Duschen in Nongsa Point und eine unschöne Passage der Singapore Strait

Zwei unspektakuläre Tagesfahren bringen uns in den Norden Batams in die Nongsa Point Marina. Nur die Wahl des letzten Ankerplatzes fällt nicht leicht. Den ersten Platz testen wir eine halbe Stunde und fühlen uns dann doch unwohl, der Grund steigt sehr steil an. Wir holen den Anker wieder auf und segeln (wir haben tatsächlich Wind!) noch fünf Meilen weiter. Dieser Platz gefällt uns besser, auch wenn der Nachbar auf seiner Pfahl-Fischerhütte einen Generator betreibt, der fast die ganze Nacht läuft. Morgens schwimmen wir noch einmal ums Boot, wer weiß wann es wieder so gute Badebedingungen gibt.
In der Nongsa Point Marina entsalzen wir uns und unsere Marisol. Nicht nur unsere Kleidung, auch Bettwäsche, Polsterbezüge und Vorhänge wandern in die Waschmaschine. Endlich ist es unter Deck nicht mehr klamm und salzig. Der Dusche habe ich seit Wochen entgegengefiebert. Die letzte Dusche gab es in Cairns! Auf Lombok in der Marina del Ray kam so wenig Wasser aus der Dusche, dass sie nicht mitgezählt werden kann. In Belitung war ich nach dem Schnorcheln in eine Öllache geraten. Ein Fischerboot hatte seine Bilge gelenzt. Es hat einige Haarwäschen gedauert, bis meine Haare nicht mehr nach Motoröl rochen. Durch dieses Erlebnis wurden meine Duschträume befeuert.
Das Essen im Restaurant der Resort Anlage zu dem die Marina gehört ist sehr gut. Wir unternehmen lediglich einige Spaziergänge durch die weitläufige aber sehr wenig belegte Hotelanlage, sonst sehen wir nichts von der Umgebung. Der Hauptort ist 30 Taxi-Minuten entfernt. Nach drei Tagen klarieren wir aus, bzw. die Marina kümmert sich um die Papiere, gelegentliches Nachhaken bewährt sich dennoch. Der Mitarbeiter von Immigration überreicht uns unsere Pässe und macht ein Foto von uns und dem Boot. Das war es schon.

Am nächsten Morgen (Mittwoch, 18. Oktober) stehen wir früh auf, trinken Kaffee und warten darauf, dass es richtig hell wird. Zwar liegt nur eine Tagesetappe vor uns, doch dies ist eine ganz besondere. Wir passieren Singapur, queren das Verkehrstrennungsgebiet (vergleichbar mit einer Autobahn mit Grünstreifen in der Mitte) einer der meistbefahrensten Schifffahrtstrassen der Welt und die verschiedenen Hafeneinfahrten nach Singapur. Hier spürt man den Puls des globalen Handels mit den riesigen Containerfrachtern, den Gas- und Öltankern sowie den Massengutfrachtern (Bulkies).
Der Tag beginnt friedlich. Die Sonne scheint, der Flutstrom schiebt uns mächtig voran. Wir müssen zwei Schleppverbänden ausweichen und passieren viele Ankerlieger. Sie warten darauf, dass ihr Liegeplatz frei wird oder sie neue Aufträge bekommen. Wir durchfahren eine schmale Enge zwischen einer Insel und einem Riff, das war vielleicht keine so gute Idee. Hier strömt es gewaltig, aber nur kurz, dann sind wir schon durch.
Das Queren des Verkehrstrennungsgebiets ist gar nicht so schlimm. An der Stelle, an der wir auf die andere Seite fahren ist es recht schmal und wir können die großen Schiffe gut sehen. Wir kommen heil auf die andere Seite. Leider wird nun das Wetter schlechter. Die hochaufgetürmten, schwarzen Wolken kündigen ein Gewitter an. Es donnert und blitzt, es regnet, so dass wir kaum noch etwas sehen können und im Gewitter stecken starke Böen. Wir halten uns zwischen dem Verkehrstrennungsgebiet und der Grenze des Singapurer Hafens, mittlerweile fährt ein Schiff der Singapurer Polizei neben uns her und passt auf, dass wir der Hafengrenze nicht zu nahe kommen. Wir werden sogar angefunkt und darauf aufmerksam gemacht, dass wir nicht über die Hafengrenze fahren dürfen. Nobbi behält unter Deck Radar und AIS im Blick, ich steuere. Die ganz großen Schiffe fahren dort, wo wir sie erwarten, doch einige kleine Schleppverbände haben kein AIS, genau wie die Polizeiboote. Das zweite Gewitter was wenig später über uns herein bricht ist noch schlimmer als das erste. Es ist genau über uns, wir fühlen das Donnern im ganzen Körper, die Böen, die das Gewitter vor sich hertreibt, erreichen 35 bis 40 Knoten, 8 Windstärken. Zum Glück haben wir kein Segel oben. Der Blitz schlägt neben uns ein. Schließlich beginnt ein heftiger Schauer, wir sehen nun fast nichts mehr, ich versuche Mari irgendwie auf Kurs zu halten und den großen Schiffen nicht zu nahe zu kommen. Spaß macht das schon lange nicht mehr. Tatsächlich habe ich richtig Angst, aber da müssen wir nun durch. Dies ist nicht unser erstes Gewitter, aber das schlimmste und ein sehr ungünstiger Zeitpunkt. Der Regen wird vom Wind voran gepeitscht und schmerzt im Gesicht, klatschnass sind wir beide schon lange. Mitten in diesen Wassermassen entdecken wir einen Schlepper und weiteres Polizeiboot, kommen aber beiden nicht zu nahe. Als wir schließlich auf der Straße von Johor, der Wasserstraße, die Singapur und die malaysische Halbinsel voneinander trennt, unterwegs sind, trifft uns das dritte Gewitter. Jetzt ist das auch egal, hier ist kein Verkehr mehr, abgesehen von den Booten der Singapurer Polizei. Seit wir auf die Singapurer Seite gewechselt haben, ist immer mindestens ein Polizeiboot in Sichtweite, meistens fährt eins direkt neben uns her.
Am späten Nachmittag erreichen wir Puteri Harbour, eine geschützte Marina auf der malaysischen Seite. Einklarieren können wir noch nicht, essen gehen dürfen wir aber trotzdem. Sehr sympathisch. Wir stoßen darauf an, dass wir Singapur erreicht haben (auch wenn wir uns für die malaysische Seite entschieden haben). So gerne wollte ich meine Lieblingsschwester mit dem Boot besuchen, dass wir nun tatsächlich hier sind rührt mich mehr, als ich gedacht hätte.
Und wir stoßen auf das Ende dieser ereignisreichen und anstrengenden Segel-Saison an, denn für uns endet die Segelsaison vorerst hier. Marisol wird einige Wochen in diesem Hafen liegen bleiben, während wir auf Landreise gehen.

Die nächsten, sehr heißen Tage, verbringen wir damit unsere Segel abzuschlagen, trocken zusammen zu rollen und unter Deck zu bringen, den Wassermacher zu konservieren, die Logge zu ziehen und lauter Dinge von Deck abzubauen, zu reinigen und zu verstauen, da wir sie in den nächsten Wochen nicht brauchen.

Ein großer Tanker – zum Glück am Anker.
Ein indonesisches Marineschiff kreuzt unseren Weg.
Mehr Strömung als gedacht in dieser Enge
Hinter dem geht’s rüber.
Die berühmte Skyline im Dunst
Die Singapurer Polizei bewacht uns
Dunkle Wolken über den Werften.
15.000 t – das ist ein starker Kran

In gemütlichen Etappen von Inselchen zu Inselchen

Eigentlich wollten wir in drei Etappen weiter nach Batam segeln. Doch morgens (Montag 9. Oktober) haben wir keine Lust uns zu beeilen. Erstmal gibt es Pfannkuchen zum Frühstück, dann beschließen wir eine Planänderung. Wir machen einen kleinen Abstecher und entscheiden wir uns für den Weg westlich der Insel Sebangka. Die Route ist interessant. Kleine Dörfer, mit Häusern, die auf Stelzen am Wasser stehen, ein paar Fischer, ab und zu eine Fähre, Mädels auf dem Schulweg und Delfine bieten Abwechslung. Nach ein paar Stunden suchen wir uns einen Ankerplatz.
Nördlich der Insel wollen wir durch eine schmale Enge zwischen zwei Inseln fahren und da die Seekarten etwas rudimentär sind, ist es spannend. Aber mit dem Sattelitenbild und einem aufmerksamem Blick auf Strudel und Wellen, die die Strömung hier zaubert, lässt sich die Durchfahrt gut durchqueren. Die Landschaft ist toll! Kleine und große grüne Inseln. Die weiter entfernten Eilande liegen grau im Dunst. Felsen, kleine weiße Strände und große Bäume bilden Kontraste. Über uns kreist ein Adler.
Das Riff der Insel, vor der wir die Nacht verbringen ist sehr breit, so dass wir weit vom Land entfernt ankern. Es fühlt sich ein wenig merkwürdig an, als würden wir mitten im Meer liegen.
Am nächsten Tag erreichen wir die Riau-Inseln, die Inselgruppe gleich südlich von Singapur, zu der auch Batam gehört, die Insel auf der wir ausreisen wollen. Der Ankerplatz vor einem sehr kleinen Dorf, den wir uns auf dem Satellitenbild ausgesucht haben, gefällt uns gut. Die Häuser stehen auf Stelzen am oder im Wasser, Algen werden auf Gestellen getrocknet und auf dem Riff stehen Fischfallen aus Holzpfählen. Jeder kommt mit seinem Boot „zufällig“ vorbei, die Bewohner sind genauso neugierig wie wir. Abends weht Gitarrenmusik und Gelächter uns zu herüber. Uns gefällt es hier. Wir bleiben einen Tag.
Hier zwischen den Inseln fühlt es sich an, als wären wir ganz weit weg von allem. Wir ankern wie auf einem Binnensee, umgeben von Inseln und Riffen, mit kleinen Dörfern und kleinen Booten. Doch wir sind der modernen Zivilisation schon sehr nahe. Es gibt wieder mehr Sender als wir Speicherplätze im Radio haben, darunter auch welche, die wir hören mögen und mehrere aus Singapur. Ist ja auch schön, wenn man die Nachrichten versteht. Außerdem sehen und hören wir Flugzeuge, der Flughafen von Singapur ist nur 80km entfernt.
Wir genießen diese bummeligen Tage, auch wenn es sehr heiß und schwül ist. An den meisten Tagen regt sich kaum ein Lüftchen, meistens motoren wir, manchmal hilft die Genua.
Nachmittags sitzen wir auf dem Vorschiff auf der Suche an einem Windhauch und beobachten die Affen, die von Baum zu Baum springen oder an den kleinen Stränden nach Nahrung suchen. Abends stehen wir lange auf dem Vorschiff und lauschen den Delfinen, die prustend auftauchen. Glücklicherweise sind alle Ankerplätze gute Badeplätze, denn wir baden ausgiebig, mehrfach am Tag. Das Baden verschafft uns Abkühlung und etwas Bewegung, denn der Landgang ist hier meist schwierig.
Die verbliebenen Meilen werden wir in zwei kleine Etappen unterteilen. Unsere Zeit in Indonesien neigt sich dem Ende zu.

Nobbi bei der Arbeit – er staut die Ankerkette,
Kleine und größere Dörfer säumen das Ufer.
Viele Häuser stehen auf Stelzen.
Nobbi sucht einen Ankerplatz
Nachbarn für eine Nacht
Wer sich auskennt fährt ganz am Rand.
Die Strömung bildet Strudel in der Durchfahrt,
Ein düsterer Sonnenaufgang.
Ein Gewirr aus Inselchen
Moderne Schnellfähren verbinden die Inseln. Viele von ihnen wurden in Deutschland gebaut.
Wir ankern bei diesem winzigen Dorf.
Die Häuser stehen im Wasser.
Ein Algentransport.

Gebühren, Bürokratisches und das Ende der Saison

Ursprünglich wollten wir erst Ende des Jahres in Singapur sein und hatten die Idee drei bis vier Monate in Indonesien zu verbringen. Unterwegs haben wir, wie so oft, unsere Pläne geändert. Unbedingt wollen wir Java und Bali besuchen und (wieder)-entdecken, ein Boot ist für Inlandsreisen jedoch nur bedingt geeignet. Wir dachten, dass wir Marisol vielleicht auf Lombok lassen und dann zu Fuß einen Abstecher machen. Nun haben wir uns entschlossen die günstige Saison zu nutzen und mit dem SE Monsun nach Nord-Westen zu segeln. Wenn wir Java zu Fuß besuchen, freuen wir uns auch nicht unbedingt über feuchtes Wetter, der Nordmonsun (der irgendwann zum Ende des Jahres einsetzt) ist für Segler, die nach Norden wollen, jedoch sehr mühsam. Deshalb machen wir unseren Landausflug nicht in der Mitte unserer Indonesienzeit, sondern im Anschluss daran. Wir planen also bald wieder zurückzukommen. Schade, dass die Segelsaisons einfach immer zu kurz sind!
Zwischendurch hatten wir überlegt unser Visum trotzdem zu verlängern. Es gilt für 60 Tage und kann zweimal um je 60 Tage verlängert werden. Die Verlängerung kostet etwa 120 Euro, dazu kommen die Kosten für einen Agenten, da man einen neuen Sponsor Letter benötigt. Somit liegt man für eine Verlängerung bei ungefähr 180 Euro pro Person, und wenn es schnell gehen soll wird es häufig noch teurer. Leider ist die Visa-Verlängerung auch oft nicht so ganz schnell erledigt, meist dauert es drei bis fünf Tage und man muss zweimal zur Immigration, je nach Ort an dem man verlängert, kann es schneller oder eben sehr viel langsamer gehen. Wie immer in Indonesien, gibt es viele Ausnahmen. Wir werden unsere Visa nicht verlängern, sondern rechtzeitig ausreisen.
Dann galt es zu entscheiden, wo wir aus Indonesien ausreisen wollen. Wir haben uns für die Nongsa Point Marina auf Batam entschieden, auch wenn die Marina nicht günstig ist und wir hier auch für die Ausreiseformalitäten bezahlen müssen. So können wir gemütlich durch die Lingga- und Riau-Inseln bummeln. Und wir haben den Luxus, die Ausreiseformalitäten in einer Marina zu erledigen, müssen die Zöllner also nicht per Dinghi an Bord befördern. Das ist auch deshalb besonders attraktiv, da unser Schlauchboot ja das Zeitliche gesegnet hat und wir die Offiziellen rudernd mit dem Banana-Boot hätten transportieren müssten.

Eine positive Überraschung in Sachen Gebühren gab es in Australien. Vielleicht erinnert ihr euch, wir haben lange auf die Biosecurity gewartet, die schließlich erst zwei Tage nach unserer Ankunft an Bord kam. Wir hatten uns ziemlich geärgert, weil wir am Donnerstagmorgen im Juni in Cairns angekommen sind und nun einen Wochenendzuschlag, Überstundenzuschlag und die Gebührenerhöhung ab 1. Juli bezahlen mussten, da die Kontrolle erst am folgenden Samstagabend stattfand. Ärgern nutzt ja nix, wir haben es schnell abgehakt. Kurz bevor wir Cairns verlassen haben kam ein Brief für uns an. Eine Rechnung für die Biosecurity-Kontrolle. In einem längeren Telefonat konnten wir erklären, dass wir bei der Einreise per Kreditkarte bezahlt haben. Der Mitarbeiter kommt schließlich zum Ergebnis, das wir zu viel bezahlt haben und die Differenz erstattet bekommen. Dieser Vorgang hat uns wochenlang immer wieder beschäftigt und sehr viele Emails benötigt. Wir hatten Australien bereits verlassen, als das Geld schließlich auf dem Konto eingegangen ist. Die Kontrolle durch die Biosecurity hat aber immer noch umgerechnet 313 Euro gekostet. Ein stolzer Preis, wenn man bedenkt, dass der Mitarbeiter keine halbe Stunde an Bord war.
Da wir mit der Erstattung nicht mehr gerechnet hatten, haben wir uns darüber sehr gefreut und das Geld natürlich umgehend in ein leckeres Essen investiert.

Von Belitung über Bangka auf die Nordhalbkugel

Zwei etwas längere und einige kurze Etappen liegen noch vor uns. 120 Meilen in den Norden zur Insel Bangka bedeuten etwa 24 Stunden, also mal wieder eine Nachtfahrt. Nach einem gemütlichen Frühstück geht’s los. Leider haben wir gar keinen Wind und es ist sehr heiß. Auch nachts sind deutlich über 30 Grad unter Deck und selbst draußen schwitzen wir. Es ist diesig und feucht. Mit der Lampe will ich mir den vorbeitreibenden Müll ansehen und der Effekt ist in etwa als ob man bei Schnee das Fernlicht einschaltet.
Sehr viele Fischer gestalten die Nacht abwechslungsreich. Die meisten sind hell beleuchtet und bleiben wo sie sind. In der Nähe eines Ortes sind die kleinen Fischerboote unterwegs, wenig beleuchtet, mit schwachen Blinklichtern, die man erst spät sieht. Frachter und Schleppzüge sind natürlich auch wieder unterwegs. Trotzdem kommen wir ganz gut durch die Nacht.
Als es hell wird, sehen wir, dass es sich bei einigen Fischern, die wir für Boote gehalten haben, um hölzerne Plattformen auf Stelzen handelt. Hunderte von diesen Konstruktionen mit einer Schutzhütte oben drauf und einem Netz darunter stehen in einer Wassertiefe von 25m viele Meilen vor der Küste. Kein Wunder, dass diese Fischer sich nicht bewegt haben! Wir können sie sehr gut umfahren.
Als wir aber einen Pfahl aus dem Wasser ragen sehen, graust es uns. Die Überreste einer alten Plattform. Wenn man so etwas ungünstig trifft… man mag es sich nicht ausmalen. Wie viele abgebrochene Pfähle warten hier unter der Wasseroberfläche auf ahnungslose Segler?
Vormittags erreichen wir die große Bucht im Norden Bangkas und ankern vor einem endlosen weißen Sandstrand. Es ist diesig und schwül. Wir sind müde und verbringen den Tag mit baden, backen und lesen. Während wir darüber nachdenken, ob die vielen Fischer, die hier ankern, etwas fangen, beobachten wir einen Schwarm Plattfische. Beim Schnorcheln oder im flachen Wasser haben wir sie schon häufig gesehen, aber noch nie als Schwarm um unser Boot kreisend.

Der nächste Abschnitt erfordert wieder eine Nachtfahrt. Diesmal können wir segeln und werden mit einem traumhaften Tag beschenkt. Endlich ist es mal wieder richtig klar und die Sicht fantastisch. Nun sehen wir auch etwas von Bangka. Wir kommen flott voran und werden lange von einem Delfin begleitet. Die Nacht ist ruhig, nur eine Handvoll Fischer zeigt sich am Horizont, es ist nicht so heiß und wir schlafen gut. Morgens schläft der Wind ein und wir haben Gegenstrom. Wir kommen nur noch langsam voran und die letzten Meilen bis zur Insel Kentar ziehen sich. Nur die Überquerung des Äquators sorgt für Unterhaltung. Da es unsere vierte gemeinsame Überschreitung des 0. Breitengrads ist, sind die Feierlichkeiten eher überschaubar. Eine kurze Ansprache an Neptun (Freunde nennen ihn Neppi) und der letzte Schluck Rum sollen den Gott der Meere auch weiterhin positiv stimmen. Sicherheitshalber bitten wir Neptun auch Ratu Kidul, der Göttin des südlichen Meeres, etwas abzugeben. Zwar sind wir nun wieder auf der Nordhalbkugel, aber wer weiß schon so ganz genau, welcher Gott wo zuständig ist.
Am 25. April 2019 haben wir auf dem Weg von Panama zu den Marquesas den Äquator übersegelt. Marisol war 1628 Tage auf der Südhalbkugel, das sind vier Jahre und fünfeinhalb Monate. Wir waren leider deutlich kürzer „im Süden“ als unser Boot. Falls wir unseren aktuellen Ideen zur Routenplanung folgen, war das nicht Maris letzter Ausflug auf die Südhalbkugel, aber der längste.

Fischer-Plattform, sogar mit Indonesienflagge.
Im Vordergrund entdecken wir Überreste einer zerstörten Plattform – erschreckend.
Die Fischer-Plattformen gibt es auch als schwimmende Version.
Offensives Design
Neppi bekommt den letzten Schluck Rum

Belitung – Traumstrand und Felsen

Nach der ruhigen Nacht hinter der kleinen Mangroveninsel, machen wir uns auf den Weg in den Nord-Westen Belitungs.
Hier gibt es lange weiße Strände, viele riesige Granitblöcke, kleine Inselchen und türkises Wasser. Angeblich sieht’s hier aus wie auf den Seychellen. Wir waren noch nie dort und können deshalb keine Vergleiche anstellen. Auf jeden Fall ist es schön.
Zunächst verbringen wir drei Nächte an einem schönen Ankerplatz im Westen. Die Fischer kommen dicht vorbei, einen Abend schallt die Musik einer Karaoke-Party von einem Hotel hinüber, ansonsten ist es wunderbar ruhig.
Wir laufen am langen Strand herum, klettern auf die Felsen, schwimmen ausgiebig und schnorcheln an den kleinen Riffen. Der Strand ist ein Traum, pulverfeiner weißer Sand, nur den Müll am Hochwassersaum muss man ausblenden. Anscheinend wird hier ausgiebig gefeiert. Neben dem angeschwemmten Plastikmüll liegen hier viele Schnapsflaschen im Sand.
Unser Schlauchboot müssen wir für tot erklären. Die geflickte Stelle hält, aber nun geht die nächste Naht auf und das Wasser sprudelt hinein. Wir packen es ein letztes Mal in seine Tasche und verzurren es an Deck. Von nun an ist unser Radius auf Bananaboot-Ruder-Distanz begrenzt. Wie gut, dass Nobbi so fit ist.
Wir haben noch nicht genug von Belitung und ziehen an einen anderen Ankerplatz um. Nach nur 6 Meilen fällt der Anker in den Sand. Selbst während dieser kurzen Fahrt werden wir mal wieder überrascht. Bei unserer Abfahrt ist es windstill und das Wasser so glatt, dass wir jeden Seegrashalm erkennen können. Noch bevor wir den neuen Ankerplatz erreichen haben wir 5 Windstärken. Kaum sind wir da, nimmt der Wind ab und dreht um 180 Grad. Um zum Ankerplatz zu kommen, schlängeln wir uns um große Korallenblöcke. Genau wie beim vorigen Ankerplatz sind Satellitenbilder hier sehr nützlich.
Auch hier wartet ein langer Traumstrand, dekoriert mit einigen Felsen. Das kleine Riff erkunden wir schnorchelnd. Viele verschiedene Korallen, die auch sehr gesund aussehen, und ganze viele Fische bilden eine spannende Unterwasserstadt. Wir sehen Seeschlangen, eine Schildkröte, einen wunderschönen Kofferfisch, Clownfische und sogar einige mittelgroße Fische im Schwarm. So schön es hier ist, fällt doch auf, dass alle größeren Fische fehlen. Alle Fische die Pfannengröße haben wurden bereits aufgegessen.
Am Strand reihen sich lauter kleine Restaurants und Imbiss-Stände aneinander, außerdem liegen hier viele kleine hölzerne Ausflugsboote. Es sind aber nur wenige Touristen unterwegs. Wir erfahren, dass hier vor Covid mehr Betrieb war. Jetzt gibt es keine internationalen Flüge mehr und viele Hotels sind geschlossen oder haben nur wenige Gäste. Am Sonntag waren viele Leute zum Baden am Strand. Wir mischen uns unter die Badegäste und trinken an einem Strand eine Kokosnuss.
In einem kleinen Hotel essen wir und fragen nach einem Fahrer, der uns in die Stadt fahren kann. Am nächsten Tag füllen wir zwei Dieselkanister, kaufen Eier, Obst und Bier. Tatsächlich drohte uns in diesem muslimischen Land das Bier auszugehen. Zunächst ist die Kommunikation mit dem Fahrer etwas schwierig, dann werden wir uns aber einig. Die Straßen sind gut ausgebaut und sehr leer. Unser Fahrer nimmt eine Abkürzung über eine neue Straße mit Fahrradwegen und ohne Verkehr, er nimmt immer schön die Innenspur im Vertrauen darauf, dass keiner entgegen kommt.
Die Tage vergehen schnell mit langen Strandspaziergängen, leckerem Essen im Restaurant, Treffen mit anderen Seglern und natürlich mit Schnorcheln.
Jeden Nachmittag dreht der Wind, von Süd-Ost erst auf Ost, dann auf Nord-West bevor er abends wieder einschläft. Etwas ungemütlich, aber da der Wind moderat bläst, ist es nicht so schlimm. Heute nahm er mittags aber stark zu und wehte mit 20kn auflandig. Schnell baut sich eine steile Welle auf, die sich bricht. Da lassen wir Mari nicht alleine, bleiben an Bord und bewachen sie und die anderen beiden Boote am Ankerplatz deren Crews an Land sind. Am späten Nachmittag nimmt der Wind zum Glück wieder ab und wir können doch noch an Land.
So schön es hier ist, müssen wir über die Weiterreise nachdenken. In zwei Wochen läuft unser Indonesien-Visum aus, deshalb ziehen wir morgen den Anker aus dem weißen Sand und segeln weiter nach Norden.

Bawean

Die Teluk Promahan, die Bucht in der wir in Bawean ankern, wird von einem breiten Riff gesäumt, am Strand wachsen Palmen und viele hohe Bäume. Dahinter erheben sich bewaldete Berge. Die Insel gefällt uns sofort und erinnert ein wenig an die Marquesas, auch wenn die Berge lange nicht so hoch sind.
Auf dem Ankerplatz ist richtig was los. Bei unserer Ankunft sind wir das dritte Boot, einen Tag später sogar sechs. Es ist schön mal wieder Segler zu treffen, die wir schon kennen. Bei Kaffee und Kuchen (bei uns an Bord) und beim gemeinsamen Mittagessen im Warung an Land tauschen wir uns über die Erlebnisse der letzten Wochen aus.
Wir wollen einen kleinen Eindruck von der Insel bekommen und hoffen, dass wir irgendwo Obst kaufen können. Der Weg in den Ort ist zu Beginn angenehm schattig. Viele schöne, farbenfrohe und recht große Häuser säumen die Straße. Ein paar Mal werden wir gefragt, ob man wohl ein Selfie mit uns machen könnte. Hier ist nicht viel los und unser Besuch bietet Abwechslung. Fünf Mal fahren die beiden Frauen von der Regierungsstelle an uns vorbei, bis sie das Fenster runterkurbeln: „I like your outfit!“. Eine Gruppe junger Mädels möchte Fotos mit uns machen, dann kommen zwei von ihnen hinter uns her und fragen nach meiner Telefonnummer. Wir tauschen Fotos und später chatten wir noch ein bisschen mit einander. Sehr spannend und sehr nett!
Überhaupt, die Indonesier sind sehr neugierig und aufgeschlossen. In Lombok unterhalte ich mich mit einem jungen Paar, sie schauen gerne Segelvideos auf YT und kennen sich sehr gut aus. Sie sind sehr gebildet, führen ein Hotel und geben mir viele Tipps für unsere (Land-)Reise. Auf Gili Gede wird Nobbi in ein Gespräch über die Vor-und Nachteile von Katamaranen und den Nachteilen von sehr schweren Booten verwickelt. Der junge Mann träumt von einem Leben auf Bali oder sogar im Ausland. Für uns sind diese Gespräche auch kleine Puzzleteile zu unserem bunten, vielfältigen Indonesienbild.
Auf unserem Spaziergang kommen wir an den Moscheen vorbei, die wir sonst nur hören, an einigen Reisfeldern und an Fischen, die zum Trocknen ausgebreitet sind. Leider entdecken wir auch den Müllabladeplatz. Anscheinend gibt es keine Müllentsorgung, der Müll wird einen Uferhang hinunter geworfen und verschwindet vermutlich in der nächsten Regenzeit im Meer.
Vor einem Laden wird gerade Obst aus großen Kisten in kleinere Kartons umgepackt. Anscheinend handelt es sich um einen Großhändler. Wir fragen, ob wir Obst kaufen können und suchen uns zwei Ananas, Drachenfrüchte und einige Mangostan aus. Tomaten und Schlangenfrüchte bekommen wir geschenkt. Auf dem Rückweg frage ich zwei Frauen, was für Früchte sie ernten und bekomme Händeweise Rosenäpfel (wir kennen sie aus Brasilien als Jambo) geschenkt. Unsere Vitaminzufuhr ist also zunächst gesichert.
Zurück in der Bucht sehen wir uns noch das Schiff an, was dort am Stand repariert wird, bevor Nobbi uns wieder zurück zu Mari rudert. Ich habe mir tatsächlich eine Blase in meinen Wander-Flipflops gelaufen, daran sieht man, dass wir in der letzten Zeit zu wenig Bewegung hatten.

Großes Haus und abgeerntete Felder
Was aus einer Plastikflasche werden kann!
Der Müll ist auf dem Weg ins Meer.
Lieblingsfarbe: bunt!
Viele Häuser weisen liebevolle Details auf.
Die Fische werden zum Trocknen in die Sonne gelegt.
Die Arbeiten auf der Baustelle werden unterbrochen, erst müssen Fotos gemacht werden.
Ein Gruppenfoto mit den Mädels.
Wir tauschen Telefonnummern
Ein kleiner Blick auf die Berge.
Das Schiff wird am Strand überholt.

Bootsgetüddel beschäftigt uns

Irgendwas ist ja immer. Auf allen Booten gibt es eine To-Do-Liste, auf der mehr oder weniger wichtige Aufgaben darauf lauern erledigt zu werden. Manche Arbeiten wollen jedoch nicht auf die Liste, sie wollen sofort erledigt werden.
Zuerst meldet sich der Großschot-Traveller. Das ist die Schiene auf der die Schot, also die Leine mit der man das Großsegel bedient, bewegt wird. Wir hätten ihn vermutlich ersetzt bevor wir in Bremen gestartet sind, wenn es denn Ersatzteile gäbe. Unsere Befürchtungen, dass wir eine brutale Notlösung bauen müssen, die das Bohren mehrere Löcher beinhaltet, bewahrheiten sich nicht. Die Schrauben zeigen sich kooperativ, Nobbi zerlegt das Ding, ersetzt eine Schraube und baut es wieder zusammen.
Als wir in Kangean ankommen, hat Nobbi plötzlich den Seewasser-Hahn in der Hand. Streng genommen ist es kein Wasserhahn, sondern die Tülle, wo das Seewasser ankommt, das man per Fußpumpe ins Waschbecken befördert. Er bastelt Ersatz aus einem Rest des Rohrs und einem Schlauch. Diese Konstruktion ist gefährlich, benutzt man die Fußpumpe versehentlich wenn man eigentlich die Süßwasser-Pumpe benutzen wollte, spritzt es nicht ins Waschbecken, sondern ins Gesicht. Deshalb erfindet Nobbi eine neue Konstruktion, die nun pannenfrei funktioniert.
Zwischen Kangean und Bawean meldet sich wieder der Traveller, nun die andere Seite. Jetzt wissen wir wie es funktioniert, hier schafft eine kleine Mutter Abhilfe. Nicht so elegant, aber vorerst funktionsfähig. Das Schöne an solchen Baustellen ist, dass man mal eben den Werkzeugkasten braucht und mehrere Kisten rausholt, um die unterste nach einer passenden Mutter zu durchsuchen. Als Nobbi aufwacht, habe ich alles auf dem Fußboden ausgebreitet. Er ist zunächst nicht so begeistert, reißt noch im Halbschlaf das Kommando an sich und erledigt die Reparatur vor dem ersten Kaffee.
Angekommen in Bawean, kleben wir das Unterliek der Genua. Eine Naht ist aufgegangen. Als wir auf dem Vorschiff rumturnen, stellen wir fest, dass wir sich zwei Beschläge am Spibaum gelöst haben. Das sind die besten Baustellen, die die man findet und behebt bevor sie sich bemerkbar machen.
Die nächsten Aufgaben warten sicherlich schon auf Erledigung. Wir wissen es nur noch nicht.

Wasserhahn Modell „Nobbi“

Fischer, Verkehr und Lummerland

Von Lombok machen wir uns auf den Weg nach Norden. Zunächst verlegen wir wieder in die Bucht im Norden Lomboks. Von dort sollen uns 3 Etappen nach Belitung bringen.
Zunächst liegen 110 Meilen nach Kangean vor uns, der nächste Abschnitt ist mit 170 Meilen nach Bawean schon etwas länger und die dritte Überfahrt ist dann ganze 350 Meilen lang und führt uns nach Belitung. Alle Strecken sind zu lang um sie am Tage zu bewältigen, wir müssen die Nächte durchsegeln. Eigentlich ist das schon lange nichts Besonderes mehr, wir haben schon etliche Nachtfahrten unternommen. Besonders sind nur die indonesischen Herausforderungen. Es kursieren abenteuerliche Geschichten. Die meisten lassen sich kurz zusammenfassen: Fischer, unglaublich viele Fischer. Positionslichter führen diese Boote natürlich keine, zu sehen wären diese sowieso nicht, da ganze Batterien von an Deck installierten Scheinwerfern die Fische in die Netze locken sollen und alles überstrahlen. Vernünftigerweise gehen wir davon aus, dass der Schiffsverkehr in der Umgebung nicht mit der nötigen Sorgfalt beobachtet wird, schon gar nicht segelnde Yachten. Das Radar hilft uns auch nicht weiter, da die hölzernen Fischerboote im Seegang oft kein Echo liefern. Wir starten also mit einigem Respekt in diesen Abschnitt. Vor allem ich habe Bammel. Blinkende Fischer überall, das ist der Stoff aus dem meine seglerischen Albträume gestrickt sind. Jetzt steht also eine Konfrontationstherapie an.

Die erste Etappe nach Kangean verläuft weitgehend ruhig, das Segeln macht Spaß und wir kommen gut voran. Tatsächlich sind wir so schnell, dass wir reffen um nicht zu früh anzukommen. Wir wollen den Ankerplatz nicht im Dunklen ansteuern. In der zweiten Nachthälfte sehen wir viele Fischer, die meisten sind jedoch weit weg. Ein Frachter überholt uns und ich versuche ihm ein Stückchen hinterher zu fahren. Dort wo er gerade gefahren ist kann kein Fischer sein. Mal wieder wundern wir uns, dass in Indonesien doch noch immer große Schiffe ohne AIS unterwegs sind. Außerdem haben viele indonesische Schiffe so schwache AIS-Signale, dass sie erst auf dem Display erscheinen, wenn das Schiff nur noch 1,5 oder 2 Meilen entfernt ist.
Als ich gerade darüber nachdenke, dass es eigentlich gar nicht so schlimm ist, huscht in der schwarzen Nacht ein FAD, eines dieser unsäglichen Flöße die Fische anlocken sollen, vorbei. Nur wenige Meter neben uns, 15 Meilen von der nächsten Insel entfernt. Ich hab mich sehr erschrocken und frage mich wie viele von den Dingern wir wohl nicht gesehen haben. Die Aussicht auf die kommenden Segelnächte deprimiert mich, genau zur rechten Zeit taucht eine Schule Delfine auf und begleitet mich einige Meilen. Mit dem allerersten Lichtschein erreichen wir Kangean und fahren langsam zu unserem Ankerplatz.

Nach dem Frühstück baden wir ausgiebig, erledigen ein paar Kleinigkeiten und schleppen uns müde durch den Tag. Direkt nach Sonnenuntergang gehen wir ins Bett. Die Nacht endet früh, um zwei Uhr gehen wir Anker auf und verlassen die große Bucht. Hier sind viele kleine Fischerkanus unterwegs, die meist nur mit kleinen Blinklichtern beleuchtet sind. Oder gar nicht. Es blinkt grün oder blau, oder jemand wedelt plötzlich mit einer Taschenlampe, um auf sich aufmerksam zu machen.
Als die Insel hinter uns zurückbleibt werden auch die kleinen Fischer weniger. An Steuerbord reiht sich ein großer Fischer an den anderen, ein Band aus hellen Lichtern zieht sich am Horizont entlang.
Der Tag ist recht ruhig, aufpassen muss man aber immer, es gibt viel Verkehr. Und Müll. Immer wieder treiben einzelne Plastiktüten oder Planen vorbei oder aber ganze Teppiche oder Bänder aus Plastikteilen. Abgesehen davon, dass der Müll nichts im Meer zu suchen hat und eine ökologische Katastrophe bedeutet, haben wir Segler Angst vor Plastiktüten, die den Kühlwassereinlass verstopfen können. Dann läuft der Motor innerhalb kürzester Zeit heiß und kann beträchtlichen Schaden nehmen. Eine weitere Müllgefahr stellen Leinen dar. Hier werden gerne schwimmende Leinen verwendet, die sich am Schiff vertüddeln oder in den Propeller geraten können.
Wir sind froh, dass wir die ganze Strecke segeln können. Segeln macht mehr Spaß, es ist leiser, wir verbrauchen keinen Diesel und wir brauchen uns keine Sorgen ums Kühlwasser zu machen.
In der zweiten Nacht wird es wieder spannend. Um uns herum sind so viele Lichter, dass ich große Teile meiner Wache auf der Cockpitbank stehe um alle im Blick zu behalten. Sieht man nur den Wiederschein am Horizont, ist der Fischer weit weg, kann man die hellen Lichter sehen, ist er näher dran. Wie nahe ist kaum einzuschätzen. Lange funktioniert es, ab und zu ein bisschen an der Windfahne zupfen, etwas anluven, etwas abfallen, wir schlängeln uns durch.
Ein Frachter überholt, ein Frachter kommt entgegen. Diese Fischer bei denen man oft weder Abstand, noch Geschwindigkeit, manchmal nicht mal Fahrrichtung ausmachen kann, machen mich verrückt. Man lernt einen Tanker auf Gegenkurs zu schätzen, da weiß man woran man ist. Die Lichter sind eindeutig zuzuordnen, meistens erscheint er früh auf dem AIS (Ausnahmen, ihr wisst schon. Indonesien gewöhnt einem in dieser Hinsicht das Wundern ab) und er dreht nicht einfach um, stoppt auf oder fährt zick zack. Ich sehe ein komisches Licht vor mir. Erst dachte ich es sei ein Fischer, doch nun kann ich mehrere weiße Lichter ausmachen und ein grünes. Das könnte ein Schlepper sein! Hat der einen Anhang? Und wo will er hin? Irgendwie kann ich das auf dem Radar nicht zuordnen, aber das Ding scheint nun doch recht nah zu kommen. Ich wecke Nobbi. Irgendwann sehen wir weit hinter dem Schlepper den Anhang. Bei uns an Bord heißen diese Anhänge Lummerland, da die Schüttgutbeladung auf der Barge aus der Ferne wie eine Insel (oder zwei) aussieht. Das Ding ist nicht beleuchtet. Wir schmeißen schließlich die Maschine an um noch vor dem Schleppverband zu passieren, dann kehrt wieder Ruhe ein.
Auch am nächsten Tag hält uns der Verkehr auf Trab. Ein Tanker zwingt uns zum Halsen, er weicht nicht aus und meldet sich nicht am Funk. Viele Fischer sind auf dem Weg nach Hause, andere ankern irgendwo mitten auf See und schlafen. Mittags kommen wir der Küste von Bawean näher und damit auch den kleinen Fischern, ihren Bojen und den FADs. Zwischen Kangean und Bawean sind wir zehn Halsen gefahren, ein paar, weil wir vorm Wind gesegelt sind, die meisten aber um auszuweichen.
In der Ansteuerung der Bucht auf der Nordseite Baweans haben wir wieder ein Lummerland-Erlebnis. „Nobbi, hier ist eine Insel zu viel“. Da sollen ein paar kleine Felsen sein, aber diese Insel kann ich nicht zuordnen. Ihr ahnt es, eine Schute liegt vor der Bucht vor Anker. Diese hat vier Hügel, wir nennen sie Neu-Lummerland. In der Bucht liegen noch weitere Schlepper samt ihrer Anhänge und sorgen für ein wenig Logistiker-Romantik.
Auf Bawean bleiben wir etwas länger, schlafen gründlich aus, treffen mal wieder andere Segler und sehen uns an Land um.

In Bawean treffen wir James Bond.
Das ist mal eine gelungene Luxus-Yacht!

Nun steht die Überfahrt mit drei Nächten an. Wir sind gut vorbereitet, die MP3 Player sind mit Podcasts und Hörbüchern bestückt, zum Lesen finden wir bei so viel Verkehr kaum Ruhe. In den ersten beiden Nächten ist der Horizont fast durchgehend von unendlichen vielen Fischerbooten erleuchtet. Die meisten liegen vor Anker, das macht das Ausweichen einfach, einige fahren aber auch auf und ab und wollen sorgsam beobachtet werden.
Der zweite Tag ist richtig anstrengend. Den ganzen Tag sehen wir hunderte von Fischern. Die Boote sind bei Tageslicht oft erst spät zu sehen, mal liegen sie vor Anker, mal haben sie ein Netz draußen und wieder andere fahren auf und ab. Einer fährt ganz dicht hinter uns durch. Der wollte wohl mal gucken.
Am Morgen des dritten Tages erreichen wir die ASL, eine Art empfohlene Route für die Großschifffahrt und von einem Moment auf den anderen sind die Fischer weg. Den ganzen Tag sehen wir nur zwei große Schiffe. Es fühlt sich an wie Urlaub. Allerdings rumpelt es einmal heftig. Ich erschrecke und springe raus. In unserem Kielwasser treibt eine dicke Holzbohle Typ „Eisenbahnschwelle“. Bei der Kontrolle der Bilgen finden wir nur Staub. Es scheint nichts passiert zu sein. Später stellen wir leider fest, dass diese Kollision nicht ohne Folgen blieb, der Geber unseres vorausschauenden Echolots ist angebrochen und funktioniert nicht mehr. Auch die dritte Nacht ist unwirklich ruhig. In der ganzen Nacht sehen wir nur fünf Fischer und müssen kein einziges Mal ausweichen.
Bei der Ankunft in Belitungs Gewässern haben wir unglaubliches Glück und sehen zwei Walhaie. Nur wenige Meter vom Boot schwimmen die riesigen Fische (über 5m lang) direkt an der Wasseroberfläche. Und noch unglaublicher, bei unserer Abfahrt von Lombok haben wir in ganz klarem Wasser auf 20m den Grund gesehen und einen weiteren Walhai, der unter uns durch zog. Auch wenn diese Begegnungen so kurz sind, so sind sie doch etwas ganz Besonderes. Wir fühlen uns reich beschenkt.
Der Wind weht kräftig, der Strom schiebt und wir sind schnell unterwegs. Es ist noch früh und wir entscheiden uns gleich noch ein Stückchen weiter zu segeln. Am angepeilten Ankerplatz steigen schwarze und weiße Wolken auf. Das sind nicht die üblichen Qualm Wolken der kleinen Müllfeuer. Hier ist eine große Industrieanlage gebaut worden. Das ist nicht der richtige Ankerplatz für uns, wir biegen ab und ankern hinter einer kleinen Mangroveninsel. Eine gute Wahl. Wir schlafen wunderbar.
Nach der ruhigen erholsamen Nacht, ziehen wir Bilanz. Es war anstrengend, aber eigentlich gar nicht so schlimm. Die Konfrontationstherapie war erfolgreich. Das ist gut, denn das waren nicht die letzten Nachtfahrten in dieser Saison und wir überlegen, ob wir die Strecke im nächsten Jahr von Nord nach Süden segeln wollen.

Marina del Ray und ein Spaziergang auf Gili Gede

Wir beschließen an der Westküste Lomboks entlang nach Süden zu segeln. Dort gibt es auf der kleinen Insel Gili Gede eine Marina. Drei Nächte (14. bis 17. September) gönnen wir unserer Mari einen Stegplatz in der Marina del Ray. Mari bekommt eine Dusche und wir genießen es ins Restaurant zu spazieren ohne vorher ins Dinghi zu steigen, zumal unsere letzten Dinghifahrten durch unser Leck ja doch sehr nass waren. Wir nutzen die Chance und versuchen unser Schlauchboot zu kleben. Zusätzlich schrauben wir das Gewebe mit der Aluleiste am GfK-Boden fest. Wie gut, dass sich unter Nobbis Koje noch diese Aluleiste fand. Wir sind gespannt wie lange unsere Bastelei hält, sicher ist, dass wir bald ein neues Schlauchboot brauchen.


Morgens unternehmen wir noch vor dem Frühstück einen ausgiebigen Spaziergang, wir wollen uns ansehen wie die Insel jenseits der Marina aussieht. Die Fischer kommen nach Hause und die Frauen holen die Fische ab und verteilen sie. Anders als in vielen anderen Dörfern erleben wir die Menschen recht zurückhaltend. Wir sprechen eine Frau an, die anscheinend etwas zu sagen hat und die Fische verteilt. Wir verstehen nicht alles, aber sie ist sehr aufgeschlossen und freut sich, dass wir sie fotografieren wollen. Das ist interessant, während die Menschen an vielen anderen Orten nicht so gerne fotografiert werden möchten, empfinden es viele Indonesier als Anerkennung, wenn man fragt ob man fotografieren darf. Oft werden wir sogar dazu aufgefordert.
Das erste Dorf ist auffallend sauber. Wir sehen, dass der Müll gesammelt wird. Ein Stückchen weiter ist es unglaublich vermüllt. Der ganze Hang voller Plastikmüll und mitten drin lauter Hühner. Eine Frau schneidet Grünzeug für ihre Kuh, gar nicht so einfach auf der trockenen Insel. Unsere schwarz-bunten Holsteiner Kühe würden hier wohl verhungern.
Die meisten Häuser sind klein und einfach. Es gibt ein kleines Hostel mit Restaurant und winzigem Kiosk. Der Besitzer und seine Frau sind sehr gesprächig. Wir kaufen ihren gesamten Obstvorrat auf: zwei Ananasse. Der Mann möchte alles über unser Boot wissen. Seine Frau hört erst nur zu, während sie die Fische ausnimmt, die ihr Mann nachts geangelt hat. Dann schaltet sie sich ins Gespräch ein und möchte wissen wie wir an Bord kochen. Ihr Mann befragt uns zur Wacheinteilung und stellt fest, dass wir länger schlafen könnten, wenn wir ihn mitnehmen. Seine Frau hat das letzte Wort, sie will auch mitkommen, dann können wir alle noch länger schlafen. Das Gespräch mit den beiden macht Spaß, sie haben viel Humor.
Folgt man den Weg kommt man zum größeren Ort, doch das ist uns heute zu weit, wir haben noch gar nicht gefrühstückt.

Der Fischeimer wird auf dem Kopf transportiert.
Die Fische werden verteilt, der Lütte bekommt auch drei Exemplare.
Viele kleine hübsche Häuser
Hier geht’s nach überall
Es gibt auch größere Häuser mit wunderschönen Fenstern
Plastikmüll
Der Eingang zu einem kleinen Laden.
Ein Foto? Sehr gerne!
Können wir noch ein Selfie machen?
Unsere Schwarzbunten würden hier verhungern.
Hier findet nur eine Ziege Futter.
Während wir uns unterhalten, schuppt sie den nächtlichen Fang und nimmt ihn aus.
Am kleinen Anleger.

Die segelnden Fischer von Lombok

Die Boote sehen auf jeder Insel etwas anders aus. Die kleinen Fischerboote von Lombok gefallen uns besonders gut. Sie sind liebevoll gestaltet und haben zum Teil aufwendige Namenszüge am Bug. Außerdem sind sie besegelt. Segeln ist hier keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein kostengünstiger und schneller Antrieb. Spaß macht es den Fischern aber auch! Die Boote sind sehr leicht und wahnsinnig schnell. Sie verfügen über hervorragende Segeleigenschaften und können hoch am Wind segeln. Die Segel sind bunt, oft gestreift, mit bunten Rauten oder Sternen und tragen manchmal sogar den Bootsnamen. Als wir entlang der Westküste Lomboks nach Süden segeln bietet sich uns ein Bild wie zur Kieler Woche: hunderte bunte Segel am Horizont!
Wieder vermissen wir sehr unsere Kamera mit dem Tele, die rutscht nun noch weiter auf der Einkaufsliste nach oben. Wie sehr mich die Boote begeistern seht ihr auch an der Anzahl der Fotos, es handelt sich bereits um eine Auswahl!

Ein Spielzeugboot
Früh übt, wer ein Fischer werden will!
Liebevoll gestaltet
Extrem gut gepflegt und perfekt lackiert
Mit Liebe zum Detail
Sie erinnern an Spinnen, sind schnell und von weitem kaum zusehen.
Mit aufgetuchtem Segel
Abfahrbereit liegen sie am Strand. Das Ruder wird gezogen und gesichert bevor sie in flaches Wasser fahren.

Doch am allerschönsten sind sie unter Segeln: