Sollten wir Auslauf brauchen oder Ruhe suchen, machen wir einen Spaziergang in den Park. Die Halsbandsittiche bieten ein tägliches Unterhaltungsprogramm. Außerdem gibt es einige Vogelarten, deren Verwandten bei uns zuhause wohnhaft sind wie Meisen, Zilpzalp, Grasmücken oder Amseln. Neulich habe ich stundenlang Sittiche fotografiert, nur um dann die SD-Karte der Kamera zu formatieren. Ein Anlass noch einmal Papageien fotografieren zu gehen. Die anderen Vogelfotos sind alle im Anaga-Gebirge entstanden, auch das der glücklichen Hühner.
Wer ein Boot hat, dem wird nicht langweilig. Neulich hatte Nobbi festgestellt, dass die automatische Pumpe unter der Stopfbuchse nicht funktioniert. Bevor wir sie wegwerfen, haben wir die ausgebaute Pumpe in einem Eimer Wasser erneut getestet. Sie funktioniert. Also wird sie gründlich gesäubert und „mal eben“ wieder eingebaut. Nobbi hängt kopfüber in der Bilge und flucht. Die Pumpe geht nicht, sie bekommt gar keinen Strom. Nach längerem hin- und her wird klar, Schuld ist nicht die Pumpe, sondern der korrodierte Schalter. Ein neuer Schalter findet sich in der Elektrokiste. Um den alten Schalter auszubauen, müssen die Kabel im Motorraum enttüdelt werden. Nach dem Wechsel des Schalters werden alle Kabel wieder mit Kabelbindern gezähmt. Immerhin 4 Stunden Arbeit, aber eine neue Pumpe brauchen wir nun nicht kaufen. Eine der Leisten der Gräting im Cockpit wackelt und beim Wäschesack sind die Henkel durchgescheuert. Winzige Kleinigkeiten, deren Reparatur ein mittleres Chaos nach sich zieht. Dann gibt es Arbeiten, die sollen gemacht werden, aber die Lust sie zu beginnen wird durch die Befürchtungen, wie kompliziert es sich gestalten könnte, stark gemindert. Als wir Besuch bekommen haben, haben wir unser Schlauchboot unterm Salontisch hervorgeholt und an Deck gelegt. Dabei haben wir gesehen, dass einer der Bolzen, der das Tischgestell im Boden befestigt seinen Kopf verloren hat. Der Bolzen muss nun raus. Da er kopflos ist, kann man ihn kaum anfassen. Außerdem haben wir Angst um unser Fußbodenbrett, das die Arbeiten unbeschadet überstehen soll. Nach unten können wir den Bolzen nicht herausschrauben. Dafür ist er schlicht zu lang, bzw. nicht genügend Platz in der Bilge. Schließlich schrauben wir das Tischgestell und das Bodenbrett komplett ab und heben es nach oben heraus. Das ist nicht so einfach wie es sich anhört, weil es schmatzend zwischen Salonsofa, Backskiste und Schott zur Kombüse passt. Nun lässt sich der abgerissene Bolzen relativ einfach mit einer Zange, Kraft und Geduld entfernen. Wir beschließen das Bodenbrett zu lackieren, bevor wir es wieder einbauen. Das ist schnell erledigt. Nobbi schleift an, ich lackiere. Leider ist das Wetter nicht gut. Das Brett muss unter Deck trocknen. Da wir nun weder einen Tisch haben noch der Fußboden begehbar ist (er wurde ausgebaut oder dient als Ablagefläche für das frisch lackierte Brett), gehen wir erst ins Naturkundemuseum und anschließend mit Freunden ein Glas Wein trinken. Beim Einbau am nächsten Morgen bricht von einem weiteren Bolzen der Kopf ab. Kopflose Gesellen, diese Edelstahlbolzen, zum Glück haben wir noch einen Ersatz an Bord. Vom „neuen“ Fußboden sieht man nicht viel, weil das Schlauchboot wieder seinen Platz unterm Tisch eingenommen hat, aber noch genug, um die Idee zu nähren „mal eben“ den Rest des Fußbodens zu lackieren.
Die Bewegungsfreiheit unter Deck ist eingeschränkt.
Das Tischgestell hat wieder vier Bolzen mit Kopf und der Fußboden darunter glänzt.
Der reparierte Wäschesack betätigt sich als Windsack.
Nachdem wir Werft und Karneval verdaut haben und zumindest einen großen Teil des Staubs losgeworden sind, hätten wir Lust die Insel zu wechseln. Doch der Wetterbericht verspricht erst windlose Tage, dann (zu-)viel Wind und Regen. Da wir keine Lust auf eine lange Motorfahrt haben, verlängern wir unseren Aufenthalt. Obwohl wir schon so lange hier sind, gibt es immer noch etwas zu entdecken. Neulich haben wir an einer interessanten Stadtführung durch Santa Cruz teilgenommen. Obwohl wir an allen besuchten Plätzen bereits zuvor gewesen waren, haben wir viel Neues gelernt und hatten einen lustigen Vormittag.
Uns steht der Sinn nach einer kleinen Wanderung. Wir steigen an der Endhaltestelle der Busstrecke aus wollen von hier auf einem Pfad zum Ausgangspunkt der Wanderung laufen. Der Pfad ist gesperrt. Privat-Schilder und eine Hundewarnung sprechen eine klare Sprache. Auf der Straße ist der Weg doppelt so weit, doch da es leicht bergab geht und die Straße kaum befahren ist, läuft es sich sehr angenehm. In den Tälern nördlich von Santa Cruz ist es grün, viele gelbe Blüten zieren die Wiesen, blühende Mandelbäume und Gärten sorgen für Abwechslung. Nun folgen wir dem Camino de las Lecheras, dem „Milchmädchen-Weg“. Auf dieser Route haben früher Frauen Milch und landwirtschaftliche Produkte in die Stadt gebracht. Bereits im 16. Jahrhundert soll die 15 km lange Strecke begangen worden sein, vielleicht bereits in vorspanischer Zeit. Wir laufen weder die ganzen 15 km, noch tragen wir eine Milchkanne auf dem Kopf. Uns reicht es, dass wir uns den wärmsten Tag der letzten Wochen oder Monate ausgesucht haben. Fast 30 Grad ist es warm und windstill. Abgesehen von einem knackigen Anstieg ist der Weg recht harmlos. Genau richtig für uns. Wir sind beeindruckt wie wild Teneriffa sich hier in unmittelbarer Nähe zur Stadt zeigt. Der Wanderweg schlängelt sich am Hang entlang, unter uns eine tiefe Schlucht. Manchmal gibt es Geländer oder Seile, an denen man sich festhalten kann. Entlang des Pfads blühen viele Pflanzen und abgesehen von wenigen Vogelstimmen ist es ganz still. Dieser schöne Abschnitt der Route ist viel zu schnell zu Ende. Wir suchen uns einen Felsen für unser Picknick mit Blick über Santa Cruz. Der Wanderweg endet bei einer roten Höhle, eigentlich einem alten Steinbruch, die toll wäre, wenn nicht so viel Müll darin liegen würde. Der Stadtteil heißt nach der Höhle Cueva Roja und klebt am Hang. Viele schmale Fußwege und unzählige Treppenstufen führen zwischen den kleinen, verwinkelten Häusern durch. Als wir das Gewirr der kleinen Gänge hinter uns lassen, ist es nur noch eine gute halbe Stunde zurück zum Hafen. Die Tour hat uns sehr gut gefallen, wir könnten uns vorstellen sie noch einmal zu laufen.
Von Santa Cruz gibt es eine schnelle Busverbindung nach Puerto Cruz, der Bus nimmt die Autobahn. Den kleinen Botanischen Garten kennen wir noch nicht. Er gefällt uns. Viele schöne, große Bäume aus aller Welt stehen in dem Park, der bereits 1788 angelegt und seitdem einige Mal umgestaltet wurde. In den nächsten Jahren soll er erweitert werden. Auf einer schattigen Bank essen wir uns Picknick und beobachten Pflanzen, Vögel und Menschen. Wir laufen einen Kringel durch Puerto Cruz. Hier gibt es viele, zum Teil sehr hässliche Hotels, mehr deutsche Rentner als auf Norderney und mehr Souvenir- und Sonnencremeläden als Supermärkte. Aber, Puerto Cruz hat auch schöne Ecken zu bieten: schmale Gassen, traditionelle Häuser mit hölzernen Balkonen und viele Blumen. Außerdem gibt es an jeder zweiten Straßenecke eine tolle Aussicht – im Norden das Meer, im Süden der Teide.
Karneval ist auf Teneriffa eine äußerst ernste Angelegenheit. Ein großer Teil der Karnevalsaktivitäten findet in den Messehallen statt und ist damit nur begrenzt zugänglich. Die Karnevalskönigin wird gekört, auch eine Kinder- und eine Senioren-Königin, und Karnevalsgruppen werden in verschiedenen Kategorien wie Tanz, Gesang und Kostümen prämiert. Doch auch für karnevalsscheue Norddeutsche, die gänzlich unvorbereitet in den Karneval trudeln, gibt es viel Karnevalistisches zu sehen. Bereits Mitte Januar wurde die Vorstellung der Kandidatinnen im Fernsehen übertragen. Produktionsort war eine extra aufgebaute Bühne ganz in der Nähe der Marina. Neugierig wie wir sind, stehen wir an einem kühlen, windigen Abend am Bauzaun und können einen Blick auf die Bühne erhaschen. Hier bekommen wir einen ersten Eindruck von den aufwendigen Kostümen und den Sambagruppen, sehen die Königinnen-Anwärterinnen und erschrecken, als direkt neben uns das Feuerwerk hochgeht. In den folgenden Wochen hören wir immer mal wieder Proben und verfolgen den Aufbau der Bierbuden, Bühnen und Absperrgitter. Direkt neben der Marina wird der Rummel eröffnet. Zunächst sind wir traurig, dass wir einen Teil des Karnevals verpassen werden, da er mit unserem Werftaufenthalt zusammenfällt. Als uns unsere Nachbarn zum Werfttermin gratulieren, schwant uns, dass der Termin auch Vorteile haben könnte. Laut soll es werden. So laut, dass einige sich ein Zimmer auf der anderen Seite der Insel gemietet haben. Von der Werft fahren wir mit dem Bus in die Innenstadt, um uns den ersten Karnevalsumzug anzusehen. Er findet Freitagabend statt. Es gibt einige Wagen, die sich uns nicht erschließen, aber auch viel interessantes Fußvolk. Am Tag, an dem wir aus der Werft kommen (Karnevals-Dienstag), gibt es nachmittags einen noch größeren Umzug, den wir uns natürlich auch ansehen. Mit den Karnevals-Königinnen kann ich wenig anfangen, die Samba (meist mehr Salsa!) – Gruppen haben mir sehr gefallen. Viele Gruppen tragen kreative und kunstvolle Kostüme, die mit großem Aufwand hergestellt wurden. Doch es gibt auch Gruppen mit lustigen „no budget“-Verkleidungen und Trommeln. Mit dem Typen, der auf jedem Umzug stundenlang die Flügel des überdimensionalen Flügel des Loropark-Papageis bewegt hat, habe ich noch immer Mitleid. Aschermittwoch wird die Sardine beerdigt. Das ist eine typisch spanische Tradition. Am späten Abend zieht eine Sardine aus Pappmaschee durch die Straßen, die schließlich verbrannt wird. Begleitet wird die Sardine von Witwen. Fast alle sind in schwarz als „Witwe“ verkleidet. Wobei „Witwe“ ein weites Feld ist. Mal eher als Nonne, mal als Nutte. Viele Menschen sind in eher fantasievollen Kostümen unterwegs, manchmal tragen Freundesgruppen ein ähnliches Kostüm, oder alle den gleichen Hut oder Schleier. Es ist chaotisch und sehr voll. Die Polizei räumt die Straße, doch dann passiert nichts und die Menge bevölkert wieder jeden freien Platz. Nach über zwei Stunden Wartezeit wollen wir schon aufgeben, doch dann sehen wir sie doch noch, die ausgesprochen sympathische Sardine. Die gekreuzigte Sardine, die kurz vor der „eigentlichen“ Sardine vorbeizieht, trifft nicht jeden Geschmack. Die Frauen neben mir sind entsetzt. Nachts um eins gibt es ein tolles Feuerwerk. An anderen Orten ist die Karnevalszeit nun beendet. Hier nicht. Hier beginnt die zweite Runde! Beim Inklusionskarneval gefällt uns die (Salsa)-Musik am besten und das Publikum tanzt toll. Der Kinderumzug hat leider Pech mit windigem kühlem Wetter. Wir tragen eine Jacke, viele der Kinder sehen sehr verfroren aus. Die Tanzschulen, die wir schon von anderen Events kennen, haben schöne Choreografien einstudiert und begeistern das Publikum. Am Wochenende findet Freitag der Karneval der Nacht (den ganzen Tag) und Samstag der Karneval des Tages (den ganzen Tag) statt. Die hübsche, wie ich finde, sehr spanische Formulierung, stammt nicht von mir, sondern von der Veranstaltungsseite. Ab mittags wird gefeiert, abends wird es voll. Sonnabend sollen 420.000 Menschen auf der Straße gewesen sein. Beeindruckend! Mit einem Segelfreund stürzen wir uns ins Gewusel. Schnell wird es uns zu voll, auch wenn die Stimmung sehr fröhlich ist. Neben den viele tollen Kostümen und freundlichen Menschen wird mir leider der intensive Pipi-Geruch in Erinnerung bleiben. Ob es am Mangel an Toiletten oder den bereits am frühen Abend gefallenen Hemmungen liegt, kann ich nicht beurteilen. Nun wird auch mehr als deutlich, weshalb Ladenbetreiber und Hausbesitzer ihre Fassaden in Pastik verpackt haben und die Bierstände mit Bauschaum zum Boden abgedichtet wurden. Auf unserem Nachhauseweg steht die Straße unter Wasser. Nur, dass es sich eben nicht um Wasser handelt… Gefeiert bis morgens um sechs. Zumindest endet das Bühnenprogramm um diese Zeit. Das können wir auch aus unserer Koje gut verfolgen. Leider wechselt in der zweiten Hälfte der Nacht die Musik und es stimmt: es ist sehr laut. Sonntagabend findet der Karneval schließlich mit einem weiteren Feuerwerk seinen Abschluss. Nur der Rummel ist noch eröffnet. Uns Marina-Bewohner stört daran nur, dass der Übergang von der Stadt zu Marina jeden Nachmittag um fünf gesperrt wird und wir dann einen weiten Umweg in Kauf nehmen müssen. An das laute Gekreische haben wir uns inzwischen gewöhnt und zum Glück schließt der Rummel jeweils um Mitternacht.
Manche Arbeiten laufen super, bei manchen Projekten hakt es und manchmal muss man Lehrgeld bezahlen. Leider nicht nur im übertragenen Sinne. Die Erneuerung unserer Solarpanels hat uns länger auf Trab gehalten als gedacht. Irgendwo zwischen Namibia und St. Helena haben die alten Solarpanels langsam ihren Dienst eingestellt. Eins war ganz kaputt, das andere hatte nur noch etwa 30 % seiner Leistung. Nach unserer Ankunft auf Teneriffa machen wir uns auf die Suche nach Ersatz. Das war nicht so einfach wie erhofft. Unsere Solarpanels hängen auf beiden Seiten des Cockpits am Seezaun und wir wollen die alte Mimik zum Hochklappen und Verstellen behalten, daher sind die Maße weitgehend vorgegeben. Die Panels, die wir aussuchen sind nicht lieferbar, doch der ausgewählte Ersatz soll nach unserem Heimaturlaub in Santa Cruz auf uns warten. Als wir Anfang Dezember wieder in Santa Cruz sind, holen wir die Panels beim Bootsausrüster ab. Zunächst müssen die alten Module abgebaut werden. An Steuerbord geht es ganz fix, an Backbord geht nichts. Die alte Verschraubung wehrt sich. Die Niroteile sind unter Einwirkung von Salzwasser eine innige Verbindung eingegangen. Auch mit größeren Mengen WD40, einem blauen Daumen, roher Gewalt und zwei Personen brauchen wir mehrere Tage, bis das alte Panel abgebaut ist. Dabei bricht von einer Stütze des Seezauns der Kopf ab. Alle abgebauten Teile wandern in warmes Seifenwasser und werden gründlich gereinigt und poliert. Die Halterung für die Solarmodule ist elegant, sie werden quasi auf den Seezaun gefädelt. Leider ist der Rahmen der neuen Panels nicht genauso dick wie der alte, wir denken, dass es trotzdem funktionieren sollte. Ich mache es kurz. Es hat nicht funktioniert. Bei der Befestigung der Halterung gerät das Solarpanel unter Spannung und springt. Kaputt. Die Enttäuschung ist groß, aber es hilft nichts. Wir denken uns eine alternative Halterung aus, die wir mit den Teilen basteln können. Nun müssen wir zwar in den Rahmen bohren, ihn aber nicht aufsägen oder nieten. Es klappt, bald hängt das neue Solarpanel an Steuerbord und produziert Strom. Die beschädigte Seezaunstütze lassen wir schweißen. Nobbi trabt, mal wieder, zum Ausrüster und bestellt ein neues Solarpanel. Die Lieferung verzögert sich. Erst ist Weihnachten, dann drei Könige, dann hängt es im Zoll, dann ist es durch den Zoll, wird aber trotzdem nicht ausgeliefert. Kaum sind wir in der Werft, wartet das Solarpanel in Santa Cruz. Der Besitzer des Ladens ist unglaublich nett und bringt es uns an Bord. In den ersten Tagen auf der Werft teilen wir das Sofa also mit einem großen, flachen Paket. Extrem praktisch! Dann haben wir endlich Zeit es an den Seezaun zu hängen. Nachdem wir von der Werft zurück nach Santa Cruz gekommen sind, hat Nobbi es elektrisch angeschlossen. Beide Solarpanels machen eifrig Strom und freuen sich mit uns auf schöne Ankerplätze. Nach fast fünf Monaten ist die „Mission Solarpanels“ endlich abgeschlossen!
Nachdem unser Besuch abgereist ist, kümmern wir uns um einen Termin in der Werft. Beim ersten Versuch treffen wir den Chef nicht an, laufen stattdessen zum Strand Teresitas und sind überrascht, wie voll es dort an einem sonnigen Wochentag Anfang Februar ist. Beim zweiten Versuch sind wir erfolgreich. Da unklar ist, ob wir am folgenden Dienstag an Land gehoben werden können oder erst am Mittwoch, einigen wir uns darauf, dass wir Dienstagnachmittag am Werftsteg festmachen. Wir bereiten uns mit einem größeren Einkauf vor. Werftaufenthalte lassen sich schwer planen. Nahrungsmittel, die unkompliziert zubereitet oder „einfach so“ gegessen werden können sind ideal: Tomaten, Äpfel, Bananen, Vollkornbrot, Eier. Dienstagmittag empfängt uns eine eklige Welle von vorne. Wir werden durchgeschüttelt und schleichen mit 3, 5 kn zur Werft, die am Ende des Fischereihafens liegt. Bevor wir noch am Werftsteg festgemacht haben, winken bereits die Werftarbeiter. Wir können direkt in den Travellift einfahren und Mari wird umgehend an Land gehoben. Ihr Bauch wird mit dem Hochdruckreiniger gewaschen und sie wird auf dem Werftgelände abgestellt. Unsere ToDo Liste umfasst die Erneuerung des Antifoulings, den Verschluss des Einlasses des Wassermachers und das Polieren des Rumpfes. Die wichtigsten Aufgaben, die wir an Land erledigen wollen, sind aber die Kontrolle und Wartung des Verstell-Propellers und die Erneuerung der Abdichtung der Stopfbuchse. Bevor wir den Propeller inspizieren können, müssen die Seepocken verschwinden. Abwechselnd kratzen wir die Kalkschalen ab, dann poliert Nobbi ihn mit der Drahtbürste. Wir haben einen Verstellpropeller. Der Anschlagpunkt der drehbaren Propellerblätter und somit die Steigung des Propellers, lässt sich einstellen. Wir haben den Verdacht, dass die Einstellung nicht mehr passt. Legen wir den Rückwärtsgang ein, rüttelt der Motor und es kommt schwarzer Qualm aus dem Auspuff. Ein Zeichen für Überlastung. Tatsächlich ist die Steigung des Propellers rückwärts deutlich zu hoch. Nobbi verändert die Einstellung. Anschließend muss er nur noch gefettet werden. Wir pressen Fett in den Propeller, bis wir den Eindruck haben, dass Wasser und altes Fest vollständig verdrängt wurden. Nachdem wir die neuen Anoden angebracht haben, verschwindet der glänzende Propeller in einem eleganten lila Müllbeutel. Die Stopfbuchse dichtet die Propellerwelle ab. 2017 waren wir hier auf Teneriffa in der Werft um die Packung, so nennt man die Dichtung, zu wechseln. Ein halbes Jahr zuvor hatte die Werft in Portugal das falsche Dichtungsmaterial verwendet. Nach einer ganzen Weltumsegelung wird es nun wieder Zeit die Packung zu ersetzen. Nobbi flucht. Die Arbeitsposition ist suboptimal. Er kniet im Bad und hängt mit dem Brustkorb auf dem Schott zum Motorraum. Während Nobbi sich mit der Stopfbuchse quält, entferne ich lose Reste des alten Antifoulings, schleife es an und wasche den Rumpf. Wie jedes Mal schwappt mir irgendwann das schwarze Antifouling-Wasser in die Handschuhe und läuft mir die Arme herunter. Große Sauerei. In den folgenden Tagen tragen wir eine Schicht Grundierung und zwei Schichten Antifouling auf. Mari hat nun wieder einen schönen roten Bauch. Das Seeventil des Wassermachers wehrt sich beim Ausbau, Nobbi sägt es schließlich durch. Das Loch, das zurückbleibt, verschließt ein Arbeiter der Werft sehr professionell. Auch das Polieren des Rumpfs übernimmt ein Arbeiter der Werft und wir haben noch etwas Zeit für Kleinkram. Das Edelstahl der Badeleiter wird poliert und eine Stufe neu befestigt. Die Fender werden gründlich geputzt bevor sie zur Feier des Tages neue, leuchtend blaue Überzüge bekommen. Der Impeller der Logge verbringt eine Nacht in Essig und verliert so alle ungebetenen Untermieter: Seepocken unterschiedlicher Größe. Tatsächlich sind wir ausnahmsweise völlig ohne Stress einfach fertig und gehen Sonntagnachmittag Pizza essen. Am Montagmittag hängt Mari wieder in den Gurten des Travellifts und wir können auf die Stellen, an denen sie auf den Stützen stand, Antifouling auftragen. Danach wird Mari wieder ins Wasser gesetzt, Nobbi kuppelt rückwärts ein und grinst. Kein Rumpeln, kein schwarzer Qualm. Das Einstellen des Propellers war erfolgreich! Rückwärts fahren wir durchs Hafenbecken und machen dann am Steg der Werft-Marina fest. Zunächst bekommt unser Boot eine ausgiebige Dusche, um den Werftstaub abzuwaschen, auch wenn schon neuer Staub im Anmarsch ist. Calima. Heißer Ostwind trägt feinen Saharastaub auf die Kanaren (und Kapverden!). Die Sichtweite nimmt sehr stark ab. Wir können kaum das andere Ende des Hafenbeckens erkennen, Santa Cruz ist bereits morgens im Dunst verschwunden und es ist viel wärmer als an den Tagen zuvor. Insgesamt war das ein angenehmer Werftaufenthalt. Das Wetter ist perfekt für Bootsarbeiten. Grundierung und Antifouling sind sehr schnell getrocknet. Das ewige Hoch- und Runter auf der Leiter ist nervig, besonders wenn man nachts zur Toilette muss. Doch die heißen Duschen machen einiges wett. Leider war Nobbi zwischendurch krank, da kam es uns gelegen, dass wir wegen des Polierens ohnehin bis Montag auf dem Trockenen bleiben mussten. So konnten wir in entspanntem Tempo vor uns hinarbeiten. Die Stimmung auf der Werft war freundlich. Das Laminier-Team auf dem Nachbarboot hat laut fröhliche Musik gehört. Genau mein Geschmack. Einer der beiden Arbeiter hat genauso schief mitgesungen wie ich. Das verbindet. Der Nachtwächter hat uns besonders ins Herz geschlossen, auch wenn ich in unseren Unterhaltungen höchstens die Hälfte verstanden habe. Eines Abends hat er uns Ziege in Rotwein zum Abendessen mitgebracht. Sehr, sehr nett und ausgesprochen lecker! Dienstag fahren wir zurück nach Santa Cruz. Der glatte Rumpf und der adjustierte Propeller sorgen für eine schnelle Fahrt. An unserem Liegeplatz werden wir von den Nachbarn begrüßt. Die Spuren des Werftaufenthalts sind schon fast verschwunden. Lappen und Arbeitskleidung sind gewaschen und auch Nobbis Finger sind „nur noch zwei Duschen von Bürofingern entfernt“, behauptet er zumindest.
Mari schwebt mich dreckigem Bauch und Propeller an Land.
Sie wird auf dem Werftgelände abgestellt.
Das Loch im Rumpf wird professionell versclossen.
Der Propeller lässt sich einstellen und stand weit im Plus, obwohl er für uns im Minus stehen muss.
Der frisch gemalte, rote Bauch freut den Eigner so sehr, dass er Partnerlook trägt.
Werftaufenthalt mit Teideblick. Wo gibt es das?
Calima: gar kein Ausblick!
Das schönste am Werftaufenthalt? Wenn sie wieder schwimmt!
Im Sommer 2017 haben meine Eltern uns auf Teneriffa besucht und uns aus Europa verabschiedet. Nun besuchen sie uns hier erneut und nehmen uns gewissermaßen wieder in Empfang, haben wir doch zumindest politisch gesehen Europa wieder erreicht. Gemeinsam erkunden wir Santa Cruz und Teneriffa, schlendern über den Markt, fahren mehrfach durch den Teide-Nationalpark, geraten in Orotava in den strömenden Regen, bestaunen die steile Nordküste, freuen uns über blühende Mandelbäume, besuchen mehrere Museen, sehen uns die starke Brandung an, hören ein fantastisches Konzert im Auditorio, entdecken im Palmetum eine äußerst selten blühende Palme (Corypha umbraculifera) und verbringen einfach eine schöne gemeinsame Zeit, die viel zu schnell zu Ende geht.
Meine beste Freundin hat die Chance genutzt und mir ein Weihnachtspäckchen geschickt. Über das Verschicken von Paketen auf die Kanaren kursieren unterschiedliche Geschichten von „kannst du vergessen, kommt nicht an“, über „überhaupt kein Problem“ bis zu „du brauchst eine Zollnummer, sonst wird das nichts“ ist alles vertreten. Wir sind gespannt. Man sollte ja denken, der Empfang eines Päckchens innerhalb der EU sollte möglich sein. Nun haben die Kanaren seit einigen Jahren abweichende Zollregeln, Sonderstatus usw. Die EU, die Königin der Ausnahmen. Kurz vor Weihnachten frage ich im Hafenbüro, ob eine Sendung für Marisol angekommen sei. Leider nicht. Ich frage nach Weihnachten, vor Silvester, im neuen Jahr, nach dem sechsten Januar. Irgendwann frage ich nicht mehr jeden Tag, sondern nur noch jeden zweiten oder dritten. Mitte Januar bin ich davon überzeugt, dass die Sendung vergessen auf irgendeinem Stapel liegt und mich nie erreichen wird. Am 21. Januar stehe ich in der Sonne vorm Marinabüro und warte auf Nobbi. Also schlendere ich ins Büro, frage nach Post und möchte mich eigentlich nur ein bisschen unterhalten. Die Mitarbeiterin ist merkwürdig kurzangebunden und drückt mir zwei Briefe vom Zoll in die Hand. Sie enthalten exakt dasselbe Schreiben. Eine Sendung liegt beim Zoll und ich habe zwei Wochen Zeit Unterlagen einzureichen, sonst geht die Sendung zurück nach Deutschland. Datiert sind die Briefe auf den 30. Dezember. Der Posteingang bei der Marina ist handschriftlich auf den Umschlägen festgehalten worden: 2. Januar. In der Zeit war ich mindestens zehn Mal in Büro um mich zu erkundigen, ob es Post für mich gibt. Zunächst frage ich unter angegebenen Emailadresse nach, ob mein Geschenk bereits den Heimweg angetreten habe und erfahre, dass es noch auf Teneriffa sei. Der Aufforderung eine Rechnung einzureichen kann ich nicht nachkommen, schließlich handelt es sich um ein Geschenk. Das erkläre ich in einer Email und bekomme daraufhin ein neues Formular gesendet. Mit Hilfe des Übersetzungsprogramms lerne ich, dass ich eine eidesstattliche Erklärung über den Inhalt abgeben soll. Meine Gedanken zu einer eidesstattlichen Erklärung über den Inhalt eines Päckchens, das ich nicht gepackt habe, behalte ich für mich. Streng genommen bin ich nicht einmal sicher, wer der Absender ist. Auf den Unterlagen steht lediglich eine Nummer. Die (vermutete) Absenderin verrät mir, was im Päckchen steckt. Auf dem Päckchen klebt eine Zollerklärung – es erscheint sinnvoll, dass der Absender den Inhalt erklärt und nicht der Empfänger. Egal, man muss das nicht verstehen. Ich fülle die Erklärung aus und unterschreibe sie. Zusammen mit einer Kopie meines Passes sende ich sie zum Zoll. Am nächsten Tag erhalte ich eine neue Mail mit einem neuen Dokument. Einfach mit meinem Pass könne ich doch kein Päckchen empfangen. Ich benötige eine NIE, eine Zollnummer für Ausländer, oder jemanden, der eine NIE oder einen spanischen Pass hat. Unser französischer Nachbar springt ein. Er unterschreibt, dass er das Päckchen für mich importiert. Nun fehlt noch das Formblatt, auf dem ich bestätige, dass ich im laufenden Monat noch nicht mehr als fünf Kilo Verpackungsmüll importiert habe und, wie angewiesen, schicke ich auch die erste Formularseite zurück, auf der es keinerlei Felder zum Ausfüllen gibt. Zwei Tage später erhalte ich eine E-Mail, dass mein Päckchen die maximale Aufbewahrungszeit überschritten hat und zurück nach Deutschland geschickt wurde. Ich wundere mich nicht und bin auch nicht verärgert. Es passt alles so wunderbar zusammen. Drei Tage später kommt das Päckchen im Marinabüro an. Meine neuen Faultier-Socken trage ich voller Stolz!
Seit knapp drei Wochen haben wir tolles Wetter. Vorbei sind die täglichen Schauer. Der strahlende Sonnenschein sorgt für sommerliche Gefühle, es grünt und blüht. Sollte das der Winter bereits gewesen sein? Meinetwegen kann es jetzt einfach bis Ende Oktober so bleiben.
Für drei Tage haben wir ein Auto gemietet. Am Donnerstag fahren wir mit dem Bus zum Autovermieter. Unser Bus ist gerade weggefahren, also stellen wir uns in die Schlage für den nächsten Bus. Die Schlange wird schnell länger. Obwohl dies der Startpunkt der Buslinie ist, wird er so voll, dass nicht alle Wartenden mitfahren können. Wir haben Glück, wir standen so weit vorn in der Schlange, dass wir sogar einen Sitzplatz bekommen haben. So voll haben wir die Busse noch nie erlebt. Dafür geht es beim Autovermieter diesmal schnell und wir sind fix unterwegs zum Teide-Nationalpark. Diesmal ist die Straße nicht gesperrt, unsere Gelegenheit. Wir durchqueren die Insel auf der schönen Straße in der Inselmitte, genießen die Aussicht auf den gewaltigen Vulkankegel und finden einen idyllischen Platz unter Pinien für unser Picknick. Freitag führt uns unsere Reiseroute zunächst zum Baumarkt. Anschließend fahren wir nach Ifonche im Süden und laufen dort eine kleine Runde. Die Aussicht in die mehrere hundert Meter tiefe atemberaubende „Barranco del Infierno“, die Höllenschlucht ist, höllisch gut. Außerdem sehen wir weit unter uns am Meer die Touristen-Hochburgen mit ihren vielen großen Hotels. Die Bewölkung ist dichter geworden und es sieht aus, als wolle es regnen. Ein guter Grund über die Höhenstrasse oberhalb der Wolkengrenze zurück nach Norden zufahren. Wir nehmen also wieder den Weg, der durch die Inselmitte am Teide vorbeiführt. Wunderschön leuchten die unterschiedlichen Gesteinsfarben im Abendlicht. Mit der Sonne im Rücken ist diese Strecke noch ein bisschen schöner. Sehr schön ist auch der Regenbogen, der das Ende der idyllischen Bedingungen ankündigt. Den zweiten Teil der Strecke fahren wir mit waagerecht einfallenden Regen. Auf 2000 Meter Höhe ist der Wind deutlich stärker, die Straße führt auf einem Bergrücken entlang und wir fühlen uns im kleinen Fiat 500 etwas exponiert. Hinzukommt, dass durch den Regen an zahlreichen Stellen Steine auf die Straße fallen. Die vielen Steinschlag-Warnschilder stehen hier nicht zufällig. Wir verlassen die Höhenstraße und haben bald die Untergrenze der Wolken erreicht. Auf der Ostseite des Höhenzugs regnet es noch nicht. Als wir Santa Cruz wenig später erreichen, beginnt hier gerade der Regen. Am nächsten Tag zieht es uns an die Nordküste. Meine „entspannte“ Route an die Küste entpuppt sich als schmaler Weg zwischen Bananenplantagen (wenig romantisch zwischen Mauern und Plastikplanen), denen unser kleines Auto eigentlich nicht gewachsen ist. Als wir endlich die Hauptstraße wieder erreichen, sind wir erleichtert. Wir sehen uns die starke Brandung an und laufen ein wenig an der Küste entlang. Dann fahren wir ein paar Kilometer weiter nach Bajamar, trinken einen Kaffee und machen auch hier einen Spaziergang. Es erscheint uns nicht der richtige Ort für unser Picknick zu sein und so entscheiden wir uns durchs Anaga-Gebirge zurück zum Boot zufahren. An dem Aussichtspunkt, an dem wir schließlich essen, ist es zwar sonnig aber mit 13 Grad doch ein bisschen frisch und außerdem recht windig. Einige Aussichtspunkte später ist es nur noch 11 Grad „warm“. Zurück in Santa Cruz wärmen wir uns bei einem Spaziergang in der Sonne wieder auf. Sonntag geben wir das Auto wieder ab und machen einen Abstecher nach La Laguna. Obwohl praktisch alle Läden, außer den Cafés und Restaurants, geschlossen haben, ist es in der Altstadt voll. Man trifft Freunde, quatscht und genießt das schöne Wetter. Da machen wir mit. Wir besichtigen eine Kirche, laufen durch einen Stadtteil, den wir noch nicht kennen, sitzen vor einer Bar in der Sonne und trinken Mango-Saft und essen beim Inder hervorragend zu Mittag. Nach diesen „Urlaubstagen“ sind wir wieder bereit für kleine Bootsaufgaben und dann bekommen wir Besuch. Es stehen also noch weitere Urlaubstage an.
Seit einiger Zeit gibt unsere Steuersäule ein klackendes Geräusch von sich. Wenn gleichmäßiger Druck auf dem Ruder ist, ist Ruhe. Bei wenig Wind oder bei Welle im Hafen oder am Ankerplatz meldet sich das Geräusch zuverlässig. Die Quelle haben wir schnell identifiziert. Das untere Lager hat Spiel in der Lagerschale. Da wir die Lager, aber leider nicht die Lagerschale in Neukaledonien getauscht hatten, kennen wir die Anatomie der Steuersäule in und auswendig. Schon vor Monaten haben wir die nötigen Ersatzteile bestellt. Sie waren in dem legendären Paket, das unseren Horta-Aufenthalt um Wochen verlängert hat. Nun wollen wir das Projekt in Angriff nehmen. Eine Werkstatt, die alles, was wir nicht selber durchführen können, erledigen kann, haben wir bereits gefunden. Vor Weihnachten waren wir bereits dort und haben Erkundigungen eingezogen. Nobbi will „nur mal kurz ein paar Schrauben lösen“ und schneller als erwartet sind Steuerrad und Autopilot demontiert, die Schaltung gelöst und die Steuersäule vom Cockpitboden getrennt. Dann können wir sie doch auch gleich ganz auseinander-nehmen. Am Anfang läuft es gut. Die beiden Sicherungsstifte, die Nobbi vorher schlaflose Nächte beschert hatten, lassen sich überreden ihren Platz zu räumen. Doch dann kommen wir bald nicht weiter. Da wir ohnehin die Unterstützung der Werkstatt brauchen, beschließen wir die ganze Steuersäule einzupacken und in den Fischereihafen zu bringen. Am nächsten Tag schleppt Nobbi das gute Stück zum Bus. In der Werkstatt verstehen sie sofort was gemacht werden soll. Allerdings haben sie sehr viel zu tun. In spätestens einer Woche sollte es jedoch erledigt sein. Das Holzpodest, auf dem die Steuersäule normalerweise steht, säubern wir. Die Gelenkstange zum Ruderquadranten wird geschmiert. Die Verbindung zwischen Ruderachse und Steuermimik ist ein wenig rostig, also entrosten, Rostschutzfarbe malen und überlackieren. Das ist schnell gemacht, muss nur leider innerhalb der Backskiste stattfinden. Ich darf mich also zusammenfalten. Wir haben nun ein etwa 20 cm großes Loch im Cockpitboden, passend dazu beginnt es zu regnen. Wir stülpen einen Eimer über die Öffnung, der das meiste abhält. Der Regen geht uns zunehmend auf die Nerven, Zeit für einen Museumsbesuch. Die Wahl fällt auf das Museum für Natur und Archäologie. Die Mumien sind natürlich das Highlight der Archäologie-Abteilung, aber auch in der Naturkunde-Ausstellung gefällt es uns wieder sehr. Spanisches Wort des Tages: Pico picapinos – der Buntsprecht.
Nach zwei Tagen meldet sich die Steuersäule, bzw. die Werkstatt. Die Lager sind gewechselt, ob wir vorbeikommen wollen? Also geht’s am nächsten Tag mit dem Bus zur Werkstatt. Interessanterweise haben sie das Problem anders gelöst als Charly in Neukaledonien. Das untere Lager und die Lagerschale sitzen zwischen einer kleinen Pinne und einer Verdickung auf der Achse. Um das Lager zu wechseln hatte Charly in Neukaledonien die Pinne abgetrennt und nach dem Wechseln der Lager wieder angeschweißt. Hier hat der Mechaniker die Verdickung weggenommen und hinterher wieder aufgebracht. Auch eine tolle Lösung. Vielleicht noch viel besser. Wir sind sehr zufrieden und bitten darum, dass die Steuersäule komplett wieder zusammengesetzt wird. Das geht in einer professionellen Werkstatt viel einfacher als in unserem Cockpit. Leider ist Freitag. Wir müssen uns also etwas gedulden. Der Lack der Bodenplatte der Steuersäule ist an einigen Stelle abgeplatzt. Das sieht nicht schön aus. Als Nobbi mit der Drahtbürste auf der Bohrmaschine die losen Lackreste abbürstet, rutscht er ab und schrubbt mit der Drahtbürste über seinen Oberschenkel. Mir stellen sich die Nackenhaare auf, wenn ich nur daran denke. Er behauptet es sei gar nicht schlimm. Immerhin heilen die Kratzer gut. Die kurze Hose hat den Kontakt mit der Drahtbürste nicht so gut weggesteckt. Montag holen wir unsere Steuersäule wieder ab. Der Einbau klappt wie geplant. Um Ruder und Steuerrad zueinander auszurichten, muss das Ruder mittschiffs stehen. Also stehe ich auf der Badeleiter im Wasser und sage die Ruderlage an. Die Wassertemperatur ist immer noch angenehm, es wird mal wieder Zeit für ein Bad. Es muss allerdings nicht im Hafenbecken sein. Anschließend lackieren wir noch den Fuß der Steuersäule und der Autopilot wird wieder angeschlossen. Wir freuen uns diese wichtige Arbeit zufriedenstellend abgeschlossen zu haben. Diese Lager halten nun hoffentlich wieder 35 Jahre.