Wir könnten immer so weiter machen. Ein bisschen am Boot tüddeln, ein Brot backen, spazieren gehen, baden, schnorcheln, mit den Krebsen spielen, die türkise Lagune betrachten und andere Segler treffen. Zwischendurch gibt es mal einen heftigen Guss oder kräftige Böen. Bei mehr Wind baut sich eine kleine Welle in der Lagune auf, die dafür sorgt, dass wir bei Dinghi-Fahrten klatschnass werden. Deshalb fahren wir dann in Badezeug an Land. Warm genug ist es. Morgen oder übermorgen werden wir weiterfahren. 2000 Meilen und zweieinhalb bis drei Wochen sind es nach Rodrigues, unserem Ziel. Wir hoffen auf eine unspektakuläre Überfahrt ohne Schäden.
Ein Spaziergang auf der Palmenallee.
Seglertreffen zum Sundowner.
Sonnenuntergang
Abends auf dem Weg zum Steg stolpern wir fast über diesen großen Palmendieb. Diese großen Krebse können durchaus siebzig Jahre alt werden!
Kokospalmen gab es hier schon bevor die Plantagen angelegt wurden.
Auf einem Boot gibt es immer etwas zu tun. Nobbi repariert den Kartentisch.
Auch im Paradies wird auf der Windseite Müll angespült.
Nobbi rettet ein Einhorn vom Riff.
Krebse werfen coole Schatten!
Der Strand ist so schön und der Sand so fein, dass sogar Strandmuffel Nobbi hier baden möchte.
Er, oder sie, zieht seit Stunden Kreise um unser Boot.
„Inga, was kochst du?“ Ich soll öfter schreiben, was wir kochen wenn wir weit weg von gut gefüllten Supermärkten unterwegs sind, nur vergesse ich das immer.
Quinoa Frühstück Quinoa waschen und in einer Mischung aus Wasser und Orangensaft kochen. Dazu gibt es Apfelstückchen, getrocknete Aprikosen, Rosinen, gehackte Mandeln und Honig. Sehr lecker!
Wrap mit Ei Ein (Rühr-) Ei (oder zwei, wenn die Versorgungslage das her gibt) in die Pfanne schlagen und einen Wrap aufs noch flüssige Ei legen so, dass die beiden eine innige Verbindung eingehen. Umdrehen und auch von der anderen Seite braten. Mit Tomaten, Gurken und Zwiebel belegen und großzügig würzen. Ketchup, Mayo oder Chilisoße helfen, wenn man keine Avocados hat (also meistens) oder zu faul ist eine Guacamole zu machen. Als wir keine Tomaten und Gurken mehr hatten, haben wir die Wraps mit gedünstetem Kohl belegt.
Möhren-Kartoffel-Puffer Aus unseren letzten Kartoffeln habe ich Möhren-Kartoffel-Puffer gemacht. Möhren und Kartoffeln reiben, mit Senf, Salz und Pfeffer würzen, ein paar Haferflocken unterrühren und mit etwas Mehl binden. Eine Viertelstunde ruhen lassen und in Öl kleine Puffer braten. Dazu gab es einen Tsatsiki- ähnlichen Dip aus Joghurt.
Da wir nicht nur den Quinoa, sondern auch die Wraps und die Kartoffeln aufgegessen haben, wird es in den nächsten drei Wochen, bis wir einen Supermarkt erreichen, etwas anderes zu essen geben.
An einigen Orten ist es Tradition, dass Segler sich verewigen. Hier auf Cocos ist es üblich ein Schild mit dem Namen des Bootes zu malen und es an einer Palme oder am Yacht Club aufzuhängen. Die Bezeichnung Yacht Club könnte falsche Assoziationen wecken, es handelt sich um einen überdachten Sitzplatz mit Beleuchtung und einem großen Wassertank, in dem Regenwasser gesammelt wird. Einige Basteleien sind sehr kreativ. Es gibt Schiffsmodelle und Fischerbojen bemalt als Globus, alte Flaggen und sogar ein Stück eines Segels. Es wurde lackiert, betakelt, geschnitzt, in Stein gehauen und sogar gestrickt. Die Kreationen bestehen aus allem, was sich an Bord findet oder am Strand gesammelt wird, folglich gibt es viele Werke aus FlipFlops. Das älteste Schild, das wir gefunden haben, ist aus 2009, die meisten sind ziemlich jung. Zwischendurch hat wohl ein Sturm aufgeräumt oder die alten Schilder wurden abgenommen. Es macht Spaß nach Schildern von Crews zu suchen, die wir kennen.
Natürlich werden auch wir aktiv und ich bemale ein Stück Holz mit dem Marisol Schriftzug. Mir macht es Spaß, auch wenn ich immer etwas Angst davor habe eventuell eine Farbdose umzukippen. Alle fünf Farben kommen zweimal zum Einsatz und so bin ich einige Tage immer wieder beschäftigt. Um unser Schild aufzuhängen leihen wir uns eine Leiter bei einer kleinen Baustelle. Nobbi hat neben einem Schraubbolzen auch eine Unterlegscheibe, einen Akkuschrauber, Bohrer, einige Leinen und Bändsel und noch weiteren Kleinkram eingepackt und so hängt unser Schild nun weit oben an einer Palme.
Die Lagune leuchtet in allem Blautönen von eisblau über türkis bis dunkelblau. Das Wasser ist so klar, dass man nicht nur Haie und Doktorfische sieht sondern auch jeden Seegrashalm und jede Seegurke. Der weiße Strand ist aus ganz feinem Sand, die Palmen rascheln im Wind. Wir werden nicht müde an Deck zu stehen und uns an den Wasserfarben zu freuen. Es ist unmöglich inmitten dieser Türkisität schlechte Laune zu haben. Cocos Keeling, die Keelinginseln oder Kokosinseln, sind eine kleine zu Australien gehörende Inselgruppe, die aus zwei Atollen besteht. Nord-Keeling ist heute Naturschutzgebiet und darf nicht betreten werden. Wir ankern im südlichen Atoll, auf dessen Ring 24 Inseln liegen. Der Ankerplatz an dem Yachten stoppen dürfen, liegt vor Direction Island. Diese Insel ist unbewohnt, nur auf Home Island und auf West Island leben Menschen.
Knapp 600 Menschen nennen diesen abgelegenen Ort Heimat. Auf Home Island wohnen die Cocos-Malaien. Die Gemeinde umfasst etwas mehr als 400 Menschen moslemischen Glaubens. Die meisten nicht moslemischen Bewohner leben auf West Island. Die australisch-moslemische Gemeinde verdankt Cocos seiner ungewöhnlichen Geschichte. Die Atolle wurden vermutlich 1609 von William Keeling, der Kapitän bei der Britischen Ostindien-Kompagnie war, entdeckt. James Horsburgh kartographierte die Inseln, nach ihm ist heute eine der Inseln benannt. Auf den Inseln strandeten einige Schiffe, deren Besatzungen sich daraufhin für einige Zeit hier aufhielten. Nun wird die Geschichte gelinde gesagt skurril. 1826 wurde Alexander Hare von den Niederländern hier hergeschickt. Er war vorher Commissioner in Borneo gewesen. Er brachte seine malaiischen Leibeigenen und seinen 40-köpfigen Harem mit. Er, also vermutlich eher seine Arbeiter, legte Kokosplantagen auf drei der Inseln an. Nach Konflikten mit seinem Verwalter John Clunies-Ross verließ er die Insel. Dieser übernahm die autoritäre Herrschaft, führt eigene Gesetze und eine eigene Währung ein. Zwischenzeitlich müssen furchtbare Zustände geherrscht haben. Er und nachfolgend seine Söhne herrschten bis die australische Regierung 1968 auf die feudalen Zustände aufmerksam wurde und die UN schließlich einen Bericht forderte. Um den unhaltbaren Zustand zu beenden kaufte Australien der Familie Clunies-Ross die Inseln ab. Seitdem wird auf Kokos Keeling demokratisch gewählt, es gilt der australische Dollar und Australien kümmert sich um die Infrastruktur, wie Krankenversorgung und Schule.
1900 wurde ein Unterseekabel von West-Australien nach Cocos verlegt und weiter nach Rodrigues (bei Mauritius) und später nach Singapore. So wurden Australien und Europa verbunden. Bald kam ein Turm für die Funkverbindung mit Schiffen hinzu. Seit 1901 gab es auf Direction Island eine Station der britischen Telegrafie Firma. Auf Direction Island gab es Wohnhäuser, Büros und Freizeiteinrichtungen. Auf Grund der Strategischen Bedeutung spielte Cocos in beiden Weltkriegen eine kleine Rolle. 1914 tauchte das deutsche Kriegschiff Emden hier auf, mit dem Auftrag das Unterseekabel und die Funkverbindung zu zerstören. Das gelang teilweise, bevor die Emden wiederum von der Sydney so schwer beschädigt wurde, dass sie aufgegeben werden musste. Die Geschichte, wie die Besatzung der Emden mit einem schwer beschädigten Schoner nach Sumatra segelte und es von dort via Jemen zurück nach Deutschland schaffte, ist mehr als wild. Auch im zweiten Weltkrieg wurde Cocos nicht verschont. 1944 fielen zwei japanische Bomben auf das Atoll und einige Menschen wurden getötet. 1945 waren hier für einige Wochen mehr als 8000 Soldaten stationiert.
Die Geschichte dieses kleinen Atolls kann man auf einem kleinen Wanderweg über Direction Island erkunden. Der Weg ist nur gute drei Kilometer lang, da alle paar hundert Meter ein Schild steht, das gelesen werden möchte, waren wir über zwei Stunden unterwegs.
Die Tage vergehen schnell. Rumgetüddel im Boots-Haushalt, baden, ein Inselspaziergang, Schnorcheln, Treffen mit anderen Seglern zum Sundowner an Land. Waren wir bei Ankunft das einzige Boot, herrscht nun ein stetes Kommen und Gehen. Wir freuen uns nette Segler kennenzulernen, viele werden wir wieder treffen, haben wir doch alle das gleiche Ziel.
Zwei sehr nette Australier laden uns zu einem Ausflug ein. Nur einmal in der Woche gibt es die Möglichkeit mit der Fähre nach Home Island zu fahren, dann kann man jedoch nicht weiter nach West Island fahren, weil man sonst die Fähre, die einen zurück nach Direction Island bringt verpasst. Mit dem großen Dinghi fahren wir nach Home Island und nehmen von dort die Fähre nach West Island. So haben wir die Möglichkeit beide bewohnte Inseln zu sehen.
Auf Home Island bekommen wir Australische Dollar am Geldautomaten und kaufen in dem kleinen Supermarkt ein. Natürlich sind die Inselpreise sehr hoch, aber wir freuen uns über frische Eier! Im Shire Office bezahlen wir die Ankergebühr für den Liegeplatz. Dann sehen wir uns etwas im kleinen Ort um und trinken Kaffee. Eine moderne Fähre bringt uns auf die andere Seite der Lagune nach West Island, ein Bus fährt in den Ort. Wie nicht anders zu erwarten ist es hier sehr ruhig. Wir sehen uns bei der Tourismus Information um und besuchen die Polizei. Hier bekommen wir unsere Clearance, so dass wir nächste Woche weiter segeln können. Zwar gibt es auf West Island einige Gästehäuser, ein Café, eine Bar, eine Galerie und zwei Restaurants, jedoch sind die Öffnungszeiten sehr übersichtlich. Die Galerie hat schon wieder geschlossen, ist zu Fuß nicht erreichbar und der Fahrradverleih hat nicht geöffnet. Mittagessen im Restaurant gibt es zwischen 11:30 und 13:00. Das Café, das andere Restaurant und die Bar sind zu. Nach dem Essen laufen wir die 4 km zurück Richtung Fähre und machen ab und zu eine Pause am Wasser. Hier sehen wir einige Palmendiebe, die riesigen Krebse, die Kokosnüsse knacken. Die großen Exemplare laufen über den Weg, wollen dann aber nicht aus ihren Löchern kommen, die kleineren zeigen sich bereitwillig. Auf Direction Island haben wir diese besonderen Krebse bisher nicht gesehen, bekannt sind sie vor allem von Christmas Island.
Mit der Fähre geht’s wieder nach Home Island und mit dem Dinghy zurück zum Ankerplatz. In unserem kleinen Schlauchboot mit 3PS Motor wäre das eine sehr lange, mühsame und nasse Fahrt geworden. Wir danken Pete und Angus sehr für die Gelegenheit beide Inseln zu sehen und für die nette Gesellschaft.
Die Lagune leuchtet in allen Blautönen. Unser Anker fällt ins glasklare Wasser, einige kleine Schwarzspitzen Haie begrüßen uns. Wir sind auf Cocos Keeling angekommen!
Eine Woche zuvor: Auf dem Indischen Ozean weht es kräftig und so schieben wir die Abfahrt nach Cocos Keeling noch etwas auf. Wir liegen in einer tiefen Bucht der Insel Sebuku in der Sunda-Straße und warten, dass der Wind auf dem Ozean weniger wird. Manchmal liegen wir ganz alleine in der Bucht, manchmal ist sie stark frequentiert. Nachts sind viele Fischer in der Bucht aktiv. Sie fischen für einige Stunden an einem Ort, holen dann den Anker auf und fahren an eine neue Position. Fast alle Boote fischen mit weißem, gelbem oder grünem Licht. Die Bucht und auch wir sind meistens gut ausgeleuchtet. Den Strom für die Scheinwerfer liefern Generatoren, leise ist es nicht. Donald fährt im Gegensatz zu den Fischern gänzlich unbeleuchtet, dafür aber sehr flott durch die Bucht. Wir nennen das etwa 15m lange Schiff Donald, weil Donald Duck seinem Aufbau ziert. Auf Donalds Vorschiff brennt ein offenes Feuer, auf dem Garnelen gekocht werden. Donald prescht abends durch die Bucht und legt bei den Fischern an. Wir beobachten, wie verhandelt wird. Wird man sich einig, wandern Kisten mit Garnelen (und Tintenfisch?) zur Donald und Geldscheine zum Fischer. Zusätzlich zu unseren zwei Ankerlampen hängen wir eine helle Lampe ins Cockpit, nicht dass Donald uns übersieht. Tagsüber kommen Fischerboote in die Bucht um eine Pause zu machen, die Crews schlafen dann. Eins ankert dicht vor uns. Oft schwoit es nur wenige Meter vor uns durch. Das Schiff ist fast doppelt so lang wie wir und wir haben Angst dass er unser Rigg mit seinen furchterregenden Auslegern aufspießt. Umziehen können wir nicht, er liegt über unserem Anker. Stundenlang behalten wir ihn im Auge. Das ist etwas mühsam, da einer von uns nun immer an Deck sitzt.
Nachts ist die Bucht gut beleuchtet.
Uns ist es zu kuschelig. Der Fischer liegt auf unserem Anker und kommt bis auf wenige Meter an uns heran.
An Land trauen wir uns nicht. Wir sind ja bereits vor einer Woche aus Indonesien ausgereist und wollen unser Glück nicht auf die Probe stellen. Trotzdem gibt es eine rege Kommunikation mit den Dorfbewohnern. Jeder, der mit dem Boot vorbeikommt winkt und wir werden gefragt wo wir herkommen. Manchmal wird es uns etwas zu kommunikativ. Ein Boot fährt im Dunkeln mit weniger als einem Meter Abstand an uns vorbei. Sie waren nur neugierig und wollten gucken, wie wir unseren Abend verbringen.
Nobbi winkt einen Mann im Kanu heran und fragt nach Obst. Bananen? Andere Früchte? Und gibt ihm etwas Geld. Zwei Stunden später ist er wieder da und hat eine Staude grüner Bananen und eine Tüte reife Bananen dabei. Wir freuen uns, schenken ihm eine Dose Dänisches Buttergebäck und verabschieden uns. Auf dem Rückweg zum Dorf macht er bei verschiedenen Fischerbooten eine Pause und erzählt die Geschichte von den Seglern und den Bananen. Scheint sehr lustig zu sein. Am nächsten Tag kommt er wieder vorbei. Ein Karton mit mehreren „Händen“ Babybananen, eine große Staude grüner Bananen und eine Staude eckiger Bananen wandern zu uns an Deck. Wir lachen. Das sind zu viele Bananen für uns. Er glaubt, dass wir nun mit seinen Bananen nach Afrika fahren. Das ist im Prinzip ja nicht falsch. Die Kommunikation reicht nicht aus, um die Bananen auf nette Art abzulehnen. Also schenken wir ihm unser restliches indonesisches Geld (das sind nur wenige Euro). Er freut sich, wir freuen uns, alle sind glücklich und wir haben nun sehr viele Bananen an Bord. Es gibt ein Bananenbrot und das grüne Curry mit Aubergine und Banane ist ein voller Erfolg.
Er angelt eigentlich, wird aber gerne als Bananen-Taxi aktiv.
Hatten wir ein Keine-Bananen-Problem, haben wir nun ein Bananenproblem.
Am Montag geht es endlich los. Morgens regnet es und so verschieben wir unsere Abfahrt. Es nieselt immer noch, als wir den Anker hochholen. Wir wollen dem Krakatau einen Besuch abstatten. Der berühmte Vulkan der 1883 so spektakulär ausgebrochen ist, beziehungsweise seine Reste und sein Nachkomme Anak Krakatau (Krakataus Kind), liegen in der Sunda Straße 20 Meilen von unserem Startpunkt entfernt. Dank es Regens sehen wir zunächst nichts. Mühsam schälen sich die drei Inseln, die einmal Teil des großen Vulkans waren aus den Wolken. Irgendwann erkennen wir im Grau auch den neuen Kegel, den Anak Krakatau. Wir runden die Insel Sertung und nähern uns dem Vulkan von Süden. Rauch steigt aus seinem Schlot auf. Natürlich hätten wir uns gewünscht den Krakatau bei besserem Wetter zu sehen und eventuell dort zu ankern. Trotz der schlechten Sicht ist es bewegend den berühmten Vulkan auf eigenem Kiel zu besuchen. Die Fotos werden im trüben Grau sehr bescheiden. Wir beschließen noch näher heranzufahren, als es wieder zu regnen beginnt drehen wir jedoch ab. Kurs Cocos Keeling!
Am Morgen der Abfahrt ist es regnerisch.
Die Krakatau-Inseln schälen sich aus den tiefen Wolken
In der Mitte liegt Anak Krakatau. Der neue Vulkankegel ist schon 800m hoch.
Es raucht aus dem Schlot des Anak Krakatau.
In den folgenden vier Tagen sind wir schnell, aber unbequem unterwegs. Mit halbem Wind, manchmal gar am Wind unterwegs. Abgesehen von einer Flaute, in der wir wild hin und her geworfen werden, sind die ersten beiden Tage sehr böig, die Windanzeige pendelt zwischen 15 und 28 Knoten. Am letzten Tag steht sie meistens zwischen 20 und 32kn, nur selten holt der Wind etwas Atem. Die Schauer der beiden ersten Tage machen das Leben an Bord unbequem. Die Wellen nehmen von zwei auf drei Meter zu und laufen oft konfus durcheinander. Mehrere Schwellsysteme scheinen sich zu überlagern. Wir segeln die ganze Strecke im zweiten Reff. Wir sind schnell, wozu ausreffen? Später rechnen wir aus, dass wir im Schnitt mit 6,5 kn unterwegs waren, die letzten 24 Stunden gar mit 7 kn. Das ist für uns sehr flott, zumal wir die Fock verkleinern, wenn Mari beginnt abzuheben und in die Wellentäler zu knallen.
Es gibt einige kleine Schäden an Bord. Wirklich schmerzhaft ist der Bruch der Schlingerleiste am Navitisch. Eine Kleinigkeit, aber es sieht nicht schön aus und man ist ständig versucht sich dort festzuhalten. Wir werden es jetzt provisorisch reparieren und später dann ersetzen. Das ist das Gute bei Holz, man kann es gut reparieren. Es ist etwas Wasser ins Schiff gekommen. Wir kennen viele andere Boote, wo es häufiger tropft. Bei uns nicht, wir verteidigen den Innenraum eisern. Lediglich die Püttinge der vorderen Wanten sind ein endloses Thema, egal wie oft wir die Dichtungsmasse erneuern. Nun leckt es durch den Schwanenhals, der die Kabel am Mast ins Bootsinnere führt, und es tropft auf meine Koje im Vorschiff. Ich schraube die Verkleidung unter der Maststütze ab und stopfe Lappen von innen in den Schwanenhals. Das hilft. Wir werden den Schwanenhals also doch wieder mit Silikon füllen. Das Tropfen im Vorschiff hört auf, als ich den Griff des Vorluks nicht nur schließe, sondern auch verriegle. Irgendetwas stimmt nicht mit dem Griff, aber vorerst ist das Luk dicht. Die Handtücher, die die Matratze schützen blieben trocken. Starlink (Satelliten Kommunikation von Elon Musk) stellt seinen Dienst ein. In den ersten Tagen rufen wir problemlos den Wetterbericht übers Internet ab, dann will das System sich einfach nicht mehr verbinden. Am Ankerplatz funktioniert es wieder. Unser brüchiges Vertrauen ist nun noch weiter eingeschränkt. Wir bereiten uns für die nächsten Abschnitte vor, als hätten wir kein Starlink und freuen uns, wenn es funktioniert. Gut, das wir noch die gute alte SSB-Kurzwelle an Bord haben und ein InReach Mini.
Zwischendurch ist es schön. Der klare Sternenhimmel, der sich gelegentlich zeigt, Delfinbegleitung, Mari, wie sie völlig unbeirrt ihren Kurs steuert. Der überwältigende Eindruck wie klein wir sind und wie groß dieser Ozean ist. Das unendliche Blau, die Wassermassen, die unter uns durch rauschen und immer neue Wellen formen. Aber es ist auch hart. Durchhalten. Hörbuch hören und abwarten. Dadurch, dass Wind und Wellen von der Seite kommen ist es ungemütlich und laut. Immer wieder fliegt Wasser ins Cockpit. Sitzen kann man oft nur im Niedergang, selbst unter der Sprayhood werden wir mit Salzwasser geduscht. Der beste Platz an Bord ist definitiv die Koje an Steuerbord. Mir ist am dritten Tag noch immer flau. Nachdem es am ersten Abend Nudeln mit Tomatensoße gibt, reicht es an den drei folgenden Abenden nur für Reis mit Mango-Chutney. Ein Klassiker an Bord bei viel Wetter oder schwachem Magen. Morgens gibt es Müsli, ansonsten Brot, Kräcker, Müsliriegel und natürlich Bananen. Kulinarisches Highlight ist eine Pomelo, die wir noch in Malaysia gekauft haben. Wir sind nicht allein. In den ersten Tagen vergeht keine Wache ohne Schiffsbegegnungen. Die Großen sind auf dem Weg nach Brasilien oder China. Und tatsächlich gibt es noch immer Fischer. Zum Glück sind es nur noch wenige und wir müssen unseren Kurs nur etwas anpassen.
Nach ziemlich genau vier Tagen, am Freitagmittag, sehen wir Cocos Keeling. Nur eine Stunde später sind wir im Pass. Der Schwell lässt nach, wir bergen die Segel und fahren in die traumhafte Lagune. Die Einfahrt ist gut betonnt und die Fahrt zum Ankerplatz einfach. Wir sind die einzige Yacht und haben die freie Wahl des Ankerplatzes vor Direction Island auf 4 Meter Wassertiefe über weißem Korallensand. Es weht mit satten fünf Windstärken. Jetzt, wo wir nicht mehr von den hohen Wellen durchgeschüttelt werden, stört uns das gar nicht. Im Gegenteil, der Wind weht durchs Schiff und trocknet unsere nassen Sachen. Wir wissen schon jetzt: Cocos Keeling ist ein Traum.
Indonesien ist ein riesiges Land. 17000 Inseln und 280 Millionen Menschen. Tausende von Sprachen, verschiedene Religionen und viele lokale Bräuche. Einsame Inseln, weiße Strände, Riffe, hohe Berge Vulkane, Regenwald und Megastädte. Wir waren innerhalb des letzten Jahres zweimal mit dem Boot und zweimal mit dem Flugzeug in Indonesien. Wir haben kleine Inseln und große Städte besucht, das hinduistische Bali mit seinen vielen Touristen gesehen und ganz viele Eindrücke in kleinen Dörfern gesammelt und doch nur einen kleinen Teil Indonesiens erkundet. Seglerisch hat Indonesien viel zu bieten, lehrt einen aber auch das Fürchten. In vielen Gegenden ist das Wasser recht tief und es ist nicht immer einfach einen Ankerplatz zu finden und manches Mal wurden wir von der speziellen Thermik überrascht. Wirklich schlimm sind aber die Fischer, mit ihren Netzen, ihren Fähnchen und den FADs, den verankerten Flößen, unter denen sich die Fische sammeln sollen, ihren abenteuerlichen oder fehlenden Lichtern. Als Zugabe gibt es den vielen Verkehr, die langsamen Schlepper mit ihren Anhängen, die kleinen Frachter, die Tanker und die Fähren.
Begeistert hat uns immer wieder die Neugier und Offenheit der Menschen, die Hilfsbereitschaft, Freundlichkeit und die Bereitschaft jederzeit mit einem oder über einen zu Lachen. Überall haben wir bisher nette Menschen kennengelernt, doch nirgends sind wir so regelmäßig und einfach mit Einheimischen in Kontakt gekommen wie in Indonesien. Wir haben mit Menschen aus ganz verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen, Einkommensverhältnissen, Berufen und Bildungshintergrund gesprochen, mit Verkäufern und Offiziellen, mit Frauen, Männern und Kindern. Gemeinsam hatten sie das Interesse an Neuem und Fremdem, die Aufgeschlossenheit, die Herzlichkeit und das Lachen. Es hat sich unbedingt gelohnt etwas Bahasa Indonesia zu lernen. Unser Wortschatz reicht nicht für komplexe Unterhaltungen, aber für einfache Gespräche und ist ein Türöffner.
Entsetzt sind wir von den Mengen des Plastiks im Meer und dem Umgang mit Müll. Während wir dies schreiben werfen die Fischer auf dem Boot neben uns ihre Wasserflaschen und Chips-Tüten ins Wasser. Natürlich gibt es auch in Teilen Indonesiens eine Abfallentsorgung, Recyclingversuche und Kampagnen zum Umweltschutz, viele Regionen sind von diesen Maßnahmen aber sehr weit weg. An vielen Orten wird der Müll im besten Fall verbrannt und fliegt oft direkt ins Meer. Zu fehlenden Entsorgungsmöglichkeiten kommen der großzügige Umgang mit Verpackungsmaterial und Plastiktüten, die winzigen Einheiten, in die Chips oder Erdnüsse verpackt sind, und die vielen Getränkeflaschen. Natürlich sammeln wir unseren Plastikmüll und werfen ihn nicht über Bord. Wenn man mal wieder in einem Teppich aus Plastikflaschen, Styroporboxen und Chipstüten schwimmt, erscheint es sinnlos. Und, ich erwische mich bei dem Gedanken, dass wir unseren Planeten nicht vor uns Menschen werden retten können.
Betroffen macht uns auch die Radikalisierung des Islams. Entgegen unseren Erfahrungen auf früheren Reisen ist uns aufgefallen, dass Religion eine größere Rolle zu spielen scheint. Natürlich ist das sehr unterschiedlich in verschiedenen Regionen und auf verschiedenen Inseln. Als Durchreisende sammeln wir nur Eindrücke, sprechen mit einzelnen Menschen und beobachten. So erhalten wir natürlich lediglich ein löchriges Bild. Zunächst ist uns aufgefallen, dass man in vielen Gegenden nur noch schwierig Bier kaufen kann oder es zum Teil verkauft wird, aber nicht mehr auf der Karte steht (auf der alten Version der Karte schon, aber auf der neuen nicht mehr). Viele Frauen (subjektiv mehr als früher) tragen ein Kopftuch und auch schon sehr kleine Mädchen (mit ein oder zwei Jahren) müssen es tragen, zusätzlich gehört es für viele Mädchen zur Schuluniform. Auf Inseln oder in Gegenden, wo die Frauen stärker verschleiert sind, sind sie gleichzeitig weniger sichtbar im Straßenbild. Insbesondere in abgelegenen Gegenden werden sehr viele neue Moscheen gebaut. Wir lernen jemanden kennen der uns berichtet, dass er, nachdem er gefragt habe, ob man den scheppernden Lautsprecher des Muezzins ersetzen könnte, Besuch bekam, der ihm deutlich machte, dass sein Haus sehr gut brennen würde. Ein Hotelier, berichtet, dass sich viele Anwohner daran stören, wenn der Muezzin um 4:20 sehr laut ruft, aber dass sie sich nicht mehr trauen etwas zu sagen. Sie sind selbst alle Moslems und es geht um ihre eigene Gemeinde. Uns macht es traurig, wenn der strenger ausgelegte Islam die Offenheit und Aufgeschlossenheit der Indonesier und besonders der Indonesierinnen einschränkt.
Eine absolut nicht repräsentative Liste einiger unwichtiger Highlights:
der schönste Ankerplatz liegt im Westen Rincas
die beste Pizza haben wir in Labuan Bajo gegessen
die interessanteste Stadt war für uns Yogya
schönster Muezzin-Ruf nahe der Insel Titapan Besar, wie aus tausend und einer Nacht
das beste Essen gab es in dem traumhaft schönen Restaurant in Ubud Schon bei der schönsten Insel können wir uns nicht einigen, hier konkurriert das große Bali mit den kleinen unbekannteren Inseln. Auch beim schönsten Tempel sind wir uneinig und uns fallen so viele schöne Märkte ein, dass wir das kören der Highlights gleich wieder einstellen.
Wir sind ziemlich sicher, dass wir nicht das letzte Mal in Indonesien waren. Wir möchten gerne Sumatra bereisen und in Raja Ampat tauchen. Und dann gibt es auch noch Borneo und 17000 weitere Inseln. Indonesien kann einen verrückt machen. Die Bürokratie, die Fischer. Aber es hat einen vorderen Platz in unserer Hitliste sicher. Vor allem wegen seiner Bewohner.
Am Tag nach dem Auschecken (Freitag, 30. August), gönnen wir uns noch einen kleinen Ausflug auf eine der Sand-Inselchen, bevor wir das Schlauchboot an Deck nehmen, von Sand befreien, trocknen und einpacken. Dann fahren wir um die Nordwest-Ecke der Insel und ankern ein paar Meilen weiter südlich. Nun sind wir schon mal unterwegs. Wir liegen wir zwar recht geschützt, aber quasi direkt an der Hauptstraße. An der Hauptstraße der Fischer. Ein Tintenfischboot nach dem anderen passiert uns. Am späten Nachmittag fahren sie raus, bei Sonnenaufgang kommen sie zurück. Am nächsten Morgen geht es weiter. Wir fahren an Belitungs Westküste entlang nach Süden. Das Wetter ist schön, wir können teilweise segeln, bis der Wind mal wieder von vorne kommt. Wir sehen einige Frachter, die Küstenwache überholt uns und natürlich sind viele Fischer unterwegs. Eine Fähre kommt uns entgegen. Es riecht sehr aromatisch nach Gewürzen. Unsere Begeisterung über das leckere Essen verfliegt schlagartig, als wir durch den Teppich aus Styroporverpackungen fahren, die hinter der Fähre schwimmen. Anscheinend gab es auf der Fähre gerade Mittagessen und anschließend werden die Verpackungen einfach neben das Schiff gestellt. Leider haben wir jetzt schon öfter beobachtet, dass auf den Fähren der Müll kurz vorm Zielhafen über die Kante geworfen wird.
Wir ankern hinter der dicht mit Mangroven bewachsenen Insel Pulau Sikkindang. Bei Windstille hören wir leise die Geräusche der Industrieanlagen auf Belitung. An einer langen Pier wird dort irgendein Schüttgut verladen. An diesem ruhigen Ort legen wir einen Tag Pause ein. Zeit zum Wäsche waschen, für die Routenplanung, etwas Bürokratie (wir müssen uns nun fast überall vorher anmelden), aber auch für ausgiebige Lesestunden und einen Film im Cockpit unter einem sehr schönen Sternenhimmel. Als nächstes wollen wir an der Nordküste von Seliu, einer kleinen Insel südlich von Belitung ankern. Wir verlassen unseren Ankerplatz, der Wassermacher läuft und wir setzen die Segel. Minuten später kommt der Wind, mal wieder, genau von vorn. Wie der Strom. Es werden mühsame Meilen. Immerhin scheint die Sonne und zwischen den Schatten der vorbeiziehenden Wolken können wir die Riffe gut sehen. Zum Glück, erkennen wir doch auch ein Riff, dass wir auf dem Satellitenbild nicht ausmachen können. Beim Segelbergen bekomme ich den Block der Großschot an den Kopf, zum Glück ist es nicht weiter schlimm. Meistens ist es bei uns Nobbi, der sich blutige Kratzer holt. Heute bin ich es, die eine dekorative Schramme auf der Stirn hat. Die Kopfschmerzen, die mir dieser kleine Zwischenfall dann doch beschert hat, sind am nächsten Morgen aber wieder verschwunden. Am Ankerplatz hält ein Fischerboot mit vier Männern auf uns zu, sie zeigen uns, dass ihr Dorf auf der andern Seite der Insel liegt. Ob wir nicht dort ankern wollen?
Bis zu dem Ankerplatz in der Sunda-Straße sind es 210 Meilen. Die Sunda-Straße trennt die beiden großen Inseln Java und Sumatra und ist unser Tor zum Indischen Ozean. Wir hoffen, dass wir mindestens 100 Meilen segeln können, das wäre nicht nur schöner, sondern auch gut für unseren Dieselvorrat. Die nächste Tankstelle auf unserem Weg ist auf Rodrigues oder Mauritius. Im zweiten Teil der Strecke sollte der Strom uns schieben. Irgendwann unterwegs wird der Wind einschlafen, da sind sich die Vorhersagen einig. Die Fahrt war sehr anstrengend, wir sind schöner und länger gesegelt als erhofft und uns wurde noch einmal (fast) alles geboten, mit dem Indonesien den Seglern das Fürchten lehrt. Über 150 Meilen konnten wir segeln, alles hoch am Wind. Mari hat mal wieder gezeigt, dass sie segeln möchte. Wir hatten keinen Regen und schöne Sonnenauf- und -untergänge. In der ersten Nacht sind wir über drei Fischernetze gesegelt, wir haben blinkende Bojen und unbeleuchtete Fähnchen angetroffen, ein paar hin und her flitzende schwach bis gar nicht beleuchtete Fischer und einige der ankernden Fischer mit ihren hellen Lampen, die man sehr gut umfahren kann. Am zweiten Morgen erreichten wir die ersten Ölförderplattformen. In der Seekarte stand, es gäbe unbeleuchtete und nicht verzeichnete Strukturen, für uns war dieser Abschnitt aber eher unspektakulär. Nur zwei Türmchen waren nicht in der Karte, aber eine Bohrinsel fährt man garantiert nicht ausversehen über. Die ganze Zeit war viel Schiffsverkehr. Das ist wenig überraschend, Indonesien ist ein riesiges Inselreich, alle Inseln wollen versorgt werden. Außerdem führen die Hauptschifffahrtsrouten wie Australien – China oder Australien – Singapur durch den Archipel. Die großen Frachter sind unproblematisch, sie sind natürlich korrekt beleuchtet, verfolgen einen kontinuierlichen Kurs, sind nachts über viele Meilen sichtbar und erscheinen auf dem AIS. Und dann gibt es die anderen. (Gar nicht mal so) kleine Tanker, lustige Frachter und die vielen Schleppverbände. In der ersten Nacht wecke ich Nobbi, weil ein Frachter, der gerade vor mir gequert hat den Kurs plötzlich um 90 Grad ändert und auf mich zu fährt. Ein vietnamesischer Tanker hat anscheinend ein Problem mit seiner Steuerung und schlingert wild hin und her. Kursänderungen um 60 Grad und mehr. Für uns ist das unangenehm, weil er direkt hinter uns fährt. Da er recht langsam ist, dauert das Überholmanöver eine Ewigkeit und immer mal wieder befürchte ich, dass er mich überfahren will. Ein Tanker hält auf Nobbi zu und zwingt ihn auf der falschen Seite des Fahrwassers zum Ausweichen nach Backbord. Das Gleiche macht er mit dem Schleppverband, der seit acht Stunden kurz hinter uns herfährt. Hier beschwert sich der Steuermann allerdings lautstark über Funk. Über Funk äußert auch der Wachgänger des Schiffs aus Madeira seinen Unmut und teilt den Schleppern vor ihm mit, dass sie zusehen sollen, dass sie wegkommen, er würde ihnen nicht ausweichen. Von einem 11m Segelboot wäre so eine Drohung wohl nicht so einschüchternd wie von einem 300m langen Containerschiff. Dass mir im Verkehrstrennungsgebiet ein Schlepper mit unbeleuchtetem Anhang auf der falschen Seite entgegenkommt, wundert mich gar nicht mehr. Viel unproblematischer als erwartet ist die Querung der Fährstrecke Sumatra – Java. Auch nachts um zwei ist hier ein dichter Fährverkehr, vor dem in der Seekarte gewarnt wird. Wir sehen elf Fähren (alle ca. 190m lang) zwischen den Inseln und noch mal doppelt so viele an der Pier und am Ankerplatz. Alle Fähren haben AIS, so können wir die Abstände gut bestimmen. Eine Fähre kommt von Java und will vor Sumatra ankern, sie zeigt uns früh an, dass sie hinter uns passieren möchte und wir können einfach weiterfahren. Eine Fähre hat gerade von Bakauheni auf Sumatra abgelegt und ist schon mit 12 Knoten unterwegs. Wir drehen kurz auf sie zu um anzuzeigen, dass wir hinter ihr durchfahren wollen und schon ist sie vorbei. Hier, hinter der nur 14 Seemeilen engen Stelle zwischen Java und Sumatra, wird es ungemütlich. Es ist stockdunkel und wir sehen die Wellen nur im Lichtschein der grünen Steuerbordlaterne, aber wir fühlen sie. Der Wind steht in die Meerenge und der Strom schiebt uns mit aller Macht aus der Javasee in den Indischen Ozean (oder zumindest die Sunda-Straße). Mari hüpft und fällt in die Wellentäler. Wir sind schnell, viel zu schnell, noch drei Stunden bis es hell wird. Obwohl das Groß im zweiten Reff steht, rennt Mari. Wir bergen das Groß und geben nur so viel Gas, dass wir gut steuern können und sind immer noch mit fünf Knoten unterwegs. Die letzten Meilen werden noch einmal spannend. Wir sind beide sehr müde und wollen ankommen, einen weiteren Adrenalinkick bräuchten wir nicht. Drei Schlepper, alle mit Anhang, kommen von vorne. Einer macht lustige Manöver, blinkt uns an und zwingt uns einen Halbkreis um ihn zu fahren. So ein Idiot. Einem schnell entgegenkommenden Gastanker können wir dann noch durch ein Vollgasmanöver entkommen.
Endlich wird es hell und wir erreichen unseren Ankerplatz. Wir sind nicht allein. Ein Schwarm aus Fischerbooten nähert sich ebenfalls der Bucht. Wir ankern und beobachten das Treiben. Die Boote legen an einem kleinen Steg an und verlassen diesen wieder, ankern in der Bucht und passieren uns dicht. Die Fischer winken uns zu und sind neugierig. Wirklich jede Region oder gar jede Insel hat einen eigenen Schiffstyp. Diese Boote haben einen schmalen Rumpf und unglaublich lange Bäume an denen sie ihre Lampen und Netze übers Wasser absenken und die tagsüber hochgeklappt werden.
Die Fahrt war anstrengend. Zwei Nächte haben wir kaum geschlafen. Wir freuen uns, dass wir so schön segeln konnten und dass wir nun endlich (am 5. September) unseren Absprungsort für den Törn über den Indischen Ozean erreicht haben.
Die Tintenfischfischer sind gepflegt und schön bemalt.
Ein Tintenfischboot auf dem Nachhauseweg.
Die Fähre, deren Gewürzduft wir bewundern und deren Müllteppich wir verfluchen.
Sonnenaufgang mit Bohrinseln über der Javasee
Eine schöne Ankerbucht auf Pulau Sebuku.
Kommen und Gehen am Steg.
Jede Region hat einen anderen interessanten Bootstyp.
Belitung ist eine Perle. Am Ankerplatz an der Nordwest-Ecke der Insel kann man den Sandgrund sehen. Das klare Wasser lädt zum Baden ein, die kleinen Inselchen zu einem Besuch, die großen Steine zu einer Kletterpartie und die kleinen Riffe zum Schnorcheln. Für uns kommt das Urlaubsprogramm diesmal etwas zu kurz, haben wir doch einiges zu erledigen. Außerdem ist auch im Paradies nicht immer schönes Wetter. Oft ist es recht grau und einen ganzen Tag regnet es. Zwischendurch freuen wir uns aber über die wunderbare Wasserfarbe und Strandspaziergänge.
Wir brauchen Bargeld. Es gibt einen Automaten am Strand, der uns aber kein Geld geben möchte. Bei dem kleinen „Yacht Service“ von Ervan und Eddie fragen wir, wo der nächste Geldautomat ist. Da wir bei ihnen Diesel bestellt haben und nun ihre Kunden sind, werden wir betüddelt. Wir dürfen einen Roller benutzen. Die Rollerfahrt macht Spaß, die Straße ist gut, es gibt kaum Verkehr und in der Abendsonne leuchten die kleinen Häuser am Straßenrand. Der Roller hat keine Spiegel, keinen Tacho, sicherlich funktionieren die Lampen nicht, aber er bringt uns heil zum Geldautomaten beim kleinen Supermarkt und wieder zurück. Der Roller kommt auch zum Einsatz, als wir unseren Diesel abholen. Wir sollen mit dem Beiboot zum Yachtclub kommen, das ist uns aber zu weit. Unsere Erklärung, dass wir ein kleines Schlauchboot mit einem noch kleineren Außenborder haben, wird zunächst nicht so recht geglaubt. Trotzdem werden unsere Dieselkanister per Roller zum Schlauchboot gebracht. Einer fährt den Roller, einen Kanister zwischen den Knien, der andere sichert zwei Kanister und hockt ganz hinten auf dem Sitz. Unser Motor erntet Gelächter und wir müssen nicht mehr begründen, weshalb wir nicht mit dem Schlauchboot zum nächsten Strand fahren. Auf Belitung legen viele Segler einen Stopp ein und so treffen wir mal wieder andere Crews und schließen neue Bekanntschaften. Nach einem netten Abend in einem kleinen Strandrestaurant können wir den Dinghi-Schlüssel nicht finden. Unsere neuen Bekannten warten auf uns, das ist nett. Nobbi wickelt MacGyver-mäßig das Bändsel von seinem Taschenmesser um den Stopp-Knopf, so läuft der Motor. Wenn so etwas nicht immer im Dunkeln passieren würde, wäre es lustiger. Als wir am nächsten Morgen beim Frühstück im Cockpit sitzen, kommt ein Fischerboot auf uns zu. Während wir überlegen, ob der Mann uns etwas verkaufen möchte, beginnt er mit unserem Schlüssel zu winken. Wir freuen uns sehr und bedanken uns mit einem Set Schraubenschlüssel. Nachdem wir neulich beim Tintenfisch-Besuch so schlecht vorbereitet waren, haben wir ein paar Dinge rausgesucht, die wir eintauschen oder verschenken können.
In Belitung wollen wir aus Indonesien ausreisen. Ervan organisiert den Behördenmarathon für uns und zwei andere Crews. Wir könnten das auch selber machen, entscheiden uns aber diesmal für diese Lösung und wollen gleichzeitig auch noch einkaufen. Am Mittwochnachmittag will der Zoll uns besuchen. Morgens um neun bekommen wir eine Nachricht „Um 10 kommt der Zoll, bitte seid dann an Bord“. Um halb zwölf kommt ein Boot längsseits, das fast so lang ist wie Mari. Fünf Zöllner sind an Bord, außerdem Ervan und der Käpt’n des Boots. Drei Zöllner klettern an Bord. Einer macht ein Foto des Motors, einer freut sich, dass wir indonesischen Kaffee gekauft haben und der dritte erzählt mir, dass er aus Bandung kommt. Der Sinn dieser Zollinspektion ist uns nicht klar, aber der Besuch ist sehr nett. Wir sind froh, dass die Zöllner nicht wie in Kupang von uns im Dinghi transportiert werden wollten. So ist es doch einfacher. Um sieben Uhr geht es am Donnerstag mit dem Schlauchboot an den Strand. Insgesamt wollen heute acht Leute von vier Booten ausklarieren. Mit vier der Segler sind wir gemeinsam mit Ervan unterwegs, die anderen beiden kommen mit dem Roller hinterher. Zuerst geht’s zur „Quarantine“. Hier dauert es. Warum weiß niemand so genau. Unterlagen werden kopiert und fotografiert. Marisol war in Thailand? Die haben doch einen mpox-Fall? Wir geben zu bedenken, dass wir vor vier Monaten dort waren. Zum Glück gibt es dann keine weitere Diskussion. Wir sind guter Stimmung und unterhalten uns prächtig, zwei der Segler kennen wir schon, die anderen lernen wir jetzt kennen. Zeit haben wir ja. Irgendwann bekommen wir endlich unsere Unterlagen. Weiter geht’s zu Immigrasi. Am Flughafen dauert die Ausreise nur wenige Minuten. Nicht so per Boot. Die Unterlagen aller Crews werden eingesammelt und teilweise vermischt. Mal wieder wird fleißig kopiert. Dass wir alle unterschiedliche Unterlagen abgegeben haben, scheint kein Problem zu sein. Es dauert und dauert. Das Büro ist blitzsauber, nahezu gemütlich und es gibt Kaffee und Kekse. Wir unterhalten uns und gehen ab und zu nach draußen um uns aufzuwärmen. Die Klimaanlage arbeitet etwas zu gut. Inzwischen regnet es. Wir verpassen also nichts. Es gibt ein Problem. Bei einem Boot sind nur die Eigner an Bord. Als das Boot vor einem Jahr nach Indonesien gekommen ist, hatten sie Gäste. Das ist normalerweise kein Problem, doch es gibt ein neues Gesetz, das in jeden Hafen anders ausgelegt wird. Es geht hin und her, es wird telefoniert. Schließlich bekommen wir alle unsere gestempelten Pässe und je zwei Crewlisten zurück. In unseren Unterlagen finden sich außerdem die Quarantine-Unterlagen der anderen Boote. Wir sortieren also den Papierkram und machen uns auf dem Weg zum Hafenmeister. Beim Hafenmeister hat die Mittagspause bereits begonnen. Unser Anliegen könnte trotzdem bearbeitet werden, allerdings wäre dafür eine „Gebühr“ fällig. Wir verzichten und fahren zum Geld abholen und trinken Kaffee. Dann erfährt Ervan, dass der Hafenmeister wieder da ist und wir fahren zu dessen Büro. Nun verschwindet Erwan mit unseren ganzen Unterlagen und kopiert diese. Als er wieder auftaucht hat er unser Zollpapier dabei. Das ist also erledigt. Nun warten wir immer noch auf die Port Clearance und die gibt’s beim Hafenmeister. Was daran so lange dauert? Keine Ahnung. Es wird immer später. Wir haben alle Hunger und wollen noch einkaufen. Also gehen wir auf den Markt und Ervan wartet auf den Papierkram. Es regnet noch immer. Die Auswahl auf dem Markt ist in Ordnung, aber nicht überragend, wenn man sich für mehrere Wochen verproviantieren möchte. Wir kaufen Obst, Gemüse und Eier. Hinterher geht es zum Supermarkt. Dort gibt es weder Brot, noch irgendetwas das mit Käse verwandt ist. Milch, Mehl, Tee und Kekse wandern in den Einkaufskorb. Dann beschließen wir, dass wir nicht verhungern werden und machen uns mit Rico, dem Fahrer, auf den Rückweg. An der Tankstelle füllen wir die letzten Kanister. Es regnet noch immer. Wir sind nun also wieder am Strand, aber Ervan und unsere Clearance fehlen noch. Inzwischen fühlen wir uns halb verhungert und gehen erstmal essen. Als wir wieder zurückkommen, treffen wir Ervan wieder nicht an und er ist telefonisch nicht erreichbar, also bringt Nobbi einen Teil der Einkäufe zum Schlauchboot. Als ich Ervan schließlich finde, gibt er mir das Papier und wir verabreden, dass ich gleich wiederkomme um ihn für seinen Service zu bezahlen. Nobbi hat unser Portemonnaie, also bringe ich die übrigen Taschen zum Schlauchboot, wo ich ihn treffe. Nobbi fährt die Einkäufe zu Mari und ich laufe zurück um Ervan zu bezahlen. Er ist nicht da und geht nicht ans Telefon. Also laufe ich wieder an den Strand und warte dort auf Nobbi. Inzwischen ist es dunkeln und die Mücken nehmen ihr Abendbrot ein. Mich. Wir würden gerne unser Geld loswerden, damit wir am nächsten Tag aufbrechen können wann wir möchten und keine Termine mehr an Land haben. Schließlich erreiche ich Ervan, verabrede mit ihm, dass ich seinem Helfer Eddie das Geld gebe und bitte ihn Eddie zu informieren, dass wir jetzt zu ihm kommen. Ihr ahnt es. Wir treffen Eddie nicht an, Ervan ist nicht erreichbar. Es war ein langer Tag, langsam haben wir keine Lust mehr. Wir beschießen im Restaurant ein letztes Bier mit den anderen Seglern zu trinken und dann zurück zum Boot zufahren. Schließlich treffen wir Eddie doch noch und übergeben das Geld. Eigentlich hat alles gut geklappt. Wir sind ausklariert und haben eingekauft. Trotzdem war der Tag durch die ganze Warterei ermüdend. Nett war die Gesellschaft der anderen Segler. Wir haben uns wirklich gut unterhalten. Schade, dass es die anderen nach Norden zieht, wir hätten sie gerne wieder getroffen.
Dieseltransport
Besuch vom Zoll.
Kurupsi und Erpressung sind hier auch nicht erlaubt.
Es wird schon dunkel, als Nobbi die Einkäufe zu Mari bringt.
Von der Nordseite Bangkas zur Nordwest-Ecke Belitungs sind es 120 Meilen. Wir wählen den Umweg durch die Bangka-Straße zwischen Bangka und Sumatra und umfahren Bangka im Süden. Auf dieser Route hoffen wir kürzere Etappenfahren zu können und dem unangenehmen Schwell aus Osten zu entgehen. Ob das eine schlaue Entscheidung war, werden wir nie erfahren.
Zunächst folgen wir der Nordküste Bangkas bis zur Bangka Straße. Die 50 Meilen vergehen schnell und komfortabel weil der Strom uns schiebt und die Wellen sind im Schutz der Küste sehr klein. Wir suchen uns einen Ankerplatz in der großen Bucht bei Tanjung Ular. In der Bucht zählen wir 70 (!) Zinnflöße. Nachts kann man diese Bucht auf keinen Fall anlaufen, die kleinen Plattformen sind alle unbeleuchtet und zum Teil mit langen Leinen miteinander verbunden. In der Bangka Straße haben wir ein Problem. Meistens geht die Strömung von Süd nach Nord, meistens moderat, ein paar Stunden am Tag jedoch mit drei bis vier Knoten. Nur wenige Stunden strömt das Wasser nach Süden. Der Südstrom, den wir gerne nutzen würden, setzt leider nachts ein, der starke Nordstrom, den wir vermeiden wollen am Nachmittag. Wir versuchen also in den Stunden mit wenig Strom nach Süden zu kommen. Als wir morgens den Anker aufholen streikt die Fernbedienung und die Ankerwinsch funktioniert nicht mehr. Schon wieder ein Problem! Zum Glück eines, das wir schnell lösen können. Die Sicherung ist durchgebrannt, hat also ihre Aufgabe erfüllt. Wir haben eine neue Sicherung an Bord und außerdem auch eine neue Fernbedienung. Nach diesem etwas stressigen Start verläuft die erste Etappe in der Bangka-Straße bis auf einen Schauer mit heftigen Böen (natürlich von vorne) entspannt. Wir ankern vor der Küste Sumatras. Die Küste ist flach und schlammig und wir liegen weit draußen. Noch ein wenig weiter draußen liegt ein großer Frachter, der hier von Bargen beladen wird. Hier ist ein reger Verkehr mit Schleppern, die mit ihren Anhängen aus den Flüssen Sumatras kommen oder einfach der Bangka Straße folgen. Nachts schläft der Wind komplett ein und wir sind ausgeschlafen, als der Wecker um fünf klingelt. Noch vor Sonnenaufgang sind wir unterwegs und erreichen unseren Ankerplatz nach 40 Meilen schon mittags. Diesmal ankern wir wieder an der Küste Bangkas. In diesem Abschnitt liegen keine Zinnflöße und am Strand brennen abends nur zwei Lagerfeuer. Ein richtig romantischer Platz.
Am nächsten Morgen klingelt der Wecker schon um halb fünf. Als man um kurz nach fünf Umrisse erkennen kann, fahren wir bereits entlang der Küste nach Süden. Bei einem Fischer blinkt ein weißes Licht. Beim zweiten Geblinke erkennen wir, dass wir gemeint sind und stoppen auf. Der Fischer fährt auf uns zu und zeigt auf ein Fischerfähnchen. Wir machen also einen Bogen um seine Boje und erkennen daran an langes Netz, dass an der Oberfläche schwimmt. Die nächsten Stunden vergehen erfreulich ereignislos. Leider bleibt es nicht so ruhig. Der Wind nimmt zu und schnell baut sich eine kurze steile Welle auf. Wir beginnen zu kreuzen. Ohne Maschine kommen wir gar nicht voran. 17 Wenden fahren wir, um zwischen den Sandbänken der Südwestküste Bangkas nach Osten zu folgen. Es ist ätzend. Wir sind nicht überrascht, Spaß macht es trotzdem nicht. Wir hören ein Hörbuch und kämpfen uns Stunde um Stunde gegen den zunehmend stärkeren Gegenstrom voran. Nachmittags erreichen wir die Südecke Bangkas. Hier soll es einen zweifelhaften Ankerplatz geben, wo wir hoffen für einige Stunden abwarten zu können bis der Gegenstrom abnimmt. Am Ankerplatz brechen sich die steilen Wellen. Wir wenden wieder und haben eine Nachtfahrt gewonnen. Noch vor Einbruch der Dämmerung wimmelt es von Fischern. Kurz nach Einbruch der Dunkelheit fahren wir über ein Netz. Nobbi sieht eine Boje direkt vor uns und im kupple die Maschine aus. Falls wir hängen bleiben, wollen wir uns das Netz wenigstens nicht um den Propeller wickeln. Wir haben Glück, es ist nichts passiert. Die Stimmung an Bord ist auf dem Tiefpunkt. Überall blinken Fischer und Fischerfähnchen, wie sollen wir die Nacht überstehen? Der Rest der Nacht verläuft kurzweilig aber viel besser als der Beginn hoffen ließ. „Mond ist besser als gar keine Sonne“ ist das Motto. In der zweiten Nachthälfte sorgt der Mond für ausreichende Beleuchtung. Weiter entfernt vor der Küste treffen wir hauptsächlich auf die großen Tintenfischboote, die mit sehr hellen Lampen fischen und deshalb gut zu erkennen und umfahren sind. Außerdem ist überraschend viel Verkehr. Langsame Schlepper mit ihren langen Anhängen, Tanker und Fähren halten uns auf Trab. Am frühen Morgen erreichen wir Pulau Liat, eine Insel zwischen Bangka und Belitung. Gemeinsam mit vielen Tintenfischbooten, die mich an riesige Wäschespinnen erinnern, fahren wir durch die breite Öffnung im Riff. Wir ankern in leuchtend blauem, klarem Wasser. Vor uns säumen Mangroven das Riff, hinter uns leuchtet weißer Sand über dem Flach. Das Frühstück fällt aus und wir ins Bett. Mittags sind wir wieder einigermaßen hergestellt und während ich Brot backe, repariert Nobbi unser Hecklicht. Mitten in der Nacht fing das Licht an zu flackern und wir haben als Notfallmassnahme erst mal die Birne rausgeschraubt. Nun trennen uns nur noch 47 Meilen vom angepeilten Ankerplatz in Belitung. Wir starten wieder zeitig und freuen uns über einige schöne Segelmeilen. Dann nimmt der Wind ab, um schließlich aus Nordost wiederzukommen. Nordostwind hätten wir in den letzten Wochen sehr gut gebrauchen können, nur ausgerechnet heute nicht. Die letzten Meilen zum Ankerplatz sind kein Spaß. Die Welle, die uns ausbremst, ist inzwischen fast eineinhalb Meter hoch. Wir verzichten darauf vor dem Wind zwischen Steinen und dem Riff zum favorisierten Ankerplatz zu fahren und werfen den Anker etwas weiter draußen vorm Strand von Kelayang. Hier ist die Welle schauklig, aber nicht mehr gefährlich. Wie so oft schläft der Wind abends ein, wir sitzen noch lange im Cockpit und schauen erst einen Film und dann den fantastischen Sternenhimmel an. Wir freuen uns, Belitung erreicht zu haben, der Weg hierher war doch etwas mühsamer als vorab befürchtet.
Ein Zinnsuchschiff.
Großes Zinnschürfschiff.
Zinnflöße in der Bucht bei Ular.
Der Leuchtturm bei Muntok.
Ab und zu kommt die Regenjacke zum Einsatz.
Die flache Küste Sumatras.
Der Frachter wird beladen.
Mühsam arbeiten wir uns nach Südosten vor.
Sonnenaufgang über Pulau Liat.
Das Tintenfischschiff sieht aus wie eine Wäschespinne.
Wir sind Belinyu oder Tanjung Mantung, wie der kleine Hafen heißt, angefahren, weil wir Tanken wollen. Vielleicht reicht unser Diesel bis Belitung, aber wir wissen nicht, wie stark der Gegenstrom sein wird und wie schnell oder langsam wir vorankommen werden. Auf der Karte haben wir gesehen, dass es hier mehrere Tankstellen gibt und wir hier einen sicheren Ankerplatz finden können. Mit unseren leeren Dieselkanistern besteigen wir das Schlauchboot. Es ist gerade Niedrigwasser und der Strand ist sehr breit. Wir müssen das Boot etwa 300 m durch den Schlick tragen. Ein Mann kommt auf uns zu und fasst mit an. Yandi hat auch ein Boot und einen kleinen Warung am Strand. Diesel sein kein Problem, es gäbe hier so viele Schiffe. Wir möchte nicht den günstigen, subventionierten Diesel, der berüchtigt für seine Verunreinigungen ist, sondern wollen versuchen Diesel von der Tankstelle zu tanken. Pertamina Dex ist das Zauberwort. Das ist der Markenname des besten Diesels der staatlichen Ölgesellschaft. Wir bekommen erstmal eine Trinknuss. Inzwischen sind einige Freunde von Yandi aufgetaucht, denen wir, unseren Indonesisch Kenntnissen und Google Übersetzer sei Dank, klar machen können, dass wir ein Auto suchen, das uns zur Tankstelle fährt. Sie lachen, überhaupt kein Problem. Noch bevor wir unsere Kokosnuss ausgetrunken haben, sind zwei weitere Bekannte samt Auto aufgetaucht. Schnell werden wir uns einig, dass sie uns zur Tankstelle fahren und wir anschließend noch Obst kaufen möchten. An der Tankstelle ist es lustig, alle wollen wissen, wo wir herkommen. Das sind die vom Boot, die vorm Hafen ankern, aus Deutschland, sie wollen Diesel kaufen… Anonym kann man hier nicht unterwegs sein. Auf dem Markt bekommen wir Papaya, Honig- und Wassermelone, Mandarinen, Drachenfrüchte, Bananen, Weiß- und Chinakohl, Zwiebeln, Möhren, Auberginen, Frühlingszwiebeln und Tomaten. Die Obstfrau übt ihr Englisch mit uns, der Gemüsemann erklärt mir, dass ich mindestens doppelt so viele Auberginen kaufen muss. Ein Mann auf einem Roller winkt mit einem Geldschein und hält vor Nobbi. Wir haben beim Tanken 100.000 Rupiah (6 Euro) zu viel bezahlt, dass ist beim Einsortieren in die Kasse aufgefallen. Also ist der Tankwart mit dem Roller zum Markt gefahren, um es uns zurück zu geben. Der Buschfunk funktioniert also hervorragend. Wir sind rundum zufrieden, da macht es auch nichts, dass es zu regnen beginnt und wir klatschnass wieder auf dem Boot ankommen. Nachmittags scheint wieder die Sonne, wir können unsere Kleidung trocknen und das Schlauchboot trocken zusammenfalten und wieder unter Deck verstauen. Leider gibt es schon wieder eine Schadensmeldung. Der Luftboden des Schlauchbootes hat ein kleines Loch. Bei seinem ersten richtigen Einsatz gibt es schon einen Schaden. Außerdem ist die Tasche eine innige Verbindung mit dem Boot eingegangen und Teile der Beschichtung kleben nun am Boot. Man wundert sich.
Der Weg zum Strand ist weit wenn man ein Dinghi trägt.
Yandi bringt uns eine Kokosnuss.
Wir liegen gegenüber der kleinen Moschee.
Die Fischer waten mit ihren Netzen im flachen Wasser.
Ich darf die Männer fotografieren und bekomme den Fang gezeigt.
Auf der Autofahrt haben wir einen kleinen Eindruck vom Ort bekommen. Die Straße ist super ausgebaut, es gibt viele Läden und einen gewissen Wohlstand. In der kleinen Stadt gibt es viele der „Hochhäuser“ für die Schwalben, deren Nester als „birdnest“ geerntet und exportiert werden. Auf Bangka wird, genau wie auf Belitung, Zinn abgebaut. Das wussten wir. Das Ausmaß des Zinnabbaus war uns nicht klar. Die ganze Insel ist durchlöchert, zwei Drittel der Insel wurden umgegraben. Zurück bleiben große Löcher. Da die Vorkommen an Land erschöpft sind, wird nun im Meer nach Zinn gesucht. Große Schiffe, aber auch viele kleine hölzerne Plattformen werden eingesetzt. Nicht nur die staatliche Bergbaufirma, sondern auch andere große Firmen und viele Einzelpersonen mit und ohne Konzession graben hier den Meeresgrund um. Bei den vielen kleinen Holzplattformen, die wir in der großen Bucht gesehen haben, handelt es sich um handgeklöppelte Zinnförderanlagen. Wir lachen über den Zungenbrecher Zinnschürffloß. Überhaupt nicht zum Lachen sind die Umweltzerstörung, die katastrophalen Arbeitsbedingungen und die sozialen Folgen. Das großräumige Umgraben des Meeresgrundes führt zum Absterben der Korallenriffe, die unter Sand begraben werden und gefährdet den Fischbestand. Die Fischer fangen weniger Fische, suchen sich einen anderen Beruf oder graben nun auch den Meeresboden um. Auf Bangka herrscht noch immer eine richtige Goldgräberstimmung. Zinn zu fördern ist vergleichsweise einfach und man kann hier einen durchschnittlichen indonesischen Monatslohn in nur einer Woche verdienen. Nun wundern wir uns auch nicht mehr über die vielen kleinen Tanker, die Pumpen mit denen der Meeresgrund auf die Förderbänder gepumpt wird brauchen Treibstoff. Nur in China wird noch mehr Zinn abgebaut als in Indonesien. Das chinesische Zinn reicht gerade um den chinesischen Markt zu bedienen, Indonesien exportiert weltweit. Neben den zerstörten Böden, den Löchern, die nun eigentlich wieder aufgefüllt werden müssten um eine Aufforstung zu ermöglichen und der starken Bodenerosion, gibt es ein weiteres Problem. In den küstennahen mit Wasser gefüllten Löchern fühlen sich Krokodile wohl, genau wie in flachen, schlickigen Flussmündungen. Dort wo Arbeiter mit ihren Flößen auftauchen. Und so gibt es im Bezirk Bangka Belitung jedes Jahr einige Opfer. Auf beiden Seiten. Offiziell stehen Krokodile unter Schutz und dürfen nicht getötet werden.
Belinyu war kein besonders romantischer Stopp unserer Reise, aber ein sehr interessanter. Innerhalb kurzer Zeit sind wir mit einer Handvoll kommunikativer und offener Menschen in Kontakt gekommen und haben sehr viel gelernt. Wenn ihr an professionellen Fotos und Berichten vom Zinnabbau auf Bangka interessiert seid, lohnt es sich Frau Google zu befragen. Von ungefähr jeder größeren Medienanstalt in Europa gibt es einen Beitrag aus den letzten zwei Jahren.
Der letzte Beitrag hat nun auch ein Titelbild bekommen.