Heimaturlaub und Erinnerungen

Der Regen fliegt waagerecht am Wohnzimmerfenster vorbei. Den Spaziergang verschieben wir auf einen späteren Zeitpunkt. Wir haben uns die schönste Zeit des Jahres für unseren Bremen-Besuch ausgesucht, allerdings sind wir nicht nur wegen des Wetters gekommen. Der Terminkalender füllt sich schnell und die Zeit fliegt nur so dahin. Diesmal sind nicht so viele Einkäufe zu erledigen, doch der Stapel mit Dingen fürs Boot wächst bereits.
Im Boot ist wieder ein wenig Platz. 40 kg Bücher und Souvenirs haben wir im Koffer mitgebracht. Reiseführer, Cruising-Guides und Seekarten von Gegenden, die wir erstmal nicht wieder besuchen werden, und zahlreiche Andenken. Einige Dinge, wie die Tee Dosen aus Singapur oder die Maske aus Indonesien, hatten wir schon fast wieder vergessen. Sorgfältig verpackt sind sie ganz hinten im Schrank um die halbe Welt gereist.

Eine Freundin sammelt Bilder, ein Bekannter Waffen, eine Seglerin Tassen und eine andere Stoffe.
Unsere Souvenirsammlung folgt keinem Konzept. Wir kaufen was uns gefällt und einigermaßen gut transportiert und gestaut werden kann. Das 1,5m lange und hunderte Kilo schwere Nilpferd musste dann doch im Laden bleiben und auch der große gläserne Dodo wurde leider nicht Teil unserer Sammlung. Ein Elefant aus Thailand, eine ganze Wildtierherde aus Südafrika, ein Poster aus Kapstadt, ein Obstkorb von den Kapverden, neben diesen klassischen Souvenirs wie Kunstgegenständen und Bildern schaffen es manchmal auch Alltagsgegenstände ins Gepäck. Die Zeitung „St. Helena Independent“ oder den Newsletter „The Atoll“ von Cocos Keeling haben wir aufbewahrt. Der Copra-Sack aus Nuku-Hiva verströmt noch immer diesen unverwechselbaren Geruch, der uns sofort zurück in die Südsee reisen lässt.
Kleine Andenken, die entweder angeklebt oder aufgehängt werden können, dürfen dauerhaft an Bord bleiben, so haben unter anderem ein Gebetsband aus einem buddhistischen Tempel auf Penang (göttlicher Beistand kann nicht schaden) und ein kleiner Wal von den Azoren einen permanenten Platz gefunden. Unsere neukaledonische Schnitzerei sollte eigentlich nur vorübergehend am Schott hängen, inzwischen hat sie (genauer er) einen Namen und bleibt im Boot. Göttlicher Beistand…
Vieles sind für andere sicherlich Staubfänger, für uns sind es Anknüpfungspunkte für Erinnerungen. Die geschnitzten Komodo-Warane erinnern nicht nur an ihre lebenden Vorbilder, sondern an den schönen Ankerplatz, wo wir sie gekauft haben und an die fröhlichen Preisverhandlungen. Den hölzernen Elefant mit dem zu kleinen Kopf haben wir in Port Elizabeth bei einem Senegalesen gekauft, der hervorragend Deutsch sprach und uns viel über die Geschichte der Stadt erzählen konnte. Die Muschel, die ich im Tausch gegen Zucker erhalten habe, erinnert mich an die freundlichen Ni-Vanuatus.
Viele Gegenstände im Alltagsgebrauch werden wegen ihrer Doppelfunktion als Souvenir besonders geschätzt. Klassiker sind die Geschirrtücher mit Kiwis aus Neuseeland. An Bord benutzen wir einen Salzstreuer von der Saline auf La Palma, den wir schon etliche Male aufgefüllt haben. Immer wenn ich die kleine Backpulverdose öffne, sehe ich den vollen Laden auf Langkawi vor mir, wo ich sie gekauft habe. Unser Wäschebeutel aus einer typisch portugiesischen Tischdecke mit Hahnenmuster hat uns um die Welt begleitet und die Bezüge unserer Sofakissen haben ihr erstes Leben als indonesischer Sarong verbracht. Ist es warm, aber nicht heiß genug für die Tücher aus Fiji, dienen uns Handtücher aus Portugal als Bettdecken.

Eine andere persönliche Erinnerungshilfe ist unser „Soundtrack zur Reise“. Wir hören fast immer lokales Radio, gefällt uns ein Lied besonders, oder wird es sehr häufig gespielt, nehmen wir es in unsere Sammlung auf. Viele Lieder sind typischer Radio-Mainstream und werden überall auf der Welt gespielt, aber es sind auch Südsee-Schlager, Oldies, Filmmusik oder afrikanischer Pop dabei. St. Helena hat einen sehr beschwingten Musikgeschmack, hören wir die ersten drei Takte von „Foss Dalon Dalonne“ sind wir im Bus auf Rodrigues mit unserer Reisegruppe von La Réunion und der Anfang von „Romance Com Safadeza“ beamt uns auf eine brasilianische Party.
In unserem Blog halten wir Erinnerungen fest, gemeinsam mit dem Logbuch dient er uns als Tagebuch. Und natürlich stellen die tausenden Fotos unserer Reise einen riesigen Vorrat an Andenken und Gedankenstützen dar. Viele Bilder haben es in den Blog geschafft, außerdem habe ich begonnen Fotobücher zu erstellen, hänge der Realität aber noch einige Saisons hinterher.

Wie wertvollsten Erinnerungen und Erfahrungen sind jedoch die, die keine haltbare Form annehmen wollen, sich schwer an Fotos, Lieder oder Schnitzereien knüpfen lassen.
Da sind zum einen die Naturerlebnisse. Die Weite des Ozeans und die Kraft großer Wellen. Die Weichheit der Luft in einer windstillen Tropennacht oder das überwältigende Gefühl nach 4000 Seemeilen Ozeanpassage eine Insel am Horizont zu entdecken. Der Dunst über südostasiatischen Bergen, ein diffuses Lichtspiel, das sich ebenso wenig fotografieren lässt, wie der türkise Farbenrausch einer Südsee-Lagune.
Zum anderen die Begegnungen mit Menschen und Einblicke in ihr Leben. Menschen, die ein Leben leben, das nicht weiter von unserem entfernt sein könnte. So weit, dass kaum vorstellbar ist, dass wir auf dem gleichen Planeten leben. Ein Abend mit fremder Musik und neuen Freunden auf einem Südseeatoll, ein Treffen mit neugierigen Kindern und zurückhaltenden Frauen. Keine gemeinsame Sprache aber gemeinsames Lachen, zusammen essen, Austausch von Geschenken.
Ich hoffe, dass diese Momente, die uns tief berührt haben, die unser wertvollster Schatz sind nicht verblassen. Sie lassen sich in keinem Foto festhalten und ich finde keine Worte um sie zu beschreiben. Die „Staubfänger“ in unserer Wohnung sollen unsere Gedanken auf die Reise schicken und wenn wir Glück haben, weisen sie uns den Weg zu den Schätzen unter den Erinnerungen.

Die Fotos im Beitrag sind vom Freimarkt, der seit 1035 in Bremen stattfindet. Mir gefallen die Lichter des traditionellen Marktes am Rathaus, dem Rummel mit Fahrgeschäften und Geisterbahnen auf der Bürgerweide kann ich wenig abgewinnen. Noch weniger interessiert mich nun Halloween. Und so verkleide ich mich heute Abend nicht als Zombie, sondern sortiere lieber Fotos.

Der Roland wacht „erst“ seit 1404 über den Freimarkt.

Volles Programm in Santa Cruz

In Santa Cruz de Tenerife sieht es genauso aus, wie wir es in Erinnerung haben. Unsere ersten Wege führen zu den verschiedenen Schiffsausrüstern. Die Liste mit den Bootsprojekten ist lang.
Die höchste Priorität hat der Tausch der vier Unterwanten. Wir messen sie aus. Dafür klettert Nobbi mit dem Maßband in den Mast und ich lese unten die benötigte Länge ab. Die Werte stimmen mit denen, die wir beim letzten Tausch aufgeschrieben haben überein, das ist doch schon einmal erfreulich. Mittags geben wir das alte gebrochene Want als Muster ab, abends werden wir bereits angerufen, dass unsere neuen Drähte fertig sind. Am nächsten Tag tauschen wir die alten gegen die neuen Unterwanten. Die alten wandern in den Schrank, man weiß ja nie. Ersatzwanten im Schrank haben sich bewährt.
Wir schlagen die Segel ab, reinigen und kontrollieren sie und legen sie zusammen. Die Rollanlage wird gereinigt, die Lager gefettet und gecheckt. Dabei fällt uns auf, dass eine Ecke der Abdeckung abgebrochen ist. Der Ausrüster unseres Vertrauens hat Ersatz vorrätig. Die Achterstagen werden ein wenig nachgesetzt, wir stellen den Mast wieder schön gerade hin und überprüfen alle Spannschrauben und Beschläge. Wir waschen Reffleinen, Fallen und Schoten und gönnen uns eine neue Dirk.
Unsere Solarpanels am Seezaun haben irgendwo bei St. Helena den Geist aufgegeben. Eins liefert noch ein wenig Strom, das andere ist ganz tot. Die vorrätigen Solarpanels sind alle zu groß, doch wir können passende bestellen. Die kommen sogar aus Deutschland, würden aber nicht in den Koffer passen.
Unsere Sprayhood ist nicht mehr zu retten, die Nähte haben wir schon mehrfach nachgenäht, Flicken verdecken Löcher und der Stoff ist mürbe. Wir haben uns ein Angebot für eine neue machen lassen, die wir Ende des Jahres bekommen.
Neben den größeren Aufgaben, erledigen wir viel Kleinkram. Kissen, Ölzeug, Fleeceanzüge und lange Unterhosen werden gewaschen und entsalzen. In der kanarischen Sonne trocknet alles innerhalb kürzester Zeit. Die Hydrovane freut sich über einige ausgiebige Frischwasserdusche genau wie alle Blöcke und Rollen.
Unseren Windgenerator bauen wir ab. Unser Nachbar lässt uns nicht nur auf seinem Vorschiff rumturnen, er hilft uns auch dabei. Der Windgenerator soll neue Lager bekommen. Das Wechseln der Gummidämpfer in Horta hatte ihn leider nicht leiser gemacht.
Wir räumen fast jeden Stauraum aus und wieder ein. Nicht nur zum Putzen. Wir suchen Souvenirs. In den letzten eineinhalb Jahren haben wir immer wieder Andenken gekauft und die wollen wir nun mitnehmen, wenn wir nach Bremen fliegen. Wir finden Schätze von denen wir gar nicht mehr wussten, dass sie an Bord sind.

Wir spazieren durch Santa Cruz, entdecken eine neue Lieblingseisdiele und treffen alte und neue Bekannte. In der Stadt jagt ein Event das nächste. Das Vollmondfest „Plenilunio“ bietet Musik auf mehreren Bühnen und Plätzen einen Markt, Kinderbespaßung, Sportwettbewerbe, einen Umzug mit Trommelgruppe und eine Drohnenshow.
Alle sieben Jahre wird die Jungfrau von Candelaria nach Santa Cruz gebracht, begleitet von tausenden Pilgern. Die Prozession dauert den ganzen Tag und endet in der Hauptkirche von Santa Cruz.
Ein Clownfestival sorgt für Unterhaltung auf schattigen Plätzen und begeistert vor allem Kinder. Der Triathlon Europa Cup findet gewissermaßen direkt vor unserer Haustür statt. Die Schwimmwettbewerbe werden im äußeren Hafenbecken ausgetragen, die Wechselzone ist auf der Promenade. Morgens sind die Jugendlichen dran, dann messen sich verschiedene Klassen und mittags geht’s um den Europa Cup. Die Stimmung ist prima und das Zusehen macht Spaß.
Mit dem Bus fahren wir nach La Laguna, spazieren durch die schöne Altstadt der ehemaligen Hauptstadt und essen Torte. Nobbi entdeckt einen Frisör. In Sachen Frisör hat ihn das Glück verlassen. Die Frisur aus Mindelo war ganz schlimm, die aus Ponta Delgada kaum besser, aber vergleichsweise teuer und auch die aus La Laguna kann nicht überzeugen. Wenigstens waren die Frisörinnen nett.

Ausflug nach La Laguna:

Ankunft auf Teneriffa

Am Samstag, 27. September, ist noch immer sehr schwachwindig. Der Wind hat auf West gedreht und wir segeln langsam in die richtige Richtung. Wir hatten Delfinbesuch, wurden von einer Golddorade begleitet und haben kleine schwarz-weiß gestreifte Fische, die uns bei dieser geringen Geschwindigkeit vorausschwimmen. In der letzten Nacht hatten wir einen wolkenlosen, ganz klaren Sternenhimmel mit einer Milchstraße bis zum Horizont und vielen Sternschnuppen. Die Nächte sind angenehm warm. Die Temperatur sinkt kaum unter 22 Grad. Kein Grund Strümpfe anzuziehen, wir sind weiterhin auf unserer persönlichen Barfuß-Route.
Sonntag nimmt der Wind weiter zu und dreht über Nordwest nach Nordost. Wir segeln mal wieder am Wind und es wird ungemütlicher. Wir versuchen ein bisschen mehr Ost zu machen als nötig, damit wir abfallen können, falls der Wind in der Nacht zunimmt.
Noch eine Nacht auf See. Morgen kommen wir an. Ich liege schon im Bett, Nobbi organisiert sich gerade für seine Nachtwache und wir unterhalten uns. Es knallt. Gar nicht besonders laut oder spektakulär. Wir wissen beide sofort, was es ist. Das Unterwant. Wieder das Unterwant in Lee, wieder das achtere, diesmal an Steuerbord. Nobbi sagt, dass wir noch zehn Minuten Zeit haben, bis es dunkel ist. Wir schauen uns an. Das schaffen wir. Nobbi zieht Schuhe an, ich räume den Kleiderschrank aus. Das Ersatz-Unterwant ist hinten im Schrank. Wir leinen uns beide an. Ich reffe die Fock und steuere Mari auf einen ruhigeren Kurs. Nobbi klettert mit dem neuen Want in den Mast und hakt es ein. Während er das neue Want spannt, räume ich unter Deck auf. Keine zehn Minuten nach dem Knall sind wir fertig. Wenig später ist es stockdunkel. Nun haben wir keine Reserve-Wanten mehr im Kleiderschrank, sind aber guter Dinge, dass wir die verbleibenden Meilen nach Teneriffa ohne weitere Rigg-Probleme zurücklegen können.
Ich hatte mir die Ankunft auf Teneriffa so schön ausgemalt: bei Sonnenaufgang wollte ich den Teide sehen. Wir sind umringt von tiefen, dicken, grauen Wolken. Dunkelgrau kann man die Nordspitze Teneriffas erkennen. Der Pico de Teide zeigt sich nicht.
Es ist sehr böig, mal dümpeln wir dahin, kurz darauf rast Mari los. Wir sind nun mit halben Wind unterwegs. Die Wellen, die uns der Ex-Hurrikan Gabrielle schickt, kommen schräg von achtern, sind aber nur selten höher als zwei Meter. Als wir die Nordsitze Teneriffas runden wird der Wind gleichmäßiger, nimmt aber zu. Wir gehen vor den Wind. Es schaukelt ordentlich, aber wir sind schnell unterwegs. Wie schön, endlich mal wieder vor dem Wind zu segeln! Es reißt auf, blauer Himmel ist zu sehen, vor uns liegt der Hafen von Santa Cruz und endlich sehen wir auch den Teide.
Alles fühlt sich vertraut an. Die Schnellfähren nach Las Palmas, die an uns vorausflitzen, die Buchten und Strände, der Fischereihafen. Auf den letzten Meilen begleiten uns Delfine. Was für ein wunderbarer Abschluss dieser Etappe.
Port Control erlaubt uns die Durchfahrt zur Marina, im großen Hafenbecken bergen wir ganz in Ruhe die Segel und ziehen das Ruder der Windsteueranlage ein. Auch die Marina meldet sich gleich auf unseren Ruf über Funk. Am 29. September machen wir abends um sieben am gleichen Steg fest, an dem wir im Sommer 2017 lagen.
Am nächsten Morgen melden wir uns in der Marina an, gehen einkaufen und besuchen die Schiffshändler. Fast alles sieht so aus, wie wir es in Erinnerung haben. Wir freuen uns wieder hier zu sein und fühlen uns heimisch.

Die ganze Überfahrt als Bildergeschichte:

Flaute

Donnerstag 25. September, morgens rufe ich die Wettervorhersage ab. Die Funkverbindung ist, genau wie in den letzten Tagen, sehr flott. Schnell kommt die Mail rein. Die Vorhersage verspricht wunderbares Sommerwetter ohne nennenswerten Wind fuer die naechsten 48 Stunden. Die letzte Nacht war bereits sehr flau. Zunaechst sind wir noch langsam gesegelt. Immer haeufiger fallen die Segel ein, der Windgenerator dreht sich schon seit Stunden nicht mehr. Gegen fuenf bergen wir schliesslich die Segel und treiben. Die Sterne spiegeln sich im glatten Wasser. Es ist unglaublich still.
Das goldene Morgenlicht, das dem Sonnenaufgang vorausgeht, wird vom glatten Ozean reflektiert und sorgt fuer eine magische Stimmung.
Am Samstag haben wir Santa Maria mittags verlassen. Zunaechst kamen wir gut voran, es war jedoch etwas ungemuetlich. Boeen mit 6 bis 7 Beaufort hielten uns immer wieder vom Ausreffen ab. Wir beschlossen weder Mari noch uns zu quaelen und waehlten einen suedlicheren Kurs, auf dem wir gut vorankamen ohne in die ungleichmaessigen Wellen zu fallen. Langsam nahm der Wind ab und wurde gleichmaessiger, die Wellen wurden kleiner und das Leben gemuetlicher. Ein Tag fiel fuer mich, Migraene geplagt, praktisch aus. Der Wind drehte sukzessive nach Norden, so dass wir auf einen oestlicheren Kurs gehen konnten und uns unserer Kurslinie wieder annaehrten. Nicht, dass wir an den Kanaren vorbeisegeln und auf den Kapverden landen.
Donnerstag Nachmittag treiben wir noch immer. Das Wasser ist von unendlich klarem Blau. Faszinierend, wir sind uns beide sicher, dass der Atlantik ein anderes Blau hat als der Indische Ozean. Wir haben einen Wal gesehen, gebadet und gelesen. Der Tag ist mit Nichtstun verflogen und wir geniessen die Ruhe.
So praktisch Starlink ist und so gute Dienste es uns insbesondere beim Landfall in Suedafrika geleistet hat, so sehr geniessen wir es abgeschnitten von der Welt, ganz im Moment auf dem Ozean zu treiben. Mittels Kurzwellen-Funk koennen wir den Wetterbericht abrufen oder Emails schreiben und via Inreach Nachrichten empfangen. Aber wir koennen nicht „mal kurz etwas nachgucken“, nochmal die Wettermodelle vergleichen oder Nachrichten lesen. Keine App informiert uns, keine Meldung ueber die wir uns aufregen koennten schafft es bis zu uns.
Wir sind einfach nur hier, 275 Meilen von Teneriffa entfernt und warten auf den Wind. Ab und zu kraeuselt sich die Wasseroberflaeche und wir spueren einen leichten Windhauch, doch kurz darauf erscheint der Atlantik wieder traege und glatt. Die Windanzeige vermeldet weniger als drei Knoten und unser GPS hat seit heute Mittag 0.0 Meilen geloggt.
Ein Ex-Hurikan zieht an den Azoren vorbei und wird dort viel Wind bringen. Wir duerften davon nichts abbekommen. Sonntag werden wir den Schwell spueren. Die hohen Wellen laufen aus dem Tief heraus und werden auch die Kanaren erreichen.
Heute, Freitagmorgen, segeln wir wieder. Um Mitternacht konnten wir die Fock ausrollen, die gerade eben steht. Mit langsamen zwei Knoten schieben wir uns nach Osten. In der kommenden Nacht soll der Wind wieder ausbleiben, bevor er dann morgen in den Nachmittagsstunden hoffentlich wiederkommt.
An Bord ist die Stimmung ausgesprochen gut. Nach einer sternenklaren Nacht mit Sternschnuppen und vergluehendem Weltraumschrott, geniessen wir den stillen Morgen.

Abschied von den Azoren und eine Planänderung

Drei schöne Monate haben wir auf den Azoren verbracht. Durch die Reparaturen und das lange Warten auf unsere Pakete ist der Sommer ganz anders verlaufen als wir es uns vorgestellt hatten. Insgesamt jedoch, haben wir die Zeit sehr genossen. Die grünen Inseln haben landschaftlich einiges zu bieten und wir haben viele schöne Ausflüge gemacht.

Wir könnten gut noch ein paar Tage in Vila do Porto auf Santa Maria verbringen. Eine kleine Wanderung, ausgiebiges Baden im Hafenbecken, ein Glas Weißwein in der Bar an der Hauptstraße. Die verschlafene Insel und der kleine Ort gefallen uns sehr.
Doch, die Wettervorhersage verspricht gute Segelbedingungen. Wir segeln zu den Kanaren. Ganz richtig, wir haben unsere Pläne über den Haufen geworfen und beschlossen den Winter auf den Kanaren zu verbringen. Marisol und ihre Crew brauchen ein wenig Pflege, die Inseln des ewigen Frühlings erscheinen uns dafür geeignet.

Gestern haben wir eine Wanderung entlang der Südküste Santa Marias gemacht. Ein schöner Wanderweg führte uns vorbei an vielen Kühen, zu einer Höhle in der Sandstein abgebaut wurde und eröffnete immer wieder tolle Ausblicke auf die Südküste.

Santa Maria

Tagelang ist wenig Wind angesagt doch wir möchten zur Nachbarinsel Santa Maria segeln. Deshalb entschließen wir uns Sao Miguel abends zu verlassen, dann haben wir die ganze Nacht Zeit. Nach einem frühen Abendessen geht’s los. Zunächst segeln wir flott auf Santa Maria zu, doch der Wind wird erwartungsgemäß immer schwächer und wir werden langsamer. Die Nacht ist ruhig, wir segeln langsam dahin und werden immer wieder von Delfinen begleitet. Am nächsten Vormittag schläft der Wind komplett ein und wir motoren die letzten Meilen. In dem kleinen sympathischen Hafen finden wir einen Liegeplatz und melden uns beim Hafenmeister an. Letztes Jahr ist einer der drei Stege einem Sturm zum Opfer gefallen, daher gibt es weniger Plätze im Hafen, aber da die Saison schon so weit fortgeschritten ist sind nicht mehr viele Boote unterwegs. Abends sind wir bei Freunden zum Essen eingeladen und so müssen wir nicht einmal kochen.

Santa Maria ist die älteste Insel der Azoren. Sie wurde als erstes entdeckt, bereits 1439 besiedelt und regelmäßig von Piraten überfallen. Heute leben etwa 5400 Menschen auf der kleinen Insel, die einen sympathischen und ein wenig verschlafenen Eindruck macht.
Der Fußweg vom Hafen nach Vila do Porto ist nicht lang, aber recht steil und sorgt für das Fitness-Programm. Praktischerweise geht es mit vollen Einkaufstaschen auf dem Rückweg nur bergab.

Vila do Porto ist der Hauptort der Insel.
Blick auf den Hafen.
Der Fußweg zum Hafen ist steil und sorgt für Fitness bei den Seglern.
Die Kirche in Vila do Porto. Typisch in weiß mit dunklen Ecken.

Mit dem Bus fahren wir zum Ausgangspunkt einer Wanderung und kommen so in den Genuss einer kleinen Inselrundfahrt. Von Santa Barbara laufen wir eine schöne Runde im Nordosten der Insel. Auf Wirtschaftswegen und schmalen Pfaden geht es entlang der Weiden und durch kleine Dörfer. An einer Kirche machen wir eine Rast und essen unser Picknick. Der Blick auf die Bucht von Sao Lorenco mit ihren Weinterrassen ist spektakulär und das rote Basalt-Gestein im ehemaligen Steinbruch Poca da Pedreira ist einen Abstecher wert.
Nach einem Bier an der Bar neben dem Supermarkt in Santa Barbara, stellen wir uns an die Bushaltestelle. Es gibt nur noch diesen einen Bus und den wollen wir nicht verpassen. Irgendwann wird uns klar, dass wohl kein Bus kommt. Alternativ 12 km zu Fuß zu gehen sind ganz schön weit, wenn man gerade seine Wanderung abgeschlossen hat. Ein Auto hält und wir erkennen unseren Busfahrer vom Vormittag. Sein Englisch ist etwa so gut wie unser Portugiesisch und so nehmen wir Google-Translator zur Hilfe. Der Bus ist kaputt gegangen und fährt nicht, wir sollen einsteigen, er fährt uns nach Vila da Porto. Unglaublich nett entschuldigt er sich immer wieder. Wir bedanken uns und sind gerührt. Ausgesprochen nett!


Wir sind immer noch nicht ganz sicher, ob der Bus dann diese Haltestelle angefahren wäre, wenn er nicht kaputt gegangen wäre. Es gibt eine Bus App, die zeigt aber auch Busse an, die nur im Sommer fahren. Der Fahrplan zeigt häufig alternative Routen bei einer Linie an, doch woher weiß man, welche Route der Bus jeweils fährt? Die App zeigt das an, aber wieweit kann man der App trauen, die doch auch nicht weiß, dass Linie 5 gar nicht mehr fährt? Google Maps zeigt dafür Zeiten, die weder mit der App, noch mit dem Fahrplan übereinstimmen. Auf Terceira und Faial stimmten die Zeiten, jedoch die Routen nicht. Busfahren wird, zumindest für uns Touristen, immer zum Abenteuer.
Trotzdem, oder deshalb, wagen wir es zwei Tage später wieder. Bei Aussteigen fragen wir den Busfahrer, wann der Bus wieder zurückfährt. Wir lernen dazu. Die Wanderung führt uns zur Barreira da Franca, der „roten Wüste“ und entlang der Nordküste zur Baia do Raposo. Der Wasserfall ist erwartungsgemäß wasserlos, aber das tiefe Tal und der Weg dorthin sind sehr schön. Wir laufen nicht bis ganz hinunter ans Wasser, dann hätten wir den Bus nicht bekommen. Der Bus fährt auf die Minute pünktlich und bringt uns flott wieder zurück in den Ort. Übrigens mit exakt den vier gleichen Mitfahrerinnen wie am Morgen.

Pflaster-Galerie

Wie auch überall sonst in Portugal, gibt es auch auf den Azoren hübsch gepflasterte Wege. Geometrische Muster, Linien, Kreise und viele kleine Bilder. Einige, die mir besonders gefallen haben, habe ich fotografiert.

Schöne Wanderungen auf São Miguel

Zwischen notwendigen Tätigkeiten wie Wäsche waschen und Bürokram erledigen, traben wir durch Ponta Delgada. Im Museum ist eine naturkundliche Sammlung anzusehen, sowie eine Ausstellung, die sich uns nicht erschließt, oder die wir nicht verstehen, und das alte Kloster samt Kirche, das heute als Museum dient kann besichtig werden. Das Fort beherbergt das Militärmuseum. Wie eigentlich zu erwarten interessiert uns die Ausstellung überhaupt nicht. Waffen des ersten und zweiten Weltkriegs gehören nicht zu unseren Interessensgebieten. Trotzdem lohnt sich der Besuch. Der junge Mann an der Kasse ist extrem zuvorkommend, die Gänge durch die Befestigungsanlagen sind sehenswert und vom Fort hat man einen tollen Blick über den Hafen. Wir sitzen also auf der Mauer und sehen zu wie ein riesiger Kran die Hafenmole verstärkt. Gleichzeitig befindet sich unser Aussichtspunkt in Verlängerung der Landebahn. Ein Flugzeug nach dem anderen kommt über uns herein.

Vor dem Stadttor.
Das Rathaus.
Nobbi prüft den Blick aus dem Klosterfenster
Forte de São Brás am Hafen.
Im Fort ist das Museum untergebracht.
Kran, Baustelle und Flieger.

Wir hatten ein Wetterfester für die Überfahrt nach Portugal entdeckt und waren im Prinzip bereit zur Abreise, sind dann aber doch nicht gefahren. Die Vorhersage änderte sich ständig und die Wettermodelle waren sich ganz und gar nicht einig. Vermutlich wäre das Wetter doch recht gut gewesen, da mich aber ausgerechnet zur geplanten Abfahrt eine gemeine Migräne-Attacke im Griff hatte, sind wir froh, dass wir nicht losgesegelt sind.

Wieder sind wir mit dem Roller unterwegs. In der Nähe des Aussichtspunktes, an dem wir schon zweimal umgekehrt sind wollen wir eine Wanderung machen. Ihr ahnt es, umso näher wie dem Parkplatz kommen, umso grauer zeigt sich der Himmel. Wir wandern erst eine halbe Stunde, als es zu regnen beginnt. Unsere Wanderung führt uns auf den Pico das Éguas, der mit 873m die höchste Erhebung auf der Westseite São Miguels ist, und um einige kleine Kraterseen. Der Regen hört bald auf und danach macht uns die Wanderung wieder Spaß. Die Strecke ist abwechslungsreich und recht beliebt. Wir treffen viele Wanderer, vor allem Spanier, Engländer und Deutsche. Auf dem Rückweg machen wir einen Abstecher zum Aussichtspunkt über Sete Cidades und sind etwas schockiert. Es ist brechend voll, schon hunderte Meter vorm Aussichtspunkt halten Autos am Straßenrand, weil die Parkplätze überlaufen. Eine Woche zuvor hatten wir die Straße fast für uns.

So sieht der Aussichtspunkt ohne Nieselregen aus.
Nobbi auf dem Weg zum Pico da Éguas.
Lagoa da Éguas
Und schon wieder ein Kratersee.
Ich befürchte moderne Pumpenhäuser sind nicht so schön.
Noch ein See!
Die Moorlandschaft sorgt für Heimatgefühle.

Als wir am nächsten Tag wieder zu einer Wanderung aufbrechen wollen regnet es. Wir stehen ratlos neben unserem Roller. Im Café warten wir bei Espresso und Brownie auf eine Wetterbesserung. Schließlich machen wir uns doch noch auf den Weg. Unser Picknick verspeisen wir bei leichtem Nieselregen an einem Aussichtspunkt an der Küste. Wir sind ein wenig deprimiert. Dann wird es etwas heller und wir entscheiden uns zum Ausgangspunkt der geplanten Wanderung zu fahren. Die Wanderung Janela do Inferno, was etwa Fenster zur Hölle bedeutet, ist in der Mitte der Insel. Wir beschließen sie entgegen der vorgeschlagenen Richtung zu laufen und sind bald froh losgelaufen zu sein. Das Wetter wird immer schöner, die Sonne kommt raus und der Weg ist abwechslungsreich. Gleich dreimal führt die Strecke durch einen Tunnel. Einmal braucht man tatsächlich eine Lampe (wie gut, dass heute jeder sein Telefon dabei hat). Der Tunnel beginnt zwar mit komfortabler Stehhöhe, wird aber immer niedriger. Passenderweise ist es dort, wo man sehr gebückt gehen muss auch noch matschig und dunkel. Außerdem sorgen Brücken, Aquädukte und Treppen im Wald für Abwechslung. Das Fenster zur Hölle entpuppt sich als Loch in einer grün bewaldeten Felswand aus der sich ein dünnes Rinnsal ergießt.
Die Weiden sind von Hortensienhecken eingefasst und fast der ganze Wanderweg wird von gelben Schmetterlingsingwer gesäumt. Im Wald stehen viele verschiedene Baumarten. Wir wissen, dass die meisten Arten hier nicht heimisch sind und sogar, wie der Schmetterlingsingwer, als höchst invasiv gelten. Schön ist es trotzdem! Gut gelaunt kehren wir zum Ausgangspunkt zurück, die deprimierte Stimmung vom Vormittag ist verflogen.

Überall blüht der Schmetterlings-Ingwer.
Stehhöhe, wenn man kleiner als 1,30m ist!
Das Fenster zur Hölle.
Der Beginn ist der Tunnel noch hoch.
Ganz schön dunkel!
Treppe für Schwindelfreie.

Unterwegs auf São Miguel

São Miguel ist die größte Azoreninsel und Ponta Delgada ihre Hauptstadt. Mehr als die Hälfte der Azorianer wohnen auf São Miguel, immerhin etwa 140.000. Die Insel ist 64 km lang und 16 km breit, wir brauchen also ein Gefährt um sie zu erkunden. In der Nähe des Hafens mieten wir einen Roller.
Unsere erste Tour soll uns zu einem Aussichtspunkt im Westen der Insel führen. Bei gutem Wetter fahren wir los. Die Straße schlängelt sich die Berge hoch und es wird zunehmend grau. Angekommen am Aussichtspunkt sehen wir nichts, wir stehen in der Wolke und werden nass genieselt. Also drehen wir um und sehen uns an der Südküste um. Wir besuchen den Leuchtturm, der uns nachts willkommen geheißen hat, und sehen uns eine sehr überlaufene Badestelle an. Am späten Nachmittag fahren wir von der Westseite der Insel auf die Berge, an deren Südseite wir ein paar Stunden zuvor umgekehrt waren. Die Wolkendecke hat sich aufgelockert und die tiefstehende Sonne beleuchtet die spektakulären Krater mit ihren Seen. Sete Cidades, so heißen die vulkanische Caldera, der Ort und der See, ist ausgesprochen schön. Der See besteht aus zwei Teilen, einer soll grün, einer blau schimmern.

Das Wetter wird immer schlechter.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
An der Küste ist es schön.
Farol da Ferraria.
Die Badestelle ist gut besucht.
Lagoa da Santiago.
Der Doppel-See Sete Cidades. Die Straße führt über den Damm zwischen den beiden Seen.

Unser Ausflug am nächsten Tag ist von Sperrungen und Umwegen geprägt. Lagoa do Fogo, der Kratersee in der Mitte der Insel soll besonders schön sein. Auf dem Weg dorthin stellen wir fest, dass wir ihn mit den Roller nur nachts besuchen dürfen. Tagsüber müssten wir den Shuttlebus nehmen. Bei einem Espresso beschließen wir eine Routenänderung, die geschotterte Nebenstrecke stellt sich als etwas abenteuerlich aber sehr hübsch heraus. Wir folgen der Küste nach Osten und biegen dann wieder ins Inselinnere ab. Lagoa do Congro, ein weiterer Kratersee, ist vom Parkplatz in einer Viertelstunde zu erreichen. Danach folgen wir der Straße an die Nordküste und sehen uns dort eine Teeplantage an. Auf São Miguel wächst tatsächlich Tee! Der Parkplatz ist brechend voll, die Teefelder gehören zu den beliebtesten Sightseeing-Punkten.
Der kürzeste und einfachste Weg zurück zum Boot wäre die Schnellstraße, die wir jedoch zu umgehen versuchen. Auf Nebenstraßen wollen wir wieder die Insel überqueren. Auf Autos treffen wir nur selten, halten aber um eine Kuhherde auf dem Weg zum Melken durchzulassen. Wir sind bereits wieder in der Mitte der Insel, als wir auf ein Umleitungsschild stoßen. Es weist in die Richtung aus der wir kommen. Kein Schild weist daraufhin, dass unsere Straße gesperrt ist, also fahren wir erstmal weiter. Nach einigen Kilometern erreichen wir die Baustelle. Hier ist die Straße gesperrt. Die Baustelle ist deutlich länger als wir überblicken können. Nobbi geht ein paar hundert Meter und kommt dann zurück. Kein Ende der Baustelle in Sicht.
Zurück an der Kreuzung mit dem Umleitungsschild nehmen wir die Straße, die wir noch nicht kennen. Die Strecke ist sehr schön, schlängelt sich durch den Wald und führt uns schließlich wieder an die Nordküste. Als unsere Straße an einer Furt endet müssen wir lachen, das kann doch nicht wahr sein! Die nächste Querstraße ist so sandig, dass sie für unseren Roller nicht in Frage kommt. Als wir ein Stückchen die Schnellstraße benutzen, wundern wir uns nicht mehr, dass unsere Abfahrt gesperrt ist (Prozession in Santa Barbara!) und auch nicht, als unsere „Abkürzung“ höchstens als geschottert durchgeht und wir doch lieber durch die Dörfer fahren. Einiges später als geplant kommen wir in Ponta Delgada an.

Der Hund passt auf, dass ich das Pony nicht streichle.
Einer der schönsten Badeplätze von São Miguel
Sogar die vorgeladerte Insel hat einen Kratersee.
Ein steiler Wanderweg bringt uns zum See Lagoa da Congro.
Im Wald sind viele Vögel unterwegs.
Die älteste Teeplantage.
Blick über die Teefelder.
Auf den Nebenstraßen sind wir allein unterwegs.
Hier geht es für uns nicht weiter.
Die wilde Inselmitte.
Diese Straße scheint nicht Roller geeignet.
Die Erde dampft und brodelt.

Am nächsten Tag besuchen wir Furnas, einen kleinen Ort der in einer Caldera liegt und für seine heißen Mineralquellen und Fumarolen berühmt ist. Der Wasserdampf der Fumarolen steigt mitten im Dorf auf und überall gibt es Schilder zu den heißen Quellen. Man kann Thermalbäder und Parks besuchen. Wir hatten auf der Fahrt hierher schon einige Abenteuer- einmal war die Straße so steil, dass ich absteigen musste- und beschließen, dass es uns reicht uns im Ort umzusehen.

Beim Walbeobachtungs-Posten machen wir unser Picknick.
Die Nebenstrecke führt durch den Wald.
Auch Furnas hat einen Kratersee.
Die Kirche steht am Seeufer.
Ein Ort unter Dampf.
Ich habe die Temperaturen, die auf den Schildern angegeben sind einfach geglaubt. Andere haben den Finger ins Wasser gehalten. Sehr heiß!
Furnas hat auch kaltes Wasser.
Auf dem Rückweg halten wir beim Stadtfest in Vila Campo, wo Vögelkäfige versteigert werden (mit Vogel!).

Bevor wir den Roller wieder abgeben, besuchen wir noch einmal den Aussichtspunkt, an dem wir am ersten Tag von einer Wolke verschluckt wurden. Diesmal können wir einen Blick auf die Landschaft werfen, wenige Kilometer nach dem Aussichtspunkt beginnt es jedoch wieder zu regnen. Wir drehen um. Unten an der Küste ist es wieder schön sonnig!

Aquädukt im Niesel.
Die Sicht ist besser als beim ersten Besuch, aber nicht gut.
An der Küste ist es wieder sonnig. Zu dem Hof am Wasser führt ein schmaler steiler Wanderweg.

Abschied von Terceira und Überfahrt nach Ponta Delgada

Der Ex-Hurrikan Erin zieht weit nördlich an den Azoren vorbei. In Praia da Vitória merken wir von dem riesigen Tief kaum etwas. Lediglich die hohen Wellen erreichen die Azoren und das Wetter zeigt sich etwas durchwachsen.
Wir baden eifrig, gehen spazieren und verbringen Zeit mit Freunden, die wir sobald nicht wiedertreffen werden. Bei einem gemeinsamen Abend vernichten wir den gesamten Weinbestand des Restaurants. Bei der ersten Flasche Wein hatten wir noch die Wahl, die zweite Flasche war dann auch die letzte.

Auch auf Terceira gibt es viele Hortensien.
Bei grauem Wetter kommt Herbststimmung auf.
Ein entspannter Nobbi am Aussichtspunkt.

Mittwochmittag verlassen wir Praia um nach Ponta Delgada zu segeln. Da die Strecke mit neunzig Seemeilen zu lang für einen Tagestörn ist, haben wir eine Nachtfahrt eingeplant. Die Wellen sind noch ein bisschen höher, aber Mari segelt sich recht angenehm und wir sind flott unterwegs.
Abgesehen von der Begegnung mit einem Fischer verläuft die Nacht unspektakulär. Der Wind dreht ziemlich stark und wir müssen häufig der Kurs anpassen. Gerade als ich die Wache von Nobbi übernommen habe, taucht ein Fischer auf und kommt schnell näher. Segler müssen Fischern ausweichen, das wäre nicht weiter schlimm, würden sie es einem nicht manchmal so schwer machen. Wir ändern den Kurs, er ändert ebenfalls den Kurs und fährt auf uns zu. Also ändern wir den Kurs deutlich in die andere Richtung, nur damit er wieder die Richtung ändert und nun wieder auf uns zu hält. Ich funke ihn an, frage ob er uns gesehen hat und wo er hinfahren möchte. Wir verstehen uns nicht so richtig, aber er bestätigt, dass wir so weiter segeln können und wir wünschen uns gegenseitig eine „Gute Nacht“. Nachdem er ein paar Minuten einen Kurs hält, der hinter unserem Heck hindurchführt, wird er plötzlich deutlich schneller und hält genau auf uns zu. Ich funke ihn wieder an, wir reden ein bisschen an einander vorbei bis er behauptet, er würde kein Englisch verstehen. Dieses Gespräch endet nicht mit guten Wünschen, wir ändern den Kurs um neunzig Grad und segeln einen großen Bogen. Nobbi darf endlich in die Koje gehen.
Kaum ist er unter Deck verschwunden, taucht ein Containerschiff auf dem AIS auf. Als es bis auf fünf Meilen herangekommen ist, rechnet das AIS einen CPA, einen „closest point of approach“, also einen Passierabstand von 0 Meilen aus. Das ist zu dicht. Also funke ich die MSC Mirella an. Der Offizier meldet sich sofort, versichert mir, dass er mich gesehen hat und hinter uns passieren wird. Wir wünschen einander eine gute Wache und kurz darauf sehe ich wie er seinen Kurs um fünfzehn Grad ändert. Begegnung zwischen Schiffen (und kleinen Booten!) können so einfach sein.
Der Leuchtturm an São Miguels Westspitze ist 27sm weit sichtbar und bald sehen wir auch die Lichter der Dörfer an der Küste. Am frühen Morgen schläft der Wind ein, wir motoren eine halbe Stunde, dann weht es wieder und wir können bis zur Hafenmole von Ponta Delgada segeln. Um neun Uhr haben wir einen Platz gefunden. Ich melde uns im Hafenbüro an und habe ein sehr nettes Gespräch mit den Hafenmeister, der vor vielen Jahren ein Praktikum in Bremen gemacht hat.

Ponta Delgada wurde 1499 gegründet und blickt auf eine bewegte Geschichte zurück. Davon zeugen herrschaftliche Häuser, Kirchen, Klöster, Türme und viele Parks. Das alte Stadttor von 1783 steht heute auf dem Platz gegenüber des Hafens, ganz in der Nähe des Rathauses. Der Glockenturm des Rathauses ist stolze 301 Jahre alt, eine seiner Glocken gar aus dem 16. Jhd. Wir erklimmen die schmalen Stufen und erfreuen uns am Ausblick über Ponta Delgada.

Der Hafen von Ponta Delgada.
Vom Glockenturm des Rathauses hat man einen schönen Ausblick.
Die beleuchtete Altstadt bildet eine schöne Kulisse für die Sommerkonzerte.
Der Turm der Hauptkirche überragt die meisten Gebäude in der Altstadt.

Beim Einkaufen entdecken wir die blauen Plastikwasserflaschen, die wir seit Jahren benutzen. Wir haben sie 2017 gekauft und sind mit ihnen um die Welt gesegelt. Hunderte Male haben wir sie gefüllt (meistens mit unserem selbst gemachten Wassermacher-Wasser). Immer mal wieder haben wir nach Ersatz gesucht, aber haben nie die ideale Flasche gefunden. Nun wandern unsere weitgereisten Exemplare in den Plastikmüll und wir gönnen uns ein paar neue. Es ist sehr unwahrscheinlich, dass diese Flaschen ebenfalls 40.000 Meilen unter Segeln erleben werden.

Links die alte, rechts die neue Flasche.