Bordleben in Mindelo

Mindelo ist die zweitgrößte Stadt der Kapverden und hat (mit den angrenzenden Vororten) etwa 80.000 Einwohner. Wir fühlen uns wohl in der lebendigen, bunten, kleinen Stadt. Es herrscht eine entspannte und freundliche Stimmung.
Seit unserem letzten Besuch 2017 hat sich einiges verändert, es gibt paar neue Häuser und der Hafen wurde vergrößert. Der größte Unterschied für uns ist, dass es so leer ist. Cabo Verde wird vor allem von Seglern auf dem Weg von Europa in die Karibik angelaufen. Die Hauptsaison ist im Herbst und Winter. Nun sind Ankerplatz und Marina recht leer. In der Floating Bar ist es trotzdem immer voll und einige Segler sind auch unterwegs, so dass wir nette Leute treffen.
Häuser und Straßen scheinen weitgehend in recht gutem Zustand zu sein und es wird viel gebaut. Arbeit ist das Problem. Nicht mal zwei Wochen sind wir hier und haben schon in viele Gesprächen gehört, dass es keine Arbeit gibt. Junge Leute zieht es ins Ausland, besonders nach Portugal. Auf die knapp 600.000 Einwohner (die Angaben variieren überraschend stark), kommen je nach Quelle 700.000 bis 1 Mio. Kapverdier die im Ausland leben. Das Geld, das die im Ausland lebenden Menschen ihren Familien schicken macht ein Fünftel des Bruttoinlandsprodukts aus.
Von unserem Liegeplatz haben wir einen guten Blick über die Bucht und sehen, dass viele interessante Schiffe in Mindelo einen Stopp einlegen. Der Hafen wird von kleinen topmodernen Containerschiffen und von alten Frachtern angelaufen. Ich freue mich besonders, das „mein“ kleiner blauer Frachter „Conceicão Maria“, den ich vor sieben Jahren mit einem Pferd an Deck in Sal gesehen habe, noch immer in Betrieb ist. Ein Großsegler legt einen Stopp ein und luxuriöse Sportfischer, die Marlins fangen wollen, bleiben für einige Wochen in der Marina. Große Tanker werden im Süden der Bucht verankert, sie bringen Treibstoff.
Viele Schiffe legen nur für einen Tankstopp in Mindelo ein, fast die Hälfte der Exporteinnahmen soll aus dem Treibstoffverkauf an Schiffe und Flugzeuge (auf Sal) stammen. Und so stoppen fast jeden Tag interessante Schiffe für einige Stunden in der Bucht: Luxusyachten im James Bond Stil, ein nagelneues Hybridschiff, Forschungsschiffe, ein tauchbarer Spezialtransporter oder ein Schiff mit Windgeneratorflügeln an Deck, aber auch ganz normale Tanker (ja, auch Tanker müssen tanken!) und große Bulkcarrier. Wir haben das Fernglas immer griffbereit.

Im Hintergrund der „Berg mit dem Gesicht“. Tipp. Der Mann liegt auf dem Rücken und schaut in den Himmel.
Blick auf die fast leere Marina.

Neben dem Ausschlafen stehen kleine Erledigungen auf dem Programm. Hier gibt’s was zu kleben, dort ein Gummiband zu ersetzen. Mit Oxalsäure entfernen wir wenigstens einige Rostflecken, der lange schwarze Streifen, den das Taxiboot von St. Helena auf unserem Rumpf hinterlassen hat lässt sich leicht wegrubbeln. Ein paar Druckknöpfe wollen angenäht werden, an Nobbis Nachwachen-Pullover sind mehrere Nähte aufgegangen, der Wolljacke fehlt der Aufhänger und die Lieblings-Einkaufstasche hat einen Henkel verloren.
Nach mehreren Putz-Schnorcheltauchgängen ist das Unterwasserschiff wieder recht sauber, da werden wir kurz vor der Abfahrt noch einmal nacharbeiten. Die Nähte am Bimini zu flicken war einfach, das Nähen der Sprayhood ungemütlich und das Ergebnis ist nur mäßig befriedigend. Die Sprayhood reißt an der Vorderkante. Eigentlich müssten wir sie abbauen, haben aber Angst, dass sie dann an weiteren Stellen kaputt geht. Also nähen wir einen Flicken auf die kaputte Stelle. Nobbi sitzt an Deck, ich nähe über Kopf aus dem Niedergang. Wir hatten gedacht, wir könnten ein Hörbuch hören, während wir arbeiten. Bei sechs Windstärken sind wir froh, wenn wir einander verstehen. Besonders schön ist die Reparatur nicht geworden. Gerne würden wir die Naht mit einem Tape schützen, aber keins der getesteten Klebestreifen hält. Das alte Problem.
Manche Jobs sind schnell erledigt. Der Motor bekommt seinen verdienten Ölwechsel. Angenehmer Nebeneffekt: der Ölkanister, der leider nicht dicht war, verschwindet aus der Bilge. Über das Öl in der Bilge, das sich bei Schräglage ganz wunderbar verteilt hatte, hatten wir uns schon vor Wochen gefreut. Wir putzen mal wieder die Bilge. Das ist inzwischen einfacher geworden, weil wir die dort lagernden Getränke ausgetrunken haben.
Der Traveller, dort ist die Großschot angeschlagen, wurde überholt. Einige Schrauben hatten Anstalten gemacht einige Wege zu gehen.
Marisol ist auch wieder ein wenig leichter geworden. 30 Meter unserer Ankerkette haben wir abgesägt (66kg Gewichtsersparnis!!) und noch bevor wir überlegen konnten was wir mit diesem Rest machen, hatte dieser einen neuen Besitzer gefunden. Wir haben beschlossen, dass die nächsten Ankerplätze weniger tief sein werden und uns 70 Meter Kette ausreichen müssen.
Nahe des Hafens ist nicht nur der Markt, sondern sind auch mehrere Supermärkte, hier füllen wir unsere Vorräte auf. Die Gasflasche zu füllen gestaltet sich als denkbar einfach und ausgesprochen günstig, die Dieselvorräte stocken wir an der Wassertankstelle in der Marina auf und Elisabeth holt die Wäsche ab und bringt sie schon bald trocken und duftend zurück. Den Kleinkram und alles, was nicht in den Trockner möchte, waschen wir mit der Hand, dank der trocknen Luft kann es in den Schrank, kaum dass es auf der Leine hängt.

Ganz wichtig ist das Touri-Programm zwischendurch. Wir besuchen das kleine maritime Museum im Torre Belem. Im Nachbau des Lissabonner Turms gibt es einige Exponate von Wracks zusehen. Die kleine Ausstellung ist gepflegt und zweisprachig. Noch besser gefallen uns die Fotoausstellung mit Fotos vom Fischmarkt und der tolle Ausblick über die Bucht und die Stadt.
Das CNAD, das Kunst- und Designmuseum, zieht uns mit seiner tollen Fassade an. Hinter einem alten Gebäude steht ein Neubau mit einer ganz tollen Fassade aus bunten Ölfassdeckeln. Mir gefällt besonders die Fischausstellung, aus gefärbten Fischhäuten wurden ganz verschiedene Fische, Handtaschen, Schuhe, Schmuck und weitere Gegenstände gefertigt. Das Café des Museums ist übrigens auch sehr zu empfehlen, hier gibt es auch den extrem leckeren Kaffee von Fogo (einer der südlichen Inseln).

Nobbi muss dringend zum Frisör. In der Marina hatten wir uns schon einen Stromkasten ausgeguckt auf dem er sitzen könnte, während ich ihn frisiere. Dann kommen wir auf einer Runde durch die Stadt an einem Frisör vorbei und Nobbi lässt sich kurz entschlossen die Haare schneiden. Es lässt sich nicht anders sagen, das war eine Katastrophe. Der schlechteste Haarschnitt der Reise. Das hätte ich nicht schlechter gekonnt.
Eine Fischvergiftung, eine doofe Magen-Darm-Geschichte und Fieber haben uns aufgestoppt. Erst bin ich ausgefallen, dann war Nobbi außer Betrieb. Es gab ein kleines Déjà-vu von 2017, da war ich auch immer wieder krank. Mein Magen scheint nur begrenzt Cabo Verde tauglich zu sein.
Jetzt sind wir beide wieder fit und bereit für neue Abenteuer (kleine Abenteuer bitte, keine zu großen!).

Immerhin hat Nobbi nicht die gleiche Frisur bekommen wie sein Nachbar!
Der Stadtstrand Mindelos ist ausgesprochen schön.

Ascensions Schildkröten

Die Ursache für den unordentlichen Strand ist schnell gefunden!
Vom Ankerplatz aus können wir jeden Morgen beobachten, wie die letzten Schildkröten ins Wasser zurückkehren.
So sehen Ascensions Strände aus: durchlöchert!
Die Krater, die die Schildkröten graben, sind tief.
Wir wollen uns das Schauspiel aus der Nähe ansehen und fahren bei Sonnenaufgang an Land.
Die Schildkröten lassen sich von uns nicht stören. Man soll nur darauf achten, dass man nie vor ihnen steht.
So entstehen die charakteristischen Spuren.
Die Schildkröten kommen im Dunkeln an den Strand und graben ein tiefes Loch, in das sie die Eier ablegen.
Hinterher müssen die Eier mit Sand bedeckt werden. Die Schildkröte schaufelt mit ihren Vorderflossen Sand aufs Gelege.
Wenn Mama die Eier zu dicht am Wasser verbuddelt, werden sie freigespült und die Fregattvögel freuen sich über den leckeren Snack.
Nach der Eiablage machen sich die erschöpften Tiere auf den Rückweg.
Der Weg zurück ins Wasser führt durch die tiefen Krater, die die Kolleginnen gegraben haben.
Gruppenbild: Mari und Schildi.
„Hallo?!“
Sie kann das Meer schon sehen!
Sie hat es fast geschafft.
Endlich!
Nur noch eine Welle!
Die Schildkröten legen mehrmals im Abstand einiger Wochen. DieSchildkröten aus den ersten Gelegen schlüpfen bereits. Dieses Baby ist sehr spät dran. Eigentlich legen sie den Weg in den Ozean im Schutz der Dunkelheit zurück.
Sie schafft es trotzdem. Vielleicht auch, weil die Fregattvögel Respekt vor Nobbi haben, der die kleine Schildkröte bewacht, bis sie im Wasser ist.
Die Fortbewegnung an Land ist mühsam für die eleganten Schwimmerinnen.

Ascension in Bildern

Wie versprochen kommen hier noch mehr Bilder von Ascension. Und hier geht`s zum Bericht über unseren kurzen Aufenthalt auf dieser besonderen Insel:

Viele Fregattvögel bevölkern den Ankerplatz.
Marisol am Ankerplatz.
Der Blick vom Ankerplatz.

Das Anlanden mit dem Beiboot gestaltete sich je nach Welle entweder nur etwas sportlich oder ausgesprochen abenteuerlich:

Das Schlauchboot kann man an der dicken Trosse zwischen den gelben Tonnen anbinden. Dann gilt es das gelbe Boot einzufangen.
Nun klettert man in das stabile gelbe Boot.
An einer der Leinen zieht man sich nun zur Pier. Dort braucht man ein bisschen Mut und gutes Timing beim Übersteigen.
Heil angekommen!

Georgetown ist ein ruhiger, zweckmäßiger und schnörkelloser Ort.

Die Pier.
Sitz der Inselregierung.
Die kleine Kirche.
Aussicht über „downtown“ Georgetown.
Das alte Rathaus auf dem zentralen Platz wird heute als Lager und von (geschlossenen) Läden genutzt.
Der Friedhof mit Meerblick hat einen alten und einen neuen Teil.
Der verschlossene Eingang zu Fort Hayes.
Wir kraxeln einfach den Hang hoch und sehen uns Fort Hayes von innen an.
Nüchterne Einheitshäuser.
Hier steppt das Schaf – auf der zentralen Kreuzung.
„Long beach“, der Schildkrötenstrand, vor dem wir ankern.
In diesen Becken wurden früher die Schildkröten als Proviant „aufbewahrt“.
Im Schwimmbad gibt es eine Süßwasser-Dusche!
Für die Rundfahrt haben wir dieses Auto bei der Mitarbeiterin der Immigration gemietet – wie alle unsere Freunde vor und nach uns auch.
Die Esel wurden irgendwann freigelassen und schlagen sich nun durch.
Sie sind neugierig und lassen sich bereitwillig streicheln.

Ascension ist ein Lauschposten, doch was wird hier abgehört? Oder sind wir einfach in einer riesigen Antennenausstellung?

Auf unserer Inseltour bekommen wir einen guten Eindruck von der kargen, aber doch abwechslungsreichen Insel.

Eine mühsame Überfahrt nach Cabo Verde

Nachdem wir den Flautengürtel am Äquator hinter uns gelassen hatten, dachten wir, dass wir von nun an im Passat nach Norden segeln würden. Wir befürchteten, dass der Wind stärker wehen könnte als uns lieb sei. Mit Flaute und plötzlichen Winddrehern hatten wir nicht gerechnet, mit elendigem Kreuzen hingegen schon.
Der zweite Teil der Etappe gestaltete sich als sehr viel abwechslungsreicher als wünschenswert. Mal fallen Böen ein und wir hoffen, dass der Wind nicht deutlich zunimmt, mal bangen wir, dass der Wind nicht einschläft. Unser Wendewinkel ist natürlich schlechter als erhofft. So viel Spaß Am-Wind-Segeln bei glattem Wasser an der Küste macht, so undankbar ist es auf dem Ozean. Die entgegenkommende Welle stoppt uns auf und schlafen wollen wir dabei auch noch. Die mühsamen Bedingungen sorgen für eine müde Crew. Wir schlafen oft schlecht. Es ist viel lauter als auf den favorisierten Vorm-Wind-Kursen und die Flugphase, die bei hackigem Seegang entsteht und einen in der Koje abheben lässt, kann man kaum verschlafen. Der meist nach Südwest setzende Strom macht es nicht besser.
Nicht immer ist es einfach die gute Stimmung an Bord aufrecht zu erhalten, dazu können wir einfach zu gut rechnen. Wenn man in 24 Stunden nur 40 Meilen nach Ost und lediglich sieben Meilen aufs Ziel gut macht und dann ausrechnet wie lang die Reise noch dauern wird, ist das desillusionierend. Ab und zu läuft es aber auch unerwartet gut. Manchmal gelingt es uns einen nach Osten setzenden Strom zu erwischen und zu nutzen, plötzlich sind wir schneller unterwegs oder können stundenlang genau nach Norden segeln.

Die ersten Tage nach dem Start in Ascension segeln wir gemütlich vor dem Wind.
Fluffige, freundliche Wolken.
Die Wolken werden höher.
Dramatische Wolken.
Kein Wind, dafür Regen und Gewitter in der Nähe des Äquators.
Marisol ist ganz und gar von Sahara-Staub bedeckt.

Gutes Essen hilft immer. Nur, dass der Frischproviant lange aufgegessen ist. Die Favoriten sind Kichererbsen und Kuchen. Die Kichererbsen-Creme (mit Zwiebeln, Mayo, Chili, Salz und Pfeffer) auf frischem Brot oder im Wrap schmeckt besonders gut mit Cheeseburger-Gurken. Die heißen wirklich so. Wir haben ein Glas in Kapstadt gekauft und das auch nur, weil sie von der favorisierten deutschen Gurken-Marke stammen. Der süße Hefeteig wird mit Äpfeln, Zimt und Zucker oder Karamell gefüllt. Im Vorrat findet sich eine Dose „pie fruit“ aus Australien: Äpfel in Spalten. Extra für Leute die Apfelkuchen essen wollen, aber nicht ihre letzten Frühstücksäpfel opfern wollen. Das Glas mit gesalzenem Karamell ist aus Neukaledonien. Wir können also durchaus von internationaler Küche sprechen.

Delfinbesuch ist immer schön!

Zwischendurch ist auch diese Etappe immer wieder sehr schön. Der weite Sternenhimmel, das unendlich blaue Wasser, die unvorstellbare Größe des Ozeans. Wir freuen uns über Delfinbesuch, sehen mehrfach Haie und haben eine ganz besondere Walbegegnung. Eine große Gruppe kleiner Schwertwale inspiziert uns genau. Die schwarzen Tiere bleiben über eine halbe Stunde in unserer unmittelbaren Nähe, schwimmen unmittelbar neben und unter dem Boot, schießen mit unglaublicher Geschwindigkeit auf uns zu und beeindrucken uns mit akrobatischen Sprüngen.

Die kleinen Schwertwale sind sehr neugierig.
Sie begleiten uns lange.
Die schwarzen Tiere kommen immer wieder ganz dicht ans Boot.

Am 29. April, dem zwanzigsten Tag der Etappe, werden wir zu Weltumseglern, wir kreuzen unseren Kurs vom 7. November 2017. Obwohl wir bisher dachten, dass es uns nicht wichtig sei, sind wir doch bewegt. Es fühlt sich merkwürdig an. Wir sind Weltumsegler.
Am nächsten Abend ist es schön ruhig und wir stoßen an. Zur Feier des Tages benutzen wir sogar auf See richtige Gläser für den Sekt aus Kapstadt. Auf so ein denkwürdiges Ereignis kann man nicht mit dem Plastikbecher anstoßen. Ein paar Tage später feiern wir Nobbis Geburtstag. Die Feierlichkeiten gestalten sich eher übersichtlich, immerhin gibt es Kuchen.

Der letzte Tag der Überfahrt ist noch einmal eine gute Zusammenfassung dieser Etappe. Auf Nordwestkurs segeln wir in die Nacht. Schließlich dreht der Wind östlicher und wir können nach Norden segeln. Der Kurs ist etwas ungemütlich, weil die Wellen nun fast von vorne kommen, aber das macht uns gar nichts, wie freuen uns, dass wir São Vicente (unserem Ziel) zügig näher kommen. Um vier übernehme ich die Wache. Kaum bin ich richtig wach und habe es mir im Cockpit gemütlich gemacht, nimmt der Wind ab und wir drehen nach Westen ab. Ich wecke Nobbi und wir wenden. (Weil wir das Backstag gesetzt haben, können wir nur zusammen wenden. Einer muss an Deck rumklettern und das Backstag aushaken.) Nun segle ich langsam nach Osten und Nobbi schläft. Leider ist das Vergnügen von kurzer Dauer. Der Wind schläft komplett ein und ich muss die Großschot festhalten, damit sie nicht schlägt. Als es langsam hell wird gebe ich auf, ich wecke Nobbi, wir bergen die Fock, machen die Maschine an und motoren los. Wir müssen von Hand steuern, unser Autopilot ist den von vorn kommenden Wellen nicht gewachsen. Zunächst fahren wir zügig auf São Vicente zu, im Laufe des Vormittags nimmt die Welle zu und wir werden langsamer.
Plötzlich wird der Wind wieder eingeschaltet. Das hatten wir befürchtet. Gegen fünf Windstärken können wir nicht gegenan motoren. Zeit wieder zu segeln, wir gehen auf Ost-Kurs. Der neue Plan: wir segeln um die Insel São Vicente herum und laufen Mindelo dann am nächsten Tag von Norden her an.
Kaum sind wir mit dem Mittagessen fertig, schläft der Wind ein. Wir treiben. Also entscheiden wir doch wieder zu motoren und uns aber von der Düse zwischen den Inseln São Vicente und Santo Antão erstmal fernzuhalten. Im Kanal zwischen den Inseln wartet nicht nur der Wind auf uns, hier strömt es auch mit zwei Knoten nach Südwesten. Wir hoffen jedoch, dicht unter Land einen Neerstrom zu finden, der uns nach Norden versetzt.
Als wir noch einige Meilen von der Insel entfernt sind, wird uns klar, dass wir den Strom bereits gefunden haben, obwohl der Gegenwind zunimmt, werden wir schneller. Dicht an der Insel hangeln wir uns nach Norden. Die Hoffnung Mindelo noch heute zu erreichen wächst ganz vorsichtig. Wind-gegen-Strom staucht die Wellen zusammen, sie sind klein aber steil. Ab und zu brechen sie schäumend. In der Abdeckung der hohen Berge ist es fast windstill, dann pfeift der Wind wieder durch ein enges Tal. Schließlich kommt er genau gegenan und die Böen erreichen 37 Knoten. Das Salzwasser fliegt durch die Luft und wir werden geduscht. Wir achten darauf, dass der Wind nicht direkt von vorn kommt und kreuzen gewissermaßen mit Großsegel und Maschine dicht unter der Küste nach Norden. Langsam arbeiten wir uns voran. Der schiebende Strom sorgt dafür, dass wir trotz der inzwischen hohen Wellen und des starken Winds immer noch mit zwei Knoten vorankommen.
Als wir die engste Stelle passiert haben nimmt der Wind auf sechs Windstärken ab. Schließlich laufen wir in die große Bucht vor Mindelo ein und ankern vor der Stadt neben der Marina. Zwei der Boote im Ankerfeld kennen wir. Freunde kommen mit dem Beiboot vorbei um uns zu begrüßen. Noch bevor wir uns über die Ankunft freuen können, fährt ein Tanker dicht hinter uns durch. Viel zu dicht für unseren Geschmack. Wir wechseln den Ankerplatz, nun liegen wir ein bisschen zu dicht am Nachbarboot, also ankern wir ein drittes Mal.
Als ich beim Ankern den Rückwärtsgang einlege und mich umschaue, ob wir rückwärts Fahrt aufnehmen, freue ich mich „meine Fische“ zusehen. Das erste Mal habe ich sie auf zwei Grad Nord bemerkt, sie schwammen mal unter unserem Heck, mal neben dem Ruder der Hydrovane. Wir fuhren durch ein Gebiet mit Teppichen von Sargassum, einer Braunalge, die freischwimmend über den Ozean treibt. Die Fische entschlossen sich lieber unter Marisol, als unter den Algen zu leben und haben uns tatsächlich 1500 Meilen begleitet. Ich hoffe sehr, dass sie ihre neue Heimat mögen und hier etwas zu fressen finden.

Die karge Südspitze São Vicentes.
Sargassum, die Alge unter der meine Fische wohnten, bevor sie unter Maris Bauch umzogen.
Einlaufen in die große Bucht von Mindelo.

Völlig erledigt, komplett gesalzen und sehr froh angekommen zu sein, stoßen wir auf unsere Ankunft an. Das Mittagessen bei leichtem Segelwind vor sieben Stunden, scheint Tage her zu sein. Nach einem Teller Hühnersuppe geht’s ins Bett.
Am 5. Mai sind wir nach 25 Tagen angekommen. 2300 Meilen sind wir gesegelt um eine Entfernung von 1800 Meilen zu überbrücken, es hätte noch viel schlimmer kommen können.

Ein Ausschnitt der Seekarte.

Am nächsten Vormittag verholen wir uns in die Marina. Wir wundern uns nicht über die vielen Entenmuscheln am Unterwasserschiff, hatten wir doch gemerkt, dass wir sehr langsam sind. Wenn der ganze Rumpf mit hunderten von zwei bis drei Zentimeter langen Anhängen bewachsen ist, verbessert das die hydrodynamischen Eigenschaften nicht. Eine Gruppe fleißiger Fische übernimmt den Putz-Job. Nach einem Tag am Steg sind nur noch einige Entenmuscheln über der Wasserlinie übrig, unter Wasser zeugen lediglich noch die kleinen Kalkpunkte von den zahlreichen ehemaligen Mitreisenden.
Die Einreise nach Cabo Verde ist erfreulicherweise noch genauso unkompliziert wie beim letzten Mal. Ein leckeres Mittagessen in einem kleinen Restaurant in einer Seitenstraße und ein schneller Einkauf: das muss reichen für den ersten Tag.

Auf dieser Etappe haben wir wirklich alles gegeben.
Eindrücklich illustriert von H. Otti.

Kurz vor den kapverdischen Inseln haben wir immer wieder diese wunderschönen Tropikvögel gesehen.

Weltumsegler!

Am 29.4. um 01:00 haben wir unseren Kurs vom 7. November 2017 gekreuzt. Vor siebeneinhalb Jahren sind wir vor dem Wind nach Brasilien gesegelt. Jetzt arbeiten wir uns mühsam gegen den (schwachen) Wind zu den Kapverden vor. Auch wenn wir unser Etappenziel Mindelo noch nicht erreicht haben, feiern wir. Wer doppelt feiert, freut sich länger.

Der mühsame Weg nach Norden – unterwegs zu den Kapverden

Vor gut einer Woche (Donnerstag 17. April), morgens um kurz vor acht segeln wir zum sechsten Mal über den Äquator. Auf der Seekarte sehen wir, dass wir am 18. November 2017 670 Meilen weiter westlich das erste Mal mit Marisol die Linie überquert haben. Gewissermaßen haben wir für 670 Meilen siebeneinhalb Jahre gebraucht. Allerdings haben wir einen Umweg gemacht. Vielleicht den besten Umweg den das Leben bietet.
Wir freuen uns die magische Linie zu übersegeln, bedeutet es, dass wir im Flautengürtel nach Norden vorankommen. In die Freude mischt sich jedoch eine Portion Wehmut. Werden wir jemals wieder die Südhalbkugel besegeln?

Nachdem wir Ascension verlassen haben, geht es die ersten Tage mit achterlichem Wind nach Norden. Bald werden aus den fluffigen Passatwolken hohe Wolkentürme. Schließlich setzen die ersten Schauer ein. Eine Dusche ist zunächst willkommen, werden wir doch endlich von Dreck, Staub und Salz befreit. Als das Schiff allerdings sauber ist, freuen wir uns nicht mehr ganz so sehr über den Regen. Diese Art Regen gibt es außerhalb der Tropen nicht. Plötzlich öffnet sich der Himmel, die Sichtweite sinkt auf wenige Meter und unglaubliche Mengen Wasser stürzen vom Himmel.

Dann am fünften Tag kommt uns der Wind abhanden. Früher als erhofft. Wir treiben statt zu segeln. 30 Meilen in 24 Stunden. Und, als wäre das nicht schlimm genug, haben wir davon nur sieben Meilen in Richtung der Kapverden gut gemacht. Unsere Kurslinie beschreibt eine wunderschöne Acht.
Die nächsten Tage sind mühsam. Der Wind dreht, schläft ein, nimmt mit den Schauern zu. Es regnet und gewittert. Schwarze Wolken schleichen sich an und nachts leuchtet der Himmel vom Wetterleuchten, den hohen Blitzen in den riesigen Wolkentürmen. Wir versuchen etwas zu motoren als der Wind wieder komplett ausbleibt, doch auch das ist mühsam. Unser Autopilot gibt den Geist auf und wir müssen von Hand steuern. Bald setzt ein leichter Wind ein, wir segeln und die Hydrovane steuert wieder.
Am nächsten Morgen gelingt die Reparatur des elektronischen Autopiloten, wir haben einen Antriebsriemen als Ersatzteil an Bord. Unkompliziert ist die Reparatur nicht. Eine Schraube lässt sich bitten und muss ausgebohrt werden, sonst lässt sich die Verkleidung nicht öffnen.
Es ist heiß geworden. Wir schwitzen. In einer Nacht messen wir eine Tiefsttemperatur von 30 Grad. Die einzige Abkühlung ist ein Bad im 28 Grad warmen Atlantikwasser.
Als der Wind mal wieder einschläft, würden wir gerne einige Meilen nach Norden motoren, doch wir brechen den Versuch nach kurzer Zeit ab. Die kabbelige See stoppt uns auf. Marisol ist ein Segelboot und eher untermotorisiert, außerdem etwas zu schwer. Motoren ist nicht unsere Stärke. Wir beschließen die Etappe weiter ohne Motorunterstützung zu planen. Das bedeutet erstmal die Innertropische Konvergenzzone (ITCZ), das windarme Gebiet um den Äquator (auch Kalmen, Doldrums oder Rossbreiten genannt) mit seinen Schauern und Gewittern zu verlassen, auch wenn wir dabei nicht Kurs auf die Kapverden nehmen können.

Inzwischen sind wir schon über zwei Wochen auf See. Und, wie so oft auf längeren Überfahrten,  fließen die Tage ineinander. Schon wenig später weiß man nicht mehr, ob man das Schiff gestern gesehen hat, oder schon vorgestern?
Ein sehr ruppiger und anstrengender Tag lässt uns grübeln, ob wir diese Art des Reisens bis zu den Kapverdischen Inseln durchhalten können. Nachdem wir die ITCZ verlassen haben und stetiger Passat einsetzt, ist es deutlich rauer als erhofft. Es ist laut, irgendwo vibriert es, Mari knallt in die Wellen. Wir müssen uns festhalten und schlafen können wir erst, als wir völlig erschöpft sind. Doch dann lässt der Wind etwas nach, wir kommen langsamer voran, aber das Leben an Bord ist wieder schön. So segeln wir nun seit einigen Tagen. Einziger Wermutstropfen: die Richtung stimmt nicht so ganz. Segeln wir diesen Kurs immer weiter, landen wir in Neufundland. Der Wind weht stetig aus Nordost manchmal Nordnordost und der Strom schiebt uns nach Westen.
Gestern haben wir gewendet und segeln nun nach Osten. Kreuzen auf dem offenen Ozean. Unsere zu segelnde Strecke verlängert sich um einige hundert Meilen. Es soll einen äquatorialen Gegenstrom geben der, entgegen des Stroms am Äquator, nach Osten fließt. Das Wetterprogramm zeigt ihn nicht, aber wir denken, dass wir ihn gefunden haben könnten. Zumindest scheint er uns ganz leicht nach Osten zu versetzen.
Die Vorhersage meint es gut mit uns, südlich der Kapverden sollen die Bedingungen moderat bleiben, hoffen wir, dass das Wetter sich an die Vorhersage hält.

Anders als südlich der ITCZ, wo der Himmel blau und der Horizont messerscharf war, wo wir Schiffe (ihren Aufbau) selbst tagsüber auf zwölf Meilen sehen konnten, erscheint der Himmel merkwürdig schmierig und die Sicht ist ungewöhnlich schlecht. Nachdem Mari vom Regen so wunderbar sauber gewaschen worden war, wurde sie an den rauen Segeltagen mit einer dicken Salzschicht überzogen, auf die sich nun eine Schicht ganz feinen, braunen Sahara-Staubs gelegt hat und sich zu einem seifigen Matsch verbunden hat. Vor ein paar Tagen näherte sich abends eine merkwürdig aussehende Wolke. Am nächsten Morgen sahen wir die Sandschicht an Deck, auf allen Flächen, an allen Leinen, an den Antennen, auf Unter- und Oberseite des Biminis. Ein Gruß der Sahara!

Unser Frischproviant ist auf drei Süßkartoffeln, Zwiebeln, Knoblauch und neun Äpfel zusammen geschmolzen. Ob wir auf den Kapverden ankommen, bevor es das morgendliche Müsli ohne Apfel geben muss?

Ascension: Vulkane, Antennen und Schildkröten

Montagmorgen gehen wir an Land. Was sich so unspektakulär anhört ist aus Seglersicht bereits eine der Attraktionen Ascensions. Je nachdem wie hoch die Wellen sind ist es interessant, sportlich oder unmöglich. Freunde hatten uns ein Foto der Pier geschickt und uns Instruktionen gegeben. Das war sehr hilfreich. Zwischen zwei großen Festmachertonnen hängt eine dicke Festmacherleine. An diese binden wir unser Schlauchboot. Dann ziehen wir das gelbe Boot zu uns heran, das mit einer Leine mit der Pier verbunden ist und mit der zweiten Leine, die auch zur Pier läuft, über eine Rolle, am Festmacher befestigt ist. Wir klettern nun ins gelbe Boot und nutzen es als Fähre. Wir ziehen uns selbst mit einer der Leinen zur Pier. Hier gibt es eine Treppe und Leinen zum Festhalten, so dass es meistens nicht schwierig ist auf die Pier zu klettern, allerdings häufig nass. Bei Hochwasser steht der Anleger unter Wasser.
Im Hafenbüro füllen wir ein paar Seiten aus, bezahlen Gebühren, bekommen eine Karte der Insel und werden zur Polizei geschickt, die die Immigration übernimmt. Für Ascension ist ein Visum nötig, das wir aus Namibia beantragt und bezahlt hatten und das, nachdem wir eine Krankenversicherung nachgewiesen hatten, bewilligt wurde. Wir können nicht nur ein- sondern auch gleich wieder ausreisen. Weil Segler oft Probleme haben an Land zu gehen, gibt es diese unkomplizierte Lösung. Wir erfahren, dass eine Einreise auch am Sonntag möglich gewesen wäre. Uns hat es nicht gestört einen Tag am Anker zu verbringen, wir haben viele kleine Dinge erledigt, Kuchen gebacken und die Weiterreise vorbereitet.

Wir sehen uns in Georgetown um. Der Ort ist klein und sehr ruhig. Wir besuchen die kleine Kirche, ein Fort und sehen uns die Schildkrötenbecken an, in denen früher die Schildkröten als Frischproviant „aufbewahrt“ wurden. Nachdem wir anschließend auf die andere Seite des Orts zum Friedhof gelaufen sind, haben wir wirklich alles gesehen.
Im Supermarkt gibt es Cherry-Tomaten. Wir essen Montagabend alle Tomaten auf, weil sie so lecker sind und wir lange keine Tomaten gegessen haben. Danach gibt es leider keine Tomaten mehr, dafür Salat! Zwei Abende nacheinander gibt es grünen Salat auf Marisol. Ein seltenes Vergnügen!

Dienstag schaffen wir es erneut an Land. Bei der Polizei fragen wir nach einem Mietwagen. Die Frau von Immigration vermietet ein Auto, wir können es gegen Mittag abholen. Wir vertreiben uns die Zeit in Georgetown. Das ist gar nicht so einfach. Der Ausblick von Fort Hayes ist schön, vorm geschlossenen Museum sitzen wir ein bisschen im Schatten und im Supermarkt kaufen wir Wasser. Auf unserer Rundfahrt fahren wir fast alle Straßen der Insel ab, die Sandpisten schaffen wir nicht alle. Auch wenn unser Allradwagen spielend damit zurechtgekommen wäre.

Ascension hat mit 88 km2 ungefähr zwei Drittel der Größe von St. Helena. Der höchste Berg ist Green Mountain mit 859 m. Damit ist die Insel etwa genauso hoch wie St. Helena, sieht aber ganz anders aus. Die vulkanische Vergangenheit Ascensions ist auf den ersten Blick sichtbar. Schwarzes Gestein, braune Krater, rote Kegel und schroffe Formationen. Green Mountain ist heute bewachsen. Der Wald auf dem größten Berg der Insel wurde im 19. Jahrhundert angepflanzt. Als die Engländer sich die Insel unter den Nagel gerissen haben, hauptsächlich damit die Franzosen sie nicht bekommen, war die Insel sehr karg. 1836 kam Charles Darwin hier vorbei und schrieb später man könne die Insel in eine grüne Oase verwandeln. Joseph Hooker, der Arzt auf der Ross Expedition in die Antarktis, war leidenschaftlicher Botaniker und überzeugte die Admiralität nach seiner Rückkehr, dass man durch Bepflanzung der Insel die Regenmenge erhöhen, Erosion vermindern und die stationierten Soldaten verpflegen könnte. Zwischen 1847 bis 1850 wurden 330 Bäume und Sträucher aus Kew Gardens, wo Hookers Vater praktischerweise Direktor war, auf die Insel gebracht. Der Erfolg stellte sich umgehend ein. In den folgenden Jahren wurden weiter viele Pflanzen eingeführt. Heute gibt es in der Inselmitte einen Wald, dessen Pflanzen von überall auf der Welt stammen und von denen im 19. Jahrhundert jemand in England glaubte sie würden sich auf Ascension wohlfühlen.
Die Straße ist sehr steil und wir müssen in den Haarnadelkurven zum Teil zurücksetzen. Belohnt wird der Weg auf den höchsten Berg mit einem tollen Ausblicken, Waldluft (eine schöne Abwechslung) und kühleren Temperaturen.
Mir gefällt es jedoch am besten am Devils Ashpit im Osten der Insel. Früher war hier ein Beobachtungszentrum der NASA. Nun ist es sehr ruhig hier oben und man hat einen schönen Blick auf die raue Küste.
Ascension hat gleich mehrere schöne goldene Strände. An Hannays Beach brechen die Wellen auf den umliegenden Felsen und es gibt „Blowholes“ durch die das Wasser in hohen Fontänen schließt. Comfortless Bay, der letzte Stopp unserer Rundfahrt, hingegen präsentiert sich sehr friedlich und lädt durchaus zum Baden ein. Um die Insel gibt es nicht nur starke Strömungen, es gibt auch ein „Hai-Problem“. Die Haie finden es vermutlich nicht problematisch. Es gibt hier viele Haie und ist zu Unfällen gekommen. Wir lernen, dass Angestellte der Regierung nicht baden dürfen.
Auf der Insel laufen Esel und Schafe herum, die man wohl irgendwann freigelassen hat. Als wir das Auto um viertel nach Vier wieder vor der Polizeiwache parken (Schlüssel steckt, Geld im Handschuhfach) ist keine Menschenseele zu sehen, nicht auf der Hauptstraße, dem zentralen Platz oder am Hafen, dafür kaut ein Schaf auf der Kreuzung an einigen Halmen.

Ascension hat keine permanenten Bewohner, alles Land gehört dem Staat und man kann keinen Grundbesitz erwerben. Das Aufenthaltsrecht ist an die Arbeitsstelle geknüpft. Wenn man sich auf der Insel umsieht, bekommt man eine Idee der großen Arbeitgeber. Ascension erinnert an ein Antennenmuseum. Hier gibt es Einrichtungen verschiedener Telekommunikationsunternehmen, der BBC, der esa und des Militärs. Angehörige der Royal Air Force wohnen in der Inselmitte in Travellers Hill, die US-Basis befindet sich am Flughafen im Süden der Insel. Der vierte Ort (mit Georgetown im Westen) ist ebenfalls in der Inselmitte und heißt Two Boats Village. Alle Orte sind sehr übersichtlich. Gemessen an den etwa 800 Bewohnern gibt es unglaublich viele Fahrzeuge, Kräne, Gabelstapler, Müllautos, Straßenkehrmaschinen, kleine LKW und sehr viele Autos.

Die Schildkröten

Als wir Sonntagmorgen, nach unserer ersten Nacht in Clarence Bay, an Deck kommen, fällt uns der äußerst unordentliche Strand auf. Das sah doch gestern noch nicht so aus! Dann entdecken wir die Schildkröten.
Long Beach, der Strand vor dem wir ankern, ist einer der Strände, an dem die Grünen Meeresschildkröten ihre Eier ablegen.
Die Grünen Meeressschildkröten (Chelonia mydas) des Südatlantiks wohnen vor der Küste Brasiliens. Weihnachten 2017 haben wir von Salvador aus ein Schildkrötenzentrum besucht und erfahren, dass die Tiere eine unglaubliche Reise durch den Südatlantik unternehmen. Nun schließt sich gewissenmaßen der Kreis und wir sind am Ziel ihrer Reise angelangt. Die Schildkröten grasen auf den Seegraswiesen entlang der endlosen Strände Bahias und kommen zur Paarung und Eiablage nach Ascension. 2200 km schwimmen sie in knapp zwei Monaten, paaren sich vor Ascension, legen hier ihre Eier ab und schwimmen dann wieder nach Brasilien. Während der gesamten Reise fressen die Tiere nicht.
30 Tage nach der Paarung, macht sich das Weibachen nachts auf den Weg an den Strand, gräbt ein tiefes Loch, legt über hundert Eier ab, bedeckt sie mit Sand und geht zurück ins Wasser. Nach einer Erholungspause kann sie sich (mehrfach!) erneut paaren und Eier ablegen. Nach 60 Tagen schlüpfen die Jungen und müssen als erstes Abenteuer ihres Lebens den weiten Weg ins Wasser bewältigen.
Auf Ascension werden etwa 25.000 Nester pro Jahr mit geschätzten drei Millionen Eiern anlegt. Aus den wenigsten Eiern werden erwachsene Schildkröten. Das Schildkrötenleben ist insbesondere am Lebensbeginn sehr gefährlich. Wenn die Schildkröten jedoch erwachsen werden, geschlechtsreif sind sie erst mit 25 Jahren, kehren sie zur Eiablage an ihren Geburtsstrand zurück.
Für das Schildkröten-Weibchen ist die Reise und mehrfache Eiablage so anstrengend, dass sie den Weg nur alle drei bis vier Jahre auf sich nimmt und sich dazwischen erholen muss.
Jeden Morgen beobachten wir bei Sonnenaufgang wie die letzten Schildkröten ins Wasser zurückkehren. An den Stränden sehen wir die großen Krater, die die Weibchen graben, und die tiefen Spuren im Sand.
Mittwochmorgen stellen wir uns den Wecker und fahren früh an Land. Nun können wir ganz aus der Nähe beobachten, wie die Schildkröten mit den Vorderflossen die Eier mit Sand bedecken und sich dann mühsam wieder ins Wasser schleppen. Der Weg durch den tiefen Sand ist ohnehin schon beschwerlich genug, wird durch die viele Krater, die die Kolleginnen gegraben haben jedoch noch anspruchsvoller. Wir können die Erleichterung regelrecht spüren, wenn das kühlende Atlantikwasser endlich über dem Panzer zusammenschlägt.
Der Morgen ist wunderschön, die Sonne geht über Long Beach auf und wir sind ganz allein am Strand (abgesehen von Schildkröten, Krabben und Fregattvögeln). Und dann sehen wir auch noch einige Schildkrötenbabys, die, frisch geschlüpft, auf dem Weg ins Wasser sind. Eigentlich sollten sie diesen gefährlichen Weg im Schutz der Dunkelheit zurücklegen, um ihre ohnehin geringen Überlebenschancen zu maximieren. Die Fregattvögel kreisen über dem Strand und warten auf ausgebuddelte Eier und Schildkrötenbabys. Nobbi hat ein weiches Herz und bewacht den Weg eines Spätkommers bis zur Wasserkante. Viel Glück, ihr kleinen Schildkröten!
Wir frühstücken am Picknickplatz bei den Schildkrötenteichen mit Blick auf den langen Strand, genießen das Gefühl einem ganz besonderen Naturschauspiel beigewohnt zu haben und gehen anschließend in das kleine Schwimmbad. Hier genießen wir eine ausgiebige Frischwasserdusche.

Der Rückweg an Bord ist etwas aufregender als uns lieb ist. Der Schwell hat zugenommen, an der Festmacherleine haben sich die Boote verknotet. Bis wir unser Schlauchboot bestiegen und befreit haben, haben wir uns einige Kratzer zugezogen und sind ordentlich ins Schwitzen gekommen. Auf der Dinghifahrt beten wir jeder still vor uns hin, dass der Motor nun nicht ins Stocken geraten möge. Die Wellen donnern neben uns auf die Steine, weißer Schaum fließt um die schwarzen Felsen. Der Rumpf des Katamarans, der neben uns ankert, verschwindet aus unserer Schlauchbootperspektive immer wieder komplett zwischen den Wellen. Schließlich kommen wir bei Mari an, klettern an Bord und ziehen sofort das Schlauchboot am Fall hoch. Geschafft. Wir sind heil wieder an Bord.
Es ist mühsam das Boot zu putzen, die Luft abzulassen, es zusammenzurollen und unterm Salontisch zu verstauen, wenn man immer aufpassen muss, dass die nächste Welle einen nicht über Bord katapultiert. Der Außenborder muss in seiner Halterung am Heck geparkt werden und angebunden werden.
Die Wellen werden immer höher und an Bord ist es ungemütlich. Nun würden wir uns nicht mehr trauen mit dem Schlauchboot zum Anleger zu fahren. Wir hatten verdammtes Glück mit unserem Timing. Als unsere Nachbarn nachmittags heil zu ihrem Boot zurückkehren, sind wir sehr erleichtert.

Heute verlassen wir Ascension. Es gäbe noch so viel zu berichten, über die tausenden von Drückerfischen unter unserem Boot (die anscheinend unseren lästigen Bewuchs gefressen haben, wir danken!), die viele Antennen auf der Insel und die kurze Geschichte der Insel. Heute haben wir keine Zeit mehr die vielen tollen Fotos auszuwählen, zu beschriften und einzustellen. Das muss warten bis wir irgendwo angekommen sind.
Die Kapverdischen Inseln liegen 1600 Meilen nördlich. Auf direkten Weg werden wir sie vermutlich nicht erreichen können. Vor uns liegen unsere sechste Äquator-Überquerung und der Weg durch den Flautengürtel. Wir sind sehr gespannt, wie wir vorankommen werden.

Hier geht’s zu mehr Fotos:

Schönes Segeln nach Ascension

Der Sonntagmorgen beginnt mit einem Walhai neben dem Boot. Schon wieder. Daran könnten wir uns gewöhnen.
Bevor wir Anker auf gehen können, müssen wir noch einige Dinge erledigen. Die Gasflasche ist umgefallen und der Regler abgebrochen. Wir haben nun also eine frisch gefüllte Gasflasche, kommen aber nicht an den Inhalt. Nobbi durchsucht unsere Ersatzteilkiste und wir stellen fest, dass der Campinggas-Regler der französischen Flaschen auf unsere südafrikanische Flasche passt. Problem gelöst.
Nun nähen wir die Sprayhood. Statt der geplanten Reparatur nähen wir die Nähte ums Fenster nach. Das ist mühsam. Nobbi sitzt an Deck, ich stehe im Niedergang. Nobbi sticht von außen nach innen, ich wieder zurück. Wir trauen uns nicht die Sprayhood abzubauen, vielleicht verabschieden sich dann noch mehr Nähte. Die Nahtverbindungen des Fensters hatten nämlich aufgegeben als ich einen Flicken für den Schaden darüber abmessen wollte.
Mittags geht’s endlich los. Auf den ersten Meilen schüttelt der Seegang uns durch und wir sind noch im Windschutz St. Helenas, dann kommen wir in den stetigen Passat, den wir uns die ganze vorige Etappe gewünscht hatten.

Die folgenden Tage fließen wunderbar unaufgeregt in einander. Der Wind kommt aus Ost-Südost und weht mal mit vier bis fünf, mal mit fünf in Böen sechs. Wir segeln auf Backbordbug und schiften das Groß nur tagsüber für ein paar Stunden nach Steuerbord. Im „Schmetterling“, das Groß an Steuerbord, die Fock ausgebaumt an Backbord, können wir genau vor den Wind gehen und fahren etwas weiter nach Westen. So können wir ausgleichen, dass wir nachts östlich der Kurslinie stehen.
Ein Ozean-Segeltraum. Morgens dichtere Wolken, dann klart es auf, fluffige Wolken zieren den Abendhimmel, bevor es in eine sternenklare Segelnacht geht. Jeden Tag der gleiche Rhythmus. Das Meer leuchtet im schönsten Atlantikblau. Es wird immer etwas wärmer und bald können wir nachts wieder in kurzen Hosen im Cockpit sitzen.
Einziger Minuspunkt auf dieser Etappe ist das Kopfsteinpfaster. Es ist unruhig. So tief vorm Wind werden wir von einer Seite auf die andere geschaukelt, geworfen oder geschleudert. Wenn man sich im Sitzen sorgfältig verkeilt ist es gemütlich, auch in der Koje liegt man gut.

Die rollende Ereignislosigkeit wird nur gelegentlich unterbrochen. Einige Mahi-Mahis begleiten uns, die wunderschönen Golddoraden leuchten türkis, haben eine goldene Stirn und einen gelben Schwanz.
Wie sehen nur drei Schiffe. Ein Containerschiff unter zypriotischer Flagge, das Versorgungsschiff „Karoline“ kommt von Ascension zurück nach St. Helena und die Hong Kong Express. Als die Hong Kong Express im AIS auftaucht, denke ich: da wird Nobbi neidisch sein, ein Hapag-Lloyd-Schiff unter deutscher Flagge in meiner Wache. Als der Kapitän uns über Funk ruft springt Nobbi aus der Koje und ich lasse ihm den Vortritt. Wir erfahren, dass das 366 m lange Containerschiff auch auf Weltumsegelung ist. Nur hat es seine Runde bald nach nur 3 Monaten beendet. Es kommt von SriLanka und ist auf dem Weg nach New York. Der Kapitän und Nobbi stellen fest, dass sie auf dem gleichen Schiff gefahren sind. Allerdings nicht gleichzeitig. Eine kleine Welt.
Die nächste Unterbrechung unseres friedlichen Rhythmus ist weniger nett. Eine Kakerlake läuft gemütlich übers Bettlaken, als ich gerade in die Koje kriechen will. Nobbi fängt sie, oder ihn, tatsächlich in seinem Taschentuch und schenkt ihr eine Seereise ohne Boot.
Und schließlich gibt es einen ernsteren Zwischenfall. Der Lümmel bricht. Als wir kurz vor Sonnenuntergang ein Reff einbinden wollen kracht es und das Unterliek des Segels ist plötzlich lose. Der Bolzen, der Baum und Mast verbindet und am oberen Ende zwei Haken hat, um die Reffs einzuhängen, ist durchgebrochen. Zunächst binden wir Segel mit einer Leine an den Baum, doch schnell wird klar, dass das keine Lösung ist. Der abgebrochene Bolzen bewegt sich. Fällt er raus, ist der Baum nicht mehr mit dem Mast verbunden. Die Reparatur ist überraschend einfach, wir haben den alten Lümmel noch an Bord. In Neuseeland hatten wir ihn, auf Anraten des Riggers, der zum Check bei uns an Bord war, ausgetauscht. Nun drücken wir den abgebrochenen Bolzen mit dem alten und einigen liebevollen Hammerschlägen raus und der alte Bolzen nimmt seinen Platz ein. Warum der alte Bolzen 30 Jahre gehalten hat und der neue nur drei, wissen wir nicht. Schöner Nebeneffekt: der Haken des alten Bolzens sind irgendwie etwas anders geformt. Es ist viel einfacher das Segel zum Reffen einzuhängen. Wir hätten schon lange tauschen sollen.

Dank des lebendigen Schüttelkurses ist das Kochen zum Teil sportlich. Wir werden oft gefragt was wir unterwegs essen, deshalb gibt’s hier den Speiseplan dieser Etappe. Ihr seht, es gab noch frisches Gemüse an Bord. Das ist gut für den Speiseplan, aber schlecht für die Gewichtsbilanz. Wir haben nur eine Dose geöffnet. So werden wir nicht leichter. Vielleicht auf der nächsten Etappe.

Morgens haben wir Brot, später Knäckebrot, mit Marmelade oder Käse gegessen, wenn wir Frühstückshunger hatten. Das ist bei mir um sechs, bei Nobbi gegen zehn der Fall. Gegen Mittag gibt es ein Müsli mit Obst als zweites Frühstück. Abends koche ich und wir essen kurz vor Sonnenuntergang.

Sonntag: Bowl Marisol: Süßkartoffeln, Avocado-Creme, Gurke, Möhre, Ei
Montag: Kartoffelsalat, Würstchen, Gurke, Möhre (mittags: Avocado-Brot statt Müsli)
Dienstag: Zucchini-Möhren-Gemüse (scharf) mit Reis, Krautsalat, Grießbrei
Mittwoch: Puffer aus Möhre, Zucchini, Bulgur, Linsen, Zwiebeln, Ei und Mehl, Grießbrei
Donnerstag: Paprika-Zucchini-Tomaten-Sahnesoße mit Nudeln, Vanillepudding
Freitag: Möhren-Paprika-Sahnesoße mit Kartoffelbrei, Vanillepudding

Auf Saint Helena habe ich mir ein Paket Sahne gegönnt, deshalb gibt es nun Sahnesoßen bis das Päckchen leer ist. Nach der Ankunft gab es eine Auberginen-Tomaten-Sahnesoße.
In Namibia hatte ich Sundowner-Dosen entdeckt, die wir nun auf dieser Etappe getrunken haben. Die drei unterschiedlichen Gin-Tonic Dosen waren sehr lecker, Strawberry- Daiquiry schmeckte so künstlich wie der Name vermuten lässt, Tropical Sunrise schmeckte zum Sunset ganz gut und der Pina Colada roch immerhin nach Kokos. Die Getränke Auswahl zum Sundowner hat nun wieder Bordstandard erreicht. Es gibt Bier.

Samstagnachmittag (5. April) erreichen wir nach ziemlich genau sechs Tagen Ascension. Die Insel steckt in einer dunkeln Wolke und die Böen nehmen unnötigerweise auf 30 Knoten zu. Wir können bis zum Ende segeln. Den Ankerplatz zwischen Bojenfeld und einer schwimmenden Pipeline zu finden ist nicht schwierig. Unser Anker fällt auf 14 m in klares Wasser und gräbt sich sofort ein.
Einklarieren können wir erst am Montag, hier ist Wochenende. Wir freuen uns auf einen entspannten Anker-Sonntag und darauf diesen merkwürdigen britischen Außenposten zu erkunden.

Ein schöner Blick auf Jamestown.
Bei der Abfahrt von St. Helena hat Manuela uns fotografiert.
Ascension versteckt sich in einer Wolke.
Ankunft am Ankerplatz. Den Baum haben wir bei der Abfahrt in St. Helena geriggt und erst nach der Ankunft wieder abgebaut.

Walhaie, Napoleon und Inselleben

120 km2 ist St. Helena klein, größer als Sylt aber kleiner als Fehmarn, und hat 4500 Einwohner, Tendenz abnehmend. Viele Saints gehen zum Arbeiten nach Ascension, Tristan da Cunha oder nach Großbritannien.
Uns gefällt das Inselleben. Im Radio erfahren wir nicht nur welche Straßen erneuert werden, sondern auch wer ein Auto verkauft und welche Veranstaltungen am Wochenende anstehen. Auch der Musikgeschmack der Saints ist uns sehr sympathisch, rockige Oldies und Country-Songs wechseln sich ab. Nobbi liest „The St. Helena Independent” und erfährt, dass Küken geliefert wurden, Lehrer dringend gesucht werden und die Stadtpier umgestaltet werden soll.
Das Versorgungsschiff ist letzte Woche gekommen. Nun werden die Container nach und nach entladen. Alle Waren müssen durch den Zoll. Viele Bewohner warten auf kleine Pakete oder auf große Lieferungen. In einigen Containern steckt unter vielen Kartons ein Auto und es gibt wieder Bier auf der Insel. Für uns ist es interessanter, dass das Gemüse ausgeladen wurde. Die Möhren, die wir morgens auf der Pier sehen, landen nachmittags bei uns an Bord – mit einem kleinen Umweg über den Laden. Einkaufen ist eine komplexe, aber auch unterhaltsame Angelegenheit. Einen Einkaufszettel braucht man nicht, man kauft was es gibt. Einmal erstehen wir das letzte Bund Pak Choi, am darauffolgenden Tag finden wir einige Gurken und freuen uns sehr als wir 24 Eier kaufen können.

Uns bringt ein Taxiboot an Land. Wir fahren also nicht mit dem eigenen Dinghi, sondern rufen das Taxi über Funk. Normalerweise zur vollen Stunde, manche Taxiboot-Kapitäne sehen das nicht so eng und transportieren einen jeder Zeit. Das Return-Ticket kostet 2,50 £ pro Person. Das Übersteigen aufs Boot ist oft recht sportlich. Auch der Weg vom Taxiboot auf die Pier ist manchmal spektakulär. Über der Pier hängen dicke Tampen, an denen man sich nicht nur hervorragend ins Hafenbecken schwingen kann, sondern die einem auch helfen auf die Pier zu gelangen.

Mari rollt im Schwell.
Das Taxiboot kommt an.
Die Taue helfen beim Übersteigen.
Die kleine Mari vor den großen Felsen.

Am Mittwoch, unserem zweiten Tag auf St. Helena, ist abends „Fish Fry“. Wir sitzen im Sonnenuntergang, tauschen uns mit anderen Seglern aus, treffen Taucher und Einheimische und essen Thunfisch, Muräne und Pommes. Zur Feier des Tages gibt es ein Taxiboot um halb zehn, die Segler sind also ausnahmsweise nicht ab 19 Uhr an Bord.

„Fish Fry“ auf der Pier vorm Yacht Club.
In der Abendsonne.
Beim Segler-Schnack.
Sonnenuntergang.

Von Januar bis März sind häufig Walhaie in den Gewässern um St. Helena unterwegs. Wir melden uns für einen Ausflug an. Zusammen mit den Crews von zwei anderen Booten und einem netten Paar aus Berlin, fahren wir mit einem Motorboot raus. Die ersten Walhaie, die wir sehen, sind nicht an Kontakt interessiert. Der Seegang ist hoch und es ist nicht besonders gemütlich an Bord. Die Suche bleibt zunächst erfolglos, wir finden keine weiteren Tiere. Doch als wir auf dem Rückweg sind und unser Guide beschlossen hat, dass wir uns im Süden der Insel auf die Suche machen, ist er (oder sie ?) plötzlich da. Wir springen ins Wasser und schwimmen mit dem riesigen Tier. Er schwimmt immer wieder um uns herum. Es ist ausgesprochen imposant, wenn ein Tier in der Größe eines Busses auf einen zukommt. Das Wasser ist glasklar und die Sicht fantastisch. Ganz beseelt klettern wir zurück an Bord.

Warten auf den Walhai.
Die karge Küste.
Die tollen Bilder vom Walhai hat Bodil gemacht und sie mit uns geteilt.

Es wird Zeit St. Helenas berühmtestem Bewohner einen Besuch abzustatten. Oder zumindest dem Haus in dem er lebte und seinem (leeren) Grab. Von 1815 bis 1821 war Napoleon Bonaparte auf St. Helena in der Verbannung. Weil das Haus, in dem er untergebracht werden sollte, noch nicht fertig gestellt war als er auf der Insel ankam, lebte er zunächst für zwei Monate in Briars Pavillon. Das kleine Haus kann man freitags zwischen zehn und elf besichtigen. Zusammen mit Freunden haben wir ein Taxi gemietet, das uns dort hinbringt. Anschließend fahren wir zum Longwood House. Hier lebte Napoleon mit seiner Gefolgschaft, bzw. denen die nicht das Weite suchten, bis zu seinem Tod. Genau wie Napoleon gefällt Nobbi das erste Haus besser. Napoleons Aufenthalt auf der kleinen Insel brachte große Veränderungen für die Einwohner. Plötzlich gab es viel mehr Bewohner, Ausgangssperren und viele Verbote.
Der Taxifahrer bringt uns nicht wie vereinbart zu Napoleons Grab, sondern zurück nach Jamestown. Wir sind böse, aber Diskussionen helfen nicht. Das Grab wollen wir trotzdem sehen. Wir fragen uns durch und finden einen Bus, der uns wieder auf den Berg bringt. Die Busfahrt macht Spaß und der Fußweg zum Grab im Sane Valley ist schön. Der Leichnam des ehemaligen Kaisers oder das was davon übrig ist, liegt jedoch nicht mehr hier. 1840 wurde er umgebettet und im Invaliden-Dom bestattet. Die nächste Station unserer Napoleon-Tour liegt also in Paris, muss aber noch etwas warten. Der Ausflug hat uns gefallen. Auch, weil wir so Gelegenheit hatten etwas vom grünen Inselinneren zusehen.
Den Abend lassen wir mit einem Glas Rotwein ausklingen. Gewissermaßen mit Napoleons Rotwein. In Kapstadt haben wir einen Rotwein von Groot Constantia gekauft, dem Weingut, dessen Wein auch für den Kaiser der Franzosen nach St. Helena geliefert wurde. Auf die Idee hat uns unser Guide bei der Stadtführung in Kapstadt gebracht.

Briar Pavillion, die vorübergehende Unterkunft.
Unterwegs mit Manuela.
Longwood House.
Napoleon hat gerade abgelegt
Hier soll er täglich gebadet haben.
Der Garten von Longwood House.
Ein schöner Fußweg führt zum Grab.
Napoleons vorletzte Ruhestätte.
Blick ins Tal
Die Inselmitte ist sehr grün.

Zwischendurch spazieren wir durch das hübsche Jamestown (fast alle Häuser stehen unter Denkmalschutz), sehen uns das kleine Museum an und schnorcheln entlang der Felsen an der Pier. Der Fischreichtum und die Vielfalt sind beeindruckend. Im Kombination mit dem klaren tiefblauen Wasser ein außerordentlich schöner Schnorchelplatz. Am Ankerplatz suchen sehr große Fische unter Mari Schutz, wir sehen einen Manta, Schildkröten und einen Walhai.

St. Helenas raue Küste.
Hier ist das Museum untergebracht. Die Kanone darf nicht fehlen.
Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet.

Wir sind ein wenig im Langfahrer-Stress. Auf dem Weg hierher haben wir nur wenig Diesel verbraucht, füllen aber trotzdem einen Kanister. Ein Freund lässt seine Gasflasche füllen, wir beschließen uns anzuschließen. Leider rennen wir dann zwei Tage unserer Flasche hinterher. Mehrfach müssen wir zur Tankstelle laufen und darum bitten den Gasmann anzurufen. Bald kennt man uns dort schon. Schließlich kommt unsere Flasche gefüllt zurück. Die Wäsche von der Überfahrt liegt gewaschen und duftend im Schrank. Nobbi hat die Stopfbuchse nachgezogen und zwei neue USB-Steckdosen eingebaut, nachdem eine unterwegs die Arbeit eingestellt hatte.

Morgen (Sonntag) soll es weiter gehen. Zwar hätten wir Lust St. Helena noch weiter zu erkunden, doch die Zeit für den Weg nach Norden ist gekommen. Außerdem ist es am Ankerplatz doch recht rollig. Die ersten beiden Nächte bin ich nachts in die Seekoje umgezogen und habe mich mit Kissen so eingekeilt, dass ich nicht zur Seite rollen kann, weil ich sonst nicht schlafen konnte. Anfang der Woche soll der Schwell wieder deutlich zunehmen, ein guter Anlass weiterzusegeln. Nobbi springt ins Wasser, um den Log-Impeller gängig zumachen und das Unterwasserschiff zu putzen und bekommt dabei Besuch! Ein Walhai beäugt ihn neugierig. Ich rufe die Nachbarn, die ins Dinghi springen und werfe mich in meinen Badeanzug und lasse mich ins Wasser fallen. Wir schnorcheln mit dem großen Tier, das fünf Kreise um Mari zieht, bevor er verschwindet. Ein wunderschöner Abschied von Saint Helena!
Ascension liegt 700 Meilen nordwestlich von St. Helena und wir rechnen mit sechs Segeltagen dahin,

Unter den Beiträgen von der Überfahrt nach St. Helena sind nun auch Fotos.

Walhai vorm Bug,
Walhai längsseits.

Ankunft auf Saint Helena

„Marisol, Marisol for Cruise-Ship Europa!“ Samstagnachmittag sitzen wir im Cockpit und philosophieren über die Langsamkeit. Dazu gibt es reichlich Anlass, wir sind mal wieder mit weniger als drei Knoten unterwegs. Der Kapitän der Europa ruft uns. Das Kreuzfahrtschiff wird St. Helena Sonntagmorgen erreichen. Nobbi freut sich über die nette Unterhaltung und wir erfahren, dass die MS Europa auf dem Weg nach Europa ist, der nächste Passagierwechsel steht in Madeira an. Nobbi interessiert sich besonders für die Besatzung, wie lang sind die Einsätze und hat die Crew Chance Saint Helena zu sehen. Die Europa verschwindet in Richtung des messerscharfen Horizonts und wir sind wieder allein in unserem Paralleluniversum. Zeit für einen weiteren Apfelkuchen und ein neues Buch.

Als wir nachmittags der Europa hinterher blicken sind wir zuversichtlich, dass wir St. Helena am Montag erreichen werden. Die Nacht bringt Ernüchterung. Der versprochene Wind ist nicht gekommen. Mit zwei bis drei Knoten kriechen wir durch die Nacht.
Der Abend war unnötig ereignisreich. Der Wind dreht und wir nehmen das Groß auf die andere Seite. Dabei entdeckt Nobbi einen Riss an der Vorderkante der Sprayhood. Wir versuchen ihn zu kleben. Aber keins der Tapes will halten. Wir verschieben die Reparatur. Inzwischen hat der Wind wieder zurückgedreht und wir nehmen das Groß wieder zurück nach Steuerbord. Als ich in die Koje kriechen will, höre ich ein leichtes Fiepen. Es kommt von einem Wasseralarm. Leider, ist es der Wasseralarm, der in der Bilge mit der Logge ist, darüber ist das Fach mit Konserven und Gläsern. Wir räumen es aus. Die Bilge ist staubtrocken. Nun gilt es alle Konserven wieder einzuräumen. Ein Fehlalarm ist natürlich viel besser, als ein echter Alam. Aber trotzdem. Warum immer im Dunkeln?

Sonntagmorgen haben wir ein kleines Tief. Kein meteorologisches, ein motivatorisches. Der Wind lässt noch immer auf sich warten. Mit zwei Knoten Fahrt fühlen wir uns wie Treibholz.
Nachmittags nähert sich eine Schauerwolke. Mit dem Regen setzt der Wind ein. Wie auf Schienen rauschen wir mit 5 bis 7 kn dahin. Nach einer Stunde ist die Wolke verbraucht. Umlaufend null. Nichts. Kein Lüftchen. Das Heck knallt in die See. Die Segel hängen schlapp am Mast. Dann setzten wir uns wieder ganz gemächlich in Bewegung. Mit wenig Wind geht es auch durch diese Nacht. Immerhin. Es ist sternenklar und die Nachtwachen sind ein astronomisches Vergnügen. Erst im Laufe des Tages kommt der Wind. Endlich richtig schönes Passatsegeln.
Das Wasser ist inzwischen 25 Grad warm, die Nachmittagsdusche hat also eine angenehme Temperatur. Beim Abendessen haben wir St. Helena in Sicht. Die Insel wird vom Sonnenuntergang dramatisch beleuchtet. Gegen 21 Uhr ruft Nobbi St. Helena Radio und kündigt unsere Ankunft an. Die nette Dame am Funk hofft „I hope you like my Island“. Das ist doch mal eine nette Begrüßung! Die letzten Segelstunden sind ein reines Vergnügen. Stetiger Wind, eine sanfte Welle und dieser atemberaubende Sternenhimmel. Wir runden die Nordspitze St. Helenas und der Leuchtturm Buttermilk Point kommt in Sicht.
Morgens um ein Uhr fällt der Anker vor Jamestown. Tief ist es hier. Wir sind froh, einen Spot gefunden zu haben, an dem wir 21 m Wassertiefe haben. Wir teilen uns ein Bier und fallen in die Koje. Für die 1274 Meilen haben wir zwei Wochen gebraucht. Sehr viel länger als erwartet. Trotzdem war es eine schöne Überfahrt.

Fluffige Passatwolken.
Die Europa verschwindet gen Horizont.
Land in Sicht!

Dienstagmorgen regnet es! Ein richtiger Schauer!
Im Ankerfeld entdecken wir mehrere bekannte Yachten. Nobbi setzt die Gastlandflagge und funkt Port Control an. Wir dürfen zum Einklarieren an Land kommen. Die Einreise erfolgt zügig. Erst geht’s zum Hafenbüro, dann kümmern sich zeitgleich Immigration und Customs um uns. Wir müssen eine Krankenversicherung nachweisen, füllen ein paar Seiten aus, bezahlen eine Gebühr und bekommen einen Stempel in den Pass.
Zunächst unternehmen wir einen kleinen Erkundungsspaziergang entlang der Hauptstraße, die Beine freuen sich über Aktivität. Sofort fällt auf, dass die Saints, so nennen sich die Bewohner, unglaublich nett sind. Man grüßt sich, nickt sich zu oder lächelt. Bei der Bank stellen wir uns in die Schlange. Es gibt keinen Geldautomaten auf St. Helena und wir brauchen Bargeld. In Kapstadt waren alle Versuche an Britische Pfund zu kommen gescheitert. Viele Geschäfte nehmen keine internationalen Kreditkarten. Eine App hilft, man kann eine virtuelle Kreditkarte der Bank of St. Helena bekommen. Mit dieser App kann man in vielen Läden zahlen. Der Bankbesuch ist ein Genuss, die Dame ist so unglaublich nett, da macht es richtig Spaß seine Kreditkarte über den Tresen zu schieben.
In einem der Supermärkte kaufen wir ein, in der Touristen-Information lernen wir, welche Insel-Attraktionen wann geöffnet haben und in der Sandwich-Bar essen wir zu Mittag. Bei der Post bekommen wir Briefmarken für unsere Karten. Von den Postkarten, die wir aus Kapstadt verschickt haben, hat keine einzige den Empfänger erreicht. Der Mann hinterm Schalter war gleich so merkwürdig…
Ich finde, dass wir für den ersten Tag genug erlebt haben, als Nobbi beschließt, dass wir noch „mal eben“ die Jakobsleiter hochlaufen könnten. 699 Stufen verbinden Jamestown mit der Siedlung auf dem Berg. Die Treppe ist 248 m lang und überwindet 180 Höhenmeter. Nachts ist sie beleuchtet, wir sehen sie vom Ankerplatz. Jeder Besucher „muss“ dort hochlaufen. Es regnet zwischendurch ein bisschen, aber wir schnaufen wie zwei kleine Loks die Stufen hoch. Für die Beine zweier müder Segler, die zwei Wochen auf einem Boot rumsaßen, ist das etwas mühsam. Den Rekord von etwas über vier Minuten verpassen wir deutlich. Die Aussicht auf Jamestown ist sehr schön, heute sogar mit Regenbogen. Wir sehen uns oben noch etwas um und machen uns dann an den Abstieg.
Ausgerechnet auf der Jakobsleiter treffen wir Freunde. Nach einem ausgiebigen Schnack, verabreden wir uns im Yachtclub. Wir warten auf die beiden, während sie den Aufstieg absolvieren.
Leider regnet es jetzt richtig. Auch während der Rückfahrt zum Boot regnet es ausgiebig. Nicht nur Mari hat die überfällige Dusche bekommen, auch wir sind nass.
St. Helena ist uns sehr sympathisch, doch für den ersten Tag war das Programm etwas zu ambitioniert. Wir sind müde.

Als Nobbi die Flaggen setzt regnet es.
Die Hafenbehörden sind in diesem hübschen Gebäude untergebracht.
Die Hauptstraße von Jamestown.
Die Jakobsleiter hat 699 Stufen.
Aufbruchs-Selfie.
Nobbi hat es fast geschafft.
Jamestown unterm Regenbogen.
Runter ist einfacher als hoch. Manuela hat uns fotografiert.