Ein Kapstadt-Besuch ohne Ausflug auf den Tafelberg ist nicht komplett.
Der Tafelberg ist 1087 m hoch und das unangefochtene Wahrzeichen Kapstadts, thront er doch über der Stadt. Der Tafelberg ist ein alter Berg. Die ältesten Bereiche sind 450 Millionen Jahre alt. Vor 150 Mio. Jahren brach Gondwana auseinander, der Berg wuchs durch Verwerfungen, wurde dann noch einmal überflutete und „erst“ vor etwa 30 Mio. Jahren entstand der Berg in seiner heutigen Form. Seitdem sorgt der Wind für Feinschliff.
Die Flora des Bergs ist außergewöhnlich und sehr artenreich. 1400 Pflanzenarten gibt es, z.B. sehr viele Erika-Arten (600!). Nobbi behauptete es sähe so ähnlich aus wie in der Lüneburger Heide, nur mit Berg.
Häufig ist ein Tischtuch auf dem Tafelberg zusehen, eine Wolkenkappe. Feuchte Luftmassen strömen vom Meer kommend über den Berg. Beim Aufsteigen kondensieren sie zu Wolken, die sich wieder auflösen wenn sie hinter dem Berg hinabfallen. Auf der Nord- und Westseite entsteht ein Fallwind, der Cape Doctor. Er heißt so, weil er die Stadtluft reinigt. Diesen Fallwind kennen wir gut, schüttelt er uns doch in der Marina ziemlich durch. Den Zusammenhang zwischen Tischtuch und Wind, können wir bestätigen. Wenn der Tafelberg eingedeckt ist, weht es kräftig.
Natürlich kann man einfach mit der Seilbahn nach oben fahren. Doch Hugh hat beschlossen, dass wir uns Mittwochmorgen um halb sieben treffen und gemeinsam auf den Tafelberg steigen. Hugh haben wir auf Cocos kennengelernt, er ist in Südafrika aufgewachsen und hat es sich zur Aufgabe gemacht befreundete Segler auf den Tafelberg zu jagen. Wir sind eine kleine Gruppe mit Seglern aus fünf Ländern und drei verschiedenen Häfen.
Die Wanderung ist durchaus sportlich. Der Weg ist nicht besonders lang, aber steil. Zu Beginn geht’s auf unregelmäßigen Stufen langsam aufwärts. Nun ist uns allen warm. Dann schlängelt sich der Weg den Berg hinauf und ab und zu müssen wir hohe Stufen hinaufklettern. Wir sind in einem gemächlichen, seglergeeigneten Tempo unterwegs und machen gelegentlich eine Pause. Der Ausblick ist die ganze Zeit fantastisch. Kapstadt liegt uns zu Füßen.
Nun werden die Kletterpartien immer anspruchsvoller. Mir wird irgendwann klar, dass ich auf keinen Fall nach unten gucken darf, viel zu steil geht es hinter uns hinab. Ich habe Glück, nur an einer Stelle wird mir mulmig. Danach muss zwar noch schlimmer geklettert werden, es geht aber nicht unmittelbar unter unseren Füßen abwärts. Nobbi betont, dass er eigentlich keine Ambitionen zum Klettern hat. Umdrehen ist auf dieser Strecke keine Option, also wird weiter geklettert. Im alten Gestein des Tafelbergs kann man sich wunderbar festhalten. An der schwierigsten Stelle gibt es eiserne Stufen und Ketten, die den Aufstieg auch für Laien wie uns möglich machen. Schließlich ist das Schlimmste geschafft und der Weg schlängelt sich auf die Rückseite des Bergs, wo wir nach knapp vier Stunden schließlich den Gipfel erreichen. Die Tischplatte gewissermaßen. Unterwegs haben wir nur eine Handvoll Wanderer getroffen, hier oben hingegen ist es dank Seilbahn richtig voll.
Wir haben uns ein bisschen gequält, aber die Wanderung sehr genossen. Die Stille, der unglaubliche Blick in alle Richtungen, die nette Gesellschaft und natürlich das gute Gefühl es geschafft zu haben. Wir denken bereits darüber nach die Wanderung zu wiederholen. Es gibt übrigens einen viel einfacheren Weg, aber Hugh sagt der sei langweilig. Und, es gibt einen viel längeren und schwierigeren, den haben unsere topfitten französischen Freunde in sieben Stunden geschafft. Das lassen wir lieber.
Für den Rückweg wählen wir die Seilbahn. Der Boden der Gondel dreht sich 360 Grad, so dass alle Fahrgäste einen guten Blick haben. Ein Extra, das Menschen, die keine Seilbahnfans sind, nicht unbedingt zu schätzen wissen. Ich habe die Rückfahrt trotzdem gut überstanden.























