Stadtleben in Nouméa

Die Tage in Noumeá vergehen schnell. Morgens geht’s als erstes in den Supermarkt oder zur Bäckerei um ein Baguette fürs Frühstück zukaufen, ein bisschen Bootsgetüddel, ein paar Erledigungen, ein Plausch mit anderen Seglern.
Es wird Zeit für ein wenig Kulturprogramm. Direkt neben der Marina auf einem großen Parkplatz findet die Foire du Pacifique statt. Eine Messe mit Gästen aus Wallis und Futuna und Vanuatu. Auf dem Gelände gibt es Stände mit Tourismus-Infos, Kunsthandwerk, Kleidung, Blumen, Pflanzen, Gemüse und ganz viel Essen. Auf der Bühne gibt es ein abwechslungsreiches Programm mit Tänzen und Musik. Wir treiben uns gleich zwei Nachmittage auf dem Gelände herum, beobachten das Treiben, lachen mit den Leuten vom Gemüsestand, die uns jedes Mal wenn wir vorbeikommen einen großen Korb Gemüse verkaufen wollen, zunächst ernsthaft, schließlich als Scherz, wir müssen alle schon lachen wenn der Verkäufer „légumes“ ruft und schauen was auf der Bühne passiert. Eine Band aus Vanuatu macht tolle Musik, eine Gruppe aus Wallis führt interessante, aber etwas ermüdende Tänze auf, irgendjemand aus dem Rathaus hält eine endlose Rede und die Gruppe aus Nouméa reißt mit ihren rhythmischen Tänzen das Publikum mit. Mit platten Füßen geht es schließlich wieder zurück zum Schiff, allerdings nicht allein. Eine Schnitzerei hat ein neues Zuhause gefunden.
In Nouméa gibt es ein Aquarium, da es in einem Teil der Stadt liegt, den wir bisher noch nicht kennen, nutzen wir die Gelegenheit. Wir nehmen mal wieder den Bus und sehen uns zunächst das Aquarium an. Die Lebensbereiche Mangroven, Seegras, Riff und Tiefsee werden vorgestellt. Das Haus ist stolz auf seine fluoreszierenden Korallen und die Nautilusse, mir gefällt der Oktopus am besten. Hinterher beobachten wir am Plage Anse Vata die Wassersportler. Surfer und Wingfoiler haben bei frischem Wind sichtbar ihren Spaß.
Als wir auf dem Place des Cocotiers ein Kokoseis essen, fällt unser Blick aufs Musée de la Ville. Das könnten wir uns auch ansehen. Warum nicht sofort? Das kleine Museum zeigt die Geschichte Nouméas und ist in einem schönen historischen Gebäude, das zunächst eine Bank und dann das Rathaus war, untergebracht.
Will man mehr über ein Land lernen, sind offizielle Kultureinrichtungen interessant, bessere Einblicke bekommt man jedoch wenn man am richtigen Leben teilnimmt. Wir wollen drei Postkarten verschicken, da die Hauptpost in unmittelbarer Nähe der Marina ist, machen wir einen kurzen Abstecher um Briefmarken zu kaufen. Wie gut, dass wir Zeit haben. Wir ziehen die Nummer 511 und stellen fest, dass es nur sehr langsam vorangeht. Ich bin ungeduldig und würde lieber weitergehen, doch Nobbi beschließt, dass wir bleiben. Eine Frau, die ein Paket verschicken will diskutiert endlos was es kostet und die Dame hinterm Schalter packt es neu, jemand anders hat Probleme mit einer Überweisung. Die meisten haben Zeit, es geht alles sehr ruhig und sehr langsam vor sich. Die, die es eilig haben, drängeln sich ohne Nummer vor, was meistens geduldet wird. Eine Mitarbeiterin läuft zwischen den Kunden hin und her und entschuldigt sich, dass es so lange dauert. Eine Familie sitzt im Wartebereich, ist vor uns gekommen und bleibt dort einfach sitzen. Kinder spielen auf dem Fußboden. Als wir schließlich dran sind ist es ganz einfach, drei Briefmarken nach Deutschland, die Dame hinterm Schalter ist ausgesprochen nett, freut sich darüber, dass wir versuchen Französisch zu sprechen, klebt die Marken sogar auf die Postkarten und wirft sie für uns ein. Nach 54 Minuten ist der Postbesuch erledigt.
Bevor wir in Nouméa Wurzeln schlagen wird es Zeit die Marina wieder zu verlassen und ein wenig segeln zugehen.

Zurück nach Nouméa

Von Ile des Pines kommend schnappen wir uns wieder eine Boje in der schönen Bucht von Ilot Casy. Abends rudern wir noch an Land und machen wir einen kleinen Spaziergang um die Insel.
Der Wind soll erst auf Nord dann auf West drehen, da liegen wir hier nicht so gut. Also ziehen wir am nächsten Morgen in den Norden der Baie de Prony um und ankern wieder in der Baie de Kaori. Tatsächlich pustet es ganz ordentlich, aber wir liegen hier sehr ruhig und nutzen die Gelegenheit für einen Haushaltstag. Ein kleiner Wohnungsputz steht an, wir setzten Joghurt an und kochen Milchreis. Und wir haben Zeit für einige kleine Arbeiten. Unsere Mari bekommt eine neue Schalttafel. Zwei Geräte sind nicht mehr in Betrieb und können verschwinden, unser Radio zieht um, so dass es einfacher zu bedienen ist, der Heizungsschalter bekommt einen neuen Platz und ein Teil der Schalttafel soll in Zukunft klappbar sein. Alles was wir brauchen findet sich an Bord. Ein Rest Bootssperrholz passt fast genau, ein Stück Klavierband schrauben wir von einem Brett ab, das wir ohnehin nie benutzen, und die alte Schalttafel wird in Teilen weiter benutzt. Nobbi sägt alles von Hand mit der Japansäge, quält sich einige Zeit mit den Kabeln in der Schalttafel, schmeißt einige Kabel raus die nicht mehr benötigt werden und schließt schließlich alle Geräte wieder an. Der anschließende Check verläuft zufriedenstellend, alle Geräte funktionieren. Das neue Brett muss nun noch lackiert werden, das ist mein Job. Es findet sich ein Marmeladenglas im Farbschapp, auf das ich „Bootslack International + Terpentin“ geschrieben habe. Das ist genau das richtige. Inzwischen ist das Brett viermal lackiert worden. An drei verschiedenen Orten. Eine reisende Baustelle.
Zwei Tage bleiben wir dort liegen, das Wetter ist viel besser als erwartet nur nachts regnet es stark. Das wissen wir so genau, weil wir erstaunlicherweise nicht beim Einsetzen des Regens aufwachen, sondern erst, als unsere Bettdecken schon etwas nass sind.
Obwohl wir matschige Wanderwege befürchten, wollen wir noch eine kleine Runde drehen und noch einmal in der warmen Quelle baden. Wir binden Donkey an eine Mangrove und sind positiv überrascht, der Weg ist angenehm zu laufen. Wir kreuzen den Fluss am Wasserfall und stellen fest, dass die warme Quelle besetzt ist. Die beiden Wanderer machen sich aber gerade zum Aufbruch bereit und so haben wir diesen schönen Ort bald für uns und baden ausgiebig im warmen Wasser. Hinterher trocknen unsere Handtücher an einem Baum und wir essen unsere Müsliriegel, als uns klar wird, was für ein Glück wir mit dem Timing hatten. Ein Schlauchboot mit 4 Personen trifft gleichzeitig mit zwei Wandergruppen aus insgesamt zwanzig Leuten ein. So viele Menschen haben wir schon lange nicht auf einem Fleck gesehen. Wir überlassen ihnen den Badeplatz und machen uns auf den Rückweg.
Nachmittags gehen wir Ankerauf und fahren zur Nordseite der Insel Ouen. Hier verbringen wir eine weitere wunderbar ruhige Nacht und segeln am nächsten Tag nach Uere. Auf Uere vertreten wir uns die Füße bevor wir Donkey zusammenklappen und an die Reling binden.
Nun sind es nur noch sechs Meilen nach Nouméa. Wir haben wieder Glück und bekommen einen Platz in der Marina. Jetzt beginnt der Marina-Dreikampf aus Einkaufen, Wäschewaschen und Putzen. Die leeren Schapps werden mit Leckereien gefüllt und wir nutzen es reichlich aus, dass wir unlimitiert Frischwasser zur Verfügung haben.

In Nouméa ist viel los. Seit 2020 ist das erste Kreuzfahrtschiff angekommen. Das ist ein mittelgroßer Event. Natürlich machen wir einen Abstecher zum Kreuzfahrtterminal, mischen uns unter die Kreuzfahrer und sehen uns die Souvenirstände an. Nach zwei Tagen hat das riesige Schiff wieder abgelegt und es kehrt wieder Ruhe ein. In der Zeitung lesen wir, dass im nächsten Jahr 150 Kreuzfahrtschiffe in Neukaledonien erwartet werden. Das ist eine ganze Menge für so ein kleines Land und sicher eine wichtige Einnahmequelle.
Noch ein bisschen wollen wir Nouméa genießen bevor wir noch eine zweite Runde durch die Lagune drehen. Neukaledonien bietet so unglaublich viel, wir wollen noch ein bisschen mehr davon sehen.

In den letzten Beiträgen haben wir die Fotos ergänzt, es lohnt sich zurückzublättern!

Ile des Pines – die verschlafene Prinzessin

Nach einem Zwischenstopp auf Ilot Casy, mit dem bewährten Programm aus Schnorcheln und Spaziergang, machen wir uns auf den Weg zur Ile des Pines. Die Insel gilt als Juwel und ihre Strände sollen zu den schönsten der Welt gehören.
Der Wecker klingelt um fünf, es wird gerade hell. Wir werfen die Boje los und verlassen das liebgewordene Inselchen. Vor uns liegen gute 40 Meilen, leider nach Südost, also in die vorherrschende Windrichtung. Da der Wind normalerweise nachmittags deutlich an Stärke zunimmt entscheiden wir uns für einen frühen Start. Wir haben Glück, der Wind bleibt moderat und wir kommen am frühen Nachmittag in der Baie de Kuto an.
Ein langer weißer Strand fasst die weite Bucht ein. Es ist kitschig schön, fast zu perfekt. Das Wasser leuchtet türkis, Palmen wiegen sich im Wind. Natürlich fehlen auch hier die markanten Nadelbäume nicht. Wir rudern an Land und machen einen Strandspaziergang, der Sand ist nicht nur leuchtend weiß, sondern auch ganz fein.
Auf der Insel scheint die Zeit still zu stehen. Es ist sehr ruhig und sehr entspannt. Eilig hat es hier niemand. Jedes Auto, das uns auf der Straße entgegenkommt bremst ab und der Fahrer grüßt uns. Es gibt einige Hotels auf der Insel doch viele Touristen sind nicht unterwegs. Oft sind am hunderte Meter langen Strand nur eine Handvoll Leute zusehen. Manchmal haben wir ihn ganz für uns allein. Tatsächlich ist es so leer, dass man sich freut andere Menschen zutreffen. Wir kommen mit einer australischen Familie ins Gespräch und bekommen einige Tipps für unseren Australienaufenthalt. Auch auf dem Ankerplatz ist nicht viel los. Zwischen drei und sechs Segelboote sind wir, wir hatten mit viel mehr gerechnet.
Eine Schildkröte paddelt die ganze Zeit um Mari herum, wir haben wohl in ihren Wohnzimmer geparkt. Bald kennen wir ihren Rhythmus: Auftauchen und laut atmen, ein paar Flossenschläge an der Oberfläche bleiben dabei zweimal leise atmen, Abtauchen. Ein paar Minuten später taucht sie an anderer Stelle wieder auf.
Wir verbringen schöne Tage auf der Insel. Die Türkisität ist einfach unglaublich. Jeder Ausblick eine Postkarte. Wir haben sehr viele, sehr kitschige Fotos gemacht. Wir laufen entlang der Ringstraße zum Laden, sehen uns die Ruinen des Gefängnisses und einen alten Wasserspeicher an. Im Hotel am Strand sitzen wir auf der Terrasse und genießen ein leckeres Mittagessen. Beim Aufstieg auf den Pic Nga kommen wir ordentlich ins Schwitzen, 262 m ist die höchste Erhebung der Insel hoch. Anstrengender ist aber der Abstieg. Man muss sehr aufpassen, dass man auf dem steilen Hang nicht auf dem Geröll wegrutscht. Doch der Ausblick entschädigt. Wunderbar! Die Insel ist umgeben von Inselchen und Riffen. Wir können uns gar nicht sattsehen.
Nach Vao, in den Hauptort, sind es sechs Kilometer. Mittwochs ist Markt, also beschließen wir früh loszulaufen und uns Markt und Ort anzusehen. Wir sehen uns die erstaunlich große Kirche an, kommen an der Krankenstation, der Apotheke und am Rathaus vorbei und finden den kleinen Markt. Das Angebot ist sehr übersichtlich. Es gibt Taro, ein paar andere Wurzeln und Papaya. Wir kaufen einer Frau beide Papaya, die sie heute anbietet ab. Den Mini-Supermarkt können wir nicht übersehen, hier ist es gerade richtig voll und wir werden herzlich begrüßt. Wir kaufen Baguette und Käse und suchen uns einen schönen Platz an einem kleinen Strand für unsere Mittagspause. An einem anderen Strand gibt es ein Denkmal für die ersten Missionare, das von lauter geschnitzten Figuren eingerahmt ist. In Vao ist wirklich nichts los und es ist weitläufig. Das Durchschnittsgrundstück hat ein paar tausend Quadratmeter Garten in dessen Mitte ein kleines Haus steht, ein paar Palmen, Mangobäume, ein Gemüsebeet, ein Schuppen. Es gefällt mir sehr, aber wir haben langsam platte Füße. Auf dem Rückweg sind wir sehr viel langsamer unterwegs als morgens. In der Sonne ist es heiß und wir sind müde. Zum Glück stoppen zwei Frauen mit ihrem Auto, es sei doch viel zu heiß zum Laufen, wo wir denn hinwollen?
Wir sitzen am Strand unter Bäumen in unserer oder der Nachbarbucht und schauen aufs Meer, gehen im Sonnenuntergang am Strand spazieren und baden. Wunderbare Ferientage. Die Reiseberichte hatten Recht, die Ile des Pines gehört unbedingt zu den ganz besonders schönen Inseln. Für uns ist sie die verschlafene Prinzessin unter den Inseln.
Gerne würden wir noch bleiben, doch der Wetterbericht hat andere Ideen. Der Wind soll drehen und reichlich Regen mitbringen. Wir entschließen uns zurück in die Baie de Prony zu segeln und erleben einen fantastischen Segeltag mit Delfinbegleitung.

In Vao, dem Hauptort:

Wanderung auf den Pic Nga:

Heiße Quellen und Wasserfälle

Ganz ruhig ist es an unserem neuen Ankerplatz nicht. Ist die Straße in der Nähe? Nein! Das Rauschen stammt von den Wasserfällen. Einen sehen wir vom Ankerplatz, aber auch am anderen Ufer scheint es einen Wasserfall zu geben, den wir nicht sehen aber hören.
Im Norden der Baie de Prony münden mehrere Flüsse in die große Bucht, außerdem unzählige kleine Bäche. Wir lassen unseren Anker zunächst in der Baie de Kaori, der östlichen Bucht fallen. Unser Ankerplatz ist von grünen Hügeln umgeben. An anderen Stellen haben die grünen Hänge rote Wunden. Bodenerosion ist hier ein großes Problem. Beim intensiven Abbau von Nickel und anderen Rohstoffen wurden ganze Bergkuppen abgetragen, hinzukommt die Abholzung der ursprünglichen Wälder. Zurück bleiben rote Hänge.
Mit Donkey rudern wir den Fluss hoch. Genauer gesagt rudert Nobbi, ich weise nur den Weg. Wir haben mehr Gegenstrom als gedacht, da wir so wenig Tiefgang haben und ohne Außenborder unterwegs sind können wir uns nahe an den Mangroven am Ufer halten und so dem stärksten Strom ausweichen.
Hier gibt es eine heiße Quelle. Ein Holzdeck fasst ein kleines Becken ein, es gibt mehrere Bänke und einen überdachten Tisch. Ein hübscher Platz. Der Badeplatz ist überraschenderweise besetzt. Drei junge Frauen genießen das warme Wasser. Also entscheiden wir uns zunächst zum nahegelegenen Wasserfall zu laufen. Der Wasserfall ist nicht hoch und bildet mehrere kleine Becken. Wir suchen uns eins zum Baden aus und sind überrascht, dass das Wasser gar nicht kalt ist. Anschließend baden wir natürlich auch noch in der heißen Quelle, das Badewasser ist nicht heiß, aber angenehm warm. Es gibt noch weitere heiße Quellen in der Nähe, doch nur hier gibt es eine so schöne Badewanne. Zwei Frischwasserbäder an einem Tag, was für ein Luxus.
Auf dem Rückweg machen mit Donkey einen Abstecher in die Mangroven und klettern in einem weiteren Wasserfall herum. Zwischen den Wurzeln der Mangroven ist das Wasser ganz klar und wir sehen viele kleine Fische.
Nachts spiegeln sich die Sterne im glatten Wasser und die Unterwasserwelt beschert uns ein Biolumineszenz-Feuerwerk. Es leuchtete und blinkt. Unter uns ist einiges los.
Am nächsten Morgen suchen wir einen Platz an dem wir vom Ufer auf den Wanderweg kommen. Heute wandern wir zum Wasserfall. Der Weg ist schön, einfach zu laufen und häufig im Schatten. Immer wieder führt er über oder durch kleine Bäche. Die Reste eines kleinen Dorfs sind inzwischen fast verschwunden. Natürlich nehmen wir wieder ein Bad im Wasserfall, wechseln aufs andere Ufer und folgen dem Weg ein ganzes Stück den Berg hinauf, bis wir einen schönen Blick über die Bucht haben.
In dieser Bucht gibt es noch einige interessante Wanderwege, doch wir ziehen in die Nachbarbucht um. In die Baie de Carenage. Unsere Tagesetappe ist tatsächlich 1 Meile kurz. Trotzdem sind wir ganz gut beschäftigt. Der rote Boden, den wir schon von unseren verfärbten Füßen und Crocs kennen, sitzt auch in unserer Ankerkette. Wir versuchen unsere Kette einigermaßen sauber zu stauen, da hilft nur spülen mit den Eimer. Und hinterher muss der Schlamm vom Deck. Wir wissen ja inzwischen wie farbecht die Flecken sind.
Vom neuen Ankerplatz wandern wir den Rivière de Carénage entlang. Und wieder führt unsere Weg zu einem Wasserfall. Der Anfang des Weges ist ziemlich schlammig, dann folgt ein schöner Wanderweg. Der Abstieg zum Wasserfall ist sportlich und bei Regen sicherlich nicht zu empfehlen. Doch es lohnt sich. Wir baden in einem Becken unterhalb der Twinfalls, des doppelten Wasserfalls, lassen uns auf den Steinen trocken und essen hier unseren Kuchen bevor wir uns auf den Rückweg machen.

Wir sind ganz begeistert von den schön angelegten und sehr gepflegten Wanderwegen, den tollen Wasserfällen, Stromschnellen und Ausblicken. Es könnte sein, dass wir zurückkehren noch mehr Frischwasserbäder nehmen, doch jetzt zieht es uns weiter.

Baie de Kaori:

Wanderung von der Baie de Carenage:

Ilot Casy

Auf unserer Fahrt durch die Baie de Prony kommen wir an einer Verladeeinrichtung für Nickelerz vorbei. Ein großes Schiff wartet darauf beladen zu werden, auf einem langen Förderband wird das Erz ans Wasser transportiert. Das denken wir zumindest zu diesem Zeitpunkt. Später stellen wir fest, dass das Schiff anscheinend leer wieder abfährt. Es hat also etwas gebracht? Wir werden es weiter beobachten. Auf jeden Fall liegt hier die Goro Mine und auch irgendwelche Verarbeitungsanlagen.
Unsere Reise ist wieder kurz. Nach fünf Meilen erreichen wir unser Ziel. Diesmal fischen wir eine Boje an der Ilot Casy, einer Insel, die mitten in der Baie de Prony liegt. Alle elf Bojen auf der Westseite sind frei und wir entscheiden uns für eine auf vier Metern Wassertiefe. Es ist kitschig schön. An einen schmalen weißen Stand schwappt türkises Wasser, schwarze Felsen setzten Akzente und grüne Bäume recken sich in den blauen Himmel. Das Wasser ist so klar, dass man jeden Stein sehen kann.
Wir rudern an Land und laufen um die Insel. Auf dem höchsten Punkt machen wir ein kleines Pique- Nique (wie man hier sagt). Es gibt viel zu entdecken. Die Insel wurde, wie auch die umliegenden Hänge, abgeholzt. 1891 waren alle Bäume gerodet und die Holzindustrie kam hier zum Erliegen. Heute ist die kleine Insel unbewohnt. Noch bis 1993 wohnte eine Familie hier und bis 2017 ein Hund, der in der Seglerszene eine gewisse Popularität erlangte.
Die Insel ist jetzt wieder dicht bewachsen. Seltsam aussehende Nadelbäume, unterschiedliche Laubbäume und verschiedene Palmen bilden einen schönen Wald durch den sich der Weg schlängelt.
Abends kommt eine zweite Yacht und fischt eine Boje auf der anderen Seite der Bucht. Nachts schläft der Wind ein, ist ganz ruhig und ein wunderschöner Sternenhimmel zeigt sich. So ruhig und friedlich der Freitag verlief, so turbulent wird das Wochenende. Beim ersten Kaffee im Cockpit winken wir den Nachbarn, die genau wie wir erstmal baden. Dann geht es los. Ein Ausflugskatamaran mit einer Gruppe quiekender Frauen macht einen Zwischenstopp, ein Schlauchboot und eine kleine Fähre bringen Tagestouristen. Kühltaschen und Luftmatratzen werden ausgeladen, Kinder plantschen im flachen Wasser, SUPs werden durch die Bucht gepaddelt und Picknick Plätze im Schatten ausgesucht. Wirklich voll wird es nie. Wir machen mit und unternehmen jeden Tag einen ausgiebigen Spaziergang auf der Insel. Immer wieder entdecken wir tolle Pflanzen, wie die fleischfressenden Exemplare, die Kannen ausgebildet haben, in denen kleine Insekten ertrinken oder kleine Bäume, deren Wurzeln ganze Felsbrocken umarmen. Nachmittags wird ausgiebig geschnorchelt. Die Korallen in der Bucht sind ziemlich kaputt, trotzdem gibt es eine Vielzahl interessanter Fische zusehen. Mein Highlight ist der winzige, gelbe Kofferfisch. Wir sehen unsere erste Seeschlage in Neukaledonien, von denen soll es hier sehr viele geben und in der Bucht wohnt mindestens eine Schildkröte.
Eine kleine Gruppe Ausflügler schlägt ein Zeltlager auf und übernachtet auf der Insel, die meisten jedoch werden nachmittags wieder abgeholt. Ein kleines Motorboot bleibt ebenfalls über Nacht und eine Luxusyacht macht an der einzigen Tonne für große Yachten fest. Das Dinghi wird mit dem Kran zu Wasser gelassen, während auf dem Achterschiff die Servietten fürs Abendessen gefaltet werden. Es gibt den ganzen Tag interessante Unterhaltung. Auch Sonntag kommen einige Besucher auf die Insel, die Camper werden wieder abgeholt und die anderen Boote gehen Anker auf. Nachts schläft, wie so oft, der Wind ein und die Sterne spiegeln sich im glatten Wasser.
Heute (Montag) wollten wir eigentlich weiterziehen, doch beim Frühstück ist es einfach zu schön zum Absegeln. Wann hat man schon mal eine Insel ganz für sich allein. Also bleiben wir. Vielleicht geht es morgen weiter.

Ile Uere und Anse Majic

Montagmorgen kaufen wir drei Baguettes und melden uns in der Marina ab. Unsere Tagesetappe ist mit fünf Meilen übersichtlich. Wir lassen unseren Anker in der halbmondförmigen Bucht von Ile Uere mit Blick auf Nouméa fallen. Da wir es nicht eilig haben, beschließen wir noch einen Tag zu bleiben und erkunden ausgiebig die kleine unbewohnte Insel. Ein Rochen begleitet unseren Spaziergang am Strand und bei unserem Picknick beobachten wir niedliche Finken mit rotem Hals. Nachmittags kommen drei weitere Segler in die Bucht und die Ruhe wird durch Böen, die von einer dicken Wolke gebracht werden unterbrochen. Dann ist es wieder ganz gemütlich. Abends wird es nochmal interessant. Sechs junge Soldaten werden auf der Insel abgesetzt. Wir malen uns aus, wie sie sich jetzt Tage lang dort durchschlagen werden, doch am spätem Abend kommt ein Schlauchboot und holt sie wieder ab.
Am nächsten Morgen brechen wir vor dem Frühstück auf. Wir wollen eine längere Strecke zurücklegen. Unser Ziel liegt in Richtung der Hauptwindrichtung, deshalb wollen wir den windarmen Morgen nutzen, da der Wind hier mittags meistens deutlich an Stärke zulegt, gilt es morgens gut voranzukommen. Wir werden immer wieder von einem Delfin besucht und tuckern frühstückend nach Osten. Im Canal Woodin soll bis zu zwei Knoten Strom setzen, nur wissen wir nicht wann es wohin strömt. Wir haben Glück, der Strom schiebt uns mit voller Stärke. Somit ist die Entscheidung gefallen, wir fahren noch ein bisschen weiter und biegen in die große Baie de Prony ab. Das ist eine tiefe große Bucht mit vielen kleinen Einschnitten. Mittags fischen wir eine der Bojen in der Anse Majic. Hier gibt es ein kleines Schutzgebiet, deshalb soll man nicht ankern sondern eine der Bojen benutzen. Sehr praktisch. Wir haben die freie Auswahl und suchen uns die schönste Boje aus.
Wir lassen Donkey, unser Bananaboot zu Wasser und paddeln an Land. Hier gibt es einen Wanderweg, der zum Leuchtturm führt. Es beginnt zu tröpfeln, aber wir laufen weiter. Der Weg wird steiler und rutschiger, als wir den Wald verlassen nimmt der Regen zu. Wir beschließen trotzdem weiter zu laufen, nass sind wir ohnehin. Der Wanderweg ist richtig schön, der schlängelt sich durch eine abwechslungsreiche Vegetation und ist sehr gepflegt mit Stufen und Wasserablauf. Leider können wir es nicht so richtig genießen, inzwischen regnet es sehr ergiebig, wir sind klatschnass und das viele Wasser nimmt die Abkürzung über den Wanderweg. Nobbi rutscht aus, tut sich zum Glück nichts, ist jetzt aber rot gefärbt. Die Erde hier färbt sehr intensiv und die Verfärbungen sind praktisch nicht zu entfernen, wie wir später feststellen werden. Das Ganze ist nur deshalb noch ganz lustig, weil wir unsere Hüte aufgesetzt haben, wenigstens die Köpfe bleiben trocken. Wir erreichen das Observatorium, einen Unterstand mit Blick auf die Küste. Hier legen wir eine Pause ein, nutzen die Ferngläser, trocken ein wenig und warten den nächsten Schauer ab. Vom Aussichtspunkt soll man Wale beobachten können, leider zeigen sie sich heute nicht. Von hier sind es nur ein paar Minuten Fußweg zum Leuchtturm, den wir natürlich auch besuchen, bevor wir uns auf den Rückweg machen. Wir wählen den leichteren etwas weniger steilen Weg durch den Wald, den wir noch ein wenig schöner finden. Als wir zurück auf Mari sind, kommt die Sonne raus und wir baden um die hartnäckige rote Erde abzuwaschen.
Morgens um fünf wachen wir beide vom unglaublichen Vogelkonzert auf. Die (später) aufgehende Sonne lässt die grünen Bäume leuchten, die rote Erde bildet einen tollen Kontrast und das dunkelblaue Wasser einen passenden Rahmen. Uns gefällt der Platz. Und, wir wollen uns den Wanderweg noch einmal, diesmal im Trockenen ansehen. Es ist ein Rundweg, also eigentlich eine acht, so dass wir ihn diesmal anders herum laufen. Heute ist der Blick vom Observatorium grandios. Die Riffe leuchten türkis, das Wasser dunkelblau. Wir sehen die Ile de Pins in der Ferne und überblicken den Kanal durch den wir am Tag zuvor gekommen sind und wir können durchs Fernglas sogar Meeresschildkröten beobachten.
Beide Tage haben wir die Wanderung in Crocs gemacht. Meine gelben Crocs sind nun ziemlich rot, auf Nobbis roten fällt es nicht so auf. Da uns die rote Erde hier noch einige Zeit erhalten bleibt, werde ich wohl weiter in Crocs wandern, dann bleiben die Wanderschuhe verschont.
Freitagmorgens kommt ein kleines Motorboot in die Bucht, die beiden Männer wollen die Bojen austauschen. Wir sind beruhigt, dass die Bojen so gut gepflegt werden und ziehen noch vor dem Frühstück weiter.

Das mobile Netz ist hier sehr gut, aber die Datenpakete sind sehr teuer. Mehr Bilder gibt es, wenn wir WLAN finden, doch das ist wohl nur in Nouméa der Fall.

Marinaleben, Museum und Karneval

Nouméa und die Marina Port Moselle ist ein Ort an dem wir hängen bleiben könnten. Das Leben ist angenehm und leicht. Wir erledigen einige Kleinigkeiten am Boot, ein Schalter wird eingebaut, ein paar Teile die wir nicht mehr brauchen ausgebaut, ein bisschen Edelstahl poliert, ein paar Rostflecken vom Deck entfernt und wir bekommen neue Kopfkissenbezüge. In einem kleinen Laden finden wir schönen Stoff, aus dem ich neue Bezüge nähe. Die Nähmaschine weigert sich den Stoff zu transportieren und kommt so zu einer Generalüberholung. Danach hat sie wieder Lust zu nähen. Wir spazieren über die Stege und schauen uns die Boote an. Hier gibt es viele Kuriositäten und viele Schiffe mit liebevoll verziertem Bug. Wir bummeln über den Markt, kaufen erste Souvenirs und machen einen Abstecher in einen Tauchladen, wo Nobbi neue Shorts bekommt. Eine Hose ist auch fürs Bootsleben ein bisschen zu wenig.
Das Kreuzfahrtterminal ist ein modernes Gebäude mit Restaurants und Läden. Die Restaurants sind am Wochenende gut besucht, ansonsten ist es recht leer. Zurzeit kommen keine Kreuzfahrtschiffe. Das Maritime Museum sieht geschlossen aus, ist es aber nicht. Ich bin erst nicht überzeugt, dass wir schon wieder ein Maritimes Museum besuchen müssen, lasse mich aber von Nobbi überzeugen. Zum Glück. Das kleine Museum ist liebevoll gestaltet, alle Schilder sind auf Französisch und Englisch und wir lernen viel über die Besiedelung Neukaledoniens. Es gibt viele Stationen für Kinder, aber nicht nur für Kinder. Wir haben viel Spaß dabei Sternenbilder des Südhimmels zu suchen und Kanus zu bauen.
Gestern Abend war Karneval in Nouméa. Das haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen. Wer hätte gedacht, dass wir nach Cadiz und Salvador nun auch in Nouméa Karneval erleben. Ein fröhlicher, liebevoll gestalteter Umzug zog durch die Innenstadt. Gute Musik und gute Laune. Ein richtiges Familienfest.
Bevor wie hier tatsächlich Wurzeln schlagen, werden wir die Marina morgen verlassen. Auf dem Markt haben wir heute unsere Obst- und Gemüsevorräte aufgefüllt. Morgenfrüh kaufen wir frisches Baguette und dann kann es weitergehen. Wir werden auf jeden Fall nach Nouméa zurückkommen. Hier laufen alle Wege zusammen und nur hier können wir aus Neukaledonien wieder ausklarieren.

Die ersten Tage in Neukaledonien

Wir sind in Frankreich. Neukaledonien ist Französisch, gehört aber nicht zur EU. Es ist etwa 18000 km2 groß, weil man sich darunter nichts vorstellen kann, habe ich nach einer etwa gleichgroßen Fläche gesucht und festgestellt, dass Neukaledonien und Sachsen etwa die gleiche Größe haben.
Die Hauptinsel Grande Terre ist ungefähr 400km lang und 50 bis 60 km breit. Längs über die Insel verläuft eine Bergkette, der höchste Berg ist der Mont Panié mit 1628 m. Die Insel ist umgeben von einem riesigen Barriere Riff, das als eins der größten Korallenriffe gilt. Zu Neukaledonien gehören außerdem die Loyalitätsinseln und die Ile des Pins, sowie weitere Riffe und Inseln.
Die Benennung als Neuschottland erfolgte, wie sollte es auch anders sein, durch James Cook. 1774 war er als erster Europäer hier unterwegs, sein Aufenthalt dauerte nur neun Tage. Überraschend kurz, finde ich.

Bezahlt wird hier mit dem Pazifik Franc (XPF), der direkt an den Euro gebunden ist. Wir kennen die bunten Scheine schon. Der Franc ist auch Zahlungsmittel in Französisch Polynesien (und in Wallis und Futuna). Eine Seite der Scheine ist mit Motiven aus Französisch Polynesien gestaltet, die andere mit denen aus Neukaledonien.
Woher stammt das Geld? Der Tourismus ist weniger entwickelt als in den Nachbarländern wie den Cook Inseln oder Vanuatu. Der größte Arbeitgeber ist die Société de Nickel. Neukaledonien verfügt über große Nickelvorkommen. Je nach Quelle ist von 10 bis 25 % des weltweiten Vorkommens die Rede. Die großen Abweichungen der verschiedenen Zahlen kommen wohl dadurch zustande, dass unterschiedliche Vorkommen betrachtet werden. Das Zeug liegt nur selten rein, also elementar vor, sondern meistens in Form von Erzen, so auch hier. Das Nickelschmelzwerk liegt quasi in der Hauptstadt Nouméa. Wir haben es schon gesehen. Neukaledonien ist hochverschuldet und von finanziellen Zuschüssen des französischen Mutterlands, sowie von Krediten des französischen Staats abhängig.
Neukaledonien hat einen Sonderstatus unter den Auslandterritorien Frankreichs und verfügt seit 1988 über weitreichende Autonomie, das ist nicht zuletzt Tjibaous Verdienst. Trotzdem gibt es wieder eine Unabhängigkeitsbewegung. Bereits dreimal wurde über eine Unabhängigkeit von Frankreich abgestimmt. 2018 und 2020 stimmte jeweils nur die knappe Mehrheit für den Verbleib. Beim dritten Referendum stimmten über 95 % gegen eine Unabhängigkeit, dieses Referendum gilt jedoch als Umstritten, da die Corona-Pandemie den Wahlkampf erschwert hatte, es Boykottaufrufe und eine geringer Wahlbeteiligung gab.

In der Hauptstadt Nouméa leben 180.000 der 270.000 Einwohner. Damit ist Nouméa nicht nur die größte sondern auch die einzige „richtige“ Stadt und das Zentrum Neukaledoniens. Die Marina in der unsere Mari liegt, liegt mitten in der Stadt und ist ein toller Ausgangspunkt um die Stadt zu erkunden.
Wir finden eine geschlossene Kathedrale, ein Stück der Berliner Mauer, eine Bibliothek, die als Pavillon auf der Weltausstellung 1900 diente, und ein Museum im Rohbau. Das Museum Neukaledoniens wird leider gerade neugebaut. Die Pläne für das neue Museum sehen toll aus, sehr modern. Doch wir können jetzt eben nur die Baustelle besichtigen. Der zentrale Platz ist schön begrünt und lädt zu einer Pause ein. Die Bebauung ist eine wilde Mischung. Regierungsgebäude, Rathaus und Supermärkte, viele kleine Läden und sehr viele geschlossene Läden. Geschlossene metallene Rolltore. Überall sehen wir „A Louer“ – zu vermieten. Ob das schon lange so ist? Oder erst durch die Pandemie? Zwischen der Zweckbebauung aus Beton finden sich echte Perlen. Ältere, schöne Gebäude mit Fensterläden und neue Bauten mit gewagten Dachkonstruktionen.
Wir kaufen erste Souvenirs, eine SIM Karte und Seekrankheitsmittel. Dabei probieren wir unser Französisch aus und sind überrascht, die Neukaledonier sprechen nicht nur bereitwillig, sondern auch gut Englisch.

Mit dem Bus fahren wir zum Tjibaou Kulturzentrum. Busfahren ist sehr einfach. Es gibt viele Buslinien, übersichtliche Fahrpläne und Fahrkarten gibt es beim Fahrer oder am Automaten.
Jean Marie Tjibaou war Politiker und Anführer der kanakischen Unabhängigkeitsbewegung. Kanaken heißen die melanesischen Urbewohner Neukaledoniens. Die Kanaken sind mit 45 % die größte Bevölkerungsgruppe. Das Kulturzentrum zeigt kanakische Kunst. Es gibt Dauerausstellungen mit Schnitzereien, eine Sammlung zeitgenössischer Kunst und wechselnde Ausstellungen, außerdem Konferenzräume, eine Bibliothek und ein Archiv. Das Kulturzentrum wurde von italienischen Architekten Renzo Piano entworfen und ist architektonisch sehr sehenswert. Auf dem Gelände kann man außerdem Hütten aus verschiedenen Teilen des Landes ansehen und es gibt den Kanaken Pfad, einen Weg, der die Verbindung der Menschen zu ihrem Land und die Verwendung der Pflanzen erklärt. Dass Geister wichtig sind, auch wenn wir ihre Bedeutung nicht verstehen, aber vielleicht wenigstens eine Ahnung ihrer Wichtigkeit bekommen, beginnen wir schon an der Kasse zu verstehen. Der Kassierer nimmt sich zeit und erklärt uns ausführlich, was wir auf dem Gelände alles sehen können und in welcher Reihenfolge wir die Ausstellungen besuchen sollen. Das Museum steht im südlichen Distrikt, also sollen wir die Hütte des Südens zuerst besuchen, eine Frage des Respekts. Hinterher können wir dann ruhig die Hütten der anderen Landesteile ansehen. Abschließend bekommen wir noch Tipps welche Statuen wir anfassen sollen, das bringt Glück. Natürlich halten wir uns an seine Empfehlungen, wir wollen keine Geister verärgern und Glück können wir doch immer gebrauchen.

Den Bus nehmen wir auch am nächsten Tag um zum Parc Forestier zu kommen. Im weitläufigen Park lernen wir viele einheimische Tiere und Pflanzen kennen. In der großen Anlage gibt es verschiedene Wege, auf denen man die unterschiedlichen Waldformen Neukaledoniens kennenlernt und viel über die endemischen Arten lernt. Der Anteil endemischer, also nur hier vorkommender Arten, ist mit 77% ungewöhnlich hoch.
Wir lernen den Kagu kennen, den Nationalvogel, einen blau-grauen, flugunfähigen Vogel, der etwa so groß ist wie ein Huhn und lustige Geräusche macht. Klar, auch er kommt nur in Neukaledonien vor. Genau wie die Cook Kiefer, die keine Kiefer ist sondern eine Araukaria nämlich Araucaria columnaris und es aufs Wappen geschafft hat. Von den 19 Aukarienarten gibt es 13 nur in Neukaledonien, einige von ihnen nur in ganz begrenzten Gebieten. Insgesamt werden etwa 3.000 Arten zur einheimischen Flora gezählt, das ist viel im Hinblick auf die geringe Landmasse. Neukaledonien ist also ein richtiges Botaniker-Paradies. Die Böden hier sind kompliziert, zum Teil sehr trocken, ultrabasisch und reich an Schwermetallen, dies dürfte zum hohen Maß der Endemie beigetragen haben, genauso wie die relative Abgeschiedenheit.
Aus einem Parkspaziergang wird eine ausgedehnte Wanderung, es gibt einfach so viel zu entdecken und neben uns sind nur eine Handvoll andere Besucher unterwegs. Neben den einheimischen Tieren und Pflanzen gibt es noch eine kleine Afrika Abteilung mit einem Strauß und einigen Affen, Papageien aus den verschiedenen Ecken des Planeten und einen kleinen „Bauernhof“ mit Schwein, Hirschen, Eseln und Kühen.

Uns scheint, wir sind in einem extrem interessanten Teil der Erde gelandet. Auch wenn wir davon nur einen winzigen Teil erkunden werden, freuen wir uns schon sehr darauf.

Ankunft in Noumea

Am Samstag sind wir nach sieben Tagen und sieben Stunden in Noumea angekommen. Rückblickend hatten wir eine sehr gute Überfahrt. Das Wetterfenster war ideal, wir sind nur in der ersten Nacht einige Meilen motort und konnten Opua – Noumea auf direktem Weg segeln. Unterwegs fühlte es sich nicht immer so ideal an. Wir hatten zwei Tage recht ruppigen Seegang, einen Tag eine Welle von gut vier Metern die uns ordentlich durchgeschüttelt hat. Wenn man in der Koje abhebt schläft es sich nicht so gut. Die 20 kn Wind in Böen, die vorausgesagt waren, waren doch oft 30kn. Immerhin immer aus der richtigen Richtung. Mich hat die Seekrankheit diesmal ziemlich arg erwischt, den dritten Tag habe ich bereits verdrängt, sonst würde ich nie wieder Hochseesegeln. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, wir hatten nur wenige Schauer und meistens haben sie nur ein paar Minuten gedauert. Jeden Tag wurde es etwas wärmer und der Kleiderberg, den wir uns zu Wachbeginn angezogen haben etwas kleiner. Nachdem einige unserer Bekannten grausames Wetter bei ihrer Überfahrt hatten, haben wir es wirklich gut getroffen. Dafür sind wir sehr dankbar. Es hat sich gelohnt, dass wir so lange gewartet haben.
Die Highlights der Reise waren (mal wieder) tierischer Natur. In der Bay of Islands sahen wir ein letztes Mal die niedlichen Pinguine. Fast ununterbrochen wurden wir von dunkelbraunen Sturmvögeln begleitet, die dicht übers Wasser gleiten und in hoher Geschwindigkeit neugierig ums Boot fliegen, ohne dass wir sie je mit den Flügeln schlagen sehen. Am ersten Tag sehen wir einen riesigen Albatros auf dem Wasser sitzen, an den folgen Tagen dürfen wir die großen Vögel stundenlang beobachten. Ein Pärchen fliegt synchron immer wieder Kringel um uns. Wunderschön. Was für ein Privileg, dass wir so lange Gelegenheit haben sie zu beobachten. Die Bestimmung der Art ist nicht ganz einfach, mehrere kommen in Frage. Wie bei vielen Vogelarten sehen jugendliche Albatrosse anders aus, als ihre ausgewachsenen Verwandten. Das macht es nicht einfacher. Um ganz sicher so sein, hätten wir uns den Schnabel aus der Nähe ansehen müssen, sagt unser Vogelbuch. Letztlich spielt es für uns jedoch keine Rolle. Mir macht es einfach Spaß im Vogelbuch zu blättern, Merkmale und Verbreitungskarten zu vergleichen. Albatrosse sind beeindruckende Tiere. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens in der Luft, fliegen tausende Meilen am Stück und sind sehr flott unterwegs. Die großen und schweren Vögel sind zwar schnell erschöpft wenn sie ihre langen Flügel einsetzen müssen, sind aber perfekte Segelflieger.
Als wir uns dem Pass nähern, der uns in Neukaledoniens große Lagune bringen soll, sehen wir wie sich die See auf beiden Seiten auf den Riffen bricht. Gischt fliegt durch die Luft. Doch was ist das? Ein Wal? Dicht vor uns sehen wir den Blas. Und dann nochmal. Er, oder wahrscheinlich sie, tut uns den Gefallen und bleibt noch ein wenig an der Wasseroberfläche. Durch den frischen Wind ist die Wasseroberfläche rau und wir können sie nicht so gut sehen, doch wir sind recht sicher, dass wir eine Buckelwal Mutter mit ihrem Nachwuchs getroffen haben. Ein tolles Empfangskomitee. Und als Zugabe gibt es dann auch noch eine große Schildköte mitten im Pass, sowie drei weitere auf dem Weg nach Noumea. Ein vielversprechender Anfang.


Wir würden gerne in die Marina fahren und rufen sie über Funk, doch unsere Rufe bleiben unbeantwortet. Als wir uns schließlich einen Platz zum Ankern in der Nähe des Hafens ausgeguckt haben, ruft Nobbi die Marina ein letztes Mal und als Antwort kommt ein Krächzen aus dem Funkgerät. Die Kommunikation ist erst etwas mühsam, aber dann bekommen wir Bescheid. „Ich habe einen Platz für euch. Ihr könnt mit Steuerbordseite anlegen. Ich winke euch.“ Der nette Marinero heißt uns willkommen und ruft die Offiziellen an. Nach nicht einmal einer Stunde ist die Dame von der Biosecurity da. Sie nimmt unseren Müll und unsere Kartoffeln mit. Unsere Zwiebeln durften wir behalten. Nachdem Nobbi ihr erklärt hat wie traurig er sei, dass sie seine geliebten Kartoffeln mitnimmt, hatte sie Mitleid und hat bei den Zwiebeln ein Auge zugedrückt. Die fröhliche junge Frau verrät uns, dass ihre Kollegen vom Zoll nicht mehr kommen und wir direkt losziehen können. Fürs Partyvergnügen sind wir viel zu müde. Wir trinken ein Glas Wein im Cockpit, genießen das Ankommen, lauschen den Geräuschen und stellen fest, dass das neue Land interessant riecht.
Heute hat das Marinabüro unsere Unterlagen zum Zoll geschickt und wir waren bei der Immigration. Nun sind wir offiziell eingereist und dürfen bleiben so lange wir wollen. Das war alles sehr einfach, kostenlos und ausgesprochen nett.
Nachdem wir Mari am Sonntag bereits vom Salz befreit, Wäsche gewaschen und heute ein wenig eingekauft haben, sind die meisten Pflichten bereits erfüllt und wir können uns den wichtigen Dingen widmen. Ein neues Land will entdeckt werden. Der erste Eindruck ist sehr vielversprechend!