Praia da Vitória ist ein netter Ort mit guten Bademöglichkeiten. Morgens baden wir vom Boot aus, liegen wir doch gewissenmaßen direkt vorm Strand. Mir gefällt es auch über die Mole an den Strand zu gehen und dort ausgiebig zu schwimmen. Nobbi streikt, er findet Sand beim Baden unnötig und ist damit für Strandbesuche eher ungeeignet. Donnerstag verbinden wir den Weg zum Einkaufen mit einem Spaziergang. Es gibt eine kleine Fußgängerzone und sehr viele Verkehrsschilder. Abends ist es am Strand zu windig und nachdem wir in einem kleinen Restaurant gegessen haben, treffen wir Freunde und machen einen gemeinsamen Abendspaziergang. Langsam kennen wir uns hier aus.
Ein Tief, das sich nahe der Azoren gebildet hat, schickt uns am Freitag kräftigen Südwind. Die Böen erreichen sieben bis acht Beaufort und wir sind froh an einem geschützten Platz zu liegen. Das Wetter hält uns nicht von einem Spaziergang ab und so erklimmen wir bei waagerechtem Nieselregen die Treppen zum Aussichtspunkt. Auf dem Rückweg laufen wir entlang kleiner Steinmauern, Hortensien und schwarz-bunter Kühe. Abends lässt der Wind nach, dafür regnet es kräftig.
Angra do Heroísmo ist die größte Stadt auf Terceira und die älteste Stadt der Azoren. Die Ansiedlung bekam bereits 1534 ihr Stadtrecht. 1980 wurde sie bei einem Erdbeben schwer beschädigt, jedoch schnell wieder aufgebaut. 1983 wurde die Altstadt zum Weltkulturerbe erklärt. Das hört sich an, als wäre ein Ausflug nach Angra gewissermaßen Pflicht. Samstagmorgen laufen wir zur Bushaltestelle und freuen uns, als eine Frau uns versichert, dass der Bus hier abfährt. Zwar kann man sich von der Seite der Tourismusinformation den Busfahrplan herunterladen, jedoch steht hier lediglich wann der Bus abfährt jedoch nicht wo. Und, genau wie in Horta, hält der Bus in Angra auch nicht dort, wo Google glaubt, dass der Bus halten würde. Die Busfahrt geht durch eine abwechslungsreiche Landschaft und nach einer Stunde steigen wir in Angra aus. Wir lassen uns durch die kleine, hübsche Stadt treiben, trinken Kaffee (hervorragende Törtchen!), sehen uns den Hafen an und verbringen viel Zeit in einem schönen Park mit hervorragender Aussicht auf die Stadt. Mittags essen wir in einem schönen Fischrestaurant und drehen anschließend eine zweite Runde durch die Altstadt. Wie erwartet ist es Samstagnachmittag wie ausgestorben, die Geschäfte schließen, bis auf wenige Souvenirläden, um halb eins. Nach einem weiteren Kaffee nehmen wir am späten Nachmittag den Bus zurück nach Praia da Vitória.
Nahe der Marina entdecken wir diesen altmodischen Laden:
Das Loch in unserem Wärmetauscher konnte geschweißt werden. Beim Einbau sind wir froh, dass wir alle Dichtungen im Ersatzteillager vorrätig haben. Nobbi tauscht den Abgaskrümmer gegen ein Exemplar aus Edelstahl, das sich ebenfalls in der Ersatzteilsammlung befindet. Den Abgaskrümmer hatten wir in Neukaledonien ersetzt, nachdem er korrodiert und sich zugesetzt hatte. Nun gab es bereits wieder dicke Ablagerungen im Inneren. Problemlos ist der Wiedereinbau natürlich nicht. Das wäre zu einfach. Ein Bolzen reißt beim festschrauben ab. Nachdem Nobbi den Rest überreden kann sich rausschrauben zulassen, ersetzen wir ihn durch ein Stück Gewindestange. Die Gewindestangen haben sich schon öfters als sehr nützlich erwiesen! Wir füllen Kühlflüssigkeit auf und freuen uns, dass der Motor problemlos anspringt, super läuft und alles dicht ist. Nach dem Test entschließen wir uns die Kühlflüssigkeit komplett zu erneuern. Ganz einfach ist es nicht das ganze System zu spülen. Wir basteln mit Schläuchen, einem Trichter und einer großen Plastikbox eine Spülvorrichtung und kippen dann so lange Wasser in den Kühlkreislauf, bis es ganz klar wieder rausläuft. Danach wird die neue (teure) Kühlflüssigkeit eingefüllt. Natürlich geht das nicht ohne schwappen und spritzen, ein Bootsputz ist also inklusive. Während wir auf die Reparatur des Wärmetauschers warten mussten, hatten wir das Bananaboot ausgesetzt um Maris Rumpf zu putzen und haben sie auch gleich ein wenig poliert. Eine Seite glänzt nun wieder, die andere warten noch auf unsere Zuneigung.
Der Wärmetausche mit und ohne Loch.
Donkey im Einsatz
Am Samstag haben wir Horta endgültig verlassen und sind nach Velas auf São Jorge gefahren. Wir hatten kaum Wind und haben die Überfahrt als Motortest deklariert. Als wir den Hafen anfunken bekommen wir sofort eine Antwort, es gibt einen Platz für uns. In Velas gefällt es uns. Die kleine Marina liegt im Schatten der steilen Küste und das Wasser ist so klar, dass man im ganzen Hafen den Meeresboden sieht. Beim Baden sammeln wir die Wäscheklammern unserer Vorgänger ein. Nachts kann es schon einmal laut werden im kleinen Hafen. Fluglärm! Hunderte von Sturmtauchern (Calonectris borealis) landen in den Felsen und kreisen über den Booten. Sie hören sich lustig an, wie Möwen auf Lachgas, und sind sehr laut. Velas ist ein niedlicher, sehr gepflegter Ort und hat ausgesprochen schöne Badeplätze. Zwischen schwarzen Felsen führen Leitern ins tiefblaue, glasklare Wasser. Wir verbringen hier zwei herrliche Tage mit Spaziergängen durch den friedlichen Ort, zu den Badeplätzen und zu einer kleinen Kapelle. Dass wir wunderschönes, sonniges Wetter haben, trägt zur Urlaubsstimmung bei.
Unterwegs nach Velas auf São Jorge.
Am Dienstag trinken wir noch einen letzten Kaffee in einer kleinen Bar, bevor wir uns vom nettesten Hafenmeister der Nordhalbkugel verabschieden und uns auf den Weg nach Terceira machen. Wir segeln im Süden der Insel São Jorge entlang und haben genug Zeit uns die spektakuläre Küste anzusehen. Gerne hätten wir ein bisschen mehr vor São Jorge gesehen, doch wir hatten nicht viel Zeit und der Preis von 139 Euro (kein Tippfehler) für einen Mietwagen hatte eine abschreckende Wirkung. Schmale Täler schneiden sich tief in die schroffe Küste und kleine Orte sitzen hoch auf der grünen Insel. Zunächst kommen wir gut voran, dann schläft der Wind ein und schließlich motoren wir eine Stunde. Dann können wir wieder segeln und bei Sonnenuntergang lassen wir die Insel São Jorge hinter uns zurück und können Terceira bereits sehen. Wir haben wenig, wenn auch etwas unruhigen, schaukligen Seegang, und schwachen Wind, der uns jedoch mit vier Knoten vorankommen lässt. Die Nacht ist warm und fast wolkenlos. Der Sternenhimmel ist sehr klar und erst in den frühen Morgenstunden erscheint eine schmale Mondsichel. Ein Segler überholt uns mit großem Abstand, ein kleiner Frachter kommt uns entgegen, ein paar Fischer kreuzen unseren Kurs und ein Kriegsschiff macht anscheinend eine Übung und blinkt dabei mit großen Scheinwerfern. Was das wohl heißt?
Terceira ist, wie der Name schon sagt, unsere dritte Azoreninsel. Die Insel wurde als drittes entdeckt und kam so zu ihrem Namen. Wir laufen Praia da Vitória im Osten der Insel an. Terceira hat viel mehr Bewohner als São Jorge. Etwa 55000 Menschen wohnen hier, São Jorge ist mit 8000 Einwohnern dagegen eher spärlich besiedelt. Praia da Vitória ist eine kleine Stadt und der Name ist Programm. Links und rechts des Hafens befindet sich jeweils ein Strand. Als wir morgens um acht in die Bucht fahren, wird an beiden Stränden bereits ausgiebig gebadet. Wir nehmen uns ein Beispiel daran und schwimmen gleich nach dem Ankern eine Runde ums Schiff. Im Hafenbüro fragen wir, ob es einen Platz für uns gibt und haben Glück. Kurze Zeit später liegen wir sicher vertäut an einem Schwimmponton. Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf treffen wir Freunde in der Marina Bar auf einen Sundowner, der sich mehrere Stunden hinzieht. Seit Tagen beobachten wir den karibischen Tropensturm Erin, der nun über den Atlantik zurück nach Osten zieht. Zwischenzeitlich erschien uns die Wettervorhersage für die Azoren dramatisch und sehr unerfreulich. Inzwischen sieht es so aus als würde das Tief weit nördlich durchziehen und uns nur moderaten Wind, aber hohe Wellen schicken. Wollen wir hoffen, dass es sich an die Prognosen hält.
bei Sonnenuntergang lassen wir São Jorge hinter uns.
Endlich wieder segeln! Dienstagvormittag laufen wir aus. Noch innerhalb der Hafenmole setzen wir das Großsegel und rollen die Fock aus, Mari zieht los und wir freuen uns wieder unterwegs zu sein. Als ich die Maschine ausschalten will ertönt ein Kühlwasseralarm. Wir machen ein paar Tests und erkennen schnell, dass wir umdrehen müssen. Wir bergen das Großsegel und segeln vorm Wind zurück in den Hafen. Fock wegrollen, Anker fallen lassen, in den Wind drehen. Das Ankermanöver klappt super. Die Hoffnung, dass es nur an einem kaputten Impeller liegt, ist schnell dahin. Im inneren Kühlkreislauf ist keine Kühlflüssigkeit mehr, füllen wir sie auf, verschwindet sie schnell wieder. Die Idee am Ankerplatz zu bleiben, verwerfen wir. Anscheinend haben wir ein größeres Problem, dann ist es praktischer an der Pier zu liegen. Von einem kleinen Boot der Marina werden wir zurück zu unserem alten Liegeplatz geschleppt, leider bekommt Mari dabei eine tiefe Schramme verpasst. Auf dem Nachbarschiff arbeitet gerade ein Mitarbeiter der Firma Mid Atlantic Yacht Service, der uns einen Motorexperten organisieren will. Nobbi will nicht warten bis der Mechaniker am Samstag Zeit hat und beginnt den Motor auseinanderzubauen. Von außen sieht der Wärmetauscher prima aus, als er ihn von innen reinigt findet er ein großes Loch, durch das das Kühlwasser in den Abgaskanal entweichen konnte. Während wir darauf warten, ob der Schaden geschweißt werden kann, beschließt Nobbi das Ventilspiel einzustellen. Das will ich lernen und so stellen wir gemeinsam die Ventile ein. Ich werde zum „kleinen Ölfuß“, Nobbi zum „großen Ölfuß“. Es macht Spaß und ist nicht schwierig. Schade, dass wir nur drei Zylinder haben.
Da ist ein Loch!
Ventile eingestellen ist gar nicht schwierig.
Nach einem kleinen Stimmungstief haben wir akzeptiert, dass wir eben noch ein bisschen in Horta bleiben müssen. Die „Semana do Mar“ sorgt mit ihren Veranstaltungen weiterhin für Abwechslung. Im Hafenbecken findet ein Wasserball-Turnier statt, es gibt ein Kanu-Rennen und neben vielen anderen Regatten auch eine Opti-Regatta für Ü50 Oldies, die bei Flaute versuchen im Hafenbecken aufzukreuzen. Die Velsheda, eine J-Class Yacht von 1933, ist in Horta eingelaufen. Natürlich sehen wir sie uns aus der Nähe an. Viele Jahre hing ein Poster von diesem sehr schönen Schiff in meiner Wohnung – erst in Kiel, später in Frankfurt. Beim Folklore-Festival tanzen verschiedene Gruppen recht eintönig sehr ähnliche traditionelle Tänze, durch die fröhliche Stimmung ist es trotzdem mitreißend. Inzwischen kennen wir so viele Leute, dass wir überall jemanden treffen. Den Tankwart von der Wassertankstelle für die Fischer, die Besitzerin der Wäscherei, den Kassierer aus dem Supermarkt, die Verkäuferin aus dem Yachtladen. Die Regatta der Walboote, zu der auch Boote der Nachbarinseln eingetroffen sind, ist toll anzusehen. Der Start ist leider von der äußeren Hafenmole verdeckt, aber das Ziel ist nahe an der inneren Mole auf der wir sitzen. Die kiellosen Boote sind mit ihren großen Segelflächen schnell, bleiben aber in der Wende oft stecken. Einige Skipper fahren auf der Kreuz zu tief in die Bucht und verhungern in einer windlosen Zone, aber an der Ziellinie vor der Mole wird bis zum Schluss um die Position gekämpft. Auf der Parade zum Abschluss der Semana do Mar dreht sich alles ums Meer und seine Bewohner. Tintenfische, Quallen, Haie, Mantas und Wellen. Unser Favorit ist das Dorf Praia do Norte. Die Gruppe erzählt eine spannende Geschichte von einem Wal, der von einem Walfangboot gejagt wird, entkommt und dann von Whale-Watchern fotografiert wird. Alle Akteure haben sichtlich Spaß und die Vorführung mit großer Liebe zum Detail vorbereitet. Die Stars sind die Kinder im Delfinkostüm, die durch die Wellen springen. Heute oder morgen sollen wir erfahren, ob die Reparatur unseres Wärmetauschers geklappt hat oder ob wir weiterhin warten müssen.
Wasserballturnier im Hafenbecken.
Velsheda, eine wunderschöne Lady von 1933.
Tänzer beim Folklore-Festival
Die Tänze sind sehr ähnlich, aber die Tänzer enthusiastisch.
Diese Portugiesen! Trocknen Fisch an Deck!
Bei der Walboot-Regatta wird um jeden Zentimeter gekämpft:
Die Parade zum Abschluss der Semana do Mar ist bunt und fröhlich:
Der Wind soll auf Ost drehen. Nachdem wir so lange recht ruhig an unserem Liegeplatz lagen, auch bei Ostwind, machen wir uns wenig Gedanken. Es wird jedoch richtig ungemütlich. Zwei Nächte nacheinander treffen wir die Nachbarn auf der Pier, die ebenfalls ihre Leinen und Fender kontrollieren. In der zweiten Nacht schlafen wir kaum. Böen bis 30 Knoten anstatt der angesagten 10. Der Wind weht mal nördlich, mal südlich um den Pico herum und wird ordentlich beschleunigt. Die kleinen Wellen, die sich im Hafen bilden, knallen ans Heck. Im Ankerfeld kollidieren nachts um drei zwei Boote und treiben in unsere Richtung. Es ist glimpflich ausgegangen und die Boote konnten ohne Schäden getrennt werden. Morgens gehe ich ins Hafen-Büro und frage, ob wir umziehen dürfen. Wir verlegen an einen geschützten Platz auf der Innenseite der Mole und schlafen dort in der ersten Nacht zehn Stunden. Leider können wir nicht dort bleiben, bekommen aber einen ruhigen Platz im Marina-Becken längsseits an einem Segler-Wrack zugewiesen.
Endlich ist unser Paket angekommen. Über fünf Wochen hat es gebraucht und enthielt neben Ersatzteilen auch Überraschungen. Die neue Schaltung haben wir bereits eingebaut. Ich habe nun wieder eine Kreditkarte. Nobbi hat seine bereits per separatem Brief vor einigen Wochen erhalten. Nachdem Nobbis Kreditkarte in Namibia gesperrt wurde und meine auf den Kap Verden, in beiden Fällen wegen Betrugsversuchs, und die letzte verbliebene Karte abgelaufen war, wurde es langsam etwas eng.
Die Wartezeit ist uns nicht lang geworden. Wir haben das Horta Museum besucht, waren wieder mit dem Roller unterwegs, haben hervorragende Pizza auf der anderen Seite der Insel gegessen und sind zum Picknick auf den Monte Guia gelaufen. Aus Stoffen, den wir auf Rodrigues gekauft haben, habe ich Kopfkissenbezüge genäht und ein neues Moskitonetz fürs Vorschiffsluk haben wir auch bekommen.
Vor dem Abendessen geht’s diesen Berg rauf.
Abendessen mit Ausblick.
Es gibt viel neue Kunst in Horta.
Und immer wieder der Blick auf den Pico.
Die Kaffeepause ist ein wichtiger Punkt auf der Tagesordnung.
Horta Museum: diese Mühlen sind aus Feigen-Holz.
Die Europa zu Besuch in Horta.
Wunderschöne, leere Straßen.
Jetzt, wo wir weitersegeln könnten, steppt hier der Bär. Die Semana do Mar, die Woche des Meeres, hat begonnen. Eine Woche voller Konzerte, kultureller Veranstaltungen und sportlicher Wettbewerbe. Wir Segler sind ausdrücklich eingeladen. Der Bürgermeister und die „Semana do Mar“-Königin gehen von Boot zu Boot und verschenken Hortensien, Käse, Honig und einen kleinen hölzernen Wal. Eine Frau von portugiesischen Fernsehen fragt mich, ob uns die Azoren gefallen. Das ist eine einfache Frage! Bei der Vorstellung eines Buchs werfen wir einen kurzen Blick auf den portugiesischen Präsidenten, den Zieleinlauf der Atlantis-Regatta beobachten wir von der Mole. Die verrückten Schwimmer, die 4sm von Faial nach Pico schwimmen, sehen wir nur im Fernglas. Natürlich verfolgen wir die Prozession bei der die „Nossa Senhora da Guia“ von der Kirche nach Porto Pim an Bord eines Bootes getragen wird, dann an ein größeres Schiff übergeben wird und auf dem Seeweg um den Monte Guia in den Hafen von Horta zurückgebracht wird. Nach einem Schlenker entlang der Hafenpromenade gelang die Jungfrau wieder in ihre Kirche. Die großen Rockkonzerte beginnen erst um 23:30 Uhr, danach gibt es jeweils eine After-Show-Party. Zum Konzert schaffen wir es, wenn die anschließende Party beginnt schlafen wir schon. Vor den Konzerten auf der großen Bühne, gibt es viele kleinere Auftritte der lokalen Musikgruppen. Wir stellen fest, dass es viele gute Blechbläser auf Faial gibt. Auch wenn die Meereswoche ein guter Anlass wäre zu bleiben, wollen wir uns nun endlich wieder bewegen. Morgen geht es ein paar Meilen weiter.
Das Begrüßungskomitee läuft von Boot zu Boot.
Wir werden beschenkt und von Bürgermeister eingeladen die Semana do mar zu besuchen.
Die Frau vom Fernsehen fragt, ob es uns gefällt.
Die Kapelle spielt bei der Eröffnung.
Die Semana do Mar wird offiziell eröffnet.
Horta ist feierlich beleuchtet.
Dies ist eins der Begleitboote der Schwimmer, die den Kanal nach Pico durchqueren.
Ein neues Buch wird vorgestellt.
Auf Faial gibt es viele gute Blechbläser!
Die Prozession um den Monte Guia zu Land und zu See:
Es gibt Neuigkeiten in Sachen Post! Paket Nummer zwei und der Brief sind angekommen. Von Paket Nummer eins gibt es weiterhin keine Spur. Mit der eingetroffenen Post gibt es neue Aufgaben. Wir ersetzen den Monitor vom Bord-PC. Das ist einfach. Der Windgenerator soll neue Gummidämpfer und Kohlen bekommen, das ist schon etwas schwieriger. An einem windstillen Morgen lösen wir die Schrauben, die den Windgenerator-Mast in ihrer Position halten und neigen ihn vorsichtig zur Seite, so dass wir auf der Pier daran arbeiten können. Wir demontieren die Nabe mit den Rotorblättern, ziehen dann den Generator vorsichtig vom Mast ab und lösen die Kabel. Nobbi ersetzt die Gummiringe und die Kohlen, dann bauen wir alles wieder zusammen. Es klappt ganz gut, wir stehen trotzdem etwas unter Stress, unter keinen Umständen wollen wir den Windgenerator beschädigen. Ich halte die ganze Zeit den Mast fest, wir liegen hier zu unruhig um ihn abzulegen. Der Generator ist schwer und wir haben Angst, dass irgendein Teil ins Wasser fällt, daher sind erleichtert, als der Mast samt Windgenerator wieder an seinem Platz steht. Es dreht nun etwas ruhiger, allerdings noch immer nicht so wie früher. Da wir die Lager nicht selbst tauschen können überlegen nun, ob wir das im Winter vom Hersteller machen lassen wollen. Zeit sich einfachen Wartungsarbeiten zu widmen. Alle unsere Winschen haben wir zerlegt, gereinigt, gefettet und wieder zusammengebaut. Das hat sich diesmal gelohnt, da war ziemlich viel Dreck zu entfernen und bei einer waren die Federn der Sperrklinken gebrochen. Nun schnurren sie wieder und das Reffen wird noch mehr Spaß machen. Gelegentlich beschäftigen wir uns ausgiebig mit irrelevanten Dingen. Im Hafenbecken liegt ein Einkaufswagen fünf Meter unter dem Boot, den wollen wir bergen. Ich werfe den kleinen Draggen ins Wasser und hoffe, dass er sich im Einkaufswagen verhakt. Schon im dritten Anlauf sitzt der kleine Anker. Ich ziehe – und es passiert nichts. Also muss ich wohl ins Wasser. Mit Maske und Flossen springe ich rein und stelle fest, dass der Draggen sich im Einkaufswagen verkantet hat. Wenn ich schon den Einkaufswagen nicht aus dem Wasser bekomme, so möchte ich doch wenigstens den Draggen wiederhaben. Meine Lösungsstrategie ist einfach: Nobbi soll ihn wieder rausholen. Er schnorchelt viel besser als ich, das muss ich leider zugeben. In der Zwischenzeit putze ich mit den Schwamm den Wasserpass. Auch Nobbi zieht mal ordentlich an der Leine, doch der Einkaufswagen bewegt sich nicht. Schließlich beschließen wir den Draggen und damit den Einkaufswagen über die Winsch dicht zu holen. Der erste Versuch ist erfolglos, beim zweiten bauen wir einen Block an Maris Bug an, um den Zugwinkel zu verändern. Tatsächlich – der Einkaufswagen bewegt sich und baumelt nun zwei Meter unter der Wasseroberfläche. Ich knote eine weitere Leine an und mit vereinten Kräften zerren wir ihn auf die Pier. Das Schnorcheln im Hafenbecken macht Spaß, weil viele Fische unterwegs sind. Ein Rochen schwimmt regelmäßig an der Mauer entlang. Die Klemme, mit der unsere Radioantenne am Windgeneratormast befestigt war, finden wir beide nicht. Nobbi kann aber eine gelbe Wäscheklammer einsammeln. Am Mittwoch sind wir nochmal mit einem Roller über die Insel gefahren. Eine Straßensperrung lässt uns die Umgebung erkunden. Irgendwo außerhalb von Horta gehen wir in kleinen Straßen verloren. Eine Umleitung ist nicht ausgeschildert. Warum auch, man kennt sich ja aus. Schließlich kommen wir doch noch beim Botanischen Garten an. Der kleine Garten hat sich auf einheimische Pflanzen spezialisiert. Die unterschiedlichen Habitate und typische und endemische Pflanzen werden gut erklärt. Es gibt hier eine Samenbank, wo Samen von gefährdeten endemischen Arten aufbewahrt werden. Azorina vidalii, die Azorenglockenblume, ist vermutlich eine der ersten Pflanzen die Santa Maria, die älteste Azoreninsel, besiedelt hat. Ihre Pollen wurden in einer 8,3 Mio. Jahre alten Erdschicht entdeckt. Erscheint der Botanische Garten im Gegensatz zum buntblühenden Straßenrand zunächst etwas unspektakulär, gibt es viele interessante Pflanzen und Geschichten zu entdecken, wenn man sich ein wenig Zeit nimmt. Auch die Abteilung mit den Nutzpflanzen ist interessant und im Besucherzentrum kann man schließlich noch den Tee des Tages probieren. In einer kleinen Bar am Strand von Almoraxife versuchen wir Mittag zu essen. Nach zwanzig Minuten in der Schlange vor der Bar haben wir noch nicht mal bestellt. Wir schwingen uns auf den Roller und essen in Horta bei einer Bäckerei. Dann machen wir uns wieder auf den Weg und bummeln von Aussichtspunkt zu Aussichtungspunkt. Vor einer kleinen Bar in einem ausgestorbenen Dorf trinken wir einen Espresso. Hier kann man ruhig direkt an der Hauptstraße sitzen, nur ab und zu kommt ein Auto vorbei. Abends picknicken wir an der Kapelle auf dem Monte Guia mit Blick auf Horta. Die steinerne Mauer ist noch warm und im Abendlicht ist der Blick auf die Stadt besonders schön. Nie hätten wir gedacht, dass wir sechs Wochen in Horta verbringen würden. Ein schöner Ort für einen ungeplanten Aufenthalt.
Wieder aufgetaucht: der Einkaufswagen.
Eine Brücke führt zum hinteren Teil des Botanischen Gartens.
Der kleine Botanische Garten wurde abwechslungsreich angelegt.
Die Azorenglockenblume soll zu den ersten Pflanzen auf Santa Maria gehört haben.
Die Hortensien am Straßenrand stehen in voller Blüte.
Von Horta hat man einen sehr schönen Blick auf die Nachbarinsel, die nach ihrem höchsten Gipfel, dem Ponta do Pico benannt wurde. Der Vulkan Pico ist mit 2351 nicht nur der höchste Berg der Azoren, sondern auch der höchste Berg Portugals. Wir lieben den Blick auf den Pico, die Wolken am Berg verändern sich ständig und abends leuchtet seine Spitze im roten Abendlicht. Im Winter ist sein Gipfel manchmal Schnee bedeckt, doch bis dahin ist unser Paket hoffentlich eingetroffen und wir sind weitergereist.
Die Schlange vorm Ticketschalter ist lang, aber wir können unsere Fahrkarten für die Überfahrt nach Pico noch rechtzeitig kaufen. 27 Euro kosten die Retourtickets für uns beide. In Portugal ist ein „Senior“ außerordentlich schonend für die Bordkasse. Nobbi bezahlt häufig (viel) weniger als ich. Die Fähre ist sehr voll, wir entscheiden uns für einen Stehplatz an Deck, die kurze Fahrt dauert nur eine knappe halbe Stunde. Der kleine Ort Madalena, in dem die Fähre anlegt, ist bis auf seine große Kirche unspektakulär. Wir sehen uns die Kirche Santa Maria Madalena mit ihrem goldenen Altar an. Zu ihren Ehren beginnt heute ein mehrtägiges Fest und es werden gerade einige Buden aufgebaut. Nachdem wir uns mit Espresso und Gebäck gestärkt haben, verlassen wir den kleinen Ort und wandern an der Küste entlang. Das Verdelho-Anbaugebiet gehört seit 2004 zum UNESCO Welterbe. Bereits 1460 wurden erste Weinreben auf Pico gepflanzt. 1718 und 1720 vernichteten Vulkanausbrüche Felder auf denen Getreide, Obst und Gemüse angebaut worden waren. Danach wurde vermehrt auf Weinbau gesetzt. Kleine Lavamauern schützen die Pflanzen vor Wind und salziger Gischt und speichern die Wärme. Im 19. Jahrhundert brach der Weinbau stark ein, nachdem sich die Reblaus über den Wein hergemacht hatte. Später wurden andere Reben angepflanzt und der Weinbau wurde an vielen Orten eingestellt. Zweifelsohne war es nicht nur sehr mühsam die unzähligen Mauern zu errichten, auch die Arbeit an den Reben ist sehr anstrengend. Wir machen eine schöne kleine Wanderung durch die Weinfelder. Auf den Wegen kann man bis heute die Spuren sehen, die die Ochsenkarren im Lavagestein hinterlassen haben. Unterwegs suchen wir uns ein Plätzchen, wo wir unsere Brote essen wollen. Gar nicht so einfach. Es ist sehr warm auf dem schwarzen Boden. Nicht nur die Reben bekommen warme Füße. Zurück in Madalena machen wir einen kleinen, sehr erfolgreichen Einkaufsbummel. Natürlich bringen wir unserer Mari etwas vom Ausflug mit. Eine 24 Meter lange 10 mm-Leine in hübschem Blau wird unser neuer Toppnant (die Leine, die den Spibaum waagerecht hält). Als wir am späten Nachmittag wieder an Bord sind, haben wir platte Füße. Die Wanderung war anstrengender als gedacht.
Santa Marina Madalena
Der goldene Altar in der Kirche.
In Madalena gibt es einige hübsche Häuser am Wasser.
Die Reben verstecken sich zwischen den schwarzen Mauern
Eine kleine Mühle mitten im Weinberg.
Von der Mühle hat man einen schönen Blick über das Labyrinth aus kleinen Mauern.
Weiterhin warten wir auf unsere Pakete. Bei jedem ankommenden Containerschiff bin ich mir „sicher“, dass mein Paket an Bord ist. Langsam würden wir gerne weitersegeln. Wir wollten nicht den ganzen Sommer in Horta verbringen. Aber es hilft nichts, wenn wir uns ärgern kommt unsere Post auch nicht schneller. Nach dem gelungenen Wochenende mit Inselrundfahrt soll das Wetter schlechter werden. Erwartet wird nicht nur Regen, sondern auch starker Wind aus Süden. Während einige Segler einen „strong blow“ erwarten, haben andere erst gar nicht den Wetterbericht beobachtet und sind so völlig entspannt. Es herrscht ein allgemeines Chaos, weil viele Boote umgeparkt werden. Als das schlechte Wetter einsetzt und viele Segler in Regenjacken auf der Pier stehen, vordergründig um ihre Leinen zu kontrollieren, in Wirklichkeit aber um mit ihren Nachbarn zu schnacken, fahren vier Mädels im Badeanzug in einem Dinghi auf und ab und fragen nach Schokolade. Etwas absurd, aber lustig. Wir sind froh um unsere Konstruktion aus Fenderbrett und Reifen, so werden unsere Fender nicht an der rauhen Betonpier aufgerieben. Letztlich pustet es draußen ganz ordentlich, im Hafen ist davon aber nicht viel zu spüren. Ein paar starke Böen, mehr nicht. Wir beschäftigen uns mit kleinen Bootsaufgaben. Die Starlink-Antenne haben wir nach nur einem Jahr im Einsatz weggeworfen. So genial es ist Internet an Bord zu haben, so nervig ist die Tarifstruktur von Starlink. Um unsere Antenne auf einen regionalen Tarif umzumelden, sollen wir 300 Euro bezahlen. Neu kostet die komplette Anlage hier gerade etwa 200 Euro. Das sehen wir nicht ein. Die Summe von Hochseemeilen, die wir in näherer Zukunft segeln wollen ist überschaubar, also beschließen wir, dass wir nun wieder ohne Satelliten-Internet unterwegs sein werden. Nach so vielen Ozeantagen in den letzten Monaten hat Mari sich ein wenig Pflege wirklich verdient. Wir polieren Edelstahl-Teile, entfernen Rostflecken, nähen das Bimini nach und tauschen Filter aus. Die Sofakissen und die Vorhänge werden gewaschen, Schimmelflecken im Vorschiff entfernt und der Herd geputzt. Ganz normaler Haushaltskram. Leider wird bei vielen dieser Arbeiten die ToDo-Liste länger. Ein Mosquito-Netz zerlegt sich und die Vorhänge sind nicht nur sehr ausgeblichen, es zeigen sich auch kleine Löcher. Auch bei Ausrüstung und Kleidung gibt es einige Verluste. Nobbis Schuhe verlieren die Sohlen, manch ein vermeidlich gutes Kleidungsstück wird nach Inspektion bei Tageslicht als Bordkleidung klassifiziert. Wir fühlen uns wohl in Horta, auch wenn das Duschen drei Euro kostet. Die teuerste Dusche unserer Reise. Auch die Warnung, dass Duschen auf Helgoland noch teurer sei, versöhnt mich nicht, sondern sorgt höchstens dafür, dass Helgoland auf der Liste der Wunschziele noch weiter nach hinten rutscht. Für drei Euro bekommt man hier im Supermarkt eine Flasche guten Wein, zwei Espressi und ein Stück Kuchen oder ein großes, frisch gezapftes Bier bei der Lieblingsbäckerei. Es gilt also Prioritäten zu setzen. Trotz der attraktiven Alternativen duschen wir, allerdings nicht statt des Kaffeetrinkens sondern zusätzlich. Das Wasser im Hafen ist glasklar und man kann bis auf den Grund in fünf Meter Tiefe sehen. Unter unserem Boot leben unterschiedliche bunte Fische, die Tomatenstückchen lieben. Der Hafen ist auch als Badestelle beliebt. Oft verbringen die Gruppen eines Feriencamps den Tag an der Bootsrampe mit baden, paddeln und sonnen, dann herrscht Freibad-Atmosphäre. Dieses Wochenende war schon wieder ein kleines Festival mit Konzerten. Freitagnachmittag gab es ein fröhliches Badebootrennen, das wir uns natürlich angesehen haben. Während Zweier-Teams im k.o.-System versuchen die trägen Gummiboote um die Bojen zu paddeln, haben wir einen Logenplatz im Schatten einer Mauer ergattert. Samstag gab es ein Konzert auf der anderen Seite des Hafenbeckens, die Zuschauer kamen mit allem was schwimmt: Schlauchboote, Kanus, Segelyachten, Walboote und SUPs. Wir hatten gewissermaßen einen Logenplatz und haben aus der zweiten Reihe von unserem Deck aus zugehört.
Der Hafen von Horta dient als Freibad.
Mit einer alten Rettungsinsel wird tagelang gespielt.
Diese Konstruktion aus Reifen, Fenderbrett und Fendern schützen unseren Rumpf vor der rauen Betonmauer.
Hier kann man die Konstruktion von der Seite sehen. Die Bänsel verhindern, dass die Festmacher sich bei Hochwasser hinter am Fenderbrett verhaken.
Die Teilnehmer des Badebootrennens sind bestens gelaunt.
Es ist nicht so einfach die unförmigen Badeboote auf Kurs zu halten.
Letzte Woche waren wir im Scrimshaw-Museum. Scrimshaw nennt man die Gravur von tierischen Zähnen oder Knochen. Der Begriff stammt von den Walfängern, die zum Zeitvertreib Pottwal-Zähne verzierten. Es hatte zunächst keine positive Bedeutung, galt es doch nur als faules Vergnügen um die Zeit totschlagen, inzwischen werden die Kunstwerke sehr geschätzt. Die Sammlung des kleinen Museums über Café Sport gilt als eine der größten und schönsten für Scrimshaw-Kunst. Wir fragen an der Bar, ob wir das Museum besuchen können. Nach kurzer Zeit holt uns eine Frau ab, die uns eine fantastische Führung durch die Sammlung mit vielerlei Hintergrundwissen gibt. Der größte Pottwalzahn der Ausstellung ist zwei Kilo schwer, die meisten der verzierten Zähne sind zehn bis fünfzehn Zentimeter groß. In der Sammlung gibt es alte und neue Stücke, natürlich herrschen Walfang-Motive vor, aber es wurden auch Alltagsszenen und bekannte Persönlichkeiten abgebildet. Nicht nur die Mitglieder der Café-Sport Familie, auch viele berühmte Segler haben es auf die Zähne geschafft. Mir gefallen die klassischen Abbildungen von Großseglern jedoch am besten. Der Nachschub an Walzähnen dürfte sehr begrenzt sein, irgendwann werden alle alten Zähne eine Gravur erhalten haben. Der Handel mit Pottwalzähnen ist in der EU zum Glück inzwischen verboten.
Unser Plan für Sonntag: kein Plan, wir wollen uns einfach ein wenig umsehen. Über den Aussichtspunkt bei Nossa Senhora da Conceicão fahren wir nach Praia do Almoxarife. Der lange Strand mit seinem schwarzen feinen Sand gilt als schönste Faials, allerdings muss man auch sagen, dass es auf dieser steilen Vulkanischen Insel wenig Konkurrenz gibt. Schon morgens wird ausgiebig gebadet, die Cafés sind geöffnet und es herrscht eine angenehme Ferienatmosphäre. Wir folgen der Ostküste nach Norden, nach Riberinha. Entlang der schmalen Straße zu einer schönen Badestelle, einem Campingplatz und einer kleinen Kapelle, stehen sehr schöne Kühe, zu denen ich natürlich Kontakt aufnehme. Die Rinder imposanter Größe stehen auf einer eingezäunten Weide. Viele ihrer Artgenossen werden mit einem langen Seil, das um die Hörner geknotet wird irgendwo angebunden. Zwei Stiere haben Messingkappen auf den Hörnern. Leider können sie uns nicht erzählen, welche Bewandtnis diese Accessoires haben. Vielleicht sind die beiden Stars des lokalen Stierkampfes, oder es handelt sich um besonders modebewusste Tiere? Mal sehen, ob wir das noch in Erfahrung bringen können. Die Straße zum Leuchtturm am Ponta da Riberinha ist etwas mitgenommen. Kein optimaler Untergrund für unseren altersschwachen Roller. Auch wenn wir gewaltig durchgeschüttelt werden genießen wir die Fahrt auf der hübschen Route mit Meerblick. Vom Leuchtturm sehen wir den Blas von Walen und ärgern uns, dass wir kein Fernglas dabei haben. Bei einer kleinen Pizzeria an der Nordküste essen wir eine fantastische Pizza. Lustigerweise stellen wir später fest, dass unsere kanadischen Freunde eine Stunde vor uns dort ebenfalls zu Mittag gegessen haben und gleichzeitig mit uns noch eine andere Bootscrew dort war. Die Idee eine Straße durchs Inselinnere zurück nach Horta zu nehmen verwerfen wir nach einigen hundert Metern. Zu rüttelig für uns. Also fahren wir weiter entgegen des Uhrzeigersinns um die Insel, sehen uns den Badeort Varadouro im Westen an und wählen die Straße durchs Inselinnere auf der Südseite. Diese Straße ist in hervorragendem Zustand und wenig befahren. Hier gibt es auch schwarz-bunte „Holsteiner“ Kühe, nur die Knicks sind anders als in Holstein mit Hortensien bepflanzt. Knicks sind Hecken, die auf einem kleinen Erdwall gepflanzt werden um Äcker und Weiden einzufassen. Auf den Azoren werden vermutlich aus den gleichen Gründen Hecken gepflanzt, um Flächen zu unterteilen, als Windschutz um die Erosion zu begrenzen und um Vieh einzuzäunen. Hortensienhecken sind sehr beliebt. Nach einer ausgiebigen Pause an einem Aussichtspunkt mit Hortensien, netten Kühen und Pico-Blick, kehren wir zu Mari zurück. Spontan packen wir uns ein Picknick aus Oliven, Avocado-Creme, Kräckern, Käse und Mousse au Chocolat ein und essen unser Abendessen an einem Aussichtspunkt an der Ostküste, der uns schon morgens gut gefallen hatte. Die Gelegenheit zum Abendessen irgendwo hinzufahren haben wir nicht so oft. Montagmorgen gibt Nobbi den Roller im Regen wieder ab. Faial ist eine kleine Insel, trotzdem sind in den zwei Tagen 186 km zusammen gekommen. Horta und Umgebung gefallen uns gut. Es wäre trotzdem schön, wenn unsere Pakete langsam eintreffen würden. Falls wir noch länger warten müssen, könnten wir uns vorstellen eine weitere Inseltour zu unternehmen.
Der Strand von Almoxarife ist schon morgens gut besucht.
Überall schöne Ausblicke.
Die Hörner haben Messingkappen.
Die Kirche von Riberinha wurde bei einem Erdbeben zerstört.
Samstagmorgen ist es ungemütlich im Hafen, es regnet. Der Wind kommt aus dem Norden und eine unangenehme Kabbelwelle schüttelt die Boote an der Außenmole durch. Die Ausflugsboote, Dinghis und Fischer, die hin- und herfahren, machen zusätzliche unruhige Wellen. Die Mehrheit der Bootsfahrer kann langsam fahren und tut es auch. Ein paar Spezialisten haben noch nicht herausgefunden, dass ihr Gashebel nicht digital funktioniert und bringen bei jedem Auslaufen die Boote an der Mole in Bewegung. Zwischendurch ist es so heftig, dass ich Mari immer wieder von der Pier abdrücke, weil sich die Fender selbstständig machen wollen. Ein Blick auf den Wetterbericht zeigt sonniges Wetter für den Sonntag, Anfang der Woche soll es dann deutlich schlechter werden. Wir beschließen, dass der Nordwind bald nachlassen wird und mieten uns einen Roller. Tatsächlich, mittags ist es weniger unruhig und wir entscheiden, dass wir Mari für ein paar Stunden alleine lassen können. Als erstes wollen wir uns den Vulkan im Westen der Insel ansehen. Hier wimmelt es von Vulkanen, doch mit „dem Vulkan“ ist in der Regel der Vulcão dos Capelinhos gemeint, der 1957/1958 zuletzt ausgebrochen und die Insel erheblich vergrößert hat. Im unterirdischen Besucherzentrum gibt es eine schöne Ausstellung über Vulkanismus, die Entstehung der Azoren und den Ausbruch von 1958, sowie seine Folgen. Das Vulkan-Zentrum ist auch baulich beeindruckend, obwohl es sich mir architektonisch nicht sogleich erschließt. Es fühlt sich etwas nach „function squeezed into form“ an. Vielleicht war es anders geplant? Der Leuchtturm, der den Vulkanausbruch überstanden hat, wurde ins Besucherzentrum integriert und der Eintritt ist im Ticket enthalten. Natürlich steigen wir hinauf. Die junge, vulkanische Landschaft ist wirklich beeindruckend und bildet einen tollen Kontrast zur grünen Insel (auch vulkanisch, aber nicht so jung) und dem unglaublich blauen Himmel. Anschließend machen wir einen Abstecher zur nahegelegenen Badestelle. Zwischen den Felsen gibt es ein natürliches Badebecken. Die Hälfte der Crew genießt ein kühles Bad, bevor wir zurück zu Mari düsen. Nachdem wir uns vergewissert haben, dass es unserem Boot gut geht und alle Fender noch an ihrem Platz sind, fahren wir wieder los. So grausig das Wetter morgens war, so schön ist es jetzt. Nicht eine Wolke ziert den Himmel über Faial. Diesmal wollen wir die Caldera sehen. Unser Roller hat schon 45.000 km runter und röchelt etwas an den Steigungen. Trotzdem kommen wir gut voran. Auf Faial ist kaum Verkehr und die Fahrt so sehr entspannt (auch für Leute, die nicht immer begeistert Roller fahren). Je höher wir kommen, umso kälter wird es. In Horta sind etwa zwanzig Grad, was sich in der Sonne erheblich wärmer anfühlt. Auf dem Roller frieren wir nun in unseren Windjacken. Der Blick in die fast runde Caldera ist atemberaubend. Im Abendlicht lockt der Wanderweg und kurz überlegen wir, ob wir die Wanderung spontan wiederholen sollen. Wir sind froh, dass wir die wolkenlose Zeit genutzt haben. Der Pico wird von der Sonne angeleuchtet, die grüne Caldera wirkt wie aus einer anderen Zeit, die Straße schlängelt sich durch Kuhweiden und Wald. Wunderschön. An einem tiefergelegenen Aussichtspunkt legen wir eine Pause ein, wärmen uns wieder auf und genießen – immer wieder! – den Ausblick. Dem Wetter auf den Azoren sagt man nach, dass es sich fast so schnell ändern kann wie das schottische. Morgens haben wir gehofft, dass das Wetter besser wird. Von so einem traumhaften Nachmittag und Abend hatten wir nicht zu träumen gewagt!
Der Vulkan von Capelinhos mit seinem Leuchtturm:
Zwischen den Felsen gibt es eine sehr schöne Badestelle.