Die segelnden Fischer von Lombok

Die Boote sehen auf jeder Insel etwas anders aus. Die kleinen Fischerboote von Lombok gefallen uns besonders gut. Sie sind liebevoll gestaltet und haben zum Teil aufwendige Namenszüge am Bug. Außerdem sind sie besegelt. Segeln ist hier keine Freizeitbeschäftigung, sondern ein kostengünstiger und schneller Antrieb. Spaß macht es den Fischern aber auch! Die Boote sind sehr leicht und wahnsinnig schnell. Sie verfügen über hervorragende Segeleigenschaften und können hoch am Wind segeln. Die Segel sind bunt, oft gestreift, mit bunten Rauten oder Sternen und tragen manchmal sogar den Bootsnamen. Als wir entlang der Westküste Lomboks nach Süden segeln bietet sich uns ein Bild wie zur Kieler Woche: hunderte bunte Segel am Horizont!
Wieder vermissen wir sehr unsere Kamera mit dem Tele, die rutscht nun noch weiter auf der Einkaufsliste nach oben. Wie sehr mich die Boote begeistern seht ihr auch an der Anzahl der Fotos, es handelt sich bereits um eine Auswahl!

Ein Spielzeugboot
Früh übt, wer ein Fischer werden will!
Liebevoll gestaltet
Extrem gut gepflegt und perfekt lackiert
Mit Liebe zum Detail
Sie erinnern an Spinnen, sind schnell und von weitem kaum zusehen.
Mit aufgetuchtem Segel
Abfahrbereit liegen sie am Strand. Das Ruder wird gezogen und gesichert bevor sie in flaches Wasser fahren.

Doch am allerschönsten sind sie unter Segeln:

Eine kleine Inseltour nach Mataram

Heute wollen wir einen kleinen Ausflug in die Hauptstadt der Insel unternehmen. Eine Taxi-Bestellung bei Grab klappt heute nicht, wir beschließen zur Hauptstraße zu laufen und dort einen Bus oder ein Taxi zu suchen. Es macht Spaß morgens ein wenig zu laufen und wir haben Gelegenheit uns das Dorfleben aus der Nähe anzusehen. Dann hält ein junger Mann auf einem Roller und fragt, wo wir hinwollen. Er bietet an uns ein Auto zu einem guten Preis zu organisieren, wir werden uns einig und er saust davon. Das Ganze dauert ein wenig, aber dann taucht er mit seinem Onkel wieder auf, der uns nach Mataram fährt. Die Fahrt durch die Berge ist wirklich schön und kühl. Uns gefallen die vielen Affen, die besonders gern auf den Leitplanken sitzen, und die hohen Regenwald-Bäume.
In Mataram kleiden wir uns völlig ungeplant neu ein, stellen fest, dass der angeblich beste Supermarkt uns nicht begeistern kann, und essen ein hervorragendes Mittagessen. Crispy Kangkung – knuspriger Wasserspinat. Lecker! Wieder stellen wir fest, dass viele Menschen auf Lombok sehr gut Englisch sprechen. Mit der Frau, die uns eine neue Schutzfolie für unsere Handys verkauft, können wir uns gut unterhalten. Eine richtig lustige Begegnung habe ich auf der Damentoilette. Ausversehen habe ich für Chaos gesorgt und versuche mich zu entschuldigen. Die Frau findet es lustig, dass ich versuche Indonesisch zu sprechen. Sie möchte mit mir ein Selfie machen und nimmt dafür ihren Schleier ab. Falls ihr euch also fragt, warum es bei uns manchmal so lange dauert, es ist eben sehr kommunikativ.
Auf dem Rückweg fahren wir die Küstenstraße entlang und legen noch einen Stopp bei einem anderen Supermarkt ein. Unser Taxifahrer erzählt uns einiges über die Vergangenheit der Stadt, verrückte Rollerfahrer und merkwürdige Touristen. Müde und zufrieden sind wir am späten Nachmittag wieder zurück an Bord.

Heu betriebener Nahverkehr
Kurze Straßensperrung – Achtung herabfallende Kokosnüsse
In den Bergen ist es kühl und grün.
Diese hübsche Häuschen ist ein traditioneller Reisspeicher
Die Steine werden vor Ort produziert.

Im Norden von Lombok

Nach dem Guten-Morgen-Kaffee geht’s am Samstag los. Ein segelndes Kanu nähert sich. Wir lassen Mari treiben und geben Bian Gelegenheit bei uns anzulegen. Seine Frau Julia hat ihn zu uns geschickt. Er hat Kokosnüsse für uns dabei und eine schöne Muschel für die Frau an Bord. Die Frau an Bord freut sich sehr und es gelingt uns den beiden ebenfalls eine Freude zu machen.


Die ersten Stunden genießen wir wunderbaren Segelspaß, dann schläft der Wind ein und wir schmeißen den Motor an. Für Segler gibt es hier besondere Herausforderungen, eine davon sind die FADs. Diese Fish Attacting Devices sind verankerte Flöße die Fische anlocken sollen. Dabei kann es sich um Bambusflöße, alte Plastiktanks oder große Styroporboxen handeln, die in erstaunlichen Wassertiefen (teilweise mehrere hundert Meter tief) verankert sind. Gemeinsam haben sie, dass sie eher nicht gekennzeichnet sind und man sie sehr spät sieht. Nördlich Sumbawa gab’s wenige dieser Segelbootfallen, bei Lombok sehen wir wieder mehr dieser unerfreulichen Dinger.

FADs – echte Segelbootfallen
Schon bei Tageslicht schwer zu sehen


Kurz vorm Ziel freuen wir uns mal wieder über Delfinbegleitung. Unser heutiger Ankerplatz liegt hinter einem Riff vor einer kleinen Mangroveninsel. Bei Niedrigwasser können wir die Einfahrt durchs Riff sehr gut sehen, das Satellitenbild hilft bei der Orientierung. Auf der Seekarte findet man diesen netten Platz nicht, da ist hier einfach ein Riff eingezeichnet. Wir liegen absolut ruhig, keine noch so kleine Welle findet den Weg zu uns. Wir genießen den Sonnenuntergang mit Blick auf Lombok.

Immer wieder schön!
Unsere liebsten Begleiter


Am nächsten Tag fahren wir 40 lange Meilen an der Nordküste Lomboks entlang und erreichen am späten Nachmittag eine Bucht im Nordwesten der Insel. Die Bucht wird von einem langen weißen Strand eingefasst, auf beiden Seiten der Bucht liegt je ein fünf Sterne Hotel, außerdem gibt es Villas, kleine Hotels, ein Café, verschiedene Warungs (kleine Garküchen), einige kleine Hütten und viele einheimische Boote.
Montagmorgen klettern wir mit unseren leeren Dieselkanistern ins Dinghi. Die Mission heute lautet: Tanken. Bei dem Café fragen wir, ob wir unser Dinghi dort liegen lassen dürfen und nutzen einen Trampelpfad, der uns an die Straße bringt. Via „Grab“ haben wir uns ein Auto bestellt. Alles klappt reibungslos. Der Fahrer sammelt uns ein, wir füllen an der Tankstelle unsere Kanister und er setzt uns wieder an der Straße ab. Nun wollen die Kanister nur wieder zum Boot getragen werden. Wir belohnen uns mit einem kühlen Getränk im Café. Nachmittags machen wir einen ausgiebigen Strandspaziergang, essen am Strand, sehen uns die kleinen Boote an, beobachten die Frauen beim Muscheln suchen und die Männer beim Angeln. Die eigentlich harmlose Rückfahrt zum Boot ist unnötig spektakulär, unser Dinghi macht Wasser, es strömt nur so herein. Nobbi fährt ganz vorsichtig, der Außenborder hängt viel zu tief im Wasser, ich schöpfe. Ziemlich nass kommen wir auf Mari an. Der Spiegel (quasi die Rückseite) und der Boden haben sich voneinander getrennt. Man kann die Hand durchstecken. Kein Wunder, dass da Wasser reinläuft. Leider ist das ein ziemlich großer Schaden, ob wir das mit Bordmitteln reparieren können? Zum Glück haben wir das Bananaboot, unseren Donkey, so sind wir weiterhin mobil.
Inzwischen kennen wir auch die andere Hälfte der Bucht. Bei einem Fischer darf Nobbi sich den kleinen getriebelosen Honda-Motor genau ansehen und bekommt ihn auch noch vorgeführt. Die lange Welle geht direkt ins Wasser und dreht so schnell, das es nur einen winzigen Propeller als Antrieb benötigt. Das Heu für die Pferde auf den Gili-Inseln (Pferdekutschen sind ein beliebtes Verkehrsmittel) wird in Säcke gestopft und auf ein kleines Boot verladen. Die Kinder spielen Fußball und sind, wie überall auf der Welt, Messi-Fans.
Bei Sonnenuntergang sehen wir Gunung Agung, den großen Vulkan auf Bali, und abends die Lagerfeuer am Strand vor den Hotels.

Wir haben getankt
Ein schöner, weißer, langer, sauberer Strand
Die Angler stehen bis zum Bauch im Wasser
Die Mädels üben ihr Englisch an uns.
Donkey, unser Bananaboot, ist wieder im Einsatz.
Viel Begeisterung und Gelächter beim Fußball!
Hier wird das Heu für die Pferde auf den Gilis verpackt.
Heutransportboot
Sehr elegante Kühe
Muschelsucherinnern im flachen Wasser
Schön bemalte Boote. Robben sieht man hier eher selten.
Ein elegantes Hotelboot
Schöne Villas – elegante Ferienhäuser
Wir unternehmen einen ausgiebigen Strandspaziergang
Sonnenuntergang
Im Sonnenuntergang sieht man den Gunung Agung, den großen Vulkan Balis.

Pulau Medang

An unserem schönen Ankerplatz bei Miro baden wir ausgiebig, bevor wir ihn nach dem Frühstück verlassen. Mal wieder hat Sumbawa eine Überraschung für uns: frischen SW-Wind. Wir freuen uns, dass wir segeln können. Eine Stunde später ist die Freude ein wenig verhalten, inzwischen haben wir unser Segel stark verkleinert, siebener Böen fegen über uns hinweg. Ich habe aufgehört mich nach jeder überkommenden Welle abzutrocknen, nur noch das Gesicht wird vom Salzwasser befreit. Der Ankerplatz, den wir anlaufen wollen, ist bei solchem Wetter nicht geeignet, wir bereiten Plan B vor.
Zwei Stunden später segeln wir bei entspannten vier Windstärken und kaum Welle zur Pulau Medang, Plan B wandert wieder in die Schublade. Segeln kann so viel Spaß machen!
Im Norden der Insel liegt eine weite Bucht mit einigen Riffen. Mit dem Satellitenbild und dem schönen Wetter ist die Einfahrt unproblematisch. Wir ankern und gehen erstmal baden. Nobbi versucht eine Pumpe zu reparieren (sehr schweißtreibend, auch das sie hinter dem noch heißen Motor eingebaut ist) und ich wasche Wäsche. Als es dunkel wird sind wir beide ziemlich erledigt und beschließen, dass wir einen weiteren Tag hier bleiben wollen. Nachts sehen wir nur das Licht des Leuchtturms, das über die Bucht streicht. Das Dorf liegt auf der anderen Seite der Insel, dort scheint ein Fest zu sein. Ab und zu weht Musik zu uns hinüber oder der Rufe des Muezzins.
Den heutigen Tag verbringen wir mit der Planung unserer Route und ausgiebigem Schnorcheln. Die Korallen sind in gutem Zustand und wir sehen viele verschiedene Arten. Etwas anders sieht es leider bei den Fischen aus. Die meisten Exemplare sind sehr klein und ganze Fischfamilien fehlen völlig. In der Bucht wird viel geangelt, mit dem Netz gefischt und mit dem Speer getaucht, vielleicht sind die schmackhaften Fische einfach weggefangen worden?
Abends sehen wir zum ersten Mal den über 3726m hohen Vulkan Gunung Rinjani auf der Insel Lombok. Dorthin geht’s als nächstes.

An Sumbawas Küste

Von Labuan Bajo brechen wir auf in Richtung Westen. Eine Nacht verbringen wir im Norden Komodos und sehen wieder Hirsche am Strand, schwarze Schweine und sogar einen Waran zum Abschied.
Die nächste Insel ist Sumbawa. Unser erster Ankerplatz beim Dorf Wera ist sehr ungemütlich. Ich schlafe insgesamt keine vier Stunden. Nicht mal verkeilt zwischen verschiedenen Kissen finde ich eine Position, in der ich soweit entspannen kann, dass ich einschlafe. Irgendwann gebe ich auf und lese meinen Krimi weiter, dann ärgere ich mich wenigstens nicht die ganze Zeit, dass ich nicht schlafen kann. Um kurz nach vier ist auch Nobbi wach, tatsächlich schlafe ich nun endlich ein. Um vier Uhr zweiundzwanzig rufen die Muezzine zum Morgengebet, es scheint drei Moscheen in dem kleinen Dorf zu geben, und ich bin wieder wach.
Die Bucht vor dem Dorf Kilo bietet am nächsten Abend eine ruhige Übernachtungsmöglichkeit, das Boot liegt wie auf dem oft beschriebenen Ententeich. Von hier geht’s weiter bis kurz vor den Ort Miro. Wir befürchten, dass es eine unruhige Nacht wird, als wir den im Revierführer beschriebene Platz in Augenschein nehmen, finden dann aber eine kleine Bucht hinter einer Felsnase und liegen hier ruhiger als erwartet. Zwischen zwei Dörfern liegen wir hier vor einem kleinen Stand. Anscheinend ein Geheimtipp für Verliebte, die Händchen haltend am Strand spazieren gehen.
Die Reise entlang Sumbawas Nordküste ist nicht uninteressant. Die „kleine“ vorgelagerte Insel Pulau Sangeang entpuppt sich als 1949 m hoher Vulkan und gilt als aktiv. Immer wieder blicken in die Calderas längst erloschener Vulkane, überall zeichnen sich Vulkankegel ab. Die Küste liegt meist im Dunst, eine Landschaft die nicht fotografiert sondern angeguckt werden möchte. Gegenüber unseres Ankerplatzes bei Miro liegt auch ein alter Vulkan, die Insel Satonda mit ihrem Kratersee.
Auch seglerisch ist es abwechslungsreich, mehr als uns recht ist. Die hohe Insel mit ihren tiefen Buchten macht ihr ganz eigenes Wetter. Immerhin können wir gelegentlich segeln oder zumindest motorsegeln. Manchmal haben wir wunderbaren Segelwind, der innerhalb weniger Minuten einfach ausgeschaltet wird. Auch unter Wasser ist es interessant. Als wir uns Sumbawas Ostküste nähern haben wir leider Gegenstrom. Das ist mühsam und kabbelig, Wasser fliegt übers Deck und wir kommen nur mit drei bis vier Knoten voran. Dann, endlich kentert der Strom und wir rauschen voran, da Strom und Wind das Wasser nun in die gleiche Richtung schieben glätten sich die Wellen. Segeln kann so schön sein! Neben uns tauchen Schaumkronen auf und sie scheinen uns einzuholen. Schon wieder Gegenstrom? Unsere Geschwindigkeit verringert sich nicht. Ein Blick auf die Seekarte zeigt, dass es hier einen schmalen tiefen unterseeischen Graben gibt. Die Wellen werden wohl von einer vertikalen Strömung verursacht. Nach ein paar hundert Metern ist der Whirlpool vorbei.

Das Wasser ist tief und unglaublich blau, leider treffen wir immer wieder auf Plastikmüll, insbesondere an den Strömungskanten sammelt er sich. Aber es gibt auch positive Überraschungen, ich mache Nobbi auf treibende Plastikfolien aufmerksam, die sich als Mantas entpuppen. Seit Labuan Bajo haben wir dreimal Mantas, dreimal Delfine und ein Dugong gesehen!

In der kurzen Zeit, die wir jetzt in Indonesien sind, hatten wir viele nette Kontakte. Die Souvenirverkäufer in Komodo, mit denen wir uns länger unterhalten, der junge Mann, der sein Handy bei uns auflädt und lauter Fragen hat, die Obstverkäuferinnen, die unbedingt Fotos mit uns machen wollen oder die netten Fischer in Kupang.
Doch, wir im richtigen Leben, sind nicht alle Zusammentreffen angenehm. In Wera haben wir uns das erste Mal unwohl gefühlt. Kurz nachdem wir geankert haben kam ein Boot mit drei jungen Männern zu uns gepaddelt. Sie wollen an Bord kommen. Ich lehne ab, es ist kurz vor sechs und wird gerade dunkel. Ich bin freundlich und erkläre, dass ich jetzt kochen möchte und müde bin. Sie sind nicht besonders freundlich und wollen etwas geschenkt haben. Einen Fender zum Beispiel. Wir schenken ihnen keinen Fender. Dann geht es weiter, wenigstens Zigaretten wollen sie haben. Wir haben keine Zigaretten. Nobbi erklärt ihnen, dass er nicht raucht und es ungesund ist. Coca Cola? Oder unser Radar? Irgendein Geschenk soll es sein. Sie vermessen das Boot und alles was darauf ist mit ihren Blicken. Das fühlt sich nicht gut an. Wir sollen am nächsten Tag an Land kommen und dann bräuchten wir eine Wache und das würden sie übernehmen. Sie bleiben an der Bordwand hängen und reden über uns. Das ist unangenehm und fühlt sich ganz anders an, als bei den neugierigen Kindern in Vanuatu, die uns beobachtet haben, es sind eben keine Kinder und sie sind nicht freundlich. Als sie merken, dass wir sie verstehen (tatsächlich verstehen wir nur einzelne Wörter, aber das wissen sie nicht) ist ihnen das wiederum unheimlich. Schließlich verschwinden sie in der Dunkelheit, bei uns bleibt ein ungutes Gefühl zurück. Wegen des ungemütlichen Ankerplatzes wollen wir am nächsten Morgen weiterfahren, aber auch die Begegnung vom Vorabend motiviert uns nicht zum Landgang.
Am Ankerplatz in Kilo fällt eine Gruppe von Kanus über uns her, noch bevor wir den Motor abgeschaltet haben. Es sind hauptsächlich, aber nicht nur, Kinder. Über 40 Personen hängen gleichzeitig an der Bordwand. Anscheinend haben andere Yachten hier Weihnachtsmann gespielt, denn sie rufen „Hallo Hallo! Buch! Kugelschreiber!“ die Halbwüchsigen und Erwachsenen fragen nach Zigaretten und Cola. Wir verteilen Lollis und einige Bleistifte. Aber den Ansprüchen können und wollen wir nicht gerecht werden. Was sich absurd anfühlt ist, dass es weniger darum zu gehen scheint, etwas das schwer zu bekommen ist, geschenkt zu kriegen, als einfach irgendetwas zu bekommen. Ein Mann fragt uns nach Büchern, ich sage, dass ich deutsche Bücher lese. Das sei egal. Übrigens spricht er deutlich weniger Englisch als ich Indonesisch, mit einem Englischen Buch wäre ihm auch nicht gedient. Zwischenzeitlich ist die Situation für uns schwierig. Einige versuchen an Bord zu klettern, was wir verbieten. Kleine Kinder heulen, weil es bei uns keine weiteren Geschenke gibt, die großen sind unzufrieden. Einigen älteren Mädchen ist die ganze Situation genauso peinlich wie uns. Das Ganze zeigt, wie schwierig es ist. Gemessen an den Menschen im Dorf sind wir reich. Aber trotzdem können und wollen wir nicht alle beschenken. Wie viele Kugelschreiber, Bücher und Cola-Dosen sollen wir mitnehmen? Bisher haben wir es so gehandhabt, dass wir Kindern schon mal einen Bonbon, Lolli oder Bleistift schenken, dass wir mit Erwachsenen aber nur handeln. Früchte gegen eine Leine, Angelhaken, Nadeln, Garn, alte T-Shirts oder was auch immer benötigt wird. Wenn ein Handel zustande kommt sind wir natürlich großzügig.
Später kommen noch einige Kanus mit kleinen Kindern angepaddelt, die nur mal gucken oder ihr Englisch ausprobieren wollen. Das sind wieder nette Begegnungen. Ein Mann bietet uns Bananen oder Papayas an, wir haben noch sehr viele Bananen, aber mit den Papayas kommen wir ins Geschäft.

In Labuan Bajo

Wir ankern in der Nähe von Labuan Bajo. Das Fischerdorf hat sich in den letzten Jahren zu einer kleinen Stadt gemausert. Nobbi war vor 20 Jahren hier und erkennt den ehemals staubigen Ort kaum wieder. Unglaublich viele Schiffe liegen hier vor Anker. Die Pinisis, die zu Tourbooten umgebaut sind, moderne Motoryachten, kleine Holzboote, Fähren und Boote für Tagestouren. Labuan Bajo ist der Ausgangspunkt für die Touren in den Nationalpark. Viele Boote scheinen nicht gebucht zu sein, sonst wären sie ja unterwegs. Am Besucherzentrum war uns bereits aufgefallen, dass viele Ausflugsschiffe nur mit wenigen Gästen unterwegs sind. Ob es so ein großes Angebot gibt, oder ob der Tourismus nach Covid nur langsam wieder anläuft, wissen wir nicht. Es gab Pläne die Eintrittsgebühr in den Nationalpark zu verzehnfachen. Das wurde bisher nicht umgesetzt, wirkt aber sicher abschreckend. Auf jeden Fall ist Labuan Bajo voller Touristen von überall her.
Im Ort laufen wir ein wenig an der Promenade entlang. Es gibt eine Vielzahl von Restaurants, Cafés und Eisdielen, wir testen einige. In verschiedenen Supermärkten kann man recht gut einkaufen, einen kleinen Laden mit Obst und Gemüse finden wir auch.
Bei einem kleinen Hotel, an dem Strand vor dem wir ankern, landen wir mit unserem Dinghi an. Das Hotel ist als seglerfreundlich bekannt. Wir können unsere Wäsche hier waschen lassen, wenn wir möchten können wir den Shuttle in den Ort benutzen und natürlich sind wir gern gesehene Gäste im Restaurant. Das Abendessen schmeckt uns sehr und Segler mögen Restaurants mit Blick aufs eigene Boot eben besonders gern. Die Crew eines anderen Bootes gesellt sich zu uns und wir verbringen nette Abende gemeinsam.
Nachdem wir genügend touristische Zivilisation getankt haben, machen uns wieder auf den Weg.

Wo die Drachen wohnen – schöne Tage im Komodo Nationalpark

Die Überfahrt von Kupang war mal wieder sehr wechselhaft, kein Wind, viel Wind, Schüttel-Wellen, schiebender Strom, kein Strom. Zeitweise war es sehr rau, aber wir hatten aber auch einige Stunden traumhaftes Segeln. Falls es gepasst hätte, wären wir die Insel Sumba angelaufen, da kamen wir jedoch im Dunkeln vorbei und entschieden uns gleich weiter zu segeln.
Am Morgen des 3. Tages verlangsamen wir unsere Fahrt etwas, um erst nach Sonnenaufgang im Komodo Nationalpark anzukommen. Im Nationalpark liegen zwei große und viele kleine Inseln und er ist die Heimat des Komodowarans, den es nur hier gibt.

Komodowarane gehören zu den größten Echsen. Männchen werden 3m lang und bis zu 70 kg schwer, die Weibchen sind kleiner. Während die Jungtiere hauptsächlich auf Bäumen leben und Insekten fressen, ernähren die erwachsenen Tiere sich von großen Tieren wie Hirschen, Schweinen, Büffeln und Pferden. Komodowarane sind die einzigen Warane, die sich auf so große Beutetiere spezialisiert haben. Bei ihrem Biss injizieren sie ein Gift, das die Blutgerinnung inhibiert, außerdem übertragen sie einen Bakteriencocktail. Die gebissene Beute lebt oft noch tagelang bis sie verendet. Aas wird auch gerne gefressen. Wenn der Kollege also den Büffel beißt, ist der Waran nicht abgeneigt diesen dann zu verputzen, wenn er ihn gerochen hat. Das können sie nämlich sehr gut. Über mehrere Kilometer können Warane Blut oder Aas riechen.
Die Warane werden regelmäßig gefangen, gechippt, vermessen und gewogen, so weiß man ziemlich genau wie viele Warane auf Komodo, Rinca und Padar leben. Es soll auch noch Warane in manchen Gebieten von Flores geben, dort gibt es aber keine Zahlen und sie sind wohl sehr selten geworden.

Wir entscheiden uns für eine Ankerbucht in Rinca (gesprochen Rindscha). Die Bucht ist umgeben von kargen, braunen, schroffen Bergen. Vor unserm Bug liegt auf der einen Seite ein dunkler Strand, auf der anderen ein weißer. An den Hängen wachsen kleine Büsche, einige Palmen und trockene Gräser. Diese abweisende Landschaft bietet eine traumhafte Kulisse und ist die Heimat zahlreicher Tiere. Affen suchen bei Niedrigwasser im Schlick nach Nahrung, ein Hirsch trabt über den Strand und zeigt sich später oberhalb unseres Ankerplatzes am Hang, Adler kreisen über der Bucht und auch die berühmten Warane zeigen sich. Morgens und nachmittags können wir sie am Strand entdecken. Beeindruckend diese Urzeitviecher. Auch unter Wasser ist viel los. Die Fische springen, Tintenfische verstecken sich unter Mari und abends kommen Delfine in die Bucht.
Weil es so schön ist bleiben wir. Stundenlang sitzen wir mit dem Fernglas an Deck und beobachten Tiere, wir baden und genießen den ruhigsten Ankerplatz seit Wochen.

Das reiche marine Leben verdanken wir hier nicht zuletzt der ordentlichen Strömung, die für den Wasseraustausch zwischen den Inseln sorgt. Nur wann strömt es in welche Richtung? Die Hauptrichtung ist nach Süden zwischen den Inseln durch. Zusätzlich ist die Strömung auch tidenabhängig. Unsere Infos widersprechen sich. Nach ein bisschen Rechnerei (wir haben Angaben für die man zunächst den Meridiandurchgang des Mondes berechnen muss) einigen wir uns darauf, dass es bei Flut nach Norden strömt.
Am nächsten Morgen fahren wir zeitig los. An der Südspitze von Padar treffen wir auf einen nicht endenden Strom von Pinisis. Diese traditionellen Segelschiffe, die als Tauchreiseschiffe unterwegs sind, wechseln morgens den Platz. Sie bleiben dicht unter Land und schlängeln sich zwischen den vorgelagerten Felsen und Inseln hindurch. Dann machen wir das auch so. Wir reihen uns ein. Das ist ein wenig aufregend und funktioniert super. Die Kapitäne der großen Holzschiffe sind nett und rücksichtsvoll. Man zeigt uns den Weg und alle winken. Die meisten Tauchschiffe bleiben bei Padar, wir fahren hinüber nach Komodo.
Nach kurzer Suche, es ist einfach überall sehr tief, finden wir einen schönen Ankerplatz und frühstücken. Später kommen Souvenirverkäufer mit ihrem Boot vorbei, natürlich kaufen wir einen geschnitzten Waran. Nobbi handelt sie auf einen Drittel des Preises runter und alle sind sehr zufrieden. Der Tag vergeht mit ausgiebigem Baden und Tierbeobachtungen, eine Rotte großer schwarzer Schweine, ist bei Niedrigwasser im Schlick unterwegs und wieder haben wir Delfinbesuch.
Am nächsten Morgen geht es zurück nach Rinca. Wieder starten wir vor dem Frühstück. Das Timing stimmt, der Strom schiebt uns sanft und wir kommen gut voran. Wir ankern dicht vor der Station des Nationalparks. Wir wollen uns die Warane aus der Nähe ansehen. Tatsächlich sind wir positiv überrascht. Das Informationszentrum ist modern und schön gestaltet und der Guide, mit dem wir eine kleine Wanderung unternehmen, kennt sich gut aus und beantwortet alle unsere Fragen. Neben Waranen verschiedener Größe sehen wir auch Wasserbüffel, Affen und sogar wilde Pferde.
Am späten Nachmittag wird es voll in der Ankerbucht, aber gegen Abend fahren fast alle anderen Boot weg und wir verbringen eine ruhige Nacht vor Anker. Am nächsten Morgen treffen die ersten Boote schon vor sieben ein, wir beobachten das Gewusel beim Frühstück und machen uns dann auf den Weg nach Labuan Bajo. Unterwegs nimmt der Müll im Wasser besonders in der Nähe der Dörfer zu, das überrascht uns nicht, stimmt uns aber trotzdem traurig. Für Glücksgefühle sorgen Delfine und die Sichtung eines Mantas.

Kupang – Ankommen in Indonesien

Sonntag nach dem Frühstück machen wir uns auf den Weg und verlassen Dili. Wir hatten mit einem windstillen Morgen gerechnet und sind überrascht, dass es recht windig ist. Super, dann können wir segeln. Zunächst haben wir Gegenstrom, nach gut einer Stunde kommt der Strom aber von achtern und schiebt uns. Wir kommen flott voran und es macht richtig Spaß. Unsere Idee: wir ankern eine Nacht an der Küste Timors und segeln dann den Rest der Strecke in einem Stück. Früh ahnen wir, dass aus unserer Nacht am Anker nichts werden wird. Als wir das Kap runden, hinter dem wir ankern wollen, sehen wir ein weißes Band aus brechenden Wellen. Eine Stromkante? Zunächst sind die Wellen nicht sehr hoch, aber sehr spitz und wild. Wir werden aufgestoppt, wieder Gegenstrom. Unsere Idee, dass es sich vielleicht um ein dünnes Band handelt und wir tiefer in der Bucht glattes Wasser finden, bewahrheitet sich nicht. Wir müssen einsehen, dass wir hier keinen Ankerplatz finden, wir ändern den Kurs und sehen zu, dass wir dieser Waschmaschine entkommen. Diese Nacht werden wir durchsegeln. Ich übergebe Nobbi das Ruder und gehe unter Deck, nach ein paar Minuten wundere ich mich, dass es so ruhig ist. Nobbi grinst, der Seegang wurde ausgeschaltet, wir segeln bei ruhigem Wasser dahin. Auf die letzten zwei Stunden hätten wir verzichten können.
Abends müssen wir ein wenig motoren, dann können wir wieder segeln. Nun schiebt der Strom gewaltig, manchmal sind wir mit neun Knoten unterwegs. Für uns ist das schnell. In den Morgenstunden schläft der Wind ein und wir motoren. Das Wasser ist glatt, die Fahrt ist angenehm und wir wissen nun, dass wir heute noch ankommen werden. Nur die letzten zwei Stunden sind wieder unangenehm. Aus der Bucht von Kupang weht der Wind sehr böig mit bis zu fünf Windstärken. Schläft dann ein, weht wieder. Und eine fiese, steile Welle stoppt uns auf. Elendig langsam kämpfen wir uns motorsegelnd nach Kupang. Mit dem Fernglas versuchen wir die anderen Segler zu sehen, wo haben die geankert? Wir sind erstaunt, tatsächlich liegt hier keine andere Yacht, nur ein Boot, dass anscheinend schon seit einiger Zeit verlassen ist, schaukelt im Schwell. Wir ankern neben den Fischerbooten in der Namosain-Bucht und sind sehr froh angekommen zu sein. Überraschenderweise ist die nächste Nacht die ruhigste seit Wochen, damit hätten wir nicht gerechnet, als wir uns gegen die Welle in die Bucht gekämpft haben.

Dienstagmorgen (22. August) geht’s an Land. Wir wollen einreisen. Die Einreise nach Indonesien gilt als etwas aufwendig. Lange war ein Agent nötig, das ist inzwischen nicht mehr der Fall. Wir haben versucht uns gut zu informieren und das Glück, dass befreundete Segler erst vor kurzem hier eingereist sind und uns sehr geduldig alle Fragen beantwortet haben.
Insgesamt ist der Prozess umständlich, verläuft aber sehr freundlich und recht flüssig, hat aber auch einige kleine „Passierschein A38-Momente“. Was das heißen soll, liest du kein Asterix? Jeder möchte, einen Stempel der anderen Behörde, sodass man alle zuerst besuchen soll.
Erste Station ist die Biosecurity (oder Health oder Quarantine). Dort sagen wir, dass wir da sind. Das ist bereits bekannt. Wir sollen wieder zum Hafen fahren und dort am Strand die Beamten treffen, die an Bord kommen wollen. Nobbi steigt mit den zwei Beamten ins Dinghi. Ich muss an Land bleiben, sonst wird es im kleinen Schlauchboot zu nass. Sie wollen die Covid-Impfungen sehen, fotografieren das Erste-Hilfe-Kit und füllen ein bisschen Papier aus. Zurück an Land, müssen wir wieder zur Biosecurity und dort unsere Unterlagen abholen und das berühmte „Green Book“ bezahlen. Auf dem Weg halten wir beim Geldautomaten.
Nun geht’s zum Zoll, dort zeigen wir unsere Pässe, Bootspapiere und die Clearance vom letzten Hafen. Da wir keine Kopien dieser Dokumente haben (oder sie nicht rausrücken wollen), macht der Beamte Fotos mit seinem Telefon, alles ganz unkompliziert. Nachmittags wollen sie zur Kontrolle an Bord kommen.
In der Zwischenzeit dürfen wir schon mal zur Immigration am Flughafen fahren und bekommen einen Zettel mit, den wir uns dort stempeln lassen sollen. Bei der Immigration geben wir unsere Visa und Pässe ab, es dauert ein wenig, dann haben wir die Aufkleber mit QR-Code unserer Visa im Pass. Nun sollen wir den Zettel, den wir uns von Immigration für Customs stempeln lassen sollen, von Customs und Biosecurity stempeln lassen und eine Kopie zur Immigration zurückbringen. Das ist ein bisschen ärgerlich, denn der Weg zur Immigration ist recht weit.
Nun geht es zurück zu Marisol. Inzwischen sind wir sehr hungrig und froh, dass ich am Tag zuvor unterwegs ein Bananen-Walnuss-Brot gebacken habe, das wir nun vertilgen. Inzwischen meldet sich der Zoll-Beamte (via WhatsApp), wir sollen sie mit dem Dinghi vom Strand abholen. Nobbi wartet beim Hafenmeister, es dauert. Er wird mit lustigen Geschichten unterhalten. Irgendwann tauchen die Zöllner auf. Einer der beiden hat etwas Angst im Dinghi, da unser Boot nicht ganz dicht ist, sodass man immer nasse Füße bekommt, das findet er unheimlich. Es werden ein paar Papiere ausgefüllt, unsere (sehr bescheidenen) Alkoholvorräte protokolliert, unsere Medikamente und Signalmittel kontrolliert und fotografiert. Die beiden sind sehr nett, wir bekommen alle Papiere genau erklärt und am Ende machen wir dann noch ein paar Selfies zusammen im Cockpit.
Am Mittwoch stoppen wir auf dem Weg zum Zoll bei der Biosecurity und holen uns den fehlenden Stempel für Immigration ab. Das geht ganz schnell und ist der erste Stopp, wo wir nur Indonesisch sprechen. Überhaupt hat es sich gelohnt, dass wir ein wenig Indonesisch gelernt haben. Es macht unglaublich Spaß unsere Kenntnisse auszuprobieren. Nobbi freut sich, dass sie Zöllner seine Aussprache loben. Wir haben einen Fahrer der uns die ganze Zeit fährt und immer auf uns wartet. Er lacht sich kaputt über unsere Sprachversuche, bringt uns aber lauter neue Worte bei.
Beim Zoll ist keiner der Zuständigen da. Wir sitzen aber sehr nett auf einem gemütlichen Sofa und bekommen Tee serviert, so wartet man gerne. Hier können wir nun unsere fertigen Papiere abholen und wir bekommen ebenfalls den Stempel auf dem Papier für die Immigration. Wir fahren zur Immigration brauchen dort nur eine Minute und brauchen nicht warten. Dort treffen wir die Crew eines anderen Bootes und weil sie nicht in angemessener Kleidung aufgetaucht sind, haben sie alle einen Sarong bekommen. Wir sind froh unsere „Einklarierungs-Uniform“ aus Bluse bzw. Hemd und langer Hose angezogen zu haben.
Nun ist der Pflichtteil für heute erledigt. Wir nutzen die Gelegenheit und lassen uns zu Telkomsel fahren, um eine SIM Karte zu kaufen. Auch das ist etwas kompliziert. Ausländische Telefone müssen registriert werden. Die Mitarbeiterin ist sehr nett, erledigt alles für uns, lässt uns auch gleich die zugehörige App installieren und erklärt uns, worauf wir beim Buchen neuer Tarife achten müssen. Es gibt zum Beispiel Datentarife in denen ein Teil des Datenvolumens nur in einer bestimmten Region in Anspruch genommen werden kann, muss man ja wissen. Ist aber alles nicht so wichtig, denn es gibt sehr viel Datenvolumen für wenig Geld und das Beste ist, man hat fast überall Netzverbindung sobald man Land sieht! Den letzten Stopp machen wir bei einem Getränkehandel, wo wir unsere Biervorräte auffüllen.

Am Donnerstag erledigen wir die letzte Etappe des Behördenmarathons. Wir müssen quasi aus dem Einreisehafen ausklarieren. In anderen Ländern heißt das Inter-Island-Clearance. Dafür müssen wir zum Hafenmeister. Das ist einfach, der ist direkt am Hafen und wir brauchen kein Taxi. Er bekommt eine Kopie des Zettels mit den vielen Stempeln, unsere Clearance aus Dili und Kopien unserer Papiere. Dass dieser Besuch spannend werden könnte, wussten wir vorher. Er ist etwas speziell. Alles ist ganz lustig, er macht ein paar Späße und stellt unsere Papiere aus, Zielhafen Lombok. Vermutlich werden wir in Lombok einen Stopp machen, unser Zielhafen ist es jedoch nicht. Wir wollen, dass er unser letzten indonesischen Hafen Batam in unsere Papiere schreibt. Er findet das sei egal. Vielleicht ist es das. Aber wenn es egal ist, kann er doch auch Batam eintragen? Er will nicht. Nun werde ich böse. Schnell habe ich noch ein paar Wörter nachgeguckt und mache ihm dann in sehr wilden Mischung aus Indonesisch und Englisch klar, dass ich möchte, dass da Batam steht. Wir erklären, dass unser Boot klein ist und wir flexibel bleiben wollen. „No problem, Mam“. Er stellt den Wisch nochmal aus. Und kassiert natürlich eine „Bearbeitungsgebühr“, darauf waren wir vorbereitet und haben keine Kraft mehr uns zu wehren. Alle sind fröhlich, es folgen Selfies im Büro.
Damit haben wir den Behördenkram fürs erste erledigt. Ob wir alles richtig gemacht haben, wissen wir erst, wenn auch die Ausreise problemlos funktioniert. Insgesamt lief es ganz smooth. Gute Laune und ein Bootsstempel (!) helfen sehr viel weiter. Die Beamten waren schier begeistert und wollten den Marisol-Stempel auf alle Papiere haben. (Für nachfolgende Segler stellen wir gerne noch alle Infos zusammen, wenn wir erfolgreich wieder ausgereist sind. Falls ihr jetzt einreisen wollt und Fragen habt, meldet euch.)

Nun brauchen wir noch Diesel. An der Tankstelle direkt am Hafen gibt es nur subventionierten Diesel, den dürfen wir aber nicht tanken. Ein „Agent“ hat sich uns seit Tagen aufgedrängt und obwohl wir klar gemacht haben, dass wir ohne ihn einklarieren werden und er auch nirgends mitgekommen ist, ist uns klar, dass wir seine ungefragte Hilfe wohl irgendwie honorieren müssen. Also beschließen wir, ihn Diesel organisieren zu lassen. Eine Frau fährt mit dem Roller zur nächsten Tankstelle und füllt unsere Kanister dort.
Nachdem Nobbi den Diesel und unsere Papiere an Bord gebracht hat, haben wir das Pflichtprogramm erledigt und können uns noch etwas umsehen. Kupang ist eine etwas staubige Stadt. Für indonesische Verhältnisse mit 440.00 Einwohnern eher klein, ist es im Gegensatz zum beschaulichen Dili doch recht groß. Viele Christen leben hier, eine Kirche oberhalb der Bucht fällt uns schon beim Ankern auf. Gegen fünf werden wir allerdings von den Muezzins der Moscheen geweckt. Es ist recht viel Verkehr und wir pirschen uns am staubigen Straßenrand entlang bis zu einem Obstladen. Die Verkäuferin ist nett und das Obst so günstig, dass wir gar nicht handeln mögen. An einem kleinen Stand kaufen wir noch Tomaten und Auberginen, vermutlich bezahlen wir zu viel, denn wir bekommen noch einige Tomaten und eine Aubergine geschenkt. Bei drei kleinen Mädchen wollen wir später Bananen kaufen, dürfen aber erst gehen, nachdem wir gemeinsam mit der Verkäuferin vom Nachbarstand Fotos gemacht haben. Vitaminmangel ist zunächst nicht zu befürchten.
Wir schleppen unser Obst noch ziemlich weit durch die Stadt, aber bevor wir wieder auf dem Boot sitzen müssen wir uns auch mal bewegen. In einem luftigen Restaurant essen wir und ich bin stolz, dass ich mein Essen inklusive Sonderwünsche auf Indonesisch bestellen kann.
Zurück an Bord verstauen wir das Dinghi an Deck, waschen das ganze Obst und Gemüse und räumen etwas auf. Am nächsten Morgen soll es weitergehen, eigentlich könnten wir einen Ruhetag gebrauchen, aber wir haben dem Hafenmeister versprochen binnen 24 Stunden auszulaufen. Nachdem wir am Mittwoch wildes Wetter am Ankerplatz hatten, nachmittags drehte der Wind um 360 Grad, leider mit satten fünf Windstärken, so dass es etwas hektisch im Ankerfeld wurde, sind wir auch gar nicht so wild auf eine Verlängerung in Kupang. Die Stadt Kupang lädt nicht unbedingt zu längeren Aufenthalten ein, doch die netten, offenen Menschen machen, mal wieder, den Unterschied. Schon lange haben wir in drei Tagen nicht so viel gelächelt und gelacht.

Obrigado Timor Leste

Gestern haben wir ausgecheckt. Das ging ziemlich zügig, war wieder sehr nett und günstig war es auch. 13,42 Dollar Hafengebühr haben wir bezahlt, sonst gab es keine Gebühren, weder beim Ein- noch beim Auschecken.
Heute waren wir auf dem Markt und haben uns mit Obst und Gemüse eingedeckt. Wassermelone, Maracuja, Papaya, Möhren, Zwiebeln, Avocado, Bananen, Knoblauch, Soursop und Kartoffeln. Gestern haben wir ein nettes Restaurant entdeckt. Bei Dilicious gibt es sehr leckeres lokales Essen. Wir haben die Chance genutzt und waren heute gleich wieder dort. Den Kaffee haben wir allerdings wieder bei Pateo getrunken, dort beim portugiesischen Supermarkt gibt es nämlich sehr gute Pasteis de Nata. Außerdem wollten wir an den letzten Tagen nun nicht mit unseren neuen Gewohnheiten brechen.
Auf dem Rückweg haben wir uns darüber unterhalten, dass wir Dili interessant finden und es, auch wegen der guten Versorgungslage, gut noch ein wenig hier aushalten könnten. Diese Einschätzung bekam kurz darauf einen Dämpfer. Auf dem Ankerplatz zeigen sich viele Schaumköpfe, die Wellen brechen sich. Die Dinghifahrt ist feucht, das Anlegen an Mari sehr sportlich. Mari schaukelt wild. Auf dem Sofa liegend geht’s, aber sonst macht es keinen Spaß. Trotzdem entschließen wir uns das Dinghi an Deck zu nehmen. Erst muss der Außenborder ans Heck. Nobbis Einsatz im Boot erinnert an Bullriding, allerdings in nass, fröhlich schwappen die Wellen ins Dinghi. Der zweite Teil, das Dinghi aus dem Wasser nehmen, umdrehen und unter dem Baum an Deck legen klappt dagegen routiniert und Blessuren frei.
Morgen geht’s weiter. Nächste Station: Indonesien. Dili hat uns gefallen, nicht nur wegen der Pasteis de Nata und des portugiesischen Rotweins. Wir haben sehr nette, offene, freundliche Menschen getroffen. Fazit: ein lohnenswerter Stopp!

Mittagsschlaf im Baumarkt? Kein Problem!
Hier wohnt das gute Essen!
Kokosnusspause
Deutsche Entwicklungshilfe die ankommt. Mit Fahrplan!
Großes Obst- und Gemüseangebot.

Touristenprogramm – Die Unabhängigkeit, Tais, Christus und weiße Strände

Wer sich mit Osttimor beschäftigt, kommt am blutigen Weg in die Unabhängigkeit nicht vorbei. Wir besuchen das „Museo da Resistência“, das Osttimors Weg in die Unabhängigkeit beschreibt. Hier gibt’s eine kleine Zusammenfassung, die Geschichte ist natürlich sehr viel komplizierter.
Die ersten Menschen lebten schon vor etwa 40.000 Jahren auf Timor. Als die Europäer im 16. Jahrhundert hier auftauchten gab es eine Vielzahl kleiner Reiche. Im 18. Jahrhundert kämpften vor allem Portugal und die Niederlande um die Vorherrschaft. Nachdem Portugal einige Inseln an die Niederländer verloren hatten und ihnen auch den Westteil der Insel überlassen musste, behaupteten sie sich im Ostteil Timors und machten schließlich Dili zur Hauptstadt der Kolonie. Das Hauptinteresse lag auf dem Gewinn von Sandelholz und später Kaffee. Im zweiten Weltkrieg wurde Osttimor trotz Portugals Neutralität von den Japanern besetzt. Im folgenden Guerillakrieg starben schätzungsweise 50.000 Menschen. Nach dem zweiten Weltkrieg wurde Indonesien unabhängig von den Niederlanden, während Osttimor portugiesisch blieb.
In den 1970 Jahren hat Portugal genug eigene Probleme, mit der Nelkenrevolution geht 1974 die Diktatur zu Ende. Osttimor hat etwa den Status einer vergessenen, ausgebeuteten Kolonie am Rande der Welt. In Portugal wird 1975 ein Gesetz verabschiedet, das beinhaltet, dass Osttimor dekolonialisiert werden soll. In Osttimor beginnt ein Bürgerkrieg zwischen den beiden größten Parteien. Die FRETILIN siegt und ruft die Unabhängigkeit aus, doch dann greift Indonesien zu. Durchaus mit Duldung durch US-Amerikaner und Australier, die auf eine schnelle Herstellung geordneter Verhältnisse hoffen.
Es beginnt eine grausame indonesische Besatzungszeit. Bis 1979 wird ein Viertel bis ein Drittel der Bevölkerung getötet, direkt oder durch Hunger. Auch in den folgenden Jahren kommt es immer wieder zu Deportationen, Ermordung von Führungspersonen der Unabhängigkeitsbewegung, getöteten Journalisten und 1991 zum Santa Cruz Massaker.
Nachdem der Konflikt lange kaum ins Bewusstsein der Weltöffentlichkeit dringt, setzen sich vor allem Portugal und Australien für die Unabhängigkeit Osttimors ein. Schließlich gibt es 1999 ein Referendum, bei dem sich 80 % der Bevölkerung für die Unabhängigkeit ausspricht. Daraufhin kommt es noch mal zum Aufflammen der Gewalt durch Milizen und die indonesische Armee. Nun wird von der UN eine Friedenstruppe entsandt und der Konflikt beendet. Am 20. Mai 2002 wird Osttimor unabhängig.
Das Museum ist modern und den gesamten Text gibt es auf Portugiesisch, Tetum und Englisch. Wir haben viel gelernt und nun Appetit auf leichtere touristische Inhalte.

Tais heißen die traditionellen gewebten Stoffe. Es gibt sie in unzähligen Mustern, viele sind sehr schön bunt und in der Regel sind sie aus Baumwolle. Die gesamte Produktion vom Spinnen übers Färben bis zum Weben erfolgt normalerweise innerhalb der Familie. Die Stoffe werden als Kleidungsstücke getragen, aber haben auch kulturelle Funktionen, dienen als Mitgift, Geschenk und heute als Souvenir. Hier in Dili gibt es einen eigenen Tais Market. Wir sind die einzigen Besucher, was ein wenig beklemmend ist. Die Verkäufer warten auf Kundschaft, spielen Karten und lassen ihre Hähne kämpfen. Auch auf Marisol gibt es nun einen Tais.

Im Tourismusbüro haben wir Postkarten bekommen und brauchen nun Briefmarken. Wir laufen zur Post und denken zunächst, dass wir vergebens gekommen sind, es scheint geschlossen zu sein. Doch dann entdecken wir die beiden Mitarbeiterinnen. Die beiden kümmern sich rührend um uns. Unsere Briefmarken werden liebevoll mit Uhu auf die Karten geklebt, dann werden sie gestempelt. Sie schenken uns jedem eine Flasche Wasser und freuen sich als wir fragen, ob wir ein Foto machen dürfen. Auf dem Weg zur Post entdecken wir einen Chinesischen Tempel, den wir uns ansehen dürfen.

So schön kann ein Postbesuch sein!

Der öffentliche Nahverkehr ist mit sogenannten Mikrolets, Minibussen, organisiert. Sie fahren auf zwölf festgelegten Routen. Man winkt sie ran, wenn man einsteigen möchte und klopft mit einer Münze an den Handlauf, wenn man aussteigen möchte. Das System ist einfach, günstig (eine Fahrt kostet 25 Cent) und sehr effektiv. Gestern waren wir 17 Fahrgäste plus Fahrer, sehr kuschelig. Uns macht es Spaß mit den kleinen Bussen zu fahren und wir nutzen sie unter anderem, um zu der Landspitze zu kommen, auf der die Christus-Statue steht. Diese ist nach der in Rio die zweitgrößte der Welt und wurde 1996 aufgestellt. Viele Stufen führen nach oben an den Fuß der Statue „Cristo Rei do Dili“, belohnt werden wir mit dem Ausblick auf die Stadt und schöne Strände.