voller Equipment, das gewichtsbewusste Crews im Hafen zurückgelassen haben. Da stapeln sich Segel, Außenborder, Bodenbretter, Werkzeuge und Ersatzteile. In der letzten Saison gab es 105 Tage mit Segelveranstaltungen und im Schnitt waren 41 Boote an der Startlinie. Ganz schön beeindruckend. Beeindruckend ist auch das wuselige Leben auf der eigentlich sehr kleinen Werft, wo in der letzten Saison 900 (!) Boote gekrant wurden.

Leer ist es im Yacht Club selten. Mittwochs nach der Abend-Regatta (bei der auch Gäste mitsegeln dürfen) ist es fast so voll wie freitags. Freitags ist der Clubabend, bei dem Mitglieder auch etwas gewinnen können. Samstags ist in der Regel eine Regatta und auch Sonntagmittag findet man auf der Terrasse nur schwer einen freien Tisch.

Der Yacht Club hat knapp 2000 Mitglieder und über 60 Angestellte. Fast die Hälfte der Mitarbeiter ist im Restaurant tätig, das praktisch immer geöffnet ist. Die Karte ist abwechslungsreich, die Preise für Kapstadt-Verhältnisse sehr moderat und der Service nett. Manches Mal entscheiden wir uns nicht unterwegs zu essen, sondern in „unseren“ Club zurückzukehren.

Wir sind zu einem Empfang für neue Mitglieder und Gäste eingeladen, bei dem sich der Club und die neuen Mitglieder vorstellen und werden mit Getränken und Häppchen verwöhnt.

Gäste haben es hier sehr gut. Die Duschen sind immer sauber, sehr heiß und es gibt sogar einen Fön. Seit Jahren habe ich keinen Fön benutzt, doch bei den frischen Abendtemperaturen ist es schön nicht mit nassen Haaren unterwegs zu sein. Auf dem Werftgelände gibt es einen kleinen Bootshändler bei dem es Vieles gibt, das der Bootseigner braucht. Waschmaschinen und Trockner finden sich ebenfalls an der Werft. Schnell kennen wir nicht nur die Kellner, sondern auch das Büro-Team an der Rezeption, die Sicherheitsleute am Eingang und die Mitarbeiter auf der Werft. Praktisch alle sind nett und wir fühlen uns willkommen. Außerdem treffen wir Freunde wieder und lernen neue Segler kennen.

 Mit unseren Nachbarn verbringen wir einen äußerst netten Abend. Beim Ausparken sind sie leider in unserer Starlink-Antenne hängengeblieben. Als Entschuldigung werden wir auf einen Whiskey bzw. Gin Tonic eingeladen. Selbstverständlich nehmen wir ihre Entschuldigung an. Wir hören tolle Geschichten von den Regatten, hier segelt man schon mal ein Rennen nach St. Helena oder nach Rio. Und anschließend muss natürlich auch irgendjemand das Boot wieder zurück segeln. In der netten Runde fühlen wir uns sehr wohl und kehren ein wenig angetüdelt an Bord zurück.

 Nachmittags weht es häufig. Den berühmten Cape Doctor, den Fallwind vom Tafelberg, bekommt man hier zu spüren. 50 Knoten Wind sind keine Seltenheit, wir messen einmal über 60. Bei solchen Windstärken fahren Bootsbesitzer zu Hause weite Strecken, um nach ihrem Boot zu sehen, hier kommt das manchmal mehrfach pro Woche vor. Viele Boote haben jedoch Kratzer, wer sein Boot liebt hat dicke Leinen und viele Fender. Wir haben Glück und einen Liegeplatz, an dem wir mit der Nase im Wind liegen. Freunde liegen quer zum Wind, wenn zehn Windstärken ihr Boot auf die Seite legen, ist das Leben an Bord nicht mehr ganz so lustig.

 

Im schönen Clubhaus.
Beim Empfang für neue Mitglieder und Gäste.
Alle stellen sich vor.
Der Hafen des Clubs ist voll.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und die Umgebung biete tolle Ausflugziele. Allerdings ist Sightseeing leider nicht unsere oberste Priorität. Am wichtigsten ist es, dass unser Boot abfahrtbereit ist. Auch der von der Werft vermittelte Mechaniker kommt sofort zu dem Ergebnis, dass unser Getriebe kaputt ist. Nobbi baut das Getriebe selber aus, das spart uns viel Geld und Zeit, aber kostet ihn Schweiß und Nerven und bringt ihm Schrammen, blaue Flecken und Schmerzen ein.

 So lange wir nicht wissen, wie es mit unserem Getriebe weitergeht, können wir keine Pläne machen. Wir nutzen die Zeit für kleine Boots- und Büroarbeiten. Die Sprayhood wollte schon wieder genäht werden, der Mangan-Dreck aus Port Elizabeth muss von Deck geschrubbt werden und sogar die Steuererklärung ist fertig. Auch die Starlink-Antenne ist wieder gerichtet. Sie funktioniert noch, nur der Teil, der in der Halterung steckte, war verbogen. Nobbi findet auf der Werft jemanden der uns ein Edelstahlrohr absägt und eine Nut schneidet. Die Antenne wurde gewissermaßen geschient. Ersatz hätten wir in Südafrika nicht bekommen, Starlink ist in Südafrika nicht verfügbar. Man kann es nicht (offiziell) kaufen und vor Ort nicht anmelden. Anders als im Nachbarland Namibia funktioniert es aber.

 Zwischendurch nehmen wir uns Zeit für die Erkundung Kapstadts. Der Botanische Garten Kirstenbosch gefällt uns sehr. Mehr Park als Garten liegt das große Gelände im Südosten des Tafelbergs am Hang. Wir erkunden den Baumwipfelpfad und drehen eine große Runde über das weitläufige Gelände. Bald fällt uns auf, dass Valentinstag ist. Es wimmelt von Pärchen mit Picknickkörben.

Eine tolle Parkanlage vor schöner Kulisse.
Bäume umarmen soll ja glücklich machen…
Schöne Brücke durch die Baumwipfel.
Viele Kindergruppen sind im Park unterwegs.

Auf einer Stadtführung lernen wir das Zentrum Kapstadts kennen. Tatsächlich sind wir die einzigen Teilnehmer und erfahren nicht nur viel über die Geschichte der Stadt, sondern bekommen auch noch zahlreiche Anregungen für Unternehmungen in den folgenden Tagen. Als wir vorsichtig ausprobieren, ob die „Grote Kirk“ geöffnet ist, schließt uns eine ältere Dame die Tür auf und gibt uns auch gleich eine umfassende Führung.

Die Grote Kirk von innen.
Das jüdische Museum vorm Tafelberg.
Das alte Rathaus.
Castle ofGood Hope.
Schöne Bauten im alten Zentrum.
Tuynhuis.

Das Slave Lodge Museum ist in der früheren Unterkunft der Sklaven Kapstadts untergebracht. Die grausame Geschichte der Sklaverei ist uns nicht unbekannt, was uns an der Ausstellung jedoch sehr gefällt und sie von vielen ähnlichen Ausstellungen unterscheidet, ist der Bezug zur modernen südafrikanischen Gesellschaft. Welche typischen Nachnamen tragen die Nachfahren der Sklaven noch heute, welche Bräuche, Religionen und Geschichten haben sie mitgebracht.

Das Slave Lodge Museum.

In Bo-Kaap, dem kleinen malaiisch geprägten Viertel, sehen wir uns die berühmten bunten Häuser an und schlendern durch einige der vielen Galerien. Unsere liebste Galerie ist allerdings in der Nähe der Waterfront. Die V&A Waterfront ist ein großer Komplex. Ehemalige Hafengebäude sind zur Touristen-Flaniermeile umgestaltet worden, mitten drin liegt eine noble Marina, die Wohnbebauung ist elegant und dürfte extrem teuer sein, es gibt unzählige Restaurants, hier starten die Ausflugsboote zu ihren Touren und im Untergeschoss des großen Einkaufszentrums finden wir gleich zwei große Supermärkte. Interessanterweise sind die typischen Andenken ausgerechnet in dieser teuren Umgebung günstiger als (fast) überall sonst. Grund genug weitere Souvenirs zu erstehen.

Die bunten Häuser von Bo Kaap.
Die Möwe ist für die künstlerische Aussage essentiell.
Luxusyachten und Tafelberg.
Die alten Hafengebäude wurden gepimpt.
Der Uhrenturm an der Waterfront.

Die National Galerie kann uns leider nicht überzeugen. Die aktuelle Sonderausstellung gefällt uns nicht. Die Bilder haben etwas Brachiales und sehen für mich alle gleich aus, also entscheide ich, sie zu überspringen und mich dem Rest des Museums zu widmen, nur um festzustellen, dass das Haus renoviert wird und alles andere nicht zugänglich ist. Wir beschließen also ins South African Museum umzuziehen. Auch hier wird renoviert, aber es gibt trotzdem genug zu sehen. Die Abteilung über Wale und Delfine gefällt uns besonders gut.

 

Vor der National Galerie.
Die Ausstellung beginnt vielversprechend.

In Kapstadt gibt es viel zu sehen und wir haben das Gefühl, dass wir uns im Stadtzentrum frei bewegen können. Ein nettes Café oder hübsches Restaurant zu finden ist keine Kunst. Wir legen eine kulinarische Pause in einem Schokoladencafé ein und schmieden dort neue Pläne. Die Zeit reicht nicht aus um alles zu erkunden, was uns interessiert.

 

Nobbi im Schokoladen-Café

Am Montag (17. Februar) bekommen wir Nachricht, dass unser Getriebe fertig ist. Die Original-Ersatzteile waren nicht verfügbar und die Bestellung aus Schweden wäre nicht nur absurd teuer, sondern für uns auch viel zu langsam. In seinem Lager hat unser Mechaniker passende Ersatzteile gefunden und außerdem etwas gezaubert.

Sofort stoßen wir unsere Pläne um und Nobbi verschwindet im Motorraum. Der Wiedereinbau gestaltet sich, wie vermutet, noch schlimmer als der Ausbau. Doch Nobbi ist erfolgreich. Am späten Nachmittag können wir es vorsichtig testen und sind sehr erleichtert, es scheint, als wären wir wieder voll einsatzfähig.

Nobbi befestigt den Radarreflektor
Nach Kapstadt kommen viele Spezial-Schiffe.