Zum Jahresende von Puteri nach Pulau Besar

Ein FlipFlop, eine Wasserflasche, eine Styroporbox, eine Palette, ein Eimer. So geht es immer weiter. Am Ausgang der Johor-Straße, die Malaysia und Singapur trennt, fahren wir nicht nur durchs Ankerfeld der großen Frachter, sondern auch durch einen riesigen Müllteppich. Wir haben die Marina verlassen und sind auf dem Weg in den Norden Malaysias.

Nach einem schönen Weihnachtsfest mit der Familie in Singapur fahren wir am 27. Dezember wieder nach Malaysia zu unserer Mari. Am nächsten Tag bereiten wir unsere Weiterreise vor. Die Crew eines der Motorboote erklärt sich bereit tauchend unser Unterwasserschiff zu reinigen. Diese Arbeit ist nicht beliebter geworden seit ein ausgewachsenes Krokodil im Hafenbecken gesichtet wurde.
Wir füllen den Wassertank, kaufen ein und gehen ein letztes Mal in einem der Restaurants an der Marina essen. Abends können wir unsere Papiere abholen und die Marina-Rechnung bezahlen.
Unsere Marisol lag über zwei Monate hier in der Puteri Harbour Marina, ein sicherer und günstiger Platz. Wir waren immer nur ein paar Tage an Bord. Obwohl wir zwischendurch ziemlich krank waren, haben wir einiges an Bord erledigt, auch wenn die ToDo Liste nicht so kurz geworden ist wie erhofft.
Ein erfahrender, kompetenter Mechaniker hat unseren Motor gecheckt und die Kompression gemessen. Unser Verdacht hat sich bestätigt, der zweite Zylinder hatte keine mehr. Zum Glück war die Ursache nur ein schlecht eingestelltes Ventil. Uns fällt mehr als ein Stein vom Herzen und der Motor läuft nun ruhiger als zuvor.
Unsere Ankerkette wurde um ein paar rostige Glieder gekürzt, das Mittelluk hat einen neuen Vorhang bekommen und die Comfort-Seats haben nun (provisorische) Bezüge. In einer Patenthalse auf der Arafura-See haben wir uns eine Relingstütze verbogen, die Nobbi wieder richtet. Ein Schäkel wird gängig gemacht, eine Leine getauscht. Kleinigkeiten, die man besser gleich erledigt und sie nicht erst auf die Liste setzt. Der kleine Außenborder, der in Vanuatu den Dienst eingestellt hat, konnte repariert werden. Der Praxistest steht allerdings noch aus. Für das Polster am Navi-Tisch haben wir einen neuen Bezug nähen lassen. Das war schon lange nötig, aber das Nähprojekt wurde immer wieder verschoben, weil so es kompliziert schien. Kurz vor Weihnachten kam endlich unser Paket aus Deutschland, das einen sechswöchigen Urlaub beim malaysischen Zoll gemacht hatte, an. Nun haben wir einen neuen Wasserhahn und ein neues Display, das die Wassertiefe anzeigt.

Alle anderen Aufgaben verschieben wir, denn wir wollen zügig nach Langkawi im Norden Malaysias segeln bzw. fahren (mit Wind ist leider nicht zu rechnen). Am 29. Dezember geht’s los. Die erste Etappe führt uns durch den Müll in der Johor-Straße und durch Felder mit vielen großen Ankerliegern. Containerschiffer, Bulkcarrier und vor allem Tanker. Wir lernen, dass es riesige Tankstellenschiffe gibt, die kleinere Tankstellenschiffe betanken, die dann wiederum andere Schiffe betanken. Die Etappe beenden wir an der Pulau Pisang. Der Ankerplatz an dieser kleinen Insel mit Blick auf das Verkehrstrennungsgebiet der Straße von Melakka ist schön. Dies ist eine der am stärksten befahrenen Wasserstraßen der Welt, hier schiebt sich der Welthandel durchs asiatische Nadelöhr. Obwohl die Sicht eher schlecht ist, sehen wir oft 30 und mehr vorbei fahrende Schiffe, Schlepper und Fischer nicht mitgezählt. Im AIS kann man Informationen zu den Schiffen abrufen, sie sind unterwegs zum Suezkanal, nach Panama, Brasilien oder Rotterdam.
Wir verbringen eine ruhige Nacht an der kleinen bewaldeten Insel und fahren am nächsten Morgen bei Sonnenaufgang weiter.
Gegen Mittag wird es immer dunkler und beginnt kräftig zu gießen. Wir entscheiden uns auf die Küste zuzuhalten und dort irgendwo zu ankern. Plötzlich tauchen überall Bojen auf, anscheinend sind wir zwischen die Netze geraten. Wir drehen einen Kringel und ankern. Inzwischen regnet es so stark, dass wir kaum die Augen offenhalten können. Sichtweite wenige Meter. Als der Regen nachlässt braust ein aufgebrachter Fischer auf uns zu, wir sollen verschwinden, er hat Angst, dass sein Netz in unseren Anker treibt. Wir holen den Anker auf, es hängt kein Netz daran. Viele Schlangenlinien müssen wir zwischen den Bojen fahren. Wir lernen, dass es unmöglich ist die lagen Netze zu umfahren und dass wir zwischen den Bojen hindurch fahren können. Hier hat es funktioniert, die Netze hingen tief genug. Wir finden einen Ankerplatz ohne Netze, in der Nähe eines Fischergestells und verbringen eine ruhige Nacht etwa 2 Meilen vor der Küste.
Als ich mich nachts draußen umsehe entdecke ich einen Waran auf der Windsteueranlage am Heck, er macht bei uns Pause. Wieder in der Koje, bin ich schon fast eingeschlafen, als ich mir der Gedanke kommt, dass er leicht in Cockpit klettern könnte. Wie verscheucht man einen Waran? Morgens ist er weg.
Eine unspektakuläre Etappe bringt uns zur Pulau Besar, einer Insel kurz vor Melakka. Hier verbringen wir die letzte Nacht des Jahres. Oder die erste des neuen?
Am Strand der Insel wird gebadet und gezeltet. Auf dem Festland gibt es den ganzen Abend immer wieder Feuerwerk. Wir sehen einen Krimi und genießen, dass ein leichter Wind durchs Boot streicht und für Abkühlung sorgt. Ich verschlafe den Jahreswechsel und das Feuerwerk, Nobbi wirft noch einen müden Blick aus dem Vorluk.

Wir lassen Puteri Harbour hinter uns
Wieder fahren wir unter der Brücke nach Singapur hindurch. Auf der Brücke ist wieder einmal Stau.
Viele große Schiffe liegen auf der Reede.
Tankerkuscheln. Ein Tanker, der an einem Tanker tankt.

Fröhliche Weihnachten und ein wunderbares 2024

Wir wünschen euch ein schönes und friedliches Weihnachtsfest, entspannte Tage zwischen den Jahren und einen guten Start in ein wunderbares neues Jahr.
Übrigens, die Krippe mit Schattenspiel-Figuren haben wir im Museum in Jogjakarta entdeckt. Wir feiern dieses Jahr in Singapur, was leicht an unserer Weihnachtskarte zu sehen ist.

Eine Stippvisite in Ho-Chi-Minh City

Nach unserer Reise nach Indonesien hat es uns gesundheitlich erwischt, nacheinander liegen wir flach. Nach ein paar Tagen geht es uns etwas besser, auch wenn wir uns beide sehr schlapp fühlen.
Obwohl wir noch nicht wieder richtig fit sind, entschließen wir uns, unseren gebuchten Flug nach Ho-Chi-Minh City anzutreten. Für eine Vietnam-Rundreise haben wir leider nicht genügend Zeit, aber eine Städtereise passt in den Plan. Ho-Chi-Minh City hat über neun Millionen Einwohner und ist die größte Stadt Vietnams. HCMC umfasst ein recht großes Gebiet, das keine geschlossene Stadt darstellt und jenseits des Stadtzentrums zum Teil dörflichen Charakter hat. Die Stadt Saigon wurde 1976 nach der Wiedervereinigung in Ho-Chi-Minh City umbenannt. Ho-Chi-Minh war ein Revolutionär, Politiker und Präsident Nordvietnams. Umgangssprachlich wird er „Uncle Ho“ genannt und wir werden tatsächlich mehrfach gefragt, ob wir Uncle Ho schon besucht hätten. Haben wir natürlich, sein Denkmal steht vorm sehr schönen Rathaus.
Der Name Saigon wird besonders fürs Stadtzentrum benutzt, gelegentlich auch für die ganze Stadt und ist Namenbestandteil unzähliger Attraktionen, Hotels und Firmen. Nobbi war zuletzt 1994 im damals noch sehr kommunistisch geprägten Saigon und stellt, nicht überrascht fest, dass die Stadt sich sehr verändert hat.

Noch etwas angeschlagen, lassen wir es eher ruhig angehen und sind ausnahmsweise eher im Schleichtempo als im Stechschritt unterwegs.
Wir haben ein Zimmer in einem netten Hostel gebucht, von dem wir das Stadtzentrum gut zu Fuß erreichen können. Es gibt einige schöne Gebäude aus der Kolonialzeit, die inzwischen renoviert sind. Besonders gut gefällt uns das Postamt. Die Oper sehen wir uns an, als wir eine die Vorstellung einer Artistengruppe besuchen. Zu traditioneller Musik mit riesigen Reiskörben und Bambusstangen werden viele schöne Bilder dargestellt.
Während einer Stadtrundfahrt bekommen wir einen guten Überblick, außerdem ist diese Art des Stadtentdeckens nicht so anstrengend. Das kommt uns bei der Wärme entgegen.
Von der Aussichtsplattform des Bitexco Towers genießen wir die Aussicht über die Stadt. Unseren Besuch haben wir absichtlich auf einen klaren Morgen gelegt und können weit sehen. Viertel mit großen Hochhäusern und Viertel mit kleinen Häusern und einem unübersichtlichen Gewirr kleiner Straßen wechseln sich ab. Und wir haben einen schönen Blick auf den Saigon, so heißt auch der Fluss. Einen kleinen Eindruck vom Saigon bekommen wir auch, als wir einige Stationen mit dem Waterbus, einer Fähre, fahren. Hier sehen wir sehr luxuriöse Anwesen, viele Luxusyachten und auch ärmere Viertel. Und wir sehen viele Schiffe, Bargen und Schleppverbände die auf dem Fluss unterwegs sind.
Auf einem gemütlichen Spaziergang erkunden wir den botanischen Garten, in dem auch der Zoo liegt. Die großen alten Bäume sind toll, auch die Orchideen Sammlung und mehrere kleine Gärten gefallen uns. Die Tiergehege mögen wir nicht alle, einige sind überbelegt und das Reptilienhaus ist sehr unheimlich. Es hat die Ausstrahlung eines „lost place“, nur dass es eben bewohnt ist, von sehr vielen Pythons und leicht aggressiven Leguanen. Mir gefällt, dass ich Auge in Auge mit einer Giraffe sprechen kann, Nobbis Liebling ist das riesige weiße Nashorn.
Wer Vietnam besucht und sich mit seiner Geschichte beschäftigt, kommt am Vietnamkrieg (hier Amerikanischer Krieg genannt) nicht vorbei. Wir besuchen das Kriegsmuseum, dessen Kernstück eine Ausstellung mit Fotos verschiedener, getöteter Kriegsreporter ist. Es ist traurig, bedrückend und aufrüttelnd. Zwischendurch nehmen wir uns Zeit mit Hilfe von Wikipedia Wissenslücken zu schließen.
Uns beeindruckt, dass es sehr voll ist. Viele Touristen sind interessiert, viele junge Menschen sind im Museum. Wir treffen gleich eine ganze Reihe unserer Hostel-Bewohner. Was mich hingegen abstößt, ist die Begeisterung für Selfies mit Waffen, nachdem man sich gerade die grausamsten Kriegsverbrechen in allen Details angesehen hat.

Natürlich hatten wir auch Gelegenheit durch kleine Gassen zu streichen und ausgiebig zu essen. Neben einigen schönen Gebäuden, ist Bánh mì das beste Resultat der französischen Kolonialisierung (meiner überhaupt nicht maßgeblichen Meinung nach). Das Baguette, das wunderbar gefüllt wird, zum Beispiel mit Fleischklößchen, Chilisauce, eingelegten Gemüse und Koriander, schmeckt wunderbar. Eigentlich wollen wir nur kurz sitzen und entscheiden uns in eine schmale Straße abzubiegen und dort eine Tasse Kaffee zu trinken. Als wir uns setzten wollen, erklären uns zwei Frauen, dass es zwar Kaffee gibt, wir aber lieber zwei Häuser weiter eine Tasse trinken sollen. Wir wundern uns etwas, dass wir zu einem Floristen geschickt werden und bekommen dort nicht nur einen Kaffee sondern ein Kunstwerk. Auf Tisch landet eine Glasbox in dem nicht nur eine Insel mit unserem Kaffee liegt, sondern sich auch ein hübsches Blumengesteck befindet. Der Kaffee schmeckt super und wir haben auch gleich Familienanschluss, inklusive Katze. Aus Versehen essen wir mittags auch die allerbeste Pizza (seit Jahren?) in einem Restaurant im zweiten Hinterhof. Umwege lohnen sich!
Die Abende lassen wir auf der Dachterrasse unseres Hostels ausklingen, wo wir den Altersschnitt deutlich anheben, aber trotzdem willkommen sind. Im leichten Abendwind, bei einem leckeren Saigon-Bier ist schnell vergessen, dass die Tage sehr warm sind.

Und dann treffen wir auch noch andere Segler. Diesmal nicht zufällig, sondern absichtlich. Sie sind die einzigen vietnamesischen Langfahrtsegler, die wir kennen. Wir verbringen einen schönen Abend zusammen und kommen in den Genuss eines tollen Abendessens bei einem Meeresfrüchte-Restaurants, vor dem wir auf der Straße sitzend („Street Food“) gegessen haben. So haben wir die Gelegenheit lauter Dinge zu kosten, die wir niemals bestellt hätten, ganz verschiedene Meeresschnecken, Muscheln, Krebse und Pastete. Tatsächlich hat mir alles sehr gut geschmeckt.

Saigon hat uns sehr gefallen und noch neugieriger auf (mehr) vielleicht etwas ländlicheres Vietnam gemacht.

Das Rathaus.
Der Markt.
Das Postgebäude.
Das Opernhaus.
Im Continental hat Nobbi `94 gewohnt, seitdem hat sich viel verändert.
Es gibt viele kleine interessante Gassen.
Im Tempel wird gebetet und renoviert.
Eine Stadt voller Pagoden.
Der Wiedervereinigungspalast.
Ein buddhistischer Tempel.
Im Botanischen Garten gefällt es uns.
Gut beschirmt im Botanischen Garten.
Eine Schönheit.
Auge in Auge mit einem Giraffenmann.
Vom Bitexco Tower hat man einen tollen Ausblick.
Saigon von oben.
Saigon liegt am Saigon-Fluss.
Wir fahren mit dem Waterbus.
Saigon vom Wasser.
Erstaunlich viele Luxusyachten.
Saigon vom Wasser.
Lauter schwimmende Inseln.
Eine Straße voller Buchläden.
Spiegeltransport.
So können nur Profis schlafen.
Eine Kokosnussverkäuferin
Ein Laden für Hamsterbedarf.
Der Traum jeden Elektrikers. Wem gehört welches Kabel?
Nicht nur Kaffee, sondern ein Kunstwerk.
Ein Hahn mitten in der Innenstadt.
Nobbi auf der Dachterrasse – sehr schön: die Lampe im Hintergrund.

Bildergalerie Bali

Hier kommen nun endlich einige der unzähligen Fotos, die wir auf Bali aufgenommen haben.

Guter oder böser Geist?
Eine außergewöhnlich schöne Unterkunft.
Nobbi kutschiert mich über die Insel.
Nachmittags schwimmen wir eine Runde im Pool.

Eine kleine Wanderung bringt uns zu zwei schönen Wasserfällen, einen dritten sehen wir aus der Ferne.

Gegenverkehr auf schmalen Straßen.
Überall werden die Götter bedacht.
Opfergaben vor einem Laden.
Auf einem Roller kann man sehr viel transportieren.
Manche Wege sind ziemlich schmal
Dunkle Wolken über Kutas breitem Strand
Sonnenuntergang in Kuta.

Ein Bali-Urlaub ohne Tempelbesuch ist undenkbar. Uns gefällt sowohl der Pura Taman Ayun mit seinen vielen Pagoden, als auch der Pura Ulun Danu, der am Seeufer liegt.

Wunderbares Verkehrschaos.
Zufällig geraten wir in eine Zeremonie vor einem Tempel

Ein grüner Klassiker: Reisfelder, die gute Laune machen.

Bali – immer wieder schön

Unser Bali Aufenthalt verläuft etwas anders, als wir es uns es vorgestellt hatten. Erst bin ich krank, dann fällt das geplante Familientreffen wegen Krankheit aus. Wir lassen es also ruhig angehen. Da wir schon auf Bali waren, kennen wir bereits einige der tausend Tempel und touristischen Highlights.
Wir bummeln durch Ubud, kaufen Souvenirs, gehen grandios essen und legen nachmittags eine Lesestunde am Pool ein.
Bali ist ganz anders als andere Teile Indonesiens. Das liegt sicherlich daran, dass die meisten Balinesen Hindus sind. Tempel und Opfergaben sind allgegenwärtig. Außerdem ist Bali touristischer als die meisten Orte an denen wir zuletzt waren. Wie viele Orte, hat Bali zum Teil ein regelrechtes Touristen-Problem. Junge Männer mit nacktem Oberkörper, Frauen im Bikini auf dem Roller, das gefällt vielen Balinesen nicht. Und „Instagrammer“ ohne Ende. „Einmalige“ Fotos auf der Schaukel im Reisfeld, vorm Tempel und unterm Wasserfall. In jedem Restaurant und an jeder Straßenecke wird gefilmt und sich selbst fotografiert. So extrem wie hier haben wir es noch nirgends erlebt.
In Ubud, im Zentrum der Insel, kommt es uns voller vor als bei unserem letzten Besuch vor fünf Jahren. Doch man versichert uns, dass Nebensaison sei und eigentlich zu wenige Touristen angereist seien. Aber wie so häufig findet man auch viel ruhigere Ecken, wenn man möchte.
Natürlich steht ein kurzer Besuch des Ubud Palace und des Marktes an. Beim Sonntagsspaziergang durch den Monkey-Forest ist es sehr voll. Es sind nicht nur sehr viele Besucher unterwegs, die Affen haben hier definitiv ein Überbevölkerungsproblem und werden gelegentlich zudringlich.
Wir sind mit dem Roller unterwegs. Nobbi hat seinen Spaß und ich sterbe. Wir sind ein eingespieltes Rollerteam. Während Nobbi fährt, navigiere ich. Das hat den Nachteil, dass ich auch schuld bin, wenn wir wieder eine besonders schmale Straße finden oder uns enge Serpentinen in eine schmale Schlucht bringen. Steil bergabfahren ist etwas, dass ich nicht besonders schätze. Trotz meines ambivalenten Verhältnisses zum Rollerfahren genießen wir die Touren sehr. Man ist unabhängig, sieht viel und kann jederzeit anhalten.
Kaum etwas ist so unglaublich grün wie junge Reispflanzen. Nicht zu Unrecht gehören die Reisterrassen zu Balis beliebtesten Fotomotiven. Auch uns gefallen die Reisfelder. Wir düsen mit dem Roller auf schmalen, sich schlängelnder Straßen durch die Felder, sitzen im Café mit Reisfeldblick und wandern auf einem schmalen Weg zwischen den Reisterrassen entlang. Meine Lieblinge sind die Enten, die lustige Geräusche machen, wenn sie zwischen den gefluteten Pflanzen nach Nahrung suchen.
Die Heuschrecken (oder sind es Reisschrecken?) auf den Reisähren sind größer, als die hübschen kleinen Vögel, die sich ebenfalls ihren Anteil an der Reisernte genehmigen. Abends tanzen tausende kleine Glühwürmchen über dem Reisfeld neben unserem Hotel und erfreuen uns mit ihrem Geblinke.

Wir sehen uns zwei Tempel an, die wir noch nicht kennen. Den Pura Taman Ayun im Süden der Insel und den Pura Ulun Danu am Beratan See. Sie sind ganz verschieden und beide schön. Den ersten Tempel haben wir zunächst tatsächlich ganz für uns, weil wir so früh dort sind. An dem hochgelegenen See ist es schön kühl und die Luft wunderbar klar.
Eine kurze Wanderung bringt uns zu zwei Wasserfällen. Die beiden Wasserfälle Sekumpul und „hidden waterfall“ befinden sich im Norden der Insel. Der Weg ist nicht weit, hat aber sehr viele Stufen. Wir verzichten darauf unterhalb des Wasserfalls zu schwimmen, genießen es aber die Füße im kalten Wasser abzukühlen.
Noch mehr Spaß als die Wasserfälle, macht uns aber die Fahrt dorthin. Eine schmale Straße schlängelt sich durch kleine abgelegene Orte in Balis bergigem Zentrum. Als dann ein Auto vor uns liegen bleibt, kommt sogar unser tiefenentspannter Fahrer ein bisschen ins Schwitzen.

Nach fünf Tagen in Ubud und vier Tagen in der Nähe von Ubud, verbringen wir die letzten beiden Nächte in Kuta, ganz im Süden Balis. So haben wir nur eine kleine Strecke zum Flughafen zurückzulegen. Hatte Kuta früher den Ruf hoffnungslos überlaufen zu sein, empfanden wir es jetzt als vergleichsweise leer. Die Party steigt nun wohl in Canggu wird uns berichtet.
Wir spazieren am Strand und auf der Strandpromenade entlang, verstecken uns vor einem Schauer im Shoppingcenter, finden ein tolles vietnamesisches Restaurant und trinken abends ein Sonnenuntergangsbier am Strand.

Mit einem kleinen Zwischenstopp in Singapur kehren wir zurück nach Malaysia zu unserer Mari. Sie ist ein wenig staubig, aber ansonsten sieht man ihr unsere Abwesenheit nicht an.
Jetzt liegen unsere Pläne wieder auf Eis (irgendwie unpassend bei 30 Grad), wir sind beide krank und deshalb passiert hier gerade nicht viel.

Jogja – eine Bildergeschichte

In den letzten Beitrag über Singapur habe ich noch einige Bilder eingefügt. In Jogja haben wir so viele Fotos gemacht, dass es einen eigenen Beitrag gibt. Um euch zu motivieren bis nach ganz unten zu scrollen, verrate ich, dass mein Lieblingsbild den Abschluss bildet.

Das kleine Gästehaus ist ein Glückstreffer!

Der Palast des Sultans:

Das kleine Wasserschloß war Teil einer Parkanlage:

Borobodur, der größte buddhistische Tempel der Welt:

Während mich Borobodur sehr angesprochen hat, hat Nobbi die hinduistische Tempelanlage Prambanan vielleicht noch besser gefallen:

Die Darstellungen sind wunderschön und detailreich. Dieses großohrige Tier hätte ich gerne getroffen.

In unmittelbarer Nähe liegen die buddhistischen Tempel Bubrah und Sewu:

Die Gereja Ayam, die Hühner-Kirche , die eine Taube ist…

Immer wieder werden wir angesprochen, ob wir zu einem gemeinsamen Foto bereit wären oder ein Interview geben könnten:

Am Merapi machen wir eine Jeep-Tour, was wir eigentlich gar nicht wollten.

Das UllenSentalu-Museum, das die Geschichte der Herrschaftsfamilien aufbereitet, hat uns sehr gefallen:

Straßenszenen, das Schönste am Reisen: einfach das richtige Leben beobachten:

Sie ist einfach müde.
Streetart indonesisch.
Die Viertel mit ihren kleinen Wegen haben einen dörflichen Charakter.
Eine mobile Nähwerkstatt.
Hier können wir beim Kaffeetrinken das Treiben beobachten.
Die Schattenspielfiguren werden mit der Hand bemalt.
Er freut sich übers Trinkgeld – wir darüber, dass wir aussteigen können.
Safety first! Gastransport auf indonesisch. Ich liebe es!

Tiga ratus – Yogyakarta

Tiga ratus heißt dreihundert. Da die indonesischen Rupiah so wenig Wert sind, braucht man selbst für einfaches Einkaufen hohe Zahlen. Eine Million sind sechzig Euro. 422.600 Rupiah sind also ein realistischer Preis für ein schickes Abendessen oder ein schönes Kleid. Empat ratus dua puluh dua ribu enam ratus. Wir üben also fleißig Zahlen, oder wie Nobbi sagen würde, wir spielen Tiger raten.

Am 10. November fliegen wir von Singapur nach Yogyakarta. Wie schon viele Male zuvor sind wir beeindruckt von Changi Airport. Es ist ruhig, perfekt organisiert und schön. Die Bäume im Terminal sind echt, es gibt einen Teich mit Kois und auf Wunsch beheizte Toilettensitze mit Unterbodenwäsche. Das sind nur die Kleinigkeiten im Terminal, außerdem gibt es noch die großen Highlights wie den Indoor-Wasserfall. Warum das alles? Weil es schön ist.

In Yogyakarta genannt Yogya, Djogja, meistens Jogja, bestellen wir uns ein Grab (Taxi). Am neuen Flughafen gibt es eine Gruppe netter, junger Mitarbeiter, die dafür sorgt, dass die Touristen im richtigen Grab landen, sehr nett. Eine schöne Fahrt bringt uns zu unserer Unterkunft. Unser Fahrer ist sehr mutig und traut sich mit seinem Auto in die schmalen Gassen, obwohl wir beteuern, dass wir die letzten Meter zu Fuß gehen können.

Unsere Unterkunft ist ein Glückstreffer. Das nette Guesthouse ist blitzsauber, die Besitzer freundlich und jeden Tag gibt für uns ein anderes leckeres Frühstück. Gebratener Reis, Sommerrollen, Hühnchenspieß, indonesische Pfannkuchen, Obst, fluffige Pancakes, lecker gewürzte Haferflocken mit Rosinen und Kokos, Salat, Saft und immer auch Obst. Wir werden verwöhnt.

Ganze sieben Tag haben wir Zeit für Jogja und Umgebung. Natürlich besuchen wir die touristischen Highlights wie Borobodur und Prambanan, aber wir nehmen uns auch viel Zeit, um uns durch die Stadt treiben zulassen. Ein Saft in einer kleinen Nebenstraße, ein Kaffee mitten im Gewusel. Es werden sehr viele Ausflüge angeboten, bei denen man sich Abseilen soll oder in Autoreifen durch einen Fluss treibt, die besten Selfi-Spots besucht oder europäische Wahrzeichen in Miniaturgröße anschaut. Das interessiert uns weniger. Wir freuen uns über die kleinen Wohnviertel, deren Straßen so schmal sind, dass keine Autos fahren. Denn hier kann man gut zu Fuß gehen. Der Spaziergang ist kein indonesisches Konzept. Man geht nicht zu Fuß und Fußgänger haben praktisch keine Rechte. Hier gibt es keine Fußgängerampeln und wenn es Bürgersteige gibt, werden sie zugeparkt, als Ladenerweiterung genutzt oder enden abrupt. Wir gehen trotzdem zu Fuß, nur dann erlebt man diese vielen lustigen kleinen Straßenszenen, die in Wirklichkeit spannender sind, als touristische Highlights. Kleine Garküchen mit leckeren Süßigkeiten, gut riechenden Gerichten und fremdartigen Eintöpfen stehen überall, auf einem Roller lassen sich halbe Haushalte und ganze Familien transportieren. Bedauernswerte Vögel sitzen in kleinen Käfigen und singen ihr fröhliches Lied und im kleinsten Innenhof ist Platz für eine Papayapflanze. Stolze Taubenbesitzer lassen ihr Vögel abfliegen und beobachten, ob sie in die richtige Richtung verschwinden und kleine Laster mit tausenden Eiern, die lose in großen Kisten liegen, beliefern winzige Läden. Wir beobachten wie die Männer zum Freitagsgebet eilen, zum Teil in traditioneller Kleidung inklusive Kris, dem Dolch. Das sieht toll aus.

Taman Sari ist das kleine Wasserschloss, das zu einer Freizeitanlage des Sultans gehörte, die um 1750 gebaut wurde. Von dem Komplex mit Park, künstlichen Seen und verschiedenen Pavillons ist nur das Herzstück erhalten geblieben, das Bad. Drei Becken werden von hohen Mauern eingefasst. Zutritt zu diesem Bereich hatten nur Frauen und der Sultan, für den es in der Mitte einen kleinen Turm gab, von dem er beim Baden zuschauen konnte. Die Tore zum Bad sind besonders schön gestaltet.

Während Taman Sari heute eine touristische Attraktion darstellt, wird der Sultans Palast noch genutzt. Ein Teil des Palastes ist jedoch für die Öffentlichkeit zugänglich. In einem der Innenhöfe gibt es eine Tanzvorführung mit Javanischen Tänzen und Gamelan Orchester. In einem Nebengebäude gibt es eine Ausstellung, die das Leben des aktuellen Sultans beschreibt, außerdem sind Batik, Porzellan (zum Teil aus Deutschland) und Kleidung, die bei wichtigen Anlässen getragen wurde.

Vor dem Sultanspalast werden wir von einer Gruppe Studenten abgefangen. Sie haben die Aufgabe Touristen zu interviewen und ihr Englisch auszuprobieren. „Unsere“ Gruppe ist sehr nett, höflich und es macht Spaß die Fragen zu beantworten. In den nächsten Tagen erleben wir das noch häufiger. Indonesische Lehrer scheinen diese Aufgabe zu lieben. Wir landen auf unzähligen Fotos und sprechen Grußworte zum Geburtstag einer Highschool. Jetzt sind wir vorbereitet und stellen Gegenfragen. Welches Javanische Gericht sollten wir unbedingt probieren? Was ist das Lieblingsessen? Und wie gefällt der Palast oder Tempel? Meistens verlaufen diese Begegnungen sehr nett.

Borobodur ist die größte buddhistische Tempelanlage der Welt. Sie wurde um das Jahr 800 erbaut, geriet im elften Jahrhundert in Vergessenheit, wurde von Vulkanasche und Vegetation bedeckt und 1814 wieder entdeckt. 1835 wurde der Tempel freigelegt und zwischen 1973 und 1983 restauriert.

Der Tempel hat die Form einer Stufenpyramide mit einer quadratischen Grundfläche und einer Seitenlänge von 123m. Auf sechs quadratische Ebenen, folgen drei kreisförmige und schließlich eine zentrale große Stupa, die den Abschluss bildet. Im Buddhismus ist das Universum in drei Welten geteilt, jeder Abschnitt des Gebäudes ist einer der drei Welten gewidmet.
Die Basisebene stellt Kamadhatu, die Welt der Menschen dar. Die Reliefs wurden vermutlich aus Gründen der Stabilitätssicherung schon beim Bau abgedeckt und sind nur an einer Stelle sichtbar. Die Reliefs zeigen gute und schlechte Taten und die daraus folgenden Konsequenzen. Die quadratischen Ebenen der Pyramide repräsentieren Rupadhatu, die Übergangswelt. Hier zeigen die Reliefs das Leben Buddhas und seiner früheren Existenzen. Fünf Kilometer Reliefs schmücken den Borobodur, weshalb unsere fröhliche Führerin ihn auch als größten Comic der Welt bezeichnet. Die runden Terrassen auf denen 72 kleinere Stupas eine große Haupt-Stupa einrahmen, sind Arupadhatu, der Welt der Götter gewidmet. In jeder der Stupas, glockenförmige durchbrochene Kuppeln, sitzt ein Buddha. Natürlich gibt es unzählige weitere Symbole und Verzierungen, in jedem Abschnitt sitzen Buddhas mit anderer Handhaltung und Löwen bewachen die verschiedenen Tore, die selbstverständlich eine Bedeutung haben. Wir haben Glück, die Regenwolken drohen nur und regnen nicht, und unsere Führung ist humorvoll und informativ. Anschließend laufen wir auf dem Gelände noch zu einem kleinen Aussichtspunkt. Hier war länger niemand zu Fuß unterwegs, die Treppe ist unter vielen Blättern versteckt. Borobodur ist eines der touristischen Highlights auf Java und natürlich voller Touristen. Trotzdem konnte man sich alles in Ruhe ansehen und einen schönen Eindruck gewinnen.
Lange durften Touristen nach Lust und Laune auf dem Tempel herumklettern, dann wurde das Betreten ganz und gar verboten. Seit einigen Monaten darf man nur mit einer Führung wieder auf den Tempel und trägt dabei elegante Spezialschuhe. Bambuslatschen – bestimmt ein großer Spaß, wenn es regnet, die Stufen sind ziemlich hoch.

Vom Borobodur ist es nicht weit zur Gereja Ayam, der Hühnerkirche. Das Gebäude sieht tatsächlich aus wie ein riesiges Huhn. Nicht besonders schön, aber sehr besonders. Das Haus wird als Treffpunkt und Gebetsraum für alle Religionen genutzt und soll eine Taube darstellen. Aus dem Schnabel kann man den Borobodur sehen.

Im Nordosten der Stadt liegt der Hindu-Tempel Prambanan, der etwa zur gleichen Zeit wie Borobodur erbaut wurde. Die Prambanan Tempelanlage gehört zu den größten Hindutempeln der Welt und ist Indonesiens größer Hindutempel. Obwohl, eigentlich müsste es heißen ein Puzzle für eine hinduistischen Tempelanlage, denn Vulkanausbrüche, Erdbeben und die Suche nach Steinen für den Hausbau haben auch hier ganze Arbeit geleistet, allerdings ist die riesige Anlage nicht so komplett wieder aufgebaut worden wie Borobodur. Der Komplex besteht aus acht Haupttempeln und 250 (!) Einzeltempeln, die die Haupttempel umgeben und von denen häufig nur Bruchstücke übrig sind. Die drei größten Schreine sind Vishnu, Shiva und Brahma geweiht. Die hohen, spitzen Tempel sind beeindruckend, der größte ist 47 m hoch. Uns gefällt besonders die Liebe zum Detail in den unzähligen Darstellungen, die die Schreine schmücken.

Auf dem gleichen Gelände stehen noch weitere, allerdings buddhistische, Tempel. Die wir uns auch noch ansehen. Candi Sewu besteht aus einem Haupttempel und über 200 streng geometrisch angeordneten Nebentempeln und ist interessant, auch wenn große Teile der Anlage nicht wieder aufgebaut wurden, weil so viele Teile fehlen.

Natürlich schlendern wir über die Malioboro, die große Einkaufsstraße, doch sie spricht uns nicht an. Viel billiger Ramsch wird verkauft. In den Querstraßen gibt es unzählige Artschools, in anderen Worten Verkaufsräume, in denen Batiken den Besitzer wechseln sollen. Auf der Hauptstraße drehen Männer die Runde, die Touristen ansprechen. Das funktioniert etwa so: Oh, ihr seid aus Deutschland? Aus München? Berlin? Mannheim? Mein Bruder arbeitet bei Siemens. Hier um die Ecke ist eine Ausstellung, da kannst du meine Kunst ansehen. Nur noch heute, morgen fliege ich nach Australien. Komm, ich bringe dich hin. Gucken kostet nichts… und so weiter. Beim ersten Mal ganz lustig. Dann doch ziemlich penetrant. Bald lachen wir nur noch und gehen weiter.

Das Sonobudoyo Museum hat zwar einige nette Exponate, doch wir stellen fest, wie wichtig die Einordnung und Beschreibung der Ausstellungsstücke ist, die weitgehend fehlt. Tolle Schnitzereien, Batiken, Masken, Dolche, Pfeile und Musikinstrumente sind zwar schön anzusehen, aber ohne weitere Informationen haben wir das Gefühl, dass uns Vieles entgeht. Sind sie alt? Oder besonders gefertigt? Ein Beispiel für eine Region, eine Fertigungsweise oder im Besitz einer berühmten Persönlichkeit?

Ganz anders beim Besuch des Ullen Sentalu Museums, nördlich von Jogja. Eine junge Frau führt uns sehr souverän durch die Geschichte der Königshäuser. Könige, fragt ihr euch? Ja. Die Region Yogyakarta hat einen Sonderstatus innerhalb des demokratischen Indonesiens. Yogyakarta hat einen Sultan und Surakrata (genannt Solo) hat einen Sunan. Das Sunanat Surakarta und das Sultanat Yogyakarta sind die Nachfolger des Sultanats Mataram. Das Sultanat Mataram war die letzte große unabhängige Monarchie auf Java vor der Kolonialisierung durch die Holländer. Dann kam es zur Aufspaltung in einen Yogyakarta- und einen Surakarta-Zweig, die sich wiederum jeweils in zwei Familien aufgespalten haben. Während der Sunan und seine Familie in Solo nur repräsentative Aufgaben übernehmen, hat der Sultan von Jogja das Amt des Gouverneurs inne. Dieses Amt wird in Jogja also nicht gewählt, sondern ererbt. Die zweite Familie stellt den Vize Gouverneur. Das Museum führt durch die Geschichte der Familien und vermittelt dabei natürlich auch viel Wissen zur Indonesischen Geschichte, die Verknüpfungen mit dem holländischen Königshaus und der modernen indonesischen Politik. Höchst spannend und viel zu komplex für diesen Beitrag. Wir bekommen die ausgestellten Batiken erklärt, ähnlich wie bei den schottischen Klans gibt es Familienmuster. Und für jeden Anlass gibt es ein anderes Muster. Ob Geburt, Hochzeit oder als Leichentuch, zu formellen Anlässen oder zum Familientreffen. Höher gestellte Familienmitglieder tragen größere Muster. Wir lernen, dass diese Muster früher der königlichen Familie vorbehalten waren und heute von jedem getragen werden dürfen. Bei der informativen Führung können wir viele Fragen stellen, auch zu Dingen die nichts mit der Ausstellung zu tun haben. Alle werden sehr nett beantwortet. Darüber hinaus ist das private Museum architektonisch sehr spannend. Ein Besuch, der sich gelohnt hat.

Wir wollen ein bisschen ins Grüne, etwas vom Umland sehen und kontaktieren einen Touranbieter, den wir zufällig kennengelernt haben. Er war es, der uns zum Ullen Sentalu Museum brachte und uns rat eine Tour am Merapi, dem Hausvulkan Jogjas, zu machen. So landen wir bei einer Jeepfahrt. Das war ja eigentlich genau das, was wir nicht wollten, die Tour macht uns aber Spaß. Unser Guide hält uns wohl für etwas durchgeknallt. Wir wollen keine Selfies, sondern fotografieren Grünzeug und wir haben gar keine Ambitionen mit dem Jeep durch Schlammlöcher zufahren. Wir freuen uns über Reisterrassen, Kleinbauern, Erdbeerfelder, Chillipflanzen und Jackfruitbäume. In einem, für unseren Geschmack, merkwürdigen Museum zeigt uns unser Guide Bilder von den letzten Ausbrüchen des Merapi. Der aktivste Vulkan Javas ist zuletzt im März ausgebrochen. Insgesamt hat sich der Ausflug gelohnt, auch die Autofahrt war interessant und unser netter Fahrer hat sich gerne mit uns unterhalten.

Die Regenzeit beginnt. Die Menschen berichten uns, dass es seit Monaten nicht geregnet hat und sie sehr froh sind, dass es in dieser Woche endlich begonnen hat zu regnen. Das können wir gut verstehen, trotzdem sind diese tropischen Schauer, bei denen sich der Himmel öffnet, suboptimal wenn man Sightseeing macht. Wir haben Glück, einmal beginnt es zu gießen und wir fliehen in ein Restaurant, einmal biegen wir in ein Einkaufszentrum ab und treffen auf der Rolltreppe Segler, die wir seit Monaten nicht gesehen haben. Verrückt – die Welt ist klein. Die kräftigsten Regengüsse gab es nachts und obwohl bei unseren Tempelbesuchen sehr dunkle Wolken den Himmel schmücken, brauchten wir unsere Regenschirme dort nicht.

In der Nachbarschaft unseres Gästehauses gibt es gleich mehrere gute Restaurants. Eins hat es uns besonders angetan und wir werden Stammkunden. Zur Attraktivität mancher Restaurants trägt auch die Tatsache bei, dass man dort Bier bekommt. Schon auf unserer Segeletappe durch Indonesien haben wir festgestellt, dass es in manchen Teilen Indonesiens schwieriger geworden ist, alkoholische Getränke zu kaufen. Das liegt weniger daran, dass die meisten Indonesier Moslems sind, sondern daran, dass kleine Supermärkte seit einigen Jahren kein Bier mehr verkaufen dürfen und man teure Lizenzen erwerben muss um alkoholische Getränke anbieten zu dürfen. Auf früheren Indonesienreisen gab es praktisch überall Bintang Bier. Und viele Indonesier, egal welcher Religion, trinken auch selbst Bier. Unser neues Lieblingsrestaurant punktet bei uns übrigens weniger mit dem Bier, als mit dem grandiosen Apfelkuchen.

Mittags futtern wir uns bei kleinen Restaurants oder Ständen durch. Neben den indonesischen Klassikern probieren wir auch die lokalen Spezialitäten. Gudek aus Jackfruit gefällt mir und ein merkwürdiger Trunk aus Wurzeln und Blättern, die mit heißem Wasser aufgegossen werden, schmeckt mir so gut, dass ich gleich noch ein Glas trinke. Das Zeug hilft sicher gegen alles. Und dann ist da natürlich noch das leckere Obst und die zugehörigen Säfte. Neben Klassikern wie Mango oder Soursop ist hier Avocado in Kombination mit Schokosoße (schmeckt mir sehr) beliebt. Außerdem trinken die Indonesier so gerne Kaffee und Tee wie wir, eine Tasse bekommt man immer und überall für ganz kleines Geld.

Gestern haben wir Jogja verlassen und sind nach Bali geflogen. Punkt zehn Uhr steht das Leben still, der ganze Flughafen hält kurz inne. Die indonesische Hymne wird gespielt, dann geht das Leben weiter. Das kannten wir noch nicht. Im Flieger gibt es in der Sitztasche Gebete für die verschiedenen großen Religionen. Sollte mich das beunruhigen? Nobbi behauptet ein Flieger, der in Finkenwerder zusammen geklöppelt wurde, sei ein Stückchen Heimatland und ein gutes Omen. Dann kann ja nichts schief gehen.

Wir waren schon mehrmals auf Bali und sind gespannt, welche der Gerüchte, dass sich die Insel der Götter verändert haben soll, sich bestätigen werden. Wir freuen uns!

Für das Chaos mit den Singapur-Einträgen entschuldige ich mich. Der Beitrag vom 3. November hatte sich irgendwie versteckt und war noch gar nicht online. Das habe ich leider erst gemerkt, nachdem ich den neuen Post über unseren zweiten Singapur-Besuch veröffentlicht hatte. Bilder von unserer Indonesienreise gibt es erst, wenn wir wieder an Bord sind. Wir sind mit leichtem Gepäck und ohne Laptops unterwegs.

Schon wieder Singapur

Nach nur drei Tagen auf Mari in Puteri Harbour geht’s wieder los. Zunächst fahren wir mit dem Bus nach Singapur. Nun kennen wir das Prozedere schon und sind noch schneller.

Auch bei diesem Singapur-Besuch stehen Familienmitglieder unter einem Meter Größe im Mittelpunkt, aber für ein wenig Sightseeing ist natürlich trotzdem Zeit.

Wir sehen uns das Asians Civilizations Museum an. Die Ausstellungen sind sehr interessant, aber ein Besuch reicht eigentlich nicht aus. Nicht nur die vielen Exponate, sondern auch die Vielfalt an Themen, bietet genug Beschäftigung für zwei Besuche. Wir werden wieder kommen.

Diesmal sehen wir uns die Ausstellung über die maritime Seidenstraße an. Kern der Austellung ist das sogenannte Tang Wrack, das vor Belitung gefunden wurde. Etwa im Jahr 830 war es von China auf dem Weg nach Iran. Geladen hatte es tausende von Schalen, designed im Geschmack der Kunden am persischen Golf. Und sogar Auftragsarbeiten typisch persischen Stils. Globalisierung vor 1200 Jahren. Natürlich lassen wir uns die Ausstellungen mit 4500 Jahre altem Porzellan, wunderschönen Batiken und beeindruckenden Schnitzereien nicht entgehen. Sie sind sehr schön präsentiert und toll erklärt.

Im fünften Stock eines Bürokomplexes finden wir hinter einer Brandschutztür das Büro des Seekartenvertriebs. Hier haben wir drei Papierseekarten bestellt. Zwischen riesigen Stapeln mit Büchern, Tagebüchern, Vordrucken und Seekarten für die Großschifffahrt entdecken wir einen Mitarbeiter. Mr. Norbert unterschreibt und unsere Karten werden liebevoll aufgerollt und in Papier eingeschlagen.

Wir wandern in den Baumwipfeln durch die Stadt, verlaufen uns im Einkaufszentrum, fliehen vorm Gewitter durch den Botanischen Garten, laufen am Singapore River entlang und streifen auf Futtersuche durch Chinatown. Und dann ist es schon wieder Zeit unsere Sachen zu packen.

Obwohl wir gerade in Indonesien waren, zieht es uns wieder dorthin. Eine Landreise nach Yogyakarta und Bali wartet auf uns.

Kuschelige Tage in Puteri

Zurück von unserem Abstecher nach Singapur werfen wir einen vorsichtigen Blick auf die ToDo Liste. Es gäbe genug zu tun, allerdings ist es warm, sehr warm. Nachmittags haben wir im Boot deutlich über 35 Grad. Draußen ist es noch wärmer. Wir machen also zunächst einen Abstecher in ein Shoppingcenter und kaufen uns zwei Ventilatoren. Das verbessert die Situation unter Deck enorm. Wir suchen Ersatzteilnummer aus Katalogen, kümmern uns um Bestellungen, die Nähmaschine kommt mal wieder zum Einsatz und einige Kleinigkeiten können wir auch schon erledigen.
Bevor wir unseren Singapur-Ausflug gemacht haben, hatten wir bereits die Segel abgeschlagen, den Wassermacher konserviert, einige Leinen gewaschen und die Logge gezogen.
Die Puteri Harbour Marina ist eigentlich ganz nett, hat aber den Ruf, dass hier absolut nichts los sei. Der Komplex zu dem die Marina gehört steht zum Teil leer. Es gibt einige Restaurants, aber in der Ladenzeile sind fast alle Räume nicht vermietet und noch im Rohbauzustand. Auch scheinen nicht alle Wohnungen in den Hochhäusern bewohnt zu sein. In der Umgebung sieht es ähnlich aus. Hohe Wohntürme, die meisten recht neu, ein paar Bauruinen, wenige Läden und nur vereinzelnd auch einige Menschen auf der Straße. Die Versorgungslage ist trotzdem nicht schlecht: zu Fuß kann man zwei Supermärkte und mehrere Restaurants erreichen. Die Marina ist in gutem Zustand, es gibt breite Stege und erfreulich schöne Duschen.
Uns gefallen die sauberen, schattigen Fußwege, die dafür sorgen, dass wir trotz der Hitze Bewegung bekommen. Und eine Überraschung gibt es auch noch. Am Ende des unscheinbaren Fußwegs entlang der Marina gibt es einen Springbrunnen, der nachts bunt erleuchtet unterschiedliche Choreografien zu Musik tanzt. Wirklich hübsch.
Wir freuen uns nette Segler (wieder-) zutreffen und verbringen lustige Abende in den umliegenden Restaurants, bei denen das Topthema die Reiseroute in der nächsten Saison ist. Rotes Meer oder das Kap der Guten Hoffnung? Uns zieht es noch einmal auf die Südhalbkugel und wir sind sehr gespannt wen wir dort wieder treffen werden.
Mir gefallen auch unsere tierischen Nachbarn sehr. In der Marina gibt es viele Warane, die unter, zwischen und auf den Stegen unterwegs sind. Das kuschelnde Pärchen haben wir gleich am ersten Tag entdeckt. Wer hätte gedacht, dass Warane so romantisch sind?

Die Geschichte mit der Ikea-Tüte hätte ich nicht erzählt, wenn sie nicht so ein glückliches Ende genommen hätte. Auf dem Rückweg zum Boot haben wir einen kleinen Stopp bei Ikea eingelegt und ein wenig Kleinkram wie Frühstücksbrettchen, Plastikdosen und Tüten gekauft. Dann sind wir in den Bus gestiegen, der uns über die Grenze nach Malaysia gebracht hat. Als wir am malaiischen Immigration-Schalter stehen, stelle ich fest, dass ich meine Ikea-Tüte im Bus habe stehen lassen. Die Einkäufe sind mit mir aus Singapur ausgereist und dann habe ich sie sozusagen im Nichts zwischen Singapur und Malaysia im Bus stehen lassen. Ich ärgere mich sehr über mich selbst. Als wir an der Bushaltestelle ankommen, ist der Bus schon weg. Weil ich nicht damit aufhören kann mich zu ärgern, schreibe ich eine Mail an die Busgesellschaft und rechne nicht damit jemals wieder von meinen Einkäufen zuhören. Zwei Tage später bekomme ich eine sehr nette Mail, meine Tasche sei gefunden worden, wann ich sie im Büro abholen wolle. Eine 30-minütige Taxifahrt (für 6 €) bringt uns zum Büro der Busgesellschaft in Johor Bahru, wo wir die Tasche entgegennehmen. Der Fahrer fährt nicht weg, bevor wir im Gebäude verschwunden sind, er kann sich einfach nicht vorstellen, was Touristen im Industriegebiet wollen, auch wenn wir mehrfach versichert haben, dass es sich um die richtige Adresse handelt. Der Fahrer auf dem Rückweg ist ebenfalls sehr nett und berichtet uns von seiner Arbeit als Gefängniswärter in Singapur. Unter den Insassen waren auch einige Piraten. Er beruhigt uns, auf unserer Route brauchen wir keine Angst vor Piraten zu haben.
Vielleicht stand der Aufwand die Tasche wiederzubekommen in keinem Verhältnis zum Warenwert, die vielen netten Begegnungen, waren den ungewöhnlichen Ausflug aber auf jeden Fall wert.

Kuschelwarane
Wohntürme, Restaurants und leerstehende Geschäfte
Kleine und große Luxusyachten
Tanzender Springbrunnen – bunt und mit Musik

Ein Ausflug nach Singapur

Singapur liegt von Puteri Harbour aus in Sichtweite. Die Anreise gestaltet sich unkompliziert, wenn man einmal weiß wie es geht. Wir rufen uns ein Grab (Grab ist hier das einfachste Verkehrsmittel, Taxi via App), das uns zum Busbahnhof bringt. Der Fahrer ist fröhlich und kommunikativ, er hält direkt hinter dem Bus, der uns über die Grenze bringt. Wir bezahlen im Bus umgerechnet einen Euro pro Person und schon geht’s los. Erster Stopp Immigration Malaysia. Wir reisen aus Malaysia aus, laufen mit dem Gepäck durch den Zoll und steigen wieder in den Bus. Der Bus fährt über die Brücke, die über die Johor Strait führt, die Singapur von Malaysia trennt und unter der wir mit Mari hindurch gefahren sind. Zweiter Stopp Immigration Singapur. Wir reisen nach Singapur ein, unser Gepäck wird vom Zoll durchleuchtet, wir steigen wieder in den Bus und schon sind wir wieder unterwegs. Der Bus hält an einer MRT-Station. Die MRT ist Singapurs U-Bahn. Wir kaufen uns wieder aufladbare Karten (ich freue mich sehr, dass auf meiner Snoopy abgebildet ist) und schon sitzen wir in der MRT und nach einigen Stationen auf dem Sofa meiner Schwester.
Für uns ist dieser Singapuraufenthalt mehr ein Familienbesuch als ein Sightseeing-Trip. Wir genießen die gemeinsame Zeit mit meiner Schwester und ihrer Familie sehr und freuen uns Freunde wieder zu treffen.
Das Wunderbare an Singapur ist, dass es so viel jenseits der touristischen Highlights zu entdecken gibt und, dass es so viele Orte gibt, an denen man sich immer wieder auf Entdeckungsreise begeben kann. Bei keinem Singapurbesuch darf der Spaziergang im Botanischen Garten fehlen, wir bummeln durch Chinatown und kaufen Souvenirs, wir spazieren durch Wohnstraßen mit wunderschönen alten Häusern und lassen uns durch glitzernde Malls treiben. Mit der ganzen Familie sehen wir uns die Stadt aus dem, in der Tat, riesigen Riesenrad von oben an und schlemmen uns durch die Stadt. Nobbi und ich nehmen uns diesmal Zeit für zwei Museen. Im National Museum lernen wir ganz viel über die Geschichte Singapurs und in der National Gallery erkunden wir die Gemäldesammlungen „SE-Asien“ und „Siapa nama kamu?“. „Wer bist du?“ fragt die Sammlung mit Werken die das Leben in Singapur beschreiben. Den fantastischen Ausblick vom Dach und den Rundgang durch den ehemaligen Supreme Court gibt’s als Zuschlag.
Wie immer vergeht die Zeit viel zu schnell und das Ende unseres Aufenthalts kommt nach über einer Woche doch wieder überraschend. Der Rückweg verläuft ebenso unproblematisch wie der Hinweg, bemerkenswert ist lediglich, dass die Busfahrt in die Gegenrichtung den dreifachen Preis kostet. Mit umgerechnet 3,50 Euro sprengt er trotzdem nicht das Budget.
Mari hat unsere Abwesenheit gut überstanden und wartet mit sehr kuscheligen Temperaturen unter Deck auf uns.

Mit Mari fahren wir unter der Brücke durch – mit dem Bus darüber.
Alte Häuser in Chinatown
Tempel und Hochhäuser
Unterwegs in Chinatown
In der National Gallery
Blick aufs Marina Bay Sands und das Konzerthaus, Blick von der National Gallery
Wunderschöne Häuser, etwa hundert Jahre alt.
Das riesen Riesenrad, der Singapore Flyer
Straßenszene in Chinatown
Blick auf Gardens by the Bay vom Singapore Flyer
Die Marina Bay von oben
Ein moderner Turm
Eine grüne Großstadt