Als der Wecker klingelt, ist es noch dunkel. Ich entscheide mich ausnahmsweise weder barfuß noch in kurzen Hosen zu segeln und ziehe meine Ölhose an. Irgendwann neigt sich auch der längste Sommer dem Ende zu.
Als wir aus dem Hafen motoren geht die Sonne auf. Das Wasser ist glatt, der Strom schiebt uns sanft und wir tuckern gemütlich auf Jersey zu. Zwischen Saint Malo und Jersey liegen die Isles de Minquiers (von Engländern „the Minkies“ genannt) und die Chauseys. Steinhaufen, die bei Ebbe aus dem Meer auftauchen und mit Ausnahme weniger kleiner Inseln bei Flut überspült werden. Gerne hätten wir in diesem Gewusel geankert, doch die Wetterlage ist uns für ein solches Experiment nicht stabil genug und unser Tiefgang von fast zwei Metern ist für dieses Revier schon ziemlich viel.
Später können wir segeln. Auch wenn der Wind abnimmt und wir immer langsamer werden, segeln wir bis zur Einfahrt von St. Helier, der Hauptstadt von Jersey. Es gibt keinen Grund zur Eile, der Innenhafen ist für uns erst nachmittags wieder erreichbar.
Am Wartesteg essen wir zu Mittag, lesen und beobachten den Hafenmeister, der eine Art Ein-Mann-Floating-Party macht und begleitet von lauter Musik mit dem Schlauchboot gut gelaunt durchs Hafenbecken fährt.
In St. Helier müssen wir uns nicht nur beim Hafenbüro anmelden, sondern auch offiziell einreisen. Die Kanalinseln gehören nicht zur EU. Die ETA, die „electronic travel authorisation“, die man für das Königreich auf der anderen Seite des Kanals braucht, haben wir bereits auf den Azoren beantragt. Nun brauchen wir nur noch ein Formular am Computer ausfüllen. Das hatten bereits in Saint Malo online gemacht, aber keine Antwort erhalten.
Wir spazieren ein wenig durch St. Helier. Es sieht sehr britisch aus und es gibt viele Schmuckgeschäfte und Fish&Chips-Läden. Jersey ist ein Steuerparadies, in St. Helier merkt man das an den vielen Bankfilialen und den hohen Preisen bei den Immobilienmaklern. Wir interessieren uns weder für den niedrigen Steuersatz von 1% für Einkommen größer 1,25 Mio £, noch für die nicht existierende Körperschaftssteuer, uns ziehen die Kielboote im Alten Hafen an, die in einer Art Gerüst trockenfallen.
Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus in den Südwesten der Insel. Der Leuchtturm La Corbière steht auf einem Felsen, der nur bei Ebbe zu Fuß erreichbar ist. Zunächst suchen wir uns für unser Picknick einen gemütlichen Felsen mit Blick auf die hübsche Landschaft. Anschließend laufen wir zum Leuchtturm und entschließen uns einen Teil des weiteren Rückwegs zu Fuß zurückzulegen. Zunächst ist es nicht ganz einfach den richtigen Pfad zu finden, doch dann erreichen wir einen Wanderweg, der uns entlang der Küste in die St. Brelade‘s Bay bringt. Wir kommen an hübschen Villen und am Gefängnis vorbei, steigen über viele Treppenstufen und erreichen schließlich eine alte Kirche, die direkt am Meer liegt. Die Küste ist farblich interessant. Die Felsen leuchten rot, daneben locken die hellen Strände und das klare hellblaue Wasser. Der ruhige Wanderweg ist ein schöner Kontrast zur stark autobefahrenen Insel. Es gibt viel Verkehr und in jedem Vorgarten stehen mehrere Autos. Wir lernen, dass Jersey und Guernsey zu den Orten mit der höchsten Autodichte in Europa gehören.
Nobbi besucht noch das Maritime Museum, ist aber nicht so beeindruckt. Ich gehe währenddessen einkaufen, entscheide mich aber nicht für einen Brillantring oder ein Collier, sondern für Brokkoli und Brot.












