Von Singapur fliegen wir nach Jakarta. Wir sind unsicher, ob wir Jakarta mit dem Boot besuchen wollen und beschließen uns die Hauptstadt per Flieger anzusehen. Hauptstadt ist Jakarta nur noch bis zum 17. August, dem Nationalfeiertag, dann wird Nusantara eingeweiht, die neue Hauptstadt auf Borneo.
Jakarta ist eine riesige Stadt mit über 12 Millionen Einwohnern und 34 Mio. Einwohnern im Großraum Jakarta. Wolkenkratzer im Zentrum und wilde Bebauung in den umliegenden Stadtteilen, unglaubliches Verkehrsaufkommen, Müllprobleme, Smog, Probleme einer Mega-City. Java ist nicht nur Indonesiens wirtschaftliches und kulturelles Zentrum, es ist auch die Insel mit den meisten Bewohnern weltweit. Ca. 155 Mio. Menschen leben hier, die Bevölkerungsdichte von 1100 Einwohnern/km2 gehört zu den höchsten der Welt. Jakarta ist also alles andere als ein verträumtes Dorf.
Wir bleiben nur eine Nacht in Jakarta und steigen am nächsten Morgen in den Zug. Die Fahrt bringt uns nach Bandung. Die Bahnfahrt gefällt uns so gut, dass wir gar nicht aussteigen mögen. Durch Jakartas Vororte geht’s in die Berge. Die Fahrt gewährt spannende Ausblicke, Reisfelder, dörfliches Leben, brennende Müllhaufen. Wir sind nicht sehr schnell unterwegs, aber sehr komfortabel. Es gibt auch einen Schnellzug, den Whoosh (wie lieben diesen Namen!), der die Strecke in nur einer halben Stunde zurücklegt und in Zukunft bis Surabaya fahren soll. Wir sind knapp drei Stunden unterwegs.
In Bandung ist es erheblich ruhiger als in Jakarta, obwohl Bandung auch eine große Stadt mit 2,6 Mio. Einwohnern ist. Und hier ist es kühler. Wir sind nun auf 770 m und die Luft ist merklich klarer, abends wird es sogar frisch.
Es ist Wochenende und abends ist viel los. Im Restaurant spielt eine tolle Band mit Querflöte und Saxophon. Samstagabend wird die Hauptstraße zur Fußgängerzone. Bandung ist Universitätsstadt und gerade werden Abschlüsse gefeiert und am Sonntagmorgen führt die Marathonstrecke direkt an unserem Hotel vorbei. Wir feuern die Läufer bei Kilometer 30 an und bedauern die Läufer, für die nur ein Teil der Straße gesperrt wurde, der Verkehr läuft daneben auf zwei Spuren weiter. Bandung ist ein beliebtes Wochenendziel. Es gibt einige sehenswerte Art-déco-Gebäude aus den 1920 Jahren und Villenviertel mit Gebäuden aus der holländischen Kolonialzeit.
Bandung ist stolz Ausrichter der ersten asiatisch-afrikanischen Konferenz 1955 gewesen zu sein, die international als Bandung-Konferenz bekannt ist und hier Konferensi Asia-Afrika heißt. Eine Straße ist nach der Konferenz bekannt, das Konferenz Gebäude ist erhalten und gilt als Sehenswürdigkeit (auch wegen seiner Architektur), Straßenpoller tragen Schriftzüge aller Teilnehmer-Länder und im Hotel liegt das Gästebuch aus. Viele der teilnehmenden Länder waren gerade unabhängig geworden und die 29 Länder repräsentierten damals 54 % der Weltbevölkerung.
Wir machen einen Spaziergang, um die Stadt etwas zu erkunden, was allerdings keine Freude ist. Der Verkehr ist dicht, Ampeln werden ignoriert und das Wechseln der Straßenseite ist eine Herausforderung.





Kawah Putih, der weiße Krater, ist einer der Krater des Patuha, einer der vielen Vulkane Javas und ein beliebtes Ausflugsziel. Direkt am Kratersee ist viel los. Der sehr saure See schimmert milchig blau mit einem schwefelig gelben Ufer und stinkt entsprechend. Zulange sollte man sich nicht direkt am See aufhalten, denn das ist nicht besonders gesundheitsfördernd. Wir machen einen Spaziergang zu einem Aussichtspunkt, der in eine Wanderung ausartet. Auf 2400m Höhe ist es wunderbar kühl. Die Indonesier tragen lange Hosen und teilweise Wollpullover und Steppjacken. Wir genießen die kühle Luft. Endlich kann man es in der Sonne aushalten, muss aber aufpassen, dass man sich nicht verbrennt.
Auf dem Rückweg unserer Wanderung machen wir einen Abstecher zu einer Teeplantage. Die ersten Teepflanzen wurden 1826 auf Java gepflanzt, später auch auf anderen indonesischen Inseln, vor allem auf Sumatra. Ein Großteil des indonesischen Tees kommt aus der Provinz West-Java, deren Hauptstadt Bandung ist. Die grünen, leicht geschwungenen Hänge, dicht bepflanzt mit Teepflanzen soweit das Auge reicht, haben ihre ganz eigene Ästhetik.
Java ist nicht nur dicht besiedelt, sondern auch sehr fruchtbar, was natürlich direkt miteinander zusammenhängt. In jedem Garten oder Hof und auf jedem noch so schmalen Streifen entlang der Bahngleise oder Straßen wird Obst oder Gemüse angebaut. In den tiefer liegenden Gebieten sehen wir große Reisfelder, an den Berghängen zwischen den tiefen Wolken erstrecken sich die Teeplantagen. Dazwischen, nicht zu hoch und nicht zu warm werden Zwiebeln, Kohl, viele andere Gemüse und Erdbeeren angebaut. Unglaublich viele Erdbeeren. Natürlich trinken wir Erdbeersaft zum Mittagessen. Seit wir mit Duolingo Indonesisch lernen, frage ich mich wo man bitte Erdbeersaft trinkt. Und nun weiß ich es, hier auf Java oberhalb von 1000 m mit Blick auf Erdbeerpflanzen.












Über die Fahrt nach Bogor schweigen wir uns aus, wir waren gewarnt. Es ist eine ganz schlechte Idee am Sonntag von Bandung nach Bogor und damit Richtung Jakarta zu fahren. Sechs Stunden haben wir für die 120 km über den Puncak Pass gebraucht.
In Bogor verbringen wir fast einen ganzen Tag im Botanischen Garten, der uns mit seinen großen, alten Bäumen gefällt. Leider ist der Fluss, der hindurch führt voller Müll. Bereits 1817 wurde die große Anlage eröffnet und grenzt direkt an die Sommerresidenz des indonesischen Präsidenten.
Nachmittags wollen wir den Botanischen Garten auf der Westseite verlassen und uns dort die Gebäude und die Kathedrale ansehen. Das Tor ist auf allen Karten eingezeichnet und am Tor stehen Wächter, doch verlassen können wir den Garten hier nicht. Wir hätten vorgewarnt sein sollen, auch im Garten waren viele der Tore zwischen den kleinen Abteilungen geschlossen. Wir verzichten auf die Besichtigung der Kathedrale und laufen zurück zum Hotel.
Bogor ist überraschend konservativ. Am ersten Abend essen wir in einem kleinen wunderbaren französischen Restaurant mit indonesischen Inhabern, am zweiten Abend hat es leider geschlossen und wir sehen uns nach einer Alternative um. Dabei stellen wir fest, dass es in Bogor (zumindest dort wo wir unterwegs waren), anders als in Bandung oder Jakarta, schwierig ist, an ein Bier zu kommen. Schließlich bekommen wir eins in unserem Hotel, auf der Karte steht es allerdings nicht.





Zurück in Jakarta ist Nobbi auf Zeitreise, er hat beruflich viel Zeit hier verbracht und freut sich über Vertrautes und bestaunt Veränderungen. Im Jaya-Pub entdeckt Nobbi einen Aufkleber, den er dort vor über 20 Jahren hin geklebt hat, das Kaufhaus Sarinah hat noch immer eine riesige Auswahl an Souvenirs und sehr edle Batik und im Hyatt trinken wir Tee mit Blick auf die Plaza Indonesia. Nobbi denkt an all die Stunden vor und nach Besprechungen und ich genieße den besten Darjeeling seit Monaten.



Der Verkehr in Jakarta ist verrückt, die Situation hat sich im Stadtzentrum aber deutlich verbessert. Es gibt eine erste U-Bahn Linie und an je nach Wochentag dürfen nur Autos mit geraden bzw. ungeraden Nummernschildern fahren. Häufig halten Autos und Roller an Ampeln, so dass Fußgänger die Chance haben, die Straße zu überqueren. In Bandung wurde auch an der roten Ampel nicht angehalten. Man überlegt sich jeden Spaziergang genau, wenn das Überqueren einer Straße zum Abenteuer wird. Theoretisch wäre es sicherlich schön ein Auto zu mieten und Java zu erkunden, praktisch eher nicht. Der Standstreifen eignet sich hervorragend zum Überholen, die weißen Linien sind eher eine Empfehlung, es passen viel mehr Autos nebeneinander und dann sind da noch die zahlreichen Mopeds die jede sich bietende Lücke zwischen den Autos füllen. In Einbahnstraßen ist es akzeptiert, dass die Scooter sich auch entgegen dem Fahrzeugstrom bewegen.
Einen Nachmittag verbringen wir am Phinisi-Hafen Sunda Kelapa. Die traditionellen Indonesischen Schiffe, Phinisi, segeln nicht mehr, sondern haben heute eine starke Maschine. Der charakteristische Rumpf mit seinem steilen Steven ist geblieben. Jakarta versinkt im Meer. Das liegt nicht nur am steigenden Meeresspiegel, sondern auch daran, dass zu viel Grundwasser entnommen wird. Der Wasserstand im Hafen ist höher als die Straße, ein Deich aus Sandsäcken verhindert eine Überschwemmung. Was wir für einen Kanal gehalten hatten, entpuppt sich als die Straße zum kleinen Containerhafen, als ein LKW über den „Kanal“ fährt. Der große Containerhafen ist etwas außerhalb, hier hängen zwar auch Verbotsschilder, aber niemand stört sich an unserem Besuch. Die Leute sind freundlich und offen. Wir werden aufgefordert auf dem Deich zu klettern damit wir besser sehen können und eingeladen ein Schiff zu besichtigen.










Zeit für ernsthaftes Sightseeing. Von der Monas, dem Nationalmonument, einer Art Säule oder Turm, hat man einen guten Blick über die Stadt, deren Ränder allerdings im Dunst verschwinden. Eine Ausstellung führt in Dioramen durch die Geschichte Indonesiens. In der Altstadt Kota Tua oder „Old Batavia“, die von Gebäuden aus dem 17. Jhd mit holländischen Stil geprägt wird, als Batavia der asiatische Sitz der Ostindischen Kompanie war, machen wir eine Kuchenpause im traditionsreichen Café Batavia und besuchen das Nationalmuseum, das uns nicht überzeugen kann. Im schmutzigen Kanal unter der Hühnerbrücke fischen Männer nach „Kostbarkeiten“. Reich und sehr arm leben hier sehr dicht beieinander.










Wir hatten eine schöne Woche in Jakarta und Umgebung. Neben dem Sightseeing sind es die Kleinigkeiten, die man aus dem Autofenster oder im Vorbeigehen beobachtet, die in Erinnerung bleiben. Ein Einkaufszentrum ohne Kunden, in dem die Verkäufer Uno spielen oder einen Mittagsschlaf machen. Kühe stehen auf der Ladefläche eines Lasters, eine lebende Ziege wird auf dem Roller durchs Zentrum von Bandung gefahren und unter den Bambusstangen, die der Transporter geladen hat, kann man das Fahrzeug kaum mehr ausmachen. Geschäftstüchtige Verkäufer bieten Pizza an der roten Ampel an und der Fußweg wird als Erweiterung der eignen Werkstatt genutzt. Auf Rollern fahren ganze Familien, zwei Erwachsene und zwei Kinder sind kein Problem, und es können auch vier! Käfige mit Hahn zum Hahnenkampf transportiert werden. Neben dem Roller trabt ein Pferd im Verkehrschaos einer 6-spurigen Straße. Wie sollte man das Tier auch sonst zum Rennen bringen?
Wir haben noch immer nicht genug von Indonesien, nun schauen wir uns das Leben wieder von der Wasserseite an.






