Von Le Havre nach Fécamp sind es nur gute zwanzig Meilen. Mittags geht’s los, der Strom schiebt uns entlang der spektakulären Küste nach Norden. Die Kreidefelsen säumen die Alabasterküste auf fast 130 km. Bei Étretat bilden sie besonders schöne Bögen, die wir uns von See ansehen. Die Steilküste ist etwa 100m hoch und wird ab und zu von einem Einschnitt durchbrochen, in dem meistens kleine Orte liegen.
Die Einfahrt nach Fécamp ist flach. Bei Springzeit können wir bei Niedrigwasser nicht durchfahren und auch das vordere Hafenbecken wäre dann nicht tief genug für uns. Wir erreichen die schmale Einfahrt bei Nippzeit und moderatem Strom, finden die Einfahrt aber trotzdem aufregend. Kurz nach uns fährt ein kleiner Frachter in den Hafen. Die Matrosen filmen die Einfahrt, auch für sie ist es spannend.






Die Tide bestimmt den Zeitplan. Wir entscheiden, uns bei Niedrigwasser aus der Ausfahrt zu trauen, um den nachmittags nach Nordosten setzenden Strom auszunutzen. So haben wir vormittags noch Zeit für einen Spaziergang. Der Strand weist eine erstaunliche Korngröße auf. Die meisten Steine haben einen Durchmesser größer 7 cm. Aus Gewichtsgründen verzichte ich darauf sammeln zu gehen, was außerdem verboten ist. Das verspielte Palais Bénédictine aus dem 19. Jhd. dient noch heute als Produktionsstätte des berühmten Kräuterlikörs und beherbergt eine Kunstsammlung, Ausstellungsräume, Gastronomie, einen Laden und kann auch besichtigt werden. Am Hafenbecken liegt das Fischereimuseum, das wir zu gerne gesehen hätten, doch das Wetter ist zu gut, um nicht weiterzufahren.











Nach Dieppe ist es etwas weiter, 33 Meilen immer an der Steilküste entlang. In schmalen Tälern stehen stolze Villen und sehr hässliche Hochhäuser. Eine Bausünde kommt hier nicht allein. Das Atomkraftwerk Paluel ist auch keine Augenweide, sonst ist die Küste hier aber sehr schön. Für uns ist die Fahrt nur nicht so aufregend, weil es einfach nur geradeaus geht. Dann liegt Dieppe vor uns. Auf beiden Seiten leuchten die hellen Felsen der Steilküste in der Abendsonne. Wir fahren Slalom um einige Fischerbojen, Leinen und Fender haben wir schon für die Ankunft bereitgelegt, da sehe ich, dass auf dem Motorboot vor uns gewunken wird. Das ist kein freundlicher Gruß, da ist jemand in Not. Also steuern wir sie an. Vier Männer sitzen in einem Motorboot und der Motor springt nicht wieder an. Zwei sind sehr besorgt, zwei angeln seelenruhig. Wir nehmen sie in Schlepp und ziehen sie in den Hafen. Dieppe wird von großen Fähren, von Fischern, kleinen Frachtern und von Schiffen, die den neuen Windpark vor der Küste bauen angelaufen. Wir funken Port Control an und erklären, dass wir ein Boot im Schlepp haben. Es schadet nicht, wenn die wissen, dass wir nicht so gut ausweichen können.
Die Motorboot-Crew hat inzwischen einen Kumpel organisiert, der sie unter der Brücke hindurch in den Innenhafen schleppen soll. Sie wollen uns eine Handvoll Geldscheine übergeben, die wir natürlich ablehnen. Es ist selbstverständlich, dass man einander hilft. Wir suchen uns einen Platz im Yachthafen. Der erste Platz gefällt uns nicht, also parken wir noch einmal um. Die Saison ist bereits vorbei und es ist viel Platz, obwohl die Gästestege stark verkleinert wurden, weil dort nun die Windpark-Schiffe liegen.
In Dieppe bleiben wir drei Tage. Das Wetter lädt nicht zur Weiterfahrt ein und uns steht der Sinn nach ein wenig Landvergnügung. Unser erster Spaziergang bringt uns zur riesigen Saint-Jacques Kathedrale, vom 11. Bis 16. Jhd. erbaut wurde. Zahlreiche sehr aufwendige Details sind ebenso beeindruckend, wie die erschlagende Größe des Bauwerks, das aber dringend renovierungsbedürftig ist.
Die dagegen sehr schön restaurierte Kapelle Notre Dame de Bon Secours steht nördlich der Hafeneinfahrt auf der Steilküste und ist den auf Seegebliebenen gewidmet. In der Kapelle gibt es viele Gedenktafeln, die an Schiffsunglücke, Verschollene und Ertrunkene erinnern. In einem Ordner sind verunglückte Menschen und Schiffe aufgeführt. Ein berührender Ort, der insbesondere Segler einlädt innezuhalten.
Im kleinen maritimen Museum lernen wir einiges über die Küstenfischerei und über moderne Energiegewinnung, wie Gezeiten-, Osmose- und Windkraftwerke. Es gibt schöne Exponate zum traditionellen Schiffbau und zur Geschichte des Hafens.
Die Burg im Süden des Strands wurde 1435 auf den Resten einer älteren Burg gebaut und beherbergt ein Museum, das wir ebenfalls besuchen. Dieppe war einer der bedeutendsten Orte der Elfenbeinschnitzerei ab den 16. Jhd. Das Museum zeigt eine schöne Sammlung sehr kunstvoller, filigraner Schnitzereien. Ein weiteres Highlight der Ausstellung sind die Hafenansichten und Gemälde der Küste.
Wir treffen Vereinskollegen und spontane Sympathie führt zu einem langen Abend an Deck, einem gemeinsamen Restaurantbesuch und vielen Schnacks auf dem Steg. So vergeht auch der Regentag ganz schnell.














