Saint Malo

Aus Saint Quay Portrieux können wir bei jedem Tidenstand auslaufen. Heute passt die Strömung hervorragend zu unseren Plänen, als wir morgens auslaufen. Der Wind meint es auch gut und wir segeln entlang der Küste nach Osten. Die Strecke ist kurzweilig: Felsen, Leuchttürme und Tonnen. In der Bucht von Saint Malo wimmelt es von Segelbooten aller Größen. Wir bergen in den windigsten Minuten des Tages die Segel und schlängeln uns dann zwischen vielen Jollen hindurch zum Hafen.
Auch dieser Hafen hat eine Schwelle damit immer zwei Meter Wasser im Hafenbecken stehen bleiben. Wir kommen zwei Stunden nach Hochwasser an, die Einfahrt ist also problemlos. Da wir gerade Nippzeit haben, der Unterschied zwischen Hoch- und Niedrigwasser also nicht so groß ist (immerhin drei bis vier Meter!), könnten wir gerade zu und jederzeit über die Schwelle in den Hafen einfahren. Wir finden einen guten Platz und ich laufe zum Büro, um uns anzumelden. Die Anmeldung verläuft schnell und sehr nett. Überhaupt sind wir von den netten jungen Leuten in den Hafenbüros begeistert. Überall in der Bretagne waren die Mitarbeiter freundlich, zuvorkommend und sprachen (auch über Funk!) gut Englisch.
Wir liegen in Saint Servan, einem Stadtteil von Saint Malo und können Intra Muros, die Altstadt, auf der anderen Seite des Fährhafens sehen.
Wir spazieren kreuz und quer durch Saint Servan und zum Tour Solidor, einem Festungsturm aus dem 14. Jahrhundert. Schmale Gassen, stolze Häuser, kleine Strände und viele Boote: das volle Bretagne Programm.

Zur berühmten Altstadt innerhalb der Stadtmauer ist es eine halbe Stunde zu Fuß. Wir umrunden die Stadt auf der hohen Stadtmauer und stürzen uns ins Getümmel zwischen Souvenirläden, Restaurants und Bars. Die kompakte Stadt ist beeindruckend. Sie wurde im zweiten Weltkrieg zu großen Teilen zerstört, aber sehr originalgetreu wieder aufgebaut. Die Häuser strahlen Stolz und Erhabenheit aus. Vor dem blauen Sommerhimmel ist die Stadt schön, an einem nassen Wintertag sicherlich kalt, grau und stolz. Beim Anblick der Silhouette der Altstadt denkt man unwillkürlich an einen Piratenfilm. Außerdem erinnern die massiven Mauern an die Gewalt der Wassermassen, die eine stürmische Springflut hier entfalten kann.
Bei unserem zweiten Besuch schlendern wir durch weniger belebte Straßen, besuchen die Kathedrale mit ihren sehr schönen Glasfenstern und einem ganz modernen Altar und finden schließlich mitten im touristischen Gewühl ein hübsches Café mit zwei ausnehmend freundlichen Mitarbeiterinnen. Nobbi hat inzwischen sein Französisch wieder gefunden (ich suche noch) und die beiden üben begeistert mit ihm.
Wir gönnen uns noch einen entspannten Tag in Saint Servan mit Spaziergängen, Wäsche waschen und ein bisschen Bürokram. Dann darf es weitergehen.