Es gießt als unser Zug einfährt. Teile des Bremer Hauptbahnhofsteigs sind nicht überdacht, Reisende und Gepäck bekommen eine gratis Dusche. Wir machen es uns bequem und freuen uns auf eine entspannte Bahnfahrt. Die Freude weicht bald einer gewissen Anspannung. Dem erfahrenen Bahnreisenden ist nicht entgangen, dass die Abfahrtszeit zum eine Stunde korrigiert wurde. Bald meldet sich der Schaffner und erklärt, dass das kräftige Gewitter auf der Bahnstrecke ganze Arbeit geleistet hat. Die Oberleitung ist beschädigt, ob und wann der Zug fährt weiß niemand. Es ist später Abend. Unser Zug hat nun die Abfahrtszeit des nachfolgenden Zugs, der folgende wurde gestrichen. Es sieht nicht so gut aus. Eine Stunde vergeht, der Zugbegleiter berichtet, dass es keine Neuigkeiten gibt und wir alternativ zurück oder am nächsten Tag weiterfahren können. Das hilft uns nicht. Am nächsten Morgen geht unser Flieger – unglücklicherweise ab Köln. Eine kurz Suche ergibt, dass es am Flughafen noch einen geöffneten Autovermieter gibt. Wir buchen ein Auto, das wir in Köln abgeben können und verlassen den Zug eineinhalb Stunden nach dem Einsteigen. Mit der Straßenbahn geht’s zum Flughafen. Glücklicherweise sind die Wege in Bremen nicht weit und wir sitzen, nach einer kurzen Diskussion mit der Dame der Autovermietung, bald im Auto. Durch die ganze Hektik sind wir nun wieder wach. Eine halbe Stunde hinter Bremen geht die E-Mail ein, unser Zug fällt ganz aus. Gut, dass wir uns beizeiten entschieden haben. Als wir langsam müde werden, kommen wir gegen ein Uhr in Köln an. Die Beschilderung am Flughafen ist abenteuerlich, wir finden das richtige Parkhaus und die Plätze unseres Vermieters trotzdem. Was wir nicht finden, ist der Kasten, in den wir die Schlüssel unseres Rennwagens werfen sollen. Zwischen ein und zwei Uhr nachts suchen wir zwischen Parkhaus und Terminal, zwischen unbesetzten Schaltern und unverständlichen Hinweistafeln. Zwei Polizisten sind ausgesprochen nett, wissen aber auch nicht weiter. Ein Mann von der Reinigungs-Crew schickt uns zurück ins Parkhaus, wo uns schließlich drei junge Männer (was machen die nachts ohne Auto im Parkhaus???) den entscheidenden Tipp geben.
Wir geben unser Gepäck auf, essen unsere Brötchen, gehen durch die spektakulär unkomplizierte Sicherheitskontrolle und lesen ein wenig, bevor wir endlich in den Flieger steigen, der uns zurück zu Mari bringt. Als wir in Arrecife unsere Tasche vom Gepäckband ziehen, haben wir noch sieben Minuten Zeit, bis der Bus kommt. Hier ist das kein Problem. Der Zoll ist nicht besetzt und von der Gepäckausgabe zum Bus sind es nicht mal hundert Meter. Sehr gut, wir hätten sonst eine Stunde warten müssen.
Um halb elf frühstücken wir bereits auf Marisol im Cockpit. Nach einem ausgiebigen Mittagsschlaf sind wir soweit wieder hergestellt, dass wir uns auf der Feier zum „Tag der Kanaren“ unters Volk mischen.
Inzwischen haben wir das Großsegel und die Fock wieder angeschlagen, Mari vom feinen Wüstenstaub befreit und den Kühlschrank gefüllt. Wir sind also wieder voll einsatzfähig.
Natürlich brauchen wir auch ein wenig Auslauf. Mit dem Bus fahren wir nach Playa Honda und laufen 8km zurück zum Boot. Uns fällt auf, wie leer die Insel geworden ist. Es scheinen nur wenig Touristen hier zu sein. Die Strände sind fast leer und in den Restaurants gibt es viele freie Tische. Selbst an der Pfütze, der Charco de San Ginés, geht es abends ungewöhnlich ruhig und entspannt zu. Uns gefällt es.
Wir wollen Arrietta, einen kleinen Fischerort etwas nördlich, besuchen und stehen am Busbahnhof. Bus Nr. 7D finden wir nicht, sehen nur lauter Menschen, die in einem Bus einsteigen, der laut Anzeige erst in eineinhalb Stunden fährt. Das kommt uns merkwürdig vor. Die Dame, die ich frage, weiß auch nicht, wo die Nummer 7D fährt, will aber ebenfalls nach Arrietta und rät uns mit ihr in diesen Bus einzusteigen. Kaum setzt sich der Bus in Bewegung, springt die Anzeige um. Wir sitzen im Bus 7D. In Arrietta laufen wir ein wenig an der Küste entlang, sehen am Strand den Surfern zu, picknicken und verstecken uns in einem Café vor dem starken Wind. Es ist nicht gerade kuschelig hier. Ganz gemütlich machen wir uns dann auf den Weg zur Bushaltestelle, als uns plötzlich unser Bus entgegenkommt. Wir legen einem Sprint ein und schaffen es die Haltestelle vorm Bus zu erreichen. Er fährt 14min vor der Zeit in unserem Fahrplan. Busfahren auf Lanzarote bleibt ein Abenteuer.




