Ankunft in Noumea

Am Samstag sind wir nach sieben Tagen und sieben Stunden in Noumea angekommen. Rückblickend hatten wir eine sehr gute Überfahrt. Das Wetterfenster war ideal, wir sind nur in der ersten Nacht einige Meilen motort und konnten Opua – Noumea auf direktem Weg segeln. Unterwegs fühlte es sich nicht immer so ideal an. Wir hatten zwei Tage recht ruppigen Seegang, einen Tag eine Welle von gut vier Metern die uns ordentlich durchgeschüttelt hat. Wenn man in der Koje abhebt schläft es sich nicht so gut. Die 20 kn Wind in Böen, die vorausgesagt waren, waren doch oft 30kn. Immerhin immer aus der richtigen Richtung. Mich hat die Seekrankheit diesmal ziemlich arg erwischt, den dritten Tag habe ich bereits verdrängt, sonst würde ich nie wieder Hochseesegeln. Das Wetter hat es gut mit uns gemeint, wir hatten nur wenige Schauer und meistens haben sie nur ein paar Minuten gedauert. Jeden Tag wurde es etwas wärmer und der Kleiderberg, den wir uns zu Wachbeginn angezogen haben etwas kleiner. Nachdem einige unserer Bekannten grausames Wetter bei ihrer Überfahrt hatten, haben wir es wirklich gut getroffen. Dafür sind wir sehr dankbar. Es hat sich gelohnt, dass wir so lange gewartet haben.
Die Highlights der Reise waren (mal wieder) tierischer Natur. In der Bay of Islands sahen wir ein letztes Mal die niedlichen Pinguine. Fast ununterbrochen wurden wir von dunkelbraunen Sturmvögeln begleitet, die dicht übers Wasser gleiten und in hoher Geschwindigkeit neugierig ums Boot fliegen, ohne dass wir sie je mit den Flügeln schlagen sehen. Am ersten Tag sehen wir einen riesigen Albatros auf dem Wasser sitzen, an den folgen Tagen dürfen wir die großen Vögel stundenlang beobachten. Ein Pärchen fliegt synchron immer wieder Kringel um uns. Wunderschön. Was für ein Privileg, dass wir so lange Gelegenheit haben sie zu beobachten. Die Bestimmung der Art ist nicht ganz einfach, mehrere kommen in Frage. Wie bei vielen Vogelarten sehen jugendliche Albatrosse anders aus, als ihre ausgewachsenen Verwandten. Das macht es nicht einfacher. Um ganz sicher so sein, hätten wir uns den Schnabel aus der Nähe ansehen müssen, sagt unser Vogelbuch. Letztlich spielt es für uns jedoch keine Rolle. Mir macht es einfach Spaß im Vogelbuch zu blättern, Merkmale und Verbreitungskarten zu vergleichen. Albatrosse sind beeindruckende Tiere. Sie verbringen den Großteil ihres Lebens in der Luft, fliegen tausende Meilen am Stück und sind sehr flott unterwegs. Die großen und schweren Vögel sind zwar schnell erschöpft wenn sie ihre langen Flügel einsetzen müssen, sind aber perfekte Segelflieger.
Als wir uns dem Pass nähern, der uns in Neukaledoniens große Lagune bringen soll, sehen wir wie sich die See auf beiden Seiten auf den Riffen bricht. Gischt fliegt durch die Luft. Doch was ist das? Ein Wal? Dicht vor uns sehen wir den Blas. Und dann nochmal. Er, oder wahrscheinlich sie, tut uns den Gefallen und bleibt noch ein wenig an der Wasseroberfläche. Durch den frischen Wind ist die Wasseroberfläche rau und wir können sie nicht so gut sehen, doch wir sind recht sicher, dass wir eine Buckelwal Mutter mit ihrem Nachwuchs getroffen haben. Ein tolles Empfangskomitee. Und als Zugabe gibt es dann auch noch eine große Schildköte mitten im Pass, sowie drei weitere auf dem Weg nach Noumea. Ein vielversprechender Anfang.


Wir würden gerne in die Marina fahren und rufen sie über Funk, doch unsere Rufe bleiben unbeantwortet. Als wir uns schließlich einen Platz zum Ankern in der Nähe des Hafens ausgeguckt haben, ruft Nobbi die Marina ein letztes Mal und als Antwort kommt ein Krächzen aus dem Funkgerät. Die Kommunikation ist erst etwas mühsam, aber dann bekommen wir Bescheid. „Ich habe einen Platz für euch. Ihr könnt mit Steuerbordseite anlegen. Ich winke euch.“ Der nette Marinero heißt uns willkommen und ruft die Offiziellen an. Nach nicht einmal einer Stunde ist die Dame von der Biosecurity da. Sie nimmt unseren Müll und unsere Kartoffeln mit. Unsere Zwiebeln durften wir behalten. Nachdem Nobbi ihr erklärt hat wie traurig er sei, dass sie seine geliebten Kartoffeln mitnimmt, hatte sie Mitleid und hat bei den Zwiebeln ein Auge zugedrückt. Die fröhliche junge Frau verrät uns, dass ihre Kollegen vom Zoll nicht mehr kommen und wir direkt losziehen können. Fürs Partyvergnügen sind wir viel zu müde. Wir trinken ein Glas Wein im Cockpit, genießen das Ankommen, lauschen den Geräuschen und stellen fest, dass das neue Land interessant riecht.
Heute hat das Marinabüro unsere Unterlagen zum Zoll geschickt und wir waren bei der Immigration. Nun sind wir offiziell eingereist und dürfen bleiben so lange wir wollen. Das war alles sehr einfach, kostenlos und ausgesprochen nett.
Nachdem wir Mari am Sonntag bereits vom Salz befreit, Wäsche gewaschen und heute ein wenig eingekauft haben, sind die meisten Pflichten bereits erfüllt und wir können uns den wichtigen Dingen widmen. Ein neues Land will entdeckt werden. Der erste Eindruck ist sehr vielversprechend!