Nach einem weiteren Sommertag am Anker, lädt eine Wetteränderung zur Weiterreise ein.
Wir baden bei Sonnenaufgang und fahren dann noch vor dem Frühstück los. Erst schlängeln wir uns zwischen Küste und Muschelflößen hindurch und haben Gelegenheit die Muschelfarmer bei der Arbeit zu beobachten, dann folgen wir dem breiten Fahrwasser. Überall sind Delfine unterwegs. Ihre nassen Rücken glänzen in der Sonne, sie tauchen unvermutet neben uns auf oder springen hoch aus dem Wasser.
Wir verlassen den Ría Arousa nach Norden. Zwischen der Landzunge und der Insel Salvóra liegen viele kleine Felsen. Die erste Durchfahrt ist durch zwei Baken gekennzeichnet. Kurz bevor wir die Engstelle erreichen, kommen uns zwei große Fischkutter entgegen, ein weiterer überholt. Wir werden ordentlich durchgeschüttelt. Dann ist das Fahrwasser frei. Wir sind nur noch wenige Kabel (das ist ein Zehntel einer Seemeile) von der Durchfahrt entfernt, da sind die Baken plötzlich nicht mehr zu sehen. Dichter Nebel ist von See aufgezogen und packt die Welt in Watte. Wir können kaum noch bis zu unserem eigenen Bug sehen. Ausgerechnet an der ungünstigsten Stelle. Wir überlegen umzukehren oder zu ankern und zu warten, bis der Nebel verschwindet, fahren aber erstmal langsam weiter. Nach der betonnten Durchfahrt folgt nun ein Abschnitt, wo man eine weitere Durchfahrt zwischen einigen Felsen treffen muss. Nobbi findet den ersten Felsen im Radar und bald können wir ihn auch sehen, weniger als 500m entfernt. Ab und zu schält sich ein Fischerboot aus dem Nebel. Wir sind erleichtert, als wir die letzte Engstelle sehen können, erst im Radar, dann in der echten Welt, und fahren zwischen den Felsen durch. Von Norden rollt, trotz der Flaute, ein leichter Ozeanschwell heran, der sich auf den Unterwasserfelsen bricht. Bei höheren Wellen empfiehlt sich diese Abkürzung sicherlich nicht.
Auch wenn sich der Nebel etwas verzogen hat, ist es dunkel und grau. Die Wolken hängen so tief, dass von der Küste nur die unteren Meter zu sehen sind. Erst als wir Muros erreichen, reißt es auf. Auf den letzten Meilen sehen wir viele Delfine, die anscheinend auf der Jagd sind. Kaum haben wir im Hafen angelegt, scheint die Sonne. Nach 30 Seemeilen sind wir ein bisschen müde, doch nach der Anmeldung beim Hafenmeister, waschen wir Wäsche und kaufen ein.








Muros ist ein hübsches Städtchen mit alten Sandsteinhäusern und einer freundlichen Hafenatmosphäre. Gerne würden wir ein bisschen länger bleiben. Doch die Vorhersage verspricht Flaute für den nächsten Tag, eine gute Gelegenheit Meilen nach Norden zurückzulegen. Im Sommer weht es an dieser Küste oft stark aus Nord, dazwischen ist meist wenig oder kein Wind. Darauf, dass ein angenehmer Segelwind uns nach Norden trägt, können wir also nicht hoffen. Für mehr als einen Spaziergang haben wir in Muros keine Zeit. Ein kleiner Abstecher auf die Pier zu den Fischern und in die Kirche, dann geht’s weiter.




Fisterra, das Ende der Welt, ist unser Ziel. Am Cabo Finisterre, oder auf Galicisch Fisterra, endet (je nach Interpretation) der Jakobsweg. Viele Pilger setzen ihren Weg von Santiago de Compostela bis hierher fort. Der Ort Fisterra liegt an der Ostseite der Halbinsel, die 247m hoch ist und an deren Kap ein berühmter Leuchtturm steht. Auch wenn es das vermeintliche Ende der Welt ist, handelt es sich nicht um den westlichsten Punkt. Der westlichste Punkt Galiciens liegt ein paar Meilen nördlich am Cabo Touriñán, der westlichste Punkt des europäischen Festlands ist das Cabo da Roca bei Lissabon.
Das Meer liegt fast glatt vor uns, nur das leichte Heben und Senken erinnert daran, dass wir auf dem Atlantik unterwegs sind. Die vielen Bojen, die die Leinen mit Reusen kennzeichnen, sind bei diesen Bedingungen gut zu sehen. Gelegentlich weichen wir einem Fischerboot aus. Um nicht auf „spielende“ Orcas zu treffen, lautet die Empfehlung möglichst im flachen Wasser, landwärts der 20 Meter Linie zu bleiben. Das ist in viele Bereichen aber völlig illusorisch. Zum einen fällt der Meeresboden hier steil ab und die 20 Meter Linie ist oft viel zu dicht am Ufer, als dass wir dort mit einem angemessenen Abstand zur Küste unterwegs sein könnten. Zum anderen müssten wir jede kleine Bucht ausfahren und den Weg damit drastisch verlängern. Wir entscheiden uns für einen Mittelweg.
Als wir das Kap Fisterra erreichen, liegt es im strahlenden Sonnenschein in glattem Wasser und der Strom schiebt uns nach Norden. Das Wetter macht uns ein Angebot, das wir nicht ablehnen wollen. Bessere Bedingungen werden wir an dieser Küste, die nicht zufällig Costa da Morte (Todesküste) heißt, nicht bekommen. Knapp zwanzig Seemeilen nördlich liegt Muxia, dort kommen wir nachmittags an. Wir freuen uns über die angenehme Tagesetappe, sind aber ein bisschen traurig, Fisterra und die östlich davon gelegenen Ankerplätze verpasst zu haben.










Am nächsten Tag fahren wir mit dem Bus nach Fisterra. Eigentlich wollten wir mit dem Bus zum Leuchtturm auf der Landspitze fahren, doch der Bus hält dort wider Erwarten nicht. Also steigen wir im Ort Fisterra aus. Nach einem kurzen Blick auf den Hafen, machen wir uns auf den Weg zum Leuchtturm und wählen den längeren, aber schöneren Wanderweg auf der Westseite und den bewaldeten Rücken der Halbinsel. Dort picknicken wir, bevor wir zum Leuchtturm hinunterlaufen. Hier ist es etwas wuselig: viele Touristen, Wandergruppen und Pilger besuchen den Kilometer 0 des Jakobswegs und den Leuchtturm.
Der Tag beginnt grau und für die Wanderung ist kühleres Wetter sehr angenehm. Erst als wir auf der Ostseite zurück in den Ort wandern, kommt die Sonne heraus und es wird heiß. Wir legen einen kleinen Zwischenspurt ein, um den früheren Bus zu erreichen und sitzen dann ratlos an der Busstation. Der Bus kommt nicht. Eine längere Recherche weckt die Hoffnung, dass der Bus in eineinhalb Stunden fahren könnte. Ein Bier und ein Eis verkürzen die Wartezeit äußerst effektiv.
Der Bus kommt pünktlich, wir zahlen 5,30 Euro (zusammen) und werden 40 Minuten durch Galiciens Nordosten gefahren, bevor wir in Muxia quasi vor unserem Boot wieder aussteigen. Busfahren ist toll, wenn man den richtigen Fahrplan findet.







