Bootsgetüddel beschäftigt uns

Irgendwas ist ja immer. Auf allen Booten gibt es eine To-Do-Liste, auf der mehr oder weniger wichtige Aufgaben darauf lauern erledigt zu werden. Manche Arbeiten wollen jedoch nicht auf die Liste, sie wollen sofort erledigt werden.
Zuerst meldet sich der Großschot-Traveller. Das ist die Schiene auf der die Schot, also die Leine mit der man das Großsegel bedient, bewegt wird. Wir hätten ihn vermutlich ersetzt bevor wir in Bremen gestartet sind, wenn es denn Ersatzteile gäbe. Unsere Befürchtungen, dass wir eine brutale Notlösung bauen müssen, die das Bohren mehrere Löcher beinhaltet, bewahrheiten sich nicht. Die Schrauben zeigen sich kooperativ, Nobbi zerlegt das Ding, ersetzt eine Schraube und baut es wieder zusammen.
Als wir in Kangean ankommen, hat Nobbi plötzlich den Seewasser-Hahn in der Hand. Streng genommen ist es kein Wasserhahn, sondern die Tülle, wo das Seewasser ankommt, das man per Fußpumpe ins Waschbecken befördert. Er bastelt Ersatz aus einem Rest des Rohrs und einem Schlauch. Diese Konstruktion ist gefährlich, benutzt man die Fußpumpe versehentlich wenn man eigentlich die Süßwasser-Pumpe benutzen wollte, spritzt es nicht ins Waschbecken, sondern ins Gesicht. Deshalb erfindet Nobbi eine neue Konstruktion, die nun pannenfrei funktioniert.
Zwischen Kangean und Bawean meldet sich wieder der Traveller, nun die andere Seite. Jetzt wissen wir wie es funktioniert, hier schafft eine kleine Mutter Abhilfe. Nicht so elegant, aber vorerst funktionsfähig. Das Schöne an solchen Baustellen ist, dass man mal eben den Werkzeugkasten braucht und mehrere Kisten rausholt, um die unterste nach einer passenden Mutter zu durchsuchen. Als Nobbi aufwacht, habe ich alles auf dem Fußboden ausgebreitet. Er ist zunächst nicht so begeistert, reißt noch im Halbschlaf das Kommando an sich und erledigt die Reparatur vor dem ersten Kaffee.
Angekommen in Bawean, kleben wir das Unterliek der Genua. Eine Naht ist aufgegangen. Als wir auf dem Vorschiff rumturnen, stellen wir fest, dass wir sich zwei Beschläge am Spibaum gelöst haben. Das sind die besten Baustellen, die die man findet und behebt bevor sie sich bemerkbar machen.
Die nächsten Aufgaben warten sicherlich schon auf Erledigung. Wir wissen es nur noch nicht.

Wasserhahn Modell „Nobbi“

Fischer, Verkehr und Lummerland

Von Lombok machen wir uns auf den Weg nach Norden. Zunächst verlegen wir wieder in die Bucht im Norden Lomboks. Von dort sollen uns 3 Etappen nach Belitung bringen.
Zunächst liegen 110 Meilen nach Kangean vor uns, der nächste Abschnitt ist mit 170 Meilen nach Bawean schon etwas länger und die dritte Überfahrt ist dann ganze 350 Meilen lang und führt uns nach Belitung. Alle Strecken sind zu lang um sie am Tage zu bewältigen, wir müssen die Nächte durchsegeln. Eigentlich ist das schon lange nichts Besonderes mehr, wir haben schon etliche Nachtfahrten unternommen. Besonders sind nur die indonesischen Herausforderungen. Es kursieren abenteuerliche Geschichten. Die meisten lassen sich kurz zusammenfassen: Fischer, unglaublich viele Fischer. Positionslichter führen diese Boote natürlich keine, zu sehen wären diese sowieso nicht, da ganze Batterien von an Deck installierten Scheinwerfern die Fische in die Netze locken sollen und alles überstrahlen. Vernünftigerweise gehen wir davon aus, dass der Schiffsverkehr in der Umgebung nicht mit der nötigen Sorgfalt beobachtet wird, schon gar nicht segelnde Yachten. Das Radar hilft uns auch nicht weiter, da die hölzernen Fischerboote im Seegang oft kein Echo liefern. Wir starten also mit einigem Respekt in diesen Abschnitt. Vor allem ich habe Bammel. Blinkende Fischer überall, das ist der Stoff aus dem meine seglerischen Albträume gestrickt sind. Jetzt steht also eine Konfrontationstherapie an.

Die erste Etappe nach Kangean verläuft weitgehend ruhig, das Segeln macht Spaß und wir kommen gut voran. Tatsächlich sind wir so schnell, dass wir reffen um nicht zu früh anzukommen. Wir wollen den Ankerplatz nicht im Dunklen ansteuern. In der zweiten Nachthälfte sehen wir viele Fischer, die meisten sind jedoch weit weg. Ein Frachter überholt uns und ich versuche ihm ein Stückchen hinterher zu fahren. Dort wo er gerade gefahren ist kann kein Fischer sein. Mal wieder wundern wir uns, dass in Indonesien doch noch immer große Schiffe ohne AIS unterwegs sind. Außerdem haben viele indonesische Schiffe so schwache AIS-Signale, dass sie erst auf dem Display erscheinen, wenn das Schiff nur noch 1,5 oder 2 Meilen entfernt ist.
Als ich gerade darüber nachdenke, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, huscht in der schwarzen Nacht ein FAD, eines dieser unsäglichen Flöße die Fische anlocken sollen, vorbei. Nur wenige Meter neben uns, 15 Meilen von der nächsten Insel entfernt. Ich hab mich sehr erschrocken und frage mich wie viele von den Dingern wir wohl nicht gesehen haben. Die Aussicht auf die kommenden Segelnächte deprimiert mich, genau zur rechten Zeit taucht eine Schule Delfine auf und begleitet mich einige Meilen. Mit dem allerersten Lichtschein erreichen wir Kangean und fahren langsam zu unserem Ankerplatz.

Nach dem Frühstück baden wir ausgiebig, erledigen ein paar Kleinigkeiten und schleppen uns müde durch den Tag. Direkt nach Sonnenuntergang gehen wir ins Bett. Die Nacht endet früh, um zwei Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die große Bucht. Hier sind viele kleine Fischerkanus unterwegs, die meist nur mit kleinen Blinklichtern beleuchtet sind. Oder gar nicht. Es blinkt grün oder blau, oder jemand wedelt plötzlich mit einer Taschenlampe, um auf sich aufmerksam zu machen.
Als die Insel hinter uns zurückbleibt werden auch die kleinen Fischer weniger. An Steuerbord reiht sich ein großer Fischer an den anderen, ein Band aus hellen Lichtern zieht sich am Horizont entlang.
Der Tag ist recht ruhig, aufpassen muss man aber immer, es gibt viel Verkehr. Und Müll. Immer wieder treiben einzelne Plastiktüten oder Planen vorbei oder aber ganze Teppiche oder Bänder aus Plastikteilen. Abgesehen davon, dass der Müll nichts im Meer zu suchen hat und eine ökologische Katastrophe bedeutet, haben wir Segler Angst vor Plastiktüten, die den Kühlwassereinlass verstopfen können. Dann läuft der Motor innerhalb kürzester Zeit heiß und kann beträchtlichen Schaden nehmen. Eine weitere Müllgefahr stellen Leinen dar. Hier werden gerne schwimmende Leinen verwendet, die sich am Schiff vertüddeln oder in den Propeller geraten können.
Wir sind froh, dass wir die ganze Strecke segeln können. Segeln macht mehr Spaß, es ist leiser, wir verbrauchen keinen Diesel und wir brauchen uns keine Sorgen ums Kühlwasser zu machen.
In der zweiten Nacht wird es wieder spannend. Um uns herum sind so viele Lichter, dass ich große Teile meiner Wache auf der Cockpitbank stehe um alle im Blick zu behalten. Sieht man nur den Wiederschein am Horizont, ist der Fischer weit weg, kann man die hellen Lichter sehen, ist er näher dran. Wie nahe ist kaum einzuschätzen. Lange funktioniert es, ab und zu ein bisschen an der Windfahne zupfen, etwas anluven, etwas abfallen, wir schlängeln uns durch.
Ein Frachter überholt, ein Frachter kommt entgegen. Diese Fischer bei denen man oft weder Abstand, noch Geschwindigkeit, manchmal nicht mal Fahrrichtung ausmachen kann, machen mich verrückt. Man lernt einen Tanker auf Gegenkurs zu schätzen, da weiß man woran man ist. Die Lichter sind eindeutig zuzuordnen, meistens erscheint er früh auf dem AIS (Ausnahmen, ihr wisst schon. Indonesien gewöhnt einem in dieser Hinsicht das Wundern ab) und er dreht nicht einfach um, stoppt auf oder fährt zick zack. Ich sehe ein komisches Licht vor mir. Erst dachte ich es sei ein Fischer, doch nun kann ich mehrere weiße Lichter ausmachen und ein grünes. Das könnte ein Schlepper sein! Hat der einen Anhang? Und wo will er hin? Irgendwie kann ich das auf dem Radar nicht zuordnen, aber das Ding scheint nun doch recht nah zu kommen. Ich wecke Nobbi. Irgendwann sehen wir weit hinter dem Schlepper den Anhang. Bei uns an Bord heißen diese Anhänge Lummerland, da die Schüttgutbeladung auf der Barge aus der Ferne wie eine Insel (oder zwei) aussieht. Das Ding ist nicht beleuchtet. Wir schmeißen schließlich die Maschine an um noch vor dem Schleppverband zu passieren, dann kehrt wieder Ruhe ein.
Auch am nächsten Tag hält uns der Verkehr auf Trab. Ein Tanker zwingt uns zum Halsen, er weicht nicht aus und meldet sich nicht am Funk. Viele Fischer sind auf dem Weg nach Hause, andere ankern irgendwo mitten auf See und schlafen. Mittags kommen wir der Küste von Bawean näher und damit auch den kleinen Fischern, ihren Bojen und den FADs. Zwischen Kangean und Bawean sind wir zehn Halsen gefahren, ein paar, weil wir vorm Wind gesegelt sind, die meisten aber um auszuweichen.
In der Ansteuerung der Bucht auf der Nordseite Baweans haben wir wieder ein Lummerland-Erlebnis. „Nobbi, hier ist eine Insel zu viel“. Da sollen ein paar kleine Felsen sein, aber diese Insel kann ich nicht zuordnen. Ihr ahnt es, eine Schute liegt vor der Bucht vor Anker. Diese hat vier Hügel, wir nennen sie Neu-Lummerland. In der Bucht liegen noch weitere Schlepper samt ihrer Anhänge und sorgen für ein wenig Logistiker-Romantik.
Auf Bawean bleiben wir etwas länger, schlafen gründlich aus, treffen mal wieder andere Segler und sehen uns an Land um.

In Bawean treffen wir James Bond.
Das ist mal eine gelungene Luxus-Yacht!

Nun steht die Überfahrt mit drei Nächten an. Wir sind gut vorbereitet, die MP3 Player sind mit Podcasts und Hörbüchern bestückt, zum Lesen finden wir bei so viel Verkehr kaum Ruhe. In den ersten beiden Nächten ist der Horizont fast durchgehend von unendlichen vielen Fischerbooten erleuchtet. Die meisten liegen vor Anker, das macht das Ausweichen einfach, einige fahren aber auch auf und ab und wollen sorgsam beobachtet werden.
Der zweite Tag ist richtig anstrengend. Den ganzen Tag sehen wir hunderte von Fischern. Die Boote sind bei Tageslicht oft erst spät zu sehen, mal liegen sie vor Anker, mal haben sie ein Netz draußen und wieder andere fahren auf und ab. Einer fährt ganz dicht hinter uns durch. Der wollte wohl mal gucken.
Am Morgen des dritten Tages erreichen wir die ASL, eine Art empfohlene Route für die Großschifffahrt und von einem Moment auf den anderen sind die Fischer weg. Den ganzen Tag sehen wir nur zwei große Schiffe. Es fühlt sich an wie Urlaub. Allerdings rumpelt es einmal heftig. Ich erschrecke und springe raus. In unserem Kielwasser treibt eine dicke Holzbohle Typ „Eisenbahnschwelle“. Bei der Kontrolle der Bilgen finden wir nur Staub. Es scheint nichts passiert zu sein. Später stellen wir leider fest, dass diese Kollision nicht ohne Folgen blieb, der Geber unseres vorausschauenden Echolots ist angebrochen und funktioniert nicht mehr. Auch die dritte Nacht ist unwirklich ruhig. In der ganzen Nacht sehen wir nur fünf Fischer und müssen kein einziges Mal ausweichen.
Bei der Ankunft in Belitungs Gewässern haben wir unglaubliches Glück und sehen zwei Walhaie. Nur wenige Meter vom Boot schwimmen die riesigen Fische (über 5m lang) direkt an der Wasseroberfläche. Und noch unglaublicher, bei unserer Abfahrt von Lombok haben wir in ganz klarem Wasser auf 20m den Grund gesehen und einen weiteren Walhai, der unter uns durch zog. Auch wenn diese Begegnungen so kurz sind, so sind sie doch etwas ganz Besonderes. Wir fühlen uns reich beschenkt.
Der Wind weht kräftig, der Strom schiebt und wir sind schnell unterwegs. Es ist noch früh und wir entscheiden uns gleich noch ein Stückchen weiter zu segeln. Am angepeilten Ankerplatz steigen schwarze und weiße Wolken auf. Das sind nicht die üblichen Qualm Wolken der kleinen Müllfeuer. Hier ist eine große Industrieanlage gebaut worden. Das ist nicht der richtige Ankerplatz für uns, wir biegen ab und ankern hinter einer kleinen Mangroveninsel. Eine gute Wahl. Wir schlafen wunderbar.
Nach der ruhigen erholsamen Nacht, ziehen wir Bilanz. Es war anstrengend, aber eigentlich gar nicht so schlimm. Die Konfrontationstherapie war erfolgreich. Das ist gut, denn das waren nicht die letzten Nachtfahrten in dieser Saison und wir überlegen, ob wir die Strecke im nächsten Jahr von Nord nach Süden segeln wollen.

Marina del Ray und ein Spaziergang auf Gili Gede

Wir beschließen an der Westküste Lomboks entlang nach Süden zu segeln. Dort gibt es auf der kleinen Insel Gili Gede eine Marina. Drei Nächte (14. bis 17. September) gönnen wir unserer Mari einen Stegplatz in der Marina del Ray. Mari bekommt eine Dusche und wir genießen es ins Restaurant zu spazieren ohne vorher ins Dinghi zu steigen, zumal unsere letzten Dinghifahrten durch unser Leck ja doch sehr nass waren. Wir nutzen die Chance und versuchen unser Schlauchboot zu kleben. Zusätzlich schrauben wir das Gewebe mit der Aluleiste am GfK-Boden fest. Wie gut, dass sich unter Nobbis Koje noch diese Aluleiste fand. Wir sind gespannt wie lange unsere Bastelei hält, sicher ist, dass wir bald ein neues Schlauchboot brauchen.


Morgens unternehmen wir noch vor dem Frühstück einen ausgiebigen Spaziergang, wir wollen uns ansehen wie die Insel jenseits der Marina aussieht. Die Fischer kommen nach Hause und die Frauen holen die Fische ab und verteilen sie. Anders als in vielen anderen Dörfern erleben wir die Menschen recht zurückhaltend. Wir sprechen eine Frau an, die anscheinend etwas zu sagen hat und die Fische verteilt. Wir verstehen nicht alles, aber sie ist sehr aufgeschlossen und freut sich, dass wir sie fotografieren wollen. Das ist interessant, während die Menschen an vielen anderen Orten nicht so gerne fotografiert werden möchten, empfinden es viele Indonesier als Anerkennung, wenn man fragt ob man fotografieren darf. Oft werden wir sogar dazu aufgefordert.
Das erste Dorf ist auffallend sauber. Wir sehen, dass der Müll gesammelt wird. Ein Stückchen weiter ist es unglaublich vermüllt. Der ganze Hang voller Plastikmüll und mitten drin lauter Hühner. Eine Frau schneidet Grünzeug für ihre Kuh, gar nicht so einfach auf der trockenen Insel. Unsere schwarz-bunten Holsteiner Kühe würden hier wohl verhungern.
Die meisten Häuser sind klein und einfach. Es gibt ein kleines Hostel mit Restaurant und winzigem Kiosk. Der Besitzer und seine Frau sind sehr gesprächig. Wir kaufen ihren gesamten Obstvorrat auf: zwei Ananasse. Der Mann möchte alles über unser Boot wissen. Seine Frau hört erst nur zu, während sie die Fische ausnimmt, die ihr Mann nachts geangelt hat. Dann schaltet sie sich ins Gespräch ein und möchte wissen wie wir an Bord kochen. Ihr Mann befragt uns zur Wacheinteilung und stellt fest, dass wir länger schlafen könnten, wenn wir ihn mitnehmen. Seine Frau hat das letzte Wort, sie will auch mitkommen, dann können wir alle noch länger schlafen. Das Gespräch mit den beiden macht Spaß, sie haben viel Humor.
Folgt man den Weg kommt man zum größeren Ort, doch das ist uns heute zu weit, wir haben noch gar nicht gefrühstückt.

Der Fischeimer wird auf dem Kopf transportiert.
Die Fische werden verteilt, der Lütte bekommt auch drei Exemplare.
Viele kleine hübsche Häuser
Hier geht’s nach überall
Es gibt auch größere Häuser mit wunderschönen Fenstern
Plastikmüll
Der Eingang zu einem kleinen Laden.
Ein Foto? Sehr gerne!
Können wir noch ein Selfie machen?
Unsere Schwarzbunten würden hier verhungern.
Hier findet nur eine Ziege Futter.
Während wir uns unterhalten, schuppt sie den nächtlichen Fang und nimmt ihn aus.
Am kleinen Anleger.

Die segelnden Fischer von Lombok

Die Boote sehen auf jeder Insel etwas anders aus. Die kleinen Fischerboote von Lombok gefallen uns besonders gut. Sie sind liebevoll gestaltet und haben zum Teil aufwendige Namenszüge am Bug. Außerdem sind sie besegelt. Segeln ist hier keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein kostengünstiger und schneller Antrieb. Spaß macht es den Fischern aber auch! Die Boote sind sehr leicht und wahnsinnig schnell. Sie verfügen über hervorragende Segeleigenschaften und können hoch am Wind segeln. Die Segel sind bunt, oft gestreift, mit bunten Rauten oder Sternen und tragen manchmal sogar den Bootsnamen. Als wir entlang der Westküste Lomboks nach Süden segeln bietet sich uns ein Bild wie zur Kieler Woche: hunderte bunte Segel am Horizont!
Wieder vermissen wir sehr unsere Kamera mit dem Tele, die rutscht nun noch weiter auf der Einkaufsliste nach oben. Wie sehr mich die Boote begeistern seht ihr auch an der Anzahl der Fotos, es handelt sich bereits um eine Auswahl!

Ein Spielzeugboot
Früh übt, wer ein Fischer werden will!
Liebevoll gestaltet
Extrem gut gepflegt und perfekt lackiert
Mit Liebe zum Detail
Sie erinnern an Spinnen, sind schnell und von weitem kaum zusehen.
Mit aufgetuchtem Segel
Abfahrbereit liegen sie am Strand. Das Ruder wird gezogen und gesichert bevor sie in flaches Wasser fahren.

Doch am allerschönsten sind sie unter Segeln:

Eine kleine Inseltour nach Mataram

Heute wollen wir einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt der Insel unternehmen. Eine Taxi-Bestellung bei Grab klappt heute nicht, wir beschließen zur Hauptstraße zu laufen und dort einen Bus oder ein Taxi zu suchen. Es macht Spaß morgens ein wenig zu laufen und wir haben Gelegenheit uns das Dorfleben aus der Nähe anzusehen. Dann hält ein junger Mann auf einem Roller und fragt, wo wir hinwollen. Er bietet an uns ein Auto zu einem guten Preis zu organisieren, wir werden uns einig und er saust davon. Das Ganze dauert ein wenig, aber dann taucht er mit seinem Onkel wieder auf, der uns nach Mataram fährt. Die Fahrt durch die Berge ist wirklich schön und kühl. Uns gefallen die vielen Affen, die besonders gern auf den Leitplanken sitzen, und die hohen Regenwald-Bäume.
In Mataram kleiden wir uns völlig ungeplant neu ein, stellen fest, dass der angeblich beste Supermarkt uns nicht begeistern kann, und essen ein hervorragendes Mittagessen. Crispy Kangkung – knuspriger Wasserspinat. Lecker! Wieder stellen wir fest, dass viele Menschen auf Lombok sehr gut Englisch sprechen. Mit der Frau, die uns eine neue Schutzfolie für unsere Handys verkauft, können wir uns gut unterhalten. Eine richtig lustige Begegnung habe ich auf der Damentoilette. Ausversehen habe ich für Chaos gesorgt und versuche mich zu entschuldigen. Die Frau findet es lustig, dass ich versuche Indonesisch zu sprechen. Sie möchte mit mir ein Selfie machen und nimmt dafür ihren Schleier ab. Falls ihr euch also fragt, warum es bei uns manchmal so lange dauert, es ist eben sehr kommunikativ.
Auf dem Rückweg fahren wir die Küstenstraße entlang und legen noch einen Stopp bei einem anderen Supermarkt ein. Unser Taxifahrer erzählt uns einiges über die Vergangenheit der Stadt, verrückte Rollerfahrer und merkwürdige Touristen. Müde und zufrieden sind wir am späten Nachmittag wieder zurück an Bord.

Heu betriebener Nahverkehr
Kurze Straßensperrung – Achtung herabfallende Kokosnüsse
In den Bergen ist es kühl und grün.
Diese hübsche Häuschen ist ein traditioneller Reisspeicher
Die Steine werden vor Ort produziert.

Im Norden von Lombok

Nach dem Guten-Morgen-Kaffee geht’s am Samstag los. Ein segelndes Kanu nähert sich. Wir lassen Mari treiben und geben Bian Gelegenheit bei uns anzulegen. Seine Frau Julia hat ihn zu uns geschickt. Er hat Kokosnüsse für uns dabei und eine schöne Muschel für die Frau an Bord. Die Frau an Bord freut sich sehr und es gelingt uns den beiden ebenfalls eine Freude zu machen.


Die ersten Stunden genießen wir wunderbaren Segelspaß, dann schläft der Wind ein und wir schmeißen den Motor an. Für Segler gibt es hier besondere Herausforderungen, eine davon sind die FADs. Diese Fish Attacting Devices sind verankerte Flöße die Fische anlocken sollen. Dabei kann es sich um Bambusflöße, alte Plastiktanks oder große Styroporboxen handeln, die in erstaunlichen Wassertiefen (teilweise mehrere hundert Meter tief) verankert sind. Gemeinsam haben sie, dass sie eher nicht gekennzeichnet sind und man sie sehr spät sieht. Nördlich Sumbawa gab’s wenige dieser Segelbootfallen, bei Lombok sehen wir wieder mehr dieser unerfreulichen Dinger.

FADs – echte Segelbootfallen
Schon bei Tageslicht schwer zu sehen


Kurz vorm Ziel freuen wir uns mal wieder über Delfinbegleitung. Unser heutiger Ankerplatz liegt hinter einem Riff vor einer kleinen Mangroveninsel. Bei Niedrigwasser können wir die Einfahrt durchs Riff sehr gut sehen, das Satellitenbild hilft bei der Orientierung. Auf der Seekarte findet man diesen netten Platz nicht, da ist hier einfach ein Riff eingezeichnet. Wir liegen absolut ruhig, keine noch so kleine Welle findet den Weg zu uns. Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf Lombok.

Immer wieder schön!
Unsere liebsten Begleiter


Am nächsten Tag fahren wir 40 lange Meilen an der Nordküste Lomboks entlang und erreichen am späten Nachmittag eine Bucht im Nordwesten der Insel. Die Bucht wird von einem langen weißen Strand eingefasst, auf beiden Seiten der Bucht liegt je ein fünf Sterne Hotel, außerdem gibt es Villas, kleine Hotels, ein Café, verschiedene Warungs (kleine Garküchen), einige kleine Hütten und viele einheimische Boote.
Montagmorgen klettern wir mit unseren leeren Dieselkanistern ins Dinghi. Die Mission heute lautet: Tanken. Bei dem Café fragen wir, ob wir unser Dinghi dort liegen lassen dürfen und nutzen einen Trampelpfad, der uns an die Straße bringt. Via „Grab“ haben wir uns ein Auto bestellt. Alles klappt reibungslos. Der Fahrer sammelt uns ein, wir füllen an der Tankstelle unsere Kanister und er setzt uns wieder an der Straße ab. Nun wollen die Kanister nur wieder zum Boot getragen werden. Wir belohnen uns mit einem kühlen Getränk im Café. Nachmittags machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang, essen am Strand, sehen uns die kleinen Boote an, beobachten die Frauen beim Muscheln suchen und die Männer beim Angeln. Die eigentlich harmlose Rückfahrt zum Boot ist unnötig spektakulär, unser Dinghi macht Wasser, es strömt nur so herein. Nobbi fährt ganz vorsichtig, der Außenborder hängt viel zu tief im Wasser, ich schöpfe. Ziemlich nass kommen wir auf Mari an. Der Spiegel (quasi die Rückseite) und der Boden haben sich voneinander getrennt. Man kann die Hand durchstecken. Kein Wunder, dass da Wasser reinläuft. Leider ist das ein ziemlich großer Schaden, ob wir das mit Bordmitteln reparieren können? Zum Glück haben wir das Bananaboot, unseren Donkey, so sind wir weiterhin mobil.
Inzwischen kennen wir auch die andere Hälfte der Bucht. Bei einem Fischer darf Nobbi sich den kleinen getriebelosen Honda-Motor genau ansehen und bekommt ihn auch noch vorgeführt. Die lange Welle geht direkt ins Wasser und dreht so schnell, das es nur einen winzigen Propeller als Antrieb benötigt. Das Heu für die Pferde auf den Gili-Inseln (Pferdekutschen sind ein beliebtes Verkehrsmittel) wird in Säcke gestopft und auf ein kleines Boot verladen. Die Kinder spielen Fußball und sind, wie überall auf der Welt, Messi-Fans.
Bei Sonnenuntergang sehen wir Gunung Agung, den großen Vulkan auf Bali, und abends die Lagerfeuer am Strand vor den Hotels.

Wir haben getankt
Ein schöner, weißer, langer, sauberer Strand
Die Angler stehen bis zum Bauch im Wasser
Die Mädels üben ihr Englisch an uns.
Donkey, unser Bananaboot, ist wieder im Einsatz.
Viel Begeisterung und Gelächter beim Fußball!
Hier wird das Heu für die Pferde auf den Gilis verpackt.
Heutransportboot
Sehr elegante Kühe
Muschelsucherinnern im flachen Wasser
Schön bemalte Boote. Robben sieht man hier eher selten.
Ein elegantes Hotelboot
Schöne Villas – elegante Ferienhäuser
Wir unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang
Sonnenuntergang
Im Sonnenuntergang sieht man den Gunung Agung, den großen Vulkan Balis.

Pulau Medang

An unserem schönen Ankerplatz bei Miro baden wir ausgiebig, bevor wir ihn nach dem Frühstück verlassen. Mal wieder hat Sumbawa eine Überraschung für uns: frischen SW-Wind. Wir freuen uns, dass wir segeln können. Eine Stunde später ist die Freude ein wenig verhalten, inzwischen haben wir unser Segel stark verkleinert, siebener Böen fegen über uns hinweg. Ich habe aufgehört mich nach jeder überkommenden Welle abzutrocknen, nur noch das Gesicht wird vom Salzwasser befreit. Der Ankerplatz, den wir anlaufen wollen, ist bei solchem Wetter nicht geeignet, wir bereiten Plan B vor.
Zwei Stunden später segeln wir bei entspannten vier Windstärken und kaum Welle zur Pulau Medang, Plan B wandert wieder in die Schublade. Segeln kann so viel Spaß machen!
Im Norden der Insel liegt eine weite Bucht mit einigen Riffen. Mit dem Satellitenbild und dem schönen Wetter ist die Einfahrt unproblematisch. Wir ankern und gehen erstmal baden. Nobbi versucht eine Pumpe zu reparieren (sehr schweißtreibend, auch das sie hinter dem noch heißen Motor eingebaut ist) und ich wasche Wäsche. Als es dunkel wird sind wir beide ziemlich erledigt und beschließen, dass wir einen weiteren Tag hier bleiben wollen. Nachts sehen wir nur das Licht des Leuchtturms, das über die Bucht streicht. Das Dorf liegt auf der anderen Seite der Insel, dort scheint ein Fest zu sein. Ab und zu weht Musik zu uns hinüber oder der Rufe des Muezzins.
Den heutigen Tag verbringen wir mit der Planung unserer Route und ausgiebigem Schnorcheln. Die Korallen sind in gutem Zustand und wir sehen viele verschiedene Arten. Etwas anders sieht es leider bei den Fischen aus. Die meisten Exemplare sind sehr klein und ganze Fischfamilien fehlen völlig. In der Bucht wird viel geangelt, mit dem Netz gefischt und mit dem Speer getaucht, vielleicht sind die schmackhaften Fische einfach weggefangen worden?
Abends sehen wir zum ersten Mal den über 3726m hohen Vulkan Gunung Rinjani auf der Insel Lombok. Dorthin geht’s als nächstes.

An Sumbawas Küste

Von Labuan Bajo brechen wir auf in Richtung Westen. Eine Nacht verbringen wir im Norden Komodos und sehen wieder Hirsche am Strand, schwarze Schweine und sogar einen Waran zum Abschied.
Die nächste Insel ist Sumbawa. Unser erster Ankerplatz beim Dorf Wera ist sehr ungemütlich. Ich schlafe insgesamt keine vier Stunden. Nicht mal verkeilt zwischen verschiedenen Kissen finde ich eine Position, in der ich soweit entspannen kann, dass ich einschlafe. Irgendwann gebe ich auf und lese meinen Krimi weiter, dann ärgere ich mich wenigstens nicht die ganze Zeit, dass ich nicht schlafen kann. Um kurz nach vier ist auch Nobbi wach, tatsächlich schlafe ich nun endlich ein. Um vier Uhr zweiundzwanzig rufen die Muezzine zum Morgengebet, es scheint drei Moscheen in dem kleinen Dorf zu geben, und ich bin wieder wach.
Die Bucht vor dem Dorf Kilo bietet am nächsten Abend eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit, das Boot liegt wie auf dem oft beschriebenen Ententeich. Von hier geht’s weiter bis kurz vor den Ort Miro. Wir befürchten, dass es eine unruhige Nacht wird, als wir den im Revierführer beschriebene Platz in Augenschein nehmen, finden dann aber eine kleine Bucht hinter einer Felsnase und liegen hier ruhiger als erwartet. Zwischen zwei Dörfern liegen wir hier vor einem kleinen Stand. Anscheinend ein Geheimtipp für Verliebte, die Händchen haltend am Strand spazieren gehen.
Die Reise entlang Sumbawas Nordküste ist nicht uninteressant. Die „kleine“ vorgelagerte Insel Pulau Sangeang entpuppt sich als 1949 m hoher Vulkan und gilt als aktiv. Immer wieder blicken in die Calderas längst erloschener Vulkane, überall zeichnen sich Vulkankegel ab. Die Küste liegt meist im Dunst, eine Landschaft die nicht fotografiert sondern angeguckt werden möchte. Gegenüber unseres Ankerplatzes bei Miro liegt auch ein alter Vulkan, die Insel Satonda mit ihrem Kratersee.
Auch seglerisch ist es abwechslungsreich, mehr als uns recht ist. Die hohe Insel mit ihren tiefen Buchten macht ihr ganz eigenes Wetter. Immerhin können wir gelegentlich segeln oder zumindest motorsegeln. Manchmal haben wir wunderbaren Segelwind, der innerhalb weniger Minuten einfach ausgeschaltet wird. Auch unter Wasser ist es interessant. Als wir uns Sumbawas Ostküste nähern haben wir leider Gegenstrom. Das ist mühsam und kabbelig, Wasser fliegt übers Deck und wir kommen nur mit drei bis vier Knoten voran. Dann, endlich kentert der Strom und wir rauschen voran, da Strom und Wind das Wasser nun in die gleiche Richtung schieben glätten sich die Wellen. Segeln kann so schön sein! Neben uns tauchen Schaumkronen auf und sie scheinen uns einzuholen. Schon wieder Gegenstrom? Unsere Geschwindigkeit verringert sich nicht. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass es hier einen schmalen tiefen unterseeischen Graben gibt. Die Wellen werden wohl von einer vertikalen Strömung verursacht. Nach ein paar hundert Metern ist der Whirlpool vorbei.

Das Wasser ist tief und unglaublich blau, leider treffen wir immer wieder auf Plastikmüll, insbesondere an den Strömungskanten sammelt er sich. Aber es gibt auch positive Überraschungen, ich mache Nobbi auf treibende Plastikfolien aufmerksam, die sich als Mantas entpuppen. Seit Labuan Bajo haben wir dreimal Mantas, dreimal Delfine und ein Dugong gesehen!

In der kurzen Zeit, die wir jetzt in Indonesien sind, hatten wir viele nette Kontakte. Die Souvenirverkäufer in Komodo, mit denen wir uns länger unterhalten, der junge Mann, der sein Handy bei uns auflädt und lauter Fragen hat, die Obstverkäuferinnen, die unbedingt Fotos mit uns machen wollen oder die netten Fischer in Kupang.
Doch, wir im richtigen Leben, sind nicht alle Zusammentreffen angenehm. In Wera haben wir uns das erste Mal unwohl gefühlt. Kurz nachdem wir geankert haben kam ein Boot mit drei jungen Männern zu uns gepaddelt. Sie wollen an Bord kommen. Ich lehne ab, es ist kurz vor sechs und wird gerade dunkel. Ich bin freundlich und erkläre, dass ich jetzt kochen möchte und müde bin. Sie sind nicht besonders freundlich und wollen etwas geschenkt haben. Einen Fender zum Beispiel. Wir schenken ihnen keinen Fender. Dann geht es weiter, wenigstens Zigaretten wollen sie haben. Wir haben keine Zigaretten. Nobbi erklärt ihnen, dass er nicht raucht und es ungesund ist. Coca Cola? Oder unser Radar? Irgendein Geschenk soll es sein. Sie vermessen das Boot und alles was darauf ist mit ihren Blicken. Das fühlt sich nicht gut an. Wir sollen am nächsten Tag an Land kommen und dann bräuchten wir eine Wache und das würden sie übernehmen. Sie bleiben an der Bordwand hängen und reden über uns. Das ist unangenehm und fühlt sich ganz anders an, als bei den neugierigen Kindern in Vanuatu, die uns beobachtet haben, es sind eben keine Kinder und sie sind nicht freundlich. Als sie merken, dass wir sie verstehen (tatsächlich verstehen wir nur einzelne Wörter, aber das wissen sie nicht) ist ihnen das wiederum unheimlich. Schließlich verschwinden sie in der Dunkelheit, bei uns bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Wegen des ungemütlichen Ankerplatzes wollen wir am nächsten Morgen weiterfahren, aber auch die Begegnung vom Vorabend motiviert uns nicht zum Landgang.
Am Ankerplatz in Kilo fällt eine Gruppe von Kanus über uns her, noch bevor wir den Motor abgeschaltet haben. Es sind hauptsächlich, aber nicht nur, Kinder. Über 40 Personen hängen gleichzeitig an der Bordwand. Anscheinend haben andere Yachten hier Weihnachtsmann gespielt, denn sie rufen „Hallo Hallo! Buch! Kugelschreiber!“ die Halbwüchsigen und Erwachsenen fragen nach Zigaretten und Cola. Wir verteilen Lollis und einige Bleistifte. Aber den Ansprüchen können und wollen wir nicht gerecht werden. Was sich absurd anfühlt ist, dass es weniger darum zu gehen scheint, etwas das schwer zu bekommen ist, geschenkt zu kriegen, als einfach irgendetwas zu bekommen. Ein Mann fragt uns nach Büchern, ich sage, dass ich deutsche Bücher lese. Das sei egal. Übrigens spricht er deutlich weniger Englisch als ich Indonesisch, mit einem Englischen Buch wäre ihm auch nicht gedient. Zwischenzeitlich ist die Situation für uns schwierig. Einige versuchen an Bord zu klettern, was wir verbieten. Kleine Kinder heulen, weil es bei uns keine weiteren Geschenke gibt, die großen sind unzufrieden. Einigen älteren Mädchen ist die ganze Situation genauso peinlich wie uns. Das Ganze zeigt, wie schwierig es ist. Gemessen an den Menschen im Dorf sind wir reich. Aber trotzdem können und wollen wir nicht alle beschenken. Wie viele Kugelschreiber, Bücher und Cola-Dosen sollen wir mitnehmen? Bisher haben wir es so gehandhabt, dass wir Kindern schon mal einen Bonbon, Lolli oder Bleistift schenken, dass wir mit Erwachsenen aber nur handeln. Früchte gegen eine Leine, Angelhaken, Nadeln, Garn, alte T-Shirts oder was auch immer benötigt wird. Wenn ein Handel zustande kommt sind wir natürlich großzügig.
Später kommen noch einige Kanus mit kleinen Kindern angepaddelt, die nur mal gucken oder ihr Englisch ausprobieren wollen. Das sind wieder nette Begegnungen. Ein Mann bietet uns Bananen oder Papayas an, wir haben noch sehr viele Bananen, aber mit den Papayas kommen wir ins Geschäft.

In Labuan Bajo

Wir ankern in der Nähe von Labuan Bajo. Das Fischerdorf hat sich in den letzten Jahren zu einer kleinen Stadt gemausert. Nobbi war vor 20 Jahren hier und erkennt den ehemals staubigen Ort kaum wieder. Unglaublich viele Schiffe liegen hier vor Anker. Die Pinisis, die zu Tourbooten umgebaut sind, moderne Motoryachten, kleine Holzboote, Fähren und Boote für Tagestouren. Labuan Bajo ist der Ausgangspunkt für die Touren in den Nationalpark. Viele Boote scheinen nicht gebucht zu sein, sonst wären sie ja unterwegs. Am Besucherzentrum war uns bereits aufgefallen, dass viele Ausflugsschiffe nur mit wenigen Gästen unterwegs sind. Ob es so ein großes Angebot gibt, oder ob der Tourismus nach Covid nur langsam wieder anläuft, wissen wir nicht. Es gab Pläne die Eintrittsgebühr in den Nationalpark zu verzehnfachen. Das wurde bisher nicht umgesetzt, wirkt aber sicher abschreckend. Auf jeden Fall ist Labuan Bajo voller Touristen von überall her.
Im Ort laufen wir ein wenig an der Promenade entlang. Es gibt eine Vielzahl von Restaurants, Cafés und Eisdielen, wir testen einige. In verschiedenen Supermärkten kann man recht gut einkaufen, einen kleinen Laden mit Obst und Gemüse finden wir auch.
Bei einem kleinen Hotel, an dem Strand vor dem wir ankern, landen wir mit unserem Dinghi an. Das Hotel ist als seglerfreundlich bekannt. Wir können unsere Wäsche hier waschen lassen, wenn wir möchten können wir den Shuttle in den Ort benutzen und natürlich sind wir gern gesehene Gäste im Restaurant. Das Abendessen schmeckt uns sehr und Segler mögen Restaurants mit Blick aufs eigene Boot eben besonders gern. Die Crew eines anderen Bootes gesellt sich zu uns und wir verbringen nette Abende gemeinsam.
Nachdem wir genügend touristische Zivilisation getankt haben, machen uns wieder auf den Weg.

Wo die Drachen wohnen – schöne Tage im Komodo Nationalpark

Die Überfahrt von Kupang war mal wieder sehr wechselhaft, kein Wind, viel Wind, Schüttel-Wellen, schiebender Strom, kein Strom. Zeitweise war es sehr rau, aber wir hatten aber auch einige Stunden traumhaftes Segeln. Falls es gepasst hätte, wären wir die Insel Sumba angelaufen, da kamen wir jedoch im Dunkeln vorbei und entschieden uns gleich weiter zu segeln.
Am Morgen des 3. Tages verlangsamen wir unsere Fahrt etwas, um erst nach Sonnenaufgang im Komodo Nationalpark anzukommen. Im Nationalpark liegen zwei große und viele kleine Inseln und er ist die Heimat des Komodowarans, den es nur hier gibt.

Komodowarane gehören zu den größten Echsen. Männchen werden 3m lang und bis zu 70 kg schwer, die Weibchen sind kleiner. Während die Jungtiere hauptsächlich auf Bäumen leben und Insekten fressen, ernähren die erwachsenen Tiere sich von großen Tieren wie Hirschen, Schweinen, Büffeln und Pferden. Komodowarane sind die einzigen Warane, die sich auf so große Beutetiere spezialisiert haben. Bei ihrem Biss injizieren sie ein Gift, das die Blutgerinnung inhibiert, außerdem übertragen sie einen Bakteriencocktail. Die gebissene Beute lebt oft noch tagelang bis sie verendet. Aas wird auch gerne gefressen. Wenn der Kollege also den Büffel beißt, ist der Waran nicht abgeneigt diesen dann zu verputzen, wenn er ihn gerochen hat. Das können sie nämlich sehr gut. Über mehrere Kilometer können Warane Blut oder Aas riechen.
Die Warane werden regelmäßig gefangen, gechippt, vermessen und gewogen, so weiß man ziemlich genau wie viele Warane auf Komodo, Rinca und Padar leben. Es soll auch noch Warane in manchen Gebieten von Flores geben, dort gibt es aber keine Zahlen und sie sind wohl sehr selten geworden.

Wir entscheiden uns für eine Ankerbucht in Rinca (gesprochen Rindscha). Die Bucht ist umgeben von kargen, braunen, schroffen Bergen. Vor unserm Bug liegt auf der einen Seite ein dunkler Strand, auf der anderen ein weißer. An den Hängen wachsen kleine Büsche, einige Palmen und trockene Gräser. Diese abweisende Landschaft bietet eine traumhafte Kulisse und ist die Heimat zahlreicher Tiere. Affen suchen bei Niedrigwasser im Schlick nach Nahrung, ein Hirsch trabt über den Strand und zeigt sich später oberhalb unseres Ankerplatzes am Hang, Adler kreisen über der Bucht und auch die berühmten Warane zeigen sich. Morgens und nachmittags können wir sie am Strand entdecken. Beeindruckend diese Urzeitviecher. Auch unter Wasser ist viel los. Die Fische springen, Tintenfische verstecken sich unter Mari und abends kommen Delfine in die Bucht.
Weil es so schön ist bleiben wir. Stundenlang sitzen wir mit dem Fernglas an Deck und beobachten Tiere, wir baden und genießen den ruhigsten Ankerplatz seit Wochen.

Das reiche marine Leben verdanken wir hier nicht zuletzt der ordentlichen Strömung, die für den Wasseraustausch zwischen den Inseln sorgt. Nur wann strömt es in welche Richtung? Die Hauptrichtung ist nach Süden zwischen den Inseln durch. Zusätzlich ist die Strömung auch tidenabhängig. Unsere Infos widersprechen sich. Nach ein bisschen Rechnerei (wir haben Angaben für die man zunächst den Meridiandurchgang des Mondes berechnen muss) einigen wir uns darauf, dass es bei Flut nach Norden strömt.
Am nächsten Morgen fahren wir zeitig los. An der Südspitze von Padar treffen wir auf einen nicht endenden Strom von Pinisis. Diese traditionellen Segelschiffe, die als Tauchreiseschiffe unterwegs sind, wechseln morgens den Platz. Sie bleiben dicht unter Land und schlängeln sich zwischen den vorgelagerten Felsen und Inseln hindurch. Dann machen wir das auch so. Wir reihen uns ein. Das ist ein wenig aufregend und funktioniert super. Die Kapitäne der großen Holzschiffe sind nett und rücksichtsvoll. Man zeigt uns den Weg und alle winken. Die meisten Tauchschiffe bleiben bei Padar, wir fahren hinüber nach Komodo.
Nach kurzer Suche, es ist einfach überall sehr tief, finden wir einen schönen Ankerplatz und frühstücken. Später kommen Souvenirverkäufer mit ihrem Boot vorbei, natürlich kaufen wir einen geschnitzten Waran. Nobbi handelt sie auf einen Drittel des Preises runter und alle sind sehr zufrieden. Der Tag vergeht mit ausgiebigem Baden und Tierbeobachtungen, eine Rotte großer schwarzer Schweine, ist bei Niedrigwasser im Schlick unterwegs und wieder haben wir Delfinbesuch.
Am nächsten Morgen geht es zurück nach Rinca. Wieder starten wir vor dem Frühstück. Das Timing stimmt, der Strom schiebt uns sanft und wir kommen gut voran. Wir ankern dicht vor der Station des Nationalparks. Wir wollen uns die Warane aus der Nähe ansehen. Tatsächlich sind wir positiv überrascht. Das Informationszentrum ist modern und schön gestaltet und der Guide, mit dem wir eine kleine Wanderung unternehmen, kennt sich gut aus und beantwortet alle unsere Fragen. Neben Waranen verschiedener Größe sehen wir auch Wasserbüffel, Affen und sogar wilde Pferde.
Am späten Nachmittag wird es voll in der Ankerbucht, aber gegen Abend fahren fast alle anderen Boot weg und wir verbringen eine ruhige Nacht vor Anker. Am nächsten Morgen treffen die ersten Boote schon vor sieben ein, wir beobachten das Gewusel beim Frühstück und machen uns dann auf den Weg nach Labuan Bajo. Unterwegs nimmt der Müll im Wasser besonders in der Nähe der Dörfer zu, das überrascht uns nicht, stimmt uns aber trotzdem traurig. Für Glücksgefühle sorgen Delfine und die Sichtung eines Mantas.